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26.06.2019

Lesungen 31.03.2019

31. Mär. 2019
4. Fastensonntag (C)


1. Lesung

Lesung aus dem Buch Josua.

In jenen Tagen
   sagte der HERR sagte zu Josua:
Heute habe ich die ägyptische Schande von euch abgewälzt.
Als die Israeliten in Gilgal ihr Lager hatten,
   feierten sie am Abend des vierzehnten Tages jenes Monats
   in den Steppen von Jericho das Pessach.
Am Tag nach dem Pessach, genau an diesem Tag,
   aßen sie ungesäuerte Brote und geröstetes Getreide
   aus dem Ertrag des Landes.
Vom folgenden Tag an,
   nachdem sie von dem Ertrag des Landes gegessen hatten,
   blieb das Manna aus;
von da an hatten die Israeliten kein Manna mehr,
denn sie aßen in jenem Jahr von der Ernte des Landes Kanaan.



Die Lesung aus dem Buch Josua bewahrt eine kostbare Erinnerung auf: Israel kann von den Erträgen des ihm von Jahwe geschenkten "gelobten" Landes leben - es fällt zwar kein Manna mehr von Himmel, dafür aber gehört zur Freiheit, auf eigenen Füßen stehen zu können. Verbunden ist diese Erfahrung, die sich jetzt endgültig von den traumatischen "Fleischtöpfen Ägyptens" löst, mit der Passahfeier und wird in ihr - von Generation zu Generation - neu vergegenwärtigt.


Am Beginn des Josuabuches, das nach dem Tod Mose beim Einzug Israels ins verheißene Land ansetzt, geht es um die Anfänge des Volkes Israels, um die Verherrlichung ihrer Herrscher und ihrer Macht. Auffallend an dieser Perikope 5,2-12 sind die vielen Beziehungen zum Buch Exodus mit den Motiven der Beschneidung (Ex 4,24ff), der Paschafeier (Ex 12) und dem Manna (Ex 16,35). In Vers 9a ist der "Name" sehr wichtig: sowohl das Tetragramm JHWH ("Jahwe" = der Herr), als auch der Name des Anführers Josua (= "Jahwe ist Rettung") - dessen griechische Variante "Jesus" heisst! Die hier genannte "ägyptische Schande" meint wohl die Knechtschaft, das Leben auf fremdem und nicht eigenem Land. Die in Vers 10 genannte Datierung mit dem ersten Frühlingsneumond (als Paschatermin) hatte großen Einfluss auf den christlichen Ostertermin. Das Fest der ungesäuerten Brote (Mazzot: Vers 11) war ursprünglich wohl ein vom Pesachfest unabhängiges Fest. Vers 12 sagt, dass hier ein neuer Abschnitt des Volkes Israel beginnt. Dieser Neubeginn wird auch durch die Zeichenhandlung der Beschneidung (Verse 2-8) gefestigt: Die Israeliten sind nicht mehr von den Ägyptern abhängig, sondern sind nun Gottes Volk. Durch die Auswahl dieser Stelle als Lesung in der Fastenzeit wird eine wichtige Etappe der Heilsgeschichte im Anweg auf Ostern benannt.


Antwortpsalm

Kv - Kostet und seht, wie gut der Herr ist! – Kv
(Oder GL 39,1)

I
ch will den HERRN allezeit preisen;
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des HERRN;
die Armen sollen es hören und sich freuen. - Kv

Preist mit mir die Größe des HERRN,
lasst uns gemeinsam seinen Namen erheben!
Ich suchte den HERRN und er gab mir Antwort,
er hat mich all meinen Ängsten entrissen. - Kv

Die auf ihn blickten, werden strahlen,
nie soll ihr Angesicht vor Scham erröten.
Da rief ein Armer und der HERR erhörte ihn
und half ihm aus all seinen Nöten. - Kv


2. Lesung vom 4. Fastensonntag, Lesejahr C:
2 Kor 5,17-21


Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus
   an die Gemeinde in Korinth.

Schwestern und Brüder!
Wenn also jemand in Christus ist,
   dann ist er eine neue Schöpfung:
Das Alte ist vergangen,
   siehe, Neues ist geworden.
Aber das alles kommt von Gott,
   der uns durch Christus mit sich versöhnt
   und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.
Ja, Gott war es,
   der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat,
indem er ihnen ihre Verfehlungen nicht anrechnete
   und unter uns das Wort von der Versöhnung aufgerichtet hat.
Wir sind also Gesandte an Christi statt
und Gott ist es, der durch uns mahnt.
Wir bitten an Christi statt:
   Lasst euch mit Gott versöhnen! 
Er hat den, der keine Sünde kannte,
   für uns zur Sünde gemacht,
damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes würden.



