24.04.2017

Kontexte 06.01.2013


O König aller Ehren

Martin Behm 1606, in EG 71.


O König aller Ehren, Herr Jesu, Davids Sohn,
dein Reich soll ewig währen, im Himmel ist dein Thron;
hilf, dass allhier auf Erden den Menschen weit und breit
dein Reich bekannt mög werden zur Seelen Seligkeit.

Von deinem Reich auch zeugen die Leut aus Morgenland;
Die Knie sie vor dir beugen, weil du ihn' bist bekannt.
Der neu Stern auf dich weiset, dazu das göttlich Wort.
Drum man zu Recht dich preiset, dass du bist unser Hort.

Du bist ein großer König, wie uns die Schrift vermeld't,
doch achtest du gar wenig vergänglich Gut und Geld,
prangst nicht auf stolzem Rosse, trägst keine güldne Kron,
sitzt nicht im steinern Schlosse; hier hast du Spott und Hohn.

Doch bist du schön gezieret, dein Glanz erstreckt sich weit,
dein Güt allzeit regieret und dein Gerechtigkeit.
Du wollst die Frommen schützen durch dein Macht und Gewalt,
dass sie im Frieden sitzen, die Bösen stürzen bald.

Du wollst dich mein erbarmen, in dein Reich nimm mich auf,
dein Güte schenk mir Armen und segne meinen Lauf.
Mein' Feinden wollst du wehren, dem Teufel, Sünd und Tod,
dass sie mich nicht versehren; rett mich aus aller Not.

Du wollst in mir entzünden dein Wort, den schönen Stern,
dass falsche Lehr und Sünden sein meinem Herzen fern.
Hilf, dass ich dich erkenne und mit der Christenheit
dich meinen König nenne jetzt und in Ewigkeit.



Auf, Seele, auf und säume nicht

Michael Müller 1700/1704, in EG 73.


Auf, Seele, auf und säume nicht,
es bricht das Licht herfür;
der Wunderstern gibt dir Bericht,
der Held sei vor der Tür,
der Held sei vor der Tür.

Geh weg aus deinem Vaterhaus
Zu suchen solchen Herrn
und richte deine Sinne aus
auf diesen Morgenstern,
auf diesen Morgenstern.

Gib acht auf diesen hellen Schein,
der aufgegangen ist;
er führet dich zum Kindelein,
das heißet Jesus Christ,
das heißet Jesus Christ.

Drum mache dich behände auf,
befreit von aller Last,
und laß nicht ab von diesem Lauf,
bis du dies Kindlein hast,
bis du dies Kindlein hast.

Halt dich im Glauben an das Wort,
das fest ist und gewiß;
das führet dich zum Lichte fort
aus aller Finsternis,
aus aller Finsternis.



Fest der Erscheinung

Pius Parsch, Die liturgische Predigt. Wortverkündigung im Geiste der liturgischen Erneuerung, II. Band: Die liturgische Evangelien-Homilie, Klosterneuburg: Volksliturgisches Apostolat 1948.


Das Evangelium geht uns heute so in Fleisch und Blut über, dass wir es in der ganzen Messe vom Introitus bis zur Communio in Wort und Handlung festhalten; noch mehr, den ganzen Tag geht im Stundengebet das Evangelium mit uns. Wir nennen auch das Fest nach dem Evangelium: Fest der Heiligen Drei Könige. Noch mehr, die ganze Oktav ist von dem Evangelium erfüllt, noch mehr, sogar in den Sonntagen nach Erscheinung klingt dieses Evangelium nach und wir stehen in der anbetenden Haltung der Magier. Sogar der fromme Volksbrauch hat sich dieses Evangeliums bemächtigt im Herumziehen der drei Könige, in den Sternsingerliedern; und das ganze Jahr hindurch steht auf unseren Türen der Name der drei Magier mit geweihter Kreide und will uns daran erinnern, dass unser Wandel durch das Jahr ein Magierweg zur Anschauung des Glanzes Christi sein soll (...)

