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23.03.2019

Lesungen 24.02.2019


1. Lesung vom 7. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
1 Sam 26,2. 7-9. 12-13. 22-23

Lesung aus dem ersten Buch Samuel.

In jenen Tagen
   machte Saul sich
   mit dreitausend Mann, ausgesuchten Kriegern aus Israel,
   auf den Weg
und zog in die Wüste von Sif hinab,
   um dort nach David zu suchen.

David und Abischai  kamen in der Nacht zu den Leuten Sauls
   und siehe, Saul lag mitten im Lager und schlief;
sein Speer steckte neben seinem Kopf in der Erde
und rings um ihn schliefen Abner und seine Leute.
Da sagte Abischai zu David:
   Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand ausgeliefert.
Jetzt werde ich ihn    mit einem einzigen Speerstoß
   auf den Boden spießen,
einen zweiten brauche ich nicht dafür.
David aber erwiderte Abischai:
   Bring ihn nicht um!
Denn wer hat je seine Hand
   gegen den Gesalbten des HERRN erhoben
   und ist ungestraft geblieben?

David nahm den Speer und den Wasserkrug,
   die neben Sauls Kopf waren,
und sie gingen weg.
Niemand sah und niemand bemerkte etwas
und keiner wachte auf;
alle schliefen,
   denn der HERR hatte sie in einen tiefen Schlaf fallen lassen.
David ging auf die andere Seite hinüber und stellte
sich in größerer Entfernung auf den Gipfel des Berges,
   sodass ein weiter Zwischenraum zwischen ihnen war.

David sagte: Seht her,
   hier ist der Speer des Königs.
Einer von den jungen Männern soll herüberkommen
   und ihn holen.
Der HERR wird jedem seine Gerechtigkeit und Treue vergelten.
Obwohl dich der HERR heute in meine Hand gegeben hatte,
   wollte ich meine Hand nicht an den Gesalbten des HERRN legen.



Die Aufstiegsgeschichte Davids (ab 1 Sam 16) erzählt von Jahwes Zuwendung zu ihm. Diese Stelle ist eine Sage (Heldenerzählung) zur Idealisierung des späteren Königs David. David ist in der Lesungsperikope der klar Unterlegene, auf der Flucht; er ist in der Wüste. Doch Saul gerät durch "Zufall" in Davids Hand. David steht vor der Prüfung: Nimmt er Rache – oder ist er loyal? Abischai (V. 8) ist dabei gleichsam der Versucher Davids, der ihn aufhetzen möchte; doch David anerkennt die Unantastbarkeit des "Gesalbten Jahwes" (V. 9). David nimmt nur symbolisch als Zeichen für seinen nächtlichen Besuch im Lager zwei persönliche Gegenstände Sauls mit: den Speer und einen Wasserkrug, Saul sieht angesichts der Loyalität Davids seinen Fehler ein (V. 21): "Ich habe töricht gehandelt." Darauf gibt ihm David das Gestohlene zurück – und gibt als Maßstab seines Handelns an: dass "der Herr jedem seine Gerechtigkeit und Treue vergelten" wird (V. 23). Die gemeinsame Geschichte von Saul und David endet an dieser Stelle; ihre Wege trennen sich endgültig, und sie werden sich im Leben nicht mehr begegnen. Auch wenn es sich hier "nur" um eine Erzählung handelt, finden sich doch auch theologisch bedeutsame Gedanken. 1 Sam 26 stellt den Versuch dar, Davids Treue gegenüber Jahwe zu beweisen. Er hält der Versuchung, sich seines Verfolgers zu entledigen, stand, ja er rettet Saul vor dem stürmischeren Abischai. David weiß darum, dass er nur ein Werkzeug des Herrn ist, und seine Gerechtigkeit besteht darin, dass er den ihm wehrlos Ausgelieferten nicht selbst richtet, sondern ihn dem Urteil und Gericht Jahwes überlässt. Trotz aller Verfolgung anerkennt er Saul als den Gesalbten des Herrn (Vv. 9.23). In alledem weiß David aber um den Beistand Jahwes, der ihn "aus aller Bedrängnis erretten wird" (V. 24). Es geht dem Erzähler darum zu zeigen, dass David nicht aus eigener Kraft, sondern nur durch die Hilfe Jahwes das Königtum erreicht hat. David ist ein von Gott Geführter. Gleichzeitig aber ist David dadurch, dass er auch in der Verfolgung, als er außerhalb der Ordnung lebte, keine Schuld auf sich lud und sowohl Gott gegenüber gehorsam als auch dem König gegenüber loyal geblieben ist, als Fortführer des Alten, der Anfänge des Königtums unter Saul, legitimiert. Der Segen über David, der Saul in einer Prophezeiung am Schluss dieser Erzählung in den Mund gelegt ist (V. 25), weist über diesen Kontext hinaus. Auf David gründet sich schließlich nicht nur das Königtum in Israel, sondern an ihm werden letztlich auch die messianischen Hoffnungen eines neuen Königtums festgemacht, die für uns Christen herüberreichen in das Neue Testament. Jesus, der "Sohn Davids" (Mt 1:6; 19:21), hat "es sicher vollbracht" (1 Sam 26:25), nämlich die Rettung seines Volkes.


