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20.05.2019

Lesungen 20.04.2019

20. Apr. 2019
Osternacht (C)


1. Lesung

Lesung aus dem Buch Genesis.

Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
Die Erde war wüst und wirr
und Finsternis lag über der Urflut
und Gottes Geist schwebte über dem Wasser.
Gott sprach:
   Es werde Licht.
Und es wurde Licht.
Gott sah, dass das Licht gut war.
Und Gott schied das Licht von der Finsternis.
Und Gott nannte das Licht Tag
   und die Finsternis nannte er Nacht.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
erster Tag.

Dann sprach Gott:
   Es werde ein Gewölbe mitten im Wasser
   und scheide Wasser von Wasser.
Gott machte das Gewölbe
   und schied das Wasser unterhalb des Gewölbes
   vom Wasser oberhalb des Gewölbes.
Und so geschah es.
Und Gott nannte das Gewölbe Himmel.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
zweiter Tag.

Dann sprach Gott:
   Es sammle sich das Wasser unterhalb des Himmels an einem Ort
   und das Trockene werde sichtbar.
Und so geschah es.
Und Gott nannte das Trockene Land
   und die Ansammlung des Wassers nannte er Meer.
Gott sah, dass es gut war.
Dann sprach Gott:
   Die Erde lasse junges Grün sprießen,
Gewächs, das Samen bildet,
Fruchtbäume,
   die nach ihrer Art Früchte tragen mit Samen darin auf der Erde.
Und so geschah es.
Die Erde brachte junges Grün hervor,
Gewächs, das Samen nach seiner Art bildet,
und Bäume,
   die Früchte tragen mit Samen darin nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
dritter Tag.

Dann sprach Gott:
   Lichter sollen am Himmelsgewölbe sein,
   um Tag und Nacht zu scheiden.
Sie sollen als Zeichen
   für Festzeiten, für Tage und Jahre dienen.
Sie sollen Lichter am Himmelsgewölbe sein,
   um über die Erde hin zu leuchten.
Und so geschah es.
Gott machte die beiden großen Lichter,
das große zur Herrschaft über den Tag,
   das kleine zur Herrschaft über die Nacht,
und die Sterne.
Gott setzte sie an das Himmelsgewölbe,
   damit sie über die Erde leuchten,
über Tag und Nacht herrschen
und das Licht von der Finsternis scheiden.
Gott sah, dass es gut war.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
vierter Tag.

Dann sprach Gott:
   Das Wasser wimmle von Schwärmen lebendiger Wesen
und Vögel sollen über der Erde am Himmelsgewölbe fliegen.
Und Gott erschuf die großen Wassertiere und alle Lebewesen,
   die sich fortbewegen nach ihrer Art,
   von denen das Wasser wimmelt,
   und alle gefiederten Vögel nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Gott segnete sie
und sprach: Seid fruchtbar und mehrt euch!
Füllt das Wasser im Meer
und die Vögel sollen sich auf Erden vermehren.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
fünfter Tag.

Dann sprach Gott:
   Die Erde bringe Lebewesen aller Art hervor,
von Vieh,
von Kriechtieren
und von Wildtieren der Erde nach ihrer Art.
Und so geschah es.
Gott machte die Wildtiere der Erde nach ihrer Art,
   das Vieh nach seiner Art
   und alle Kriechtiere auf dem Erdboden nach ihrer Art.
Gott sah, dass es gut war.
Dann sprach Gott:
   Lasst uns Menschen machen
als unser Bild, uns ähnlich!
Sie sollen walten über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels,
über das Vieh,
über die ganze Erde
   und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.
Gott erschuf den Menschen als sein Bild,
als Bild Gottes erschuf er ihn.
Männlich und weiblich erschuf er sie.
Gott segnete sie
und Gott sprach zu ihnen:
   Seid fruchtbar und mehrt euch,
füllt die Erde
und unterwerft sie
und waltet über die Fische des Meeres,
   über die Vögel des Himmels
   und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
Dann sprach Gott:
   Siehe, ich gebe euch alles Gewächs,
   das Samen bildet auf der ganzen Erde,
und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren der Erde,
   allen Vögeln des Himmels
   und allem, was auf der Erde kriecht,
   das Lebensatem in sich hat,
   gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung.
Und so geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Und siehe, es war sehr gut.
Es wurde Abend und es wurde Morgen:
der sechste Tag.

So wurden Himmel und Erde und ihr ganzes Heer vollendet.
Am siebten Tag
   vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte,
und er ruhte am siebten Tag,
   nachdem er sein ganzes Werk gemacht hatte.



Es handelt sich um den ersten der beiden Schöpfungsberichte aus dem Buch Genesis. Er entstammt in seiner Endgestalt vermutlich der Zeit nach dem Babylonischen Exil, also frühestens der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts vor Christus. Ein zentrales Anliegen war es damals wohl zu zeigen, daß der Gott des kleinen, machtlosen Israel der Schöpfer des Himmels, der Erde und der Menschen ist. Von seiner Gattung her ist der erste Schöpfungsbericht der Genesis eine "Kosmogonie", also eine Erzählung von der Entstehung des Kosmos. Allerdings darf er nicht als eine naturwissenschaftliche Darstellung im heutigen Sinn verstanden werden. Es handelt sich nicht um einen Tatsachenbericht, sondern es geht um eine theologische Aussage über Gott und sein Verhältnis zur Welt und zum Menschen. Wichtige Aspekte dieser Aussage seien im folgenden genannt: 1. Der Schöpfungsbericht ist das Bekenntnis, daß die Welt und der Mensch sich Gott verdanken und deshalb in guten Händen geborgen sind. 2. Die Schöpfung ist Gleichnis und Ausdruck Gottes. So wie ein Kunstwerk auf seinen Meister verweist, verweist die Welt auf ihren Schöpfer. Gott gibt der Welt seine Gutheit mit und will sie in ihr zur Geltung gebracht sehen. 3. In besonderer Weise gilt dies vom Menschen. Er wird als das Ebenbild Gottes bezeichnet (Gen 1:27). Im ganzen antiken Denken hat das Ebenbild engste Beziehung mit dem Urbild. Es ist gewissermaßen der Stellvertreter des Urbildes. 4. Zum menschlichen Sein gehört von Anfang an die Dimension der Gemeinschaft. Gerade in der Gemeinschaftlichkeit und im Aufeinander-verwiesen-sein von Mann und Frau ist der Mensch Ebenbild Gottes. 5. Gott als Schöpfer anzuerkennen heißt, auch die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung zu sehen. Der sogenannte Herrschaftsauftrag (Gen 1:28) versetzt den Menschen in die Stellung eines Sachwalters. Er soll die Schöpfung sich aneignen und kreativ weiterführen. Wer den Herrschaftsauftrag des Menschen über die Schöpfung im Sinne von bloßer Selbstherrlichkeit auffaßt, mißversteht ihn. Der Mensch und die übrige Schöpfung bilden eine Solidargemeinschaft, da sie beide von Gott hervorgebracht sind. Außerdem wird der Herrschaftsauftrag in einem Segenswort übertragen. Das heißt: Nur unter den Bedingungen des Segens ist dieser Auftrag erfüllbar. Für das Volk Israel war die Vorstellung von Gott als Schöpfer gegenüber der Vorstellung von Gott als dem geschichtsmächtigen Befreier aus der Knechtschaft Ägyptens lange Zeit eher zweitrangig, wiewohl freilich nicht unwichtig. Erst die frühe Kirche hat den Schöpfungsglauben zu einer vorrangigen Lehre gemacht: siehe Glaubensbekenntnis. In der Osternacht, die in vielerlei Hinsicht aufs Ganze geht, haben beide Sichtweisen des einen Gottes ihren Platz. Gott als der gute Schöpfer und der in der Geschichte wirkende Gott.


