27.04.2017

Kontexte 06.01.2016


Drei wirklich Weise

Aus Walter Kardinal Kasper, Bedenke dein Geheimnis. Meditationen zu Advent und Weihnachten. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2015.


Als die drei Weisen am Ziel waren, fielen sie nieder und beteten das Kind in der Krippe an als den Messias, den Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist, weil er allein uns Heil und Leben bringen kann.

Der Stern, dem sie folgten, führte die Weisen weder in einen Palast der Reichen und Mächtigen noch in eine Akademie mit Gelehrten, sondern zu einem Kind. Die drei waren wirklich weise Men­schen; denn sie begreifen: Gott begegnet uns nor­malerweise nicht im Außerordentlichen, Außer­gewöhnlichen, Ausgefallenen, Abenteuerlichen, Aufsehenerregenden, nicht in Nerven kitzelnden und spektakulären Ereignissen. Außerordentliche Erfahrungen kann man zwar nicht ausschließen; gelegentlich legt uns Gott solche Spuren. Aber sie sind nicht das Erwartbare. Die großen Heiligen wa­ren sogar immer sehr zurückhaltend, ja überaus kritisch gegenüber allem Mirakulösen. Das eigent­lich Wunderbare liegt nicht im Außergewöhnlichen. Es liegt darin, dass mitten im ganz Gewöhnlichen und ganz Alltäglichen das ganz Ungewöhnliche geschieht. Gott macht keine Spektakel und keine Show. Gott ist - wenn man so sagen darf - diskret, so wie auch echte menschliche Liebe nie aufdring­lich, sondern immer diskret ist. So auch Gott. Er steigt zu uns herab, er will mitten unter uns, mit­ten im Alltag der Welt auffindbar und gegenwärtig sein.

Von diesem Wunder übergroßer Liebe sind die drei Weisen überwältigt. Gott ist in Jesus Chris­tus Mensch geworden, ein Mensch so wie du und ich, allein die Sünde ausgeschlossen. Gott ist ge­boren worden, war ein kleines Kind, hat Hunger und Durst gelitten, Freude und Freundschaft erlebt, Leid erfahren und ist gestorben.

Mit der Anbetung des Kindes machen die Wei­sen deutlich, was gilt, was hält und was trägt; was letzter Maßstab und was Kriterium ist, um zu ent­scheiden und zu unterscheiden: Jesus Christus. In ihm ist der unsichtbare und verborgene Gott, der im unzugänglichen Lichte wohnt und für uns Men­schen ein undurchdringliches und unzugängliches Geheimnis ist, sichtbar erschienen. In Jesus Chris­tus hat Gott Fleisch angenommen und ist geworden wie einer von uns. Damit hat er uns geholfen, den wahren Gott von den falschen Götzen zu unter­scheiden. Wer auf ihn schaut und auf ihn hört, der geht nicht in die Irre. Jesus Christus sagt von sich selbst, wer ihn sieht, der sieht den Vater. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben (Johannes 14,8).

An Weihnachten hat Gott, vor dem wir nieder­knien, definitiv gezeigt, dass er kein Tyrann und kein Despot, sondern reine Liebe zu uns und zu allen Menschen ist. Er ist - so sagen es uns die Kir­chenväter immer wieder - dazu Mensch geworden, damit wir Menschen vergöttlicht und mit göttli­chem Leben erfüllt werden, schon jetzt hier auf Er­den und vollends in der Ewigkeit, wenn wir für immer bei Gott sind und Gott uns das ewige Leben schenken wird.

Die Wahrheit, so wie wir Christen sie verste­hen, ist also nicht ein abstraktes Prinzip, nicht ein Kodex von Doktrinen, von Geboten und Verboten. Wahrheit ist nicht eine starre und statische Ange­legenheit. Die Wahrheit ist nicht etwas, was man zwischen zwei Buchdeckeln findet. Die Wahrheit ist eine Person; sie ist Jesus Christus in Person. Er sagt uns, wer und wie Gott ist; und er sagt uns da­mit auch, wer wir als Menschen sind, wie wir als Menschen leben sollen und wie wir leben können, um das Leben in seiner Fülle zu haben und das wahre Glück des Lebens zu finden.