Die Samuelbücher, die in der griechischen Bibel getrennt wurden, gehören eng mit den Königsbüchern zusammen. Sie erzählen den Geschichtsablauf von der Geburt des letzten Richters, Samuel, bis kurz vor den Tod Davids. Samuel, der letzte, der die richterliche und prophetische Funktion in dieser Form wahrnimmt, salbt den ersten König Israels: Saul und später auch dessen Nachfolger David. Die Hauptteile der Samuelbücher gliedern sich in: 1. Samuel und Saul (1 Sam 1-15) 2. Der Aufstieg Davids (1 Sam 16- 2 Sam 5.7-8) 3. Die Nachfolger Davids (2 Sam 6.9-20; 1 Kön 1-2) 4. Verschiedene Nachträge (2 Sam 21-24) Der Aufstieg Davids wird sehr spannend und abwechslungsreich erzählt. Der Leser erfährt viele Details aus dem Leben Davids und zugleich wird exemplarisch das Handeln Gottes deutlich. Beginnend von der Salbung Davids an, über die Szene des jungen Zitherspielers am Königshof, der sich zu einem gefürchteten Feldherrn mausert, als Freischärler sogar zum Gegner König Sauls werden muß und schließlich nach dem Tod Saul selbst zum König wird, ist David kein "Heiliger" aber ein "Gerechter", der in Treue zu seinem Gott lebt. Das wird besonders deutlich in den Szenen, in denen das Leben König Sauls in der Hand Davids liegt und er allen Grund hätte, ihn zu töten. Schon in 1 Sam 24 wird erzählt, daß Saul "zufällig" in die Höhle kommt, in der sich David vor ihm versteckt hält. David schont sein Leben, die beiden versöhnen sich - was Saul aber nicht davon abhält, sich kurze Zeit später wieder mit 3000 Mann auf die Suche nach dem Rivalen David zu machen. Hatte David bei der ersten Szene ein Stück des königlichen Mantel abgeschnitten um seine Unschuld zu beweisen, so nimmt er jetzt den Speer und den Wasserkrug des Königs aus dem Lager mit. Es ist eine mehr als zeichenhafte Aktion, wenn man verfolgt, welcher Wert in den Samuelbücher auf Erzählungen über Kleidungsstücke und Ausrüstungsgegenstände gelegt wird (zum Beispiel als David die Rüstung Sauls anlegen soll um Goliath gegenüber zu treten 1 Sam 17:38ff; der Mantel Jonathans, den er David gibt 1 Sam 18:4; oder als Saul von Samuel erfährt, daß Gott ihm die Herrschaft wegnimmt 1 Sam 15:27). Der Anrede "mein Sohn David" steht der Wille Sauls gegenüber, den Verlust der Herrschaft mit allen Mitteln zu verhindern. Der Unschuld Davids wird die Falschheit Sauls gegenübergestellt. Der Brutalität und Taubheit für den Willen Gottes auf Seiten des Machthabers steht der Glaube und das Gottvertrauen des ebenso Gesalbten gegenüber. Mit dem Speer könnte David Saul in jener Nacht im Lager töten, mit dem Saul versucht hat, den jungen David, als er noch bei ihm am Hof lebte, an die Wand zu spießen (1 Sam 18:11;19:10). Der Speer als Symbol des Todes in der Hand des einen Gesalbten wird zum Zeichen der Unschuld und der Gerechtigkeit durch die Handlung des zweiten Gesalbten. Nach dem Schuldeingeständnis Sauls folgt wie in der anderen Szene der Segen für den "Sohn" David. Paradoxerweise ist es gerade David, der neue Auserwählte und Gesalbte Gottes, der dem verworfenen König sein Königtum bestätigt (1 Sam 26:17.23). Gerade die Anerkennung seines Königtums durch David treibt Saul noch weiter in die Verzweiflung und in den Wahnsinn. Der Bruch zwischen den beiden ist trotz gegenteiliger Aussagen nicht mehr heilbar, jeder geht den von ihm eingeschlagenen Weg weiter. Hier wird auch ein Stück des Geheimnisses der göttlichen Erwählung sichtbar: Gott erwählt und verwirft zugleich, gibt und nimmt, steht zugleich zu seinem Wort und zieht doch die Konsequenzen und auch der von Gott Auserwählte und Gesalbte ist frei in seinen Entscheidungen, genauso wie er auch deren Konsequenzen zu tragen hat.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom 7. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
1 Sam 26,2-24

