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16.10.2018

Lesungen 01.07.2018


1. Lesung vom 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Weish 1,13-15; 2,23-24  

Lesung aus dem Buch der Weisheit

Gott hat den Tod nicht gemacht und hat keine Freude am Untergang der Lebenden.
Zum Dasein hat er alles geschaffen,
und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt.
Kein Gift des Verderbens ist in ihnen,
das Reich des Todes hat keine Macht auf der Erde;
denn die Gerechtigkeit ist unsterblich.
Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen
und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.
Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt,
und ihn erfahren alle, die ihm angehören.



Die atl. Lesung stammt aus dem Buch der Weisheit, einem der jüngsten Bücher des Alten Testamentes. Die Weisheit ist als Mittlerin zwischen Gott und Menschen zu sehen. Ihr 'Gegenspieler' ist der endgültige Tod, vermittelt durch das personifizierte Böse, den Teufel. Das Buch der Weisheit ringt mit den Fragen: Wie wird Gott in der Welt erkannt? Was steht seiner Erkenntnis, was seinem Wirken entgegen?


Die weisheitliche Lesung, allerdings gestückelt, wurde passend zum Evangelium ausgewählt. Gott wird als Schöpfer vorgestellt, der das Leben will und den Menschen „zum Bild seines eigenen Wesens gemacht“ hat – also unsterblich. Darin begründet ist, dass Gott den Tod nicht gemacht hat. Zur weisheitlichen Erfahrung jedoch gehört auch, den Tod wahrzunehmen. Er wird auf den Teufel zurückgeführt. Sein Beweggrund: Neid. Jedoch: nur die, die dem Teufel angehören, erfahren den Tod. Diese weisheitliche Sicht auf den Tod trennt allerdings Sterben und Tod. Der schroffe Dualismus von Gott und Teufel, Leben und Tod ist schon in der biblischen Überlieferung hinterfragt worden. Über die Verbindung von Neid und Tod wird sich Kluges sagen lassen. Unbehaglich ist, den Teufel in einer so starken Position zu sehen, die ihn zu einem Antipoden Gottes macht. Der Focus wird daher auch in der Lesung auf dem Schöpferwillen Gottes ruhen müssen. Von besonderer Bedeutung ist die weisheitliche Auslegung von Gen 1,27.


Das Buch der Weisheit ist das jüngste Buch des AT. Es entstand 80-30 v.Chr. in Alexandria, dem Zentrum hellenistischer Kultur und Wissenschaft. Der Autor verbindet jüdische Tradition mit griechischer Weisheit. Er wirbt bei den Juden in der Diaspora für die Weisheit, die Gott seinem Volk geschenkt hat. Wer sich auf sie einlässt, kann sein Leben gut bewältigen. Die personifizierte Weisheit ist Bild des menschenfreundlichen und barmherzigen Gottes. Das Buch war eine Trostschrift für die Juden, die in der Fremde in ihrem Glauben verunsichert waren. So kann es auch für den heutigen Menschen, der nach Orientierung sucht in einer orientierungslosen Zeit, Wegweiser zum wahren Leben sein. Die Lesung spricht tröstlich vom Willen Gottes: Gott hat den Tod nicht geschaffen; er hatte nur das Heil aller Geschöpfe im Sinn. Gewalt und Tod werden auf den "Neid des Teufels" zurückgeführt, ein Motiv, das auf griechische Vorstellungen zurückgeht. Es wird betont, dass Gott den Menschen zum Glück und zur Unsterblichkeit berufen hat. Gott selbst stellt den Menschen vor die Entscheidung, den Weg des Todes oder den des Lebens zu wählen (vgl. Dtn 30,15-20). Tod meint hier den "geistigen Tod", nämlich Unglück und Verderben, das der Mensch selbst bewirken kann. Leben meint das Dasein aus Gott, der das Heil aller Menschen will. Gott hat auch uns zu einem erfüllten Leben bestimmt. Das meint nicht ein Leben in anhaltendem Glücksgefühl, sondern ein Leben aus der intensiven Beziehung zu mir selbst, zu Gott und zu meinen Mitmenschen heraus. Das beinhaltet Höhen und auch Tiefen des Lebens. Ob solches Lebendigsein gelingt, hängt auch von meinem Denken und Verhalten ab. Mich für den "Weg des Lebens" zu entscheiden, heißt Weitblick zu haben für mein Heil und das der anderen, Freiräume zu schaffen für die Entfaltung des Einzelnen und offen zu sein für Neues. "Entscheide dich für die Lebendigkeit!" - so könnte der Aufruf der Lesung an uns heute lauten. Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk B 6/2006, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 13-24.