Paulus beschreibt den Glauben an Christus als "neue Schöpfung". In Christus ist das Alte vergangen - hier bezogen auf die Sünde, die Menschen von Gott und von einander trennt. Das Neue, das mit Christus "von Gott kommt", ist die Versöhnung. Sie wird geradezu gleich gesetzt mit der Schöpfung, die am Anfang und von Anfang an Leben gewährt und erhält. Dabei ist die Versöhnung sogar die Vollendung der Schöpfung, weil die Einheit mit Gott wieder geschenkt wird, die vor allem Anfang war. Für Paulus folgt daraus, dass er - allerdings pointiert formuliert: "wir" - Gesandter Christi ist und an seiner statt mahnt und bittet: Lasst euch mit Gott versöhnen. Im Hintergrund werden tiefsitzende und weitreichende Konflikte deutlich, die die Gemeinde in Korinth zu zerreißen drohte. Ein Anlass war die Person und die Verkündigung des Paulus. Er verteidigt sich zwar, weist aber auf die Versöhnung Christi hin, um die Gemeinde davor zu bewahren, sie in Gezänk und Eifersüchteleien zu verspielen. Wenn Jesus, "der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht wurde, damit wird in ihm die Gerechtigkeit Gottes würden", dann kann auch in der Gemeinde die neue Schöpfung sichtbar werden. Zu den Merkmalen der neuen Schöpfung gehört, die geschenkte Einheit zu leben und zu bewähren - und das in der Kraft der Versöhnung.


Das Thema der Versöhnung ist Paulus in mehrfacher Hinsicht sehr wichtig: Es gibt die Versöhnungstat, die Gott selber setzt (vgl. 5,18b. 19a. 21). Er ist der, der versöhnt; der handelt - und der Mensch ist es, der versöhnt wird. Es ist dies ein reines Gnadenhandeln Gottes, unabhängig vom Handeln des Menschen. Der Tod Jesu ist das Mittel der Versöhnung - aber nicht das Mittel, um Gottes Gnade zu erwirken, denn die Initiative geht von Gott aus. Das "Neue" (Vers 17) ist die Versöhnung, in der wir nun leben. Doch als Folge dieses Versöhnungshandelns wird auch dem Menschen die Versöhnung aufgetragen (Vers 18b): im Handeln und im Wort (Vers 19b). Als seine "Gesandte" sollen wir nun Versöhnung wirken - und uns zuerst selber mit Gott versöhnen lassen (Vers 20). Paulus betont dieses Versöhnungshandeln und die Neuschöpfung auch im Hinblick auf das Alte Testament: Für die Juden war nämlich das jährliche stellvertretende Versöhnungshandeln des Hohenpriesters zentraler Punkt ihres Glaubens ("Jom Kippur"). - Paulus sagt, dass in Christus dieses Handeln abgeschlossen ist: Wer in ihm ist, ist neue Schöpfung, ist versöhnt.


Ruf vor dem Evangelium am 4. Fastensonntag (C)
(Lk 15,18)


Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir! – Kv
Ich will zu meinem Vater gehen
und ihm sagen:
Vater, ich habe mich versündigt! gegen den Himmel und gegen dich.
Christus, du ewiges Wort des Vaters, Ehre sei dir!


Evangelium vom 4. Fastensonntag, Lesejahr C:
Lk 15,1-3.11-32


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas.

In jener Zeit
   kamen alle Zöllner und Sünder zu ihm,
   um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber
und sagten: Dieser nimmt Sünder auf
   und isst mit ihnen.
Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis
und sagte: Ein Mann hatte zwei Söhne.
Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater:
   Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht!
Da teilte der Vater das Vermögen unter sie auf.
Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen
   und zog in ein fernes Land.
Dort führte er ein zügelloses Leben
   und verschleuderte sein Vermögen.
Als er alles durchgebracht hatte,
   kam eine große Hungersnot über jenes Land
und er begann Not zu leiden.
Da ging er zu einem Bürger des Landes
   und drängte sich ihm auf;
der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.
Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt,
   die die Schweine fraßen;
aber niemand gab ihm davon.
Da ging er in sich
und sagte:
   Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss,
   ich aber komme hier vor Hunger um.
Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen
und zu ihm sagen: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.
Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein;
mach mich zu einem deiner Tagelöhner!
Dann brach er auf und ging zu seinem Vater.
Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen
und er hatte Mitleid mit ihm.
Er lief dem Sohn entgegen,
   fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Da sagte der Sohn zu ihm: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;
ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
Der Vater aber sagte zu seinen Knechten:
   Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an,
steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße!
Bringt das Mastkalb her und schlachtet es;
wir wollen essen und fröhlich sein.
Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden.
Und sie begannen, ein Fest zu feiern.
Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld.
Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam,
   hörte er Musik und Tanz.
Da rief er einen der Knechte
   und fragte, was das bedeuten solle.
Der Knecht antwortete ihm:
   Dein Bruder ist gekommen
   und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen,
   weil er ihn gesund wiederbekommen hat.
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.
Sein Vater aber kam heraus
   und redete ihm gut zu.
Doch er erwiderte seinem Vater:
   Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir
   und nie habe ich dein Gebot übertreten;
mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt,
   damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.
Kaum aber ist der hier gekommen,
   dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat,
   da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
Der Vater antwortete ihm:
   Mein Kind, du bist immer bei mir
und alles, was mein ist, ist auch dein.
Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen;
denn dieser, dein Bruder, war tot
   und lebt wieder;
er war verloren
   und ist wiedergefunden worden.



