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21.09.2018

Lesungen 05.08.2018


1. Lesung des 18. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
Ex 16,2-4. 12-15


Lesung aus dem Buch Exodus:

Die ganze Gemeinde der Israeliten murrte in der Wüste gegen Mose und Aaron.
Die Israeliten sagten zu ihnen:
Wären wir doch in Ägypten durch die Hand des Herrn gestorben,
als wir an den Fleischtöpfen saßen und Brot genug zu essen hatten.
Ihr habt uns nur deshalb in diese Wüste geführt,
um alle, die hier versammelt sind, an Hunger sterben zu lassen.

Da sprach der Herr zu Mose:
Ich will euch Brot vom Himmel regnen lassen.
Das Volk soll hinausgehen, um seinen täglichen Bedarf zu sammeln.
Ich will es prüfen, ob es nach meiner Weisung lebt oder nicht.

Ich habe das Murren der Israeliten gehört.
Sag ihnen: Am Abend werdet ihr Fleisch zu essen haben,
am Morgen werdet ihr satt sein von Brot,
und ihr werdet erkennen, daß ich der Herr, euer Gott, bin.

Am Abend kamen die Wachteln und bedeckten das Lager.
Am Morgen lag eine Schicht von Tau rings um das Lager.
Als sich die Tauschicht gehoben hatte,
lag auf dem Wüstenboden etwas Feines, Knuspriges, fein wie Reif, auf der Erde.
Als das die Israeliten sahen, sagten sie zueinander:
Was ist das? Denn sie wußten nicht, was es war.
Da sagte Mose zu ihnen: Das ist das Brot, das der Herr euch zu essen gibt.



