18.08.2017

Kontexte 05.02.2017


Gedanken einer Kerze

(Verfasser unbekannt)


Ihr habt mich angezündet und schaut nachdenklich in mein Licht.
Vielleicht freut Ihr Euch ein bisschen dabei.
Ich jedenfalls freue mich, dass ich brenne.
Wenn ich nicht brennen würde,
läge ich jetzt in einem Karton mit anderen,
die auch nicht brennen.
In so einem Karton haben wir überhaupt keinen Sinn.
Da liegen wir lediglich herum.
Einen Sinn habe ich nur, wenn ich brenne.
Und jetzt brenne ich

Aber seit ich brenne,
bin ich schon ein klein bisschen kürzer geworden.
Das ist schade, denn ich kann mir ausrechnen,
wann ich nur noch ein kleines Stümpfchen sein werde.
Aber so ist das - es gibt nur zwei Möglichkeiten:
Entweder ich bleibe ganz und unversehrt im Karton,
dann werde ich nicht kürzer,
dann geht mir überhaupt nichts ab - aber dann weiß ich nicht,
was ich eigentlich soll.
Oder ich gebe Licht und Wärme,
dann weiß ich, wofür ich da bin.
Dann muss ich aber etwas von mir geben -
von mir selbst, mich selber.
Das ist schöner als kalt und sinnlos im Karton.

So ist das auch bei Euch Menschen, genau so.
Entweder Ihr bleibt für Euch,
dann geschieht Euch nichts,
dann geht Euch nichts ab.
Aber dann wisst Ihr
auch eigentlich nicht so recht, wofür.
Dann seid Ihr wie Kerzen im Karton.
Oder Ihr spendet Licht und Wärme,
dann habt Ihr einen Sinn.
Dann freuen sich die Menschen, dass es Euch gibt.
Dann seid Ihr nicht vergebens da.

Aber dafür müsst Ihr etwas geben -
von Euch selbst, von allem, was in Euch lebendig ist:
von Eurer Freude, Euer Herzlichkeit, von Eurer Treue,
Eurem Lachen, von Eurer Traurigkeit,
von Euren Ängsten, von Euren Sehnsüchten.
Ihr braucht keine Angst zu haben,
wenn Ihr dabei kürzer werdet.
Das ist nur äußerlich.
Innen werdet Ihr immer heller.
Denkt ruhig daran,
wenn Ihr eine brennende Kerze seht

Das Licht einer Kerze verliert nicht an Helligkeit,
wenn es andere Kerzen ansteckt.



Jemand hat zu mir gesprochen

Aus: Josef Dirnbeck / Martin Gutl, Ich begann zu beten. Styria Verlag Graz / Wien / Köln 1973.


Jemand hat zu mir gesprochen
Jemand hat zu mir gesprochen
Und nicht an mir vorbei.
Jemand hat sich mit mir eingelassen
Und nicht das Risiko gescheut.
Jemand hat mir zugehört
Und nicht auf die Uhr gesehen.
Jemand hat sich mir zugewandt
Und nicht ungeduldige Augen gemacht.
Jemand hat mich mitgenommen
Und nicht sitzen gelassen.
Jemand hat sich helfen lassen
Und nicht stolz abgelehnt.
Jemand hat sich als Christ bewährt.



Liebe als Arznei

Philippus Paracelsus (1493 – 1541), Arzt und Reformator der Medizin, Naturforscher und Philosoph.
Aus: Gebete für das ganze Leben. Benno-Verlag Leipzig 2004.


Du hast uns die Liebe als Arznei gegeben, o Gott,
und willst, dass der Arzt in dieser Liebe
eingeschlossen sei, um die Kranken zu heilen.
So wie deine Liebe kein Ende hat,
soll auch unser Forschen und Dienen kein Ende haben.
Ohne deine Hilfe ist der Arzt machtlos,
aber mit dir vermag er dachs Höchste.
Du bedienst dich unser,
weil du selbst gern im Verborgenen bleibst.
Dein Wille ist, dass du durch uns die Kranken heilst.
Du gießest die Freude am ewigen Leben in das Herz ein,
und jeder, der an dich glaubt,
wird lebendig auferstehen und den Tod nicht schmecken.
Du hast im Menschen die Kräfte aller Elemente
Geheimnisvoll zusammengefasst,
so wie ein Arzt, der aus den Säften der Kräuter
die Kraft zum Heilen zieht.
Lass mich alles zum Nutzen der kranken
nach bestem Vermögen und Urteil anordnen,
alles Schädliche von ihnen fernhalten.
Lass mich heilig und rein meine Kunst
und mein Leben bewahren. Amen.