Nur in der lateinischen Übersetzung trägt dieses Buch den Titel „Weisheit" – in der griechischen Bibel heißt es „Weisheit Salomos". Das Buch wird in die Zeit der jüdischen Diaspora in Ägypten datiert. Hinweise im 2. Kapitel sprechen für eine Entstehungszeit zwischen 80 und 30 v. Chr. Der Verfasser, ein gläubiger Jude, scheint hellenistisch gebildet zu sein. Er versteht es, sich in Griechisch klar und genau auszudrücken. Interessant ist, dass er keine Namen nennt, um die Allgemeingültigkeit der Weisheit hervorzuheben. Im Buch der Weisheit steht nicht Gott und sein Handeln, sondern der Mensch und sein Verhalten im Mittelpunkt. Die Perikope des heutigen Sonntags spricht tröstlich vom Willen Gottes: Gott hat keine Freude am Untergang der Lebenden. Der Gläubige wird aufgerufen, auch in Leiden und Tod an Gottes Treue und Gerechtigkeit zu glauben. Gott hat den Menschen zum Glück und zur Unsterblichkeit berufen, durch sein Leben soll er heilbringend sein. Es liegt beim Menschen, ob er sich für den Weg des Todes oder den des Lebens entscheidet.


Lange Fassung der
1. Lesung vom 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Weish 1,13 - 2,9; 2,21-24  

Lesung aus dem Buch der Weisheit

Denn Gott hat den Tod nicht gemacht
und hat keine Freude am Untergang der Lebenden.
Zum Dasein hat er alles geschaffen,
und heilbringend sind die Geschöpfe der Welt.
Kein Gift des Verderbens ist in ihnen,
das Reich des Todes hat keine Macht auf der Erde;
denn die Gerechtigkeit ist unsterblich.
Die Frevler aber holen winkend und rufend den Tod herbei
und sehnen sich nach ihm wie nach einem Freund;
sie schließen einen Bund mit ihm,
weil sie es verdienen, ihm zu gehören.

Sie tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen:
Kurz und traurig ist unser Leben;
für das Ende des Menschen gibt es keine Arznei,
und man kennt keinen, der aus der Welt des Todes befreit.
Durch Zufall sind wir geworden,
und danach werden wir sein, als wären wir nie gewesen.
Der Atem in unserer Nase ist Rauch,
und das Denken ist ein Funke,
der vom Schlag des Herzens entfacht wird;
verlöscht er, dann zerfällt der Leib zu Asche,
und der Geist verweht wie dünne Luft.
Unser Name wird bald vergessen,
niemand denkt mehr an unsere Taten.
Unser Leben geht vorüber wie die Spur einer Wolke
und löst sich auf wie ein Nebel,
der von den Strahlen der Sonne verscheucht
und von ihrer Wärme zu Boden gedrückt wird.
Unsere Zeit geht vorüber wie ein Schatten,
unser Ende wiederholt sich nicht;
es ist versiegelt, und keiner kommt zurück.
Auf, laßt uns die Güter des Lebens genießen
und die Schöpfung auskosten,
wie es der Jugend zusteht.
Erlesener Wein und Salböl sollen uns reichlich fließen,
keine Blume des Frühlings darf uns entgehen.
Bekränzen wir uns mit Rosen, ehe sie verwelken;
keine Wiese bleibe unberührt von unserem ausgelassenen Treiben.
Überall wollen wir Zeichen der Fröhlichkeit zurücklassen;
das ist unser Anteil,
das fällt uns zu.