Im größere Zusammenhang gesehen wird das Volk Israel von Mose und Aaron aus der Sklaverei Ägyptens herausgeführt. Im Kapitel 13 bis 15 geht die Rettung am Schilfmeer voraus, die Prophetin Miriam geht tanzend und Pauke schwingend voraus. "Singt dem Herrn ein Lied, denn er ist hoch erhaben! Rosse und Wagen warf er ins Meer." Das Volk befindet sich nun in der Wüste auf dem Weg zum Sinai, wo es die Grundlagen ihres Lebens, die Zehn Gebote erhalten soll. Der Grundbestand des Kapitels will uns erzählen, wie das Volk auf dem viele Jahre dauernden Zug durch die Wüste ernährt wurde: Gott hat sie mit dem wunderbaren Manna versorgt. Drei Motive werden hier angesprochen, das Murren des Volkes, das Manna in der Wüste und das Wüstenmotiv als solches. a) Das Murren des Volkes: Das Murren ist in dieser Situation als ein revoltierender Aufschrei in Todesangst, als Klage und Anklage zu verstehen. In der Vergangenheit, "an den Fleischtöpfen Ägyptens" war das Leben gesichert. Angesichts des nahen Untergangs wird den Führern Mose und Aaron vorgeworfen, sie hätten das Volk erst in diese Situation gebracht. Das Murren wendet sich in einer tieferen Dimension letztendlich an Jahwe selbst, weil das Volk in der Wüste nicht mehr das Handeln Gottes erkennt. Anders wie von Mose, wird darin von Gott kein Tadel gesehen. Es gilt nicht als sündhafte Auflehnung oder als Ungehorsam Jahwes gegenüber. Klage und Anklage erscheinen eher als lebensnotwendig: Nur wer Not und Todesangst empfindet und sie hinausschreit, kann Rettung erfahren. Jahwe beantwortet dies indem er Manna vom Himmel regnen lässt. b) Das Manna in der Wüste Volksetymologisch kommt das Wort Manna vom hebräischen "man". Die Israeliten fragen: "Was ist das?" (hebr.: man hu) Das nähere Aussehen von Manna gleicht einem 30 – 60 cm langen Doldenblütler. Die Samen sind hellbraune Kügelchen, die frisch einen unangenehmen Geruch haben, aber getrocknet ein wohlriechendes schmackhaftes Gewürz ergeben, ähnlich dem Geschmack des Korianders. Es kommt noch heute auf der Sinaihalbinsel und bis hinein in den Iran, in Steppen- und Wüstengebieten vor. Allerdings nur in sehr kleinen Mengen, es könnte also keine größere Wandergruppe längere Zeit ernähren. Das Manna war weiß, (besser hell) ist genießbar und schmeckt süßlich. Das Wunder besteht nun darin, dass das ganze Volk Israel 40 Jahre lang davon leben kann. Jeder darf nur so viel nehmen, wie er täglich benötigt, ansonsten verdirbt es. Der Wachtelfang scheint dagegen nur eine einmalige Zusatzkost gewesen zu sein. Die Wachteln sind im Frühjahr als Zugvögel auf dem Weg nach Norden und benötigen nach langer Flugzeit eine mehrstündige Rast, in der sie leicht gefangen werden können. Sie werden noch heute in Ägypten, im Negeb und auf der Sinaihalbinsel gefangen und als Leckerbissen gegessen, bzw. verkauft. Nach Joh 6,23–49 ist das Manna zwar auch "Brot vom Himmel", es ersetzt aber nur das gewöhnliche Brot und kann nicht ewiges Leben garantieren. Jesus stellt es dem neuen Himmelsbrot gegenüber, seinem eigenen Leib als eucharistische Speist, die ewiges Leben gewährt. Offb 2,17 scheint an das in der Bundeslade aufbewahrte Manna anzuspielen. c) Das Motiv der Wüste Wüste, das ist ausgemergelter Boden, endloser Sand, trockener Fels, Glühende Hitze am Tag, Kälte in der Nacht, Sand, der mir überall in den Gliedern hängt. Wüste bedeutet Leere, Lebensfeindlicher Raum, fremd, Einsamkeit und grenzenlose Öde. Der Mensch in der Wüste ist hilflos, mit seinen Möglichkeiten am Ende, ohne Wasser, ohne Nahrung, ist er dem Tod ausgesetzt. Nirgendwo erfährt er so intensiv wie dort, Grenzen der Abhängigkeit. Je länger wir in dieser Wüste sind, desto mehr spüren wir, wie wir uns dort selbst ausgeliefert sind. Ich kann nicht mehr davonlaufen. Mein Leben steht auf dem Spiel. Die Wüste wird für mich der Ort und die Stunde der Wahrheit. Wer bin ich? Worauf baue ich mein Leben? Auf Jahwe, oder auf mich selbst? Und darin wird die Wüste zur Chance für mich und für uns. Selbsttäuschungen lösen sich in nichts auf. Die falschen Götter unseres Lebens werden entlarvt. Ich muss alles loslassen, Besitz, gesellschaftliches Ansehen, alles was mir wichtig ist. Ich erkenne mich selbst, komme mir selbst und dem eigenen Ich wieder nahe. An einem Ort, wo ich dem Tode nahe bin, komme ich dem Leben wieder nahe – Paradox. Joachim Schröter (2003)