In Lukas 15 treffen wir auf ein Gleichnis in drei Variationen: von verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme - und vom verlorenen Sohn. Ausgangspunkt ist die Klage der Frommen, Jesus gebe sich mit Sündern ab und pflege sogar Gemeinschaft mit ihnen. Da erzählt Jesus ihnen ein Gleichnis. Dabei handelt es sich bei Lukas um sog. Sondergut, das auch wie anderes Sondergut bei ihm durch Anschaulichkeit, Lebensnähe und Menschlichkeit geprägt ist. Zu den Beispielen des Sondergutes gehören das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter und vom armen Lazarus - sprichwörtlich bis zum heutigen Tag. Obwohl auch vom verlorenen Sohn geredet wird, erlaubt die dritte Variation des einen Gleichnisses keine einfachen Gedankengänge. Wer ist hier verloren? Der jüngere Sohn, der geht - oder der ältere, der geblieben ist? Der die Freiheit suchte (und verspielte) - oder der, der über die heimatliche Scholle nie hinausgesehen hat und gar nicht weiß, was Leben heißt? Im Duktus des Gleichnisses wird manches offen gehalten. Diese "Leerstellen" machen das Gleichnis zu einem Lebens- und Leseabenteuer. Im Mittelpunkt steht der barmherzige Vater, der den jüngeren, gut ausgestattet, ziehen lässt, ohne ihn über die Risiken aufzuklären - ihm entgegenläuft und die gescheiterte Existenz in die Arme schließt - und den Bruder zur Mitfreude einlädt, nicht ohne ihn auf seine Privilegien aufmerksam zu machen. Dabei bekommt die Geschichte die Züge einer Auferstehungsgeschichte: Er war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer draußen bleibt - es bleibt offen, wie sich der Ältere dann letztlich entscheidet -, stirbt und geht verloren. So prägnant führt das Gleichnis am Ende zu den Anfängen zurück: Die Frommen, die sich von den Sündern abheben und separieren, sind Verfallene der Sünde, stehen in ihrem Bann und gehen mit ihr unter. Lukas hat dieses Sondergut in die Mitte seines Evangeliums gesetzt. Lukas erzählt die Geschichte Jesu als Geschichte des barmherzigen Vaters. Wenn er mit Sündern isst, wird einerseits das Abendmahl sichtbar, das Jesus mit seinen Jüngern – allesamt Versagern – in der „Nacht“ feiert, in der er verraten wird, aber auch die nachösterliche Gemeinschaft, die Jesus seinen Jüngern schenkte. Jesus hat von dem Mahl im Reiche Gottes gesprochen. Die Einladung des Vaters im Gleichnis bekommt in diesem Kontext eine besondere (B)deutung: Er war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer mit „er“ gemeint ist? Man wird das Gleichnis verlassen müssen, um ihm auf die Spur zu kommen. Wer dem Gleichnis weiter nachdenken möchte, findet eine Hilfe unter http://www.perikopen.de/Lesejahr_C/4Fast_C_Lk15_1-3_11-32_Diefenbach.pdf Die altkirchliche Auslegung ist zu finden unter http://www.catena-aurea.de/ljcpann24.htmlIn Lukas 15 treffen wir auf ein Gleichnis in drei Variationen: von verlorenen Schaf, von der verlorenen Drachme – und vom verlorenen Sohn. Ausgangspunkt ist die Klage der Frommen, Jesus gebe sich mit Sündern ab und pflege sogar Gemeinschaft mit ihnen. Da erzählt Jesus ihnen ein Gleichnis. Dabei handelt es sich bei Lukas um sog. Sondergut, das auch wie anderes Sondergut bei ihm durch Anschaulichkeit, Lebensnähe und Menschlichkeit geprägt ist. Zu den Beispielen des Sondergutes gehören das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter und vom armen Lazarus – sprichwörtlich bis zum heutigen Tag. Obwohl auch vom verlorenen Sohn geredet wird, erlaubt die dritte Variation des einen Gleichnisses keine einfachen Gedankengänge. Wer ist hier verloren? Der jüngere Sohn, der geht – oder der ältere, der geblieben ist? Der die Freiheit suchte (und verspielte) – oder der, der über die heimatliche Scholle nie hinausgesehen hat und gar nicht weiß, was Leben heißt? Im Duktus des Gleichnisses wird manches offen gehalten. Diese „Leerstellen“ machen das Gleichnis zu einem Lebens- und Leseabenteuer. Im Mittelpunkt steht der barmherzige Vater, der den jüngeren, gut ausgestattet, ziehen lässt, ohne ihn über die Risiken aufzuklären – ihm entgegenläuft und die gescheiterte Existenz in die Arme schließt – und den Bruder zur Mitfreude einlädt, nicht ohne ihn auf seine Privilegien aufmerksam zu machen. Dabei bekommt die Geschichte die Züge einer Auferstehungsgeschichte: Er war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer draußen bleibt – es bleibt offen, wie sich der Ältere dann letztlich entscheidet -, stirbt und geht verloren. So prägnant führt das Gleichnis am Ende zu den Anfängen zurück: Die Frommen, die sich von den Sündern abheben und separieren, sind Verfallene der Sünde, stehen in ihrem Bann und gehen mit ihr unter. Lukas hat dieses Sondergut in die Mitte seines Evangeliums gesetzt. Lukas erzählt die Geschichte Jesu als Geschichte des barmherzigen Vaters. Wenn er mit Sündern isst, wird einerseits das Abendmahl sichtbar, das Jesus mit seinen Jüngern – allesamt Versagern – in der „Nacht“ feiert, in der er verraten wird, aber auch die nachösterliche Gemeinschaft, die Jesus seinen Jüngern schenkte. Jesus hat von dem Mahl im Reiche Gottes gesprochen. Die Einladung des Vaters im Gleichnis bekommt in diesem Kontext eine besondere (B)deutung: Er war tot und lebt wieder, er war verloren und ist wieder gefunden worden. Wer mit „er“ gemeint ist? Man wird das Gleichnis verlassen müssen, um ihm auf die Spur zu kommen. Wer dem Gleichnis weiter nachdenken möchte, findet eine Hilfe unter http://www.perikopen.de/Lesejahr_C/4Fast_C_Lk15_1-3_11-32_Diefenbach.pdf Die altkirchliche Auslegung ist zu finden unter http://www.catena-aurea.de/ljcpann24.html


