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19.01.2019

Lesungen 30.12.2018


1. Lesung vom Fest der Hl. Familie, Lesejahre A/B/C:
Sir 3,2-6. 12-14

Aus dem Buch Jesus Sirach:

Lesung aus dem Buch Jesus Sirach.
Der Herr hat dem Vater Ehre verliehen bei den Kindern
und das Recht der Mutter bei den Söhnen bestätigt.
Wer den Vater ehrt,
   sühnt Sünden,
und wer seine Mutter ehrt,
   sammelt Schätze.
Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den Kindern
und am Tag seines Gebets
   wird er erhört.
Wer den Vater ehrt, wird lange leben,
und seiner Mutter verschafft Ruhe, wer auf den Herrn hört.
Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an
   und kränke ihn nicht, solange er lebt!
Wenn er an Verstand nachlässt,
   übe Nachsicht
und verachte ihn nicht in deiner ganzen Kraft!
Denn die dem Vater erwiesene Liebestat wird nicht vergessen;
und statt der Sünden wird sie dir zur Erbauung dienen.



Das Buch Jesus Sirach gehört zur Weisheitsliteratur. Man vermutet eine Abfassung um 200 vor Christus. In der Weisheitsliteratur werden die guten Erfahrungen des Alltags und der Geschichte gesammelt. Alle diese Erfahrungen gelten als das große Geschenk Gottes an sein Volk. Der Verfasser des Buches Jesus Sirach betont die Bedeutung des Zusammenspiels zwischen der elterlichen Fürsorge für die Kinder auf der einen Seite und der späteren Sorge um das Wohlergehen der Eltern von Seiten der erwachsenen Kinder.Ehrfurcht und Achtung sollen das Miteinander prägen.


Ein einzigartiges Buch des Ersten Testamentes ist das Buch Jesus Sirach, das zur alttestamentlichen Weisheit zählt. Das Buch ist im ersten Viertel des 2. Jhdt. v. Chr. Entstanden und ist vom Vordringen des hellenistischen Gedankengutes durch das Militär und durch den Handel zu jener Zeit geprägt. Jesus Sirach ist voll von Texten verschiedener weisheitlicher Gattungen. Von Sprüchen über Hymnen bis zu Gebeten ist in dieser Sammlung vieles an Weisheit enthalten. Es lohnt sich, in diesem Buch einmal zu schmökern. Es befassen sich viele Abschnitte mit der Weisheit selbst. Dazwischen sind konkrete Anweisungen für die Gestaltung des Lebens eingelagert, die alle Lebensbereiche umfassen, angefangen vom persönlichen Lebenslauf bis hin zum öffentlichen Leben. Unsere Lesung ist Teil dieser Anweisungen und befasst sich mit dem Verhältnis der Eltern zu ihren Kindern und umgekehrt. Letztliche Motivation für eine Ethik des Handelns und des Denkens ist aber die Gottesfurcht, die Anfang und Ziel jeglicher Weisheit ist (vgl. Sir 19,20). Vgl. Marböck, Johannes, Das Buch Jesus Sirach, in: Zenger, Erich (u.a.), Einleitung in das Alte Testament, Kohlhammer 1995, 285 ff