Das Volk murrt. Dieses Murren drückt einerseits Unzufriedenheit aus über die drückenden äußeren Schwierigkeiten und zeigt doch vor allem den Mangel an Glauben und Gottvertrauen. Moses muß sich sogar gegen Verdrehungen und Unwahrheiten wehren. Denn es ist kaum anzunehmen, daß die Ägypter, die zwar selbst große Fleischesser waren, ihren Arbeitssklaven "Fleischtöpfe" zur Verfügung stellten. Das Verhalten des Volkes ist eindeutig aufmüpfig und beleidigend; aber Gott sieht über diese unhöfliche Form der Aufforderung hinweg und wirkt seine Wunderzeichen, indem er natürliche Wirklichkeiten in seinen Dienst nimmt. Schon Herodot, Aristoteles und Plinius erwähnen Wachtelschwärme, die in Ägypten und den umliegenden Ländern häufig sind. Diese Zugvögel treten in großen Schwärmen auf und sind, wenn sie sich zur Rast niederlassen, leicht zu fangen. Auch beim Mannawunder geht die Darstellung nicht auf natürliche Hintergründe ein. Wahrscheinlich handelt es sich um eine sirupartige Ausscheidung von Blattläusen, die auf der von den Beduinen heute noch so genannten Manna-Tamariske leben. Dieses Sekret ist anfangs durchsichtig wie Tau und verändert sich dann in der Sonne. Aber dieses Manna ist jahreszeitlich begrenzt und kommt nur in kleinen Mengen vor. Das bedeutet: wer dieses Tamariskenmanna als historischen Kern des Bibeltextes annimmt, muß die Erzählung für ziemlich übertrieben halten.


In der 1. Lesung wird uns erzählt, wie Jahwe sein Volk, das er aus der ägyptischen Unterdrückung in die Freiheit geführt hat, nicht im Stich läßt und es mit Nahrung versorgt. Die Erzählung lebt von symbolträchtigen Momenten: Dem Gegensatz von Knechtschaft und Freiheit stehen die Gegensatpaare Ägypten und Wüste, Wohlergehen und Hunger gegenüber. Wenn es ums Überleben geht, denken die Menschen sehr konkret "irdisch", realistisch. Die Erzählung beton das Überirdische. Die Nahrung kommt auf wunderbare Weise von oben, vom Himmel. Die Sorge Gottes umfaßt sowohl das Geistige wie auch das Leibliche. Er ist um die Freiheit seines Volkes bemüht, hat aber auch Mitgefühl für seine könkreten Nöte. An diesem Text haben mehrere Generationen geschrieben, modifiziert und gefeilt. Die Erfahrung der Israeliten in der Wüste wurden offenbar von Menschen, die unter ganz anderen Umständen gelebt haben, nachempfunden. In dieser Erzählung haben sich viele Menschen wiedergefunden, die in der Entbehrung die Erfahrung gemacht haben, daß Gott für sie sorgt, sie führt, und daß der Weg in die Freiheit des Volkes Gottes sich trotz aller Härte lohnt.


Antwortpsalm, 18. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 78,3-4b. 23-24. 25. 54.

R: Der Herr gab ihnen Brot vom Himmel. – R


Was wir hörten und erfuhren,
was uns die Väter erzählten,
das wollen wir unseren Kindern nicht verbergen,
sondern dem kommenden Geschlecht erzählen. - (R)

Er gebot den Wolken droben
und öffnete die Tore des Himmels.
Er ließ Manna auf sie regnen als Speise,
er gab ihnen Brot vom Himmel. - (R)

Da aßen die Menschen Wunderbrot;
Gott gab ihnen Nahrung in Fülle.
Er brachte sie in sein heiliges Land,
in die Berge, die er erwarb mit mächtiger Hand. - R


2. Lesung vom 18. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Eph 4,17. 20-24

Lesung aus dem Brief an die Epheser:

Ich sage es euch und beschwöre euch im Herrn:
Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken!

Das entspricht nicht dem, was ihr von Christus gelernt habt.
Ihr habt doch von ihm gehört
und seid unterrichtet worden in der Wahrheit, die Jesus ist.
Legt den alten Menschen ab,
der in Verblendung und Begierde zugrunde geht,
ändert euer früheres Leben,
und erneuert euren Geist und Sinn!
Zieht den neuen Menschen an,
der nach dem Bild Gottes geschaffen ist
in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.



