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22.09.2018

Lesungen 16.04.2017


1. Lesung vom Ostersonntag:
Apg 10,34a. 37-43

Lesung aus der Apostelgeschichte: 

Da begann Petrus zu reden und sagte:
Ihr wißt, was im ganzen Land der Juden geschehen ist,
angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat
mit dem Heiligen Geist und mit Kraft, wie dieser umherzog, Gutes tat
und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren;
denn Gott war mit ihm.
Und wir sind Zeugen für alles,
was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat.
Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet.
Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt
und hat ihn erscheinen lassen,
zwar nicht dem ganzen Volk,
wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen:
uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten
gegessen und getrunken haben.
Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen:
Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.
Von ihm bezeugen alle Propheten, daß jeder, der an ihn glaubt,
durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.



Bei Petrus bricht allmählich eine vollkommen neue, tief greifende Erkenntnis durch: Die Heilsbotschaft Jesu Christi richtet sich nicht nur an die Juden, sondern an alle Menschen. Seine Rede soll das, was an den ehemaligen Heiden bereits geschehen ist, durch den Hinweis auf Gottes Handeln nachträglich verständlich machen. Mit der Formulierung „Ihr wisst, was … geschehen ist“ werden die Zuhörer damals und die Gottesdienstbesucher heute als christliche Gemeinde angesprochen, die sich immer wieder neu in den Grundlagen des Glaubens verankern muss. Dies sind - weitgehend analog zum Grundschema des Lukasevangeliums – die Stationen des Lebens Jesu. Besonders betont wird, dass Gott es ist, der an, in und durch Jesus wirkt: Gott salbt Jesus in der Taufe mit heiligem Geist und Kraft; Jesus tut Gutes, heilt und befreit, weil „Gott mit ihm war“ (V. 38). Auch die Auferweckung und die Erscheinungen des Auferstandenen werden im Sinne ältester Verkündigung als von Gott ausgehendes Geschehen verstanden (V. 40). Dieses Wirken Jesu aus der Kraft Gottes, sogar über seinen Tod hinaus, wird immer wieder durch Zeugen beglaubigt.

Die Rede schließt mit der neuartigen Erkenntnis des Petrus vom Heil für alle Menschen: „Jeder, der an ihn glaubt, empfängt durch seinen Namen die Vergebung der Sünden“ (V. 43). Für die heutigen Hörer/-innen ist dies zuallererst ein ganz persönlicher Zuspruch: „Auch mir sind meine „Sünden vergeben“, d.h. ich bin befreit von dem, was mich innerlich fesselt und an erfülltem Leben hindert. Diese Erlösung muss ich mir nicht verdienen, sondern das Heil ist mir geschenkt, wenn ich bereit bin, darauf zu vertrauen, dass in Jesus Gott damals wirkte und heute noch wirkt.“ Zugleich fordert dieser Gedanke uns als Christen heute aber auch heraus: Wenn das Heil jedem geschenkt wird, der bereit ist, an Christus zu glauben, hat kein Christ das Recht einem anderen Menschen darüber hinaus Bedingungen zu stellen oder ihn als unwürdig zu verurteilen. Dieses Umdenken kann für manchen ein schwieriger Prozess sein. Da ist es tröstlich, dass auch Petrus einer Vision und Weisung Gottes bedurfte, um seine engstirnigen Vorstellungen zu überwinden und schließlich die bereits von Gottes Geist erfüllten „Heiden“ im Namen Jesu zu taufen. (vgl. Apg 10,44-48).

Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C4/2010. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2010, S. 24-38.


Im Gesamt der Apostelgeschichte befindet sich der heutige Lesungstext im zweiten Teil. nach der Schilderung der Geschichte der Kirche in Jerusalem und der Erfahrung der Kirche mit Saulus/Paulus geht es um die Erfahrungen der heidenchristlichen Gemeinden. Der heutigen Lesung voraus ging die Suche des Kornelius nach einem Weg zu Jesus. Der führte über die Taufe durch Petrus und wurde zu einem Segensweg. In dieser Situation kann Perus sagen: "Du hast den gefunden, der für dich Heil ist." Die Heilsgeschichte wird erzählt. Begegnungen mit Jesus von Nazareth befreiten viele zum Leben. Begegnungen mit Jesus wie Kornelius sie nun nach Ostern und Himmelfahrt hatte, befreit auch ihn zum Leben. Wenn Petrus diese Geschichte Jesu vor aufnahmebereiten Menschen erzählen kann, zeigt sich wieder: Jesus selbst greift ein. Er schafft die Konstellationen, die nötig sind.


