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18.06.2019

Lesungen 08.06.2019


1. Lesung

Pfingsten am Vorabend (A/B/C):
Gen 11,1-9


Lesung aus dem Buch Genesis:

vom Vorabend des Pfingsfestes
Gen 11,1-9


Die ganze Erde hatte eine Sprache
   und ein und dieselben Worte.
Als sie ostwärts aufbrachen,
   fanden sie eine Ebene im Land Schinar
und siedelten sich dort an.
Sie sagten zueinander: Auf, formen wir Lehmziegel
   und brennen wir sie zu Backsteinen.
So dienten ihnen gebrannte Ziegel als Steine
   und Erdpech als Mörtel.
Dann sagten sie: Auf, bauen wir uns eine Stadt
   und einen Turm mit einer Spitze bis in den Himmel!
So wollen wir uns einen Namen machen,
damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.
Da stieg der HERR herab,
   um sich Stadt und Turm anzusehen,
   die die Menschenkinder bauten.
Und der HERR sprach: Siehe, e i n  Volk sind sie
und  e i n e  Sprache haben sie alle.
Und das ist erst der Anfang ihres Tuns.
Jetzt wird ihnen nichts mehr unerreichbar sein,
   wenn sie es sich zu tun vornehmen.
Auf, steigen wir hinab
und verwirren wir dort ihre Sprache,
   sodass keiner mehr die Sprache des anderen versteht.
Der HERR zerstreute sie von dort aus über die ganze Erde
und sie hörten auf, an der Stadt zu bauen.
Darum gab man der Stadt den Namen Babel, Wirrsal,
denn dort hat der HERR die Sprache der ganzen Erde verwirrt
und von dort aus hat er die Menschen
   über die ganze Erde zerstreut.



Die Erzählung vom so genannten "Turmbau zu Babel" wurde traditionell so ausgelegt, dass sich die planenden und bauenden Menschen durch Hochmut schuldig machten und dafür von Gott mit der Verwirrung der Sprachen und Zerstreuung über die ganze Erde bestraft wurden. Der biblische Text selbst bietet für eine solche moralische Deutung allerdings keine direkten Anhaltspunkte. Literarisch kunstfertig wird hier das Phänomen "Sprache" aufgearbeitet in seiner ganzen Spannung zwischen der realen Erfahrung von Sprachen als Hindernis des Sich-Verstehens einerseits und der gottgewollten Funktion von Sprache als Mittel gelungener Verständigung in Gemeinschaft andererseits. Dabei umfasst "Sprache als Quelle von Missverständnissen" nicht nur die Schwierigkeiten, die mit verschiedenen Landessprachen verbunden sind und multikulturelle Gesellschaften heute immer mehr herausfordern. Selbst unter Menschen gleicher Muttersprache, also mit gemeinsamer Sprachgeschichte und grundlegendem Konsens über Wortbedeutungen, spricht jede und jeder eine individuelle Sprache: Jedes Wort ist mit persönlicher Erfahrung codiert, das heißt, beim Gebrauch eines Wortes schwingt immer die je eigene lebensgeschichtliche Erfahrung mit. Darüber hinaus können Worte nur bruchstückhaft den inneren Sinndialog, die innere Suche einer Person nach dem Sinn ihres Lebens, ausdrücken. Daher verbindet jeder Mensch mit Begriffen wie "Glück", "Krankheit" oder "Liebe" ganz unterschiedliche Erfahrungen und Gefühle. Soweit die heutige Sprachwissenschaft zu dem, was die Turmbauerzählung anschaulich mit "Verwirrung der Sprache" darstellt: Wo Menschen nur sich selber sehen und in ihrer eigenen Vorstellungswelt verhaftet bleiben, reden sie aneinander vorbei und Verständigung misslingt. Dies hat schließlich Verwirrung und Trennung zur logischen Folge (nicht als Strafe Gottes). Gott aber will für uns Menschen gelungene Kommunikation, die echte Gemeinschaft ermöglicht. So schildert es außer dem Anfang der Turmbauerzählung auch das Evangelium vom Pfingsttag (Apg 2,1-12): Gottes Geist bewirkt, dass völlig fremde Menschen einander verstehen. Dieses gegenseitige Verstehen und Verstanden werden bleibt dabei nicht auf die Ebene gleicher Vokabeln beschränkt, sondern ist so tief greifend, dass die Menschen durch diese neuartige Erfahrung zunächst tief "bestürzt" und verwirrt sind und daraus eine neuartige Gemeinschaft entstehen kann. Solche Augenblicke geglückter Verständigung, "dass einer meine Sprache spricht", dürfen Menschen immer wieder einmal erleben. Einander offen und liebevoll zuzuhören ist eine notwendige, nicht aber hinreichende Vorraussetzung dafür. Darüber hinaus lässt sich eine solche Erfahrung auch heute als "Gnade", Gottesgeschenk, Pfingstereignis deuten. Im alltäglichen Miteinander aber stoßen Menschen schnell an die Grenzen ihrer sprachlichen Verständigung. Das können auch Kommunikationstrainings und guter Wille letztlich nicht ausmerzen, weil es eben teilweise wie oben beschrieben im Phänomen Sprache selbst begründet ist. So bleibt die tiefe menschliche Sehnsucht, so wie ich bin und mich selbst und das Leben sehe, verstanden zu werden, im Letzten noch unerfüllt. Diese Spannung von manchmal schon erfahrenem Vorgeschmack gelungener Gemeinschaft und noch ausstehender Vollendung kennzeichnet den Vorabend des Pfingstfestes und wird in der 2. Lesung (Röm 8,22-27) in anschaulichen Bildern von Schwangerschaft und Geburtswehen beschrieben: Die ganze Welt, auch die Christen, leiden an den Schwächen, Grenzen und Unvollkommenheiten des Lebens und sehnen sich nach Erlösung (VV 22-23). Den Christen aber - so die frohe Botschaft des Paulus - ist der Geist schon geschenkt. So dürfen sie "guter Hoffnung sein" und geduldig ausharren - wie eine Frau, der in den Schmerzen der Geburtswehen der Gedanke an ihr Kind Kraft schenkt durchzuhalten, bis das neue Leben geboren ist. Das Wirken des Geistes Gottes beschreibt Paulus dabei folgendermaßen: "Der Geist tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können." (Vers 26b) Entscheidend sind hier also nicht die Worte, sondern das Gemeinte, das Gott auch ohne Worte versteht. Sich ohne Worte verstehen und verstanden werden ist ebenfalls eine Erfahrung, die Menschen immer wieder einmal erleben können: sei es zwischen Liebenden, im Umgang mit einem Baby oder einem schwer kranken Menschen. Jenseits aller Worte schaffen hier Lächeln, Mitweinen, Berührung und konkrete Hilfe tiefe Beziehung. Das relativiert die Bedeutung von Sprache und hebt die Rolle der inneren Haltung dem anderen gegenüber hervor. © Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C5/2010. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2010.