Im Epheserbrief treten vermehrt Mahnungen auf, wie Christsein zu leben ist. Der Verfasser fordert eine radikale Unterscheidung zu den Heiden. Christen sollen in einer Haltung der Liebe nach dem Vorbild Jesus Christus leben. Vor allem wendet er sich gegen ein lasterhaftes Verhalten in sexueller Unmoral, Begierde und Lüge. Christen leben als Kinder des Lichts gegenüber den Heiden als Kinder der Finsternis. Sie sollen den alten Menschen ablegen (Heidentum), der verdorben und verblendet ist, und den neuen Menschen (Christus) anlegen. Der neue Mensch ist nach Gott geschaffen. Das abgestumpfte Leben der Ausschweifung wird erneuert durch ein Leben in Gerechtigkeit, Heiligkeit und Wahrheit. Zugrunde liegt dem der Charakter der Taufe. ("anziehen" – Gal 3,27 und Röm 13,12b–14). Die Aktualität der Mahnrede des Verfassers auf das liederliche Leben der Gemeinde, richtet sich auf das Wiederfinden der christlichen Identität. Die dort angesprochenen Diasporachristen stehen in der Gefahr, sich von ihren heidnischen Mitbürgern zu einem sündhaften Leben anstecken zu lassen. Sie vergessen dabei das, was sie durch Taufe geworden sind. Christliche Existenz und Lebensordnung orientiert sich allein an Jesus Christus. Der Christ muss sich im Blick auf Jesus Christus ständig erneuern und überprüfen, ob er dem "neuen Menschen" treu bleibt, oder sich von säkularen Tendenzen anstecken und verlocken lässt. Joachim Schröter (2003)


Mit diesem Abschnitt des Epheserbriefes beginnt ein Hauptanliegen von Paulus: Der Christ muß sich in Kirche und Welt von seiner heidnischen Vergangenheit lösen. Offensichtlich ist diese heidnische Vergangenheit, die den Menschen vielleicht Jahrzehntelang geprägt hat, mit ihren Ansprüchen und Verlockungen gegenwärtig. Kernpunkt ist dabei die Wahrheitsfrage. Der Mensch besitzt das Denkvermögen, die Wirklichkeit zu erfassen und für sich als Richtung weisend für sein Leben anzunehmen. Aber die "Nichtigkeit des Denkens" läßt ihn die Wahrheit, die allein in Gott ist, ablehnen und drängt ihn, sich auf "seine Welt", die letztendlich nur Trug und Schein ist, einzulassen. So ist nicht mehr Gott die Mitte in seinem Leben sondern das eigene Ich. Wie sieht nun dieses christliche Leben aus? Christus lernen: Für Paulus bedeutet dies, den Heilsplan Gottes verstehen zu lernen, erfassen zu lernen, was Gott durch Christus an uns gewirkt hat. Daß sich aus diesem Verständnis der Vorrangstellung Christi eine Lebensführung ableitet, die wir "Nachfolge Christi" nenen, ist eine logische Schlußfolgeung. Christus hören: Wir verstehen, daß damit gemeint ist, wir haben etwas über Christus gehört. Paulus meint aber nicht nur, daß wir über Christus als Gegenstand, über den gesprochen wird, hören, sondern auch, daß Christus der ist, der bei der Verkündigung in und durch die Worte des Predigers zu uns spricht, so wie er z.B. im Abendmahl gegenwärtig ist. Daher werden wir auch "in ihm" unterwiesen. Denn nur wenn der Verkündiger "in ihm" spricht und nicht nur über ihn, und wir dieses Wort "in Christus" vernehmen kann Glaubenswahrheit wirksam aufgenommen werden. Der uns von Gott durch die Taufe gnadenhaft verliehene Anteil am göttlichen Leben muß nun ausgebildet werden zur Gleichförmigkeit mit "dem Bild des Sohnes Gottes"(vgl. röm 8,29). Und dieses Ablegen des alten Menschen, der nur zu Tod und Verderben führt, müßte eigentlich leicht fallen. Bevor wir aber den neuen Menschen anziehen können ist ein Umdenken erforderlich; an die Stelle "nichtigen Denkens" muß eine Erneuerung im Geist treten, die uns die Glaubenswirklichkeit neu erfassen läßt. Der "neue Mensch" ist dann der Mensch, der durch den Glauben Christus in sich wohnen hat. Und dieser Mensch entspricht dem gottgegebenen Sein, er ist "nach dem Bild Gottes geschafen" im Sinn von grundgelegt.