So denken sie, aber sie irren sich;
denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind.
Sie verstehen von Gottes Geheimnissen nichts,
sie hoffen nicht auf Lohn für die Frömmigkeit
und erwarten keine Auszeichnung für untadelige Seelen.

Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen
und ihn zum Bild seines eigenen Wesens gemacht.
Doch durch den Neid des Teufels kam der Tod in die Welt,
und ihn erfahren alle, die ihm angehören.


Antwortpsalm, 13. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 30, 2. 4.5-6b. 6cd. 12a. 13b

R: Herr du zogst mich empor aus der Tiefe;
ich, will dich rühmen in Ewigkeit. – R


Ich will dich rühmen, Herr,
denn du hast mich aus der Tiefe gezogen,
und lässt meine Feinde nicht über mich triumphieren.
Herr, du hast mich herausgeholt aus dem Reich des Todes,
aus der Schar der Todgeweihten mich zum Leben gerufen. - (R)

Singt und spielt dem Herrn, ihr seine Frommen,
preist seinen heiligen Namen!
Denn sein Zorn dauert nur einen Augenblick,
doch seine Güte ein Leben lang. - (R)

Wenn man am Abend auch weint,
am Morgen herrscht wieder Jubel.
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt,
Herr, mein Gott, ich will dir danken in Ewigkeit. – R


2. Lesung vom 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
2 Kor 8,7. 9. 13-15

Lesung aus dem Zweiten Brief des Apostel Paulus an die Korinther

Schwestern und Brüder!
Wie ihr an allem reich seid,
an Glauben, Rede und Erkenntnis,
an jedem Eifer und an der Liebe, die wir in euch begründet haben,
so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk mit reichlichen Spenden beteiligen.
Denn ihr wißt, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe getan hat:
Er, der reich war, wurde euretwegen arm,
um euch durch seine Armut reich zu machen.
Es geht nicht darum, daß ihr in Not geratet, indem ihr anderen helft;
es geht um einen Ausgleich.
Im Augenblick soll euer Überfluß ihrem Mangel abhelfen,
damit auch ihr Überfluß einmal eurem Mangel abhilft.
So soll ein Ausgleich entstehen,
wie es in der Schrift heißt:
Wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel,
und wer wenig, hatte nicht zu wenig.



Paulus referiert über die Grundlagen seines apostolischen Dienstes. Einerseits sieht er eine Hierarchie in der Sukzession, andererseits sind alle Glieder dieser heiligen Ordnung aufeinander verwiesen. Ursprung und Fundament des apostolischen Dienstes aller Getauften ist das Osterereignis. Die liebende Hingabe Christi ist Vorbild, auch füreinander einzustehen, jeder nach seinen Möglichkeiten: "Die Liebe [caritas] Christi drängt uns" (2 Kor 5,14) - ein Mandat, das Glaubensvollzug auch heute noch wesentlich ausmachen soll.


In 2. Kor. haben wir sozusagen eine frühchristliche Spendenakquise vor uns. Paulus sammelt für die verarmte und bedrängte Gemeinde in Jerusalem eine Kollekte ein. Der Apostel nennt die Korinther reich: an Glauben, Rede und Erkenntnis ... und wechselt das in Geld um: so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk mit reichlichen Spenden beteiligen. Tragend für seine Argumentation ist jedoch, dass Christus, "unser Herr" um „euretwegen“ (gemeint sind die Korinther) arm wurde, um „euch“ reich zu machen. Daraus leitet Paulus den Anspruch ab, geistlichen Reichtum auch materiell zu "teilen". Er nennt das Ausgleich. In Korinth war eine heidenchristliche Gemeinde entstanden. Die Verbindung zu Jerusalem, der judenchristlichen Muttergemeinde, ist nur locker und im Bewusstsein einer aufstrebenden, aber auch streitbaren Gemeinde nicht präsent. Zum ersten Mal erfahren wir von einer Sammlung, die unbekannten Mitchristen Solidarität erweist. Besonders wichtig ist, dass Paulus hier ein Bild von Kirche entwirft, das nicht von der Trennung der juden- und heidenchristlichen Gemeinden gezeichnet ist, sondern von der bleibenden Zugehörigkeit und Verantwortung. Dass die weitere Geschichte von Trennungen bestimmt werden könnte, hat Paulus wohl geahnt -. und auch für den finanziellen Ausgleich eine christologische Begründung gegeben.