Die einleitenden Verse 15,1-3 geben den erzählerischen Rahmen an: Es geht um Apologetik, um die Verteidigung der Haltung Jesu und seines Handelns. Der unkonventionelle Umgang Jesu mit Sündern ist eine Herausforderung - sowohl für die Pharisäer und Schriftgelehrten, als auch wohl für "gesetzestreue" Anhänger Jesu selbst. Die beiden Gleichnisse Verse 4-10 zeigen Gottes Sorge um das Verlorene und seine Freude am Wiederfinden. Dies gipfelt in der Dramaturgie des Lukas im Gleichnis Verse 11-32. Diese vielleicht bekannteste Stelle des Lukas steht im Zentrum seines Evangeliums. Der Beginn des Gleichnisses ist auch für damalige Verhältnisse nichts Besonderes: Auszahlung des Erbteils für den Jüngeren (weil der Ältere der Nachfolger des Vaters war - vgl. Dtn 21,17; Sir 33,20-24); Leben im Ausland; die Rückkehr nach Hause, wenn keine Lebensgrundlage im Ausland mehr gegeben war. Der Rahmen des Üblichen wird durch das Verhalten des Hausherrn, des Vaters gesprengt: Er eilt (entgegen den Normen) dem Jüngeren entgegen - und behandelt ihn als Gleichgestellten. Worin liegt die Schuld des Jüngeren? - Nicht im Rechtlichen, sondern im Moralischen. Und nach der selbstverschuldeten Mittellosigkeit verdingt er sich als Schweinehirt - und fällt damit auch noch vom Gesetz ab. Vers 17 benennt den Wendepunkt: die Selbstbesinnung. Sie ist der erste Schritt zur Umkehr. Mit Vers 20 beginnt eigentlich erst die Geschichte; Verse 11-19 waren Vorbereitung. Im Mittelpunkt steht der Vater, sein verzeihendes Erbarmen sein Mitleid. Seine Vergebung geht dem Schuldbekenntnis des Sohnes voraus - Gottes Liebe kommt dem Menschen immer schon zuvor. Das folgende Mahl ist auch öffentlich Erweis der Rehabilitierung des Sohnes. (Vgl. den Zusammenhang von Buße, Verzeihung und eucharistischer Gemeinschaft in der Kirche!) Mit Vers 24 könnte das Gleichnis enden - doch nun tritt noch der ältere Sohn auf. Der Zorn dieses "Gerechten" (Vers 28) ist das Gegenteil des Erbarmens des Vaters; ihn empört die Außerkraftsetzung der gerechten Ordnung. Vers 31 zeigt, dass die Barmherzigkeit des Vaters auch den beleidigten Sohn und seine Haltung einschließt. - Aber der Schluss, die Reaktion des erstgeborenen Sohnes bleibt offen. Dieses Gleichnis wird auch "Evangelium im Evangelium" genannt und hatte/hat eine große Wirkungsgeschichte sowohl in der Kunst als auch in der Literatur.


