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23.05.2019

Lesungen 10.03.2019

10. Mär. 2019
1. Fastensonntag (C)


1. Lesung

Lesung aus dem Buch Deuteronomium:

In jenen Tagen sprach Mose zum Volk:
Wenn du die ersten Erträge
   von den Früchten des Landes darbringst,
   dann soll der Priester
   den Korb aus deiner Hand entgegennehmen
   und ihn vor den Altar des HERRN, deines Gottes, stellen.
Du aber
   sollst vor dem HERRN, deinem Gott,
   folgendes Bekenntnis ablegen:
Mein Vater war ein heimatloser Aramäer.
Er zog nach Ägypten,
lebte dort als Fremder mit wenigen Leuten
   und wurde dort
   zu einem großen, mächtigen und zahlreichen Volk.
Die Ägypter behandelten uns schlecht,
machten uns rechtlos
und legten uns harte Fronarbeit auf.
Wir schrien zum HERRN, dem Gott unserer Väter,
und der HERR hörte unser Schreien
und sah unsere Rechtlosigkeit,
   unsere Arbeitslast und unsere Bedrängnis.
Der HERR führte uns mit starker Hand und hoch erhobenem Arm,
   unter großem Schrecken,
   unter Zeichen und Wundern aus Ägypten,
er brachte uns an diese Stätte und gab uns dieses Land,
ein Land, wo Milch und Honig fließen.
Und siehe, nun bringe ich hier die ersten Erträge
   von den Früchten des Landes, das du mir gegeben hast, HERR.
Wenn du den Korb vor den HERRN, deinen Gott, gestellt hast,
   sollst du dich vor dem HERRN, deinem Gott, niederwerfen.



Die Lesung beginnt und endet mit dem Opferritual ("wenn du" - "und siehe, nun bringe ich"). Doch liturgisch steht das Bekenntnis im Mittelpunkt: in der Forschung das "kleine geschichtliche Credo" genannt. Im Bekenntnis wird die Geschichte erzählt, vergegenwärtigt und überliefert: es ist die Geschichte der Knechtschaft, in die ein heimatloser Aramäer (als Stammvater) geriet. Aber der Gott unserer Väter hörte das Schreien und sah die Rechtlosigkeit - und führte uns in dieses Land - hervorgehoben werden alte Gottesprädikate: mit starker Hand und hoch erhobenem Arm. Zu diesem (Ur)Bekenntnis gehört das Opfer der ersten Früchte jeder Ernte in diesem Land, dass Gott seinem Volk anvertraut. Die "Erstlinge" gehören ihm. Ihm gehört alles. Die alte Verheißung verbindet mit diesem Land die Atttribute "Milch und Honig", Bilder für Reichtum und Schönheit. Im Opfer wird das Bekenntnis zu Gott sichtbar, das Bekenntnis aber führt zum Opfer. In beidem - Bekenntnis wie Opfer - wird auf Jahwe verwiesen und die Geschichte mit ihm immer neu gegenwärtig. Anders als viele Bekenntnisse, die im Laufe der Zeit, meistens in Auseinandersetzungen, formuliert wurden, werden hier nicht Sätze aneinander gereiht, sondern eine Geschichte erzählt, die viele Lebensgeschichten verbindet und auf eine gemeinsame Erfahrung bezieht.