Das Buch Jesus Sirach ist eine im Verhältnis zum übrigen AT spät entstandene Schrift. Als Abfassungszeit kommen die Jahre um 180 v. Chr. in Betracht. Es ist das einzige Buch, das zwar nicht zum jüdischen Kanon der Bibel gehört, aber trotzdem zeitweise wie ein kanonisches Buch behandelt wurde. Für die christlichen Kirchen gehörten die meist griechischen Spätschriften, die die jüdische Tradition nicht zur Bibel zählt, schon relativ früh zum Kanon der biblischen Bücher. Zu den griechischen Überlieferungen des Textes von Jesus Sirach sind seit 1896 ungefähr zwei Drittel des hebräischen Textes wiederentdeckt worden. Die Schwierigkeit in der Arbeit mit diesem Text liegt zum Teil in der bewegten Überlieferungsgeschichte, zum Teil auch darin, daß es eine kürzere und eine erweiterte Textfassung gibt, Verse vertauscht wurden und auch alte Übersetzungen, wie zum Beispiel die syrische und die altlateinische Fassung für das Verständnis unumgänglich sind. Das Buch erweckt den Eindruck einer lockeren Sammlung von Sprüchen, Lehrvorschriften, Gebeten und Hymnen. Die Inhalte betreffen die alltägliche Lebenswelt, die Beziehung zu den Mitmenschen genauso wie die Beziehung zu Gott. Eine zentrale Idee des Buches Jesus Sirach ist die Weisheit, die sogar als Person auftreten kann. Sie wurzelt in der "Gottesfurcht", der umfassende Haltung der Offenheit und Bereitschaft des Menschen Gott gegenüber. Konkret zeigt sich diese Grundhaltung in der Anerkennung der Würde auch des Geringsten (Sir 10,19-24) und ermöglicht die Freiheit von Furcht vor allem, was geringer ist als Gott (Sir 34,16). Die soziale und existentielle Bedeutung der Familie Die Aussagen über die Weisheit und die Gottesfurcht sind der Horizont, in den die konkreten Ratschläge und Unterweisungen für die verschiedenen Bereiche des Verhaltens im persönlichen und öffentlichen Leben hineingestellt sind. Vielfach wird dabei so wie in diesem Lesungstext mit der Familie begonnen. Die Weisungen die den Kindern in Sir 3,1-16 gegeben werden, sind dabei weniger als ethische, sondern als soziale Grundregeln zu sehen. Sie wenden sich an die Erwachsenen, und garantieren eine Art soziales Netz oder "Pensionsversicherung" für die älteren Menschen. Die Auswahl der Verse für die Lesung ist hier irreführend, weil sie sofort mit dem göttlichen Gebot beginnt und den konkreten Hintergrund der Vater- und Mutterschaft, der in Sir 3,1 der eigentliche Ausgangspunkt ist, streicht. Die Generation, die jetzt für die Leben der Gesellschaft arbeitet und die Verantwortung trägt, ist auch dafür verantwortlich, daß die Älteren ein lebenswertes Leben führen können, auch wenn sie nicht mehr in der Lage sind, selbst dafür zu arbeiten. Die alten Menschen werden so zum Schatz (3,3) und zum Segen (3,8), nicht nur im Blick auf das eigene Altwerden sondern auch durch den Reichtum der Erfahrung und des Wissens, die die Wurzel des Lebens festigen (3,9) und so Zukunft auch für kommende Generationen ermöglichen.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung am Fest der Heiligen Familie:
Sir 3,1-16


Aus dem Buch Jesus Sirach:

Lesung aus dem Buch Jesus Sirach.

Der Herr hat dem Vater Ehre verliehen bei den Kindern
und das Recht der Mutter bei den Söhnen bestätigt.
Wer den Vater ehrt,
   sühnt Sünden,
und wer seine Mutter ehrt,
   sammelt Schätze.
Wer den Vater ehrt, wird Freude haben an den Kindern
und am Tag seines Gebets
   wird er erhört.

Wer den Vater ehrt, wird lange leben,
und seiner Mutter verschafft Ruhe, wer auf den Herrn hört.
Wer den Herrn fürchtet, ehrt den Vater.
So wie Herren dient er seinen Eltern.
In Tat und Wort ehre deinen Vater,
   damit sein Segen über dich kommt!
Denn der Segen des Vaters festigt die Häuser der Kinder,
   der Fluch der Mutter aber entwurzelt die Fundamente.
Rühme dich nicht durch Entehrung deines Vaters,
   denn die Entehrung des Vaters
   gereicht dir nicht zum Ruhm!
Denn der Ruhm eines Menschen
   kommt von der Ehre seines Vaters,
aber eine Schande für die Kinder
   ist eine Mutter mit schlechtem Ruf.

Kind, nimm dich deines Vaters im Alter an
   und kränke ihn nicht, solange er lebt!
Wenn er an Verstand nachlässt,
   übe Nachsicht
und verachte ihn nicht in deiner ganzen Kraft!
Denn die dem Vater erwiesene Liebestat wird nicht vergessen;
und statt der Sünden wird sie dir zur Erbauung dienen.