Ungekürzte Fassung des
Evangelium des 4. Fastensonntag, Lesejahr C:
Lk 15,1-32


Aus dem hl. Evangelium nach Lukas.

In jener Zeit
   kamen alle Zöllner und Sünder zu ihm,
   um ihn zu hören.
Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber
und sagten: Dieser nimmt Sünder auf
   und isst mit ihnen.
Da erzählte er ihnen dieses Gleichnis
und sagte:
   Wenn einer von euch hundert Schafe hat
   und eins davon verliert,
   lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Wüste zurück
   und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?
Und wenn er es gefunden hat,
   nimmt er es voll Freude auf die Schultern,
und wenn er nach Hause kommt,
   ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen
und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir,
denn ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war!
Ich sage euch:
Ebenso wird im Himmel
   mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder,
   der umkehrt,
   als über neunundneunzig Gerechte,
   die keine Umkehr nötig haben.
Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat
   und eine davon verliert,
   zündet sie dann nicht eine Lampe an,
   fegt das Haus
   und sucht sorgfältig, bis sie die Drachme findet?
Und wenn sie diese gefunden hat,
   ruft sie die Freundinnen und Nachbarinnen zusammen
   und sagt: Freut euch mit mir,
   denn ich habe die Drachme wiedergefunden,
   die ich verloren hatte!
Ebenso, sage ich euch,
   herrscht bei den Engeln Gottes
   Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt.
Weiter sagte Jesus:
Ein Mann hatte zwei Söhne.
Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater:
   Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht!
Da teilte der Vater das Vermögen unter sie auf.
Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen
   und zog in ein fernes Land.
Dort führte er ein zügelloses Leben
   und verschleuderte sein Vermögen.
Als er alles durchgebracht hatte,
   kam eine große Hungersnot über jenes Land
und er begann Not zu leiden.
Da ging er zu einem Bürger des Landes
   und drängte sich ihm auf;
der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten.
Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt,
   die die Schweine fraßen;
aber niemand gab ihm davon.
Da ging er in sich
und sagte:
   Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss,
   ich aber komme hier vor Hunger um.
Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen
und zu ihm sagen: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt.
Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein;
mach mich zu einem deiner Tagelöhner!
Dann brach er auf und ging zu seinem Vater.
Der Vater sah ihn schon von Weitem kommen
und er hatte Mitleid mit ihm.
Er lief dem Sohn entgegen,
   fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Da sagte der Sohn zu ihm: Vater,
ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt;
ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein.
Der Vater aber sagte zu seinen Knechten:
   Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an,
steckt einen Ring an seine Hand und gebt ihm Sandalen an die Füße!
Bringt das Mastkalb her und schlachtet es;
wir wollen essen und fröhlich sein.
Denn dieser, mein Sohn, war tot und lebt wieder;
er war verloren und ist wiedergefunden worden.
Und sie begannen, ein Fest zu feiern.
Sein älterer Sohn aber war auf dem Feld.
Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam,
   hörte er Musik und Tanz.
Da rief er einen der Knechte
   und fragte, was das bedeuten solle.
Der Knecht antwortete ihm:
   Dein Bruder ist gekommen
   und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen,
   weil er ihn gesund wiederbekommen hat.
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen.
Sein Vater aber kam heraus
   und redete ihm gut zu.
Doch er erwiderte seinem Vater:
   Siehe, so viele Jahre schon diene ich dir
   und nie habe ich dein Gebot übertreten;
mir aber hast du nie einen Ziegenbock geschenkt,
   damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte.
Kaum aber ist der hier gekommen,
   dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat,
   da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet.
Der Vater antwortete ihm:
   Mein Kind, du bist immer bei mir
und alles, was mein ist, ist auch dein.
Aber man muss doch ein Fest feiern und sich freuen;
denn dieser, dein Bruder, war tot
   und lebt wieder;
er war verloren
   und ist wiedergefunden worden.