In der ersten Lesung aus dem Buch Deuteronomium geht es um das Darbringen der Erstlingsfrüchte. Mose wendet sich an die Sippenoberhäupter und beschreibt, wie die Erstlingsgaben in rechter Weise dargebracht werden sollen. Die Handlung besteht zunächst in der Übergabe des Korbes an einen Priester, der den Korb dann vor den Altar stellt. Nachdem dies geschehen ist, soll sich das Familienoberhaupt vor dem Herrn niederwerfen. Mit diesem Ritus wird vielleicht ein alter kanaanäischer Erntebrauch auf Jahwe hin umgedeutet. Sowohl bei der Darbringung der Gaben als auch beim Niederwerfen wird betont, dass es allein Jahwe ist, dem der Dank gilt. Nur Jahwe gilt die Ehre. Diese Handlungen werden mit einem Bekenntnis verknüpft. Dieses Bekenntnis, das auch als das "kleine historische Credo Israels" bezeichnet wird, erinnert an die Heilstaten Gottes. Das Bekenntnis betont den Kontrast zwischen der Nomadenexistenz der Vorfahren und der gesicherten Existenz der gegenwärtigen Generation. Gott ist es, dem der Besitz des Landes zu verdanken ist, das die Früchte hervorgebracht hat. Bei dem Credo (Verse 5–9) handelt es sich um einen kunstvollen Prosatext. Er lässt sich in 4 Abschnitte zu je 3 Sätzen aufteilen (Vers 5, Vers 6, Vers 7, Vers 8f.), die außerdem noch in sich dreigegliederte Satzpassagen vorweisen. Die Geschichte wird vor einem besonderen Horizont gedeutet. Es geht um die Befreiung aus der Sklaverei (Motiv: Versklavung - Befreiung). Der Aufbau folgt zudem folgendem traditionellen Schema: Not (Vers 6) - Klage - Erhörung (Vers 7) - helfendes Eingreifen Gottes (Verse 8f). Die Konzentration auf das befreiende Handeln Gottes erklärt auch, dass die Führung durch die Wüste und die Ereignisse am Sinai fehlen. Die Formulierungen enthalten viele Anspielungen auf die alten Auszugserzählungen in Vers 8. Die Freiheit, die nun durch das Eingreifen Gottes geschenkt ist, bedeutet in der altorientalischen Wirtschaftstruktur den Landbesitz, der nicht gestört wird, weder durch feindliche Übergriffe, noch durch Naturkatastrophen.


Die Lesung aus dem Buch Deuteronomium beschreibt einen Erntedankritus, den ein Familienoberhaupt nach der Erntearbeit im Jerusalemer Tempel zu vollziehen hatte. In diesen Dankritus eingearbeitet ist eine Art Glaubensbekenntnis, das die Geschichte des Volkes Israel - die Vorgeschichte auch der Familie, die den Erntedack feiert - zusammenfaßt. Das Bekenntnis beginnt beim Nomadendasein der aramäischen Vorfahren, die unter die Vorherrschaft der Ägypter geraten sind. Dort wurden sie zwar zahlreich, lebten jedoch auf der untersten gesellschaftlichen Stufe. Gott erhört das Schreien seines Volkes, erweist sich als Jahweh ("Ich bin der 'Ich bin da'") und fürhrt sie in dieses Land, das sie nun bewohnen und bewirtschaften. Es ist sagenhaft reich. Es fließt von Milch und Honig. Jedes Wort des Bekenntnisses spielt auf Momente der Exoduserzählung an. Die Befreiung endet noch nicht mir der Inbesitznahme des Landes. Sie reicht bis zur Eroberung Jerusalems und Errichtung des Tempels durch David und Salomo. Als Anerkennung dieser von Jahweh gestalteten Geschichte vollzieht das Familienoberhaupt den Erntedankritus, bei dem es sich vor Gott niederwirft.


Antwortpsalm am 1. Fastensonntag (C)
91,1-2. 10-15


Kv: Herr, sei bei mir in der Bedrängnis! - Kv.

Wer im Schutz des Höchsten wohnt,
der ruht im Schatten des Allmächtigen.
Ich sage zum HERRN: Du meine Zuflucht und meine Burg,
mein Gott, auf den ich vertraue. - Kv

Dir begegnet kein Unheil,
deinem Zelt naht keine Plage.
Denn er befiehlt seinen Engeln,
dich zu behüten auf all deinen Wegen. - Kv

Sie tragen dich auf Händen,
damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt;
du schreitest über Löwen und Nattern,
trittst auf junge Löwen und Drachen. - Kv

Weil er an mir hängt, will ich ihn retten.
Ich will ihn schützen, denn er kennt meinen Namen.
Ruft er zu mir, gebe ich ihm Antwort. /
In der Bedrängnis bin ich bei ihm,
ich reiße ihn heraus und bring ihn zu Ehren. - Kv


