27.06.2017

Kontexte 25.12.2016


Die Hirten auf dem Feld

Johannes Toegel. Weihnachten für Erwachsene. Verborgene Schätze. Styria Verlag, Wien Graz Klagenfurt 2015.


In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtivache hei ihrer Herde.

Was haben die Hirten und Hirtinnen von Bethlehem, wörtlich dem Brot-Haus, wohl wirklich erlebt, als sie die kalte Winternacht bei ihrer Herde verbrachten? Stellen wir uns das ganz plastisch vor. Wir sind einer von ihnen und sitzen mit einem übergeworfenen Tuch oder einem grob gegerbten Fell am Lagerfeuer. Die Zeit vergeht, es ist eine lange Nacht. Die Sinne sind geschärft, die Augen sehen den leisesten Lichtschein, das Glitzern der Sterne und das Leuchten in den Augen der Tiere und Menschen. Die Ohren hören das leiseste Geräusch, jeden losgetretenen Stein, jedes knackende Ästchen und jeden Hauch des Windes. Nichts entgeht uns, und unsere Sinne sind wachsam gespannt.

Wir sind die Hüter der Herde, und es ist unsere Aufgabe, sie vor Raubtieren und Unfällen zu schützen. Vielleicht schleichen Wölfe oder Wildkatzen um unser Lager und warten nur auf eine günstige Gelegenheit, um ein junges Tier zu reißen. Vielleicht schleicht sich etwas anderes heran, etwas, das wir nicht kennen, etwas, das im Dunkel der Nacht verborgen ist, etwas geheimnisvoll Gefährliches.

Angst vor dem Unsichtbaren, Unerwarteten ist etwas, das die Seele wohl kennt, und das wir manchmal nur mühsam unterdrücken können. Vielleicht sind es Räuber, die durch die Nacht schleichen oder eine römische Patrouille, schließlich ist es ein besetztes Land, regiert von fremden Soldaten. Aber dann gibt es eine noch größere Angst, nicht vor den sichtbaren Kräften, den Menschen und Tieren, sondern vor ganz anderen Mächten und Gewalten, die in der Stille der Nacht und der Einsamkeit allmählich spürbar werden.
Wir rücken ein wenig näher zum Feuer und werfen einen vertraulichen Blick zu unseren Gefährten und Gefährtinnen, das gibt uns ein wenig Sicherheit, und wir entspannen uns wieder.
Aber nach einer Weile kehrt sie wieder, die Angst, das Gefühl der Unruhe und der Gegenwart anderer Kräfte, die unserem Verstand und unserem Willen nicht gehorchen.

Unruhig ist mein Herz, bis es Ruhe findet in Dir. Diese grundsätzliche Unsicherheit wohnt in jedem menschlichen Herzen, solange es nicht den eigenen, tragenden Grund gefunden hat. Angst entsteht, weil wir unsere wahre Natur nicht kennen!

Es ist eine besondere Nacht, das spüren wir alle, irgendetwas Ungewöhnliches ist am Werk. Himmel und Erde sind sich näher als sonst, der Atem des Jahres ist an einem Übergang, und die Natur bereitet sich auf einen Wandel vor. Die Nächte sind immer länger geworden, und das Licht der Sonne hat sich zurückgezogen, immer weiter bis zum tiefsten Punkt. Und jetzt, noch kaum spürbar, noch kaum ahnbar, kommt eine Wende, unsichtbar, mitten in der Nacht und doch voller Licht.
Am Himmel erscheint ein neuer Stern, ein starkes Leuchten, genau über uns, ein Zeichen, dass auch unten auf der Erde etwas Neues kommt, etwas, das weitreichende, kosmische Dimensionen hat.

Und dann verdichtet sich das Geschehen, der Kairos, der einzigartige Moment, entfaltet seine Wirksamkeit, und die Menschen werden ergriffen von etwas, das sie nicht verstehen und nicht begreifen können, etwas, das sie belebt und verwandelt, etwas, das man nur in Bildern und Gleichnissen beschreiben kann. Die Bibel drückt es so aus:

Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll:
Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren
...