1. Lesung

Lesung aus dem Buch Genesis.

Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde.
Dann sprach Gott:
   Lasst uns Menschen machen
als unser Bild, uns ähnlich!
Sie sollen walten über die Fische des Meeres,
über die Vögel des Himmels,
über das Vieh,
über die ganze Erde
   und über alle Kriechtiere, die auf der Erde kriechen.
Gott erschuf den Menschen als sein Bild,
als Bild Gottes erschuf er ihn.
Männlich und weiblich erschuf er sie.
Gott segnete sie
und Gott sprach zu ihnen:
   Seid fruchtbar und mehrt euch,
füllt die Erde
und unterwerft sie
und waltet über die Fische des Meeres,
   über die Vögel des Himmels
   und über alle Tiere, die auf der Erde kriechen!
Dann sprach Gott:
   Siehe, ich gebe euch alles Gewächs,
   das Samen bildet auf der ganzen Erde,
und alle Bäume, die Früchte tragen mit Samen darin.
Euch sollen sie zur Nahrung dienen.
Allen Tieren der Erde,
   allen Vögeln des Himmels
   und allem, was auf der Erde kriecht,
   das Lebensatem in sich hat,
   gebe ich alles grüne Gewächs zur Nahrung.
Und so geschah es.
Gott sah alles an, was er gemacht hatte:
Und siehe, es war sehr gut.


Antwortpsalm nach der 1. Lesung

Kv: Sende aus deinen Geist,
Und das Angesucht der Erde wird neu - Kv
(oder GL 312,2)


Preise den HERRN, meine Seele! /
HERR, mein Gott, überaus groß bist du!
Du bist mit Hoheit und Pracht bekleidet.
Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel,
du spannst den Himmel aus gleich einem Zelt. - Kv

Du hast die Erde auf Pfeiler gegründet,
in alle Ewigkeit wird sie nicht wanken.
Einst hat die Urflut sie bedeckt wie ein Kleid,
die Wasser standen über den Bergen. - Kv

Du lässt Quellen sprudeln in Bäche,
sie eilen zwischen den Bergen dahin.
Darüber wohnen die Vögel des Himmels,
aus den Zweigen erklingt ihr Gesang. - Kv

Du tränkst die Berge aus deinen Kammern,
von der Frucht deiner Werke wird die Erde satt.
Du lässt Gras wachsen für das Vieh
und Pflanzen für den Ackerbau des Menschen, - Kv

Wie zahlreich sind deine Werke, HERR, /
sie alle hast du mit Weisheit gemacht,
die Erde ist voll von deinen Geschöpfen.
Preise den HERRN, meine Seele!
Herr, mein Gott, überaus große bist du! - Kv


Antwortpsalm nach der 1. Lesung

Kv - Von deiner Huld, o HERR, ist die Erde erfüllt. - Kv
Oder: GL 51,1


Das Wort des HERRN ist redlich,
all sein Tun ist verlässlich.
Er liebt Gerechtigkeit und Recht,
erfüllt von der Huld des HERRN ist die Erde. - Kv

Durch das Wort des HERRN wurden die Himmel geschaffen,
ihr ganzes Heer durch den Hauch seines Mundes.
Er sammelt das Wasser des Meeres und dämmt es ein,
legt die Fluten in Kammern. - Kv

Selig die Nation, deren Gott der HERR ist,
das Volk, das er sich zum Erbteil erwählt hat.
Der HERR blickt herab vom Himmel,
er sieht alle Menschen. - Kv

Unsre Seele hofft auf den HERRN;
er ist unsere Hilfe und unser Schild.
Lass deine Huld über uns walten, HERR,
wie wir auf dich hofften! - Kv


2. Lesung

Lesung aus dem Buch Genesis.

In Jenen Tagen
   stellte Gott Abraham auf die Probe.
Er sprach zu ihm: Abraham!
Er sagte: Hier bin ich.
Er sprach: Nimm deinen Sohn,
deinen einzigen, den du liebst, Isaak,
geh in das Land Morija
und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne,
   als Brandopfer dar!
Frühmorgens stand Abraham auf,
sattelte seinen Esel,
nahm zwei seiner Jungknechte mit sich und seinen Sohn Isaak,
spaltete Holz zum Brandopfer
und machte sich auf den Weg
   zu dem Ort, den ihm Gott genannt hatte.
Als Abraham am dritten Tag seine Augen erhob,
   sah er den Ort von Weitem.
Da sagte Abraham zu seinen Jungknechten:
Bleibt mit dem Esel hier!
Ich aber und der Knabe,
   wir wollen dorthin gehen und uns niederwerfen;
dann wollen wir zu euch zurückkehren.
Abraham nahm das Holz für das Brandopfer
und lud es seinem Sohn Isaak auf.
Er selbst nahm das Feuer und das Messer in die Hand.
So gingen beide miteinander.
Da sprach Isaak zu seinem Vater Abraham.
   Er sagte: Mein Vater!
Er antwortete: Hier bin ich, mein Sohn!
Dann sagte Isaak:
   Hier ist Feuer und Holz.
Wo aber ist das Lamm für das Brandopfer?
Abraham sagte:
   Gott wird sich das Lamm für das Brandopfer ausersehen,
   mein Sohn.
Und beide gingen miteinander weiter.
Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte,
   baute Abraham dort den Altar,
schichtete das Holz auf,
band seinen Sohn Isaak
und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz.
Abraham streckte seine Hand aus
und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte:
   Abraham, Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.
Er sprach:
   Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus
und tu ihm nichts zuleide!
Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest;
du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.
Abraham erhob seine Augen,
   sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm
   mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen.
Abraham ging hin,
   nahm den Widder
   und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
Abraham gab jenem Ort den Namen:
   "Der HERR sieht",
wie man noch heute sagt:
   Auf dem Berg lässt sich der HERR sehen.
Der Engel des HERRN
   rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu
und sprach:
   Ich habe bei mir geschworen - Spruch des HERRN:
   Weil du das getan hast
   und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast,
   will ich dir Segen schenken in Fülle
   und deine Nachkommen überaus zahlreich machen
   wie die Sterne am Himmel
   und den Sand am Meeresstrand.
Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen.
Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde,
   weil du auf meine Stimme gehört hast.