2. Lesung vom 1. Sonntag der Fastenzeit, Lesejahr C:
Röm 10,8-13


Lesung
   aus dem Brief des Apostels Paulus
   an die Gemeinde in Rom

Schwestern und Brüder!
Was sagt die Schrift?
Nahe ist dir das Wort
in deinem Mund und in deinem Herzen.
Das heißt: das Wort des Glaubens, das wir verkünden;
denn wenn du mit deinem Mund bekennst:
   "Herr ist Jesus" -
und in deinem Herzen glaubst:
   "Gott hat ihn von den Toten auferweckt",
so wirst du gerettet werden.
Denn mit dem Herzen glaubt man
   und das führt zur Gerechtigkeit,
mit dem Mund bekennt man
und das führt zur Rettung.
Denn die Schrift sagt:
   Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen.
Denn darin gibt es keinen Unterschied
   zwischen Juden und Griechen.
Denn alle haben denselben Herrn;
aus seinem Reichtum
   beschenkt er alle, die ihn anrufen.
Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft,
wird gerettet werden.



Die zweite Lesung ist dem Römerbrief des Apostels Paulus entnommen. Im 9. bis 11. Kapitel setzt sich Paulus mit dem Schicksal Israels auseinander. Er selbst kommt ja aus der jüdischen Tradition, war ein übereifriger gläubiger Jude. Ihn und viele christgläubige Juden beschäftigt nun die Frage: Hat das, was wir bis jetzt geglaubt haben, nun keine Bedeutung mehr? Oder war es gar umsonst? Paulus erklärt das bisher Geglaubte als im Glauben an Jesus Christus vollendet und als aufgehoben (im mehrfachen Sinn des Wortes). Er stellt dies dar, indem er - in für jüdische Ohren atemberaubender Weise - die alttestamentlichen Forderungen des Glaubens auf Jesus Christus überträgt. Diese Forderungen sieht er im christlichen Gottesdienst erfüllt. Dort wird Jesus als der Kyrios angerufen und bekannt. Kyrios (zu deutsch: Herr) ist ein hellenistischer Titel des Kaisers, der Göttlichkeit beansprucht. Die griechische Übersetzung des Alten Testamentes (die sog. Septuaginta) verwendet diesen Titel für Gott, die Christengemeinde für Jesus Christus. Die alttestamentliche Forderung, das Wort Gottes auf Schritt und Tritt im Herzen und im Mund zu tragen (Dtn 30,14) ist mit dem christlichen Bekenntnis zum Kyrios Jesus Christus erfüllt. Ebenso die Verheißung des Jesaja "Wer mit dem Herzen glaubt, wird nicht zugrunde gehen" (Jes 28,16); wie auch die Zusage des Propheten Joel: "Jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden".


In der zweiten Lesung aus dem Römerbrief werden der Glaube des Herzens und das Bekenntnis des Mundes zusammengesehen: Das Wort ist im Mund und im Herzen zu Hause. Gemeint ist das Wort Gottes, das Paulus verkündigt. Was Paulus verkündigt hat, wird besonders in dem Bekenntnis: "Jesus ist Herr" verbunden. Dabei ist das Bekenntnis "Jesus ist der Herr" im Glauben begründet, dass Gott ihn von den Toten auferweckt hat. Paulus unterscheidet zwar Mund und Herz, trennt sie aber nicht. Er hätte auch schreiben können: Das Bekenntnis, Gott hat Jesus von den Toten auferweckt, wurzelt im Glauben "Jesus ist der Herr". Der Mund sagt also nichts anderes als das Herz glauben kann, und im Herzen kann kein Glauben sein, der nicht aussprechbar wäre und bekannt werden könnte. Dass Herz und Mund im Einklang sind, bezieht Paulus auf das Heil. Dabei fällt der Unterschied zwischen Juden und Griechen einfach weg. Im Schlusssatz formuliert Paulus, dass jeder, der den Kyrios (Jesus) anruft, gerettet wird. Diese Zuversicht entspricht dem Herrsein Jesu, das in der Auferweckung nicht nur sichtbar wird, sondern alle Glaubende in das neue Leben einbezieht.


