23.10.2017

Kontexte 01.01.2011


Weihnachtsspruch

THEODOR FONTANE in: Gedichte zur Weihnacht. Herausgegeben von Stephan Koranyi und Gabriele Seifert. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2009.


Sei heiter!
Es ist gescheiter
Als alles Gegrübel; -
Gott hilft weiter,
Zur Himmelsleiter
Werden die Übel.



Die Veredelung von Weihnachtsbäumen

T. S. ELIOT in: Gedichte zur Weihnacht. Herausgegeben von Stephan Koranyi und Gabriele Seifert. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2009.


Es gibt verschiedne Haltungen Weihnachten gegenüber,
Von denen wir einige ignorieren dürfen:
Die soziale, die apathische, die unverhohlen kommerzielle,
Die rüpelhafte (die Pubs bleiben bis Mitternacht geöffnet)
Und die kindische - die nicht die jenes Kindes ist,
Für das das Kerzenlicht ein Stern, der goldne Engel
Mit gespreizten Schwingen hoch auf der Spitze eines Baums
Nicht nur Verzierung ist, sondern ein Engel.
Das Kind wie es den Weihnachtsbaum bewundert:
Laßt es so fortfahrn in dem Geist des Wunders
Bei diesem Fest, als dem, das nicht als Vorwand gilt;
So daß das glitzernde Entzücken, das gewaltige Bestaunen
Des jung erblickten ersten Weihnachtsbaums,
So daß die Überraschungen, die Freude über neues Eigentum
(Ein jedes mit besonderem und faszinierendem Geruch),
Die freudige Erwartung auf Puter oder Gans
Und das erwartete Staunen bei ihrer Ankunft,
So daß die Ehrfurcht und die Lustigkeit
In späterer Erfahrung nicht vergessen wird
In einförmiger Langeweile, Gewöhnung und Strapaze,
Dem Wissen um Tod und dem Wissen ums Scheitern,
Oder in des Bekehrten Frömmigkeit,
Die unrein werden kann von Eitelkeit,
Beleidigend vor Gott und rücksichtslos gegen die Kinder
(Und hier erinnere ich auch mit Dankbarkeit
Die Heilige Lucia, ihr Lied und ihre Feuerkrone):
So daß vorm Schluß, beim achtzigsten Weihnachtsfest,
(Mit >achtzig< meine ich das letzte, irgendeines)
Die angesammelten Erinnerungen an jährliches Gefühl
Zusammengehn in eine übergroße Freude,
Die ebenso aus großer Angst besteht - wie damals,
Als Angst in jede Seele trat:
Weil jeder Anfang uns ans Lebensende denken lassen soll,
Das Erste Kommen an das Zweite.



Bewahre uns, Gott

Aus: Auf den Schwingen der Sehnsucht. Gebete und Meditationen von Frauen für Frauen. Herausgegeben von Brigitte Enzner-Probst. Gütersloher Taschenbücher, Gütersloh 1995.


Bewahre uns, Gott,
behüte uns, Gott,
geh mit uns auf unseren Wegen.
Sei Quelle und Brot
in Wüstennot,
sei um uns mit deinem Segen.

Bewahre uns, Gott,
behüte uns, Gott,
sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht
im Angesicht,
sei nahe in schweren Zeiten.

Bewahre uns, Gott,
behüte uns, Gott,
sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Willen und Kraft,
die Frieden schafft,
sei in uns, uns zu erlösen.

Bewahre uns, Gott,
behüte uns, Gott,
sei mit uns durch deinen Segen.
Dein heiliger Geist,
der Leben verheißt,
sei um uns auf unseren Wegen.

Text: Eugen Eckert (1985) 1987
Melodie: Anders Ruuth (um 1968) 1984 »La paz del señor



Zum neuen Jahr

EDUARD MÖRIKE in: Gedichte zur Weihnacht. Herausgegeben von Stephan Koranyi und Gabriele Seifert. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2009.


Kirchengesang (Melodie aus Axur:»Wie dort auf den Auen«)

Wie heimlicher Weise
Ein Engelein leise
Mit rosigen Füßen
Die Erde betritt,
So nahte der Morgen.
Jauchzt ihm, ihr Frommen,
Ein heilig Willkommen,
Ein heilig Willkommen!
Herz, jauchze du mit!

In Ihm sei's begonnen,
Der Monde und Sonnen
An blauen Gezeiten
Des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rate!
Lenke du und wende!
Herr, dir in die Hände
Sei Anfang und Ende,
Sei alles gelegt!



