23.01.2017

Kontexte 25.12.2014


»... hat unter uns gewohnt«

Aus: Joop Roeland, Die Stimme eines dünnen Schweigens. Die Quelle Verlag Feldkirch 1992.


Das Wort ist Fleisch geworden: das ist das Geheimnis von Weihnachten. Es war im Anfang, dieses Wort - so sagt uns der Prolog des Johannes-Evangeliums. Und: es war Gott. Wer diese Botschaft hört, richtet den Blick in die Weite des Kosmos, nach dem Glanz der Sterne. Es ist eine Botschaft, die uns mit Ehrfurcht erfüllt. Nicht mit dem Schrecken des Herodes, nicht mit der Angst um die Macht. Sondern mit jener Scheu vor dem Heiligen, wie die Hirten in Bethlehem sie gespürt haben. Ihnen wurde gesagt: Fürchtet euch nicht! Es wird uns auch gesagt. Denn die Botschaft lautet nicht nur: das Wort, das Ewige, es ist Fleisch geworden. Es wird dazu gesagt: das Wort, es hat unter uns gewohnt.

Wohnen, das ist Vertrautheit, Geborgenheit, Wärme. Der Unbehauste ist ein Frierender. Auch im Sommer gibt es für ihn keine Schneeschmelze. Auch im Sommer ist seine Seele voller Eisblumen. Ein »Mensch im Eis« ist einer, der nicht mehr nach Hause kommt. Wie sehr muß damals dem Eismann auch seine einsame Seele gefroren haben.

Ein Wohnort bedeutet Wärme. Die Hand, die die Tür öffnet. Die Menschen, die auf einen warten. Der Tisch. Das Brot und der Wein auf dem Tisch. Das Licht des Ofens. Das gehört zur Ursprünglichkeit des Wohnens und ist, was uns leben läßt. Die ursprünglichste Wärme des Wohnens ist aber: Menschen miteinander. Auch in der modernsten Wohnung mit dem tollsten Design kommt es auf diese Ursprünglichkeit an. Auch in der armseligsten Wohnung bleibt das Unersetzbare: die Umarmung der Seelen. Keine Wohnland- schaft kann das ersetzen.

Mit jemandem wohnen, das ist: mit ihm sein. Und nun sagt uns das Wort aus dem Anfang des Johannes-Evangeliums: der Ewige hat unter uns gewohnt. Er wollte mit uns sein. Er hat uns nicht nur einen »Arbeitsbesuch« gemacht und gesagt, was zu tun ist. Er hat unter uns gewohnt. Und er, der sich einmal nannte: »Ich werde da sein«, ihn nennen wir heute Immanuel, »Gott ist mit uns«. Denn er hat unter uns gewohnt. Dieses Wort bedeutet: Du brauchst Dich nicht mehr zu fürchten. Es wird Dir geschenkt, was schon immer die verschwiegene Sehnsucht Deiner Seele war: Einer, der mit Dir ist, der mit Dir wohnt.



Ein anderes Magnificat

Aus: Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. Worte der Zuversicht. Matthias Grünewald Verlag 2006.


Ein Sämann ging aus
und ging über die Erde:
Ein Wort fiel vom Himmel
fiel mir in den Schoß.

Fiel auch auf den Weg
fiel auf steinigen Grund
fiel unter die Dornen
wer kann es verstehn?

Fiel unter die Räuber
fiel unter dem Kreuz
fiel tief in die Erde
wer kann es verstehn?

Die Saat brachte Frucht
und ging auf in der Erde:
Ein Wort fiel vom Himmel
fiel mir in den Schoß.



Wege, um Weihnachten zu finden

Aus: joop roeland, an orten gewesen sein. Texte zum Weitergehen. Otto Müller Verlag / Verlag Die Quelle, Salzburg Feldkirch 1999.


In den biblischen Weihnachtsgeschichten ist alles in Bewegung. Maria, Josef, die Hirten, die Sterndeuter: Alle sind unterwegs. Die Wege sind verschieden. Sie haben ihre eigenen Zeichen: einen Engel, einen Stern. Sie haben ihre eigene Bedrohung: die Abweisung der Herbergsuchenden, die Nachtschrecken der Hirten, eine Falle für die Sterndeuter. Aber alle Wege haben dieselbe Verheißung: Sie führen alle zum Kind, genannt Jeschua, Gott rettet. Oder auch: Immanuel, Gott mit uns.

Am Anfang des Weges, den Maria und Josef gegangen sind, steht jenes Geheimnis, das in den Worten des "Angelus" (Engel des Herrn) eine einfache Sprache findet: "Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist." Wir sprechen diese Worte tagtäglich in der Hoffnung, dass ihr Glanz über die Banalität unseres Alltags leuchte. Banal war tatsächlich der Anlass, weswegen Maria und Josef sich auf den Weg begaben. Ihr Weg war ein lästiger Behördenweg, eine Eintragung in eine Steuerliste. Kein Weg, wo mit viel Anteilnahme zu rechnen ist.