Petrus bringt es auf den Punkt, was der Inhalt der Verkündigung ist: Das, was Jesus getan hat, ist nicht zu Ende. Das, was mit Jesus in Jerusalem geschah, war nicht das Ende. Petrus selber hatte es erlebt. Er selber stand vor dem Aus, durchlebte alle Zweifel und wurde fast "irre" an diesem Mann aus Nazareth. Doch Gottes Verheißung erfüllte sich: Jesus lebt - er hat sich gezeigt. Er hat sich denen gezeigt, die zweifelten und glaubten, die sich versteckten und nicht mehr weiterkonnten. Und diese ersten Zeuginnen und Zeugen verkünden die Auferstehung Jesus Christi. Sie sagten es weiter, was die Begegnung mit dem Auferstandenen an Hoffnung und Zukunft schenkt. Der Glaube an den Auferstandenen bewirkt in seinem Namen die Vergebung der Sünden. "Durch seine Wunden sind wir geheilt" und damit auch befähigt, Zeuginnen und Zeugen der Auferstehung zu sein, mit ihm zu essen und zu trinken.


Antwortpsalm am Ostersonntag
Ps 118,1-2. 16-17. 22-23

R Das ist der Tag, den der Herr gemacht,
lasst uns jubeln und seiner uns freuen. - R
Oder: Halleluja. - R

Danket dem Herrn, denn er ist gütig,     
denn seine Huld währt ewig!
So soll Israel sagen:
Denn seine Huld währt ewig. - (R)

Die Rechte des Herrn ist erhoben.
Die Rechte des Herrn wirkt mit Macht!  
Ich werde nicht sterben, sondern leben,
um die Taten des Herrn zu verkünden. - (R)

Der Stein, den die Bauleute verwarfen,
er ist zum Eckstein geworden.
Das hat der Herr vollbracht,
vor unseren Augen geschah dieses Wunder. - R


2. Lesung vom Ostersonntag, Lesejahre A/B/C:
Kol 3,1-4

Lesung aus dem Brief an die Kolosser:

Ihr seid mit Christus auferweckt;
darum strebt nach dem, was im Himmel ist,
wo Christus zur Rechten Gottes sitzt.
Richtet euren Sinn auf das Himmlische
und nicht auf das Irdische!
Denn ihr seid gestorben,
und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.
Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird,
dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit.



Die Einheitsübersetzung überschreibt Kol 3,1 - 4,6 als "Worte der Mahnung an die Getauften." Annahme des Jesusglaubens war schon geschehen. Es gibt eine neue Weltordnung, die sich auf Christus beruft. Eine Feier der Auferstehung Christi fragt nach der eigenen Beziehung zum Festgeheimnis. Kol 3,3 gibt die Antwort: "Euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott!".


Die Theologie des Kolosserbriefes konzentriert sich auf zwei bedeutende Themen: die Stellung Christi und seine Verkündigung in der Kirche. Die Taufe, in der für die Christen die Erlösung Realität wurde, spielt eine zentrale Rolle. Im Kapitel 3 hören wir eine mahnende Rede an die Gemeinde. Was das ermutigende darin ist: der Verfasser beginnt mit einer Zusage an die Gemeinde, dass die Gabe des Auferwecktseins mit Christus verliehen ist. Und diese Verbindung mit Christus ist die Basis für eine Gemeinde und jede und jeden Einzelnen, ein Leben zu führen, das seine Ausrichtung auf Christus zum Ziel hat. Dieses Ziel mündet dann in die Zukunftsperspektive, die in der Gemeinschaft mit Christus bei seinem künftigen Erscheinen besteht.


Die Verse der zweiten Lesung aus dem Brief an die Christen in Kolossä haben den Charakter einer Taufpredigt. Sie reflektieren, was die enge Verbindung mit Jesus Christus an den Seinen bewirkt: Die Teilhabe am neuen Leben des Auferstandenen. Von dieser neuen Lebenswirklichkeit her, fordert er einen entsprechenden Lebenswandel. Christen sind durch den Galuben und die Taufe aufs engste mit Christus verbunden. Dies gilt auch für die endgültige Zukunft der Christen, "wenn Christus offenbar wird".


