21.10.2017

Kontexte 18.06.2017


Kirche als Gemeinschaft der missionarischen Jünger

Aus dem Apostolischen Schreiben EVANGELII GAUDIUM des Heiligen Vaters Papst Franziskus, Rom, 24. November 2013.


24. Die Kirche „im Aufbruch“ ist die Gemeinschaft der missionarischen Jünger, die die Initiative ergreifen, die sich einbringen, die begleiten, die Frucht bringen und feiern. „Primerear – die Initiative ergreifen“: Entschuldigt diesen Neologismus! Die evangelisierende Gemeinde spürt, dass der Herr die Initiative ergriffen hat, ihr in der Liebe zuvorgekommen ist (vgl. 1 Joh 4,10), und deshalb weiß sie voranzugehen, versteht sie, furchtlos die Initiative zu ergreifen, auf die anderen zuzugehen, die Fernen zu suchen und zu den Wegkreuzungen zu gelangen, um die Ausgeschlossenen einzuladen. Sie empfindet einen unerschöpflichen Wunsch, Barmherzigkeit anzubieten – eine Frucht der eigenen Erfahrung der unendlichen Barmherzigkeit des himmlischen Vaters und ihrer Tragweite. Wagen wir ein wenig mehr, die Initiative zu ergreifen! Als Folge weiß die Kirche sich „einzubringen“. Jesus hat seinen Jüngern die Füße gewaschen. Der Herr bringt sich ein und bezieht die Seinen ein, indem er vor den anderen niederkniet, um sie zu waschen. Aber dann sagt er zu den Jüngern: »Selig seid ihr, wenn ihr das wisst und danach handelt« (Joh 13,17). Die evangelisierende Gemeinde stellt sich durch Werke und Gesten in das Alltagsleben der anderen, verkürzt die Distanzen, erniedrigt sich nötigenfalls bis zur Demütigung und nimmt das menschliche Leben an, indem sie im Volk mit dem leidenden Leib Christi in Berührung kommt. So haben die Evangelisierenden den „Geruch der Schafe“, und diese hören auf ihre Stimme. Die evangelisierende Gemeinde stellt sich also darauf ein, zu „begleiten“. Sie begleitet die Menschheit in all ihren Vorgängen, so hart und langwierig sie auch sein mögen. Sie kennt das lange Warten und die apostolische Ausdauer. Die Evangelisierung hat viel Geduld und vermeidet, die Grenzen nicht zu berücksichtigen. In der Treue zur Gabe des Herrn weiß sie auch „Frucht zu bringen“. Die evangelisierende Gemeinde achtet immer auf die Früchte, denn der Herr will, dass sie fruchtbar ist. Sie nimmt sich des Weizens an und verliert aufgrund des Unkrauts nicht ihren Frieden. Wenn der Sämann inmitten des Weizens das Unkraut aufkeimen sieht, reagiert er nicht mit Gejammer und Panik. Er findet den Weg, um dafür zu sorgen, dass das Wort Gottes in einer konkreten Situation Gestalt annimmt und Früchte neuen Lebens trägt, auch wenn diese scheinbar unvollkommen und unvollendet sind. Der Jünger weiß sein ganzes Leben hinzugeben und es als Zeugnis für Jesus Christus aufs Spiel zu setzen bis hin zum Martyrium, doch sein Traum ist nicht, Feinde gegen sich anzusammeln, sondern vielmehr, dass das Wort Gottes aufgenommen werde und seine befreiende und erneuernde Kraft offenbare. Und schließlich versteht die fröhliche evangelisierende Gemeinde immer zu „feiern“. Jeden kleinen Sieg, jeden Schritt vorwärts in der Evangelisierung preist und feiert sie. Die freudige Evangelisierung wird zur Schönheit in der Liturgie inmitten der täglichen Anforderung, das Gute zu fördern. Die Kirche evangelisiert und evangelisiert sich selber mit der Schönheit der Liturgie, die auch Feier der missionarischen Tätigkeit und Quelle eines erneuerten Impulses zur Selbsthingabe ist.



Abgrenzung von der Welt?

Aus: Stefan Knobloch, Gottesleere?. Wider die Rede vom Verlust des Göttlichen. Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2013.


