23.05.2018

Lesungen 07.01.2018


1. Lesung vom
Fest der Taufe des Herrn, Lesejahre A/B/C:
Jes 42,5a. 1-4. 6-7

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja:

So spricht Gott, der Herr:
Seht, das ist mein Knecht, den ich stütze;
das ist mein Erwählter, an ihm finde ich Gefallen.
Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt,
er bringt den Völkern das Recht.
Er schreit nicht und lärmt nicht
und läßt seine Stimme nicht auf der Straße erschallen.
Das geknickte Rohr zerbricht er nicht,
und den glimmenden Docht löscht er nicht aus;
ja, er bringt wirklich das Recht.
Er wird nicht müde und bricht nicht zusammen,
bis er auf der Erde das Recht begründet hat.
Auf sein Gesetz warten die Inseln.
Ich, der Herr, habe dich aus Gerechtigkeit gerufen,
ich fasse dich an der Hand.
Ich habe dich geschaffen und dazu bestimmt,
der Bund für mein Volk und das Licht für die Völker zu sein:
blinde Augen zu öffnen,
Gefangene aus dem Kerker zu holen
und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien.



Dieser Text wird Deuterojesaja zugeschrieben, einem unbekannten Propheten aus der Zeit der Babylonischen Gefangenschaft, als sich schon die Befreiung anbahnt. So spricht Deuterojesaja tröstend zu seinem Volk. Die Kapitel 40-55 werden nach ihren ersten Worten auch "Trostbuch Israels" genannt (vgl. die Alternativlesung des heutigen Tages Jes 40,1-5. 9-11). Beim vorliegenden Text handelt es sich um das erste der sog. "Gottesknechtslieder", die einen vollkommenen Jünger Jahwes vorstellen. Umstritten ist, ob es sich hierbei um die Personifikation der Gemeinde Israels, um eine Person der Vergangenheit oder Gegenwart wie etwa Deuterojesaja selbst oder den erwarteten Messias handelt. Die urchristliche Predigt und die Auswahl als heutige Lesung bezog den Text auf Jesus. Unabhängig von der Beantwortung dieser Frage macht die Beschreibung des von Gott Beauftragten den Willen Gottes deutlich: Plastische Bilder und leidenschaftliche Worte zeigen, auf welche Weise Gott unsere Befreiung erreichen will und wie unser Heil aussehen soll. Der Gesandte Gottes will nicht wie ein fanatischer Heilsprediger Menschenmassen aufputschen und für seine Ideologie gewinnen (Vers 2). Stattdessen wendet er sich dem Einzelnen und Unvollkommenen zu und gibt ihm eine neue Chance (Vers 3) - anders als Moralprediger mit dem Standpunkt "Alles oder nichts!". Diese Behutsamkeit geht aber auch mit Ausdauer einher (Vers 4). Die starken Bilder in Vers 7, die Jesus auch in seiner "Antrittspredigt" in der Synagoge von Nazareth zitiert (Lk 4,18), sprechen tiefgehende menschliche Erfahrungen von Befreiung an. "Blinde Augen zu öffnen" kann bedeuten, vor eigenen "blinden Flecken" nicht länger die Augen zu verschließen und so seine Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Auch offene Augen für die Freuden und Nöte unserer Mitmenschen zu bekommen oder in ausweglosen Situationen neue Wege zu entdecken, können solche Heilungserfahrungen sein. "Gefangene aus dem Kerker zu holen" meint unter anderem die Befreiung aus eingefahrenen Denk- und Verhaltensmustern, die ein erster Schritt sein kann, um verfahrene Situationen und Beziehungen zu lösen. Dazu zählt auch, wenn Menschen in einengenden Strukturen und Rollen in Familie, Beruf und Gesellschaft allmählich mehr Freiheit erfahren können. Die Befreiung derer, "die im Dunkel sitzen", umfasst die Überwindung von Lebensphasen, die von Leid, Schmerz, Trauer, Einsamkeit und Angst geprägt sind. All diese biblischen Bilder führen uns vor Augen, welches erfüllte Leben Gott für uns will. Um dies schon in diesem Leben zu verwirklichen, schickt er seine Beauftragten - und das kann jeder Mensch sein, der uns begegnet und uns zu mehr Freiheit führt. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr C 2/2006. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2006, S. 42-54.