2. Lesung vom Ostersonntag, Lesejahre A/B/C:
1 Kor 5,6b-8

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Wißt ihr nicht, daß ein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert?
Schafft den alten Sauerteig weg, damit ihr neuer Teig seid.
Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot;
denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden.
Laßt uns also das Fest nicht mit dem alten Sauerteig feiern,
nicht mit dem Sauerteig der Bosheit und Schlechtigkeit,
sondern mit den ungesäuerten Broten der Aufrichtigkeit und Wahrheit.



Der Anlass für diese Ermahnung des Paulus war ein Vorfall in der Gemeinde von Korinth: Ein Gemeindemitglied hatte verbotenerweise seine Stiefmutter zur Frau genommen. Statt dieses aus der Gemeinde auszuschließen, sahen die Korinther darin stolz einen Beweis christlicher Freiheit. Nach der Stellungnahme zum konkreten Fall fährt Paulus mit einer grundsätzlichen Mahnung zur Reinheit der Gemeinde fort. Dabei verwendet er die alttestamentlichen Symbole vom Sauerteig, ungesäuerten Broten und dem geopferten Paschalamm. Anders als den damaligen Adressaten des Paulusbriefes sind diese Bilder den heutigen Gottesdienstteilnehmern eher fremd. Sie erinnern sich allenfalls entfernt an die Lesung am Gründonnerstag (Ex 12,1-8.11-14: Pascha). Die konkrete Bildebene vom Sauerteig, von dem eine kleine Portion genügt, um eine große Menge Teig herzustellen, dürfte aber den meisten Frauen noch aus dem Alltag vertraut sein und so einen ersten Zugang zu diesem Gleichnis ermöglichen.

Das Gleichnis veranschaulicht, wie Sünde und Unrecht eine ganze Gemeinschaft, aber auch den einzelnen Menschen ganz durchsetzen können. Daraus folgt die energische Mahnung „Schafft den alten Sauerteig weg!“(V. 7a). Grundlegend dafür ist aber die schon erfolgte Befreiung von der Sünde durch den Tod Jesu: „Ihr seid ja schon ungesäuertes Brot; denn als unser Paschalamm ist Christus geopfert worden.“(V. 7b). Darin liegt die frohe Botschaft für die heutigen Hörer/-innen: Durch Jesu Tod und Auferstehung sind wir grundsätzlich schon erlöst und befreit, so dass lebenshinderliche Sichtweisen und Gewohnheiten keine absolute Macht mehr über uns haben. Da wir aber noch in derselben Welt und mit unseren menschlichen und persönlichen Grenzen leben, besteht die Gefahr, immer wieder in alte Lebensweisen und Verhaltensmuster zurückzufallen und uns davon fesseln zu lassen. Die grundlegende Freiheit als schon erlöste Christen kann uns aber den Schwung verleihen, diese lebenseinschränkenden Reste „hinauszufegen“ – eine Aufgabe, die im Alltag immer wieder notwendig ist. Das bedeutet aber gerade nicht, aus Angst vor kleinsten Anzeichen von schlechten Gewohnheiten eine Art „geistlichen Putzfimmel“ zu entwickeln. Gefährlich ist nämlich nicht die Tatsache an sich, dass da noch „Reste vom alten Sauerteig“ sind, sondern dass Stolz und die vermeintliche Sicherheit, ein für allemal befreit zu sein, blind machen können. Eine solche Haltung kritisiert Paulus ja gleich zu Beginn „Zu Unrecht rühmt ihr euch.“ (V. 6a). Stattdessen gilt es in aller Freiheit und Gelassenheit wachsam dafür zu bleiben, wie es um die innere Freiheit von uns selbst und unseren Gemeinschaften bestellt ist.

Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C4/2010. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2010, S. 24-38.


