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24.10.2018

Lesungen 09.09.2018


1. Lesung vom 23. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Jes 35,4-7a

Lesung aus dem Buch Jesaja:

Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht!
Seht, hier ist euer Gott!
Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung;
er selbst wird kommen und euch erretten.
Dann werden die Augen der Blinden geöffnet,
auch die Ohren der Tauben sind wieder offen.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch,
die Zunge des Stummen jauchzt auf.
In der Wüste brechen Quellen hervor,
und Bäche fließen in der Steppe.
Der glühende Sand wird zum Teich
und das durstige Land zu sprudelnden Quellen.



Der Lesungstext, der Deuterojesaja zuzuordnen ist, stellt eine positive Apokalypse dar. Einmal wird geschehen, was jetzt kaum wahrzunehmen ist. In einem belagerten Jerusalem muss es eine Verheißung sein, dass Gott eingreift und es den Belagerern heimzahlt. Alles, was sich an Last ausdenken lässt, wird im neuen Jerusalem anders sein. Zugleich bleibt dies nur das Endziel. Denn noch ist Gott nicht so in seine Welt gekommen, dass nur er das Maß der Dinge ist.


Der Text dieser Lesung ist ein kurzer Abschnitt aus der sogenannten "Jesja-Apokalypse" (das 34. Kapitel des Jesajabuches handelt vom Weltgericht und im 35. Kapitel wird das endzeitliche Heil beschrieben). Obwohl der Prophet zum Volk Gottes während dessen Verbannung in Babylonien spricht, dürfte der Text höchstwahrscheinlich aus der Zeit nach dem Exil stammen. Das Volk Gottes ist verzagt, da die Hilfe seines Gottes ausbleibt. In diese Situation hinein wird das Gericht über die Feinde Israels und die Rettung Israels - das Kommen seines Gottes - angekündigt. Die Getreuen müssen aber tapfer und mutig sein (vgl. dazu auch: 1Kön 2,2; Dtn 11,8; Ps 46,8; Jes 12,2). Wenn Gott selbst zu seinem Volk kommt, dann bleibt das nicht ohne Folgen: er wird die Folgen der Schuld wegnehmen (Taubheit, Blindheit etc. galten in der damaligen Zeit als "Folgen" sündhaften Verhaltens, wobei die Behinderung auch aufgrund eines Vergehens vorheriger Generationen entstanden sein konnte). Das Bild der Verwandlung der Wüste in eine fruchtbare Landschaft ist ein in der Bibel öfter vorkommendes Motiv. Es soll die Wandlung des Menschen und das Kommen des Heils auch in der Natur ausdrücken und versinnbildlichen. Dieses fruchtbare Land dient dann wiederum dem Menschen als Grundlage für ein Leben ohne jeglichen Mangel (vgl. dazu auch: Esr 3,8; Dtn 8,7-10; Ps 107,33; Jes 50,2; Jer 2,11).


Die erste Lesung ist dem Buch des Propheten Jesaja entnommen. Die Kapitel 1 bis 34, die unserem Text vorangehen, werden dem 8. Jahrhundert vor Christus zugeordnet, die Kapitel 40 bis 55 der späten Exilszeit (6. Jhdt. v. Chr.). Das Kapitel 35 will eine Art Brücke zwischen beiden Abschnitten schaffen; es hat Bezüge zu beiden Buchteilen. In gewissem Sinn ist es überzeitlich. Der vorliegende Text (vgl. auch die Gesamtkomposition 35, 1-10) will Zuversicht wecken und Mut zusprechen. Mut zu machen ist zugleich eine Aufgabe. Der Grund der Hoffnung ist das Kommen Gottes, der sein Volk erretten wird. Diese Hoffnung wird in mehreren Kreisen von Bildern zum Ausdruck gebracht: - Augen und Ohren werden geöffnet, Lahme und Stumme geheilt (Verse 5-6a) - In der Wüste wecken Quellen, Bäche und Teiche neues Leben (Verse 6b-7) - Das Ödland wird wegsam (Vers 8) - Die Erlösten werden nicht mehr von wilden Tieren bedrängt (Vers 9) - Die Rückkehr der Befreiten (Vers 10)