Lesung aus dem ersten Buch Samuel.

In jenen Tagen
   machte Saul sich
   mit dreitausend Mann, ausgesuchten Kriegern aus Israel,
   auf den Weg
und zog in die Wüste von Sif hinab,
   um dort nach David zu suchen.
Er schlug sein Lager auf der Anhöhe von Hachila
   am Weg gegenüber von Jeschimon auf,
David aber blieb in der Wüste.
Als er sah, dass Saul ihm in die Wüste folgte,
schickte er Kundschafter aus und erfuhr,
  dass Saul mit Sicherheit am Kommen war.
Er brach auf
  und kam zu dem Ort, wo Saul sein Lager hatte.
Und David konnte die Stelle sehen,
   wo Saul sich mit seinem Heerführer Abner,
   dem Sohn Ners, zur Ruhe hingelegt hatte:
Saul schlief mitten im Lager,
während seine Leute rings um ihn herum lagen.
Da wandte sich David an den Hetiter Ahimelech
   und an Abischai, den Sohn der Zeruja,
   den Bruder Joabs, und sagte:
Wer geht mit mir zu Saul ins Lager hinab?
Abischai antwortete: Ich gehe mit.
So kamen David und Abischai
   in der Nacht zu den Leuten
und siehe, Saul lag mitten im Lager und schlief;
sein Speer steckte neben seinem Kopf in der Erde
   und rings um ihn schliefen Abner und seine Leute.
Da sagte Abischai zu David:
Heute hat Gott deinen Feind in deine Hand ausgeliefert.
Jetzt werde ich ihn
   mit einem einzigen Speerstoß auf den Boden spießen,
einen zweiten brauche ich nicht dafür.
David aber erwiderte Abischai:
Bring ihn nicht um!
Denn wer hat je seine Hand gegen den Gesalbten des HERRN erhoben
und ist ungestraft geblieben?
Und er fügte hinzu:
   So wahr der HERR lebt:
   Der HERR möge ihn schlagen,
   ob nun der Tag kommt, an dem er sterben muss,
   oder ob er in den Krieg zieht und dort umkommt.
Mich aber bewahre der HERR davor,
dass ich meine Hand gegen den Gesalbten des HERRN erhebe.
Nimm jetzt den Speer neben seinem Kopf
   und den Wasserkrug
   und lass uns gehen!
David nahm den Speer und den Wasserkrug,
   die neben Sauls Kopf waren,
und sie gingen weg.
Niemand sah und niemand bemerkte etwas
   und keiner wachte auf;
alle schliefen,
   denn der HERR hatte sie in einen tiefen Schlaf fallen lassen.
David ging auf die andere Seite hinüber
   und stellte sich in größerer Entfernung
   auf den Gipfel des Berges,
sodass ein weiter Zwischenraum zwischen ihnen war.
Dann rief er dem Volk und Abner, dem Sohn Ners, zu:
Abner, willst du antworten?
Abner antwortete und sagte:
   Wer bist du, um den König anzurufen?
David antwortete Abner:
   Bist du nicht ein Mann, dem keiner in Israel gleicht?
Warum hast du deinen Herrn, den König, nicht bewacht?
Es ist nämlich einer aus dem Volk gekommen,
   um den König, deinen Herrn, umzubringen.
   Das war nicht gut, was du da gemacht hast.
So wahr der HERR lebt:
   Ihr habt den Tod verdient,
   weil ihr euren Herrn, den Gesalbten des HERRN,
   nicht bewacht habt.
Sieh doch nach,
   wo der Speer des Königs und der Wasserkrug sind,