Antwortpsalm

Kv - Seligs das Volk, das der HERR sich erwählt hat. - Kv
oder GL 56,1


Der HERR vereitelte den Ratschluss der Nationen,
er machte die Pläne der Völker zunichte.
Der Ratschluss des HERRN bleibt ewig bestehen,
die Pläne seines Herzens durch alle Geschlechter. - Kv

Selig die Nation, deren Gott der HERR ist,
das Volk, das er sich zum Erbteil erwählt hat.
Der HERR blickt herab vom Himmel,
er sieht alle Menschen. - Kv

Von seinem Thronsitz schaut er nieder
auf alle Bewohner der Erde.
Der ihre Herzen gebildet hat,
er achtet auf all ihre Taten. - Kv


2. Lesung

vom Vorabend des Pfingstfestes
Ex 19,3-8a. 16-20


Lesunsg aus dem Buch Exodus.

In jenen Tagen
   stieg Mose zu Gott hinauf.
Da rief ihm der HERR vom Berg her zu:
   Das sollst du dem Haus Jakob sagen
   und den Israeliten verkünden:
Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern angetan habe,
wie ich euch auf Adlerflügeln getragen
   und zu mir gebracht habe.
Jetzt aber,
   wenn ihr auf meine Stimme hört und meinen Bund haltet,
   werdet ihr unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein.
Mir gehört die ganze Erde,
ihr aber sollt mir als ein Königreich von Priestern
   und als ein heiliges Volk gehören.
Das sind die Worte, die du den Israeliten mitteilen sollst.
Mose ging und rief die Ältesten des Volkes zusammen.
Er legte ihnen alles vor, was der HERR ihm aufgetragen hatte.
Das ganze Volk antwortete einstimmig
und erklärte: Alles, was der HERR gesagt hat, wollen wir tun.