Fürchtet euch nicht, euch geschieht nichts Böses, im Gegenteil, ganz im Gegenteil, freut euch, freut euch mit uns! Es sind keine menschlichen Stimmen, die so reden, es sind Wesen der Seele und des Geistes, die in dieser Nacht Freude verkünden und den Menschen nahe kommen, denn diese Menschen geht es etwas an, was hier im Gange ist. Nicht irdische Kräfte und nicht das alltägliche Einerlei sind hier am Werk, sondern ein Ereignis, das weit über die Geschichte und den Horizont eines kleinen Bergstammes hinausgeht.


Noch einmal, fürchtet euch nicht, dass eure kleinen Herzen einer himmlischen Macht begegnen, einem himmlischen Heer, das nicht ausgezogen ist, um zu kämpfen oder zu zerstören, sondern um Gott zu loben und den Menschen eine große Freude zu verkünden. Das Evangelium setzt so fort:

Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.

Auf Erden ist Friede ..., singt der Chor der Engel. Was bedeutet das?
Es bedeutet: Ihr seid frei geworden! Die Zeit des Wartens ist vorüber und die Elendsgeschichte der Menschheit verwandelt sich in Glück. Euch ist heute der Retter geboren, der Messias, der gekommen ist, um Frieden zu bringen, Gerechtigkeit und Glück, etwas, das euch mit all eurer Anstrengung und Mühe, mit all eurem Eifer in Jahrhunderten und Jahrtausenden nicht gelungen ist, ganz im Gegenteil, die Verwirrung und die Not sind größer als je zuvor. Aber gerade das wird sich jetzt ändern, gerade das wird jetzt geheilt, gerade im tiefsten Dunkel geht das hellste Licht auf.

Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das in Windeln gewickelt in einer Krippe liegt!



Krippe und Christbaum

Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.


Die Geburt Jesu wird seit dem 4. Jahrhundert am Jahresende, in der Zeit der Wintersonnenwende, gefeiert. Seit 400 Jahren prägen zwei ganz unterschiedliche Zeichen dieses Fest: Christbaum und Krippe. Der Christbaum ist zuerst im Elsaß nachgewiesen, in Bürgerhäusern in Schlettstadt und Straßburg, die Krippe in Jesuitenkirchen von Coimbra, Prag und Altötting.

Die ersten Christbäume waren mit Äpfeln, Hostien und Kerzen geschmückt. Sie wurden am 24. Dezember aufgestellt, nach dem alten kirchlichen Kalender der Gedenktag von Adam und Eva. Das Grün erinnerte an das Paradies, die Äpfel an den Sündenfall, die Hostien an die Erlösung, die Kerzen an Christus, „das wahre Licht, das in die Finsternis kam" (Joh 1,4-9). Der ganze Baum war Licht in der Finsternis der längsten Winternacht und Zeichen der Erlösung. Der Brauch, ihn im Wohnraum aufzustellen, wurde später durch die Hugenotten vom Elsaß aus nach Frankreich, in die Pfalz, nach Baden und andere evangelisch gewordene Landschaften verbreitet. In Bayern führte ihn Karoline von Baden, die erste Königin von Bayern, zum Weihnachtsfest 1800 ein.

In der Biedermeierzeit wurde der Christbaum zum Inbegriff der „Deutschen Weihnacht". [Unser Bild zeigt eine Darstellung zum Märchen vom Tannenbaum von Hans Christian Andersen.] Als die Nationalsozialisten ihn zum Zeichen eines heidnisch-germanischen Julfestes machen wollten, wurde er als Antwort darauf auch in katholische Kirchen übernommen. Seither umrahmen symmetrische Fichtenwälder viele Altarräume in der Weihnachtszeit. Aber der ursprüngliche Sinn, der sich im Grün, im Apfel, der Hostie und dem Licht konkretisiert, wird kaum irgendwo gesucht. Außerhalb der Kirchen wurden Christbäume, überreich beladen, zum Symbol des Konsums.