Viele wissen heute nicht mehr, was sie mit ihrem Leben an fangen sollen, worauf sie sich noch ver­lassen können, woher sie kommen und wohin sie gehen. Da ist es das Große und Schöne am Chris­tentum, dass wir in Jesus Christus einen konkreten Maßstab und Orientierungspunkt haben, einen gu­ten Hirten, einen Begleiter durchs Leben, dem wir uns unbedingt anvertrauen können.

Die drei Weisen hatten also recht, wenn sie dort niederknieten, wo allein in der Welt es einen Sinn hat, niederzuknien. Nirgends sonst darf man ei­nen Kniefall machen. Wenn man ihn aber vor Jesus macht, dann verliert man ganz und gar nichts von seiner menschlichen Würde; dann braucht man überhaupt nichts auf geben von menschlicher Weisheit und Einsicht. Wer vor Jesus kniet, wird dadurch nicht klein, im Gegenteil, der Mensch er­fährt dann erst seine wahre Größe und seine wahre Berufung. Die Haltung der Anbetung macht uns nicht klein, aber sie bewahrt uns vor Größenwahn; sie sagt: Da ist einer, der größer ist als alle Macht der Welt.

So war es bei den drei Weisen. Als sie das Kind und seine Mutter fanden, fielen sie nieder und be­teten das Kind an. Vor einem Gott, der sich so ganz anders verhält, als die meisten ihn sich vorstellen, können sie nur in die Knie sinken. Anbetung ist hier Zeichen des dankbaren Staunens und der Ge­genliebe. Als Zeichen ihrer Gegenliebe bringen sie Gold, Weihrauch und Myrrhe dar. Sie bringen sich selbst dar.

Solche Anbetung müssen wir wieder lernen. Wir müssen lernen, stille zu werden und inne zu wer­den, dass ein Größerer da ist, dessen Liebe mich und alle Welt umfängt und in unendlicher Liebe trägt, manchmal auch erträgt, der es gut mit mir meint, mich annimmt und mir immer wieder neu vergibt. Es genügt dann, zu sagen: »Danke, dass du bist, dass du da bist. Ich liebe dich auch«, und dann ganz bewusst eine Kniebeuge zu machen, nicht bloß nebenher, nicht bloß, weil es üblich ist, nein, weil sie dem großen Gott gilt, weil man sich vor ihm klein machen kann, ohne klein zu werden.

Weihnachten, so lehrt uns das Evangelium der drei Weisen, darf nicht nur eine Stimmung sein. Weihnachten führt uns zur Anbetung. Es sagt uns: Gott ist da.



Pastoraltagung 2016 über "Pluralität in Gesellschaft und Kirche"

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Traditionsreiche Bildungsveranstaltung von 7. bis 9. Jänner 2016 im Bildungszentrum Salzburg-St.Virgil

Salzburg, 30.12.2015 (KAP) "Leben ist Vielfalt. Pluralität in Gesellschaft und Kirche" - dieses breit gestellte Thema wird die Teilnehmer der Österreichischen Pastoraltagung von 7. bis 9. Jänner 2016 in Salzburg beschäftigen. Das veranstaltende Österreichische Pastoralinstitut (ÖPI) hält dazu in der Ausschreibung fest, die Vielfalt dieser Welt sei "von Gott wohl-gewollt". In diesem Sinn verstehe sich die Kirche - besonders in ihrem pastoralen Engagement - als "vielfältiges Zeichen und Werkzeug einer Einheit der Menschen, zu der wir als Kinder des einen Gottes berufen sind".

Die traditionsreiche Bildungsveranstaltung im Bildungszentrum Salzburg-St. Virgil richtet sich an kirchliche Mitarbeiter in Seelsorge und Schuldienst. Mehrere hundert Interessierte diesseits und jenseits der Grenzen Österreichs, darunter zahlreiche Bischöfe, nehmen alljährlich daran teil.