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom 3. Adventsonntag, Lesejahr A:
Jes 35,1-10

Lesung aus dem Buch des Propheten Jesaja:

Die Wüste und das trockene Land sollen sich freuen,
die Steppe soll jubeln und blühen.
Sie soll prächtig blühen wie eine Lilie,
jubeln soll sie, jubeln und jauchzen.
Die Herrlichkeit des Libanon wird ihr geschenkt,
die Pracht des Karmel und der Ebene Scharon.
Man wird die Herrlichkeit des Herrn sehen,
die Pracht unseres Gottes.
Macht die erschlafften Hände wieder stark
und die wankenden Knie wieder fest!
Sagt den Verzagten:
Habt Mut, fürchtet euch nicht!
Seht, hier ist euer Gott!
Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung;
er selbst wird kommen und euch erretten.
Dann werden die Augen der Blinden geöffnet,
auch die Ohren der Tauben sind wieder offen.
Dann springt der Lahme wie ein Hirsch,
die Zunge des Stummen jauchzt auf.
In der Wüste brechen Quellen hervor,
und Bäche fließen in der Steppe.
Der glühende Sand wird zum Teich
und das durstige Land zu sprudelnden Quellen.
An dem Ort, wo jetzt die Schakale sich lagern,
gibt es dann Gras, Schilfrohr und Binsen.
Eine Straße wird es dort geben;
man nennt sie den Heiligen Weg.
Kein Unreiner darf ihn betreten.
Er gehört dem, der auf ihm geht.
Unerfahrene gehen nicht mehr in die Irre.
Es wird keinen Löwen dort geben,
kein Raubtier betritt diesen Weg,
keines von ihnen ist hier zu finden.
Dort gehen nur die Erlösten.
Die vom Herrn Befreiten kehren zurück
und kommen voll Jubel nach Zion.
Ewige Freude ruht auf ihren Häuptern.
Wonne und Freude stellen sich ein,
Kummer und Seufzen entfliehen.


Antwortpsalm, 23. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 146,6-10

R: Lobe den Herrn, meine Seele! - R
(Oder: Halleluja)


Der Herr hat Himmel und Erde gemacht,
das Meer und alle Geschöpfe;
er hält ewig die Treue.
Recht verschafft er den Unterdrückten,
den Hungernden gibt er Brot;
der Herr befreit die Gefangenen. - (R)

Der Herr öffnet den Blinden die Augen,
er richtet die Gebeugten auf.
Der Herr beschützt die Fremden
und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht. - (R)

Der Herr liebt die Gerechten,
doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre.
Der Herr ist König auf ewig,
dein Gott, Zion, herrscht von Geschlecht zu Geschlecht. – R 


2. Lesung vom 23. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Jak 2,1-5

Lesung aus dem Jakobusbrief:

Meine Brüder,
haltet den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus,
den Herrn der Herrlichkeit,
frei von jedem Ansehen der Person.
Wenn in eure Versammlung
ein Mann mit goldenen Ringen und prächtiger Kleidung kommt,
und zugleich kommt ein Armer in schmutziger Kleidung,
und ihr blickt auf den Mann in der prächtigen Kleidung und sagt:
Setz dich hier auf den guten Platz!,
und zu dem Armen sagt ihr:
Du kannst dort stehen!,
oder: Setz dich zu meinen Füßen! -
macht ihr dann nicht untereinander Unterschiede
und fällt Urteile aufgrund verwerflicher Überlegungen?
Hört, meine geliebten Brüder:
Hat Gott nicht die Armen in der Welt auserwählt,
um sie durch den Glauben reich
und zu Erben des Königreichs zu machen,
das er denen verheißen hat, die ihn lieben?



Der Jakobusbrief wendet sich an die judenchristlichen Gemeinden im hellenistischen Umfeld. Den Glaubenden sollen Verhaltensregeln für den Alltag gegeben werden. Dabei spielt der Alltag der Umgebung eine Rolle. Wenn in unserem Lesungsabschnitt zur Achtung vor den Armen aufgefordert wird, ist es eine Ermahnung zum Leben nach dem Evangelium. Jesus wandte sich den Armen zu (vgl. auch das Hochgebet zu besonderen Anlässen IV: Jesus, der Bruder aller). Wer Christ sein will, soll dies auch tun. Wird er dadurch zum kritischen Korrektiv – umso besser.