Im 2. Brief an die Korinther (55/56 n.Chr.) ruft Paulus zu freigiebigem Spenden auf. Die Korinther hatten sich ein Jahr zuvor bereit erklärt, sich an einer Sammlung für die bedürftigen Christen in Jerusalem zu beteiligen. Wegen eines Zerwürfnisses mit Paulus kam es nicht dazu. Nun ermuntert Paulus die Korinther, ihr Versprechen einzulösen. Zunächst erinnert er sie an ihre reichen Gnadengaben, die sie eifrig einsetzen. Genauso großzügig sollen sie auch mit ihren irdischen Gütern umgehen. Dann zieht Paulus an Hand der Stichworte "arm" und "reich" eine Verbindung zur Christologie. Was das rechte Maß der Hilfe betrifft, so sollen die Korinther nicht belastet werden, damit andere sich einen guten Tag machen können. Vielmehr soll es zu einem geschwisterlichen Ausgleich kommen. Zur Zeit haben die Korinther mehr irdische Güter als die Christen in Jerusalem. Paulus setzt aber voraus, dass auch die Korinther Hilfe von den anderen erfahren, wenn sie in Not geraten. Zur Veranschaulichung der "Gleichheit" nennt Paulus ein Beispiel aus dem AT. Bei der Mannaspeisung (Ex 16,18) gab Gott jedem das für den momentanen Bedarf Erforderliche. Wie geht es uns, wenn heute ein Spenden- oder Kollektenaufruf an uns ergeht? Geben wir Almosen von unserem Überfluss, um unser schlechtes Gewissen zu beruhigen? Oder lassen wir uns von der Not anderer berühren und teilen aus dieser Betroffenheit heraus mit ihnen? Das Fernsehen bringt heute die Not der Welt in unsere Wohnzimmer. Bilder von Naturkatastrophen, die Leben und Existenzgrundlage vieler Menschen zerstören, lassen unsere eigenen Sorgen plötzlich sehr klein erscheinen. So ist der Aufruf des Paulus, vom eigenen Reichtum abzugeben, auch an uns gerichtet. Aber nicht nur materielle Hilfe ist von uns gefordert. Menschen in unserer nahen Umgebung brauchen auch unsere persönliche Unterstützung. Bei Krankheit, Einsamkeit und Krisen anderer ist oft der Einsatz anderer Gaben gefragt: Zuhören, Anteilnehmen, Mutmachen und konkrete Hilfen. Wenn wir unsere Zeit und Zuwendung mit diesen Menschen teilen, ist das auch im Sinne den Paulus. Aber zugleich erinnert er uns an das rechte Maß: geben ja, aber uns nicht verausgaben. Diese Mahnung gilt besonders für jene von uns, die gerne für andere da sind und sorgen, aber darüber oft ihre eigenen Bedürfnisse vergessen. Gerade ihnen macht Paulus Mut, in eigener Not von anderen dankbar Hilfe anzunehmen. Nur so kann es zu einem geschwisterlichen Ausgleich kommen. Dann kann ein Stückweit wahr werden, was im Alten Testament bei der Mannaspeisung so anschaulich beschrieben wird: Jeder hatte soviel, wie er zum Leben brauchte. Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk B 6/2006, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 13-24.