Was es bedeutet, "im Uneindeutigen zu leben", beleuchtet im Eröffnungsreferat am Donnerstag, 7. Jänner, Wilhelm Guggenberger vom Institut für Systematische Theologie der Uni Innsbruck. Wie sich kulturelle Identität in einer pluralen Gesellschaft aus der Sicht einer gläubigen Muslimin darstellt, zeigt Amani Abuzahra, Dozentin für Philosophie und Interkulturelle Pädagogik in Wien sowie an der Kirchlichen Pädagogischen Hochschule Wien/Krems, in ihrem Vortrag am selben Tag auf.

Das Thema aus biblischer Sicht betrachtet Ulrike Bechmann, Professorin für Religionswissenschaft an der Universität Graz, am zweiten Tag; der Frage "Wieviel Heterogenität verträgt - braucht - liebt die Kirche?" stellt sich anschließend aus systematisch-theologischer Sicht die Leiterin der Arbeitsstelle für Frauenseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz, Hildegund Keul. Weitere Vorträge halten Franz Hirschmugl vom Grazer Institut für Markenentwicklung ("Was Kirche von Marke lernen kann"), die Feldkircher Integrationsexpertin Eva Grabherr ("Pluralität - kein 'Schonprogramm'") und abschließend Christian Bauer vom Institut für Praktische Theologie der Uni Innsbruck ("Inspirationen für den pastoralen Umgang mit Pluralität").

Spannung verspricht ein am 7. Jänner geplantes Podiumsgespräch mit Vertretern der Katholischen, Evangelischen und Muslimischen Jugend sowie von "Hashomer Hatzair", einer sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation, als Unterhaltungsprogramm ist am selben Tag der "1. Österreichische Pastorale Pluralitäts-Kompetenz-Quiz" vorgesehen.

Die Arbeit in Kleingruppen und liturgische Feiern - u.a. mit dem für das ÖPI zuständigen Referatsbischof Alois Schwarz (Gurk-Klagenfurt) sowie mit Militärbischof Werner Freistetter - ergänzen das Programm der Pastoraltagung. (Info und Anmeldung: www.pastoral.at)



Gold, Weihrauch und Myrrhe

http://www.aureliasan.de/index.php/die-welt-des-weihrauchs/gold-weihrauch-myrrhe - abgerufen am 1. Jänner 2015



Für Jesus nur das Beste

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/ebersberg/gold-weihrauch-und-myrrhe-fuer-jesus-nur-das-beste-1.1565573 - abgerufen am 1. Jänner 2015



Zeit schenken

Franz Kamphaus in: "Lichtblicke" (Herder, Freiburg 2014)



Heilkräfte als Geschenk

http://info.kopp-verlag.de/neue-weltbilder/spiritualitaet-und-weisheitslehren/brigitte-hamann/gold-weihrauch-myrrhe-die-wundervollen-heilkraefte-der-drei-geschenke-fuer-das-jesuskind.html - abgerufen am 1. Jänner 2015



Geschenk der Epiphanie

Papst Johannesw Paul II.



Hl. Johannes N. Neumann CSsR (1811-1860)



Krippensermon für unsere Zeit

Aus: Christine Busta, Salzgärten. Gedichte. Otto Müller Verlag, Salzburg 1978 (1975).



Begegnung am Dreikönigstag

Aus: Christine Busta, Salzgärten. Gedichte. Otto Müller Verlag, Salzburg 1978 (1975).



Haussegen der Sternsinger am Dreikönigstag

Aus: Herbert Jung, Das große Buch der Segensgebete. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 2013.



Gespräch am Dreikönigstag

Aus: Ilse Pauls: Worte am Weg. Gedichte. Wolfgang Hager Verlag, Stolzalpe 2013.



Die Dreikönigsaktion der Katholischen Jungschar

Aus: http://www.dka.at



Die Heiligen Drei Könige-Reliquien

Vgl.: Manfred Becker-Huberti: Die Heiligen Drei Könige. Geschichten, Legenden und Bräuche. Greven, Köln 2005.



O König aller Ehren

Martin Behm 1606, in EG 71.



Auf, Seele, auf und säume nicht

Michael Müller 1700/1704, in EG 73.