Evangelium vom 4. Fastensonntag, Lesejahr A:
Joh 9,1-41


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

Unterwegs sah Jesus einen Mann,
der seit seiner Geburt blind war.
Da fragten ihn seine Jünger:
Rabbi, wer hat gesündigt?
Er selbst oder seine Eltern, sodass er blind geboren wurde?
Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt,
sondern die Werke Gottes sollen an ihm offenbar werden.
Wir müssen, solange es Tag ist,
   die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat;
es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann.
Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.
Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde;
dann machte er mit dem Speichel einen Teig,
strich ihn dem Blinden auf die Augen
und sagte zu ihm:
   Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!
   Das heißt übersetzt: der Gesandte.
Der Mann ging fort und wusch sich.
Und als er zurückkam, konnte er sehen.
Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten,
sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
Einige sagten: Er ist es.
Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich.
Er selbst aber sagte: Ich bin es.
Da fragten sie ihn:
   Wie sind deine Augen geöffnet worden?
Er antwortete:
   Der Mann, der Jesus heißt,
   machte einen Teig,
   bestrich damit meine Augen
   und sagte zu mir:
Geh zum Schiloach und wasch dich!
Ich ging hin, wusch mich und konnte sehen.
Sie fragten ihn: Wo ist er?
Er sagte: Ich weiß es nicht.
Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war,
   zu den Pharisäern.
Es war aber Sabbat an dem Tag,
   als Jesus den Teig gemacht
   und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn,
   wie er sehend geworden sei.
Er antwortete ihnen:
   Er legte mir einen Teig auf die Augen
   und ich wusch mich und jetzt sehe ich.
Einige der Pharisäer sagten:
   Dieser Mensch ist nicht von Gott,
   weil er den Sabbat nicht hält.
Andere aber sagten:
   Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?
So entstand eine Spaltung unter ihnen.
Da fragten sie den Blinden noch einmal:
   Was sagst du selbst über ihn?
Er hat doch deine Augen geöffnet.
Der Mann sagte: Er ist ein Prophet.
Die Juden aber wollten nicht glauben,
   dass er blind gewesen und sehend geworden war.
Daher riefen sie die Eltern des von der Blindheit Geheilten
und fragten sie:
   Ist das euer Sohn,
   von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde?
   Wie kommt es, dass er jetzt sieht?
Seine Eltern antworteten:
   Wir wissen, dass er unser Sohn ist
   und dass er blind geboren wurde.
Wie es kommt, dass er jetzt sieht,
   das wissen wir nicht.
Und wer seine Augen geöffnet hat,
   das wissen wir auch nicht.
Fragt doch ihn selbst,
er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen!
Das sagten seine Eltern,
   weil sie sich vor den Juden fürchteten;
   denn die Juden hatten schon beschlossen,
   jeden, der ihn als den Christus bekenne,
   aus der Synagoge auszustoßen.
Deswegen sagten seine Eltern:
   Er ist alt genug, fragt ihn selbst!
Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war,
zum zweiten Mal und sagten zu ihm:
Gib Gott die Ehre!
Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.
Er antwortete:
   Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht.
   Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe.
Sie fragten ihn:
   Was hat er mit dir gemacht?
   Wie hat er deine Augen geöffnet?
Er antwortete ihnen:
   Ich habe es euch bereits gesagt,
   aber ihr habt nicht gehört.
Warum wollt ihr es noch einmal hören?
Wollt etwa auch ihr seine Jünger werden?
Da beschimpften sie ihn:
Du bist ein Jünger dieses Menschen;
wir aber sind Jünger des Mose.
Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat;
aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.
Der Mensch antwortete ihnen:
   Darin liegt ja das Erstaunliche,
   dass ihr nicht wisst, woher er kommt;
dabei hat er doch meine Augen geöffnet.
Wir wissen, dass Gott Sünder nicht erhört;
wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut,
   den erhört er.
Noch nie hat man gehört,
   dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.
Wenn dieser nicht von Gott wäre,
   dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.
Sie entgegneten ihm:
Du bist ganz und gar in Sünden geboren
und du willst uns belehren?
Und sie stießen ihn hinaus.
Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten,
und als er ihn traf, sagte er zu ihm:
   Glaubst du an den Menschensohn?
Da antwortete jener und sagte:
   Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube?
Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen;
   er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte: Ich glaube, Herr!
Und er warf sich vor ihm nieder. 
Da sprach Jesus:
   Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen:
   damit die nicht Sehenden sehen
   und die Sehenden blind werden.
Einige Pharisäer, die bei ihm waren,
   hörten dies.
Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?
Jesus sagte zu ihnen:
   Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde.
   Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen.
   Darum bleibt eure Sünde.