Die Lesung erzählt von Abraham, dem Stammvater des Volkes Israel, dem erst in hohem Alter ein legitimer Sohn und Stammhalter geschenkt worden war. An ihn knüpft er seine ganze Hoffnung. Gott verlangt von ihm, das eigene Kind zu opfern. Als Motiv wird genannt, daß Gott Abraham auf die Probe stellen wollte. Es gibt viele Versuche, die unglaubliche Härte der Geschichte wegzuinterpretieren. Etwa der Versuch, in der Erzählung eine Gegengeschichte zu den damals außerhalb Israels üblichen Menschenopfern zu sehen. Die Geschichte wolle zeige, daß Gott keine Menschenopfer will. Abraham hatte jedoch seinen Sohn in Gedanken vielfach geopfert, bevor der Engel Gottes Einhalt geboten hat. Oder die Deutung als symbolische Geschichte: Söhne werden geopfert für das Vaterland, für heilige und unheilige Kriege, für den väterlichen Ehrgeiz... Es kostet Kraft, die Geschichte auszuhalten, wie sie dasteht. Gott und das, was er von uns will, ist für uns Menschen oft hart und unverständlich. Auf der Suche nach dem Willen Gottes können wir auch irren. Den Mißbrauch des Namens Gottes verbietet das zweitwichtigste Gebot des Dekalogs. Sich von Gott ein Bild zu machen, birgt das Risiko eines eigenmächtigen Gottesbildes in sich. Die Erzählung kann Anlaß sein, die eigenen Gottesvorstellungen und -bilder zu hinterfragen und die Unbegreiflichkeit Gottes neu zu erahnen.


Mit der Widersprüchlichkeit Gottes werden wir in dieser Stelle konfrontiert. So schwierig wie damit umzugehen, so schwierig faßt sich diese Opferszene an. Alles erinnert an Wallfahrtsorte, zu denen die Israeliten pilgerten, um Gott Opfer darzubringen. Diese Orte sind an gewisse Ereignisse geknüpft, wie Gott erscheint, Gott spricht, oder an Gotteserfahrung, die Abraham zuteil wurde. Jeder kann somit hingehen und opfern wie dies die Urväter des Glaubens taten. Diese Kultstätten haben die landnehmenden Leute Abrahams genauso, wie später die zwölf Stämme von Ägypten kommend im "Gelobten Land" vorgefunden bzw. einfach von der anstämmigen Bevölkerung übernommen. Eine weitere Schicht in dieser Geschichte ist, daß Menschenopfer im Umfeld Israels, d.h. bei der anderen Bevölkerung üblich waren. Waren auch bei den Israeliten Menschenopfer üblich? Jedenfalls sollte das Geopferte Gott zugeführt werden. Und es sollte nur das Beste sein. Somit war das Opfern der Erstgeburt angebracht. Dies wurde mit dem Vieh gemacht. Mit den Erstgeborenen der Menschen? Bekannt ist, daß die Israeliten die zu opfernde Erstgeburt der Menschen durch Opferung eines Tieres auslösten. Letztendlich opfert Abraham seinen Sohn doch nicht. Werden folglich in Israel nicht Menschenopfer dargebracht, heißt dies nicht, Israel verehre deswegen Gott weniger als die anderen, die dies tun. Und wird dadurch nicht aufgezeigt, daß dieser Gott ein Gott der Lebenden ist?! Wieviele Menschenopfer fordern die Herren dieser Welt?


2. Lesung

Lesung aus dem Buch Genesis.

In Jenen Tagen
   stellte Gott Abraham auf die Probe.
Er sprach zu ihm: Abraham!
Er sagte: Hier bin ich.
Er sprach: Nimm deinen Sohn,
deinen einzigen, den du liebst, Isaak,
geh in das Land Morija
und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne,
   als Brandopfer dar!

Als sie an den Ort kamen, den ihm Gott genannt hatte,
   baute Abraham dort den Altar,
schichtete das Holz auf,
Abraham streckte seine Hand aus
und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten.
Da rief ihm der Engel des HERRN vom Himmel her zu und sagte:
   Abraham, Abraham!
Er antwortete: Hier bin ich.
Er sprach:
   Streck deine Hand nicht gegen den Knaben aus
und tu ihm nichts zuleide!
Denn jetzt weiß ich, dass du Gott fürchtest;
du hast mir deinen Sohn, deinen einzigen, nicht vorenthalten.
Abraham erhob seine Augen,
   sah hin und siehe, ein Widder hatte sich hinter ihm
   mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen.
Abraham ging hin,
   nahm den Widder
   und brachte ihn statt seines Sohnes als Brandopfer dar.
Der Engel des HERRN
   rief Abraham zum zweiten Mal vom Himmel her zu
und sprach:
   Ich habe bei mir geschworen - Spruch des HERRN:
   Weil du das getan hast
   und deinen Sohn, deinen einzigen, mir nicht vorenthalten hast,
   will ich dir Segen schenken in Fülle
   und deine Nachkommen überaus zahlreich machen
   wie die Sterne am Himmel
   und den Sand am Meeresstrand.
Deine Nachkommen werden das Tor ihrer Feinde einnehmen.
Segnen werden sich mit deinen Nachkommen alle Völker der Erde,
   weil du auf meine Stimme gehört hast.


Antwortpsalm nach der 2. Lesung

Kv - Behüte mich, Gott,
denn ich vertraue auf dich. – Kv
(Oder GL 312,3)


Der HERR ist mein Erbanteil, er reicht mir den Becher,
du bist es, der mein Los hält.
Ich habe mir den HERRN beständig vor Augen gestellt,
weil er zu meiner Rechten ist, wanke ich nicht. - Kv

Darum freut sich mein Herz und jubelt meine Ehre,
auch mein Fleisch wird wohnen in Sicherheit.
Denn du überlässt mein Leben nicht der Totenwelt;
du lässt deinen Frommen die Grube nicht schauen. - Kv

Ich sagte zum HERRN: Mein Herr bist du,
mein ganzes Glück bist du allein.
Du lässt mich den Weg des Lebens erkennen. /
Freude in Fülle vor deinem Angesicht,
Wonnen in deiner Rechten für alle Zeit. - Kv


3. Lesung

Lesung aus dem Buch Exodus.