Wenn wir seine christliche Botschaft wieder entdecken wollen, sollten wir in der Kirche nur einen Baum aufstellen, ihn mit Äpfeln, Hostien und Wachs(!)kerzen schmücken und die Texte vom Paradies, vom Licht, vom Abendmahl lesen.

Das Figurentheater der Weihnachtskrippe haben die Jesuiten vielleicht nicht erfunden. Aber als Medium der Verkündigung haben sie es überall auf der Welt verbreitet, in Portugal, Böhmen und Bayern, in ihren Missionsgebieten in Amerika und Asien. Die Figuren aus Holz, Wachs oder Terrakotta wurden so aufgestellt und beleuchtet, daß sie zu sprechen und zu handeln scheinen. Das Geschehen wurde sowohl als Erzählung aus alter Zeit und einem fernen Land historisiert, als auch im Hier und Heute vergegenwärtigt. Das neue Bildmedium wurde zu einem Welterfolg. Bald wurden Weihnachtskrippen auch an Fürstenhöfen, in Bischofs- und Klosterkirchen nachgebaut, im 19. Jahrhundert dann auch in Privathäusern.

Mit den Krippen wurden zunächst das Weihnachtsevangelium des Lukas und die Erzählung von den Weisen aus den Morgenland nach Matthäus illustriert. Bald aber überlagerten andere weihnachtliche Legenden, Privatoffenbarungen und Dichtungen die knappen Berichte der Evangelisten. Um 1900 bemühte man sich darum, in den Figuren und Landschaften Palästina realistisch darzustellen. Seit 1930 setzten sich Heimatkrippen mit blonden Frauen und Kindern in Trachtenkleidung durch.

Heute sollte sich eine Kirchenkrippe neu mit den Texten des Evangeliums auseinandersetzen. Sie sollte fremde Motive aus Privatoffenbarungen, Apokryphen und Weihnachtsmärchen reduzieren und sich entweder um Authentizität bemühen oder um Modernität. Entweder man entscheidet sich, Palästina zur Zeit Jesu nachzustellen, also Jesus und seine Mutter als orientalische Juden zu entdecken, oder man überträgt das Geschehen in unsere Gegenwart: Wo würde heute eine überall abgewiesene junge Schwangere ihr Kind bekommen können? In einer Tankstelle? Einem Gewerbepark? Und wen würden die Engel in der Nähe wach finden? Obdachlose, Polizisten, Müllmänner?

Die Geburt Jesu mit Figuren und Kulissen in eine angeblich „gute, alte Zeit", beispielsweise ein Bergdorf des 18. Jahrhunderts, zu versetzen, ist verlogen. Krippen sollten nicht gemütlich sein, sondern aufregend wie die Geburt und das Leben Jesu.



Gott ist Mensch geworden

Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.


Nach 2000 Jahren christlicher Sozialisation geht uns der Satz „Gott ist Mensch geworden" leicht von den Lippen. Schwieriger wird es, wenn wir die heute üblichen Worte für Neugeborene benützen: „Gott ist Baby geworden" oder „Gott ist Säugling geworden". Für das Lukasevangelium war die Geburt Jesu ein natürlicher Vorgang: „Sie gebar ihren erstgeborenen Sohn, wickelte ihn in Windeln" (2, 7). So aber sehen die Weihnachtsbilder in unseren Kirchen und Museen und auf den Weihnachtspostkarten nicht aus. Da liegt ein nacktes Kind mit Goldstrahlen auf dem Boden und wird von einer Frau mit langem offenem Haar kniend angebetet.

Es war eine Frau, die sechs Kinder geboren hatte, und die wußte was für eine harte und schmutzige Arbeit Gebären ist: die heilige Birgitta von Schweden, die seit 1370 alle bei uns verbreiteten Bilder von der Anbetung des neugeborenen Jesus angeregt hat. Zuvor, und in der Ostkirche bis heute, wurde Maria dargestellt, wie sie erschöpft von der Geburt auf einem Lager liegt und sich ihrem gewickelten Kind liebevoll zuwendet.