Antwortpsalm am Fest der Heiligen Familie (A/B/C)
nach Sir 3,2-6. 12-14
Ps
128,1-5

Kv: Selig die Menschen, die Gottes Wege gehn. – Kv
Oder (GL 71,1)

Selig jeder, der den HERRN fürchtet,
der auf seinen Wegen geht!
Was deine Hände erarbeitet haben, wirst du genießen;
selig bist du - es wird dir gut ergehn. - Kv

Deine Frau ist wie ein fruchtbarer Weinstock
im Innern deines Hauses.
Wie Schösslinge von Ölbäumen sind deine Kinder
rings um deinen Tisch herum. - Kv

Siehe, so wird der Mann gesegnet,
der den HERRN fürchtet.
Es segne dich der HERR vom Zion her.
Du sollst schauen das Glück Jerusalems alle Tage deines Lebens. - Kv


1. Lesung am Fest der Hl. Familie, Lesejahr C:
1 Sam 1,20-22. 24-28

Lesung aus dem ersten Buch Samuel:

Hanna, die Frau Elkánas, schwanger.
Sie gebar einen Sohn
   und nannte ihn Samuel,
denn sie sagte: Ich habe ihn vom HERRN erbeten.
Als dann Elkana
   mit seiner ganzen Familie wieder hinaufzog,
   um dem HERRN das jährliche Opfer
   und die Gaben, die er gelobt hatte, darzubringen,
   zog Hanna nicht mit,
sondern sagte zu ihrem Mann:
   Ich werde den Knaben
   erst, wenn er entwöhnt ist, hinaufbringen;
dann soll er vor dem Angesicht des HERRN erscheinen
   und für immer dort bleiben.

Als sie den Stier geschlachtet hatten,
   brachten sie den Knaben zu Eli
und Hanna sagte: Bitte, mein Herr,
so wahr du lebst, mein Herr,
ich bin die Frau, die damals neben dir stand,
   um zum HERRN zu beten.
Ich habe um diesen Knaben gebetet
und der HERR hat mir die Bitte erfüllt,
   die ich an ihn gerichtet habe.
Darum lasse ich ihn auch vom HERRN zurückfordern.
Er soll für sein ganzes Leben
ein vom HERRN Zurückgeforderter sein.
Und sie beteten dort den HERRN an.



Samuel war ein wichtiger Prophet Israels. Das 1. Samuelbuch macht deutlich: Dies ist kein Zufall. Hanna begreift schon während der Schwangerschaft, dass dies Geschenk Gottes an sie ist. Und dieses Geschenk gibt sie zurück und macht Samuel zum Geschenk für sein Volk.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung am Fest der Hl. Familie, Lesejahr C:
1 Sam 1,20-28

Lesung aus dem ersten Buch Samuel:

Hanna, die Frau Elkánas, schwanger.
Sie gebar einen Sohn
   und nannte ihn Samuel,
denn sie sagte: Ich habe ihn vom HERRN erbeten.
Als dann Elkana
   mit seiner ganzen Familie wieder hinaufzog,
   um dem HERRN das jährliche Opfer
   und die Gaben, die er gelobt hatte, darzubringen,
   zog Hanna nicht mit,
sondern sagte zu ihrem Mann:
   Ich werde den Knaben
   erst, wenn er entwöhnt ist, hinaufbringen;
dann soll er vor dem Angesicht des HERRN erscheinen
   und für immer dort bleiben.

Ihr Mann Elkana sagte zu ihr: Tu, was dir gefällt!
Bleib hier, bis du ihn entwöhnt hast!
   Wenn nur der HERR sein Wort erfüllt!
Die Frau blieb also daheim
   und stillte ihren Sohn, bis sie ihn entwöhnte.
Als sie ihn entwöhnt hatte,
   nahm sie ihn mit hinauf,
dazu einen dreijährigen Stier,
   ein Efa Mehl
   und einen Schlauch Wein.
So brachte sie ihn zum Haus des HERRN in Schilo;
der Knabe aber war damals noch sehr jung.

Als sie den Stier geschlachtet hatten,
   brachten sie den Knaben zu Eli
und Hanna sagte: Bitte, mein Herr,
so wahr du lebst, mein Herr,
ich bin die Frau, die damals neben dir stand,
   um zum HERRN zu beten.
Ich habe um diesen Knaben gebetet
und der HERR hat mir die Bitte erfüllt,
   die ich an ihn gerichtet habe.
Darum lasse ich ihn auch vom HERRN zurückfordern.
Er soll für sein ganzes Leben
ein vom HERRN Zurückgeforderter sein.
Und sie beteten dort den HERRN an.



Samuel war ein wichtiger Prophet Israels. Das 1. Samuelbuch macht deutlich: Dies ist kein Zufall. Hanna begreift schon während der Schwangerschaft, dass dies Geschenk Gottes an sie ist. Und dieses Geschenk gibt sie zurück und macht Samuel zum Geschenk für sein Volk.