Am dritten Tag, im Morgengrauen,
   begann es zu donnern und zu blitzen.
Schwere Wolken lagen über dem Berg
und gewaltiger Hörnerschall erklang.
Das ganze Volk im Lager begann zu zittern.
Mose führte das Volk aus dem Lager hinaus Gott entgegen.
Unten am Berg blieben sie stehen.
Der ganze Sinai war in Rauch gehüllt,
denn der HERR war im Feuer auf ihn herabgestiegen.
Der Rauch stieg vom Berg auf wie Rauch aus einem Schmelzofen.
Der ganze Berg bebte gewaltig
   und der Hörnerschall wurde immer lauter.
Mose redete
und Gott antwortete ihm mit verstehbarer Stimme.
Der HERR war auf den Sinai,
   auf den Gipfel des Berges, herabgestiegen.
Er hatte Mose zu sich auf den Gipfel des Berges gerufen
und Mose war hinaufgestiegen.


Antwortpsalm

GL 616,4

Gepriesen bist du, HERR, du Gott unserer Väter,
Kv - Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du im Tempel deiner heiligen Herrlichkeit,
Kv - Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du, der in die Tiefen schaut und auf Kerubim thront,
Kv - Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du auf dem Thron deiner Herrschaft,
Kv - Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.
Gepriesen bist du am Gewölbe des Himmels,
Kv - Gerühmt und verherrlicht in Ewigkeit.  


Antwortpsalm nach der 6. Lesung

Kv -  Herr, du hast Worte des ewigen Lebens. - Kv
(Oder Gl 312,7) 


Die Weisung des HERRN ist vollkommen,
sie erquickt den Menschen.
Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich,
den Unwissenden macht es weise. - Kv

Die Befehle des HERRN sind gerade,
sie erfüllen das Herz mit Freude.
Das Gebot des HERRN ist rein,
es erleuchtet die Augen. - Kv

Die Furcht des HERRN ist lauter,
sie besteht für immer.
Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig,
gerecht sind sie alle. - Kv

Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge.
Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.
Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen;
reichen Lohn hat, wer sie beachtet. - Kv


3. Lesung

vom Vorabend des Pfingstfestes (A/B/C)
Ez 37,1-14


Lesung aus dem Buch Ezechiel.

In jenen Tagen
   legte sich die Hand des HERRN auf mich
und er brachte mich im Geist des HERRN hinaus
   und versetzte mich mitten in die Ebene.
Sie war voll von Gebeinen.
Er führte mich ringsum an ihnen vorüber
und siehe, es waren sehr viele über die Ebene hin;
und siehe, sie waren ganz ausgetrocknet.
Er fragte mich: Menschensohn,
können diese Gebeine wieder lebendig werden?
Ich antwortete: GOTT und Herr, du weißt es.
Da sagte er zu mir: Sprich als Prophet über diese Gebeine
und sag zu ihnen: Ihr ausgetrockneten Gebeine,
   hört das Wort des HERRN!
So spricht GOTT, der Herr, zu diesen Gebeinen:
Siehe, ich selbst bringe Geist in euch,
   dann werdet ihr lebendig.
Ich gebe euch Sehnen, umgebe euch mit Fleisch
und überziehe euch mit Haut; ich gebe Geist in euch,
   sodass ihr lebendig werdet.
Dann werdet ihr erkennen, dass ich der HERR bin.
Da sprach ich als Prophet, wie mir befohlen war;
und noch während ich prophetisch redete,
   war da ein Geräusch:
Und siehe, ein Beben: Die Gebeine rückten zusammen,
Bein an Bein.
Und als ich hinsah, siehe, da waren Sehnen auf ihnen,
Fleisch umgab sie
und Haut überzog sie von oben.
Aber es war kein Geist in ihnen.
Da sagte er zu mir: Rede als Prophet zum Geist,
rede prophetisch, Menschensohn,
sag zum Geist: So spricht GOTT, der Herr:
Geist, komm herbei von den vier Winden!
Hauch diese Erschlagenen an,
   damit sie lebendig werden!
Da sprach ich als Prophet, wie er mir befohlen hatte,
und es kam der Geist in sie.
Sie wurden lebendig und sie stellten sich auf ihre Füße -
ein großes, gewaltiges Heer.
Er sagte zu mir: Menschensohn,
diese Gebeine sind das ganze Haus Israel.
Siehe, sie sagen: Ausgetrocknet sind unsere Gebeine,
unsere Hoffnung ist untergegangen,
wir sind abgeschnitten.
Deshalb tritt als Prophet auf
   und sag zu ihnen: So spricht GOTT, der Herr:
Siehe, ich öffne eure Gräber
   und hole euch, mein Volk, aus euren Gräbern herauf.
Ich bringe euch zum Ackerboden Israels.
Und ihr werdet erkennen, dass ich der HERR bin,
   wenn ich eure Gräber öffne
   und euch, mein Volk, aus euren Gräbern heraufhole.
Ich gebe meinen Geist in euch,
   dann werdet ihr lebendig
und ich versetze euch wieder auf euren Ackerboden.
Dann werdet ihr erkennen, dass ich der HERR bin.
Ich habe gesprochen
   und ich führe es aus -
Spruch des HERRN. 