Distanzierte Anbetung statt tätiger Zuwendung - dieser Wandel in der Bildvorstellung hat mit Reinheitsvorstellungen zu tun. Birgitta wollte sich die Jungfrau Maria nicht mit Blut befleckt vorstellen, das göttliche Kind nicht an einer Nabelschnur hängend. Darum beschrieb sie eine Vision, wie Maria allein mit aufgelöstem Haar im Stall von Betlehem betete und plötzlich das Kind vor ihr lag, ganz rein und leuchtend wie die Sonne. In den entsprechenden Bildern wurde Jesus zum Sternenkind, nicht zum Menschensohn.

Darstellungen einer Geburt gibt es in der europäischen Kunst nicht. Sie sind möglich, wie Beispiele der afrikanischen und altamerikanischen Kunst zeigen, aber nicht in einer Bildwelt, die auf die Griechen zurückgeht. Hier war nur die Sorge um das neugeborene Kind und das Nähren an der Brust bildfähig. Die stillende Gottesmutter war ein beliebtes Andachtsbild der frühen niederländischen Kunst. An diese Tradition knüpfte Rembrandt 1635 an (vgl. Bild: ). Er zeigt eine Frau in einer einfachen Tracht, die ein dicht eingewickeltes Kind an ihre Brust hält. Das Kind ist satt und schläft ein; sein Mund und die Brust sind von Milch und Spucke verschmiert. Aber das Kind darf noch nicht schlafen, es kann noch nicht in das Korbbett gelegt werden. Es muß erst aufstoßen, sonst wird es die Milch erbrechen. Alle Eltern und Kinderpfleger wissen das. Nach dem Stillen ist ein schwieriger Moment, das Kind will satt einschlafen, soll schlafen, aber erst muß man es noch ein wenig aufrecht halten, den Schlaf verzögern, bis zum befreienden Aufstoßen. In diesem Moment des gespannten Wartens muß es still sein. Darum hat der Mann im Bild, Josef, sein Werkzeug - Bohrer, Sägen, Beil - beiseite gelegt und beugt sich ganz sanft und aufmerksam über das Kind.

Jeder, der mit kleinen Kindern zu tun hatte, kennt diese Situation und erkennt sie im Bild Rembrandts wieder. [Eine alltägliche, menschliche Situation, die in der nebenstehenden Radierung nochmals - anders - dargestellt ist.]
Nichts weist auf die göttliche Natur des Kindes hin: Gott ist Säugling geworden. Er, der allen Vögeln ihre Nahrung gibt, begnügt sich mit ein paar Tropfen Milch, wie der Dichter Sedulius im 5. Jahrhundert schrieb.

Rembrandt hat die Menschwerdung Gottes ernst genommen, wörtlich verstanden. Katholische Weihnachtsbilder sind „göttlicher". Strahlen, Goldglanz und Engel möblieren unsere Krippen zu Vorsälen des Himmels, so als ob Jesus von Nazareth gar nicht wirklich auf der Erde gelebt hätte. Peter Paul Rubens ist in seiner Hirtenanbetung für Neuburg an der Donau 1620 Rembrandt vorausgegangen in seinem Verzicht auf übernatürliche Lichterscheinungen. Sein weiß gewickeltes Kind liegt auf gelbem Stroh, das von einer Laterne so beleuchtet wird, daß es zu glänzen beginnt. Rembrandt zeigt nicht den Stall von Betlehem sondern die Werkstatt in Nazareth, kein Weihnachtsfest, sondern den Alltag einer jungen Arbeiterfamilie mit unendlicher Zärtlichkeit und Geduld.



Adam und Eva an der Krippe

Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner GmbH, Regensburg 2008.


