16.12.2017

Kontexte 01.01.2013


Ich glaube an Gott, der die Liebe ist


Ich glaube an Gott, der die Liebe ist,
und der die Welt allen Menschen geschenkt hat.

Ich glaube nicht an das Recht des Stärkeren,
an die Stärke der Waffen,
die Macht der Unterdrückung.

Ich glaube an Jesus Christus,
der gekommen ist, uns zu heilen,
und der uns aus allen tödlichen Abhängigkeiten befreit.

Ich glaube nicht, dass Kriege unvermeidlich sind,
dass Friede unerreichbar ist.

Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen,
die berufen ist,
im Dienste der Menschheit zu stehen.

Ich glaube nicht, dass Leiden umsonst sein muss,
dass der Tod das Ende ist,
dass Gott die Zerstörung der Erde gewollt hat.

Ich glaube, dass Gott für die Welt eine Ordnung will,
die auf Gerechtigkeit und Liebe gründet,
und dass alle Männer und Frauen gleichberechtigte Menschen sind.
Ich glaube an Gottes Verheißung
eines neuen Himmels und einer neuen Erde,
wo Gerechtigkeit und Friede sich küssen.

Ich glaube an die Schönheit des Einfachen,
an die Liebe mit offenen Händen,
an den Frieden auf Erden.
Amen.

Weltversammlung der Christen in Seoul 1990
www.paxchristi.at



Friedensappell für Nahost

Kathpress 26. 12. 2012 - Korrespondentenbericht von Johannes Schidelko


Auch 2012 wurde der Weihnachtsfrieden wieder durchbrochen

Vatikanstadt, 26.12.12 (KAP) Der Weihnachtsfrieden wurde auch in diesem Jahr wieder durch blutige Anschläge auf Christen und Gottesdienste abrupt durchbrochen. Wenige Stunden nachdem Papst Benedikt XVI. in Nigeria grausame terroristische Attentate beklagt hatte, starben bei einem Anschlag im Norden des westafrikanischen Landes mindestens sechs Teilnehmer einer Weihnachtsmesse. Und in den Kriegszonen Syriens erlebten die Christen diesmal das schwierigste Christfest seit Jahrzehnten, bestätigte Vatikan-Botschafter Mario Zenari aus Damaskus.

Der Friedensappell für Syrien, wo die Mitternachtsmetten aus Sicherheitsgründen auf fünf Uhr vorverlegt werden mussten, stand im Mittelpunkt der Weihnachtsbotschaft von Benedikt XVI. Vor mehreren Zehntausend Gläubigen auf dem Petersplatz forderte er, das Blutvergießen in dem Nahostland zu beenden, die Hilfe für Flüchtlinge zu erleichtern und im Dialog eine politische Lösung zu suchen. Er bezog die Nachbarländer Libanon und Irak in die Friedenswünsche ein. Ausdrücklich wandte er sich an Israelis und Palästinenser, endlich wieder an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Und für die Länder des Arabischen Frühlings, vor allem für Ägypten, äußerte der Papst die Hoffnung auf Gesellschaftsformen, die auf Gerechtigkeit, Freiheit und Menschenwürden basierten.

Seinen Weihnachtsappell für Frieden und Gerechtigkeit richtete Benedikt XVI. auch an die Krisenländer Afrikas. Er erinnerte an die Gewalt in Nigeria, Mali und Kenia. Im Norden der Demokratischen Republik Kongo brauchten die vielen Flüchtlinge dringend Hilfe. Dann sprach er von den vielen Flüchtlingen und Emigranten in Lateinamerika, und forderte von den Regierenden energischen Einsatz für Entwicklung und gegen Kriminalität.



Aus der Liturgie

Aus: Breite deinen Frieden in mir aus. Gebete der Religionen. Zusammengestellt und Kommentiert von Walter Kühnelt. Verlag St. Gabriel, Mödling-Wien 1989.


Allmächtiger, barmherziger Gott,
wir bitten dich für deine Kirche:
leite alle ihre Diener
durch deinen Geist
und hilf deinem ganzen Volke.
Gib deinem Worte Macht,
daß der Glaube wachse
und die Liebe zunehme
bei uns und in aller Welt.

