24.07.2017

Kontexte 16.07.2017


Ich setze mich zur Lesung

Aus: Lothar Zenetti, Auf seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht. Matthias-Grünewald-Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011.



Predigen in Zeiten der Aufklärung

Aus: Gerhard Lohfink, Heute – wann sonst? Unangepasstes über Gott und die Welt. Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2015.


Berüchtigt sind die Predigten, die in der Zeit der europäischen Aufklärung nicht nur gehalten, sondern auch vonseiten der Obrigkeit dringlichst empfohlen wurden. Achim Buckenmaier schilderte in einem Vortrag „200 Jahre Säkularisation - Glück oder Unglück für die Kirche?“ die Thematik solcher Predigten:

„Es gab jetzt Natur- und Ackerpredigten; es gab die sogenannte „Rossbollenpredigt“. Eine Weihnachtspredigt kam über den Stall von Bethlehem auf den Vorzug der Stallfütterung gegenüber der Koppelwirtschaft zu sprechen, eine Osterpredigt pries, ausgehend vom Gang der Jünger nach Emmaus, die Wohltat des Spazierengehens, an Pfingsten wurde über die frische Luft gesprochen, das Wort „der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ war ein willkommener Anlass, vom „unaussprechlichen Segen des Kartoffelanbaus“ zu reden.“

Aber sind wir heute besser? Es wird gepredigt (nicht nur, aber oft) über das Sich-selbst-Finden, das Sich-selbst-Lie-ben, die Geduld mit sich selbst, die Geduld mit den Anderen, über spirituelle Lebensqualität, Toleranz, Tierliebe und Verhalten im Straßenverkehr. Man predigt Humanismus und gibt Orientierungshilfen. All das ist noch ziemlich weit vom Christentum entfernt. Es kommt aus der Angst, die Gottesdienstteilnehmer wollten mit den Mysterien des Christentums nichts zu tun haben. Ob das nicht eine gewaltige Täuschung ist?



lectio divina heißt anders lesen

Aus: Bettina Eltrop, auf einem Folder des Katholischen Bibelwerks e. V.


Geht man nach den Verkaufszahlen des Buchmarkts, den Neuerscheinungen auf der Frankfurter oder Leipziger Buchmesse, den vielen Buchpreisen, die in unserem Land vergeben werden, dann bekommt man den Eindruck, dass wir eine hohe Kultur des Lesens üben. Und es wird tatsächlich viel gelesen: dicke Romane, Zeitschriften, Tages- oder Wochenzeitungen, Fach- und Sachbücher. Dazu lesen wir im Internet, in E-Mails und unbewusst immer auch Werbung, die uns überall begegnet.

Zwischen all diesen vielen Worten und Informationen, die von uns täglich aufgenommen werden, mischt sich ein Buch ein, das anders gelesen werden will: Das Buch der Bücher, die Bibel. Ob im Studium, in der wissenschaftlichen Forschung oder der persönlichen Bibellektüre, ob in der Liturgie oder geistlichen Lesung: Die Bibel will anders gelesen werden: Langsamer, gründlicher und mit vielfältigen Lesemethoden.

Bei der Lectio divina, dem Gott gewidmeten Lesen, steht das Lesen an erster Stelle. Dieser Betonung des Lesens als einer Möglichkeit, mit Gott ins Gespräch zu kommen, soll hier nachgegangen werden.

Grundsätzlich sollen die biblischen Texte in der Lectio divina so gelesen werden, dass sie zur lebendigen Quelle der Gottes- und Christusbeziehung werden. Wie ist das möglich?

Zunächst einmal durch das genaue und gründliche Lesen des biblischen Textes. Die Art, die Bibel zu lesen, unterscheidet sich z.B. vom Lesen einer Tageszeitung, wo es in erster Linie um schnelle Informationsaufnahme geht. Beim Lesen der biblischen Texte - egal ob in der Bibelwissenschaft oder in der geistlichen Übung geht es darum, langsam zu lesen: einzelne Worte werden sorgsam beobachtet, Strukturen im Text entdeckt, Zusammenhänge mit andern biblischen Texten gefunden. Alles dient dazu, der Botschaft des Textes und dem Gespräch der biblischen Schriften immer besser auf die  Spur zu kommen.