Paulus will in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth auf das Missverhältnis zwischen Selbstgefälligkeit und tatsächlichem Verhalten eingehen. Das negative Bild vom Sauerteig veranschaulicht die Ansteckungsgefahr durch das Böse. Die Verse sieben und acht zeigen eine Richtung auf, die zum Leben, zu Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit führen. Paulus erinnert an das Paschalamm, das sein Leben hingab für die Menschen. Somit ist das neue österliche Leben Gottes durchgebrochen. Diese Tat Gottes soll Konsequenzen in der Gemeinde aufzeigen - damals wie heute: Neuer Teig, ungesäuertes Brot ist notwendig, d. h. Bosheit und Unreinheit sollen überwunden werden und die einzelnen sowie die Gemeinde sollen ein Leben in österlicher Hoffnung führen, das von Lauterkeit und Aufrichtigkeit geprägt ist und Hoffnung ausstrahlt. Letztlich ist die Gemeinde durch die Tat Gottes, durch das von Gott geschenkte Heil schon gereinigt, d. h. die Gemeinde soll werden, soll leben, was sie im Grunde schon ist.


Zur Auswahl steht als zweite Lesung ein kurzer Abschnit aus dem ersten Korintherbrief. Darin greift Paulus auf einen alten jüdischen Osterbrauch zurück, um den Korinthern anläßlich eines Skandals (ein Fall von Blutschande in der Gemeinde) eine eindringliche Lehre zu erteilen. Vor dem Paschafest wurde der Sauerteig, den man beim Brotbacken jeweils beiseite gab und für das nächste Brotbacken aufhob, weggeworfen. Nach einigen Tagen, an denen man nur ungesäuertes Brot aß, setzte man neuen Sauerteig an. Dieses Brauch hält der Apostel seinen Adressaten vor und fordert sie auf, aus ihrem Leben den "alten Sauerteig" zu beseitigen und ein Leben zu führen, das der neuen Wirklichkeit entspricht.


Ruf vor dem Evangelium am Ostersonntag
vgl. 1 Kor 5, 7b-8a

Halleluja. Halleluja.
Unser Paschalamm ist geopfert: Christus.
So lasst uns das Festmahl feiern im Herrn.
Halleluja.


Evangelium vom Ostersonntag, Lesejahre A/B/C:
Joh 20,1-9

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens,
als es noch dunkel war,
zum Grab und sah, daß der Stein vom Grab weggenommen war.
Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte,
und sagte zu ihnen:
Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen,
und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.
Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus
und kamen zum Grab;
sie liefen beide zusammen dorthin,
aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus,
kam er als erster ans Grab.
Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen,
ging aber nicht hinein.
Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war,
und ging in das Grab hinein.
Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch,
das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte;
es lag aber nicht bei den Leinenbinden,
sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
Da ging auch der andere Jünger,
der zuerst an das Grab gekommen war, hinein;
er sah und glaubte.
Denn sie wußten noch nicht aus der Schrift,
daß er von den Toten auferstehen mußte.



Schon in der Kurzfassung des Evangeliums begegnet man drei Zeugen der Auferstehung: Maria von Magdala, Johannes als Lieblingsjünger Jesu und Petrus. In der Langfassung wird die tröstende Erfahrung Maria von Magdalas noch ergänzt. Diese drei Personen repräsentieren auch verschiedene Seiten der Gemeinde der Christen: Petrus als Vertreter des Amtes und der Leitung, der den ersten Blick in das Grab tut. Johannes als Mitglied des Kreises um Jesus, der geachtet wird und der auch im öffentlichen Leben als Zeuge für die Osterbotschaft auftreten darf. Maria von Magdala als Vertreterin derer, die den ganz anderen und neuen Umgang Jesu mit den Menschen erlebt haben. Diese drei zeigen auch unterschiedliche Reaktionen: Petrus nimmt war und kann es nicht erklären. Johannes glaubt, auch wenn ihm der Schlüssel noch fehlt. Maria von Magdala benennt ihren Zweifel und stellt sich den Antworten und Erfahrungen, die das Erlebte aufbrechen können. Ihr gibt sich der Auferstandene als erste zu erkennen.