In jenen Tagen,
   als die Israeliten sahen, dass die Ägypter ihnen nachrückten,
   erschraken sie sehr.
und schrien zum Herrn.
Da sprach der HERR zu Mose: Was schreist du zu mir?
Sag den Israeliten, sie sollen aufbrechen.
Und du heb deinen Stab hoch,
streck deine Hand über das Meer und spalte es,
   damit die Israeliten
   auf trockenem Boden in das Meer hineinziehen können!
Ich aber will das Herz der Ägypter verhärten,
   damit sie hinter ihnen hineinziehen.
So will ich am Pharao und an seiner ganzen Streitmacht,
   an seinen Streitwagen und Reitern meine Herrlichkeit erweisen.
Die Ägypter sollen erkennen, dass ich der HERR bin,
wenn ich am Pharao, an seinen Streitwagen und Reitern
   meine Herrlichkeit erweise.
Der Engel Gottes, der den Zug der Israeliten anführte, brach auf
   und ging nach hinten
und die Wolkensäule brach auf
   und stellte sich hinter sie.
Sie kam zwischen das Lager der Ägypter
   und das Lager der Israeliten.
Die Wolke war da und Finsternis
und Blitze erhellten die Nacht.
So kamen sie die ganze Nacht einander nicht näher.
Mose streckte seine Hand über das Meer aus
und der HERR trieb die ganze Nacht
   das Meer durch einen starken Ostwind fort.
Er ließ das Meer austrocknen
und das Wasser spaltete sich.
Die Israeliten zogen auf trockenem Boden ins Meer hinein,
während rechts und links von ihnen
   das Wasser wie eine Mauer stand.
Die Ägypter setzten ihnen nach;
alle Pferde des Pharao, seine Streitwagen und Reiter
   zogen hinter ihnen ins Meer hinein.
Um die Zeit der Morgenwache
   blickte der HERR aus der Feuer- und Wolkensäule
   auf das Lager der Ägypter
   und brachte es in Verwirrung.
Er hemmte die Räder an ihren Wagen
und ließ sie nur schwer vorankommen.
Da sagte der Ägypter:
   Ich muss vor Israel fliehen;
denn der HERR kämpft auf ihrer Seite gegen Ägypten.
Darauf sprach der HERR zu Mose:
   Streck deine Hand über das Meer,
damit das Wasser zurückflutet
   und den Ägypter, seine Wagen und Reiter zudeckt!
Mose streckte seine Hand über das Meer
und gegen Morgen flutete das Meer an seinen alten Platz zurück,
   während die Ägypter auf der Flucht ihm entgegenliefen.
So trieb der HERR die Ägypter mitten ins Meer.
Das Wasser kehrte zurück
   und bedeckte Wagen und Reiter,
die ganze Streitmacht des Pharao,
   die den Israeliten ins Meer nachgezogen war.
Nicht ein Einziger von ihnen blieb übrig.
Die Israeliten aber waren auf trockenem Boden
   mitten durch das Meer gezogen,
während rechts und links von ihnen
   das Wasser wie eine Mauer stand.
So rettete der HERR an jenem Tag Israel aus der Hand der Ägypter.
Israel sah die Ägypter tot am Strand liegen.
Als Israel sah,
   dass der HERR
   mit mächtiger Hand an den Ägyptern gehandelt hatte,
   fürchtete das Volk den HERRN.
Sie glaubten an den HERRN
   und an Mose, seinen Knecht.
Damals sang Mose mit den Israeliten dem HERRN dieses Lied;
sie sagten:
   Ich singe dem HERRN ein Lied,
   denn er ist hoch und erhaben.
Ross und Reiter warf er ins Meer.



Das Buch "Exodus" erzählt den Anfang der Geschichte der zu einem Volk gewordenen Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs von der Unterdrückung in Ägypten über die Befreiung, die wunderbare Rettung am Schilfmeer, den Weg durch die Wüste, den Bundesschluß am Sinai, den Bundesbruch, die Erneuerung des Bundes und die anschließende Errichtung des Zeltheiligtums als Zeichen der Gegenwart Gottes bei seinem Volk. Ein Ereignis, das den Glauben und das Gottesverständnis des israelitischen Volkes zutiefst prägt, ist der Auszug aus Ägypten und die Rettung am Schilfmeer. Diese "Großtat" Jahwes steht paradigmatisch für die Zuwendung Gottes zu den Schwachen und Gebeugten, nicht nur mit Worten sondern auch mit Taten. Die Erfahrung der Mosegruppe, die aller Wahrscheinlichkeit nach zu den Arbeitssklaven des Pharaos Ramses II. (ca. 1290-1230 v. Chr.) gehörte, wird zum fundamentalen Ereignis der Heilsgeschichte, weil sie das Befreiungswalten Gottes und den Vorausblick auf sein endzeitliches Heilsschaffen bezeugt. Von den Propheten und den Psalmisten und auch im Neuen Testament wird immer wieder auf diese Urerfahrung der Befreiung zurückgegriffen. Die Erzählung läßt verschiedene Stränge erkennen, wo nachträglich verschiedene Berichte mit einander verwoben wurden. Sehr deutlich erkennbar etwa bei der Schilderung des Durchzugs, wo zuerst von der Austrocknung des Meeres durch einen starken Wind, dann aber vom "Wasser, das links und rechts von den Israeliten wie eine Mauer stand" die Rede ist. Den verschiedenen Schreibern ging es darum, den Auszug aus Ägypten nicht als Zugeständnis des Pharaos sondern als Befreiungstat Jahwes herauszustellen. Die Verwendung der Stilmittel des sogenannten "Jahwekrieges", z.B. der Gottesschrecken der die Ägypter befällt, die mirakelhafte Schilderung der Wolken- und Feuersäule und die Passivität und Hilflosigkeit des Volkes unterstreichen, daß einzig und allein Gott der Handelnde ist. Die beherrschende Gestalt dieses "Spiels der Befreiung" ist Gott. Die anderen Beteiligten, Mose, die Israeliten, die Ägypter und der Pharao, die Naturphänomene können nur auf das Tun Jahwes reagieren.


Antwortpsalm nach der 3. Lesung

Kv - Dem HERRN will ich singen,
Machtvoll hat er sich kundgetan. - Kv
(Oder GL 312,4)


Ich singe dem HERRN ein Lied, /
denn er ist hoch und erhaben.
Ross und Reiter warf er ins Meer.
Meine Stärke und mein Lied ist der HERR,
er ist mir zur Rettung geworden. - Kv 

Er ist mein Gott, ihn will ich preisen;
den Gott meines Vaters will ich rühmen.
Der HERR ist ein Krieger,
HERR ist sein Name. - Kv

Pharaos Wagen und seine Streitmacht warf er ins Meer.
Seine besten Vorkämpfer versanken im Roten Meer.
Fluten deckten sie zu,
sie sanken in die Tiefe wie Steine. - Kv

Deine Rechte, HERR, ist herrlich an Stärke;
deine Rechte, HERR, zerschmettert den Feind.
Du lenktest in deiner Güte das Volk, das du erlöst hast,
du führtest sie machtvoll zu deiner heiligen Wohnung. - Kv

Du wirst sie hinbringen und einpflanzen auf den Berg deines Erbes,
den du, HERR, zu deiner Wohnstätte gemacht hast, um dich niederzulassen,
zu einem Heiligtum, HERR, von deinen Händen gegründet.
Der HERR ist König für immer und ewig. - Kv


4. Lesung

Lesung aus dem Buch Jesaja.

Jerusalem, dein Schöpfer ist dein Gemahl,
HERR der Heerscharen ist sein Name.
Der Heilige Israels ist dein Erlöser,
"Gott der ganzen Erde"wird er genannt.
Ja, der HERR hat dich gerufen
   als verlassene, bekümmerte Frau.
Kann man denn die Frau seiner Jugend verstoßen?,
   spricht dein Gott.
Nur für eine kleine Weile habe ich dich verlassen,
   doch mit großem Erbarmen werde ich dich sammeln.
Einen Augenblick nur verbarg ich vor dir mein Gesicht
   in aufwallendem Zorn;
aber in ewiger Huld habe ich mich deiner erbarmt,
   spricht dein Erlöser, der HERR.
Wie bei der Flut Noachs soll es für mich sein:
So wie ich damals schwor,
   dass die Flut Noachs die Erde nie mehr überschwemmen wird,
   so schwöre ich jetzt, dir nie mehr zu zürnen
   und dich nie mehr zu schelten.
Mögen auch die Berge weichen
   und die Hügel wanken -
   meine Huld wird nicht von dir weichen
   und der Bund meines Friedens nicht wanken,
   spricht der HERR, der Erbarmen hat mit dir.
Ärmste, vom Sturm Gepeitschte, die ohne Trost ist:
   Siehe,
ich selbst lege dir ein Fundament aus Malachit
   und Grundmauern aus Saphir.
Aus Rubinen mache ich deine Zinnen,
aus Beryll deine Tore
und alle deine Mauern aus kostbaren Steinen.
Alle deine Kinder sind Schüler des HERRN
und groß ist der Friede deiner Kinder.
Du wirst auf Gerechtigkeit gegründet sein.
Du bist fern von Bedrängnis,
   denn du brauchst dich nicht mehr zu fürchten
und bist fern von Schrecken;
   er kommt an dich nicht heran.