Geburt Christi mit Adam und Eva von Karl Caspar, München 1933
http://www.theodor-frey.de/kunstfreising
https://beautybellezzabeaute.com/2016/07/31/karl-caspar/


Von einem hellgelben Strohhaufen heben sich ein blauer Esel und ein roter Ochse ab, daneben ganz in blauem Umriß eine Frau mit einem nackten Kleinkind, am Rand der Futtertrog, die Krippe, als notdürftiger Kinderbettersatz. Die Szene ist in eine rechteckige Form eingepaßt, die Andeutung eines Stalls. Ihm fehlt die Vorderwand, er ist offen wie ein Puppenhaus. Giotto di Bondone hat um 1300 die biblische Geschichte in solchen Puppenhäusern ausgemalt. Über dem Stalldach befindet sich auf unserem Bild ein nachtblauer Flimmel mit einem Gestirn. Von rechts schreitet ein nackter roter Mann vor blauem Grund auf das Licht des Stalls zu, von links eine Frau mit einem grünen Tuch um die Hüften, begleitet von einem Reh.

Das Gemälde steht in einem Geflecht von Traditionen: Die Geburt im Stall nach der Erzählung des Lukasevangeliums wird seit 320 mit einer Krippe und Tieren dargestellt. Ausgehend von dem Vergleich Adam und Christus bei Paulus (1 Kor), entwickelten die Kirchenväter seit dem 4. Jahrhundert das Gegensatzpaar Eva und Maria, das bald zu einem Thema von Dichtung, Malerei und Skulptur wurde. Eine künstlerische Tradition wurde bereits genannt, die kirchliche Monumental-Malerei der Toskana um 1300. In Florenz und Siena wurden damals die Grundlagen der europäischen Malerei erarbeitet.

Aber der Maler unseres Bildes, Karl Caspar (1879-1956), wählte andere Farben. Weder nackte Männer noch Ochsen sind rot, Esel sind nicht blau. Seine Farben bilden nicht mehr ab. Damit steht er in der Tradition der Malerei des „Blauen Reiter". Die kleine Münchner Künstlergruppe wollte 1912 damit aufhören, einfach Sichtbares wiederzugeben. Statt dessen wollte sie „sichtbar machen", wie es Paul Klee formulierte.

Dieser Ausstieg aus dem überlieferten Aufgabenkreis der Kunst, nämlich Natur nachzuahmen, wie es seit Aristoteles als selbstverständlich galt, ist das einzige Ereignis von welthistorischer Bedeutung, das je in München stattgefunden hat. Der Aufbruch der modernen Kunst über die Grenzen des Materialismus zum Geistigen - so sagte das Wassilij Kandinski - fiel in die Zeit, als die katholische Kirche den Antimodernisteneid für ihre Priester einführte, um sich auf Dauer in einer defensiven Kräftekonzentration von der modernen Welt abzusetzen. Künstler, die sich der Kirche verpflichtet fühlten, gerieten dadurch in ein Dilemma. Entweder sie verrieten ihre Kunst, um den kirchlichen Auftraggebern zu gefallen, oder sie trennten sich von der Kirche.

Karl Caspar hat sein Leben lang an der Bibel als Quelle seiner Kunst festgehalten. Aber sein Werk entstand seit 1912 außerhalb der Kirchen, verteidigt von mutigen Katholiken wie Konrad Weiß und Carl Muth, aber ohne Chance gegen eine kirchliche Ablehnungsfront. Carl Muth hatte 1898 mit seiner Schrift „Steht die katholische Belletristik auf der Höhe der Zeit?” den Inferioritätsstreit ausgelöst, den Streit darüber, ob Katholiken ihrer Umwelt kulturell unterlegen seien. Karl Caspar, der zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Künstlerbundes gehörte, wollte eine Kunst auf der Höhe ihrer Zeit. Die Kirche konnte ihm bis lange nach seinem Tod nicht folgen, mit Ausnahme des Weihbischofs Senger von Bamberg, der ein Casparfresko für die Ostapsis des dortigen Doms durchsetzte, das 1928 großen Streit auslöste. Im Münchner Dom wurde noch 1953 ein Entwurf Caspars als zu modern abgelehnt und erst 1976 für die Unterkirche das Passionstriptychon von 1917 erworben.

Sollten sechzig Jahre, zwei Generationen, der Abstand bleiben, mit dem die Kirche den Entwicklungen der modernen Welt hinterherhinkt?



Ich glaube an den Menschen

Aus: Arnold Mettnitzer, Was ich glaube. Überlegungen & Überzeugungen. Styria Verlag, Wien Graz Klagenfurt 2015.


