24.03.2017

Kontexte 12.03.2017


Jesu, geh voran

Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1725) in: EG 391.


Jesu, geh voran
auf der Lebensbahn!
Und wir wollen nicht verweilen,
dir getreulich nachzueilen;
führ uns an der Hand
bis ins Vaterland.

Soll's uns hart ergehn,
lass uns feste stehn
und auch in den schwersten Tagen
niemals über Lasten klagen;
denn durch Trübsal hier
geht der Weg zu dir.

Rühret eigner Schmerz
irgend unser Herz,
kümmert uns ein fremdes Leiden,
o so gib Geduld zu beiden;
richte unsern Sinn
auf das Ende hin.

Ordne unsern Gang,
Jesu, lebenslang.
Führst du uns durch rauhe Wege,
gib uns auch die nöt'ge Pflege;
tu uns nach dem Lauf
deine Türe auf.



Die Verklärung Christi - Raffael (Raffaelo Santi, 1483-1520)

http://www.epilepsiemuseum.de/alt/raffael.html


Nach den derzeitigen Schätzungen gibt es in Deutschland zwischen 500.000 und 800.000 Epilepsie-Kranke, von denen über die Hälfte weniger als 20 Jahre alt ist. In der Renaissance-Zeit war diese Krankheit ebenso verbreitet wie heute, wenn man damals auch zwischen Besessenheit, Pest und Epilepsie nicht genau unterschied. Die Renaissance hatte den Menschen, der sich harmonisch in den Kosmos einfügte, als Maß aller Dinge gesehen. Deshalb reagierte man bei allem, was außergewöhnlich oder unheimlich schien, außerordentlich irritiert und suchte nach überirdischen Erklärungsmöglichkeiten. Die Epilepsie war auch im christlichen Mittelalter - wie zuvor in der Antike - die "unnatürliche, geheimnisvolle, überirdische Krankheit".

Die berühmteste Darstellung eines Anfallkranken in der Malerei findet sich bei Raffael :
Das letzte Bild Raffaels, die Transfiguration Christi, ist in 2 Teile gegliedert: Der obere Teil stellt die Verklärung (Transfiguration) Christi dar, der untere zeigt die Heilung (bzw. die ihr unmittelbar vorangehende Szene) des "mondsüchtigen" (anfallkranken) Knaben, die in den Evangelien der Synoptiker (Matthäus, Markus, Lukas) unmittelbar auf die Beschreibung der Verklärung folgt. Das nicht ganz vollendete Bild Raffaels hat bezüglich der unteren Hälfte folgende Bibeltextstelle als Grundlage (Mt 17.14):

Als sie zurückkamen, begegneten sie einer großen Zahl von Menschen. Da trat ein Mann auf ihn zu, fiel vor ihm auf die Knie und sagte: "Herr, hab Erbarmen mit meinem Sohn. Er ist mondsüchtig und hat schwer zu leiden. Immer wieder fällt er ins Feuer oder ins Wasser. Ich habe ihn schon zu deinen Jüngern gebracht, aber sie konnten ihn nicht heilen." Da sagte Jesus: "O du ungläubige und unbelehrbare Generation! Wie lange muss ich noch bei euch sein? Wie lange muss ich euch noch ertragen? Bringt ihn her zu mir." Dann drohte Jesus dem Dämon. Der Dämon verließ den Jungen, und der Junge war von diesem Augenblick an geheilt.

Die dargestellte Szene zeigt, wie der Vater (hoffnungsvoll - deshalb wohl im grünen Gewand gemalt) seinen Sohn zu den Jüngern bringt. Im Augenblick, den das Gemälde festhält, erleidet der Junge einen Anfall: Er kann seine Position offensichtlich nicht halten und muss deshalb vom Vater gestützt werden. Die Gliedmaßen des Knaben sind im Anfall verspannt (tonisch) und verdreht, der Mund ist leicht geöffnet, die Lippen sind bläulich verfärbt, die Augen starr in Schielstellung. Es ist wohl einer der Anfälle, die den "Mondsüchtigen", wenn er sich nicht in der Obhut seiner Angehörigen befindet, "ins Feuer oder ins Wasser" wirft.

Christus heilt den Knaben dadurch, dass er den Krankheitsdämon austreibt. Diese Bibelstelle war ein wesentlicher Grund dafür, dass das christliche Mittelalter in der Epilepsie eine durch Dämonen verursachte Krankheit sah; diese Anschauung hat entscheidend zur namentlichen Kennzeichnung der Fallsucht im Mittelalter beigetragen: "morbus daemonicus" (dämonische Krankheit).

Immer wieder haben Interpreten dieses Meisterwerks auf den Symbolgehalt der dargestellten Thematik hingewiesen: Sie sehen in der gleichzeitigen Darstellung der Transfiguration Christi und der Heilung des fallsüchtigen Knaben keine Zufälligkeit, sondern eine bewusst hergestellte Beziehung zwischen dem verklärten Christus und dem anfallkranken Knaben - eine symbolische Kongruenz zwischen dem später gekreuzigten und dann wieder auferstehenden Christus und dem im Anfall zu Boden stürzenden, wie tot daliegenden und danach wieder "auferstehenden" Epilepsie-Kranken. In diesem Zusammenhang ist bemerkenswert, dass auf Raffaels Bild die alleinige Verbindung zwischen den beiden Bildteilen von dem "mondsüchtigen" Knaben ausgeht, der als einziger der vielen Personen in der unteren Bildhälfte dem verklärten Christus in der oberen Bildhälfte zugewandt ist.



