21.08.2017

Kontexte 25.06.2017


Nachfolge ist gefährlich (?)

Beate Kowalski,
http://www.perikopen.de/Lesejahr_A/12_iJ_A_Mt10_26-36_Kowalski.pdf


 

Zusammenfassende Überlegungen

Das Evangelium des heutigen Sonntags bietet mehrere Ansatzpunkte für weitere Überlegungen:

  1. „Nachfolge ist gefährlich“ – so könnte man zusammenfassen. Sie fordert ihre Konsequenzen.
  2. „Gottes Vatersorge ist grenzenlos“ – sie begründet das Vertrauen und die Furchtlosigkeit, auch in gefährlichen Situation des Christseins standzuhalten.
  3. „Nachfolge und Sendung sind anstößig“ – auch innerhalb der eigenen Familie und im Freundeskreis. Mt ermutigt dazu, im Vertrauen auf Jesus ein klares Bekenntnis abzulegen.

Vollständiger Text unter:
http://www.perikopen.de/Lesejahr_A/12_iJ_A_Mt10_26-36_Kowalski.pdf

 

 



Gott lässt die Wahrheit erscheinen

Aus der Predigt von Prof. Dr. Christoph Schwöbel über Mt. 10,26-33 am 31.10.1999 in der Peterskirche Heidelberg https://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/theologie/universitaetsgottesdienste/991031.html


Jede Auslegung dieses Predigttextes, die ich in den letzten Tagen gelesen habe, betont: Unsere Situation ist nicht die der Gemeinde des Matthäus. Er schreibt für eine Gemeinde, die Verfolgungen und Anfeindungen ausgesetzt ist, und für sie nimmt er überlieferte Elemente der Verkündigung Jesu auf und präsentiert sie als Trost, als Zuspruch, als Ermutigung für die Situation der Verfolgung. Das ist wohl richtig: Verfolgung ist nicht unsere Situation hier in Westeuropa. Unsere Situation ist eher die der Unübersichtlichkeit, der Orientierungslosigkeit, der Unsicherheit hinsichtlich des richtigen Weges. Aber gerade darum kann uns auch die Verheißung ansprechen, die die ersten Verse dieses Predigttextes aussprechen:
„Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird." Im Munde Jesu ist damit nicht eine allgemeine Wahrheit gemeint: Es wird schon alles klar werden, die Sonne bringt es an den Tag. Vielmehr ist hier die Zusage, dass Gott, in dem alle Wahrheit begründet ist, diese Wahrheit erscheinen lassen wird…

Der öffentliche Wahrheitsanspruch des Evangeliums führt unausweichlich in Auseinandersetzungen, denn durch das Evangelium werden bestehende Autoritäts- und Machtansprüche in Frage gestellt. Die Aufklärung war der Auffassung: Man kann den religiösen Konflikten in der Gesellschaft nur beikommen, wenn man die Religion entschlossen ins Private verbannt. Heute erleben wir das Ende der Religion als Privatsache. Religiöse Überzeugungen drängen in die Öffentlichkeit und dort müssen sie debattiert und diskutiert werden, sonst bleiben die Grundüberzeugungen der Mitglieder unserer Gesellschaft im Dunklen. Angesichts der Angefochtenheit des christlichen Zeugnisses in der Öffentlichkeit spricht unser Predigttext Ermutigung zu: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können, fürchtet euch aber vielmehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.“ Hier wird die Furcht vor Menschen mit der Gottesfurcht kontrastiert. Wer eintritt für die Wahrheit Gottes, braucht Menschen nicht zu fürchten. Es gibt nur einen, dem Furcht gebührt, und das ist Gott. Gottesfurcht befreit vor der Furcht vor Menschen.

Aus der Predigt von Prof. Dr. Christoph Schwöbel über Mt. 10,26-33 am 31.10.1999 in der Peterskirche Heidelberg
https://www.uni-heidelberg.de/fakultaeten/theologie/universitaetsgottesdienste/991031.html



Der lebendige Brunnenquell

Ambrosius Blarer (1533/34) in EG 127,7


Du, der lebend’ge Brunnenquell,
der Gottes Stadt durchfließet hell,
erquickest das Gemüte.
Du dich besteht des Vaters Bau;
du willst und gibst, dass man dir trau,
du bist die Gottesgüte.
Irden Geschirr sind wir und weich,
brechen gar leicht von jedem Streich;
du selbst wollst uns bewahren,
und brennen wohl in deiner Glut,
dass uns der Feind nicht Schaden tut,
wenn wir von hinnen fahren.