Dieses verlangsamte und gründliche Lesen wird in der Lectio divina dadurch erreicht, dass verschiedene methodische Schritte im Leseprozess eingebaut sind: vor allem das mehrfache, wiederholende Lesen des biblischen Textes, das halblaute Lesen des Textes für sich selbst (ruminatio) und die Meditation des Textes sind hier zu nennen. Durch das gründliche mehrfache Lesen und Meditieren kann der Reichtum eines Textes erschlossen werden. Die biblischen Texte sind ja oft über lange Zeiträume gewachsen, an ihnen haben oft mehrere AutorInnen, Redaktionen, Abschreiber usw. über Jahrhunderte hinweg gearbeitet. Es  sind gute, reiche, manchmal aber auch sperrige Texte, die wir kennenlernen müssen wie einen Menschen, mit dem wir Bekanntschaft schließen.

P. Ludger Feldkämper, der für Bibelkreise auf den Philippinen die sog. Vigan-Methode als Modell einer Lectio divina entwickelt hat, spricht von der „joy of discovery“, der Freude am Entdecken, die die Menschen bei den Gruppentreffen erleben und die die Sehnsucht nach weiteren, ähnlichen Leseerfahrungen weckte. Durch das wiederholende und verlangsamende Lesen werden Entdeckungen gemacht, die regelrecht spannend sind und die Entdecker-Freude erfahren lassen - bei allen und jeder/m, die sich auf diesen Weg einlassen.

Dabei stellt sich oft auch heraus, dass niemand de r„Herr“ des Textes ist und die Kompetenz der alleinigen Auslegung hat - weder Priester, Theologen, noch die akademische Gebildeten sind hier im Vorteil. Oft machen gerade die Menschen, die die Texte mit dem Schlüssel der Lebenserfahrung lesen, die spannendsten Beobachtungen und Entdeckungen, da sie die Texte von einem ungewohnten Blickwinkel aus lesen können, bisher unbeachtete Aspekte und Worte aufgreifen und damit im Sinngefüge des Textes neue Lese- und Verstehensmöglichkeiten freilegen.



Über die Sorge für das gemeinsame Haus

Aus: Papst Franziskus, Enzyklika LAUDATO SI', über die Sorge für das gemeinsame Haus. Rom 2015.



Kanzel-Notizen

Aus: Lothar Zenetti, Auf seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht. Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011.



Die Worte der Bibel als Worte meditieren

Aus: Anselm Grün, Wenn du Gott erfahren willst, öffne deine Sinne. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2000.



Glaubens-Wachstums-Räume

Vera Krause, Dipl. Theol., Referentin für Bildung und Pastoral bei »Misereor«, Autorin, Kurs- und Vortragstätigkeit, Aachen, In: Johannes Röser (HG.), Mein Glaube in Bewegung. Stellungnahmen aus Religion, Kultur und Politik. HerderVerlag, Freiburg Basel Wien 2008.



Das verwandelnde Wort

Aus: Henri Nouwen, Auf der Suche nach dem Leben. Ausgewählte Texte mit einer Einführung von Robert A. Jonas. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2001.



Erfolg und Misserfolg

Aus: Antony de Mello, Wer bringt das Pferd zum Fliegen? Weisheitsgeschichten. Herder Spektrum, Freiburg Basel Wien 1989 (5).



über dein wort wachen

Aus: Said, Psalmen. Mit einem Nachwort von Hans Maier. C.H.Beck Verlag, München 2007.



scharf

Aus: Thomas Weiß, Hörst du mein Schweigen. Gebete der Sehnsucht. Herder Verlag , Freiburg Basel Wien 2008.



Im Kindergarten

Aus: Helmut Schüller, Notizen eines Landpfarrers. Edition Steinbauer, Wien 2007.



Die vier Rabbiner

Aus: Karlheinz May, Vom Duft der Auferstehung. Die vier Evangelien in Auszügen mit Meditationen, kommentierenden Texten und Zeichnungen. Im Eigenverlag (Holsteinstr 1, D-51065 Köln).



Blüh auf gefrorner Christ

Aus: Egon Kapellari, Ein Fest gegen die Schwerkraft. Osterbetrachtungen. Styria Verlag Wien Graz Klagenfurt 1993.



Repetenten

Aus: Christine Busta. Gedichte. Der Himmel im Kastanienbaum. Otto Müller Verlag Salzburg 1989.



Seelsorgsarbeit

Aus: Helmut Schüller, Notizen eines Landpfarrers. Edition Steinbauer, Wien 2007.



Zum Glauben wird man bewogen

Aus: P. Alois Kraxner, Wie Kristalle in taubem Gestein. Christsein im Alltag. Wagner Verlag, Linz 2008.