Die Lesung ist ein Ebed-Jahwe-Lied (Knecht-Gottes-Lied). Ursprünglich wohl selbständig überliefert, gehören sie im Kanon der hebr. Bibel zum Buch des (2.) Jesaja (Jes. 40-55 - Exilszeit). Jahwe stellt seinen Knecht zunächst vor. "Seht, das ist mein Knecht" Die Figur, die dazu passt, ist uns jedoch verborgen. In der Auslegungsgeschichte variieren die Vermutungen: war es eine einzelne Person? Oder vielleicht sogar das ganze Volk Gottes? Jedenfalls wird in der Vorstellung (mit dem Imperativ "Seht" eingeleitet) ein Gesicht erkennbar, dass in der christlichen Rezeption die Züge des Kyrios trägt, von dem es im Hymnus (Phil 2,6-11) heißt, er habe göttliche Gestalt gehabt... Was enthält die Gottesrede über den Knecht? Er wird von Jahwe gestützt, er ist von Jahwe erwählt, an ihm findet Jahwe Gefallen, Jahwe hat seinen Geist auf ihn gelegt - und unvermittelt und überraschend: Jahwes Knecht bringt den Völkern das Recht. Er ist mit der höchsten Autorität ausgestattet, um den Völkern das Recht zu bringen. Jahwe selbst erscheint so als Garant des Rechtes. In der hebräischen Sprache gehören Recht, Gerechtigkeit, Frieden, Heil zusammen. Der Knecht Jahwes ist Heilbringer für die Völker. Das bringt einen neuen Ton in die prophetische Botschaft, die sich an das Volk Israel in der Fremde richtet. Ob Israel In Babylon eine neue Rolle übernehmen soll? Nicht die Rolle des Opfers, sondern des Friedensstifters? Der Knecht zerbricht das geknickte Rohr nicht, er löscht den glimmenden Docht nicht aus, er (selbst) wird nicht müde und bricht nicht zusammen - bis er auf der Erde das Recht begründet. Zur Krone des Ganzen wird: (Selbst) die Inseln warten auf ihn. Jahwe sichert dem Knecht seine Berufung zu, überreicht ihm sozusagen die Ernennungsurkunde. Was Recht heißt, wird hier in einer umfassenden und universalen Aufgabe beschrieben: Bund für mein Volk - Licht für die Völker. Vertieft: blinde Augen zu öffnen, Gefangene zu befreien, alle, die im Dunkel sind, ins Licht zu führen. In der lukanischen Jesus-Erzählung (Evangelium) werden Ebed-Jahwe-Lieder besonders an zwei Stellen aufgelesen: Einmal im Lobgesang des Zacharias (Benedictus), Lk 1,67-79, und zum anderen in der ersten Predigt Jesu in Nazareth, Lk 4,16-21. Die Geschichte Jesu wird so fest mit den Ebed-Jahwe-Liedern verknüpft.


Im ersten "Gottesknechtlied" (Jes 42,1-9) erfolgen die Vorstellung und Beauftragung des Knechtes. Er ist gewissermaßen das Werk Jahwes, von ihm erwählt und sein Knecht. Im Mittelpunkt steht aber nicht das "Untergebensein" des Knechtes, sondern die Zugehörigkeit und Geborgenheit beim Herrn. Dieser Knecht findet seine Aufgabe und Bestimmung - ähnlich wie bei Mose oder David - im "Dasein" für andere. Gott präsentiert ihn wie einen König (vgl. 1 Sam 9,15-17) und erwählt ihn frei aufgrund seines Willens - ohne jegliche Vorleistungen durch den Knecht. Die Rede von seiner Erwählung dient der Legitimation des Knechtes und der Begründung seiner Aufgabe. Weil Gott an ihm Gefallen gefunden hat, erwählte er ihn. Diese Erwählung durch Gott läßt sich ebensowenig wie die Erwählung Israels hinterfragen. Diese Erwählung gilt aber nicht nur dem hier vorgestellten Knecht, denn es handelt sich nicht um eine vorübergehende Erwählung - wie beispielsweise bei den Richtern - sondern sie ist als dauernde Gabe, als besondere Form des "Mitseins Jahwes", zu sehen, die sich zugunsten anderer auswirkt.