In den Tagen des Advents geraten nicht wenige Menschen in Verlegenheit: Die einen ertragen das Warten nicht und feiern recht ausgelassen „vorweihnachtlich“. Andere fürchten sich vor dem Feiern und versuchen der zwischenmenschlichen Kälte durch eine Reise in den Süden zu entkommen. Wieder anderen wird schmerzlich bewusst, dass sie allein sind und nicht wissen, mit wem sie feiern könnten. In allen Menschen aber schlummert die Sehnsucht, zu anderen Menschen dazuzugehören und nicht allein gelassen zu werden. Das auszudrücken und einzugestehen, fällt vielen Menschen schwer.

Aber gerade die liturgischen Texte und die Lieder der Adventzeit haben genau das zu ihrem Inhalt. Es ist der Ruf der Kreatur, nicht allein gelassen zu werden. „Oh, Heiland, reiß die Himmel auf!“, heißt es da in einem der ältesten Adventlieder, „herab, herab vom Himmel lauf!“ In Peter Handkes „Langsame Heimkehr“ findet sich eine Textstelle, deren Inhalt mich an die liturgischen Liedtexte der Adventzeit erinnert: „Ich will kein im Jammer Verschwindender, sondern ein mächtiger Klagekörper sein. Mein Ausruf ist: Ich brauche dich! Aber wen rede ich an? Ich muss zu Meinesgleichen! Aber wer ist Meinesgleichen? In welchem Land? In welcher Stadt?“
Ist es nicht so, dass der Mensch ein Leben lang auf der Suche ist nach einem Gefährten, der zu ihm passt und zu ihm hält, mit ihm geht und ihn versteht? Weihnachten ist so gesehen ein Fest gegen die Finsternis des Herzens und damit ein Fest gegen die Sprachlosigkeit. Ein Fest der Zuversicht, ein kleiner Lichtblick, und sei es auch nur ein Silberstreif der Hoffnung am Horizont, ein kleines Licht gegen die Dunkelheit der Welt durch ein Wort, ein Lied, ein Zeichen des Wohlwollens, der Akzeptanz, der Wertschätzung, der Achtsamkeit.

Kurt Tucholsky vermutet, dass die meisten Menschen Weihnachten feiern, weil die meisten Menschen Weihnachten feiern. Vielleicht aber gibt es auch Menschen, die Weihnachten und all die anderen Feste im Lauf ihrer Jahre deshalb feiern, weil sie die Menschen lieben und an den Menschen glauben. An den Schluss seines Buches mit dem geradezu weihnachtlichen Titel „Hoffnung Mensch. Eine bessere Welt ist möglich“ stellt Michael Schmidt-Salomon sein „alternatives Glaubensbekenntnis“, das er angelehnt an das Credo eines Humanisten von Erich Fromm formuliert.

Mit Erich Fromm ist der Autor davon überzeugt, dass der Mensch in jeder Kultur alle Möglichkeiten vorfindet. Er ist der archaische Mensch, das Raubtier, der Kannibale, der Götzendiener und er ist zugleich das Wesen mit der Fähigkeit zu Vernunft, Liebe, Gerechtigkeit und produktivem Tun. Er kann, wenn er will! Auf diese Weise werden die Bedürfnisse der Gesellschaft in persönliche Bedürfnisse verwandelt und werden so zum Charakter der Gesellschaft. Mehr denn je braucht diese Welt solche Perspektiven der Ermutigung. Im Blick auf eine Welt mit Wirtschaftskrisen, Klimakatastrophen, Ressourcenknappheit und einer nicht mehr überschaubaren Völkerwanderung von Millionen Menschen auf der Suche nach Möglichkeiten für das nackte Überleben klingt Schmidt-Salomons „Credo“ wie ein jedem Menschen gewidmetes sozialpolitisch engagiertes Weihnachtslied:

Ich glaube an den Menschen
Den Schöpfer der Kunst
Und Entdecker unbekannter Welten

Ich glaube an die Evolution
Des Wissens und des Mitgefühls
Der Weisheit und des Humors

Ich glaube an den Sieg
Der Wahrheit über die Lüge
Der Erkenntnis über die Unwissenheit
Der Phantasie über die Engstirnigkeit
Und des Mitleids über die Gewalt



Weihnachtliches

Aus: Ägidius Zsifkovics, Von A bis Z. Gott begegnen in der Welt von heute. Hg. Dominik Orieschnig. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2015.


