20.10.2017

Kontexte 25.12.2011


Fröhlich soll mein Herze springen

Paul Gerhardt 1653, in: EG 36.



Mit den Hirten will ich gehen

Emil Quandt (1880), EG 544 (Ausgabe Rheinland).


Mit den Hirten will ich gehen,
meinen Heiland zu besehen,
meinen lieben heilgen Christ,
der für mich geboren ist.

Mit den Engeln will ich singen,
Gott zur Ehre soll es klingen,
von dem Frieden, den er gibt,
jedem Herzen, das ihn liebt.

Mit den Weisen will ich geben,
was ich Höchstes hab im Leben,
geb zu seligem Gewinn,
ihm das Leben selber hin.

Mit Maria will ich sinnen
Ganz verschwiegen und tief innen
über dem Geheimnis zart:
Gott im Fleisch geoffenbart.

Mit dir selber, mein Befreier,
will ich halten Weihnachtsfeier;
komm, ach komm ins Herz hinein,
laß es deine Krippe sein.



Geburt Christi

Rainer Maria Rilke, Sämtliche Werke. Hrsg. Rilke-Archiv. 1. Band: Gedichte. Erster Teil, Frankfurt: Insel 1955.


Hättest du der Einfalt nicht, wie sollte
dir geschehn, was jetzt die Nacht erhellt?
Sieh, der Gott, der über Völker grollte,
macht sich mild und kommt in dir zur Welt.

Hast du dir ihn größer vorgestellt?

Was ist Größe? Quer durch alle Maße,
die er durchstreicht, geht sein grades Los.
Selbst ein Stern hat keine solche Straße.
Siehst du, diese Könige sind groß,

und sie schleppen dir vor deinen Schoß

Schätze, die sie für die größten halten,
und du staunst vielleicht bei dieser Gift - :
aber schau in deines Tuches Falten,
wie er jetzt schon alles übertrifft.

Aller Amber, den man weit verschifft,

jeder Goldschmuck und das Luftgewürze,
das sich trübend in die Sinne streut:
alles dieses war von rascher Kürze,
und am Ende hat man es bereut.

Aber (du wirst sehen): Er erfreut.



Weihnachtslied, chemisch gereinigt

Erich Kästner (1927) in: Werke in neun Bänden, hrsg. F.J. Görtz., Bd. 1: Zeitgenossen, haufenweise. Gedichte. Hrsg. H. Hartung in Zusammenarbeit mit N. Brinkmann, München: Hanser 1998.



Verlässliches Paradies

Eva Demski, Frankfurter Anthologie - Kindheit als verlässliches Paradies, FAZ 17.12.2005.


Es geht um die Vergänglichkeit und wie ihr gelassen zu begegnen ist, ohne Kampf und Dramatik. Weihnachten ist ein Synonym für Vergangenheit. Ein Tag, der, mit Träumen von Stille, Innigkeit und Frieden beladen, in der Realität ziemlich oft katastrophal danebengeht, in der Erinnerung aber leuchtet. Kindheit als verlässliches Paradies auch in ganz unparadiesischen Zeiten...



Wie der Esel zu seinem Kreuzzeichen kam

Abt Albert Altenähr OSB, Weihnachtsbrief der Abtei Kornelimünster http://www.abtei-kornelimuenster.de/Spirituelles/Kirchenjahr/Weihnachten/Weihnachten%202005.htm


Eine Weihnachtsgeschichte

Als der Jesusknabe im Stall von Bethlehem geboren wurde und die vielen Leute kamen, um sich mit den Eltern zu freuen, das war der Esel einfach froh, dass er sich mit seinem grauen Fell tief im Schatten verstecken konnte. Er war nicht für den großen Auftritt vor der Welt geschaffen. Seine Ohren waren zu groß geraten und seine Beine zu kurz. Weder war er ein feuriger Rappe noch ein strahlender Schimmel, sondern einfach ein Grautier. Die Welteroberer und Herrscher lieben Rosse und Wagen, die Kaufleute aus dem fernen Saba die hochnäsigen Kamele. Er aber war nur der Lastenträger in den Dörfern und der geduldige Esel für die Fußfaulheit der kleinen Leute. Jetzt ließ er den Kopf hängen und sein Fell wurde noch ein wenig grauer als sonst, da er seinen Alltag und das Leben überhaupt meditierte. Er wurde zwar immer wieder gebraucht, er wurde auch geschätzt, weil er so brauchbar war, aber er wurde nie hofiert. Das Leben war schon seltsam, ... irgendwie ungerecht. Und wenn er müde war und nicht mehr wollte und nicht mehr konnte, dann gab es Schläge, damit er doch weiter trottete. Es war kein fauler Esel, ... er war ein dummer Esel, ... eben ein ... Esel.

Der Gesang der Engel verfolgte ihn bis in seine Träume und auch die Freude der Hirten und Geschenke der weisen Männer, die von einem so besonderen Stern erzählten, der sie bis in seinen Stall geführt hatte. Das muss schon ein besonderes Kind sein, aber er war nicht Besonderes und so passten sie beide kaum zueinander. Es ist nicht gut, sich falsche Träume zu machen, dachte er. Denk daran: du bleibst ein kleiner grauer Esel und wirst nie ein bunter Vogel.

Dann kam der Tag, an dem der Mann ihn so seltsam anschaute und mit der Mutter sprach, dass sie ganz schnell von hier weg mussten. Und sie packten ihre sieben Sachen und der Mann setzte die Mutter und das Kind auf seinen Rücken. Der kleine Esel seufzte, jetzt hat der Alltag wieder begonnen. Als der Knabe beim Trott der vielen Schritte langsam müde wurde, fiel sein kleiner Kopf auf den Nacken seines Reittieres und die Haare dort kitzelten in seiner Nase und er musste niesen. Dem Eselchen sträubten sich vor Schreck die Haare, so dass sie wie eine Bürste senkrecht zu Berge standen. Das gefiel dem Kleinen. Er streichelte die Haare immer wieder und dann legte er seine Arme ganz eng um den Hals und schlief wieder ein.

Als sie am Abend in einem Gehöft am Wege rasteten war der Esel immer noch ganz aufgeregt. Der kleine Knabe hatte Freude an ihm gehabt. Er hatte sich an ihn gekuschelt und ihn umarmt. Das machte den Esel richtig stolz und seine Nackenhaare standen vor Aufregung auch jetzt noch senkrecht. Als er dann in einer Glitzerscheibe sein Spiegelbild sah, wollte er es kaum glauben: Die Nackenhaare waren auf einmal schwarz und da wo der Knabe seine Arme um seine Schultern gelegt hatte, war auch sein Fell schwarz geworden. Der Knabe hatte ihm ein Siegelzeichen eingebrannt.
Dass der kleine Knabe damals so viel Freude und Vertrauen zu ihm hatte, das hat der Esel nie vergessen und bis heute ist er bis in die Schwanzspitze hinein mächtig stolz auf das Kreuz auf seinem Rücken.