Antwortpsalm am Fest der Taufe des Herrn
Ps 29,1-4. 9b-10

R Der Herr schenkt seinem Volk den Frieden. – R

Bringt dar dem Herrn, ihr Himmlischen,
bringt dar dem Herrn Lob und Ehre!
Bringt dar dem Herrn die Ehre seines Namens
werft euch nieder vor dem Herrn in heiligem Schmuck! - (R)

Die Stimme des Herrn erschallt über den Wassern,
der Herr über gewaltigen Wassern.
Die Stimme des Herrn ertönt mit Macht
die Stimme des Herrn voll Majestät. - (R)

Der Gott der Herrlichkeit donnert.
In seinem Palast rufen alle: O herrlicher Gott!
Der Herr thront über der Flut,
der Herr thront als König in Ewigkeit. - R



Gottlose missachten den Willen Gottes. Im Sühnetod Jesu geht die Gnade dem Glauben voraus. Das Besondere, das Paulus hier aufgreift, ist, dass Jesus für Schwache und Gottlose stirbt. Für einen gerechten Menschen das Leben geben, ist in der Antike nicht sehr häufig bezeugt. Für eine gerechte Sache jedoch zu sterben, dazu finden sich viele Beispiele. Könige opfern sich, um Unheil von den Bürgern abzuwenden. Aber in Jesus wird dies alles übertroffen, da er eben für Gottlose stirbt! Und Paulus betont nochmals. bzw. malt noch deutlicher aus: werden wir bereits jetzt gerecht gemacht, um wie viel mehr erst dann? Erst dann beim Gericht! Der Gekreuzigte und Auferstandene tritt für uns ein, bürgt für uns bei Gott. Denn Versöhnung meint, Feindschaft findet ein Ende, Friedensschluss wird möglich. Indem Gott Jesus dahin gegeben hat, beendet er die Feindschaft der Sünder ihm gegenüber. Jetzt schon dürfen wir uns der Gegenwart Gottes rühmen, und nicht bloß harren auf künftige Errettung. Durch den Auferstandenen ist uns die Versöhnung mit Gott geschenkt.


Der Abschnitt spricht die Thematik von Sühne und Versöhnung durch Christus an. "Christus ist für die gottlosen Sünder gestorben, als sie noch schwach waren. Gottes Heilstat in Christus geht dem Glauben voran und gibt ihm seinen Grund in der Geschichte". Paulus spricht in diesem Kapitel auch die Frage der Rechtfertigung an. Gott will die Rettung aller. Sein "Gericht" will nicht verurteilen, sondern retten. (Vgl. NTD, Bd. 6, Göttingen 1989)


Alternative
1. Lesung vom Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr B:
Jes 55,1-11

