27.06.2017

Kontexte 31.12.2011


"Euro-Rettungsschirm" ist Wort des Jahres 2011


Vertrauen ist gut, ein Fallschirm ist besser. "Euro-Rettungsschirm" ist laut der zuständigen österreichischen Fachjury an der Universität Graz das Wort des Jahres 2011.

Beim Un-Wort schoss sich das Gremium unter Leitung von Professor Rudolf Muhr auf "Töchtersöhne" ein. Den Spruch des Jahres formulierte demnach Finanzministerin Fekter typisch österreichisch: "shortly, without von delay". Und bereits zuvor bis auf Kabarett-Ebene gehievt worden ist der nunmehrige "Un-Spruch" des Jahres 2011: "Wos woa mei Leistung?" (Copyright: Walter Meischberger).

Euro-Rettungsschirm. "Die Wahl dieses Wortes ist durch seine Bedeutung und aufgrund der Häufigkeit des Auftretens in den Medien begründet. Zudem hat das Wort zwei positive Bedeutungen, indem es als 'Schirm' Schutz vor von oben kommenden negativen Auswirkungen verspricht, gleichzeitig aber auch als 'Rettungsschirm' eine weiche Landung der in die Krise geratenen Wirtschaft der Euro-Länder in Aussicht stellt", lautet die Begründung.

Auf dem zweiten Platz dann: "Arabischer Frühling", der aktuelle Ereignisse "historischer Größe" bezeichne, sich an den "Prager Frühling" anlehne und die Hoffnung auf eine umfassende Demokratisierung in autoritär regierten Ländern ausdrücke. Der "Inseratenkanzler" landete schließlich auf dem dritten Rang. Hier sei allerdings der "Wahrheitsgehalt derartiger Behauptungen" erst Gegenstand des Korruptionsausschusses des Nationalrates.

Das "Erste Un-Wort des Jahres 2011": Töchtersöhne. Die "silberne Medaille" erhielt in dieser Kategorie der "Lobbyist" zugesprochen. Der neutrale Begriff sei durch "korrupte und manipulative Tätigkeit" einiger Berufsvertreter in Verruf gekommen. Das "bronzene" Un-Wort des Jahres stammt aus dem vor kurzem novellierten steirischen Naturschutzgesetz: "letal vergrämen". Ein einfallsreicher Euphemismus für das Töten von Vögeln.

Nicht einzelne Wörter oder Begriffe machen Sprache aus, es sind Sätze oder Sprüche. Finanzministerin Fekter wird hier mit dem "Spruch des Jahres 2011" vor den Vorhang gebeten: "shortly, without von delay". Und dann der "Un-Spruch des Jahres 2011": Wos woa mei Leistung? "Dieser von Walter Meischberger in einem 'privaten' Gespräch gemachte Ausspruch bezog sich auf Absprachen, die in Bezug auf Rechnungen getätigt werden und vor der Staatsanwaltschaft bestimmte Provisionszahlungen im Rahmen von Immobilienverkäufen begründen sollten.

Weitere Kategorien: Das "Erste Jugendwort des Jahres 2011": liken ("Gefällt mir"), danach "planking" und auf dem dritten Platz "egosurfen" als Ausdruck für das Suchen bzw. Gieren nach möglichst vielen Eintragungen der eigenen Person im Internet.



"Stresstest" setzt sich gegen "Merkozy" durch

http://www.tagesschau.de/kultur/wortdesjahres110.html - 16.12.2012


Das Wort des Jahres 2011 lautet "Stresstest". Das teilte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) mit. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass der aus der Humanmedizin stammende Begriff 2011 auffällig oft gefallen sei.

Er habe sich aus sprachlicher Sicht als äußerst produktiv erwiesen und sei in den verschiedensten Bereichen anzutreffen gewesen.
"Nicht nur Banken wurden auf ihre Belastbarkeit getestet, auch etwa das Bahnhofsprojekt 'Stuttgart 21', die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg und deutsche Atomkraftwerke wurden Stresstests unterzogen", heißt es in der Begründung.

Auf Platz zwei setzten die Sprachwissenschaftler das Wort "hebeln", das für die Ausweitung des Euro-Rettungsschirms EFSF steht. Auch "Arabellion", "Merkozy" und "Fukushima" schafften es unter die ersten zehn Plätze.