Der zweite Brief an die Korinther des Apostels Paulus ist von der wechselvollen Geschichte der Gemeinde in Korinth bestimmt. Seit der Abfassung des ersten Briefes war einige Zeit verstrichen und die Geschichte der korinthische Gemeinde nahm einen wechselvollen Verlauf. Drei Hauptthemen bestimmen diesen Brief: Das Apostelamt des Paulus, die Kollekte für die Armen (heutige Perikope) und die Auseinandersetzung mit seinen Gegnern. Der zweite Korintherbrief gibt uns bedeutsame Informationen über das Verständnis des paulinischen Apostelamtes und enthält auch wichtige Aussagen über die Beziehungen zwischen Amt und Gemeinde. Im Textabschnitt für den heutigen Sonntag geht es schlicht und einfach ums Geld. Paulus bezeichnet es aber als „Liebeswerk", das die Kluft zwischen Armen und Reichen ausgleichen soll. Das Geben von Geld, die Unterstützung von Armen, schafft geschwisterliche Gemeinschaft. Der Geber wird Gott, dem Spender alles Guten, ähnlich und der Empfangende, Christus, der selbst arm wurde. Schenkende Liebe ist das Wesen Gottes.


Lange Fassung der
2. Lesung vom 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
2 Kor 8, 7. 9. 13-15  

Lesung aus dem Zweiten Brief des Apostel Paulus an die Korinther:

Wie ihr aber an allem reich seid,
an Glauben, Rede und Erkenntnis,
an jedem Eifer und an der Liebe,
die wir in euch begründet haben,
so sollt ihr euch auch an diesem Liebeswerk mit reichlichen Spenden beteiligen.
Ich meine das nicht als strenge Weisung,
aber ich gebe euch Gelegenheit,
angesichts des Eifers anderer auch eure Liebe als echt zu erweisen.
Denn ihr wißt, was Jesus Christus, unser Herr, in seiner Liebe getan hat:
Er, der reich war, wurde euretwegen arm,
um euch durch seine Armut reich zu machen.
Ich gebe euch nur einen Rat, der euch helfen soll;
ihr habt ja schon voriges Jahr angefangen, etwas zu unternehmen,
und zwar aus eigenem Entschluß.
Jetzt sollt ihr das Begonnene zu Ende führen,
damit das Ergebnis dem guten Willen entspricht - je nach eurem Besitz.
Wenn nämlich der gute Wille da ist,
dann ist jeder willkommen mit dem, was er hat,
und man fragt nicht nach dem, was er nicht hat.
Denn es geht nicht darum, daß ihr in Not geratet, indem ihr anderen helft;
es geht um einen Ausgleich.
Im Augenblick soll euer Überfluß ihrem Mangel abhelfen,
damit auch ihr Überfluß einmal eurem Mangel abhilft.
So soll ein Ausgleich entstehen,
wie es in der Schrift heißt:
Wer viel gesammelt hatte, hatte nicht zu viel,
und wer wenig, hatte nicht zu wenig.


Ruf vor dem Evangelium am 13. Sonntag im Jahreskreis (B)
vgl. 2 Tim 1,10

Halleluja. Halleluja.
Unser Retter Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen
und uns das Licht des Lebens gebracht durch das Evangelium.
Halleluja.


Evangelium vom 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 5,21-43

Aus dem hl. Evangelium nach Markus:

Jesus fuhr im Boot wieder ans andere Ufer hinüber,
und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn.
Während er noch am See war,
kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm.
Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen
und flehte ihn um Hilfe an;
er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben.
Komm und leg ihr die Hände auf,
damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt.
Da ging Jesus mit ihm.
Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.
Darunter war eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutungen litt.
Sie war von vielen Ärzten behandelt worden
und hatte dabei sehr zu leiden;
ihr ganzes Vermögen hatte sie ausgegeben,
aber es hatte ihr nichts genutzt,
sondern ihr Zustand war immer schlimmer geworden.
Sie hatte von Jesus gehört.
Nun drängte sie sich in der Menge von hinten an ihn heran
und berührte sein Gewand.
Denn sie sagte sich:
Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt.
Sofort hörte die Blutung auf,
und sie spürte deutlich, daß sie von ihrem Leiden geheilt war.
Im selben Augenblick fühlte Jesus,
daß eine Kraft von ihm ausströmte,
und er wandte sich in dem Gedränge um und fragte:
Wer hat mein Gewand berührt?
Seine Jünger sagten zu ihm:
Du siehst doch, wie sich die Leute um dich drängen,
und da fragst du: Wer hat mich berührt?
Er blickte umher, um zu sehen, wer es getan hatte.
Da kam die Frau, zitternd vor Furcht,
weil sie wußte, was mit ihr geschehen war;
sie fiel vor ihm nieder und sagte ihm die ganze Wahrheit.
Er aber sagte zu ihr:
Meine Tochter, dein Glaube hat dir geholfen.
Geh in Frieden! Du sollst von deinem Leiden geheilt sein.
Während Jesus noch redete,
kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten,
und sagten zu Jaïrus: Deine Tochter ist gestorben.
Warum bemühst du den Meister noch länger?
Jesus, der diese Worte gehört hatte,
sagte zu dem Synagogenvorsteher:
Sei ohne Furcht; glaube nur!
Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus,
Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.
Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers.
Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte,
wie die Leute laut weinten und jammerten,
trat er ein und sagte zu ihnen:
Warum schreit und weint ihr?
Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur.
Da lachten sie ihn aus.
Er aber schickte alle hinaus
und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum,
in dem das Kind lag.
Er faßte das Kind an der Hand und sagte zu ihm:
Talita kum!, das heißt übersetzt:
Mädchen, ich sage dir, steh auf!
Sofort stand das Mädchen auf und ging umher.
Es war zwölf Jahre alt.
Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen.
Doch er schärfte ihnen ein,
niemand dürfe etwas davon erfahren;
dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.



Die Langversion der Evangeliumsperikope umfasst zwei ineinander komponierte Wundergeschichten: Mk 5,21-24. 35-43 beschreibt die Auferweckung der Tochter des Jaïrus und in diese Geschichte verwoben findet sich der Bericht von der Heilung der blutflüssigen Frau (Mk 5,25-34). Beide Geschichten bieten eine Fülle an Auslegungsmaterial, das hier nicht diskutiert werden kann. Die Erzählungen verdeutlichen die Aussageabsicht des Evangelisten: Der Gottessohn ist Herr über die Grenzen der menschlichen Existenz, sogar noch über den Tod. Voraussetzung, dass der Mensch dies erfahren kann, ist der Glaube - er allein hilft, Mauern zu überspringen. Um dies noch eindrücklich hervorzuheben, wird der Glaube der Protagonisten in beiden Geschichten kontrastiert mit dem Unverständnis der Anderen: Bei der Heilung der Frau sind es sogar Jesu Jünger, die nicht verstehen, was vor sich gegangen ist (Vers 31); vor der Erweckung des Mädchens versuchen die Menschen, Jaïrus von Jesus abzuhalten (Vers 35).