Die Ostergeschichte des Johannesevangeliums beginnt mit dem Gang der Maria von Magdala zum Grab. Sie ist im selben Evangelium bereits als eine jener vier Frauen genannt worden, die unter dem Kreuz standen. Sie ist damit eine Verbindungsgestalt zwischen dem Kreuzes- und dem Ostergeschehen. Im Gegensatz zu den Ostererzählungen der anderen Evangelisten, werden bei Johannes keine weiteren Frauen genannt. Allerdings spricht Maria von Magdala Petrus und den Lieblingsjünger im Plural an ("wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat"), was darauf schließen lässt, dass doch auch andere Frauen beim Grab waren und dass dies auch im Johannesevangelium im Blick ist. Entsprechend der Geschehenslogik dieser Ostererzählung kann Maria von Magdala als "Erstzeugin" bezeichnet werden. Petrus wäre dann der "Hauptzeuge". Dies kommt darin zum Ausdruck, dass er das Grab als erster betreten darf. Er hält gewissermaßen amtlich fest, was mit Augen zu sehen ist. Der Jünger, den Jesus liebte, kann schließlich als der eigentliche "Glaubenszeuge" angesehen werden: "er sah und glaubte". Zu beachten ist der Fortschritt in den Beobachtungen der drei. Maria von Magdala nimmt zunächst nur wahr, dass der Stein vom Grab weg ist. Der Lieblingsjünger sieht, nachdem er als erster am Grab angekommen ist, die Leinenbinden. Petrus sieht zuletzt auch noch das zusammengefaltete Schweißtuch. Die Beobachtungen der beiden Jünger stoßen den ursprünglichen Verdacht der Maria von Magdala um, es handle sich wohl um einen Grabraub. Die ganze Erzählung läuft auf das Sehen und Glauben des Lieblingsjüngers zu. Er ist dem Petrus sowohl körperlich (im Wettlauf zum Grab) wie auch geistig-geistlich (in der Glaubenserkenntnis) überlegen. Auch der Lieblingsjünger ist im übrigen eine Verbindungsgestalt zum Kreuzesgeschehen, da das Johannesevangelium wie Maria von Magdala auch ihn unter dem Kreuz zeigt. Der letzte Vers setzt die Schlusspointe: "Denn sie wussten noch nicht aus der Schrift, dass er von den Toten auferstehen musste". Im Gegensatz dazu weiß der Hörer oder Leser dieser Ostererzählung aus der Schrift, unter anderem durch eben diese Erzählung, dass Jesus von den Toten auferstand. Darin liegt der spezifische Erkenntnisvorsprung der nachösterlichen Christen. Um so wunderbarer, dass die ersten, die zum Grab kamen, dennoch mehr als bloße Zeugen des leeren Grabes geblieben sind.


Anders als die anderen Evangelisten betont Johannes den Sonntag und die frühmorgendliche Dunkelheit. Dies kann als Metapher für die Abwesenheit Christi und die noch bestehende Unfähigkeit zu glauben gesehen werden. Wer von Christus aber ganz tief be- und angerührt ist, der kommt und sucht ihn auch in dieser Finsternis. Genau so macht es Maria von Magdala. Das Johannesevangelium läßt im Gegensatz zu den anderen Evagelien alle Elemente zur Beschreibung des Grabes (Engel, Versiegelung des Grabes etc.) weg und konzentriert sich auf das leere Grab - also gleichsam auf das Zentrum der Botschaft. Maria berichtet Petrus und Johannes vom leeren Grab und diese kommen, um es mit eigenen Augen zu sehen - und gelangen so zum Glauben.


Langfassung des
Evangeliums vom Ostersonntag:
Joh 20,1-18

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens,
als es noch dunkel war,
zum Grab und sah, daß der Stein vom Grab weggenommen war.
Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem Jünger, den Jesus liebte,
und sagte zu ihnen:
Man hat den Herrn aus dem Grab weggenommen,
und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.
Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab;
sie liefen beide zusammen dorthin,
aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus,
kam er als erster ans Grab.
Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen,
ging aber nicht hinein.
Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war,
und ging in das Grab hinein.
Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch,
das auf dem Kopf Jesu gelegen hatte;
es lag aber nicht bei den Leinenbinden,
sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.
Da ging auch der andere Jünger,
der zuerst an das Grab gekommen war, hinein;
er sah und glaubte.
Denn sie wußten noch nicht aus der Schrift,
daß er von den Toten auferstehen mußte.
Dann kehrten die Jünger wieder nach Hause zurück.
Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte.
Während sie weinte, beugte sie sich in die Grabkammer hinein.
Da sah sie zwei Engel in weißen Gewändern sitzen,
den einen dort, wo der Kopf,
den anderen dort, wo die Füße des Leichnams Jesu gelegen hatten.
Die Engel sagten zu ihr: Frau, warum weinst du?
Sie antwortete ihnen: Man hat meinen Herrn weggenommen,
und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat.
Als sie das gesagt hatte,
wandte sie sich um und sah Jesus dastehen,
wußte aber nicht, daß es Jesus war.
Jesus sagte zu ihr: Frau, warum weinst du? Wen suchst du?
Sie meinte, es sei der Gärtner, und sagte zu ihm:
Herr, wenn du ihn weggebracht hast,
sag mir, wohin du ihn gelegt hast.
Dann will ich ihn holen.
Jesus sagte zu ihr: Maria!
Da wandte sie sich ihm zu und sagte auf hebräisch zu ihm:
Rabbuni!, das heißt: Meister.
Jesus sagte zu ihr: Halte mich nicht fest;
denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen.
Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen:
Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater,
zu meinem Gott und zu eurem Gott.
Maria von Magdala ging zu den Jüngern und verkündete ihnen:
Ich habe den Herrn gesehen.
Und sie richtete aus, was er ihr gesagt hatte.