Manche Menschen wissen nicht, wie wohltuend ihre Nähe ist

Petrus Ceelen.
Aus: Minuten am Morgen, Texte und Gebet zum Schulbeginn, München 2002.


Manche Menschen wissen nicht,
wie wichtig es ist,
dass sie einfach da sind.

Manche Menschen wissen nicht,
wie gut es tut,
sie nur zu sehen.

Manche Menschen wissen nicht,
wie tröstlich ihr gütiges Lächeln wirkt.

Manche Menschen wissen nicht,
wie wohltuend
ihre Nähe ist.

Manche Menschen wissen nicht,
wie viel ärmer
wir ohne sie wären.

Manche Menschen wissen nicht,
dass sie ein Geschenk
des Himmels sind.

Sie wüsste es –
Würden wir es ihnen sagen!



Die Entlassung: „Ite, missa est“

Benedikt der XVI. Sakrament der Liebe, Leipzig.


51. Schließlich möchte ich auf das eingehen, was die Synodenväter über den Entlassungsgruß am Ende der Eucharistiefeier gesagt haben. Nach dem Segen verabschiedet der Diakon oder der Priester das Volk mit den Worten „Ite, missa est.“ In diesem Gruß können wir die Beziehung zwischen der gefeierten Messe und der christlichen Sendung in der Welt erkennen. Im Altertum bedeutete „missa“ einfach „Entlassung“. Im christlichen Gebrauch hat das Wort jedoch immer eine tiefere Bedeutung gewonnen, indem „missa“ zunehmend als „missio“ verstanden und so Entlassung zur Aussendung wird. Dieser Gruß drückt in wenigen Worten die missionarische Natur der Kirche aus. Darum ist es gut, dem Volke Gottes zu helfen, diese Grunddimension des kirchlichen Lebens – ausgehend von der Liturgie – zu vertiefen. In dieser Hinsicht kann es nützlich sein, über entsprechend approbierte Texte für das Gebet über das Volk den Schlusssegen zu verfügen, die diese Verbindung deutlich zum Ausdruck bringen.



Der Prediger und das Wort Gottes

Aus dem Apostolisches Schreiben EVANGELII GAUDIUM; Papst Franziskus.


Die Vorbereitung auf die Predigt

145. Die Vorbereitung auf die Predigt ist eine so wichtige Aufgabe, dass es nötig ist, ihr eine längere Zeit des Studiums, des Gebetes, der Reflexion und der pastoralen Kreativität zu widmen. In aller Freundlichkeit möchte ich hier nun einen Weg der Vorbereitung auf die Homilie vorschlagen…

146. Nachdem man den Heiligen Geist angerufen hat, ist der erste Schritt, die ganze Aufmerksamkeit dem biblischen Text zu widmen, der die Grundlage der Predigt sein muss. Wenn jemand innehält und zu verstehen versucht, was die Botschaft eines Textes ist, übt er den „Dienst der Wahrheit“113 aus. Es ist die Demut des Herzens, die anerkennt, dass das Wort Gottes uns immer übersteigt, dass wir „weder ihre Besitzer noch ihre Herren sind, sondern nur ihre Hüter, ihre Herolde, ihre Diener“…

Der persönliche Umgang mit dem Wort

149. Der Prediger muss „zuallererst selber eine große persönliche Vertrautheit mit dem Wort Gottes entwickeln: Für ihn genügt es nicht, dessen sprachlichen oder exegetischen Aspekt zu kennen, der sicher auch notwendig ist; er muss sich dem Wort mit bereitem und betendem Herzen nähern, damit es tief in seine Gedanken und Gefühle eindringt und in ihm eine neue Gesinnung erzeugt“115