Die vierte Lesung der Osternacht ist Teil des Deuterojesaja, des "Evangelisten des ersten Testamentes", bei dem auch die vier Gottesknechtslieder zu finden sind. Nach dem letzten (Jes 52:13-53,12) hat die Redaktion eine Fülle von göttlichen Verheißungen angefügt: Vorgängiger Grund für das Heil Gottes ist das Leiden des Gottesknechtes, zumindest scheint das das Anliegen der Redaktion zu sein. Adressaten der Verheißungen sind Jerusalem und seine Bewohner. In Vv. 5-6 der Lesung wird Jerusalem direkt angesprochen. Dann ist es Gott selbst, der bis zum Ende der Lesung und darüber hinaus zu Wort kommt. Dem Verfasser dieses Textes macht die Leser auf die Herkunft der Verheißungen aufmerksam: Drei Mal werden wir in der Lesung – im gesamten Abschnitt 54:1-17 fünf Mal - daran erinnert, aus wessen Mund diese Worte kommen: V. 6 "dein Gott." V. 8 "dein Erlöser, der Herr." Und V. 10 "der Herr, der Erbarmen hat mir dir." Damit wird Wesentliches von der Beziehung zwischen Gott und seinem Volk ausgesagt: Es ist ein Gott für ein bestimmtes Volk, in diesem Abschnitt nicht primär ein Gott aller Völker. Es ist ein Gott, der seinem Volk Gutes will, nämlich erlösen: "ga’al" (loskaufen) ist zunächst ein juridischer Begriff und meint die Pflicht eines Verwandten (des Lösers). Auch mit Gott steht das Volk Israel in einem solchen Verwandtschaftsverhältnis, durch das es Gott als seinen Löser ("go’el") ansieht. Jahwe ist nicht nur der Löser, er ist zudem auch barmherzig, eine Grundeigenschaft Gottes, die im Alten Testament fast ausschließlich Gott zugeschrieben wird.


Antwortpsalm nach der 4. Lesung

Kv - Herr, du zogst mich herauf aus der Tiefe;
ich will dich rühmen in Ewigkeit. – Kv
(Oder GL 312,5)


Ich will dich erheben, HERR, /
denn du zogst mich herauf
und ließest nicht zu, dass meine Feinde sich über mich freuen.
HERR, du hast meine Seele heraufsteigen lassen aus der Totenwelt,
hast mich am Leben erhalten, sodass ich nicht in die Grube hinabstieg. - Kv

Singt und spielt dem HERRN, ihr seine Frommen,
dankt im Gedenken seiner Heiligkeit!
Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick,
doch seine Güte ein Leben lang. - Kv

Wenn man am Abend auch weint,
am Morgen herrscht wieder Jubel.
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,
HERR, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. - Kv


5. Lesung

Lesung aus dem Buch Jesaja.

So spricht der Herr:
Auf, alle Durstigen, kommt zum Wasser!
Die ihr kein Geld habt, kommt,
kauft Getreide und esst, kommt und kauft ohne Geld
und ohne Bezahlung Wein und Milch!
Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt,
und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?
Hört auf mich,
   dann bekommt ihr das Beste zu essen
und könnt euch laben an fetten Speisen!
Neigt euer Ohr und kommt zu mir,
hört und ihr werdet aufleben!
Ich schließe mit euch einen ewigen Bund:
Die Erweise der Huld für David sind beständig.
Siehe, ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht,
zum Fürsten und Gebieter der Nationen.
Siehe, eine Nation, die du nicht kennst, wirst du rufen
und eine Nation, die dich nicht kannte, eilt zu dir,
um des HERRN, deines Gottes, des Heiligen Israels willen,
weil er dich herrlich gemacht hat.
Sucht den HERRN, er lässt sich finden,
ruft ihn an, er ist nah!
Der Frevler soll seinen Weg verlassen,
   der Übeltäter seine Pläne.
Er kehre um zum HERRN,
   damit er Erbarmen hat mit ihm,
und zu unserem Gott;
   denn er ist groß im Verzeihen.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken
   und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des HERRN.
So hoch der Himmel über der Erde ist,
   so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege
   und meine Gedanken über eure Gedanken.
Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt
   und nicht dorthin zurückkehrt,
   ohne die Erde zu tränken
   und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen,
dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen,
so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt:
Es kehrt nicht leer zu mir zurück,
   ohne zu bewirken, was ich will,
und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.



Dieser Text gehört noch zum zweiten Teil des Jesajabuches und ist im babylonischen Exil entstanden. Der Prophet spricht dem Volk das Heil Gottes zu. In einem ersten Abschnitt ahmt der Prophet in seiner Heilszusage einen Händler auf dem Basar nach, der seine Ware anpreist: Wasser, Getreide, Wein, Milch ... alles ohne Geld. Im zweiten Abschnitt wirbt Gott um das Volk und bietet ihm einen Bund an, der den Bund mit David übertrifft. Während die Könige sich ihre Völker mit Waffengewalt unterwerfen müssen, kommen nun alle Völker freiwillig zu ihrem Herrn. Der dritte Abschnitt fordert auf, den Herrn zu suchen. Dies geschieht in der Umkehr zum Herrn. Dieser bietet sein Verzeihen an. Der letzte Abschnitt beschreibt die Zuverlässigkeit und die Wirksamkeit des Wortes Gottes in Vergleichen mit dem Regen und Schnee und dem Wachsen des Samens.


Antwortpsalm nach der 5. Lesung

Kv -  Ihr werdet Wasser freudig schöpfen
aus den Quellen des Heils. – Kv
(Oder GL 312,6)


Siehe, Gott ist mein Heil;
ich vertraue und erschrecke nicht.
Denn meine Stärke und mein Lied ist Gott, der HERR.
Er wurde mir zum Heil. - Kv

Ihr werdet Wasser freudig schöpfen
aus den Quellen des Heils.
Dankt dem HERRN! Ruft seinen Namen an! /
Macht unter den Völkern seine Taten bekannt,
verkündet: Sein Name ist erhaben! - Kv

Singt dem HERRN, denn Überragendes hat er vollbracht;
bekannt gemacht sei dies auf der ganzen Erde.
Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner Zions;
denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels. - Kv


6. Lesung

Lesung aus dem Buch Baruch.