Fest der Erscheinung

Pius Parsch, Die liturgische Predigt. Wortverkündigung im Geiste der liturgischen Erneuerung, II. Band: Die liturgische Evangelien-Homilie, Klosterneuburg: Volksliturgisches Apostolat 1948.



Die Heiligen Drei Könige

Rainer Maria Rilke , Die Gedichte, IT 2246, Frankfurt/Leipzig: Insel Verlag 1998.



Epiphaniegesang

Paul Claudel, Epiphaniegesang, in: Französische Weihnacht. Die schönsten Weihnachtsdichtungen aus Frankreich, hrsg. Armand Clair, Zürich: Arche 1974.



Das Kindlein kommt

Felix Timmermanns, Das Triptychon von den Heiligen Drei Königen, in: Weihnachten. Prosa aus der Weltliteratur, hrsg. B. Heinser, München: dtv 1993.



Der Stein der Weisen

Johannes Scheffler in: Egon Kapellari, Aber Bleibendes stiften die Dichter. Gedanken für den Tag. Styria Verlag, Graz Wien Köln 2001.



großer gott klein

Kurt Marti in: Gebete der Dichter. Große Zeugnisse aus 12 Jahrhunderten ausgewählt von Alois Weimer. Patmos Verlag, Düsseldorf 2006.



Anbetung

Manfred Hausmann in: Gebete der Dichter. Große Zeugnisse aus 12 Jahrhunderten ausgewählt von Alois Weimer. Patmos Verlag, Düsseldorf 2006.



Anbetung des Kindes

Josef Weinheber in: Gebete der Dichter. Große Zeugnisse aus 12 Jahrhunderten ausgewählt von Alois Weimer. Patmos Verlag, Düsseldorf 2006.



Das Geschenk der heiligen drei Narren

Aus: Weisheit für die Seele. Gute Gedanken für alle Tage. Sonderband 2007, Herausgegeben von Sylvia Müller und Ulrich Sander. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2007.



Der Stern hat sich nicht geirrt

Klaus Hemmerle in: Manfred Scheuer, Und eine Spur Ewigkeit. Ein geistlicher Begleiter durch das Jahr. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2006.



Auf dem Weg zum nahen Gott

Aus: Manfred Scheuer, Und eine Spur Ewigkeit. Ein geistlicher Begleiter durch das Jahr. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2006.



"Wir haben seinen Stern gesehen ..."

Aus: Franz Kamphaus, Gott beim Wort nehmen. Zeitansagen. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2006.



Ein nie vorher gesehener Stern

CARL ZUCKMAYER in: Gedichte zur Weihnacht. Herausgegeben von Stephan Koranyi und Gabriele Seifert. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2009.



Wohin der Stern uns führt

Pierre Stutz in: Für jeden leuchtet ein Stern. Weihnachtliche Texte... Ausgewählt, eingeleitet und herausgegeben von Ulrich Sander. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2010 (2006).



Zurück in den Alltag

Aus: Andrea Schwarz, Wenn ich meinem Dunkel traue. Auf der Suche nach Weihnachten. Herder Verlag Freiburg Basel Wien 1998.



Lichtstrahlen

Aus: Basil Hume, Selig die Suchenden. Texte für Menschen auf dem Weg. Verlag Neue Stadt, München Zürich Wien 2001.



Im Herzen aller Geschichte

Aus: Das Lächeln Gottes. Gebete unserer Zeit. Herausgegeben von Maria Otto und Ludger Hohn-Morisch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.



Aufbruch

Aus: Lothar Zenetti, Sieben Farben hat das Licht. Worte der Zuversicht. Matthias Grünewald Verlag, Mainz 2006.



Gott ist ganz anders

Aus: Andrea Schwarz, Du Gott des Weges segne uns. Gebete und Meditationen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien o.J.



Den Stern erkennen und glauben

Aus: Dietrich Bonhoeffer, Mitten im Leben Gott erkennen. Texte für das Kirchenjahr, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2003.



Es ist noch alles Zukunft

Karl Rahner



Eines Tages

Aus: Hans Magnus Enzensberger, Die Geschichte der Wolken. 99 Meditationen. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003.