Schlüssel zu den geheimsten Zugängen der menschlichen Seele

Friedrich Schiller, Die Schaubühne als eine moralische Anstalt betrachtet. Vorgelesen bei einer öffentlichen Sitzung der kurfürstlichen deutschen Gesellschaft zu Mannheim im Jahr 1784.
in: http://gutenberg.spiegel.de/buch/-3328/1


Die Schaubühne ist mehr als jede andere öffentliche Anstalt des Staats eine Schule der praktischen Weisheit, ein Wegweiser durch das bürgerliche Leben, ein unfehlbarer Schlüssel zu den geheimsten Zugängen der menschlichen Seele. Ich gebe zu, daß Eigenliebe und Abhärtung des Gewissens nicht selten ihre beste Wirkung vernichten, daß sich noch tausend Laster mit frecher Stirne vor ihrem Spiegel behaupten, tausend gute Gefühle vom kalten Herzen des Zuschauers fruchtlos zurückfallen – ich selbst bin der Meinung, daß vielleicht Molières Harpagon noch keinen Wucherer besserte, daß der Selbstmörder Beverley noch wenige seiner Brüder von der abscheulichen Spielsucht zurückzog, daß Karl Moors unglückliche Räubergeschichte die Landstraßen nicht viel sicherer machen wird – aber wenn wir auch diese große Wirkung der Schaubühne einschränken, wenn wir so ungerecht sein wollen, sie gar aufzuheben – wie unendlich viel bleibt noch von ihrem Einfluß zurück? Wenn sie die Summe der Laster weder tilgt noch vermindert, hat sie uns nicht mit denselben bekannt gemacht? – Mit diesen Lasterhaften, diesen Thoren müssen wir leben. Wir müssen ihnen ausweichen oder begegnen; wir müssen sie untergraben oder ihnen unterliegen. Jetzt aber überraschen sie uns nicht mehr. Wir sind auf ihre Anschläge vorbereitet. Die Schaubühne hat uns das Geheimniß verrathen, sie ausfindig und unschädlich zu machen. Sie zog dem Heuchler die künstliche Maske ab und entdeckte das Netz, womit uns List und Kabale umstrickten. Betrug und Falschheit riß sie aus krummen Labyrinthen hervor und zeigte ihr schreckliches Angesicht dem Tag. Vielleicht, daß die sterbende Sara nicht einen Wollüstling schreckt, daß alle Gemälde gestrafter Verführung seine Gluth nicht erkälten, und daß selbst die verschlagene Spielerin diese Wirkung ernstlich zu verhüten bedacht ist – glücklich genug, daß die arglose Unschuld jetzt seine Schlingen kennt, daß die Bühne sie lehrt seinen Schwüren mißtrauen und vor seiner Anbetung zittern.



Ein Leben lang sechseinhalb Jahre alt

Interview mit Wolf Biermann 15.11.2016,
in: https://www.hinzundkunzt.de/wolf-biermann/


Die Bombennacht im Juli 1943, als ich sechseinhalb war und meine Mutter mit mir auf dem Rücken durch den Mittelkanal in Hammerbrook aus dem Feuer geflohen ist, hat sich eingebrannt in mein Gedächtnis. Davor und danach weiß ich nichts, aber von dieser Nacht weiß ich jedes Wort, jedes Gesicht, jede Farbe, jeden Geruch und jedes Bild. Und als ich viele Jahre später das berühmte Foto sah von der Uhr in Hiroshima, deren Zifferblatt im Moment der Explosion mit den Zeigern verschmolzen ist, dachte ich: „Das ist wie bei mir – meine Lebensuhr ist in dieser Nacht des 28. Juli 43 auch festgeschmolzen in meinem Rippenkäfig“, und seitdem bleibe ich mein Leben lang sechseinhalb Jahre alt. Das ist auch der Grund, warum ich Gedichte schreibe und keine Romane – weil ich die Welt mit einem Kinderauge sehe. Ich bin sechseinhalb. Gleichzeitig bin ich aber auch ein Jude, deswegen bin ich 120 wie alle Juden – wir kommen ja schon von weiter her. Also habe ich überhaupt kein Gefühl für das Älterwerden: Ich bin immer der Jüngste und immer der Älteste.



O komm, du Geist der Wahrheit

Philipp Spitta 1827, EG 136,1-4



Fürchte dich nicht

Fritz Baltruweit 1981, EG 656



Komm, Herr, segne uns

Trautwein 1978, EG 170



Ich bekenne mich

Rose Ausländer, Gedichte. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2001, S. 298.



Bekenntnis II

Rose Ausländer, Gedichte. A.a.O. S. 299



Der Mensch

Marie Luise Kaschnitz, Überallnie. Ausgewählte Gedichte 1928 - 1965. Mit einem Nachwort von Karl Krolow. Hildesheim: Claassen Verlag 2. Aufl. 1998, S. 54.



Er schenkt mir seinen Namen

Huub Oosterhuis, Im Vorübergehn. Wien: Herder Verlag1969, S. 30/31.