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Auf, ihr Durstigen, kommt alle zum Wasser!
Auch wer kein Geld hat, soll kommen.
Kauft Getreide, und eßt,
kommt und kauft ohne Geld,
kauft Wein und Milch ohne Bezahlung!
Warum bezahlt ihr mit Geld, was euch nicht nährt,
und mit dem Lohn eurer Mühen, was euch nicht satt macht?
Hört auf mich, dann bekommt ihr das Beste zu essen
und könnt euch laben an fetten Speisen.
Neigt euer Ohr mir zu, und kommt zu mir,
hört, dann werdet ihr leben.
Ich will einen ewigen Bund mit euch schließen
gemäß der beständigen Huld, die ich David erwies.
Seht her: Ich habe ihn zum Zeugen für die Völker gemacht,
zum Fürsten und Gebieter der Nationen.
Völker, die du nicht kennst, wirst du rufen;
Völker, die dich nicht kennen, eilen zu dir,
um des Herrn, deines Gottes, des Heiligen Israels willen,
weil er dich herrlich gemacht hat.
Sucht den Herrn, solange er sich finden läßt,
ruft ihn an, solange er nahe ist.
Der Ruchlose soll seinen Weg verlassen, der Frevler seine Pläne.
Er kehre um zum Herrn, damit er Erbarmen hat mit ihm,
und zu unserem Gott; denn er ist groß im Verzeihen.
Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken,
und eure Wege sind nicht meine Wege - Spruch des Herrn.
So hoch der Himmel über der Erde ist,
so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege
und meine Gedanken über eure Gedanken.
Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt
und nicht dorthin zurückkehrt,
sondern die Erde tränkt und sie zum Keimen und Sprossen bringt,
wie er dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen,
so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verläßt:
Es kehrt nicht leer zu mir zurück, sondern bewirkt, was ich will,
und erreicht all das, wozu ich es ausgesandt habe.



Dieser Text gehört noch zum zweiten Teil des Jesajabuches und ist im babylonischen Exil entstanden. Der Prophet spricht dem Volk das Heil Gottes zu. In einem ersten Abschnitt ahmt der Prophet in seiner Heilszusage einen Händler auf dem Basar nach, der seine Ware anpreist: Wasser, Getreide, Wein, Milch ... alles ohne Geld. Im zweiten Abschnitt wirbt Gott um das Volk und bietet ihm einen Bund an, der den Bund mit David übertrifft. Während die Könige sich ihre Völker mit Waffengewalt unterwerfen müssen, kommen nun alle Völker freiwillig zu ihrem Herrn. Der dritte Abschnitt fordert auf, den Herrn zu suchen. Dies geschieht in der Umkehr zum Herrn. Dieser bietet sein Verzeihen an. Der letzte Abschnitt beschreibt die Zuverlässigkeit und die Wirksamkeit des Wortes Gottes in Vergleichen mit dem Regen und Schnee und dem Wachsen des Samens.


Antwortpsalm am Fest der Taufe des Herrn
Jes 12,2-6

R Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude
aus den Quellen des Heils. - R        

Gott ist meine Rettung;
ihm will ich vertrauen und niemals verzagen.
Denn meine Stärke und mein Lied ist der Herr.
Er ist für mich zum Retter geworden. - (R)

Ihr werdet Wasser schöpfen voll Freude
aus den Quellen des Heils.
Dankt dem Herrn! Ruft seinen Namen an!
Macht seine Taten unter den Völkern bekannt,
verkündet: Sein Name ist groß und erhaben! - (R)

Preist denHerrn; denn herrliche Taten hat er vollbracht;
auf der ganzen Erde soll man es wissen.
Jauchzt und jubelt, ihr Bewohner von Zion;
denn groß ist in eurer Mitte der Heilige Israels. - R


2. Lesung vom
Fest der Taufe des Herrn, Lesejahre A:
Apg 10,34-38

Lesung aus der Apostelgeschichte:

In jenen Tagen begann Petrus zu reden und sagte:
Wahrhaftig, jetzt begreife ich,
daß Gott nicht auf die Person sieht,
sondern daß ihm in jedem Volk willkommen ist,
wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Er hat das Wort den Israeliten gesandt,
indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus;
dieser ist der Herr aller.
Ihr wißt, was im ganzen Land der Juden geschehen ist,
angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat
mit dem Heiligen Geist und mit Kraft,
wie dieser umherzog,
Gutes tat und alle heilte,
die in der Gewalt des Teufels waren;
denn Gott war mit ihm.