Zwei Erzählungen sind in einer kunstvoll gestalteten Komposition verbunden: die Heilung der "blutflüssigen" Frau (ständige Menstruation) und der Totenauferweckung der Tochter des Synagogenvorstehers Jairus. Zahlreich sind auch die Entsprechungen und Querverweise: beide sind weiblich, die eine zwölf Jahre krank, die andere 12 Jahre alt, ärztliche Hilfe ohne Erfolg oder ohnehin zu spät – und beide werden als "Tochter" bezeichnet: die jüngere im wörtlich-genealogischen Sinn, die ältere im soteriologisch-übertragenen Sinn. Die Heilung bzw. Auferweckung erfolgt zwar durch Berührung, passiv und aktiv, aber von entscheidender Bedeutung ist der Glaube (VV 34.36, vgl. 16,16). Beide werden durch Jesus "gerettet", aber beide sind keineswegs nur Empfänger! Der Wunderzyklus 4,35-5,43 ist eine Antwort auf die in 4,41 gestellte Frage: "Wer ist dieser?" In den ältesten christlichen Textzeugnissen spielen Wunder keine Rolle. Erst Markus entfaltet sein Evangelium mit den Zeichen, die die "Fülle der Zeit" und das gekommene Reich Gottes (1,15) offenbaren. Die Volksmenge allerdings kommt über die Kulisse nicht hinaus. Beide Erzählungen sind intim gestaltet. Das in Vers 43 formulierte, für Markus typische Schweigegebot, kontrastiert das Entsetzen der "Leute". Sosehr Wunder für Gottes Reich stehen, so wenig eignen sie sich für Massenerscheinungen. Markus stellt Innenräume vor, in denen Zeichen Gottes Gegenwart erfahrbar machen. Es ist der Glaube, der wahrnimmt, bittet und bezeugt. Der Name Jairus ist programmatisch. Je nach hebr. Lesart "Gott wird erstrahlen" / "Gott wird erwecken" wird das Ziel der Geschichte, die Epiphanie Gottes, im Zeichen der Auferstehung angedeutet. Traditiionsgeschichtlich ist auf die Elija-Elischa-Überlieferung zu verweisen (1 Kön 17,17-24; 2 Kön. 4,8-37), die bei Markus christologisch überboten wird: Jesus ist mehr als ein Prophet. Er vertritt in beiden Geschichten Gott selbst. Wer mehr wissen möchte, findet eine gute Hilfe unter: http://www.perikopen.de/Lesejahr_B/13_iJ_B_Mk5_21-43_Schumacher


Heutige Leser oder Hörerinnen tun sich mit solch plastischen Wundergeschichten oft schwer. Denn als Tatsachenberichte sind sie nach unserem heutigen Realitätsverständnis unglaublich: Eine Heilung durch die Berührung der Kleidung Jesu erscheint uns als magische Handlung. Und die Wiederbelebung eines Leichnams und die Rückkehr ins irdische Leben widerspricht völlig unserer Erfahrung. Aber solange wir in der Tatsachenfrage stecken bleiben, kann uns die tiefere Bedeutung des Textes nicht erreichen. Dabei kann diese Erzählung uns heute auf verschiedenen Ebenen ansprechen. Literarisch betrachtet handelt es sich hier um zwei ursprünglich selbständige Wundergeschichten. Sie wurden nachträglich "verschachtelt", so dass die Auferweckung den Rahmen und den Höhepunkt des Ganzen bildet. Beide Erzählungen enthalten typische Motive von Heilungswundererzählungen und zielen auf den Glauben der Zuhörer. Das Evangelium führt uns auf zweierlei Weise einen Glauben vor Augen, der Berührungstabus bricht und der Gott alles zutraut, auch den Sieg über den Tod. Auch von Thema und Struktur des inneren Prozesses her gehören die beiden Erzählungen zusammen. Die blutflüssige Frau wird beschrieben als jemand, dessen Lebenskraft sinnlos und fruchtlos verströmt. Wie viele andere Frauen - auch heute - sieht diese Frau ihre Lebensaufgabe darin, sich für andere zu verausgaben. Über diesem einseitigen Geben vernachlässigt sie, sich selbst das zu nehmen, was sie braucht und ihr zusteht. Erst als sie ganz am Ende ihrer Lebenskraft ist und Jesus begegnet, hat sie den Mut, für sich selbst zu sorgen: An diesem Wendepunkt ihres Lebens besitzt sie sogar die Kühnheit, ein Tabu zu brechen und als "Unreine" Jesus zu berühren. Das macht uns heute Mut, uns selbst zu nehmen, was wir für ein erfülltes Leben brauchen. Das zwölfjährige Mädchen verliert schon alles Leben, bevor ihr Leben als Erwachsene überhaupt richtig beginnt. Die Schilderung ihres Vaters lässt ahnen, dass er sein "Töchterlein" klein und abhängig halten will. Übertriebene Fürsorge ist aber nicht hilfreich, sondern wirkt erdrückend. Häufig verlangen solche Eltern als Gegenleistung, dass das Kind, für das sie ja alles geben, sein eigenes Leben aufgibt. Ganz anders geht Jesus mit dem Mädchen um: Allen Totenklagen zum Trotz traut er ihr ein eigenes Leben zu, nimmt sie an der Hand, so dass sie aufstehen und auf eigenen Füssen stehen kann. Dieses Verhalten Jesu zeigt uns, wie auch wir auf lebendig machende Weise miteinander umgehen können. Für Frauen hat der ganze Bibeltext noch einmal eine besondere Relevanz: Es geht hier auch um die Frage, wie Frau-Werden und Frau-Sein gelingen kann. Claudia Simonis-Hippel, in: Gottes Volk B 6/2006, Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 13-24.