Antwortpsalm

Kv - Danket dem HERRN.
denn seine Huld währt ewig. - Kv
oder GL 558,1


So sollen sprechen die vom HERRN Erlösten,
die er erlöst hat aus der Hand des Bedrängers.
Er hat sie aus den Ländern gesammelt, /
vom Aufgang und vom Untergang,
von Norden und vom Meer her. - Kv

Sie, die umherirrten in der Wüste, im Ödland,
und den Weg zur bewohnten Stadt nicht fanden,
die Hunger litten und Durst,
denen das Leben dahinschwand. - Kv

Sie schrien zum HERRN in ihrer Bedrängnis
und er entriss sie ihren Nöten,
er führte sie auf geraden Wegen,
sodass sie zur bewohnten Stadt gelangten. - Kv

Sie sollen dem HERRN danken für seine Huld,
für seine Wundertaten an den Menschen,
denn er hat gesättigt die lechzende Kehle
und die hungernde Kehle hat er gefüllt mit Gutem. - Kv


4. Lesung

vom Vorabend des Pfingsfestes (A/B/C)
Joel 3,1-5


Lesung aus dem Buch Joel.

So spricht Gott, der Herr: 
Es wird Folgendes geschehen:
Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch.
Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein,
eure Alten werden Träume haben
und eure jungen Männer haben Visionen.
Auch über Knechte und Mägde
   werde ich meinen Geist ausgießen in jenen Tagen.
Ich werde wunderbare Zeichen wirken
   am Himmel und auf der Erde:
Blut und Feuer und Rauchsäulen.
Die Sonne wird sich in Finsternis verwandeln
   und der Mond in Blut,
   ehe der Tag des HERRN kommt,
   der große und schreckliche Tag.
Und es wird geschehen:
Jeder, der den Namen des HERRN anruft, wird gerettet.
Denn auf dem Berg Zion und in Jerusalem gibt es Rettung,
   wie der HERR gesagt hat,
und wen der HERR ruft,
   der wird entrinnen.



Joel, einer der zwölf kleinen Propheten, verbindet die Geistverheißung mit einem Gerichtswort. Beiden gemeinsam ist, dass Jahwe überrascht und vertraute (aber auch falsche) Sicherheiten über den Haufen wirft. Die Prophezeiungen, dass Söhne und Töchter Propheten werden, Alte Träume haben und junge Männer Visionen, aber auch Knechte und Mägde mit Geist überschüttet, variieren nur, was geschieht, wenn Jahwe seinen Geist ausgießt über alles Fleisch – sprich: den vergänglichen Menschen. Es sind jetzt auch nicht mehr einzelne, die ein besonderes Berufungserlebnis haben (vgl. Jeremia, Jesaja, Ezechiel, Amos …), sondern sogar (!) Knechte und Mägde, nicht nur Männer, sondern auch Frauen, nicht nur Alte (denen eine besondere Würde zukam), sondern auch jungen Menschen. Eben auch die eigenen Söhne und Töchter. Während die einen in der Wahrnehmung der Leute zu „jung“ sind, haben die Alten längst ausgeträumt. Jahwe lässt nichts davon gelten und offenbart seinen Willen allen. Die archaischen, natürlichen Unterscheidungen sind entmythologisiert, die Geistvergabe „demokratisiert“. Die Wucht dieser Verheißung ist nur zu vergleichen mit dem angesagten Gericht. Während dem vergänglichen „Fleisch“ Geist verheißen wird, geht die unvergänglich gedachte Sonne in Finsternis unter. Dass der Mond blutet, hat auch noch kein Mensch gesehen oder gehört. Wenn die Schöpfung, in der Jahwes Verlässlichkeit immer als sicher galt, nicht mehr wärmt, ist der Mensch ganz auf Gott gewiesen. „Danach“ gibt es die alte Welt nicht mehr. Pfingsten, mit Joel gelesen, ist kein erbauliches Fest.