Zu verstehen ist diese Lesung nur im größeren Zusammenhang der Cornelius-Geschichte in der Apostelgeschichte. Cornelius, Römer, aber dem jüdischen Glauben nahe stehend, wird in einer Vision zu Petrus geführt. Der, gefangen in den Kategorien von "rein" und "unrein2, "dazu gehörend“ und "fremd" wird in dieser Geschichte davon überzeugt, dass Gott nicht so denkt. Apg 18,28: "Und (Petrus) sprach zu ihnen: Ihr wisst, dass es einem jüdischen Mann nicht erlaubt ist, mit einem Fremden umzugehen oder zu ihm zu kommen; aber Gott hat mir gezeigt, dass ich keinen Menschen meiden oder unrein nennen soll." Gott hat den Israeliten das Wort gesandt: Jesus, den Christus. Er hat Frieden verkündigt, er ist der Herr aller. So wird hier zusammengefasst, was in der Predigt des Petrus dann ausgeführt wird. Mit einem vertrauten "ihr wisst" werden Erinnerungen wachgerufen, die lebendig sind: Nach der Taufe, die Johannes verkündigt hat, hat Gott Jesus von Nazareth gesalbt mit dem Heiligen Geist. Er zog umher, tat Gutes, heilte alle, die in der Gewalt des Teufels waren – kurz: der Weg Jesu wird als Heilsweg beschrieben, auf dem Gott selbst erscheint ("denn Gott war mit ihm"). In der Cornelius-Geschichte wird die Taufe Jesu ausgelegt. Die Apostelgeschichte, die mit dem Lukas-Evangelium zusammen gelesen werden muss, erzählt, dass "nach der Taufe, die Johannes verkündigt hat", durch Jesus auch Cornelius nicht mehr zu den Fremden gehört. In Lk 3,21f wird die Taufe Jesu so erzählt: "Und es begab sich, als alles Volk sich taufen ließ und Jesus auch getauft worden war und betete, da tat sich der Himmel auf, und der Heilige Geist fuhr hernieder auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen."


Die Apostelgeschichte steht in engem Zusammenhang mit dem Lukasevangelium. Sie schließt an die Osterberichte an und erzählt über die Anfänge des Christentum. Ein wesentlicher Schritt für die junge Kirche ist das Hinaustreten aus dem rein jüdischen Bereich. In der Zuwendung zu den „Heiden“ wird das Christentum zu einer selbständigen Religion. War es bisher notwendig, Jude zu sein, um Christ werden zu können, gehen die christlichen Gemeinden jetzt einen eigenständig Weg. Dass die Entscheidung nicht einfach war, zeigt uns die Apostelgeschichte. Der Abschnitt, welcher der Lesung vorausgeht, erzählt eine Vision des Petrus, die ihn über die Grenzen des jüdischen Gesetzes hinausführt und danach die Taufe des ersten "Heiden", des Hauptmannes Kornelius. In Apg 10,34-38 versteht Petrus seine Vision und begreift, dass es bei der Zugehörigkeit zum Volk Gottes nicht um Blutsverwandtschaft sondern um den Glauben geht. Gott ist Herr über alle Völker, es gibt keine besseren oder schlechteren Völker, die Entscheidung, zum Volk Gottes zu gehören, muss jeder Mensch selber fällen und verantworten. Danach fasst Petrus in kurzen Worten das Wesentliche des christlichen Glaubens zusammen: Jesus Christus, der verkündet und geheilt hat, gekreuzigt wurde und von Gott auferweckt wurde. Jesus Christus ist das zentrale Ereignis, das Volkszugehörigkeit, religiöse Vorschriften und alte Traditionen in die zweite Reihe stellt. Für die jungen christlichen Gemeinden geht es um ihre Identität, um die in inneren Konflikten und offenen Auseinandersetzungen gerungen wird. Persönliche und theologische Argumente, Diskussionen, Streitereien und Gebet kennzeichnen diese Zerreißprobe bis in die Reihen der Apostel. Zwischen Angst und Hoffnung, Fortschritt und Bewahrung der Tradition ist es auch für Petrus nicht leicht, hier zu entscheiden. Aber Gott kommt seinem Handeln zuvor und gießt seinen Geist auch über die nicht getauften Heiden aus und schafft so neue Tatsachen, der sich dann auch die Gemeinde in Jerusalem nicht verschließen kann, als Petrus später alles berichtet. Petrus und die Judenchristen müssen begreifen, dass Gott Menschen beruft, ohne sich an traditionelle Regeln zu halten. Es braucht noch eine Weile, bis aus dem Verstehen auch ein Tun wird, erst etwas später wird der Apostel Paulus mit der Heidenmission beauftragt.