Nach alter kirchlicher Überlieferung gilt der hl. Markus als Verfasser des ältesten der drei Evangelien. Als Verfassungsort gilt Rom, das Entstehungsdatum ist gegen 70 n. Chr. Markus sammelte Geschichten über Jesus, vor allem Wundererzählungen und ordnete diese Stoffe zeitlich und sachlich, um sie zu einem Ganzen zu vereinen. Gott hat durch Jesus seinen Willen offenbart: Die Menschen zu retten. Jesus ist der verheißene Messias und durch sein Wirken ist die Zeit der Gnade gekommen. Jesus überwindet das Unheil, die Herrschaft des Bösen, vergibt Sünden und predigt das Reich Gottes. Die bedrängten ersten Christen will der Verfasser durch seine Botschaft ermuntern, diesem Jesus - dem Messias - auch in Verfolgung und Leid treu zu bleiben. Im heutigen Evangelium sind zwei Wundererzählungen miteinander verknüpft: die Heilung der blutflüssigen Frau und die Auferweckung des toten Mädchens. Markus berichtet, dass Jesus Macht über Krankheit und sogar über den Tod hat. Diese Eigenschaft Jesu macht ihn faszinierend und erschreckend für die Menschen seiner Zeit. Ob die Menschen, die dabei waren, durch diese Geschehnisse zum Glauben gefunden haben wird uns nicht mitgeteilt. Doch den Vater des gestorbenen Mädchens hat Jesus zum Glauben an das Unmögliche ermutigt.


Kurzfassung des
Evangeliums vom 13. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 5,21-24; 35b-43  

Aus dem hl. Evangelium nach Markus:

Jesus fuhr im Boot wieder ans andere Ufer hinüber,
und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn.
Während er noch am See war,
kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm.
Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen
und flehte ihn um Hilfe an;
er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben.
Komm und leg ihr die Hände auf,
damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt.
Da ging Jesus mit ihm. 

Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn.
Unterwegs kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten,
und sagten zu Jaïrus: Deine Tochter ist gestorben.
Warum bemühst du den Meister noch länger?
Jesus, der diese Worte gehört hatte,
sagte zu dem Synagogenvorsteher:
Sei ohne Furcht; glaube nur!
Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus,
Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus.
Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers.
Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte,
wie die Leute laut weinten und jammerten,
trat er ein und sagte zu ihnen:
Warum schreit und weint ihr?
Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur.
Da lachten sie ihn aus.
Er aber schickte alle hinaus
und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum,
in dem das Kind lag.
Er faßte das Kind an der Hand und sagte zu ihm:
Talita kum!, das heißt übersetzt:
Mädchen, ich sage dir, steh auf!
Sofort stand das Mädchen auf und ging umher.
Es war zwölf Jahre alt.
Die Leute gerieten außer sich vor Entsetzen.
Doch er schärfte ihnen ein,
niemand dürfe etwas davon erfahren;
dann sagte er, man solle dem Mädchen etwas zu essen geben.