Evangelium von der Feier der Osternacht, Lesejahr C:
Lk 24,1-12

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas:

Am ersten Tag der Woche
gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben,
die sie zubereitet hatten,
in aller Frühe zum Grab.
Da sahen sie, daß der Stein vom Grab weggewälzt war;
sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn,
fanden sie nicht.
Während sie ratlos dastanden,
traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen.
Die Frauen erschraken und blickten zu Boden.
Die Männer aber sagten zu ihnen:
Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?
Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.
Erinnert euch an das, was er euch gesagt hat,
als er noch in Galiläa war:
Der Menschensohn muß den Sündern ausgeliefert
und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen.
Da erinnerten sie sich an seine Worte.
Und sie kehrten vom Grab in die Stadt zurück
und berichteten alles den Elf und den anderen Jüngern.
Es waren Maria Magdalena, Johanna
und Maria, die Mutter des Jakobus;
auch die übrigen Frauen, die bei ihnen waren,
erzählten es den Aposteln.
Doch die Apostel hielten das alles für Geschwätz
und glaubten ihnen nicht.
Petrus aber stand auf und lief zum Grab.
Er beugte sich vor, sah aber nur die Leinenbinden (dort liegen).
Dann ging er nach Hause,
voll Verwunderung über das, was geschehen war.



Bei diesem Evangelium am Ostertag mag es irritieren, dass keine direkte Begegnung mit dem Auferstandenen geschildert wird. Es geht vielmehr um den inneren Prozess, den die Frauen nach der Konfrontation mit dem brutalen Tod Jesu durchmachen. In eindrucksvollen Bildern wie dem weg gewälzten Stein, dem leeren Grab und Männern in leuchtenden Gewändern, durch die Nennung starker Gefühle wie Ratlosigkeit und Erschrecken wird zunächst beschrieben, wie die gewohnte Vorstellungswelt der Frauen durcheinander gebracht wird. Durch die paradox anmutende Botschaft der Engel: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden.“ (V. 5b-6a) und die Erinnerung an Jesu Ankündigung seiner Auferstehung (V. 7) finden die Frauen zu einer neuen Sichtweise des Todes Jesu. Sie bleiben nicht am Grab, sondern gehen zurück und berichten mutig die Neuigkeit den Jüngern. Die heutigen Hörer/-innen des Evangeliums werden ermutigt, sich in ihrem eigenen Leben auf solche Prozesse einzulassen, nämlich selbst in scheinbar aussichtslosen und endgültigen Situationen sich aus der Fixierung auf die Todes- und Schattenseiten zu lösen. Sich auf neue Sichtweisen und Deutungsmuster einzulassen kann den Blick für bisher ungeahnte Lebensmöglichkeiten öffnen. Die frohe Botschaft des Textes lautet dann: Gott will uns durch neues Denken mitten im Tod zu neuem Leben verlocken.