Ungekürzte Fassung der Lesung Apg 10,25-48

Lesung aus der Apostelgeschichte:

Als Petrus in Cäsaréa beim Hauptmann Kornelius ankam,
ging ihm dieser entgegen und warf sich ehrfürchtig vor ihm nieder.
Petrus aber richtete ihn auf und sagte:
Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch.

Während er sich mit ihm unterhielt,
ging er hinein und fand dort viele Menschen versammelt.
Da sagte er zu ihnen:
Ihr wißt, daß es einem Juden nicht erlaubt ist,
mit einem Nichtjuden zu verkehren oder sein Haus zu betreten;
mir aber hat Gott gezeigt,
daß man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf.
Darum bin ich auch ohne Widerspruch gekommen,
als nach mir geschickt wurde.
Nun frage ich:
Warum habt ihr mich holen lassen?
Da sagte Kornelius:
Vor vier Tagen um diese Zeit
war ich zum Gebet der neunten Stunde in meinem Haus;
da stand plötzlich ein Mann in einem leuchtenden Gewand vor mir
und sagte:
Kornelius, dein Gebet wurde erhört,
und deine Almosen wurden vor Gott in Erinnerung gebracht.
Schick jemand nach Joppe,
und laß Simon, der den Beinamen Petrus hat, holen;
er ist Gast im Haus des Gerbers Simon am Meer.
Sofort habe ich nach dir geschickt,
und es ist gut, daß du gekommen bist.
Jetzt sind wir alle hier vor Gott zugegen,
um all das anzuhören,
was dir vom Herrn aufgetragen worden ist.

Da begann Petrus zu reden und sagte:
Wahrhaftig, jetzt begreife ich, daß Gott nicht auf die Person sieht,
sondern daß ihm in jedem Volk willkommen ist,
wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.

Er hat das Wort den Israeliten gesandt,
indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus;
dieser ist der Herr aller.
Ihr wißt, was im ganzen Land der Juden geschehen ist,
angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft,
wie dieser umherzog, Gutes tat
und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren;
denn Gott war mit ihm.
Und wir sind Zeugen für alles,
was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat.
Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet.
Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt
und hat ihn erscheinen lassen,
zwar nicht dem ganzen Volk,
wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen:
uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten
gegessen und getrunken haben.
Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen:
Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.
Von ihm bezeugen alle Propheten,
daß jeder, der an ihn glaubt,
durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.

Noch während Petrus dies sagte,
kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten.
Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren,
konnten es nicht fassen,
daß auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde.
Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen.
Petrus aber sagte:
Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern,
die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?
Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen.
Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.


Ruf vor dem Evangelium am Fest der Taufe des Herrn (A)      
Mt 3,16.17; Mk 9,7

Halleluja. Halleluja.
Der Himmel tat sich auf, und eine Stimme sprach:
Das ist mein geliebter Sohn; auf ihn sollt ihr hören.
Halleluja.



Gottlose missachten den Willen Gottes. Im Sühnetod Jesu geht die Gnade dem Glauben voraus. Das Besondere, das Paulus hier aufgreift, ist, dass Jesus für Schwache und Gottlose stirbt. Für einen gerechten Menschen das Leben geben, ist in der Antike nicht sehr häufig bezeugt. Für eine gerechte Sache jedoch zu sterben, dazu finden sich viele Beispiele. Könige opfern sich, um Unheil von den Bürgern abzuwenden. Aber in Jesus wird dies alles übertroffen, da er eben für Gottlose stirbt! Und Paulus betont nochmals. bzw. malt noch deutlicher aus: werden wir bereits jetzt gerecht gemacht, um wie viel mehr erst dann? Erst dann beim Gericht! Der Gekreuzigte und Auferstandene tritt für uns ein, bürgt für uns bei Gott. Denn Versöhnung meint, Feindschaft findet ein Ende, Friedensschluss wird möglich. Indem Gott Jesus dahin gegeben hat, beendet er die Feindschaft der Sünder ihm gegenüber. Jetzt schon dürfen wir uns der Gegenwart Gottes rühmen, und nicht bloß harren auf künftige Errettung. Durch den Auferstandenen ist uns die Versöhnung mit Gott geschenkt.