Der Gottheit Herrlichkeit

http://www.abtei-niederaltaich.de/spiritualitaet/ostkirchliche-gebete/verklaerung-unseres-herrn/


Verklärt wardst Du auf dem Berge, Christus, unser Gott,
zeigtest Deinen Jüngern Deiner Gottheit Herrlichkeit
soweit sie's konnten fassen;
lass auch über uns Sündern Dein ewig' Licht erstrahlen
auf die Fürbitte der Gottesgebärerin,
Spender des Lichtes, Ehre sei Dir.

         Troparion

Auf dem Berge wurdest Du verklärt, Christus, unser Gott.
Staunend sahen Deine Jünger Deiner Gottheit Herrlichkeit.
Wenn einst sie werden Dich am Kreuze sehen,
dann werden sie verstehen, daß Dein Leiden freiwillig war,
und werden der Welt verkünden, daß wahrhaft des Vaters Abglanz Du bist.

         Kondakion

Licht, unveränderlich, o WORT,
Licht Du des ungezeuten Vaters,
Licht, enthüllt im Lichte,
heut' schauten auf dem Thabor wir
das Licht des Vaters,
das Licht auch des Geistes,
der durch sein Licht die ganze Schöpfung leitet.

         Exapostilarion



Auf dem Berg

Hl. Ephräm der Syrer (um 306-373)
http://www.abtei-niederaltaich.de/spiritualitaet/vaetertexte/rede-ueber-die-verklaerung-christi/


… Er führte sie auf den Berg, um ihnen die Herrlichkeit der Gottheit zu zeigen und ihnen kund zu tun, daß er der Erlöser Israels sei, wie er es durch die Propheten geoffenbart hatte, damit sie nicht an ihm Anstoß nähmen, wenn sie seine freiwilligen Leiden sähen, die er als Mensch für uns erdulden würde. Sie kannten ihn nämlich nur als Menschen und wußten nicht, daß er Gott sei. Sie kannten ihn als den Sohn Mariens, als einen Menschen, der mit ihnen in der Welt umherwandelte, aber auf dem Berge tat er ihnen kund, daß er Gottes Sohn und Gott sei. Sie sahen ihn essen und trinken, müde werden und ausruhen, schläfrig werden und schlafen, sich fürchten und schwitzen. All dies entsprach nicht der Natur seiner Gottheit, sondern nur seiner Menschheit. Daher führte er sie auf den Berg, damit der Vater ihn den Sohn nenne und ihnen zeige, daß er in Wahrheit sein Sohn und Gott sei.
Er führte sie auf den Berg und zeigte ihnen sein Reich vor seinem Leiden und seine Macht vor seinem Tode und seine Herrlichkeit vor seiner Beschimpfung und seine Ehre vor seiner Entehrung, damit sie, wenn er von den Juden gefangen und gekreuzigt würde, erkennen möchten, daß er nicht aus Schwäche gekreuzigt worden sei, sondern aus freiem Willen, weil es ihm so gefiel, zum Heile der Welt. Er führte sie auf den Berg und zeigte ihnen vor der Auferstehung die Herrlichkeit seiner Gottheit, damit sie, wenn er in der Herrlichkeit seiner göttlichen Natur vom Tode erstanden wäre, erkennen möchten, daß er die Herrlichkeit nicht zur Belohnung seines Leidens erhalten habe, als ob er ihrer bedurft hätte, sondern daß sie schon vor aller Zeit mit dem Vater und bei dem Vater sein eigen gewesen sei, wie er ja selbst, als er in das freiwillige Leiden ging, sagte: „Vater, verherrliche mich mit der Herrlichkeit, die ich bei Dir hatte, ehe die Welt war!“ (Joh 17,5) Diese unsichtbare und in der Menschheit verborgene Herrlichkeit seiner Gottheit zeigte er den Aposteln auf dem Berge; denn sie sahen sein Angesicht leuchten wie einen Blitz und seine Kleider weiß wie das Licht. Zwei Sonnen erblickten dort die Jünger: eine am Himmel, wie gewöhnlich, und noch eine auf ungewöhnliche Weise, eine, die ihnen allein schien, nämlich sein Angesicht. Seine Kleider aber zeigte er weiß wie Licht, weil aus seinem ganzen Körper die Herrlichkeit seiner Gottheit hervorquoll und sein Licht allen seinen Gliedern entstrahlte; denn nicht wie bei Moses leuchtete nur äußerlich sein Fleisch in hellem Glanze, sondern die Herrlichkeit seiner Gottheit quoll aus ihm hervor. Sein Licht ging auf und blieb in ihm gesammelt, es ging nirgend anderswohin und verließ ihn nicht. Es kam ja auch nicht von anderswoher, um ihn zu verklären; es war ihm nicht etwa zu zeitweiligem Gebrauche geliehen. Er zeigte auch nicht das ganze unergründliche Meer seiner Herrlichkeit, sondern nur soviel ihre Augensterne zu fassen vermochten. …