Die Magier waren Heiden, die Gott zu Christus geführt hat. Sie gelten als die Erstlinge des Heidentums, die Christus bei seiner Erscheinung in der Welt begrüßen. Da wir aber von den Heiden abstammen, so sind die Magier unsere Vertreter bei der Huldigung Christi. Das ist ja auch der Grund, weshalb die abendländische Kirche gerade das Magierevangelium so bevorzugt; sie fühlt sich eben als die Heidenkirche. In den Magiern huldigt das Heidentum dem Erlöser der Welt. Dieser Gedanke nimmt einen sehr breiten Raum in der Liturgie dieses Festes ein (...)

Auch der Leitpsalm des Festes, Psalm 71, dient zur Erklärung unseres Evangeliums. Es ist darin die Friedensherrschaft Christi vorausgesagt, aber auch der Eintritt der Heiden in die Kirche. Da ist besonders ein Vers, den die Liturgie immer wieder singt: "Die Könige von Tharsis und die fernen Inseln bringen Geschenke dar, die Könige von Arabien und von Saba tragen Gaben herbei; alle Könige beten ihn an, alle Völker werden ihm dienen." Dieser Vers sagt ungefähr dasselbe wie die Prophetenlesung: die Könige der Heiden werden an der Spitze ihrer Völker in die Kirche eintreten. Dieser Vers steht so innig mit dem Evangelium in Verbindung, dass die Magier sogar zu Königen geworden sind, was sie ja nicht waren (...)

Aber die Wahrheit muß uns klar sein: die Heidenkirche feiert heute ihren Geburtstag und huldigt in ihren Vertretern Christus.



Die Heiligen Drei Könige

Rainer Maria Rilke , Die Gedichte, IT 2246, Frankfurt/Leipzig: Insel Verlag 1998.


Legende

Einst als am Saum der Wüsten sich
Auftat die Hand des Herrn
Wie eine Frucht, die sommerlich
Verkündet ihren Kern,
da war ein Wunder: Fern
erkannten und begrüßten sich
drei Könige und ein Stern.

Drei Könige von Unterwegs
Und der Stern Überall,
die zogen alle (überlegs!)
so rechts ein Rex und links ein Rex
zu einem stillen Stall.

Was brachten die nicht alles mit
Zum Stall von Bethlehem!
Weithin erklirrte jeder Schritt,
und der auf einem Rappen ritt,
saß samten und bequem.
Und der zu seiner Rechten ging,
der war ein goldner Mann,
und der zu seiner Linken fing
mit Schwung und Schwing
und Klang und Kling
aus einem runden Silberding,
das wiegend und in Ringen hing,
ganz blau zu rauchen an.

Da lachte der Stern Überall
So seltsam über sie,
und lief voraus und stand am Stall
und sagte zu Marie:

Da bring ich eine Wanderschaft
Aus vieler Fremde her.
Der Könige mit magenkraft *
Von Gold und Topas schwer
Und dunkel, tumb und heidenhaft, -
Erschrick mir nicht zu sehr.
Sie haben alle drei zuhaus
Zwölf Töchter, keinen Sohn,
so bitten sie sich deinen aus
als Sonne ihres Himmelblaus
und Trost für ihren Thron.
Doch musst du nicht gleich glauben: bloß
Ein Funkelfürst und Heidenscheich
Sei deines Sohnes Los.
Bedenk, der Weg ist groß.
Sie wandern lange, Hirten gleich,
inzwischen fällt ihr reifes Reich
weiß Gott wem in den Schooß.
Und während hier, wie Westwind warm,
der Ochs ihr Ohr umschnaubt,
sind sie vielleicht schon alle arm
und so wie ohne Haupt.
Drum mach mit deinem Lächeln licht
Die Wirrnis, die sie sind,
und wende du dein Angesicht
nach Aufgang und dein Kind;
dort liegt in blauen Linien,
was jeder dir verließ:
Smaragda und Rubinien
Und die Tale von Türkis.

* mittelhochdeutsch: Macht



Epiphaniegesang

Paul Claudel, Epiphaniegesang, in: Französische Weihnacht. Die schönsten Weihnachtsdichtungen aus Frankreich, hrsg. Armand Clair, Zürich: Arche 1974.