Sei mit allen,
die Verantwortung tragen
in den Völkern,
daß sie die Macht,
die ihnen anvertraut ist,
nach deinem Willen gebrauchen,
das Recht aufrichten
und den Frieden schützen.

Sei den Armen und Kranken
Helfer und Tröster;
stärke die in Not und Anfechtung sind,
besonders unsre Brüder
und Schwestern,
die um der Wahrheit willen
verfolgt werden,
und erfülle sie mit der Kraft
des Heiligen Geistes.

Walte mit deinem Frieden
in unsren Häusern,
heilige die Ehen,
segne die Erziehung der Jugend,
gib aller ehrlichen Arbeit
gutes Gelingen
und lasse keine Mühe
vergeblich sein.
Erhöre uns in deiner Liebe.
Durch Christus,
unseren Herrn.



Der uns behütet schläft nicht

Aus: Andrea Schwarz, Du Gott des Weges segne uns. Gebete und Meditationen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008.


Getrost
und getröstet
können wir gehen
wir sind nicht allein
getrost
und getröstet
können wir das Leben wagen
da ist einer
der mit uns ist
getrost
und getröstet
können wir uns
auf den Weg machen
da ist einer
der für uns ist

da ist einer
der uns beschützt
der seine bergende Hand
über uns hält
über dich und mich
und uns und diese Stadt
unser Land und unsere Welt

der uns behütet
schläft nicht
er nimmt uns in seine Obhut
in ihm
können wir getrost sein

er
der uns Vater und Mutter ist
Frieden und Gerechtigkeit
Hoffnung und Grund
der uns kennt und liebt
und will und mag

der
schläft nicht

der
schaut nach uns
der
gibt auf uns acht
der
geht uns nach
der
lässt uns nicht los

der uns behütet
schläft nicht

deshalb
vertrau ich mich
ihm an
deshalb
verlass ich mich
auf ihn

der uns behütet
schläft nicht

der uns behütet
will unsere Lebendigkeit
der uns behütet
will unsere Freiheit
der uns behütet
will unser Wachsen

der uns behütet
schläft nicht
aber er macht es uns
nicht nur nett
der will was
für uns
der will was
von uns

der uns behütet
der fordert uns
der uns behütet
will mich

der will was
von mir
und der will was
von dir

er ist Wort
und will Antwort

weil er
mich hält und trägt
weil er mit mir ist
bin ich getragen
und getröstet
und kann ich
Antwort geben

kann tragen
und trösten

und kann gehen
in seinem Namen
getragen und getröstet
und tragen
und trösten

behütet von dem
der für das Leben ist
kann ich gehen
für das Leben

behütet und getröstet
von dem
der das Leben will
lasst uns aufbrechen und gehen
dem Leben entgegen

weil wir das Leben mit uns tragen
lasst uns das Leben
zu den Menschen bringen
getragen und getröstet von dem
der das Leben ist



Gebet zur Gottesmutter Maria

Frei Betto in: Breite deinen Frieden in mir aus. Gebete der Religionen. Zusammengestellt und Kommentiert von Walter Kühnelt. Verlag St. Gabriel, Mödling-Wien 1989.


Gegrüßet seist du, Maria,
schwanger
mit den Sehnsüchten
unserer Armen.
Der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit
unter den Unterdrückten,
und gebenedeit sind
die Früchte deines Leibes,
die Befreiung sind.

Heilige Maria,
lateinamerikanische Mutter,
bitte für uns,
damit wir auf den
Geist Gottes vertrauen,
jetzt,
da unser Volk
um Gerechtigkeit kämpft,
und in der Stunde,
da es sie in Freiheit erlangt,
damit wir in Frieden leben.
Amen.



Streit ums Öl statt Weihnachtsfrieden

Kathpress 26. 12. 2012 - Korrespondentenbericht von Alexander Brüggemann


Schweizer Gemeinde kämpft um Schuld aus dem 14. Jahrhundert

Zürich, 26.12.12 (KAP) Es ist eine Provinzposse über sieben Jahrhunderte, mit der die "Neue Zürcher Zeitung" ihre Leser zuletzt in unregelmäßigen Abständen erfreut. Und in der Tat bietet die Geschichte aus dem Ostschweizer Kanton Glarus alles, was es braucht: einen Mordfall, historische Rechtshändel, eine Ölrechnung, Kirchenschmäh und einen umstrittenen Bischof - der in diesem Fall der Gute ist.