Der Abschnitt spricht die Thematik von Sühne und Versöhnung durch Christus an. "Christus ist für die gottlosen Sünder gestorben, als sie noch schwach waren. Gottes Heilstat in Christus geht dem Glauben voran und gibt ihm seinen Grund in der Geschichte". Paulus spricht in diesem Kapitel auch die Frage der Rechtfertigung an. Gott will die Rettung aller. Sein "Gericht" will nicht verurteilen, sondern retten. (Vgl. NTD, Bd. 6, Göttingen 1989)


Alternative
2. Lesung vom Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr B:
1 Joh 5,1-9

Lesung aus dem ersten Johannesbrief:

Jeder, der glaubt, daß Jesus der Christus ist, stammt von Gott,
und jeder, der den Vater liebt, liebt auch den, der von ihm stammt.
Wir erkennen, daß wir die Kinder Gottes lieben,
wenn wir Gott lieben und seine Gebote erfüllen.
Denn die Liebe zu Gott besteht darin, daß wir seine Gebote halten.
Seine Gebote sind nicht schwer.
Denn alles, was von Gott stammt, besiegt die Welt.
Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube.
Wer sonst besiegt die Welt, außer dem, der glaubt,
daß Jesus der Sohn Gottes ist?
Dieser ist es, der durch Wasser und Blut gekommen ist:
Jesus Christus.
Er ist nicht nur im Wasser gekommen,
sondern im Wasser und im Blut.
Und der Geist ist es, der Zeugnis ablegt;
denn der Geist ist die Wahrheit.
Drei sind es, die Zeugnis ablegen:
der Geist, das Wasser und das Blut;
und diese drei sind eins.
Wenn wir von Menschen ein Zeugnis annehmen,
so ist das Zeugnis Gottes gewichtiger;
denn das ist das Zeugnis Gottes:
Er hat Zeugnis abgelegt für seinen Sohn.



Der Autor möchte seiner Gemeinde verdeutlichen, was das Christsein ausmacht, was zum Christsein gehört. So wird dieser Abschnitt zu einem Lehrstück über die christliche Taufe, die über die Taufe des Johannes hinausführt. Wesentliche Grundlage ist der Glaube, daß Jesus der Christus ist. Dieser Glaube verbindet mit dem Vater und begründet die Gotteskindschaft. Glauben, Gott zu lieben, die Gebote zu erfüllen, vor allem das Gebot der Liebe, sind eins. Der zweite Teil der Lesung möchte in die Mystik der Taufe einführen. Es geht um die Taufe, den Geist, Wasser, Blut und lebendiges Zeugnis.


Ruf vor dem Evangelium am Fest der Taufe des Herrn
vgl. Joh 1,29

Halleluja. Halleluja.
Johannes sah Jesus auf sich zukommen und sagte:
Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt.
Halleluja.


Evangelium vom Fest der Taufe des Herrn, Lesejahr B:
Mk 1,7-11

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

In jener Zeit trat Johannes in der Wüste auf
und er verkündete:
Nach mir kommt einer, der ist stärker als ich;
ich bin es nicht wert, mich zu bücken,
um ihm die Schuhe aufzuschnüren.
Ich habe euch nur mit Wasser getauft,
er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen.
In jenen Tagen kam Jesus aus Nazaret in Galiläa
und ließ sich von Johannes im Jordan taufen.
Und als er aus dem Wasser stieg,
sah er, daß der Himmel sich öffnete
und der Geist wie eine Taube auf ihn herabkam.
Und eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Du bist mein geliebter Sohn,
an dir habe ich Gefallen gefunden.