Das Evangelium des Johannes wurde gegen Ende des 1. Jahrhunderts (90 - 100) geschrieben und wird seit alters her das "geistliche Evangelium" (Clemens von Alexandrien, um 200 n. Chr.) genannt. Man wollte damit das Unterscheidende im Hinblick auf die anderen drei Evangelien (Synoptiker) kennzeichnen. Der johanneische Jesus offenbart sein Wesen als der von Gott gesandte Sohn durch Wunder (z.B. 2,11) und durch die für das vierte Evangelium typischen Offenbarungsreden. Beide sind eng aufeinander bezogen; auf eine Wundererzählung folgt daher häufig eine längere Rede oder auch eine "theologische Auseinandersetzung", die den tieferen Sinn des Wunders erschließt und die Menschen vom äußeren Geschehen zum Geheimnis der Person des Wundertäters hinführen soll. Joh nennt die Wunder (mit einer Ausnahme in 4,48) Zeichen. Sie sind die Wegzeichen, die in die Richtung weisen, in die die Menschen gehen sollen. Wer sie zu deuten versteht und ihnen folgt, kommt zu Jesus. Joh hat seine Wunderberichte einer vorliegenden Sammlung (der sogenannten "Zeichenquelle", die Jesus vor allem als Wundertäter schildert) entnommen. Vier von den sieben Wundern, die er berichtet, sind nicht bei den Synoptikern zu finden (Weinwunder: 2,1-11; Heilung des Lahmen: 5,1-9; Heilung des Blinden: 9,1-7; Auferweckung des Lazarus: 11,17-44). Den größten und auch theologisch bedeutsamsten Teil des Joh machen jedoch die "Reden" aus (Kap. 3; 4; 6; 8; 10; 15; 17). In ihnen erhebt Jesus immer wieder den Anspruch, der von Gott gesandte Offenbarer und einzige Mittler des Heils zu sein. Am ursprünglichen Schluss seines Evangeliums gibt der Evangelist den Zweck seiner Schrift an: Er hat dieses Evangelium geschrieben, "damit ihr glaubt, dass Jesus der Messias, der Sohn Gottes ist, und damit ihr durch den Glauben das Leben habt in seinem Namen" (20,31). Dies entspricht dem Ziel des Gekommenseins Jesu, der von sich sagt: "Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben" (10,10). Leben und Glauben sind Zentralbegriffe des Joh; dieses Leben gibt es nach Joh aber nur im Glauben an Jesus Christus, dem Sohn Gottes. (aus: Walter Vogel, Religion - CD für den Religionsunterricht) Jesus heilt in dieser Sonntagsperikope einen Blinden. Er ist Licht und bringt das Licht. Verhör und Diskussionen schließen sich an die Heilung an. Am Schluss werden der Glaube des Geheilten und die Verblendung der Pharisäer einander gegenübergestellt (35-41). Im Zentrum der Auseinandersetzung zwischen Jesus und seinen Gegnern (zwischen Judentum und dem Christentum) steht die Messiasfrage. Den Namen des Teiches Schiloach deutet der Evangelist als den "Gesandten", was auf Jesus hinweist, der Gesandter Gottes ist.


Die Frage der Jünger setzt die allgemein antike Vergeltungsauffassung voraus. Die Anrede Jesu als Rabbi verweist dahin, dass es um eine theologische Gesetzesstreitfrage geht. Die Konsequenz der Gesetzesfrömmigkeit mündet in der Auffassung, dass Krankheit die vergeltende und strafende Maßnahme Gottes ist. Jesus weist diese Zusammenhänge eindeutig zurück. Zugleich wird die Heilung Demonstration der Wirkkraft Gottes. Umständlich mutet die Vorgangsweise Jesu bezüglich der Heilung an. Auf die Erde spucken, Speichel, umrühren... Speichel gilt im Altertum als Heil- und Wundermittel. Eine weitere Sache liegt darin, wie sich später herausstellt bzw. wie der Evangelist einige Verse später nachträgt, dass das ganze an einem Sabbath passiert, und Speichel mit Erde verrühren da eben nicht erlaubt ist. Das Wasser des TeichesSchiloach bewirkt ebenfalls nicht das Wunder. Das Wunder geht dem Waschen durch Jesus voraus. Dann setzt das Streitgespräch ein. Speziell der Evangelist Johannes arbeitet in seiner Darstellung Jesu mit Streitgesprächen zwischen ihm und den Schriftgelehrten. Ein darin ständig wiederkehrender Zug ist, dass je länger das Streitgespräch dauert desto mehr das Niveau sinkt. Das Volk fällt in ratloses Staunens über diese Wunderheilung. Der Geheilte muss alles nochmals erzählen, der Heiler ist aber weg. Dann werden die Verwandten verhört. Die Pharisäer setzten alles dran, um Jesus nicht als Propheten anerkennen zu müssen. Weiters generalisiert der Evangelist, indem er von Pharisäern hinüberrutscht in die Verallgemeinerun "die Juden wollten nicht glauben". Eine Übertreibung des Evangelisten liegt in der Frage, ob der Heiler Sünder ist. Ein Sünder kann solches Wunder nicht tun? In der Antike waren jedoch Heilungen, auch solche wie diese nichts Extravagantes. Die Frage Jesu an den Geheilten, ob er an den Menschensohn glaube, unterstreicht, dass es nicht alleine um den Glauben betreffs der letzten Tage geht, sondern um das Hier und Heute. Der Heilsbringer ist bereits jetzt anzuerkennen.