   die neben dem Kopf des Königs standen!
Saul erkannte die Stimme Davids und sagte:
   Ist das deine Stimme, mein Sohn David?
David antwortete:
   Es ist meine Stimme, mein Herr und König.
Dann fragte er:
   Warum verfolgt eigentlich mein Herr seinen Knecht?
Was habe ich denn getan?
Welches Unrecht habe ich begangen?
Möge doch mein Herr, der König,
   jetzt auf die Worte seines Knechtes hören:
Wenn der HERR dich gegen mich aufgereizt hat,
   möge er ein wohlriechendes Opfer erhalten.
Wenn es aber Menschen waren,
   dann sollen sie verflucht sein vor dem HERRN;
denn sie haben mich vertrieben,
   sodass ich jetzt nicht mehr
   am Erbbesitz des HERRN teilhaben kann.
Sie sagen: Geh fort, diene anderen Göttern!
Doch mein Blut soll nicht fern vom HERRN zur Erde fließen.
Der König von Israel ist ausgezogen,
   um einen einzigen Floh zu suchen,
   wie man in den Bergen ein Rebhuhn jagt.
Darauf sagte Saul:
   Ich habe gesündigt.
Komm zurück, mein Sohn David!
Ja, ich werde dir nichts zuleide tun,
   weil dir heute mein Leben so kostbar war.
Ich sehe ein,
   ich habe töricht gehandelt und schwere Fehler gemacht.
David erwiderte: Seht her,
   hier ist der Speer des Königs.
Einer von den jungen Männern soll herüberkommen
   und ihn holen.
Der HERR wird jedem seine Gerechtigkeit und Treue vergelten.
Obwohl dich der HERR heute in meine Hand gegeben hatte,
   wollte ich meine Hand nicht an den Gesalbten des HERRN legen.
Doch denk daran:
Wie dein Leben heute in meinen Augen wertvoll war,
   so wird auch mein Leben in den Augen des HERRN wertvoll sein;
er wird mich aus aller Bedrängnis erretten.
Saul sagte zu David: Gesegnet seist du, mein Sohn David.
Du wirst es sicher vollbringen,
dir wird es auch bestimmt gelingen.
Und David zog weiter,
Saul aber kehrte an seinen Ort zurück.


Antwortpsalm am 7. Sonntag im Jahreskreis (C)
Ps 103,1-4. 8. 10. 12-13

Kv:Gnädig und barmherzig ist der Herr,
voll Langmut und reich an Huld. - Kv
(oder GL 657,3)

Preise den HERRN, meine Seele,
und alles in mir seinen heiligen Namen!
Preise den HERRN, meine Seele,
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat! - Kv

Der dir all deine Schuld vergibt
und all deine Gebrechen heilt,
der dein Leben vor dem Untergang rettet
und dich mit Huld und Erbarmen krönt. - Kv

Der HERR ist barmherzig und gnädig,
langmütig und reich an Huld.
Er handelt an uns nicht nach unsern Sünden
und vergilt uns nicht nach unsrer Schuld. - Kv

So weit der Aufgang entfernt ist vom Untergang,
so weit entfernt er von uns unsere Frevel.
Wie ein Vater sich seiner Kinder erbarmt,
so erbarmt sich der HERR über alle, die ihn fürchten. - Kv


2. Lesung vom 7. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
1 Kor 15,45-49

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
  an die Gemeinde in Korinth.