Antwortpsalm

am Vorabend des Pfingstfestes (A/B/C)
Ps 104,1-2. 24-25. 27-30


Kv - Sende aus deinen Geist,
und das Antlitz der Erde wird neu. – Kv
Oder: Halleluja. – Kv


Preise den HERRN, meine Seele! /
HERR, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. - Kv

Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, /
sie alle hast du mit Weisheit gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Da ist das Meer, so groß und weit,
darin ein Gewimmel, nicht zu zählen: kleine und große Tiere. - Kv

Auf dich warten sie alle,
dass du ihnen ihre Speise gibst zur rechten Zeit.
Gibst du ihnen, dann sammeln sie ein,
öffnest du deine Hand, werden sie gesättigt mit Gutem. - Kv

Verbirgst du dein Angesicht, sind sie verstört, /
nimmst du ihnen den Atem, so schwinden sie hin
und kehren zurück zum Staub.
Du sendest deinen Geist aus: Sie werden erschaffen
und du erneuerst das Angesicht der Erde. - Kv


2. Lesung

zum Pfingstfest am Vorabend (A/B/C):
Röm 8,22-27


Lesung aus dem Brief des Apostel Paulus
   an die Gemeinde in Rom.

Schwestern und Brüder!
Wir wissen, dass die gesamte Schöpfung
   bis zum heutigen Tag seufzt und in Geburtswehen liegt.
Aber nicht nur das, sondern auch wir,
   obwohl wir als Erstlingsgabe den Geist haben,
   auch wir seufzen in unserem Herzen
und warten darauf, dass wir mit der Erlösung unseres Leibes
   als Söhne offenbar werden.
Denn auf Hoffnung hin sind wir gerettet.
Hoffnung aber, die man schon erfüllt sieht,
   ist keine Hoffnung.
Denn wie kann man auf etwas hoffen, das man sieht?
Hoffen wir aber auf das, was wir nicht sehen,
   dann harren wir aus in Geduld.
So nimmt sich auch der Geist unserer Schwachheit an.
Denn wir wissen nicht,
   was wir in rechter Weise beten sollen;
der Geist selber tritt jedoch für uns ein
mit unaussprechlichen Seufzern.
Der die Herzen erforscht,
   weiß, was die Absicht des Geistes ist.
Denn er tritt so, wie Gott es will,
   für die Heiligen ein.