Paulus beschäftigt sich in seinem Brief an die Römer u. a. mit dem Verhältnis zwischen Juden und Griechen auf der einen Seite und Christen auf der anderen. Es liegt ihm daran aufzuzeigen, dass alle die Chance haben, gerettet zu werden. Das Entscheidende ist, den Glauben an Jesus Christus zu bekennen. Im vorliegenden Abschnitt ist in Vers 9 eine Passage eingearbeitet, die vielleicht einmal ein Taufbekenntnis war. Hier werden zentrale Aussagen des christlichen Glaubens zusammengefasst. Immer wieder bezieht sich Paulus auf Worte der Schrift, auf Worte des Glaubens. Damit greift er die überlieferten Texte der Heiligen Schrift auf und deutet sie neu. Das entspricht der damaligen Auslegungsmethode. Das Vertrauen in die Schrift war sehr groß. In ihr sprach Gott selbst - über die Zeiten hinweg. Die konkrete und aktualisierte Ausdeutung fand jeweils neu statt - vor dem Hintergrund der jeweiligen Alltagserfahrungen. Somit handelt es sich bei dieser Methode um eine wesentlich auf den Hörer bezogene Auslegung. Das ermöglichte auch, Texte der Tora im christlichen Horizont zu deuten, auch wenn dadurch der ursprüngliche Sinn gänzlich verloren ging, vielleicht sogar konterkariert wurde. Entscheidend war immer, wie das Wort Gottes vor dem Hintergrund der jeweiligen Alltagserfahrungen verstanden werden konnte. So konnte Paulus auch in Jesus Christus die Erfüllung der alttestamentlichen Verheißungen sehen. Im Glauben an Jesus Christus finden für Paulus die alttestamentlichen Weisungen ihr Ziel.


Ruf vor dem Evangelium am 1. Fastensonntag (C)
vgl. Mt 4,4b


Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!
Nicht nur vom Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!


Evangelium vom 1. Sonntag der Fastenzeit, Lesejahr C:
Lk 4,1-13


Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

In jener Zeit
   kehrte Jesus,
   erfüllt vom Heiligen Geist,
   vom Jordan zurück.
Er wurde vom Geist in der Wüste umhergeführt,
  vierzig Tage lang,
und er wurde vom Teufel versucht.
In jenen Tagen aß er nichts;
als sie aber vorüber waren,
   hungerte ihn.
Da sagte der Teufel zu ihm:
   Wenn du Gottes Sohn bist,
   so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden.
Jesus antwortete ihm:
Es steht geschrieben:
   Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.
Da führte ihn der Teufel hinauf
   und zeigte ihm in einem Augenblick
   alle Reiche des Erdkreises.
Und er sagte zu ihm:
   All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche
   will ich dir geben;
denn sie sind mir überlassen
und ich gebe sie, wem ich will.
Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest,
   wird dir alles gehören.
Jesus antwortete ihm:
Es steht geschrieben:
   Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen
und ihm allein dienen.
Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem,
stellte ihn oben auf den Tempel
und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist,
   so stürz dich von hier hinab;
denn es steht geschrieben:
   Seinen Engeln befiehlt er deinetwegen, dich zu behüten;
und:
Sie werden dich auf ihren Händen tragen,
   damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt.
Da antwortete ihm Jesus:
Es ist gesagt:
   Du sollst den Herrn, deinen Gott,
   nicht auf die Probe stellen.
Nach diesen Versuchungen
ließ der Teufel bis zur bestimmten Zeit von ihm ab.