Im Artikel 1 der Kirchenkonstitution Lumen gentium heißt es: »Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit.« Die Kirche ist Zeichen der Einheit mit Gott, einer Einheit, die sich nicht allein auf sie, die Kirche, bezieht, sondern einer Einheit, die die Menschheit umfasst. Sie besteht von Anbeginn der Schöpfung in der immer aufrechterhaltenen und von Gott nie aufgekündigten Präsenz, die sich in der Menschwerdung des Gottessohnes, in seinem Leben und Wirken, in seinem Sterben und in seiner Auferstehung verdichtete. Für diese in Christus christologisch bestätigte Dauerpräsenz Gottes in der Welt ein Zeichen zu sein, das ist nach Lumen gentium 1 die sakramentale Sendung und Aufgabe der Kirche. Sie hat den Menschen die Augen zu öffnen, dass Gott im Raum der Welt, im Raum ihres, der Menschen, Leben gegenwärtig ist. Das erfordert die Bereitschaft der Menschen, in den »Zeichen der Zeit« die Präsenz Gottes wahrzunehmen.


Was sich daraus als das Mindeste ergibt, ist, mit dem Konzil die »Abgrenzung von der Welt« aufzugeben. Exakt gegen diese zentrale Position des Konzils wird in nachkonziliarer Zeit immer wieder mit dem Argument verstoßen, ohne Abgrenzung zur Welt werde das Mysterium der Kirche preisgegeben. Weshalb nicht wenige den von Johannes XXIII. geprägten Begriff des »Aggiornamento« für einen semantischen Trojaner halten. Ein Doppeltes bleibt festzuhalten: Zum einen wirkt die »Postmoderne«, wie wir heute sagen, denn die Zeit ist terminologisch seit dem Konzil nicht stehen geblieben, auf das religiöse Leben ein. Zum anderen ist der Grundimpuls des Konzils, mit Gottes Präsenz in der Welt zu rechnen und ihn in den »Zeichen der Zeit« zu vernehmen, im Bewusstsein der Gläubigen kaum angekommen.

Stattdessen sind auf Seiten der Gläubigen Rückzugstendenzen in das Privat-Beschauliche zu beobachten. Damit meinen wir nicht die allgemeine Individualisierungsproblematik in Folge des gesellschaftlichen Differenzierungsprozesses. In der Tat sind für den Einzelnen haltgebende Orientierungen weitgehend weggefallen. Der Einzelne nimmt sein Leben in die eigene Regie. Das eröffnet einerseits Freiräume, verunsichert aber auch. Und dies besonders angesichts gesellschaftlicher Entwicklungen, die von ihm nicht beeinflussbar sind, denen er ausgesetzt ist, wie globale Krisen, Wirtschaftskrisen, Klimaveränderungen und dergleichen. Nein, wir meinen mit dem Rückzug ins Privat-Beschauliche ein Phänomen innerhalb der religiösen Landschaft, das sich sowohl aus den innerkirchlichen Momentaufnahmen als auch, mit einem großen Wort gesprochen, aus der »Rückkehr der Religion« nährt. Man sucht die beschauliche Innenwelt auf. Das muss nicht den Touch einer eher negativ konnotierten religiösen »Erlebniswelt« haben. Es geht durchaus um die Suche nach Gott im eigenen Leben, indem man sich Zirkeln und Gruppen anvertraut, die einem Hilfe und Stütze bieten. Was aber daran auffällt, ist der Mangel bzw. der Ausfall an Sensibilität für gesellschaftlich-politische Fragestellungen und Herausforderungen. Dies macht den Unterschied zu den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts aus. Damals artikulierte sich das religiöse Engagement als soziales Engagement, als Engagement für Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung.



Hildegard Burjan - Christus bringen und/oder Sozialarbeit?

Aus: Gisbert Greshake, Selig die nach Gerechtigkeit dürsten. Hildegard Burjan, Leben Werk Spiritualität. Tyrolia Verlag, Innsbruck Wien 2008.