Schwestern und Brüder!
So steht es auch in der Schrift:
Adam, der erste Mensch, wurde ein irdisches Lebewesen.
Der letzte Adam wurde lebendig machender Geist.
Aber zuerst kommt nicht das Überirdische;
zuerst kommt das Irdische,
   dann das Überirdische.
Der erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde;
der zweite Mensch stammt vom Himmel.
Wie der von der Erde irdisch war,
   so sind es auch seine Nachfahren.
Und wie der vom Himmel himmlisch ist,
   so sind es auch seine Nachfahren.
Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden,
   so werden wir
   auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden. 



Diese Perikope aus dem 1. Korintherbrief steht im Kontext einer Erwiderung des Paulus auf Anfragen hinsichtlich des Auferstehungsglaubens. Nachdem er dazu zuvor auf das Bild des Samenkorns verwiesen hat (15,36-37) als einem Vorgang von Verwandlung, greift er jetzt zurück auf die Schöpfungserzählung. Wir gehören als Menschen, als Geschöpfe, zu Adam, dem "ersten Menschen", zu dem alles Irdische gehört. Christus aber ist der "letzte Adam", der "zweite Mensch", zu dem alles Himmlische gehört. Durch die Schöpfung haben wir Anteil am Ersten Adam, durch den Glauben aber Anteil am Zweiten Adam, an Christus.


Der 1. Korintherbrief gibt Einblick in die Vorgänge und Probleme des Lebens der hellenistischen Gemeinde in der Provinzhauptstadt Korinth, einer Hafen- und Handelsstadt in Griechenland. Paulus kennt die Gemeinde gut und versucht die aufgetretenen Probleme auf eine einheitliche theologische Grundposition zurückzuführen. Stichworte für die Schwierigkeiten bei den Korinthern sind: Parteiung (1 Kor 1-4), Sexualethik (1 Kor 5-6). Die beiden zentralen Grundthemen des Briefes sind die "Liebe" (1 Kor 13) und die "Auferstehung" (1 Kor 15). Im 15. Kapitel des Briefes setzt sich Paulus mit der Auferstehung auseinander. Ähnlich wie im Thessalonicher-Brief geht er vom Glaubensbekenntnis aus, was voraussetzt, daß es darüber in Korinth noch keine Differenzen gab: Jesus Christus ist der, der gekreuzigt wurde und auferstand. In Korinth scheint man die Auferstehung zu leugnen und davon auszugehen, daß die Gläubiggewordenen schon als Auferstandene leben und daß es deshalb keine Auferstehung der Toten mehr für sie geben kann. Paulus dagegen betont, daß auch für die Korinther die Auferstehung noch in der Zukunft liegt und daß sich das Leben der Christen auf der Erde, im konkreten sozialen und geschichtlichen Umfeld abspielt. Die Streichung des eschatologischen Vorbehalts in der Meinung schon jetzt im Zustand des Heils zu leben hatte zu "enthusiastischen", übertrieben charismatischen Verhalten geführt, das den Gottesdienst und das Gemeindeleben durcheinanderbrachten. In diesem Lesungsabschnitt versucht Paulus der grundlegenden Differenz zwischen irdischer und himmlischer Existenz nahezukommen. Der "neue", auferstandene Mensch ist nicht einfach eine Verbesserung des irdischen Menschen, sondern ist eine Neuschöpfung unter völlig anderen Voraussetzungen. Paulus kann keine Bilder oder konkrete Vorstellungen von der himmlischen Existenz der Auferstandenen liefern. Sein Verständnis ist ganz vom Christusgeschehen geprägt. Adam als Symbol für den ersten Menschen ist sozusagen der Prototyp des irdischen Menschen. Christus dagegen ist für Paulus "lebendigmachender Geist", nicht vergleichbar, nicht einmal beschreibbar mit irdischen Bildern. Der neue "Leib" des Menschen gehört dem Bereich Gottes an und ist so Verheißung und Zukunft des irdischen Menschen.