Die Versuchung Jesu findet sich in den drei synoptischen Evangelien, wobei die markinische Fassung nur 2 Verse umfasst (Mk 1,12-13). Ausführlicher sind die Fassungen bei Matthäus (Mt 4,1-11) und Lukas (Lk 4,1-13) gehalten. Diesen ausführlichen Versionen liegt neben Mk die Quelle Q zugrunde. Auch in der Wortwahl weisen Mt und Lk auf den Einfluss einer dritten Quelle hin. So bezeichnen Mt und Lk den Teufel mit "diabolos", während Mk den Begriff "satanas" wählt. Mt und Lk unterscheiden sich aber auch in manchen Punkten. Am auffälligsten ist vielleicht die unterschiedliche Reihenfolge der Versuchungen. Die Versuchung, aus Steinen Brot zu machen, steht bei beiden an erster Stelle. Die anderen beiden Versuchungen sind aber bei Mt und Lk in der Reihenfolge vertauscht. Welche Reihenfolge die ursprünglichere ist, lässt sich nicht genau klären. Die Dreizahl der Versuchungen wird in der jüdischen Tradition so verstanden, dass durch die dreimalige Wiederholung, ein Vorgang vollständig, abgeschlossen und endgültig ist. Das wichtigste Element bildet jeweils den Schluss. Somit hat Lk seiner 3. Versuchung, der Versuchung Gottes, die größte Bedeutung zugemessen. Die 40 Tage greifen auch eine traditionelle Symbolik auf. 40 Tage sind ein typischer Zeitraum für eine Vorbereitungszeit, für eine Zeit der Erkenntnis. Interessant ist, dass es der Geist ist, der Jesus in die Wüste führt. Dort wird dann der Teufel aktiv. Aber der Teufel scheitert mit seinen Versuchungen auf der ganzen Linie angesichts der Reaktionen Jesu. Auf der Erzählebene steht die Versuchungsgeschichte neben der Tauferzählung. Die Taufe, aber auch das siegreiche Bestehen der Versuchungen weisen Jesus als den wirkmächtigen Sohn Gottes aus. So ist die christologische Zielrichtung besonders ausgeprägt. In der Auslegungsgeschichte wurden aber auch häufig ethische Interpretationen bevorzugt. So versteht Ambrosius die Geschichte als eine Absage an die Versuchungen der Völlerei, der Eitelkeit und des Ehrgeizes. Calvin sieht zwischen Gott und den Menschen einen großen Unterschied. Anhand der Versuchungen findet er bestätigt, dass es vermessen ist, wenn der Mensch dem Beispiel Jesu nachfolgen will. Die Versuchung besteht seiner Ansicht nach darin, sich von Gott zu entfernen. Spirituelle Auslegungen betonen die Bedürfnislosigkeit Jesu, wenn es um ein höheres Ziel geht und sie sehen darin ein nachahmenswertes Beispiel.


Die Versuchung Jesu folgt seiner Taufe und steht am Anfang seiner öffentlichen Wirksamkeit. Danach wird er "eine gewisse Zeit" in Ruhe gelassen. Erst in Lk 22,31 tritt der Versucher dann wieder auf - aber als der, der die Jünger siebt wie Weizen. Die Versuchung hat drei Szenen und ist mit drei Orten verbunden: der Wüste, einem sehr hohen Berg und Jerusalem. Alle drei Orte spielen in der Geschichte Israels große Rollen: die Wüstenwanderung erzählt von dem Weg in das gelobte Land, der Berg steht für die Offenbarung Gottes (und der Gabe der Gebote) und Jerusalem ist der Ort, an dem sein Name wohnt. Die Versuchungsgeschichte Jesu bündelt die Geschichte Gottes mit seinem Volk brennpunktartig. Die erste Szene hält fest, dass der Mensch nicht nur von Brot lebt, die zweite, dass nur Gott Anbetung zukommt und die dritte, dass er nicht dienstbar gemacht werden kann. Dabei fällt auf, dass die einzige Waffe, die Jesus einsetzt, das Wort der Schrift ist - an dieses Wort kommt der Versucher nicht vorbei und nicht heran. Seine Argumentation allerdings zeigt ihn als Kenner der Schrift. Der Teufel wird als Ausleger vorgestellt, der sich hinter dem Wort Gottes versteckt. Höchste Aufmerksamkeit ist geboten. Formal ähneln sich die erste und die dritte Versuchung: Jesus wird als Sohn Gottes angesprochen und ernst genommen (vgl. Taufe Jesu). Erliegt er, ist mit ihm Gott selbst getroffen und entthront. In der Mitte steht die Bergszene. In einem Augenblick liegen alle Reiche der Erde Jesus zu Füßen, aber der Versucher tritt als der auf, der über sie befinden könnte. Erliegt Jesus, wäre der Teufel auf den Thron Gottes gekommen. Die Versuchungsgeschichte Jesu lässt die Irrwege des Volkes Gottes sichtbar werden: sie träumten auf dem Weg in die Freiheit von den Fleischtöpfen Ägyptens, sie beteten das goldene Stierbild an und als sie den Tempel in Jerusalem erbauten, dachten sie, Gott vereinnahmen zu können. Die Versuchungsgeschichte Jesu weist aber auch Wege und Blicke in die Zukunft, die das Evangelium beschreibt: das gelingende Leben, das im Abendmahl geschenkt wird - auf dem Berg wird Jesus verklärt, wir hören die Stimme, dass er der liebe Sohn ist, den wir hören sollen - und in Jerusalem wird er hingerichtet, verlassen, aber auch auferweckt. Die Versuchungsgeschichte ist ein Schlüssel für das Leben und das Wirken Jesu. In drei Szenen wird jedoch auch anschaulich erzählt, was Menschen seit alters her in Versuchung führt und unglücklich macht: das Brot, die Macht und die Unterwerfung Gottes. Insofern lässt die Versuchungsgeschichte auch eine Steigerung erkennen, um sie gleichzeitig wieder einzuebnen: Schon in der Brot-Versuchung wird Gott nicht nur auf die Probe, sondern grundsätzlich in Frage gestellt. Eine ausführlichere Exegese ist zu finden unter: http://www.perikopen.de/Lesejahr_C/1Fast_C_Lk4_1-13_Sigismund.pdf Und wer die Auslegung der Kirchenväter bedenken möchte, wird fündig unter: http://www.catena-aurea.de/ljcqu1.html