Wie der römische Sonnengott...

„Unter Bethlehems Stern“ ist eine kleine, aber exklusive Ausstellung zur Weihnachtsgeschichte im Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek. Anhand von Stundenbüchern werden die Geburt Christi sowie die Vor- und Nachgeschichte bis zur Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten gezeigt.

http://diepresse.com/home/kultur/kunst/5130450
  

„Noch einmal eine Steigerung“

http://diepresse.com/home/wirtschaft/economist/5132525/
   

Das Christkind gibt es, zumindest in der Fußgängerzone

Ein Pfarrer soll Kindern erklärt haben, dass es kein Christkind gibt. Hat er damit das Weihnachtsfest verteidigt oder gestört?

http://diepresse.com/home/meinung/marginalien/5127277/



Geruch der Schafe

Aus: Evangelii Gaudium, Papst Franziskus, Rom 24. November 2013.



Papst öffnet Heilige Pforte in Obdachlosenunterkunft

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Zu Übermenschen geworden

Albert Schweitzer, Rede bei der Verleihung des Friedenspreises der deutschen Verleger in Frankfurt, 16.9.1951, in: Ders., Vorträge, Vorlesungen, Aufsätze. Hrsg. von Claus Günzler, Ulrich Luz und Johann Zürcher, München: Beck 2003.



Die Menschlichkeit

Albert Schweitzer, Beitrag in Evangelisch-protestantischer Kirchenbote für Elsaß-Lothringen 48 (1919), S. 143. In: Ders., Vorträge, Vorlesungen, Aufsätze. Hrsg. von Claus Günzler, Ulrich Luz und Johann Zürcher, München 2003.



Geboren, die Herrlichkeit Gottes verwirklichen

Nelson Mandela, Auszug aus seiner Antrittsrede 1994, in: http://www.hospiz-verein-bergstrasse.de/TEX-SONS.HTM



Du musst, was Gott ist, sein

Aus dem "Cherubinischen Wandersmann" des Angelus Silesius. In: Deutsche geistliche Dichtung aus tausend Jahren, hrsg. von Friedhelm Kemp, München: Kösel-Verlag 1996.



Gott begegnen im Mitmenschen

Roland Breitenbach, Sechs Minuten Predigten von A bis Z, Freiburg 2008.



Das Zeichen sehen



Elizabeth T. Spira, ORF-Quotenkönigin, im Porträt

CHRISTOPH STEINER http://www.kleinezeitung.at/allgemein/tribuene/3067539/planlose-quotenkoenigin.story



Elizabeth T. Spira

http://kundendienst.orf.at/orfstars/spira.html



Ute Bock



Das besondere Geschenk

Quelle unbekannt.



Bethlehem

Aus: Wilhelm Gössmann, Es weihnachtet sehr. Weihnachten mit der Poesie entdecken. Topos plus Verlagsgemeinschaft, Kevelaer 2001.



Der Stall

Aus: Wilhelm Gössmann, Es weihnachtet sehr. Weihnachten mit der Poesie entdecken. Topos plus Verlagsgemeinschaft, Kevelaer 2001.



Nicht mehr allein

Aus: Andrea Schwarz, Wenn ich meinem Dunkel traue. Auf der Suche nach Weihnachten. Herder Verlag, Freiburg 1993.



Einladung zum Leben

Aus: Andrea Schwarz, Wenn ich meinem Dunkel traue. Auf der Suche nach Weihnachten. Herder Verlag, Freiburg 1993.



Gebet

Aus: Josef Glazik, Uns leuchtet ein großes Licht. Verlag der Hiltruper Missionare, Münster 2001.