Höre, Israel, die Gebote des Lebens;
merkt auf, um Einsicht zu erlangen!
Warum, Israel, warum lebst du im Gebiet der Feinde,
wirst alt in einem fremden Land,
bist unrein geworden, den Toten gleich,
wurdest gezählt zu denen, die in die Unterwelt hinabsteigen?
Du hast den Quell der Weisheit verlassen.
Wärest du auf Gottes Weg gegangen,
   du wohntest in Frieden für immer.
Nun lerne, wo die Einsicht ist,
wo Kraft und wo Klugheit,
dann erkennst du zugleich,
   wo langes Leben und Lebensglück,
   wo Licht für die Augen und Frieden zu finden sind!
Wer hat je ihren Ort gefunden?
Wer ist zu ihren Schatzkammern vorgedrungen?

Doch der Allwissende kennt sie;
er hat sie in seiner Einsicht entdeckt.
Er hat ja die Erde für immer gegründet,
er hat sie mit vierfüßigen Tieren bevölkert.
Er entsendet das Licht und es eilt dahin;
er ruft es zurück und zitternd gehorcht es ihm.
Froh leuchten die Sterne auf ihren Posten.
Ruft er sie,
   so antworten sie: Hier sind wir.
Sie leuchten mit Freude für ihren Schöpfer.
Das ist unser Gott;
   kein anderer gilt neben ihm.
Er hat den Weg der Erkenntnis ganz erkundet
und hat sie Jakob, seinem Diener, verliehen,
   Israel, seinem Liebling.
Dann erschien sie auf der Erde
   und lebte mit den Menschen.
Sie ist das Buch der Gebote Gottes,
das Gesetz, das ewig besteht.
Alle, die an ihr festhalten, finden das Leben;
doch alle, die sie verlassen, verfallen dem Tod.
Kehr um, Jakob, ergreif sie!
Geh in ihrem Glanz den Weg zum Licht!
Überlass deinen Ruhm keinem andern
und deinen Vorzug keinem fremden Volk!
Glücklich sind wir, das Volk Israel;
   denn wir wissen, was Gott gefällt.



Die ältesten Textzeugen für das Buch Baruch sind griechisch. Nach eigener Angabe soll das Buch vom Sekretär des Propheten Jeremia während der Exilszeit verfaßt worden sein. Es wird zuerst den Babel lebenden Israeliten vorgelesen und soll dann nach Jerusalem geschickt werden, um auch dort vorgetragen zu werden. Die heutige Gestalt dürfte der Text im ersten vorchristlichen Jahrhundert erhalten haben. Grundsätzlich neue Ideen bringt das Buch Baruch nicht, seine Leistung ist eine Zusammenschau von geschichtlichen, weisheitlichen und prophetischen Texten des Alten Testaments. In der Hoffnung auf die Bestrafung der fremden Herren unterstreicht es die loyale Haltung zum Tempel und den mosaischen Gesetzen und das Vertrauen auf die Verheißungen Gottes. Der Lesungsabschnitt greift einen Teil aus der Mahnrede von Baruch heraus. In diesem Text spricht der Autor aus, worauf es ihm ankommt und was er mit seiner Schrift erreichen will: Israel soll lernen, die Dinge "weise" anzupacken, sich richtig zu verhalten und das Leben gut zu gestalten. Dabei geht es nicht um eine abstrakte, philosophische Weisheit, sondern um anzuwendende Weisheit, Verstehen, Erkenntnis und Einsicht. Um die Situation des Volkes zu verbessern, ist es notwendig, die Gesetze Gottes zu befolgen und die Größe Gottes anzuerkennen. Dann sind es die Gesetze, die zum Leben führen, die Weisheit, die Rat und Hilfe gibt. Der Grund für den Zustand, in dem sich das Volk befindet, das Exil, ist, daß Israel seinen Gott verlassen hat. Es hat keinen Sinn, bei Menschen auch nicht bei anderen Völkern nach der Weisheit zu fragen, denn nur Gott kennt den Weg der Weisheit. Er ist der Gott Israels, der Schöpfer und damit der einzige Gott. Er wählt nicht das Mächtige, Große und Berühmte um es mit Weisheit auszustatten, vielmehr hat Gott die Weisheit seinem Volk gegeben. Die Gebote Gottes sollen das Volk zu Leben und Glück führen. Sich nicht an die Gebote, an die Weisheit Gottes zu halten führt zu Unheil und Tod: Umkehr ist notwendig, der falsche Weg muß verlassen werden. Kein anderes Volk soll sich rühmen können, die Weisheit zu besitzen, was eintreten könnte, wenn das Volk Israel nicht der göttlichen Weisung folgt und so ins Unglück gerät.


Antwortpsalm nach der 6. Lesung

Kv -  Herr, du hast Worte des ewigen Lebens. - Kv
(Oder Gl 312,7) 


Die Weisung des HERRN ist vollkommen,
sie erquickt den Menschen.
Das Zeugnis des HERRN ist verlässlich,
den Unwissenden macht es weise. - Kv

Die Befehle des HERRN sind gerade,
sie erfüllen das Herz mit Freude.
Das Gebot des HERRN ist rein,
es erleuchtet die Augen. - Kv

Die Furcht des HERRN ist lauter,
sie besteht für immer.
Die Urteile des HERRN sind wahrhaftig,
gerecht sind sie alle. - Kv

Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge.
Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.
Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen;
reichen Lohn hat, wer sie beachtet. - Kv


7. Lesung

Lesung aus dem Buch Ezechiel.

Das Wort des HERRN erging an mich:
Menschensohn,
als die vom Haus Israel in ihrem Land wohnten,
   machten sie es durch ihre Wege und ihre Taten unrein.
Da goss ich meinen Zorn über sie aus,
   weil sie Blut vergossen im Land
   und es mit ihren Götzen befleckten.
Ich zerstreute sie unter die Nationen;
in die Länder wurden sie vertrieben.
Nach ihren Wegen und nach ihren Taten habe ich sie gerichtet.
Als sie aber zu den Nationen kamen,
   entweihten sie überall, wohin sie kamen,
   meinen heiligen Namen;
denn man sagte von ihnen:
   Das ist das Volk des HERRN
   und doch mussten sie sein Land verlassen.
Da tat mir mein heiliger Name leid,
   den das Haus Israel bei den Nationen entweihte,
   wohin es auch kam.
Darum sag zum Haus Israel:
   So spricht GOTT, der Herr:
Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel,
sondern um meines heiligen Namens willen,
   den ihr bei den Nationen entweiht habt,
   wohin ihr auch gekommen seid.
Meinen großen, bei den Nationen entweihten Namen,
   den ihr mitten unter ihnen entweiht habt,
   werde ich wieder heiligen.
Und die Nationen
   - Spruch GOTTES, des Herrn -
   werden erkennen, dass ich der HERR bin,
wenn ich mich an euch vor ihren Augen als heilig erweise.
Ich nehme euch heraus aus den Nationen,
ich sammle euch aus allen Ländern
   und ich bringe euch zu eurem Ackerboden.
Ich gieße reines Wasser über euch aus,
dann werdet ihr rein.
Ich reinige euch von aller Unreinheit und von allen euren Götzen.
Ich gebe euch ein neues Herz
   und einen neuen Geist gebe ich in euer Inneres.
Ich beseitige das Herz von Stein aus eurem Fleisch
   und gebe euch ein Herz von Fleisch.
Ich gebe meinen Geist in euer Inneres
und bewirke, dass ihr meinen Gesetzen folgt
   und auf meine Rechtsentscheide achtet und sie erfüllt.
Dann werdet ihr in dem Land wohnen,
   das ich euren Vätern gegeben habe.
Ihr werdet mir Volk sein und ich,
   ich werde euch Gott sein.



