20.10.2017

Kontexte 19.03.2017


Der innere See

Aus: Ilse Pauls, Der innere See. Internationaler Literatur- und Lyrik-Verlag, Wien 1993.


Wenn es auch
außen brodelt
und stürmt
und wogt,
wenn die
Ereignisse
sich überstürzen,
die Katastrophen dräuen
und die Depression
anklopft,
dann ist,
trotz allem,
tief innen
in mir
ein klarer,
ruhiger See,
aus dem ich
schöpfe:
Mut und Hoffnung,
Zuspruch
für andere -
und ein stärkendes Wort.



Essen mit Leib und Seele

Aus Arnold Mettnitzer, Was ich glaube, Überlegungen & Überzeugungen. Styria Verlag, Wien Graz Klagenfurt 2015.


Durch unsere Freundin Claudia entdeckten wir vor ein paar Jah­ren ein Restaurant, das seither für mich der Inbegriff des Südens ist, mein bevorzugter Treffpunkt mediterraner Gemütlichkeit. Ich genieße dort die unkompliziert-herzliche Gastfreundschaft, das leichte und gute Essen, von allem etwas und von nichts allzu viel in der kleinen Trattoria im Schatten einer Kirche.

Nach meinem ersten Besuch dort weiß ich: Hier ist mein Süden! Hier finde ich die in Wien so oft vergeblich gesuchte mediterrane Küche! Hier schmeckt es nicht nur, hier esse ich mit Leib und Seele! Deshalb feierte ich auch hier meinen 60. Geburtstag.

Inzwischen sind wir immer wieder gekommen, zu zweit, mit Freunden, Familienangehörigen, im kleinen wie im größeren Kreis. Immer mit dem Gefühl, nicht nur willkommen zu sein, sondern ganz einfach dazuzugehören. Und das zuallererst, weil es dort Menschen gibt, die dafür sorgen, dass auch dann die Sonne scheint, wenn der Himmel voller Wolken ist. Als ich einer Freun­din, die seit über zwanzig Jahren an Multipler Sklerose leidet, von diesem Lokal vorschwärme, meint sie, dass ich mich dort sicher so wohlfühle, weil das Personal mich kennt und ich mittlerweile zu den Stammgästen zähle. Ich schlage ihr vor, die kleine Trattoria anonym selbst zu testen. Seither weiß auch sie, dass die Kellner dort auch vom Hunger der Seele eines Menschen etwas verstehen. Sie fühlt sich willkommen geheißen und behandelt wie ein Star. Und Stars genießen es dort, aus ihren Rollen zu schlüpfen und einfach da zu sein. Als ich mit Verwandten dort eine Kleinigkeit zu Mittag esse, erhebt sich zu unser aller Überraschung der neun­jährige Simon aus Freude über „die besten Spaghetti al mare“, ruft den Kellner herbei und sagt zu ihm mit kindlichem Charme: „Ein Kompliment an die Küche und die Bedienung. Es ist großartig!“ Kindermund tut Wahrheit kund.

Gemeinsames Essen wird so zur Kultur des Gebens und Nehmens, zum Tausch, bei dem jeder gerne gibt, was er hat. Gerade dadurch werden Menschen satt.



Wasser in der Kirche

Aus: Peter B. Steiner, Glaubensästhetik. Wie sieht unser Glaube aus? 99 Beispiele und einige Regeln. Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2008.


„Geheimnisvoll ist das Wasser. Schlicht, klar, selbstlos, bereit, rein zu waschen, was beschmutzt ist, zu erquicken, was dürstet... Ein Gleichnis des Urgrunds, aus dem das Leben strömt und der Tod ruft." Weihwasserbecken am Eingang kennzeichnen Kirchen als katholische. Aber welches dieser Becken vermittelt etwas vom „Urgrund und Geheimnis" des Elements Was­ser, wie es Romano Guardini beschrieb? Die meisten sind so klein, daß der Wasserspiegel kaum zu sehen ist. Viele sind leer. Nur Kalkschichten erinnern daran, daß sie früher regelmäßig gefüllt und geleert wurden. Wenige Besu­cher benetzen ihre Fingerspitzen darin. Ob sie daran denken, daß alle Chri­sten „wiedergeboren sind aus dem Wasser und dem Heiligen Geist"?