Ein Hauptanliegen des Jakobusbriefes ist, daß die Christen nicht nur Hörer des Wortes Gottes sind, sondern auch danach leben und handeln. Die gehörte Botschaft soll also in die Tat umgesetzt werden. In der christlichen Gemeinde besteht die Gefahr, daß rein äußerliche Zeichen (goldene Ringe, prächtige Kleidung... ) eine vorrangige Stellung einnehmen. Nach dem Autor des Jakobusbriefes kommt solch ein Verhalten einem Verrat von Glaube und Liebe gleich (vgl. Mt 5,3 und Lk 16,19 ff.). Das Beispiel in Vers 5 hat auch Eingang gefunden in mehrere "Kirchenordnungen". In den äthiopischen Apostelstatuten heißt es dazu etwa: "Wenn ein Mann oder eine Frau in feinen Kleidern eintritt, so sollst du, Ältester, nicht die Person ansehen, noch den Gottesdienst unterbrechen, um ihnen Plätze anzuweisen, sondern dich ruhig verhalten. Denn die Brüder werden sie empfangen, und wenn kein Platz mehr für sie da ist, wird jemand, der seine Brüder und Schwestern lieb hat, aufstehen und ihnen seinen Platz überlassen. Und wenn ein armer Mann oder eine Frau kommen sollte, dann sollst du, Ältester, ihnen von ganzem Herzen Platz machen, auch wenn du selbst am Fußboden sitzen mußt, damit kein Ansehen der Person, sondern Gottes sei."


Der Jakobusbiref, dem die zweite Lesung entnommen ist, will seine Adressaten nach der Art der alttestamentlichen Weisheitsliteratur ermahnen. Im vorliegenden Abschnitt wendet er sich gegen eine falsche Rücksichtnahme auf Reiche. Die damalige Zeit war stark von sozialen Gegensätzen geprägt: Herkunft, Besitz und Bildung waren maßgeblich für das öffentliche Ansehen. Die Christen gehörten vor allem der unteren Volksschicht an. Deshalb soll es gerade bie ihnen kein besonderes Ansehen auf Grund der Abstammung oder des Besitzes geben.


Ruf vor dem Evangelium, 23. Sonntag im Jahreskreis (B)
Mt 4,23b

Halleluja. Halleluja.
Jesus verkündete das Evangelium vom Reich
und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.
Halleluja.


Evangelium vom 23. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 7,31-37

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

In jener Zeit
verließ Jesus das Gebiet von Tyrus wieder
und kam über Sidon an den See von Galiläa,
mitten in das Gebiet der Dekapolis.
Da brachte man einen Taubstummen zu Jesus
und bat ihn, er möge ihn berühren.
Er nahm ihn beiseite, von der Menge weg,
legte ihm die Finger in die Ohren
und berührte dann die Zunge des Mannes mit Speichel;
danach blickte er zum Himmel auf,
seufzte und sagte zu dem Taubstummen:
Effata!, das heißt: Öffne dich!
Sogleich öffneten sich seine Ohren,
seine Zunge wurde von ihrer Fessel befreit,
und er konnte richtig reden.
Jesus verbot ihnen, jemand davon zu erzählen.
Doch je mehr er es ihnen verbot,
desto mehr machten sie es bekannt.
Außer sich vor Staunen sagten sie:
Er hat alles gut gemacht;
er macht, daß die Tauben hören
und die Stummen sprechen.



Der Evangelienabschnitt ist in der Tradition immer symbolisch verstanden worden. Jesus wird gezeigt als derjenige, der zum Hören auf Gott befreit. In der Beschreibung der Heilung finden sich Parallelen zu allen Heilungsbeschreibungen der Zeit. Das Blicken zum Himmel und das Seufzen ist Zeichen dafür, dass Heilende nicht aus sich heraus handeln. Spannend ist die Frage nach Öffentlichkeit. Die Heilung geschieht abseits der Menge – aber: diese Menge bringt ihr Staunen zum Ausdruck. Von der Heilung soll nicht gesprochen werden – und umso mehr geschieht es.


