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22.09.2018

Kontexte 31.03.2013


Schönster Herr Jesu

Münster 1677; Str. 2 bei Heinrich August Hoffmann von Fallersleben 1842 in: EG 403


Schönster Herr Jesu,
Herrscher aller Herren,
Gottes und Marien Sohn,
dich will ich lieben,
dich will ich ehren,
meiner Seele Freud und Kron.

Schön sind die Wälder,
schöner sind die Felder
in der schönen Frühlingszeit;
Jesus ist schöner,
Jesus ist reiner,
der mein traurig Herz erfreut.

Schön ist der Monde,
schöner ist die Sonne,
schön sind auch die Sterne all.
Jesus ist feiner,
Jesus ist reiner
als die Engel allzumal.

Schön sind die Blumen,
schöner sind die Menschen
in der frischen Jugendzeit;
sie müssen sterben,
müssen verderben:
Jesus bleibt in Ewigkeit.

Alle die Schönheit
Himmels und der Erden
ist gefaßt in dir allein.
Nichts soll mir werden
lieber auf Erden
als du, liebster Jesus mein.



Wünsche

Rose Ausländer, Gedichte. Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag 2001.


Ich möchte ein Magnolienbaum sein
Jahrhunderte alt
mit herrlichen Blüten

Eine Nachtigall möchte ich sein
deren Stimme jeden berückt

noch lieber ein Berg
von der Sonne umarmt
rein gewaschen vom Regen
endlose Gipfelschau
ein Jahrtausendeleben

Ach ich sprach wohl im Traum
kein Magnolienbaum keine Nachtigall
auch kein Berg
möchte ich sein

Ich will weiterhin ich sein
ein paar Menschen lieben
Weltspuren folgen
und wenn der Sprachgeist erlaubt
mit einigen Worten
meinen Tod überleben



Es heilt die Zeit

Johannes Kühn, 1980er Jahre. In: Lyrikkalender 2009. Für jeden Tag ein Gedicht. Ausgewählt von Michael Braun. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2008, Kalenderblatt vom 29.April 2009.


Vergraben bin ich in Scham,
dem roten Grab.
Da rütteln an den Wänden
die Stürme, steh auf!
Die Schnabelhiebe
der Frühlingsfinken
auch habens versucht.

Den Auferstehungston, wo find ich ihn?

Zeit,
deine Zähne,
die beißen mich frei.
Es wird der Landmann säen,
es wird die Goldschrift des Sommers
die Saaten schön beschreiben,
es wird der Herbst
mit Blätterwänden fallen,
dann vielleicht,
dann vielleicht werd ich frei.



Das elfte Gebot

Michael Krüger, in: Mit Gedichten durchs Jahr. Ein lyrischer Kalender mit 365 Gedichten. Ausgewählt von Daniel Kampa. Diogenes Verlag, Zürich 2012.


Du sollst
nicht sterben,

bitte.



Zum Leben auferstehen

Hallesche Universitätspredigten, Band IX. Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg. Herausgegeben von Jörg Ulrich. Theologische Fakultät Halle/Saale 2007.


Aus dem Tod ins Leben, das ist kein Ereignis, das uns irgendwann in weiter Ferne, so jedenfalls unser Denken, nach unserem Tod ereilt, nein, es ist ein alltägliches Geschehen, überall dort, wo jemand sich nicht mit den gegebenen Umständen zufrieden gibt, wo jemand nicht abwinkt und sagt, das ist nun mal so, sondern das Seine versucht.
Wenn wir mit offenen Augen durch die Welt gehen und Gottes Handeln entdecken, dann werden wir immer Hinweise finden, dass Menschen schon im Hier und Heute ins Leben kommen, im Hier und Heute zum Leben auferstehen, weil sie der Tod nicht schreckt.

Lassen Sie mich schließen mir einem Text von Kurt Marti:
            Ihr fragt  wie ist die Auferstehung der Toten?
               Ich weiß es nicht.
            Ihr fragt  wann ist die Auferstehung der Toten?
               Ich weiß es nicht.
            Ihr fragt  gibt's eine Auferstehung der Toten?
               Ich weiß es nicht.
            Ihr fragt  gibt's keine Auferstehung der Toten?
               Ich weiß es nicht,
            Ich weiß nur, wonach ihr nicht fragt:
               die Auferstehung derer, die leben.
            Ich weiß nur, wozu Er uns ruft:
               zur Auferstehung heute und jetzt.



Widersprüchlichkeit und innerlich reich gewordenes Leben

Eugen Drewermann, Tiefenpsychologie und Exegese. Band II. Patmos Verlag, Walter Verlag, 6. Aufl. der Sonderausgabe, Düsseldorf und Zürich 2001.


Die Widersprüchlichkeit des seelischen Erlebens wird oft in Märchen, Mythen oder Träumen in der Person von zwei einander entgegengesetzten Brüdern oder Heldengestalten symbolisiert. Auch die Gestalten von Petrus und dem "Lieblingsjünger" scheinen, wie in der Erzählung vom Wettlauf zum Grabe in Joh 20,3, in dieses archetypische Schema einzutreten. Beide verkörpern, psychologisch betrachtet, Strebungen und Fähigkeiten im Menschen, die an sich gegensätzlich nebeneinander stehen. [...] ganz so wie in Joh 20,4 beim Wettlauf zum Grabe, wo Petrus zwar als erster zum Grab kommt, der "Lieblingsjünger" aber aufgrund des leeren Grabes als erster zur inneren Einsicht, zum "Glauben" gelangt (Joh 20,8). Der "Lieblingsjünger" verkörpert, psychologisch gesehen, offenbar die intuitive, eidetische Erkenntnisfähigkeit des Menschen, das innere, gemüthafte, passive Wesen der menschlichen Psyche, während in Petrus eher das voluntative, rationale, aktive Element seinen Ausdruck findet. Beide Anlagen sind bis zu einem gewissen Grade miteinander unvereinbar, und jeder Mensch neigt deshalb mehr oder weniger ausschließlich in die eine oder in die andere Richtung seiner Seelenkräfte. Gleichwohl gehören beide Strebungen zum Menschen und müssen in irgendeiner Weise zusammenkommen. Sie können das freilich nur im Rahmen eines Lebens, bei dem die Anstrengungen des Willens durch das Einverständnis und die wohlwollende Zustimmung des Gefühls belohnt werden und in dem umgekehrt die inneren Wünsche und Bedürfnisse kein leerer Traum bleiben, sondern durch eigenes Tun in der Realität bestätigt werden. Nur in einem innerlich reich gewordenen Leben können Petrus und der "Lieblingsjünger" trotz der Verschiedenheit ihrer Natur harmonisch und sinnvoll zusammenwirken.