Westliche Besucher von Moscheen in Istanbul oder Ägypten sehen mit Erstaunen, mit welchem Ernst und Eifer Muslime Wasser benützen, um sich vor dem Gebet zu reinigen. Christlicher Umgang mit Wasser deutet dies nur noch an bis zur Grenze des Nichtmehrwahrnehmbaren (und leider oft auch Unappetitlichen).

Zwei Gründe gibt es für die Minimalisierung des Wassers in der Kirche: eine allgemeine Liturgieunfähigkeit - unsere Schwierigkeit, Religion kör­perhaft zu vollziehen und nicht bloß innerlich zu denken - sowie die Tatsa­che, daß die Kirche zweierlei Wasser an unterschiedlichen Orten bewahrt und anbietet: Taufwasser und Weihwasser. Wie aber kann man die elemen­tare Bedeutung von Wasser vermitteln, wenn es gleich wieder nach Weihe­graden und Behältnissen unterschieden werden muß?

Wenn das Weihwasser an die Taufe, an die „Wiedergeburt aus Wasser und Geist" (Joh 3,5) erinnern soll, darf es nicht diskret, praktisch, bequem in einem Töpfchen am Türpfosten angeboten werden. Der Weihbrunn sollte vielmehr als Stein des Anstoßes mitten im Weg stehen. In der Herz Jesu- Kirche in München-Neuhausen haben die Architekten Allmann, Sattler, Wappner einen solchen Brunnenstein in den Mittelgang gestellt. Er ist als Taufstein konzipiert und wird als solcher benutzt. Aber die Besucher der Kirche verwenden ihn auch als Weihwasser-Gefäß - und das mit Recht. Von Ostern bis Pfingsten ist er mit dem in der Osternacht geweihten Taufwasser gefüllt, mit dem auch alle Mitfeiernden in der Osterliturgie besprengt wur­den. Auch in anderen Kirchen, etwa in St. Ursula in Kalscheuren, gibt es Taufsteine im Mittelgang, die als Weihbrunn benützt werden. Dieser Brauch sollte zur Regel werden, wenn uns daran liegt, das Wasser als Zeichen un­seres Glaubens zu erhalten und zu vermitteln. Bei historischen Taufsteinen, die im Eingangsbereich stehen, ist die Doppelnutzung als Tauf- und Weih­wasserbrunnen möglich. Es genügt'meistens, den Deckel so weit anzuhe­ben, daß die Besucher mit der Hand darunter greifen können. Vermutlich wird es in vielen Gemeinden nötig sein, die Erinnerung an Tauf- und Weih­wasser aufzufrischen. Dafür bietet sich der alte, mit wenigen Worten zu er­läuternde Ritus des Asperges am Beginn der Gemeindemesse an, in dem die

Gemeinde mit Weihwasser besprengt wird. Durch ein solches Erinnern und eine einladende würdige Gestaltung des Tauf- und Weihwasserbrunnens kann das Verständnis für die Weihe des Wassers und seinen Gebrauch wie­der aufgebaut werden, damit nicht alle häuslichen Weihwasserbehälter auf den Flohmarkt kommen und die auf den Friedhöfen zu Pflanztöpfen um­funktioniert werden.
Guardini schrieb: „In der Weihe hat die Kirche das Wasser rein gemacht ... zum Zeichen, daß Gott uns schütze vor allem Unreinen, Finsteren." Wenn wir uns bekreuzigen mit heiligem Wasser, begegnen sich die erlöste Seele und die erlöste Natur im Zeichen des Kreuzes.



Die Wasserfrage

Aus der Enzyklika LAUDATO SI’ von Papst Franziskus, Rom 2015.