Gedeutete Geschichte: Israels Zerstreuung unter den Völkern wird von dem Propheten Ezechiel verstanden als Strafe. Durch sein Verhalten hat Israel das ihm anvertraute Land „unrein“ gemacht. Angesprochen werden der Götzendienst und das Blutvergießen. Obwohl nicht näher spezifiziert, setzt der Prophet voraus, dass die Menschen eine Verbindung zu ihrer Geschichte herstellen – und ihr Geschick verstehen. Ezechiel wendet dann den Blick: Selbst in der Fremde entweihen sie „überall, wohin sie kamen“ den heiligen Namen Gottes. Der Prophet deutet auch an, wie das geschieht: Das Volk Jahwes habe sein Land verlassen müssen, sei also in Ungnade gefallen – sagt „man“. Was die Leute sagen, nimmt sich Gott zu Herzen. Auf ihn fällt die Erfahrung Israels zurück – und wird von ihm angenommen. Ezechiel kündet einen neuen Anfang an: Gott wird seinen Namen wieder heiligen – indem er vor den Augen der Völker Israel herausholt, sammelt und in sein Land bringt. Betont: „Nicht euretwegen handle ich, Haus Israel, sondern um meines heiligen Namens willen.“ In drei Sätzen legt der Prophet die Verheißung eines neuen Anfangs aus: „Ich gieße reines Wasser über euch aus …“ Ich schenke euch ein neues Herz … Ich lege meinen Geist in euch … Es ist eine Steigerung, die allerdings auch weit über das hinausgeht, was geschichtlich erfahrbar sein kann. Dass Israel wieder in dem Land wohnt, „das ich euren Vätern gab“, belegt zwar, dass – wie in der alten Bundesformel – Israel „mein Volk“ und „ich euer Gott“ bin, aber das reine Wasser, das neue Herz, Gottes Geist sind Gaben, auf die kein Rückblick möglich ist, wohl aber Bitte und Hoffnung. Es gehört zum Geheimnis des heiligen Namens, dass Menschen zu keiner Zeit sagen können, sie könnten ihre Geschichte mit Gott abschließen. Zu Pfingsten tritt die Kirche in eine Hoffnungsgeschichte ein, die lange vor ihr von Gott um seines Namen willen angefangen hat.


Epistel

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus
   an die Gemeinde in Rom.

Schwestern und Brüder!
Wir, die wir auf Christus Jesus getauft wurden,
   sind auf seinen Tod getauft worden.
Wir wurden ja mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod,
damit auch wir, so wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters
   von den Toten auferweckt wurde,
   in der Wirklichkeit des neuen Lebens wandeln.
Wenn wir nämlich mit der Gestalt seines Todes verbunden wurden,
   dann werden wir es auch
   mit der seiner Auferstehung sein.
Wir wissen doch:
Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt,
   damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde,
sodass wir nicht mehr Sklaven der Sünde sind.
Denn wer gestorben ist,
   der ist frei geworden von der Sünde.
Sind wir nun mit Christus gestorben,
   so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.
Wir wissen,
   dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt;
der Tod hat keine Macht mehr über ihn.
Denn durch sein Sterben
   ist er ein für alle Mal gestorben für die Sünde,
sein Leben aber lebt er für Gott.
So begreift auch ihr euch als Menschen,
   die für die Sünde tot sind,
   aber für Gott leben in Christus Jesus.



Verse 6,1-4: Im Text Röm 6,1-11 zeigt Paulus auf, daß in der Taufe eine neue Lebensgemeinschaft mit Christus begründet wird. Wenn Paulus in Röm 5 meint, daß einer großen Sünde eine immer noch größere Gnade gegenüberstehe, so stellt er in Röm 6,1 die rhetorische Frage, ob wir etwa in der Sünde bleiben sollen, damit die Gnade weiter zunehme. Das soll jedoch keineswegs geschehen, denn durch die Taufe haben wir eine neue Existenzweise; wir sind für die Sünde gestorben, und können folglich nicht mehr in der Sünde leben. Die Formulierung "auf Jesus getauft sein" ist für Paulus bereits ein terminus technicus für einen Ritus. Im Unterschied zu Johannes dem Täufer wird jetzt auf Christus getauft. Bei der Taufe zieht der Täufling gleichsam Christus an und gehört nun Gott an. Das "mit Christus sterben" wird gedeutet als "mit Christus begraben werden", damit auch wir, wie er, von den Toten auferweckt werden. Die Taufe ist somit Beginn eines neuen Lebens, welches erst im Tod zur Vollendung gelangt. Verse 6,5-7: Die Taufe ist nicht nur ein äußerliches Zeichen, sondern bewirkt auch das Zusammenwachsen mit Christus; sogar mit seinem Tod. In den Versen 6 und 7 wird die Aussage von V. 5 näher interpretiert: Der alte Mensch ist der Mensch vor der Taufe, der in Sünde lebt. Unser alter Mensch wird in Christus mitgekreuzigt, damit der Leib der Sünde vernichtet werde und wir als neue Menschen auferstehen. Verse 8-11: Wenn wir mit Christus gestorben sind, so sind wir auch mit ihm auferstanden. Aufgrund des Zeugnisses der Überlieferung wissen wir, daß Christus nicht mehr stirbt und der Tod keine Macht mehr über ihn hat. Vers 11: In der Taufe vollzieht sich ein Herrschaftswechsel, Wir gehören nicht mehr der Macht des Bösen, sondern Christus an.


Antwortpsalm nach der Epistel

Kv - Halleuja, Halleluja, Halleluja - Kv
Oder: GL 312,9


Dankt dem HERRN, denn er ist gut,
denn seine Huld währt ewig!
So soll Israel sagen:
Denn seine Huld währt ewig. - Kv

Die Rechte des HERRN, sie erhöht,
die Rechte des HERRN, Taten der Macht vollbringt sie.
Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des HERRN zu verkünden. - Kv

Ein Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden.
Vom HERRN her ist dies gewirkt,
ein Wunder in unseren Augen. - Kv


Evangelium

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

Am ersten Tag der Woche
   gingen die Frauen
   mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereitet hatten,
   in aller Frühe zum Grab.
Da sahen sie,
   dass der Stein vom Grab weggewälzt war;
sie gingen hinein,
aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht.
Und es geschah,
während sie darüber ratlos waren,
   siehe, da traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen.
Die Frauen erschraken und blickten zu Boden.
Die Männer aber sagten zu ihnen:
   Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Er ist nicht hier,
   sondern er ist auferstanden.
Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat,
   als er noch in Galiläa war:
Der Menschensohn
   muss in die Hände sündiger Menschen ausgeliefert
   und gekreuzigt werden
   und am dritten Tag auferstehen.
Da erinnerten sie sich an seine Worte.
Und sie kehrten vom Grab zurück
und berichteten das alles den Elf und allen Übrigen.
Es waren Maria von Magdala,
   Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus,
   und die übrigen Frauen mit ihnen.
Sie erzählten es den Aposteln.
Doch die Apostel hielten diese Reden für Geschwätz
   und glaubten ihnen nicht.
Petrus aber stand auf und lief zum Grab.
Er beugte sich vor,
   sah aber nur die Leinenbinden.
Dann ging er nach Hause,
voll Verwunderung über das, was geschehen war.