Im Morgengrauen des frischgebackenen Jahrs,
wenn der Rauhreif gläsern knirscht unterm Schritt,
Und blitzend voller Zukunft die Welt erscheint in ihrem Taufhabit,
Beginnt die Furcht des alten Sehnens, nun, da die finstern Monde hinfahren,
Jesus, anhebend, im Licht der Epiphanie sich zu Offenbaren.
Und das Harren war lang, doch Balthasar mit den zwei andern
Begann zu spät durch Asien und die Dämonen zu Wandern,
Um noch vor Abzug des Advents einzutreffen, und nun ist es gar,
Da sie sich umsehn, schon der sechste im Neuen Jahr!
Endlich steht er still, der Stern, und Maria mit ihrem Gott in den Armen feiert!
Alles Finstere darf man vergessen, weil die Krippe alles erneuert.
Es gilt nur, die Augen aufzutun, den Blick hin zu wagen,
Denn der Sohn Gottes mit uns, er ist da, schon seit zwölf Tagen!



Das Kindlein kommt

Felix Timmermanns, Das Triptychon von den Heiligen Drei Königen, in: Weihnachten. Prosa aus der Weltliteratur, hrsg. B. Heinser, München: dtv 1993.


Und als er sich ausgeruht hatte, nahm er die Schnur, und in die Mondnacht schauend, sang er matt und abgerissen, begleitet von den zarten Tönen der geheimnisvollen Orgel:
            "Wir sind die drei König' mit ihrem Stern,
            Wir kommen gezogen aus weiter Fern',
            wir gingen und suchten überall,
            Wohl über Berg und über Tal,
            Und wo der Stern blieb stille stehn,
            Da täten ins Haus wir dreie geh."

Die Tränen rannen von seinen Backen. Schauer liefen ihm über den Leib, und in seinen brechenden Augen blitzte dann und wann das Feuer seiner verzückten Seele.

Aber wer oder was war das da hinten in der Ferne? Ein strahlendes Licht, das über den mondbeschienen Schnee näher und näher kam, immer geradeaus, ohne auf Weg und Steg zu sehen. Suskewiet hielt erstaunt seinen Atem an, zog aber immerfort gedankenlos an der Schnur, und der Stern drehte sich knarrend rundum. Es kam näher und näher. Und zu guter Letzt schien es ein ganz kleines Kindlein zu sein in einem weißen Hemdchen, mit bloßen Füßen; es trug ein Weltkügelchen in seiner Hand, und um sein blauäugig liebliches Gesicht und seine goldenen Locken strahlte ein regenbogenfarbiges Morgenrot.

"Wer ist das?" murmelte Suskewiet; "mich dünkt, ich hab' dies Kindlein schon einmal gesehn!" Es kam geradewegs auf ihn zu, es verschwand einen Augenblick unter dem Fenster, und dann ging die Türe auf: und da stand vor ihm das Kindlein wie eine Heckenrose, so rein und frisch. Der Stall duftete plötzlich wie ein Garten voller Rosen..
"Guten Tag, Suskewiet!" sagte das Kind lächelnd und zutraulich; "da du nicht mehr zu mir kommen kannst, so komme ich zu dir. Kennst du mich noch?"

Über Suskewiet flog ein Leuchten frohen Staunens, und ein Lächeln ließ seine zwei schwarzen Zahnstümpfe sehen. Er nickte lachend, konnte aber vor Rührung kein Wort sprechen, und derweilen hingen die Tränen an den grauen Stoppelhaaren seiner Backen.

"Ja?" sagte das Kindlein; "dann singe dein Lied nur weiter. Ich höre es ja so gerne."
Und Suskewiet faßte in heiliger Ehrfurcht die Schnur und sang, während seine Augen voll seligen Feuers in dem rosigen Schein blinkten:
            "Maria, die war gar verstört,
            Als sie den großen Lärm gehört;
            Sie meinte, daß Herodes kam,
            Um ihr klein Kindelein zu suchen,
            Sie meinte, daß Herodes kam,
            Zu greifen ihr allersüßestes Lamm."


Und siehe, der schwarze Apfelbaum, der da draußen stand, war nicht weiß von Schnee, sondern weiß von zarten Apfelblüten...