27. Andere Anzeichen der aktuellen Situation stehen im Zusammenhang mit der Erschöpfung der natürlichen Ressourcen. Wir wissen sehr wohl, dass es unmöglich ist, das gegenwärtige Konsumniveau der am meisten entwickelten Länder und der reichsten Gesellschaftsschichten aufrechtzuerhalten, wo die Gewohnheit, zu verbrauchen und wegzuwerfen, eine nie dagewesene Stufe erreicht hat. Es sind bereits gewisse Höchstgrenzen der Ausbeutung des Planeten überschritten worden, ohne dass wir das Problem der Armut gelöst haben.

28. Sauberes Trinkwasser ist eine Frage von vorrangiger Bedeutung, denn es ist unentbehrlich für das menschliche Leben und zur Erhaltung der Ökosysteme von Erde und Wasser. Die Süßwasserquellen versorgen die Bereiche von Gesundheitswesen, Landwirtschaft und Industrie. Über lange Zeit blieb der Wasservorrat relativ konstant, jetzt aber übersteigt an vielen Orten die Nachfrage das nachhaltige Angebot, mit schweren kurz- und langfristigen Folgen. Große Städte, die von einem bedeutenden Volumen der Wasserspeicherung abhängig sind, erleiden zeitweise einen Ressourcenrückgang, der in kritischen Momenten nicht immer mit einer angemessenen Steuerung und mit Unparteilichkeit verwaltet wird. Die Knappheit an Gemeinschaftswasser besteht besonders in Afrika, wo große Teile der Bevölkerung keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser haben oder unter Dürreperioden leiden, die die Produktion von Nahrungsmitteln erschweren. In einigen Ländern gibt es wasserreiche Regionen und zugleich andere, die unter schwerem Wassermangel leiden.

29. Ein besonders ernstes Problem, das täglich viele Todesopfer fordert, ist die Qualität des Wassers, das den Armen zur Verfügung steht. Unter den Armen sind Krankheiten im Zusammenhang mit dem Wasser häufig, einschließlich derer, die durch Mikroorganismen und chemische Substanzen verursacht werden. Diarrhoe und Cholera, die mit unangemessenen hygienischen Einrichtungen und mit einem ungeeigneten Wasservorrat zusammenhängen, sind ein bedeutender Faktor für das Leiden von Kindern und für die Kindersterblichkeit. Das Grundwasser ist an vielen Orten durch die Verschmutzung bedroht, die von einigen Formen der Rohstoffgewinnung, von landwirtschaftlichen und von industriellen Betrieben verursacht wird, vor allem in Ländern, in denen es keine Regelung und keine ausreichenden Kontrollen gibt. Denken wir nicht nur an die Abfälle der Fabriken. Die Waschmittel und die chemischen Produkte, welche die Bevölkerung vielerorts in der Welt verwendet, sickern fortlaufend in Flüsse, Seen und Meere.

30. Während die Qualität des verfügbaren Wassers ständig schlechter wird, nimmt an einigen Orten die Tendenz zu, diese knappe Ressource zu privatisieren; so wird sie in Ware verwandelt und den Gesetzen des Marktes unterworfen. In Wirklichkeit ist der Zugang zu sicherem Trinkwasser ein grundlegendes, fundamentales und allgemeines Menschenrecht, weil es für das Überleben der Menschen ausschlaggebend und daher die Bedingung für die Ausübung der anderen Menschenrechte ist. Diese Welt lädt eine schwere soziale Schuld gegenüber den Armen auf sich, die keinen Zugang zum Trinkwasser haben, denn das bedeutet, ihnen das Recht auf Leben zu verweigern, das in ihrer unveräußerlichen Würde verankert ist. Diese Schuld wird zum Teil beglichen durch mehr wirtschaftliche Beiträge zur Versorgung der ärmsten Bevölkerung mit klarem Wasser und Hygiene. Es ist jedoch eine Wasserverschwendung nicht nur in den Industrieländern zu beobachten, sondern auch in den weniger entwickelten Ländern, die große Wasserreserven besitzen. Das zeigt, dass das Wasserproblem zum Teil eine Frage der Erziehung und ein kulturelles Problem ist, denn es fehlt das Bewusstsein der Schwere dieses Verhaltens in einem Kontext großer Ungleichheit.