Ruf vor dem Evangelium am 7. Sonntag im Jahreskreis (C)
Joh 13,34ac


Halleluja. Halleluja.

(So spricht der Herr:)
Ein neues Gebot gebe ich euch:
Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.
Halleluja.


Evangelium vom 7. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C:
Lk 6,27-38

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Euch aber, die ihr zuhört, sage ich:
Liebt eure Feinde;
tut denen Gutes, die euch hassen!
Segnet die, die euch verfluchen;
betet für die, die euch beschimpfen!
Dem, der dich auf die eine Wange schlägt,
   halt auch die andere hin
und dem, der dir den Mantel wegnimmt,
   lass auch das Hemd!
Gib jedem, der dich bittet;
und wenn dir jemand das Deine wegnimmt,
   verlang es nicht zurück!
Und wie ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen,
   das tut auch ihr ihnen!
Wenn ihr die liebt, die euch lieben,
   welchen Dank erwartet ihr dafür?
Denn auch die Sünder lieben die, von denen sie geliebt werden.
Und wenn ihr denen Gutes tut, die euch Gutes tun,
   welchen Dank erwartet ihr dafür?
Das tun auch die Sünder.
Und wenn ihr denen Geld leiht,
   von denen ihr es zurückzubekommen hofft,
   welchen Dank erwartet ihr dafür?
Auch die Sünder leihen Sündern,
   um das Gleiche zurückzubekommen.
Doch ihr sollt eure Feinde lieben
und Gutes tun und leihen,
   wo ihr nichts zurückerhoffen könnt.
Dann wird euer Lohn groß sein
und ihr werdet Söhne des Höchsten sein;
denn auch er ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen.
Seid barmherzig,
   wie auch euer Vater barmherzig ist!
Richtet nicht,
   dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden!
Verurteilt nicht,
   dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden!
Erlasst einander die Schuld,
   dann wird auch euch die Schuld erlassen werden!
Gebt,
   dann wird auch euch gegeben werden!
Ein gutes, volles, gehäuftes, überfließendes Maß
   wird man euch in den Schoß legen;
denn nach dem Maß, mit dem ihr messt,
   wird auch euch zugemessen werden. 



Lk 6,20-49 bringt die neue Gottesweisung, die Jesus den Jüngern und dem Volk verkündet. Lukas möchte diese Einheit als Wort an die Kirche verstanden wissen (deshalb der "ekklesiologische Rahmen" mit der Apostelwahl 6,12-19 als Vorschub). Nach den Seligpreisungen und Weherufen (6,20-26) folgt der Hauptteil der Rede: die neue Weisung, die radikale Liebe fordert. 6,27-38 stellt zunächst das neue Gebot Jesu vor. (Der zweite Teil der Rede - 6,39-45 - bringt danach eine kritische Reflexion des Neuen an diesem Gebot im Vergleich zu anderen Lebenswegen.) 6,27-31 stellt zunächst die Forderung dar: reaktionslose Feindesliebe und selbstlose Hilfsbereitschaft einem jeden gegenüber; den Abschluss bildet die "Goldene Regel", die die Einzelanweisungen ins Allgemeine führt. Sie ist positiv formuliert (vgl. Mk 12,31); die Eigenliebe wird als Maßstab für die Liebe zum Mitmenschen empfohlen. Indem Jesus allen Menschen eine Allgemeinregel in die Hand gibt, gibt er auch die Möglichkeit zum eigenen (Gewissens-)Entscheid, unabhängig von der Gesetzesauslegung von Schriftgelehrten. 6,32-35 bringt die Motivation für solches Handeln: nicht ein Lohndenken ist es, sondern selbstlose Liebe, die verschenken will; und doch ist auf einer tieferen Ebene der Lohn groß. Letztlich bringt Jesus eine Empfehlung der Nachahmung des Handelns Gottes, der "gütig ist gegenüber Undankbaren und Bösen". 6,36-38 bringt das Thema der Barmherzigkeit: nach dem Vorbild der Barmherzigkeit des Vaters bedeutet sie Verzeihen (V. 37) und Geben (V. 38). Jesus setzt das Gebot der Nächstenliebe voraus (Lev 19,18), radikalisiert es aber, indem er fordert, auch den letzten, den verhasstesten Menschen noch lieben zu sollen. Der Schlüssel für ein solches Verhalten liegt letztlich im Handeln Gottes selbst (V. 36).