Die Hinwendung zum christlichen Glauben gibt Hildegard Burjan in ihrem bisherigen, tief im jüdischen Kontext verwurzelten sozialen und kulturellen Engagement eine neue Motivation und Zielrichtung: „Von Jesus Christus selbst auf ein bestimmtes Elend hingewiesen werden, in seinem Auftrag und an seiner Hand hingehen, es zu lindern - um seine Liebe aufscheinen zu lassen,“ so formuliert sie jetzt Motiv, Absicht und Weise ihres sozialen Einsatzes. Also „nicht aus soziologischen Gründen, nicht bloß aus Mitleid mit den leiblichen Nöten des Nächsten, ... sondern in erster Linie aus religiösen Gründen“ engagiert sie sich ab jetzt im sozialen Sektor. Es soll - wie sie selbst sagt - „nicht nur äußeres Elend beseitigt, sondern neues Leben in Christo erweckt“ werden; es gilt, „die Liebe Christi unter die armen Menschen zu tragen.“ „Caritas Christi urget nos“ - „Die Liebe Christi drängt uns“, gibt sie der CS als Leitwort auf den Weg. So wie die Arbeit der Krankenschwestern, der Borromäerinnen, die sie bei ihrer schweren Krankheit erlebt hat, für sie ein Werkzeug der Gnade war, so versteht sie nun auch selbst ihr Leben und ihre Arbeit als Instrument des Wirkens Christi. Ebenso hat die Caritas Socialis „ein brauchbares Werkzeug Gottes“ zu sein. Und deshalb heißt es auch in der von Hildegard verfassten Weiheformel der Caritas Socialis: „Ich danke Dir aus tiefstem Herzen dafür, dass Du mich würdigst, ein Werkzeug Deiner Liebe zu sein.“ Dafür sind Leben und Arbeitskraft als Geschenk Gottes zur Verwaltung übertragen, gewissermaßen „geliehen“ worden, um sie als Werkzeug Gottes zu seiner Ehre weiterzugeben und zurückzugeben. „Wir müssen uns immer sagen, dass wir alles, was wir besitzen, nur von Gott geliehen haben und ihm daher gerne wieder zurückgeben wollen, wenn er es uns nimmt.“
Um aber wirklich Werkzeug Christi sein zu können und mit ihm und für ihn zu den Armen zu gehen, werden das Hinhören auf den Willen des Herrn und der Gehorsam ihm gegenüber von vitaler Wichtigkeit. Das Hinhören geschieht für Hildegard Burjan zunächst einmal im Gebet. Sie berät all ihre Pläne mit Gott, prüft sie „vor dem Tabernakel“ (ein geflügeltes Wort von ihr, das sie auch den Schwestern immer wieder weitergibt). Hier im Hören „vor dem Tabernakel“ versucht sie, die verworrenen Knoten anstehender Probleme zu lösen.

Das Zuhören geschieht aber auch in der Verbindung mit dem Leben der Armen selbst. „Gott gibt uns den Verstand, damit wir die Not einer Zeit, die Ursachen dieser Not, die Mittel, die zur Abhilfe führen, erkennen.“ Und dieser „prüfende Verstand“ setzt Menschen voraus, die „die große komplizierte, moderne Not gesehen haben, die nur erfasst werden kann von Menschen, die im Leben stehen.“ So lässt erst die Präsenz im „Leben der ärmsten Schichten auch diese immer besser begreifen lernen und immer feinhöriger für ihre Bedürfnisse werden,“ sagt sie.



Kulturlandschaft

Alfons Jestl, Die Fee im Kirschbaum, Lyrik, Verlag publication PN 1 Bibliothek der Provinz, Weitra, ISBN 978 3 385252 746 8 siehe auch www.alfons-jestl.at



Parkspaziergang

Vladimír Holan, Parkspaziergang, in: Der Herrgott schuldet mir ein Mädchen, Tschechische Lyrik des 20. Jahrhunderts, Serie Piper, München 1994, S 71.



Spirituelle Männer und Frauen

Andrea Riccardi, Das Licht scheint auf alle - Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa, Dokument 106-07, 3. europäische ökumenische Versammlung in Sibiu Rumänien 4. - 9 September 2007.



Unser Vorschlag für Europa

Andrea Riccardi, Das Licht scheint auf alle - Hoffnung auf Erneuerung und Einheit in Europa, Dokument 106-07, 3. europäische ökumenische Versammlung in Sibiu Rumänien 4. - 9 September 2007.



Rolle der Kirchen

Botschaft seine Eszellenz Traian Basescu, Präsident von Rumänien, 3. europäische ökumenische Versammlung in Sibiu Rumänien 4. - 9 September 2007.



Der Schlüssel steckt von innen

Walter Kern, Geist und Glaube, Fundamentaltheologische Vermittlungen, Tyrolia Innsbruck 1992, S 36.



Seitenstraße

Richard Wagner, Seitenstraße, in Das Land am Nebentisch, Texte und Zeichnungen aus Siebenbürgen, dem Banat und den Orten versuchter Ankunft, Reclam Leipzig 1993, S 209.



Mediengesellschaft

Konrad Paul Liessmann, Juvenilität, in: Spähtrupp im Niemandsland, Kulturphilisophische Diagnosen, Zsolnay Wien 2004 S 226.