1.03.2017

Kontexte 26.12.2013


Nur ein Traum?

(Johann Pock, Weihnachten 2013)


Ein Engel verkündet einem jüdischen Mädchen:
Du wirst die Mutter des Erlösers sein.
Sie vertraut der Stimme und stellt ihr Leben in seinen Dienst.
Nur ein Traum?

Ein jüdischer Mann erfährt, dass seine Verlobte schwanger ist.
Er glaubt an den Heiligen Geist, steht zu seiner Verlobten
und wird dem Kind ein guter Vater in allen Schwierigkeiten.
Nur ein Traum?

Ein Mann aus einem unterdrückten Volk
geht für seine Überzeugungen ins Gefängnis,
er ist bereit, sein Leben zu geben, kommt frei,
wird Präsident und zum Symbol des Friedens.
Nur ein Traum?

Eine Glaubensgemeinschaft schaut nicht mehr zuerst
auf das Trennende zwischen Konfessionen und Religionen,
auf Regeln und Gebote, sondern darauf,
dass der Glaube Freude und Befreiung bedeutet.
Nur ein Traum?

Ein Engel verkündet die Geburt eines Kindes,
das allen Menschen ohne Unterschied das Heil bringen will.
Mächtige werden vom Thron gestürzt, und Schwache erhöht.
Kein Traum
sondern der Beginn einer neuen Zeit.



Du musst, was Gott ist, sein

Aus dem "Cherubinischen Wandersmann" des Angelus Silesius. In: Deutsche geistliche Dichtung aus tausend Jahren, hrsg. von Friedhelm Kemp, München: Kösel-Verlag 1996.


Soll ich mein letztes End und ersten Anfang finden,
So muss ich mich in Gott und Gott in mir ergründen
Und werden das, was er: ich muss ein Schein im Schein
Ich muss ein Wort im Wort, ein Gott in Gotte sein.



Zu Übermenschen geworden

Albert Schweitzer, Rede bei der Verleihung des Friedenspreises der deutschen Verleger in Frankfurt, 16.9.1951, in: Ders., Vorträge, Vorlesungen, Aufsätze. Hrsg. von Claus Günzler, Ulrich Luz und Johann Zürcher, München: Beck 2003.


… Die Lage, in der sich die Menschheit heute befindet, geht darauf zurück, dass durch die Errungenschaften des Wissens und Könnens die Menschen nicht mehr nur über ihre eigenen Kräfte, sondern in einer geradezu unvorstellbaren Weise über die der Natur verfügen. Durch die Macht, die uns dadurch verliehen ist, sind wir zu Übermenschen geworden. In diesem Sinne hat sich der Traum derer, die von der geschichtlichen Entwicklung erwarten, dass sie einen höheren Typus von Mensch hervorbringe, erfüllt. Dieser Übermensch leidet aber an verhängnisvoller Unvollkommenheit. Er bringt die übermenschliche Vernünftigkeit, die dem Besitz übermenschlicher Macht entsprechen sollte, nicht auf: die Vernünftigkeit, die ihn instand setzt, von der Macht nur zum Verwirklichen des Sinnvollen und Guten, nicht auch zum sinnlosen Vernichten Gebrauch machen. Die Errungenschaften des Wissens und Könnens sind uns mehr zum Schicksal als zum Gewinn geworden. Unsere Größe ist zugleich unser Elend. Dieser Übermensch ist nicht mehr völlig Mensch. Die Macht, die ihm verliehen ist, verleiht ihm etwas Unmenschliches. So werden die aus solchen Übermenschen bestehenden Völker eines dem andern ein Gegenstand der Angst. Keines wagt, dem andern die höhere Vernünftigkeit zuzutrauen, von der grausigen Macht über Kräfte der Natur nicht Gebrauch zu machen. Und keines kann von sich sagen, dass es sich dessen immer enthalten wird…



Geboren, die Herrlichkeit Gottes verwirklichen

Nelson Mandela, Auszug aus seiner Antrittsrede 1994, in: http://www.hospiz-verein-bergstrasse.de/TEX-SONS.HTM


Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind; unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht, das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit. Wir fragen uns: "Wer bin ich eigentlich, dass ich leuchtend, begnadet, phantastisch sein darf?" Wer bist du denn, es nicht zu sein? Du bist ein Kind Gottes. Wenn du dich klein machst, dient das der Welt nicht. Es hat nichts mit Erleuchtung zu tun, wenn du schrumpfst, damit andere um dich herum sich nicht verunsichert fühlen. Wir wurden geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu verwirklichen, die in uns ist. Sie ist nicht nur in einigen von uns, sie ist in jedem Menschen. Und wenn wir unser eigenes Licht erstrahlen lassen, geben wir unbewusst anderen Menschen die Erlaubnis, dasselbe zu tun. Wenn wir uns von unserer eigenen Angst befreit haben, wird unsere Gegenwart ohne unser Zutun andere befreien.



Christkind im Stall

http://de.radiovaticana.va/news/2013/12/16/syrischer_erzbischof:_kinder_beneiden_das_christkind_um_seinen_stall/ted-756125


Tausende syrische Kinder beneiden das Christkind um seinen Stall. Das sagt der maronitische Erzbischof Samir Nassar zu den Bedingungen, unter denen Kinder in Syrien in der Vorweihnachtszeit leben. In seiner Weihnachtsbotschaft beschreibt der maronitische Erzbischof von Damaskus, was die Menschen in Syrien mit Blick auf ein weiteres Weihnachtsfest im Krieg fühlen. „Jesus ist mit seiner Armut nicht alleine“, so der Erzbischof wörtlich. Für viele Familien in Syrien sei die Botschaft des Friedens und der Freude kaum im eigenen Leben vorstellbar: „Der höllische Lärm des Krieges“, so Erzbischof Nassar, „überdeckt den Lobgesang der Engel“. (fides)