Der Schlichter von "Stuttgart 21", Heiner Geißler, lobte die Wahl des Begriffs. "Ein 'Stresstest' ist Teil der notwendigen Information, um zu mehr Bürgerbeteiligung bei großen Projekten zu kommen", sagte der frühere CDU-Generalsekretär der Nachrichtenagentur dpa. Geißler hatte sich am Ende seiner Schlichtung in Stuttgart für den geplanten Tiefbahnhof ausgesprochen.



Das Leben kommt von vorn

Aus: Andrea Schwarz, Und jeden Tag mehr leben. Ein Jahreslesebuch. Mit zwölf illustrierten Monatsseiten von Thomas Plaßmann. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.


nachts
um halb drei

weiß
ich plötzlich

das
ist der Weg

so
stimmt es

das
geht

das ist der Schlag
der alle Knoten auflöst

das ist die Harmonie
die alle Dissonanzen verstummen lässt

das ist der Traum
der es wert ist
Wirklichkeit zu werden

jetzt
muss ich
zupacken



Zum neuen Jahr

JOHANN WOLFGANG VON GOETHE (1749-1831) in: Judith Sixel (HG.), Poesie für jeden Tag. Jahreslesebuch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2007.


Zwischen dem Alten,
Zwischen dem Neuen,
Hier uns zu freuen
Schenkt uns das Glück,
Und das Vergangne
Heißt mit Vertrauen
Vorwärts zu schauen,
Schauen zurück.

Stunden der Plage,
Leider, sie scheiden
Treue von Leiden,
Liebe von Lust;
Bessere Tage
Sammeln uns wieder,
Heitere Lieder
Stärken die Brust.

Leiden und Freuden,
Jener verschwundnen,
Sind die Verbundnen
Fröhlich gedenk.
O des Geschickes
Seltsamer Windung!
Alte Verbindung,
Neues Geschenk!

Dankt es dem regen
Wogenden Glücke,
Dankt dem Geschicke
Männiglich Gut!
Freut euch des Wechsels
Heiterer Triebe,
Offener Liebe,
Heimlicher Glut!

Andere schauen
Deckende Falten
Über dem Alten
Traurig und scheu;
Aber uns leuchtet
Freundliche Treue;
Sehet das Neue
Findet uns neu.

So wie im Tanze
Bald sich verschwindet,
Wieder sich findet
Liebendes Paar:
So durch des Lebens
Wirrende Beugung
Führe die Neigung
Uns in das Jahr.



Nachdenken am Jahresende

Aus: Phil Bosmans, Leben jeden Tag. 365 Vitamine für das Herz. Übertragen und herausgegebenen von Ulrich Schütz. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008.


Ein Jahr geht zu Ende. Was ist dir von ihm geblieben?
Vielleicht Enttäuschungen und Misserfolge,
ein Haufen Ärger und graue Haare.
Vielleicht ein leiser Schmerz im Herzen,
weil alles so schnell gegangen ist?
Fühlst du vielleicht zum ersten Mal, dass jedes Jahr
von deinem Leben ein Stück abschneidet?
Denk mal ruhig darüber nach. Es kann ja nicht schaden,
wenn du ein paar Illusionen los wirst.
Aber es wäre eine Katastrophe, solltest du den Mut verloren
haben und den Glauben an das kommende Jahr.
Suche weiter nach Frieden.
Suche nach unbelasteter Verbindung zu Gott.
Er kann dir die leeren Hände füllen und das leere Herz.



Bessere Zeiten

(Segensworte, dem Pfarrer von St. Lamberti (Münster) aus dem Jahr 1888 zugeschrieben) Aus: Roland Breitenbach, Segen für Dich. Dein Begleiter für das Jahr. Verlag Katholische Bibelwerk, Stuttgart 2005.


Herr, setze dem Überfluss Grenzen
und lass die Grenzen
zwischen den Menschen überflüssig werden.
Lass Menschen kein falsches Geld machen,
aber auch das Geld keine falschen Menschen.
Nimm den Ehefrauen das letzte Wort
und erinnere die Ehemänner an ihr erstes.
Schenke unseren Freunden mehr Wahrheit
und der Wahrheit mehr Freunde.
Bessere jene Beamten,
Geschäftsleute und Arbeiter,
die wohl tätig, aber nicht wohltätig sind.
Gib den Regierenden ein besseres Deutsch
und den Deutschen eine bessere Regierung.
Herr, sorge dafür,
dass wir alle in den Himmel kommen,
aber nicht sofort.