Der Streit im Örtchen Näfels geht zurück auf einen urkundlichen Eintrag aus dem Jahr 1357. Demnach hatte ein Konrad Müller aus Niederurnen den Konrad Stucki ermordet. Als Sühne bekam er aufgetragen, "auf alle Zeiten" das Ewige Licht in der Kirche zu besorgen. Eine sagenhafte Zweitüberlieferung der Geschichte will, dass es sich um einen Brudermord unter den Gebrüdern Tschudi gehandelt habe. Im Ergebnis kommt aber ebenfalls Öl heraus: Der Kainsbruder, Besitzer der Güter Schneisingen und Mühlegut, habe den Pfarrer von St. Hilarius gebeten, zur Buße das Öl für das Ewige Licht übernehmen zu dürfen - "für alle Ewigkeit".

Ist das eine Stiftung? Ein Vermächtnis? Eine Bringschuld? Ein Ablass? Das Öl floss jedenfalls über Jahrhunderte. Die Näfelser blieben auch in der Reformation katholisch; das Dorf galt darum als politisches Gegengewicht zum reformierten Glarus. Irgendwann wurden auf den namentlichen Grundstücken die Nussbäume gefällt. Seitdem floss Geld statt Öl - 70 Franken (ca. 58 Euro) pro Jahr.

Nun begab es sich, dass rund 650 Jahre nach der angeblichen Mordtat der heutige Besitzer der Wiese nicht mehr einsehen mochte, finanziell für reuige Gelübde seiner Vorgänger geradezustehen - zumal die historische Seelenlast auch nicht ins Grundbuch eingetragen ist. Die katholische Kirchgemeinde beharrte freilich auf ihrem Anspruch und zog den jungen Bauern vor Gericht. Gefordert wurde zweierlei: der Eintrag ins Grundbuch im Zuge einer ohnehin seit 1912 überfälligen Aktualisierung - und die Fortführung der jährlichen Zahlung.

Der Gerichtstermin am 21. November verlief unerfreulich. Von einem Machtspiel und von "purer Schikane" sprach der Verteidiger des Bauern. Die Kirchgemeinde argumentierte, was die Reformation, Napoleon und die Gründung des Schweizer Bundesstaates überlebt habe, solle nun "mit einem Fingerschnippen vernichtet" werden. Ungesagt blieb jedoch freilich, so der Dorfhistoriker Fridolin Hauser, dass im 20. Jahrhundert der Kirchenrat selbst den Anspruch aufheben wollte. Damals habe jedoch der frühere Grundstücksbesitzer darauf bestanden.

Dem Richter in Not, der sich vergeblich um einen gütlichen Vergleich bemühte, sprang einige Tage später der Churer Bischof Vitus Huonder bei, der anbot, das Geld künftig aus der bischöflichen Kasse zu zahlen. Auch ein Nachbar des Bauern zeigte Bereitschaft, die Schuld auf sein Grundstück zu übertragen.

Bislang alles vergeblich: Die Kirchgemeinde beharrt offenbar auf ihrem ursprünglichen Anspruch. Bistumssprecher Giuseppe Gracia erklärte, der Näfelser Kirchenrat habe nicht einmal auf mehrfache Nachfrage geantwortet. Auch der Anwalt der Klägerpartei reagiere weder auf telefonische noch auf schriftliche Anfragen, so die Zeitung. Der Richter scheint somit gezwungen, kurz nach Weihnachten tatsächlich ein Urteil zu sprechen.

Leidtragender der Dauerquerele ist unter anderen der Näfelser Pfarrer Czeslaw Bosak. Er wird nicht müde zu betonen, dass nicht die Pfarrei den absurden Streit betreibe, sondern die Kirchgemeinde - ein staatsrechtlich verfasstes Verwaltungsgremium also, das eine Besonderheit der Schweizer Kirchenverfassung darstellt. Auch an Weihnachten brannte jedenfalls für die Gläubigen von St. Hilarius das Ewige Licht - wie in allen Jahrhunderten zuvor. Wer aber das Öl dafür bezahlt, das kann erst nach dem Fest des Friedens geklärt werden.