Bei diesem Evangelium am Ostertag mag es irritieren, dass keine direkte Begegnung mit dem Auferstandenen geschildert wird. Es geht vielmehr um den inneren Prozess, den die Frauen nach der Konfrontation mit dem brutalen Tod Jesu durchmachen. In eindrucksvollen Bildern wie dem weg gewälzten Stein, dem leeren Grab und Männern in leuchtenden Gewändern, durch die Nennung starker Gefühle wie Ratlosigkeit und Erschrecken wird zunächst beschrieben, wie die gewohnte Vorstellungswelt der Frauen durcheinander gebracht wird. Durch die paradox anmutende Botschaft der Engel: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.“ (V. 5b-6a) und die Erinnerung an Jesu Ankündigung seiner Auferstehung (V. 7) finden die Frauen zu einer neuen Sichtweise des Todes Jesu. Sie bleiben nicht am Grab, sondern gehen zurück und berichten mutig die Neuigkeit den Jüngern. Die heutigen Hörer/-innen des Evangeliums werden ermutigt, sich in ihrem eigenen Leben auf solche Prozesse einzulassen, nämlich selbst in scheinbar aussichtslosen und endgültigen Situationen sich aus der Fixierung auf die Todes- und Schattenseiten zu lösen. Sich auf neue Sichtweisen und Deutungsmuster einzulassen kann den Blick für bisher ungeahnte Lebensmöglichkeiten öffnen. Die frohe Botschaft des Textes lautet dann: Gott will uns durch neues Denken mitten im Tod zu neuem Leben verlocken.

Auffällig an dieser Ostererzählung ist auch, dass Frauen („Maria Magdalene, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus; und die übrigen Frauen“ V. 10) die ersten waren, die die Botschaft von der Auferstehung annahmen, während die männlichen Jünger außer Petrus „das alles für Geschwätz hielten“ (V. 11). Dieser Aspekt der Überlieferung ist besonders bedeutsam dadurch, dass in den patriarchalen Gesellschaften des Orients wie dem Judentum zur Zeit Jesus das Zeugnis von Frauen beispielsweise vor Gericht nicht zählte. In mehreren Berichten der Evangelien dagegen spielen Frauen als erste Auferstehungszeuginnen eine hervorgehobene Rolle. Neben dem emanzipatorischen Impuls, der hiervon ausgeht, kann diese Tatsache aber auch auf etwas anderes hinweisen. Aus tiefenpsychologischer Sicht trägt jeder Mensch männliche und weibliche Anteile in sich. Und die spezifisch weiblichen Anteile und Einstellungen zum Leben scheinen es zu sein, die in dem heutigen Evangelium den Frauen den Zugang zur Osterbotschaft erleichtern: Sie machen sich nicht nur äußerlich auf zum Grab, sondern öffnen sich auch für das Unerwartete und Unvorstellbare. Sie sind empfänglich für die dem Leben zugewandte Sicht, die der Engel ihnen zumutet. Und sie strahlen Hoffnung aus, von der auch Petrus sich in Bewegung bringen lässt. Er überwindet seine männliche Skepsis, setzt sich wie die Frauen offen dem Unbegreiflichen aus und lässt Verwunderung in sich zu. So ermutigt das Beispiel der Frauen und des Petrus Menschen heute, in sich diese Haltungen zu fördern und sich damit dem von Gott verheißenen Leben zu öffnen.

Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C4/2010. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2010, S. 24-38.


Mit der Erzählung vom leeren Grab beginnt Lukas wie die anderen Evangelien den Osterbericht. Nach dem Ruhetag gehen die Frauen schon am frühesten Morgen zum Grab. Ihr Eifer und ihre Sehnsucht, die darin zum Ausdruck kommt, wird gebremst durch die unerwartete Situation des offenen Grabes. Die Frauen verstehen nicht, auch nicht, als sie feststellen müssen, daß das Grab leer ist. Sie denken weder an einen Diebstahl des Leichnams wie bei Matthäus und schon gar nicht an die Auferstehung. Das leere Grab für sich führt nicht zum Glauben. Zwei Gottesboten verkünden ihnen die Osterbotschaft: Jesus ist nicht tot, er lebt, weil Gott ihn auferweckt hat. Ein Lebender ist nicht an einem für Tote bestimmten Ort zu finden. Die Botschaft von der Auferstehung ist zugleich auch ein Denkanstoß. Bezeichnend für die lukanische Akzentuierung ist, daß die Sendung nach Galiläa fehlt: Jerusalem ist die Heilige Stadt, in der Jesus seine Sendung zu vollenden hat und von dort geht auch die Botschaft der Auferstehung aus (Apg 1,8). Die Frauen sollen sich an die Verkündigung Jesu selber erinnern. Erst im Zusammenhang mit dem Leben Jesu kann der österliche Glaube beginnen. Aus der anfänglichen Furcht wird Verstehen und die Frauen werden zu Zeuginnen der Auferstehung. Ohne daß sie eines Auftrages bedürfen, werden die Frauen Verkünderinnen der Osterbotschaft. Drei von den Frauen werden mit Namen genannt. Maria von Magdala findet sich in allen vier Traditionen, Lukas nennt auch noch Johanna (die Frau des Chuza, Lk 8,3) und Maria die Mutter des Jakobus. Im Unterschied zu den anderen Evangelien ist auch noch von anderen Frauen die Rede. Einige Exegeten gehen davon aus, daß parallel zum Zwölferkreis auch ein Frauenkreis existierte, bei dem Maria von Magdala eine Art Führungsrolle gehabt haben dürfte. Frauen sind die ersten Zeuginnen der Auferstehung Jesu. In den Aposteln findet der Osterglaube Widerstand. Nur Petrus läßt sich "bewegen", er steht auf und geht zum Grab, er überzeugt sich, ob das Grab wirklich leer ist. Aber auch er verläßt das Grab wieder, ohne die Osterbotschaft auch nur zu erwägen. Petrus bleibt in der Verwunderung stecken, kommt noch nicht zum Glauben. Das leere Grab allein ist kein eindeutiger Beweis auch wenn der Evangelist davon überzeugt ist, daß nach der Auferweckung der Leichnam Jesu nicht mehr im Grab sein kann.




Pater Bernhard Bossert gestorben

Am Dienstag, 7. Mai 2019 ist unser langjähriger Mitarbeiter Pater Bernhard Bossert CSsR im Alter von 77 Jahren im Starnberger Krankenhaus verstorben.
P. Bernhard Bossert war mit Leib und Seele Erzieher, Gemeindemissionar und Krankenhausseelsorger.
Er verfasste zuletzt fast für jeden Sonntag Predigtgedanken für das Predigtforum.
Danke Pater Bernhard!
R.I.P.

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