Der Abschnitt aus dem Epeserbrief, der als zweite Lesung vorgetragen wird, spiegelt die Lebensverhältnisse der Christen des 1. Jahrhunderts in Kleinasien wider. Sie kommen aus einer hellenistisch geprägten Kultur. Diese Lebenswelt wird von den Christen nach jüdischem Denkmuster als heidnisch bezeichnet. (Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, daß die Bezeichnung "heidnisch" bei den Juden nicht den gleichen arroganten Beigeschmack hatte wie bei uns heute.) Durch die Taufe sind die Christen zu einer neuen Lebensweise berufen. Diese versucht der Apostel in unserem Text zu verdeutlichen, indem er heidnisches und christliches Leben gegenüberstellt. (Siehe ungekürzte Textfassung) Der Hauptunterschied liegt für ihn in der Art des Denkens. Aus dem Blickwinkel der Christen sind die Heiden unwissend. Sie kennen nicht die Perspektiven des Glaubens. Der Vorwurf der Unwissenheit muß angesichts des hohen Bildungsniveaus hellenistisch Gebildeter ziemlich paradox geklungen haben. Ein zweites Merkmal ist die Verhärtung des Herzens. Was die Christen gegenüber den Heiden auszeichnet, ist ihre Kultur der Liebe. Weitere Vorwürfe sind Haltlosigkeit, Ausschweifung , Gier und jede Art von Gemeinheit. Dabei ist zu bedenken, daß es im Hellenismus eine Vielfalt von Philosophien und damit verbundenen Lebensweisen gab. Diese haben bei den Christen auf Grund ihrer Glaubenseinsichten in Welt- und Lebenszusammenhänge keine Geltung mehr. Sie blicken mit Geringschätzung auf das zurück, was sie selbst einmal geglaubt und gelebt haben. Die hellenistisch-heidnischen Einstellungen gehören aber bei den Christen offenbar noch nicht ganz der Vergangenheit an. Wenn sie sie schon vollständig zurückgelassen hätten, müßte sie der Apostel nicht so eindringlich ermahnen, den alten Menschen abzulegen. Er greift damit die Symbolik der Taufe auf. Es gilt, die Wahrheit, die Jesus Christus ist, im Denken anzunehmen und immer mehr im konkreten Leben auszugestalten.


Ungekürzte Fassung der
2. Lesung vom 18. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Eph 4,17-24

Lesung aus dem Brief an die Epheser:

Ich sage es euch und beschwöre euch im Herrn:
Lebt nicht mehr wie die Heiden in ihrem nichtigen Denken!
Ihr Sinn ist verfinstert.
Sie sind dem Leben, das Gott schenkt, entfremdet
durch die Unwissenheit, in der sie befangen sind,
und durch die Verhärtung ihres Herzens.
Haltlos wie sie sind, geben sie sich der Ausschweifung hin,
um voll Gier jede Art von Gemeinheit zu begehen.
Das aber entspricht nicht dem, was ihr von Christus gelernt habt.
Ihr habt doch von ihm gehört
und seid unterrichtet worden in der Wahrheit, die Jesus ist.
Legt den alten Menschen ab,
der in Verblendung und Begierde zugrunde geht,
ändert euer früheres Leben,
und erneuert euren Geist und Sinn!
Zieht den neuen Menschen an,
der nach dem Bild Gottes geschaffen ist
in wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit.


Ruf vor dem Evangelium am 18. Sonntag im Jahreskreis (B)
vgl. Mt 4,4b

Halleluja. Halleluja.
Nicht nur von Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
Halleluja.