Den Abschnitt über die Vergeltung und die Feindesliebe schließt das Lukasevangelium im Rahmen der sogenannten "Feldrede" an die Seligpreisungen und die Wehrufe an. Positiv ausgedrückt könnte man diese Stelle mit: "über die Barmherzigkeit und die Nächstenliebe" überschreiben. Die Forderungen sind radikal und doch aus dem alltäglichen Leben gegriffen: das Verhalten gegenüber Menschen, wo nur eine negative Beziehung besteht, Umgang mit Gewalt, mit Menschen, denen man nicht vertrauen kann, auch in diesen Grenzbereichen, hat sich die christliche Grundhaltung zu bewähren. Feindlich gesinnte, hassende, gewalttätige und nicht vertrauenswürdige Menschen gehören zu der Realität, in die die Christen hineingestellt sind. Der Himmel ist noch nicht eingekehrt auf der Erde und die Christen sind nicht gefeit vor Begegnungen mit dem Bösen in der Welt, wie Paulus den Korinthern klarzumachen versuchte. Es ist nach Lukas nicht möglich, und auch nicht christlich, davor die Augen zu verschließen, daß es böse Menschen gibt und um nicht damit konfrontiert zu werden nur im privaten, "frommen und rechtgläubigen" Zirkeln zu verkehren. Wenn die Liebe der Christen nicht über den eigenen Gartenzaun hinausreicht, was bringt´s? Mit dem Evangelisten: "Welchen Dank erwartet ihr euch dafür?" (Lk 6:33) Der Schreiber des Evangeliums will nicht, daß seine Leser zu geduldigen Opfern von Ausnutzung, Gewalt und Vertrauens mißbraucht werden. Es geht nicht um ein passives Erdulden und Erleiden, sondern um eine aktive Begegnung, dem Bösen die Stirn zu bieten, in einer Art und Weise, wie es in der Logik des Bösen nicht vorkommt: Gewalt nicht mit Gegengewalt zu beantworten, den Konflikt nicht eskalieren lassen sondern selber auszusteigen aus diesen gefährlichen Mechanismen. Der Evangelist lädt ein, aktiv zu werden, aus der Wahrnehmung und dem Erkennen des Bösen heraus bewußt einen Schritt in die andere Richtung zu setzen., sich nicht blind den unmittelbaren Emotionen hinzugeben. Ähnlich arbeiten Psychotherapeuten mit Menschen, die in einem Konflikt, zum Beispiel in einer Ehekrise stehen: einmal den Standpunkt wechseln, den anderen nicht nur als "Feind", sondern auch als Menschen betrachten, ein Stück über den eigenen Schatten springen, einen Schritt der Versöhnung tun und darüber nachzudenken, wie weit mein eigenes Verhalten Anlaß gibt für Haß und Feindschaft. Radikale Forderungen? Herausfordernd vielleicht, aber nicht entmündigend, unterdrückend und zum Dulden verdammend. Natürlich gibt es ein Risiko, sofortigen Erfolg verspricht der Evangelist Lukas nicht. Die Strukturen des Bösen sind zäh, im einzeln Menschen, in der Gesellschaft und auch in der Kirche. Das Evangelium verweist uns auf die Güte und Barmherzigkeit Gottes, nicht für unseren Umgang mit Menschen mit denen wir nicht gern zu tun haben, sondern auch für unsere eigenen Ansätze und Versuche, die Welt ein Stück menschlicher zu machen.