Im Gebiet der Dekapolis, der zehn Städte am Ostufer des Sees Genesareth, bringen Unbekannte einen Unbekannten zu Jesus. Der Unbekannte ist taubstumm und wahrscheinlich ein Heide. Das griechische Wort für Stummheit bedeutet in etwa "er konnte nur stammeln". Ein Kind, das nicht hören kann, stammelt meist nur und lernt (ohne heutige medizinische Standards) auch nie richtig sprechen. Ob er allerdings von Geburt an taubstumm gewesen ist oder erst aufgrund einer Krankheit, kann aus dem Text nicht geschlossen werden. Sicher ist hingegen, daß Taubheit damals oft mit Besessenheit gleichgesetzt worden ist. Dieser Taubstumme wird also zu Jesus gebracht, und seine Heilung, ein Wunder, wird erwartet. Jesus nimmt den Kranken beiseite, da dieser in der Masse hilflos zu sein scheint, und Jesus möchte ihm den nötigen Raum zur "gesamtmenschlichen" Begegnung mit ihm geben. Die Finger waren oft Sinnbilder einer Kraftübertragung und werden hier auf die "Orte des Schmerzes" gelegt. Speichel kam im Alten Orient eine heilende und exorzistische Bedeutung zu. Der Blick zum Himmel drückt die tiefe Verbundenheit mit Gott aus. Die Heilung kommt nicht von verborgenen Kräften, es werden keine unverständlichen Riten und Rituale praktiziert, sondern die Heilung beruft sich auf die Kraft Gottes. Dadurch lösen sich die (dämonischen?) Blockaden im Körper des Taubstummen und er wird zu einer normalen menschlichen Kommunikation befähigt. Jesus will aber nicht, daß die Menschen von dieser Heilung berichten. Seine Zeit, die Zeit in der die Menschen sein Tun erst begreifen werden, ist die Zeit des Kreuzes und diese ist noch nicht gekommen. Logisch, daß die Menge dieses Wunder nicht geheim halten konnte. Doch sie läuft gleichsam Gefahr, das Wesentliche zu übersehen und am Wunder "hängen zu bleiben". Das "effata", das "öffne dich" gilt auch für die Menge.


Das Evangelium dieses Sonntags erzählt von einer wunderbaren Heilung eines Tabstummen. Diese Geschichte ist einzigartig. Obwohl sie Matthäus und Lukas vorgelegen hat, haben sie sie nicht übernommen. Sie wird ganz nach dem Muster der Wunder- und Heilungserzählungen, die es im palästinenschischen und hellnistischen Umfeld gegeben hat, erzählt. Die Erzählung beschreibt ungewöhnlich bis ins Detail, was der Heiler mit dem zu Heilenden anstellt. So zu erzählen war damals üblich. Markus gibt dieser Erzählung jedoch seine eigene Deutung. Diese läßt sich aus dem Kontext und dem Schweigegebot, das Markus an mehreren Stellen einfügt, ablesen. Für Markus ist Jesus der verborgene Gottessohn, der erst am Kreuz offenbar wird. Was man von ihm schon vor diesem Offenbarwerden erzählt und erzählen kann, ist mißverständlich. Deshalb fügt Markus immer wieder das Schweigegebot ein. "Die Heiden" (Dekapolis und Gliläa, wo sie diese Ereignisse zutragen, gelten als heidnische Gebiete) mißverstehen Jesu Wundertäter, göttlichen Arzt, Wohltäter der Menscheit... Jesus läßt sich aber auch nicht nach den Forderungen der Pharisäer nach jüdischen Vorstellungen verstehen. Auch die Jünger verstehen ihn nicht (vgl. Mk 8, 21). Der Abschluß der Erzählung knüpft jedoch an die alttestamentliche Überlieferung vom Schöpfer, der alles gut macht, und vom Retter, der heilt und die Schöpfung wieder herstellt, an.