Evangelium vom 18. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Joh 6,24-35

Aus dem hl. Evangelium nach Johannes:

Als die Leute sahen, daß weder Jesus noch seine Jünger dort waren, stiegen sie in die Boote, fuhren nach Kafarnaum und suchten Jesus.
Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden, fragten sie ihn: Rabbi, wann bist du hierher gekommen?
Jesus antwortete ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und satt geworden seid.
Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt und die der Menschensohn euch geben wird. Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt.

Da fragten sie ihn: Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen?
Jesus antwortete ihnen: Das ist das Werk Gottes, daß ihr an den glaubt, den er gesandt hat.
Sie entgegneten ihm: Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Was tust du? Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen, wie es in der Schrift heißt: Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.

Jesus sagte zu ihnen: Amen, amen, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben.
Da baten sie ihn: Herr, gib uns immer dieses Brot! Jesus antwortete ihnen: Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.



Wesentliche Themen johanneischer Theologie sind auch im Kapitel 6, der exklusive Anspruch Jesu, der Offenbarer Gottes und Lebensmittler, die Bedeutung des Menschseins Jesu, die Beziehung zwischen Wort, Geist und Glauben, sowie die Rolle der Zeichen im Glaubensprozess. Jesus offenbart sich als das "Brot des Lebens, das vom Himmel herabgekommen ist." Die "Brotrede" ist ein Wechselgespräch zwischen Jesus ungläubigen Juden. Drei Fragen werden an Jesus gestellt: Wann bist Du hier her gekommen? Was müssen wir tun, um die Werke Gottes zu vollbringen? Welches Zeichen tust du, damit wir es sehen und dir glauben? Die Juden suchen Jesus – sie suchen allerdings Befriedigung ihrer irdischen Bedürfnissen. Jesus meint jedoch sie sollen nicht beim Alltäglichen stehen bleiben, sie sollen hinter das Zeichen schauen. In ihrem Suchen sollen sie dem Gewöhnlichen des Lebens, (in der Arbeit, im Beruf, den Mitmenschen gegenüber, in der Familie...) eine andere Qualität geben. Das Missverständnis setzt sich fort in der Frage, was sie tun sollen. Aber Jesus geht es nicht um ein "Tun", sondern um den Glauben an ihn. Nicht das Tun bestimmt die Beziehung zu Jesus Christus, sondern bedingungsloses Vertrauen und sich Einlassen. Dann fordern sie ein Zeichen, welches ihnen Gewissheit gibt, sich auf ihn einzulassen. Sie verweisen auf das große Brotwunder im alten Testament, (Ex 16). In der Antwort stößt Jesus sie vor den Kopf. Gott gibt sich selbst, nämlich in Jesus Christus. Das "wahre und eigentliche" Brot, war überhaupt nicht das Manna, das Mose den Vätern gegeben hat, sondern es ist das Brot, das der Vater jetzt gibt: Es ist Jesus Christus selbst als Sohn Gottes. Die Bitte nach diesem Brot, wird erfüllt, im Glauben an Jesus, darin erfüllt sich der tiefere Lebenshunger.