Ewigkeit

Aus: Perlen der Weisheit. Die schönsten Texte von Anselm Grün. Herausgegeben von Rudolf Walter. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2010.


Ewigkeit ist der Augenblick, der ganz tief erlebt wird, in dem ich ganz in dem bin, was ich tue, was ich fühle, was ich bin. Sie ist eine Erfahrung, die den ganzen Leib durchdringt, die den Menschen in Leib und Seele vibrieren lässt, die das Innerste des Menschen erschüttert. Diese Lust hat in sich etwas vom Geschmack der Ewigkeit. Und sie verweist auf den, der allein unsere tiefste Sehnsucht zu erfüllen vermag.

In der Ewigkeit gibt es keine Zeit mehr. Unser Leben bei Gott ist zeitlos. Es ist reine Gegenwart.

Ewiges Leben ist nicht in erster Linie das Leben nach dem Tod, sondern eine eigene Qualität von Leben. Es ist ein Leben, das jetzt schon das Ewige und Göttliche in sich birgt. Weil der Tod keine Macht hat über dieses göttliche Leben, wird das ewige Leben den Tod überdauern. Es ist weder der Todesgrenze noch der Zeit unterworfen. Das ewige Leben hat keine "Dauer", sondern ist Leben in jedem Augenblick, Leben in Fülle.

Unsere Sehnsucht wird erst im Tod aufhören. Erst da wird sie für immer erfüllt werden. Dennoch brauchen wir dieses Glück nicht festzuhalten, weil es uns verweist auf eines, das ewig bleiben wird.

Wir können in unserem Leben als Menschen die Ewigkeit nicht festhalten. Aber in dem Augenblick, in dem wir ganz im Schauen sind, in dem Zeit und Ewigkeit zusammenfallen, haben wir eine Ahnung von etwas Dauerhaftem, Beständigem, Ewigen, das nicht wieder zerfällt. In diesem Augenblick verstehen wir, was Ewigkeit ist. Und in solchen Augenblicken erfahren wir auch einen inneren Zusammenhang zwischen unserer begrenzten Lebenszeit und der Ewigkeit. In unsere begrenzte Zeit bricht immer wieder Ewigkeit ein. Da berühren wir etwas, was die Zeit übersteigt und der Vergänglichkeit der Zeit nicht unterworfen ist. Das, was wir in solchen Erfahrungen nur ahnen, wird nach dem Tod für immer Wirklichkeit sein.



Freut euch, fürchtet euch nicht!

Aus: Basil Hume, Selig die Suchenden. Texte für Menschen auf dem Weg. Verlag Neue Stadt, München Zürich Wien 2001.


Freut euch, fürchtet euch nicht!, sagt uns der Herr. Aber haben wir Grund zur Freude?

Nach meiner eigenen Lebenserfahrung gibt es fast täglich Widrigkeiten und Grund zur Traurigkeit. Manches Mal weine ich bittere Tränen, wenn ich innerlich bedrückt und von Angst erfüllt bin oder physisch leide und der Körper müde ist. Wenn Gott die Güte ist, wie behauptet wird, wenn keine menschliche Liebe an seine Liebe zu uns heranreicht, warum scheint dann doch das Ungute, das Böse unser Herz zu regieren? Warum hat es solchen Einfluss in Gottes Schöpfung? Diese Fragen drängen sich auf. Und doch lautet die Botschaft: Freut euch, fürchtet euch nicht!

Wir fühlen uns terrorisiert, wenn wir keinen Ausweg aus der Dunkelheit sehen, wenn kein Licht am Horizont erscheint. Dieses Gefühl des Schreckens ist Frucht von Verzweiflung, Häßlichem, Grausamkeit. Doch oftmals erleben wir auch, dass gerade in Zeiten, in denen uns solche Empfindungen gefangen halten, neue Hoffnung geboren wird. Die Dunkelheit weicht dem Licht. Ein Erlöser ist uns geboren, Jesus ist eingetreten in die Dunkelheiten unserer Welt. "So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat" (Joh 3,16).

Fürchtet euch nicht!, lautet die Botschaft. Wir sind nicht allein. Jede Last, die wir zu tragen haben, wird von ihm geteilt. Er wird sie uns nicht immer abnehmen. Doch sobald wir daran denken, dass unsere Last auch die seine ist, ist sie leichter zu tragen.