Auffällig an dieser Ostererzählung ist auch, dass Frauen („Maria Magdalene, Johanna und Maria, die Mutter des Jakobus; und die übrigen Frauen“ V. 10) die ersten waren, die die Botschaft von der Auferstehung annahmen, während die männlichen Jünger außer Petrus „das alles für Geschwätz hielten“ (V. 11). Dieser Aspekt der Überlieferung ist besonders bedeutsam dadurch, dass in den patriarchalen Gesellschaften des Orients wie dem Judentum zur Zeit Jesus das Zeugnis von Frauen beispielsweise vor Gericht nicht zählte. In mehreren Berichten der Evangelien dagegen spielen Frauen als erste Auferstehungszeuginnen eine hervorgehobene Rolle. Neben dem emanzipatorischen Impuls, der hiervon ausgeht, kann diese Tatsache aber auch auf etwas anderes hinweisen. Aus tiefenpsychologischer Sicht trägt jeder Mensch männliche und weibliche Anteile in sich. Und die spezifisch weiblichen Anteile und Einstellungen zum Leben scheinen es zu sein, die in dem heutigen Evangelium den Frauen den Zugang zur Osterbotschaft erleichtern: Sie machen sich nicht nur äußerlich auf zum Grab, sondern öffnen sich auch für das Unerwartete und Unvorstellbare. Sie sind empfänglich für die dem Leben zugewandte Sicht, die der Engel ihnen zumutet. Und sie strahlen Hoffnung aus, von der auch Petrus sich in Bewegung bringen lässt. Er überwindet seine männliche Skepsis, setzt sich wie die Frauen offen dem Unbegreiflichen aus und lässt Verwunderung in sich zu. So ermutigt das Beispiel der Frauen und des Petrus Menschen heute, in sich diese Haltungen zu fördern und sich damit dem von Gott verheißenen Leben zu öffnen.

Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C4/2010. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2010, S. 24-38.


Mit der Erzählung vom leeren Grab beginnt Lukas wie die anderen Evangelien den Osterbericht. Nach dem Ruhetag gehen die Frauen schon am frühesten Morgen zum Grab. Ihr Eifer und ihre Sehnsucht, die darin zum Ausdruck kommt, wird gebremst durch die unerwartete Situation des offenen Grabes. Die Frauen verstehen nicht, auch nicht, als sie feststellen müssen, daß das Grab leer ist. Sie denken weder an einen Diebstahl des Leichnams wie bei Matthäus und schon gar nicht an die Auferstehung. Das leere Grab für sich führt nicht zum Glauben. Zwei Gottesboten verkünden ihnen die Osterbotschaft: Jesus ist nicht tot, er lebt, weil Gott ihn auferweckt hat. Ein Lebender ist nicht an einem für Tote bestimmten Ort zu finden. Die Botschaft von der Auferstehung ist zugleich auch ein Denkanstoß. Bezeichnend für die lukanische Akzentuierung ist, daß die Sendung nach Galiläa fehlt: Jerusalem ist die Heilige Stadt, in der Jesus seine Sendung zu vollenden hat und von dort geht auch die Botschaft der Auferstehung aus (Apg 1,8). Die Frauen sollen sich an die Verkündigung Jesu selber erinnern. Erst im Zusammenhang mit dem Leben Jesu kann der österliche Glaube beginnen. Aus der anfänglichen Furcht wird Verstehen und die Frauen werden zu Zeuginnen der Auferstehung. Ohne daß sie eines Auftrages bedürfen, werden die Frauen Verkünderinnen der Osterbotschaft. Drei von den Frauen werden mit Namen genannt. Maria von Magdala findet sich in allen vier Traditionen, Lukas nennt auch noch Johanna (die Frau des Chuza, Lk 8,3) und Maria die Mutter des Jakobus. Im Unterschied zu den anderen Evangelien ist auch noch von anderen Frauen die Rede. Einige Exegeten gehen davon aus, daß parallel zum Zwölferkreis auch ein Frauenkreis existierte, bei dem Maria von Magdala eine Art Führungsrolle gehabt haben dürfte. Frauen sind die ersten Zeuginnen der Auferstehung Jesu. In den Aposteln findet der Osterglaube Widerstand. Nur Petrus läßt sich "bewegen", er steht auf und geht zum Grab, er überzeugt sich, ob das Grab wirklich leer ist. Aber auch er verläßt das Grab wieder, ohne die Osterbotschaft auch nur zu erwägen. Petrus bleibt in der Verwunderung stecken, kommt noch nicht zum Glauben. Das leere Grab allein ist kein eindeutiger Beweis auch wenn der Evangelist davon überzeugt ist, daß nach der Auferweckung der Leichnam Jesu nicht mehr im Grab sein kann.