Als Evangelium des 1. Fastensonntags wird die Erzählung von den Versuchungen Jesu nach Lukas vorgelesen. Diese Erzählung schließt an die Erzählung von der Taufe Jesu und der Offenbarung als "Sohn Gottes", als Messias an. Sie will einem falschen Messiasverständnis vorbauen. In dieser Erzählung wird zusammengefasst, was in vielen weiteren Episoden und Ereignissen des Lukasevangeliums aufgezeigt wird. Jede der 3 Versuchungen ist als Lehrbeispiel aufgebaut. Auf die Einladung des Versuchers erfolgt die Auntwort in der Gestalt eines Schriftzitates. Das Schriftwort soll den schriftkundigen Zuhöreren erklären, dass der Messias anders ist und ein anderes Schicksal zu erleiden hat, als die landläufige Meinung erwartete. Zugleich wollen die Zitate die Christengemeinde vor den Versuchungen warnen, denen sie ausgesetzt ist. Die Gestalt des Satans ist zumindest in der 1. und 3. Versuchung an die literarische Gestalt des Versuchers der Hiobgeschichte angelehnt. Sie greift eine alte Vorstellung auf, in der beim Gericht vor dem Thron Gottes ein Versucher die Aufgabe übernimmt, den Menschen auf Herz und Nieren zu prüfen. Die Bezeichnung Satan erinnert auch an den Versuch des Petrus, Jesus vom Leidensweg abzuhalten. Dort nennt Jesus den Petrus Satan, Versucher. In der 2. Versuchung tritt der Satan jedoch eher in der Gestalt des Verderbers auf. In der 1. Versuchung geht es um die Wundermacht des Messias. Diese ist nicht Selbstzweck. In den Wundern Jesu geht es nicht darum, die Schöpfung zu korrigieren oder sich das Leben zu erleichtern, sondern um das Wirken und die Macht Gottes zu bezeugen. Gleichzeitig wird den Christen bedeutet, daß sie es durch ihren Glauben an den Messias nicht leichter oder besser haben werden als die übrigen Menschen. Sie sind den Sorgen und Nöten des Alltags, etwa der Sorge um das tägliche Brot nicht enthoben. In der 2. Versuchung will der Satan Jesus dazu verführen, ihn als Gott und Herrn anzubeten. Sie will deutlich machen, daß Jesus sich nicht als politischer Messias verstanden hat, der die Fremdherrschaft abschüttelt und das davidische Reich wieder aufrichtet. Die Christen werden damit darauf hingewiesen, daß es nicht um das Erlangen politischen Einflusses geht, sondern um die Anerkennung der Herrschaft Gottes. Die 3. Versuchung will die Gläubigen vor der naiven Annahme bewahren, daß denen, die Gott vertrauen, Verfolgung und Not erspart bleibt. Auch dem Messias ist nicht die Schmach des Kreuzes erspart geblieben.




Pater Bernhard Bossert gestorben

Am Dienstag, 7. Mai 2019 ist unser langjähriger Mitarbeiter Pater Bernhard Bossert CSsR im Alter von 77 Jahren im Starnberger Krankenhaus verstorben.
P. Bernhard Bossert war mit Leib und Seele Erzieher, Gemeindemissionar und Krankenhausseelsorger.
Er verfasste zuletzt fast für jeden Sonntag Predigtgedanken für das Predigtforum.
Danke Pater Bernhard!
R.I.P.

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