Der Evangelientext ist dem Johannesevangelium entnommen. Er besteht aus mehreren Teilen: Zum einen aus dem Bericht der Blindenheilung, der keine direkte Verbindung zu den anderen drei Evangelien aufweist, und dadurch auf eine eigene von ihnen unabhängige Überlieferung hinweist. An ihn schließen sich sodann Dialogszenen in Form von Verhören an. Im letzten Teil kommt es zu einer Begegnung zwischen Jesus und dem Geheilten, der vom Geheilten zum Glaubenden wird. Der Teich Schiloach, durch den die Heilung des Blindgeborenen vollendet wird, wird durch die Namensdeutung (Schiloach = der Gesandte) mit Jesus in Verbindung gebracht. Jesus heilt als der Gesandte des Vaters. Das Anrühren des Breies ist Arbeit und somit für die gläubige Juden ein Sabbatbruch. Er wird zum "Aufhänger” für die Anklage Jesu. Die eingangs gestellte Frage, wer den gesündigt habe und somit schuldig an der Blindheit des Mannes sei, ist zwar nur ein Randthema der Perikope. Wie schwer sich Anschauung dieser Art ausrotten läßt, zeigt sich sogar noch in unseren Tagen (AIDS als Strafe Gottes?).


Kurzfassung des Evangeliums vom 4. Fastensonntag, Lesejahr A:
Joh 9,1. 6-9. 13-17. 34-38


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes.

Unterwegs sah Jesus einen Mann,
der seit seiner Geburt blind war.
Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde;
dann machte er mit dem Speichel einen Teig,
strich ihn dem Blinden auf die Augen
und sagte zu ihm:
   Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach!
   Das heißt übersetzt: der Gesandte.
Der Mann ging fort und wusch sich.
Und als er zurückkam, konnte er sehen.
Die Nachbarn und jene, die ihn früher als Bettler gesehen hatten,
sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?
Einige sagten: Er ist es.
Andere sagten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich.
Er selbst aber sagte: Ich bin es.
Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war,
   zu den Pharisäern.
Es war aber Sabbat an dem Tag,
   als Jesus den Teig gemacht
   und ihm die Augen geöffnet hatte.
Auch die Pharisäer fragten ihn,
   wie er sehend geworden sei.
Er antwortete ihnen:
   Er legte mir einen Teig auf die Augen
   und ich wusch mich und jetzt sehe ich.
Einige der Pharisäer sagten:
   Dieser Mensch ist nicht von Gott,
   weil er den Sabbat nicht hält.
Andere aber sagten:
   Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?
So entstand eine Spaltung unter ihnen.
Da fragten sie den Blinden noch einmal:
   Was sagst du selbst über ihn?
Er hat doch deine Augen geöffnet.
Der Mann sagte: Er ist ein Prophet.
Sie entgegneten ihm:
Du bist ganz und gar in Sünden geboren
und du willst uns belehren?
Und sie stießen ihn hinaus.
Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten,
und als er ihn traf, sagte er zu ihm:
   Glaubst du an den Menschensohn?
Da antwortete jener und sagte:
   Wer ist das, Herr, damit ich an ihn glaube?
Jesus sagte zu ihm: Du hast ihn bereits gesehen;
   er, der mit dir redet, ist es.
Er aber sagte: Ich glaube, Herr!
Und er warf sich vor ihm nieder. 
Da sprach Jesus:
   Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen:
   damit die nicht Sehenden sehen
   und die Sehenden blind werden.
Einige Pharisäer, die bei ihm waren,
   hörten dies.
Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?
Jesus sagte zu ihnen:
   Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde.
   Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen.
   Darum bleibt eure Sünde.




Pater Bernhard Bossert gestorben

Am Dienstag, 7. Mai 2019 ist unser langjähriger Mitarbeiter Pater Bernhard Bossert CSsR im Alter von 77 Jahren im Starnberger Krankenhaus verstorben.
P. Bernhard Bossert war mit Leib und Seele Erzieher, Gemeindemissionar und Krankenhausseelsorger.
Er verfasste zuletzt fast für jeden Sonntag Predigtgedanken für das Predigtforum.
Danke Pater Bernhard!
R.I.P.

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