Das Evangelium nach Markus ist vermutlich das früheste der vier Evanglien. Die Taufe Jesu steht schon im 1. Kapitel, also ganz am Anfang. Eine Kindheitsgeschichte fehlt. Die Taufgeschichte beginnt mit einem Auszug aus der Predigt Johannes des Täufers. Er, der gemeinhin als Vorläufer angesehen wird, steht mit seiner Botschaft an einer Nahtstelle: Einerseits legt er die Schrift aus, die zum Alten Bund gehört, andererseits bereitet er dem Herrn, der kommt, den Weg (Neuer Bund). Ein Gefälle von "alt" zu "neu" ist dabei nicht beabsichtigt, eher eine persönlich vermittelte Nähe, ein nahtloser Übergang. Aus der Predigt des Johannes: Nach mir kommt einer, der stärker ist als ich … Ich habe euch nur mit Wasser getauft, er aber wird euch mit dem Heiligen Geist taufen. Jesus lässt sich taufen (mit Wasser), wie Johannes sagt, aber als er aus dem Wasser steigt, sieht er den geöffneten Himmel und den Geist auf sich herabkommen. Eine Stimme aus dem Himmel spricht: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. Hat nur Jesus den geöffneten Himmel gesehen? Nur er die Taube? Hat nur er die Stimme gehört? Das Evangelium lässt offen, wer das bezeugen könnte. Was der Geist aber bewirkt, wird im Evangelium erzählt. Und in jeder Taufe neu geschenkt. Es ist nicht nur eine Taufe mit Wasser, sondern eine Taufe mit Heiligem Geist. Die Geschichte von der Taufe Jesu, wie sie im Markus-Evangelium überliefert wird, erzählt am Anfang der Geschichte Jesu überhaupt, dass Gott sich zu ihm bekennt, ihn Sohn nennt, an ihm Gefallen gefunden hat (bevor sein Weg überhaupt beginnt). Das ist als Proklamation zu verstehen. Ältere Ausleger haben hier zu sehen gemeint, dass Jesus als Sohn adoptiert wird, aber das konnte nur missverständlich sein. Das letzte Wort lässt Markus dem Hauptmann, der bei der Kreuzigung zugegen war: "Der Hauptmann aber, der dabeistand, ihm gegenüber, und sah, dass er so verschied, sprach: Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn gewesen!" (Mk 15,39)


Der vorliegende Text aus dem Markusevangelium ist Teil der Vorbereitung Jesu auf sein öffentliches Wirken. Markus erzählt keine Kindheitsgeschichte Jesu. Es gibt also keine Ankündigung bei Maria und keine Geburtserzählung. Markus bringt die Ursprungsfrage und Legitimation für das Handeln Jesu in diesem Kontext. Die Verkündigung der frohen Botschaft nimmt bei Gott seinen Anfang, wird durch Johannes vorbereitet und angekündigt und in Jesus Realität. Für Markus wird die Offenbarung, daß er der Sohn Gottes ist, Jesus allein geschenkt (anders bei Mt. oder Johannes). Er allein Hört die Stimme; Er allein sieht den offenen Himmel und den Geist herabkommen. Hier liegt für Markus die Legitimation für Jesu nachfolgendes Handeln. Die Ankündigung des Johannes mit der Rede vom Lösen der Schuhriemen hat im damaligen Verständnis nicht die Bedeutung von Demut sondern war im Rechtsbereich eine Geste zur Besiegelung eines Rechtsgeschäftes. Somit zeigt Johannes nicht wie ehrfürchtig es ist sondern er betont damit die hohe Stellung Jesu und seine Unwürdigkeit, auf gleicher Ebene als Partner mit Jesus ein Geschäft abzuwickeln. Inhaltlich interessant ist hier auch noch die Unterscheidung von Taufe mit Wasser und Taufe mit dem Heiligen Geist. Die katholische Tradition sieht diese beiden als Einheit.