Ich denke, es gibt eine Möglichkeit, wie man einen Weg nach Betlehem gehen kann: einen ganz gewöhnlichen Weg, einen Eselsweg. Die Tage vor Weihnachten haben nicht nur ihren Zauber. Sie bringen auch eine Fülle von Verpflichtungen. Viel Abweisung gibt es in dieser Alltäglichkeit. Das menschliche Herz bietet nicht viel Platz. Oft wirst du nicht aufgenommen. Größer als unser Herz ist Gott. Auch der Eselsweg des Alltages kann zu dem Ort führen, wo es heißt: Gott ist mit uns. Hier bist du angekommen.

Der Weg der Hirten und Sterndeuter ist anders. Der Weg der Hirten ist voller Nachtschrecken und unvorherzusehendem Aufbruch, auch voller Verheißung und Frieden zugleich. Die Sterndeuter aber - ach diese Sterndeuter. Sicher, es sind Gottsucher, Nachdenkliche voller Beharrlichkeit. Aber sie machen so viele Umwege. Es sind typische Intellektuelle, die nie einer Diskussion aus dem Weg gehen können. Darum kommen sie so schlecht voran. Bis sie dann doch ihrer ursprünglichen Vision treu bleiben.

Welchen Weg werde ich zu Weihnachten gehen? Das ist die Frage. Einen alltäglichen Weg? Einen Weg des Friedens durch die Schrecken der Nacht? Einen fragenden Weg? Das sind die Fragen. Sind sie das wirklich?

Denn die Antwort wurde uns schon im Voraus gegeben: Nicht unser Weg ist so wichtig. Weihnachten ist nicht das Geheimnis der Wege des Menschen zu Gott, sondern das Geheimnis von Gottes Weg zu uns. "Gott mit uns", nicht: "Wir mit Gott", ist der Name des Kindes. Das ist die eigentliche Bewegung von Weihnachten: Das Wort, das ewige, ist Fleisch geworden. Es ist zu uns gekommen. Es hat unter uns gewohnt.



Menschwerdung

Christine Philipsen in: Du bist der Atmen meines Lebens. Das Frauengebetbuch. Herausgegeben von Benedikta Hintersberger OP, Andrea Kett, Hildegard Keul, Aurelia Spendel OP. Schwabenverlag / KlensVerlag, Ostfildern 2010.


Gott,
Du bist
heruntergekommen aus den Höhen
ausgebrochen aus den Statuen
geflohen aus dem Gold antiker Tempel
Mensch geworden durch eine Frau
Kind geworden
klein
hilflos
angewiesen
anwesend
bei den Menschen
mit den Menschen lebend
mit den Menschen lachend
mit den Menschen leidend
machtlos
gegen Unmenschlichkeit
machtlos
gegen Kriegsmaschinerien
Sei immer da
mit Deiner Kraft
mit Deiner Liebe
wo Menschen Deine liebende Nähe brauchen
Menschwerdung Gottes
Hoffnungszeichen für die Welt



Ein Bisschen Frieden

http://www.songtexte.com/songtext/nicole/ein-bisschen-frieden-4bf2cb46.html - abgerufen am 21. 12.2014


Wie eine Blume am Winter beginnt
so wie ein Feuer im eisigen Wind,
wie eine Puppe, die keiner mehr mag,
fühl ich mich am manchem Tag.
Dann seh ich die Wolken, die über uns sind,
und höre die Schreie der Vögel im Wind.
Ich singe als Antwort im Dunkel mein Lied
und hoffe, dass nichts geschieht.

Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne
für diese Erde, auf der wir wohnen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude,
ein bisschen Wärme, das wünsch' ich mir.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen
und dass die Menschen nicht so oft weinen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe,
dass ich die Hoffnung nie mehr verlier .

Ich weiss, meine Lieder, die ändern nich viel.
Ich bin nur ein Mädchen, das sagt, was es fühlt.
Allein bin ich hilflos, ein Vogel im Wind,
der spürt, dass der Storm beginnt.

Ein bisschen Frieden, ein bisschen Sonne
für diese Erde, auf der wir wohnen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Freude,
ein bisschen Wärme, das wünsch ich mir.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Träumen
und dass die Menchen nicht so oft weinen.
Ein bisschen Frieden, ein bisschen Liebe,
dass ich die Hoffnung nie mehr verlier .

Sing mit mir ein kleines Lied,
dass die Welt im Frieden lebt.

http://www.songtexte.com/songtext/nicole/ein-bisschen-frieden-4bf2cb46.html