150. Jesus wurde ärgerlich angesichts dieser vorgeblichen, den anderen gegenüber sehr anspruchsvollen Meister, die das Wort Gottes lehrten, sich aber nicht von ihm erleuchten ließen: „Sie schnüren schwere Lasten zusammen und legen sie den Menschen auf die Schultern, wollen selber aber keinen Finger rühren, um die Lasten zu tragen“ (Mt 23,4). Der Apostel Jakobus mahnte. „Nicht so viele von euch sollen Lehrer werden, meine Brüder. Ihr wisst, dass wir im Gericht strenger beurteilt werden (Jak 3,1). Wer predigen will, der muss zuerst bereit sein, sich vom Wort ergreifen zu lassen und es in seinem konkreten Leben Gestalt werden zu lassen. In dem Fall besteht das Predigen in der so intensiven und fruchtbaren Tätigkeit, „den anderen das mitzuteilen, was man selber betrachtet hat“...

151. Es wird von uns nicht verlangt, dass wir makellos sind, sondern vielmehr, dass wir immer im Wachsen begriffen sind, dass wir in dem tiefen Wunsch leben, auf dem Weg des Evangeliums voranzuschreiten, und den Mut nicht verlieren. Unerlässlich ist für den Prediger, die Gewissheit zu haben, dass Gott ihn liebt, dass Jesus Christus ihn gerettet hat und dass seine Liebe immer das letzte Wort hat. Angesichts solcher Schönheit wird er oft spüren, dass sein Leben ihr nicht vollkommen die Ehre gibt, und wird sich aufrichtig wünschen, auf eine so große Liebe besser zu antworten. Doch wenn er nicht innehält, um das Wort Gottes mit echter Offenheit zu hören, wenn er nicht zulässt, dass es sein Leben anrührt, ihn in Frage stellt, ihn ermahnt, ihn aufrüttelt, wenn er sich nicht Zeit nimmt, um mit dem Wort Gottes zu beten, dann ist er tatsächlich ein falscher Prophet, ein Betrüger oder ein eitler Scharlatan. Auf jeden Fall kann er, wenn er seine Dürftigkeit erkennt und den Wunsch hat, sich mehr zu engagieren, sich immer Jesus Christus schenken und dabei mit Petrus sagen: „Silber und Gold besitze ich nicht. Doch was ich habe, das gebe ich dir“ (Apg 3,6). Der Herr möchte uns einsetzen als lebendige, freie und kreative Menschen, die sich von seinem Wort durchdringen lassen, bevor sie es weitergeben. Seine Botschaft muss wirklich den Weg über den Prediger nehmen, aber nicht nur über seine Vernunft, sondern indem es von seinem ganzen Sein Besitz ergreift...



Nein, nicht die Kirche!

Aus: Werner Tiki Küstenmacher, Die 3-Minuten Bibel , München 2006.



Einander bereichern

Aus: Cäcilia Kittel, Sei stille dem Herrn, Impulse zur eucharistischen Anbetung, München 2006.



Priester aus Passion

Entnommen aus: Franz Kamphaus, Priester aus Passion Freiburg 1993.



Eine Liebe, die das Leben wagt

Aus: Chiara Lubich: Die gegenseitige Liebe, Ottmaring 2013.



CREDO

Aus: Dorothee Sölle, Ich will nicht auf tausend Messern gehen, München 1987.



Pfarrhaus

Aus: Reiner Kunze, gespräch mit der amsel, Frankfurt a. Main 1984.



Jüngerschaft

Marie-Louise Gubler, Befreiung verkündigen. Eine Auslegung der Sonntagsevangelien, Studia Oecumenica Friburgensia 53, 2010.



Gedankensplitter

Gabi Ceric



Den Glauben weitergeben

Josef Dirnbeck, Von allen Seiten umgibst du mich. Meditationstexte; Styria Verlag.



Trotzdem

Vardey Lucinda, Mutter Teresa. Der einfache Weg, Hoffmann und Campe.