Gotteserfahrung

Hansjörg Biener, Predigt über Mt. 17,1-9 am 1.2.2009
http://www.predigten.uni-goettingen.de/predigt.php?id=1461&kennung=20071224de


Den säkularen Kick kann man suchen und nach dem ersten Berg den nächsten besteigen, bis man zuletzt die 8000er im Himalaya bucht, auf die Europäer und Amerikaner steigen, während sie den Menschen vor Ort noch immer Sitz der Götter sind. Wo aber Menschen [ihrem] Gott begegnen, da ist nicht jede Erfahrung, die wir machen, gesucht. Wir haben diese Ambivalenz schon in der Bibel bei Moses, den Gott beim Schafhüten zum Hirten Israels bestellt, oder den Propheten, die durch ihre Berufung ebenso herausgehoben werden wie beschwert. Und sie alle sagen: "Wer bin ich, dass". Auf der einen Seite die Erhebung, "ich kleiner Mensch im Fokus Gottes", auf der anderen Seite die Erfahrung der Vergänglichkeit, und es gut, wenn Gott nicht mehr so genau hinschaut. [Das Leben nach einer individuell gewissen Gotteserfahrung erscheint mir wie eine Gratwanderung. Mir scheint, dass es keine Gottesbegegnung ohne Demütigung gibt, und da muss man darauf achten, dass sie nicht als psychische Verletzung weiterwirkt. Und ebenso gibt es keine Gottesbegegnung, die nicht jeden einzeln mit einem Auftrag für sein Leben entlässt, und hier muss man dem Größenwahn entgegen wirken.] Wo Menschen sich vor [ihren] Gott gestellt finden, ist es wichtig, dass sie Klarheit über ihre Schlüsselerfahrungen gewinnen und die Schlüsse, die sie ziehen. Das Gespräch mit einem in geistlichen Dingen erfahrenen Gegenüber wird hier ebenso nützlich sein, wie die Erinnerung an biblische Texte.



Landmeer

Guntram Vesper in: Reclams großes Buch der deutschen Gedichte. Herausgegeben und ausgewählt von Heinrich Detering. Reclam Verlag, Stuttgart 2007.



Und der Sänger Dylan in der Deutschlandhalle

Thomas Brasch in: Reclams großes Buch der deutschen Gedichte. Herausgegeben und ausgewählt von Heinrich Detering. Reclam Verlag, Stuttgart 2007



Schöner Tag

Ludwig Fels in: Reclams großes Buch der deutschen Gedichte. Herausgegeben und ausgewählt von Heinrich Detering. Reclam Verlag, Stuttgart 2007.



Königin der Phantasie

Aus: Khalil Gibran Lesebuch. Herausgegeben von Volker Fabricius. Patmos Verlag, Düsseldorf 2008.



Die Kunst, neu anzufangen

Aus Alois Kothgasser / Clemens Sedmak, Geben und vergeben. Von der Kunst neu zu beginnen. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2008.



Zu Christus bekehrt

Anthony de Mello in: Religion bewegt, Interdiözesaner Katechetischer Fonds, 2006.



Selbstmitteilung Gottes

63. JAHRGANG 2011 WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DE Freiburg, 13.März 2011 aus: Geist der Unruhe. Zeitgenosse, Theologe, Prophet: Karl Rahner. Von Georg Kügler http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktuell/bes_thema_druckversion_html?k_beitrag=474873



Begegnung mit dem Heiligen

Gustav Mensching



Manchmal muss ich mich suchen gehen

Hanni Neubauer in: Religion bewegt, Religion AHS 5.



Selbstmitteilung Gottes

63. JAHRGANG 2011 WWW.CHRIST-IN-DER-GEGENWART.DE Freiburg, 13.März 2011 aus: Geist der Unruhe. Zeitgenosse, Theologe, Prophet: Karl Rahner. Von Georg Kügler http://www.christ-in-der-gegenwart.de/aktuell/bes_thema_druckversion_html?k_beitrag=474873



An die Pilger Europas

Aus: Peter Müller, Wer aufbricht, kommt auch heim. Vom Unterwegssein auf dem Jakobsweg.



Der Fromme von morgen

Aus: Theologische Akademie 4, Frankfurt 1967.



Transfiguration

Frere Roger Schutz in einer Presseaussendung



Im Schatten der Angst



Im Licht der tief innerlichen Schau

Gregor der Große (540 - 604) in: Im Spiegel der Seele. Die Quellen der Mystik. Ausgewählt und eingeleitet von Elisabeth Hense. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1997.



Kyrios-Herrlichkeit

Aus: Silja Walter, Die Beichte im Zeichen des Fisches. Ein geistliches Tagebuch. Topos plus Verlagsgemeinschaft, Kevelaer 2005.



Das Kommende entwirft sich vorweg

Aus: Gisbert Greshake, Leben - stärker als der Tod. Von der christlichen Hoffnung. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008.