Brunnen unsrer Freuden

Paul Gerhardt (1653) in: EG 58.



Brunn alles Heils

Gerhard Tersteegen (1745) in: EG 140.



Brunn der Lebensflüsse

Johann Walter (1552), in: EG 148.



Lebensbrünnlein

Johannes Mühlmann (1618), in: EG 399.



Hohe Gedanken

Wilhelm Busch, Die Gedichte, hrsg. Gerd Haffmans, Leipzig: Haffmans Verlag bei Zweitausendeins 2012.



Froschkönig

Gebrüder Grimm



Der alte Brunnen

Aus: Hans Carossa. Die Schicksale Doktor Bürgers - Rumänisches Tagebuch - Ausgewählte Gedichte. Jubiläumsausgabe zum 100. Geburtstag von Hans Carossa. 5. Band. Frankfurt: Insel-Verlag 1978.



Wecken wir den Brunnen auf ...

Antoine de Saint-Exupéry. Der kleine Prinz. Übertragung ins Deutsche von Grete und Josef Leitgeb, Düsseldorf: Karl Rauch Verlag Neuauflage 1976, (gekürzt)



Der köstlichste Besitz dieser Erde

Antoine de Saint-Exupéry, "Wind, Sand und Sterne", in: Romane. Dokumente, Düsseldorf: Karl Rauch Verlag 1966, (gekürzt)



Dritter Fastensonntag

Huub Oosterhuis, Um Recht und Frieden. Gebete im Jahreskreis, Düsseldorf: Patmos 1989.



Brunn alles Heils

Gerhard Tersteegen (1745), in: EG 140.



Brunnquell aller Gnaden

Verfasser unbekannt, aus Chemnitz 1713, in: EG 219.



Der köstlichste Besitz dieser Erde

Hubertus Halbfas. Der Sprung in den Brunnen. Eine Gebetsschule, Düsseldorf : Patmos Verlag 1981, (gekürzt).



Wecken wir den Brunnen auf …

Antoine de Saint-Exupéry. Der kleine Prinz. Übertragung ins Deutsche von Grete und Josef Leitgeb, Düsseldorf: Karl Rauch Verlag Neuauflage 1976, S. 55 - 58 (gekürzt)



Der köstlichste Besitz dieser Erde

Antoine de Saint-Exupéry, "Wind, Sand und Sterne", in: Romane. Dokumente, Düsseldorf: Karl Rauch Verlag 1966, S. 297/98 (gekürzt)



Dritter Fastensonntag

Huub Oosterhuis, Um Recht und Frieden. Gebete im Jahreskreis, Düsseldorf: Patmos 1989, S. 42f.



Brunnquell aller Gnaden

Verfasser unbekannt, aus Chemnitz 1713, in: EG 219



Abstieg zum unbekannten Seelengrund

Hubertus Halbfas. Der Sprung in den Brunnen. Eine Gebetsschule, Düsseldorf : Patmos Verlag 1981, S. 13 - 16 (gekürzt).



Der alte Brunnen

In: Hans Carossa. Die Schicksale Doktor Bürgers - Rumänisches Tagebuch - Ausgewählte Gedichte. Jubiläumsausgabe zum 100. Geburtstag von Hans Carossa. 5. Band. Frankfurt: Insel-Verlag 1978. S. 238.



Strömt und ruht

Conrad Ferdinand Meyer, Eine Auswahl aus seinen Werken. Bonn: Verlag bibliotheca christiana 1974, S. 33/34.



Römische Fontäne

Rainer Maria Rilke. Gesammelte Gedichte. Frankfurt: Insel-Verlag 1962, S. 285.