Die Erzählung vom so genannten "Turmbau zu Babel" wurde traditionell so ausgelegt, dass sich die planenden und bauenden Menschen durch Hochmut schuldig machten und dafür von Gott mit der Verwirrung der Sprachen und Zerstreuung über die ganze Erde bestraft wurden. Der biblische Text selbst bietet für eine solche moralische Deutung allerdings keine direkten Anhaltspunkte. Literarisch kunstfertig wird hier das Phänomen "Sprache" aufgearbeitet in seiner ganzen Spannung zwischen der realen Erfahrung von Sprachen als Hindernis des Sich-Verstehens einerseits und der gottgewollten Funktion von Sprache als Mittel gelungener Verständigung in Gemeinschaft andererseits. Dabei umfasst "Sprache als Quelle von Missverständnissen" nicht nur die Schwierigkeiten, die mit verschiedenen Landessprachen verbunden sind und multikulturelle Gesellschaften heute immer mehr herausfordern. Selbst unter Menschen gleicher Muttersprache, also mit gemeinsamer Sprachgeschichte und grundlegendem Konsens über Wortbedeutungen, spricht jede und jeder eine individuelle Sprache: Jedes Wort ist mit persönlicher Erfahrung codiert, das heißt, beim Gebrauch eines Wortes schwingt immer die je eigene lebensgeschichtliche Erfahrung mit. Darüber hinaus können Worte nur bruchstückhaft den inneren Sinndialog, die innere Suche einer Person nach dem Sinn ihres Lebens, ausdrücken. Daher verbindet jeder Mensch mit Begriffen wie "Glück", "Krankheit" oder "Liebe" ganz unterschiedliche Erfahrungen und Gefühle. Soweit die heutige Sprachwissenschaft zu dem, was die Turmbauerzählung anschaulich mit "Verwirrung der Sprache" darstellt: Wo Menschen nur sich selber sehen und in ihrer eigenen Vorstellungswelt verhaftet bleiben, reden sie aneinander vorbei und Verständigung misslingt. Dies hat schließlich Verwirrung und Trennung zur logischen Folge (nicht als Strafe Gottes). Gott aber will für uns Menschen gelungene Kommunikation, die echte Gemeinschaft ermöglicht. So schildert es außer dem Anfang der Turmbauerzählung auch das Evangelium vom Pfingsttag (Apg 2,1-12): Gottes Geist bewirkt, dass völlig fremde Menschen einander verstehen. Dieses gegenseitige Verstehen und Verstanden werden bleibt dabei nicht auf die Ebene gleicher Vokabeln beschränkt, sondern ist so tief greifend, dass die Menschen durch diese neuartige Erfahrung zunächst tief "bestürzt" und verwirrt sind und daraus eine neuartige Gemeinschaft entstehen kann. Solche Augenblicke geglückter Verständigung, "dass einer meine Sprache spricht", dürfen Menschen immer wieder einmal erleben. Einander offen und liebevoll zuzuhören ist eine notwendige, nicht aber hinreichende Vorraussetzung dafür. Darüber hinaus lässt sich eine solche Erfahrung auch heute als "Gnade", Gottesgeschenk, Pfingstereignis deuten. Im alltäglichen Miteinander aber stoßen Menschen schnell an die Grenzen ihrer sprachlichen Verständigung. Das können auch Kommunikationstrainings und guter Wille letztlich nicht ausmerzen, weil es eben teilweise wie oben beschrieben im Phänomen Sprache selbst begründet ist. So bleibt die tiefe menschliche Sehnsucht, so wie ich bin und mich selbst und das Leben sehe, verstanden zu werden, im Letzten noch unerfüllt. Diese Spannung von manchmal schon erfahrenem Vorgeschmack gelungener Gemeinschaft und noch ausstehender Vollendung kennzeichnet den Vorabend des Pfingstfestes und wird in der 2. Lesung (Röm 8,22-27) in anschaulichen Bildern von Schwangerschaft und Geburtswehen beschrieben: Die ganze Welt, auch die Christen, leiden an den Schwächen, Grenzen und Unvollkommenheiten des Lebens und sehnen sich nach Erlösung (VV 22-23). Den Christen aber - so die frohe Botschaft des Paulus - ist der Geist schon geschenkt. So dürfen sie "guter Hoffnung sein" und geduldig ausharren - wie eine Frau, der in den Schmerzen der Geburtswehen der Gedanke an ihr Kind Kraft schenkt durchzuhalten, bis das neue Leben geboren ist. Das Wirken des Geistes Gottes beschreibt Paulus dabei folgendermaßen: "Der Geist tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können." (Vers 26b) Entscheidend sind hier also nicht die Worte, sondern das Gemeinte, das Gott auch ohne Worte versteht. Sich ohne Worte verstehen und verstanden werden ist ebenfalls eine Erfahrung, die Menschen immer wieder einmal erleben können: sei es zwischen Liebenden, im Umgang mit einem Baby oder einem schwer kranken Menschen. Jenseits aller Worte schaffen hier Lächeln, Mitweinen, Berührung und konkrete Hilfe tiefe Beziehung. Das relativiert die Bedeutung von Sprache und hebt die Rolle der inneren Haltung dem anderen gegenüber hervor. © Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C5/2010. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2010.


Ruf vor dem Evangelium

am Vorabend des Pfingsfestes (A/B/C)

Halluja, Halleluja.
Komm, Heiliger Geist,
erfülle die Herzen deiner Gläubigen
und entzünde in ihnen das Feuer deines Liebe!
Halleluja.


Evangelium

Evangelium zum Vorabend des  Pfingstfestes (A/B/C)
Joh 7,37-39


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

Am letzten Tag des Festes, dem großen Tag,
   stellte sich Jesus hin
und rief:
Wer Durst hat, komme zu mir
und es trinke, wer an mich glaubt!
Wie die Schrift sagt:
   Aus seinem Inneren
   werden Ströme von lebendigem Wasser fließen.
Damit meinte er den Geist,
   den alle empfangen sollten, die an ihn glauben;
denn der Geist war noch nicht gegeben,
   weil Jesus noch nicht verherrlicht war.




Pater Bernhard Bossert gestorben

Am Dienstag, 7. Mai 2019 ist unser langjähriger Mitarbeiter Pater Bernhard Bossert CSsR im Alter von 77 Jahren im Starnberger Krankenhaus verstorben.
P. Bernhard Bossert war mit Leib und Seele Erzieher, Gemeindemissionar und Krankenhausseelsorger.
Er verfasste zuletzt fast für jeden Sonntag Predigtgedanken für das Predigtforum.
Danke Pater Bernhard!
R.I.P.

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