Die Volksmenge sucht Jesus und Er deckt die Verkehrtheit ihres Suchens auf. Die Menge sucht ihn mit einer falschen Erwartung, in der Hoffnung, eine dauernde Fortsetzung des Speisenwunders zu erleben. Es geht um das vordergründige Sattwerden, um die Stillung der eigenen Bedürfnisse. Dieses "Suchen" muß Jesus ablehnen. In Vers 27 zeigt Jesus die Richtung an, in der das rechte Suchen zu geschehen hat: Müht euch ab, aber nicht für eine Speise, die verdirbt, sondern für die Speise, die für das ewige Leben bleibt. Die beiden in ihrer Qualität verschiedenen Speisen verweisen auf eine verschiedene Qualität von Leben. Die Speise, die für das ewige Leben bleibt, die ewiges Leben, eschatologisches Heil vermittelt ist mehr als die Vorstellung von einem zukünftigen Schlaraffenland oder einer immer humaneren Welt. Hinzugefügt wird, wer diese Speise gibt: Es ist der "Menschensohn". Diesen "Menschensohn" hat Gott mit seinem Siegel beglaubigt. Wer nach dem ewigen Leben fragt, wird von Gott selbst auf Jesus verwiesen. So wird die Brotvermehrung zu einem Zeichen für eine Form der Sättigung, die zum ewigen Leben dient. Die Galiläer sind echte Juden; daher lautet ihre Gegenfrage: Welche Werke müssen wir tun. Jesus stellt aber den vielen Werken des jüdischen Gesetzes ein Werk gegenüber, nämlich den Glauben an ihn als den Gesandten Gottes. Im Glauben, der durch die Liebe wirkt, liegt der Schlüssel zum ewigen Leben. Das Volk fordert als Antwort auf die Glaubensforderung Jesu ein Zeichen von ihm, daß er von Gott gesandte Messias ist. Es denkt dabei an die Erneuerung des Mannawunders. Das Manna galt als "Brot vom Himmel" (vgl. Ps 78,24) das Zeichen der Brotvermehrung offenbar nicht. Da erklärt ihnen Jesus:"Ich bin das Brot des Lebens". Mit dieser "Ich bin" Formel drückt er unmißverständlich aus, daß er der Geber ist und die Gabe. Er und kein anderer ist der Heilsbringer, und wer diese Gabe empfängt, muß in persönliche Beziehung zum Geber treten. Das "nie mehr hungern und Durst haben" verheißt dem Empfänger eine Überwindung der menschlichen Vergänglichkeit und zwar im Glauben. Dies ist begründet in Jesus Christus selbst, der das Lebensbrot ist.


Das Evangelium umfaßt den ersten Abschnitt der Rede Jesu über das Himmelsbrot in der Synagoge von Kafarnaum. In den beiden vorausgehenden Erzählungen von der wunderbaren Speisung einer großen Volksmenge und von der nächtlichen Erscheinung bei der Überfahrt auf dem See Genesareth offenbarte sich Jesus als einer, der das Menschliche übersteigt. Der Evangelist nimmt diese Ereignisse zum Anlaß einer theologisch klärenden Rede über Jesus und sein Selbstverständnis. Der vorliegende Evangelienabschnitt läßt sich nach den 3 Fragen, die die Menschen an Jesus richten, untergliedern: Die 1. Frage, wann er hierher gekommen sei, nimmt Jesus zum Anlaß klarzustellen, daß er nicht "Brotkönig" sein wolle, der sie der Sorge um den täglichen Lebensunterhalt enthebt. Er möchte, daß sie sich um eine Speise mühen, die für's ewige Leben bleibt. Die 2. Frage, die seine Zuhörer an ihn richten, entspringt religiösen Vorstellungen seiner Zeit: Welches Werk erwartet Gott von ihnen. Die Antwort faßt Jesus in einer paradoxe klingenden Formel zusammen: Das von Gott erwartete Werk ist der Glaube. Damit überschreitet er die bei vielen Menschen beliebte und bei den Juden zur Zeit Jesu gängige Einstellung des religiösen Tauschhandels. Man vollbringt die von Gott geforderten Werke und erwartet als Gegenleistung das Wohlwollen Gottes, das sich im Wohlergehen des Gläubigen erweisen soll. Die 3. Frage enthält die Aufforderung, Jesus möge seine Glaubwürdigkeit durch ein Wunderzeichen ausweisen. Mose hat in der Wüste seine Glaubwürdigkeit durch das Manna ausgewiesen. In der Fortsetzung des Brotwunders soll Jesus seine Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen. Jesus mißt aber dem Brotwunder eine andere Bedeutung bei. Dieses soll auf ihn hinweisen. Er selbst ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer an ihn glaubt, wird lebessatt werden und weder hungern noch dürsten. Mit anderen Worten: Wer satt werden will, muß an ihn glauben als den, den der Vater gesandt hat.