Antwortpsalm nach der Lesung von 1 Sam 1,20-22. 24-28
am Fest der heiligen Familie
Ps 84,2-3. 5-6. 9-10

Kv: Selig, die in deinem Hause wohnen, Herr,
die dich loben allezeit - Kv
(Oder GL 651,7)


Wie liebenswert ist deine Wohnung, du HERR der Heerscharen!
Meine Seele verzehrt sich in Sehnsucht
nach den Höfen des HERRN.
Mein Herz und mein Fleisch,
sie jubeln dem lebendigen Gott entgegen. - Kv

Selig, die wohnen in deinem Haus,
die dich allezeit loben.
Selig die Menschen, die Kraft finden in dir,
die Pilgerwege im Herzen haben. - Kv

HERR, Gott der Heerscharen, höre mein Bittgebet,
vernimm es, Gott Jakobs!
Gott, sieh her auf unseren Schild,
schau auf das Angesicht deines Gesalbten! - Kv


2. Lesung vom Fest der Hl. Familie, Lesejahre A/B/C:
Kol 3,12-21

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Kolóssä:

Schwestern und Brüder!
Bekleidet euch
   als Erwählte Gottes, Heilige und Geliebte,
   mit innigem Erbarmen,
Güte, Demut, Milde, Geduld!
Ertragt einander
und vergebt einander,
   wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat!
Wie der Herr euch vergeben hat,
   so vergebt auch ihr!
Vor allem bekleidet euch mit der Liebe,
   die das Band der Vollkommenheit ist!
Und der Friede Christi triumphiere in euren Herzen.
Dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes.
Seid dankbar!
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
In aller Weisheit belehrt und ermahnt einander!
Singt Gott Psalmen, Hymnen und geistliche Lieder
   in Dankbarkeit in euren Herzen!
Alles, was ihr in Wort oder Werk tut,
   geschehe im Namen Jesu, des Herrn.
Dankt Gott, dem Vater, durch ihn!
Ihr Frauen,
ordnet euch den Männern unter,
wie es sich im Herrn geziemt!
hr Männer,
liebt die Frauen
   und seid nicht erbittert gegen sie!
Ihr Kinder,
gehorcht euren Eltern in allem,
denn das ist dem Herrn wohlgefällig!
Ihr Väter,
schüchtert eure Kinder nicht ein,
damit sie nicht mutlos werden!



Der Text der Lesung stammt aus einer umfassenden Ermahnung für die Christen. Der Christ gehört dem Herrn, deshalb ist er ein neuer Mensch und zur Umwertung aller Werte gerufen. Die Perikope verbindet eine Christusmeditation mit einer Haustafel. Wer Christi Leben in sich trägt, muss die erlösenden Eigenschaften Christi in seinem Leben durchscheinen lassen. Wer Gottes Leben durch Christus erhalten hat, muss seinen Dank in der geschwisterlichen Liebe erweisen. Die letzte Norm des Handelns ist Jesus Christus, der Herr. Der Christ lebt moralisch, nicht weil er die Gebote um ihrer selbst willen erfüllen möchte, sondern weil er sich Christus verantwortlich weiß.


Der Kolosserbrief hat seinen Namen nach der Gemeinde von Kolossä, 200 km vom Meer entfernt, an der Handelsstrasse zwischen Milet und Ephesus, ursprünglich ein wichtiges Zentrum der Wollindustrie. Er wird dem Paulus zugeschrieben und wurde um 150 n. Chr. von Markion bereits in seinen Kanon aufgenommen. Der erste Abschnitt unserer Lesung (Verse 12-17) ist die Fortsetzung der vorderen negativen Abschnittes ab Vers 5. Wurde darin vielseitig zum Ablegen aller Untugenden und zusammenfassend des Alten Menschen aufgefordert, wird in unserem Abschnitt positive Gegenimperative gesetzt, zusammenfassend und vorangesetzt die Aufforderung, die Tugenden anzuziehen, zugleich mit der Begründung: Ihr seid die Erwählten Gottes! Daraus resultieren die guten Worte und Werke – immer in Verbindung mit dem einen Herrn Jesus Christus. Eine weitere Konkretion dessen erfolgt mit der Haustafel (eigentlich Kol 3,18-4,1), einer Zusammenstellung von kurzen Ermahnungen an die verschiedenen „Stände" einer damaligen Hausgemeinschaft. Auch diese schliessen mit dem Hinweis auf den einen Herrn (im Himmel) ab und geben so noch einmal die Begründung für das geforderte Verhalten.


Im zweiten, eher praktischen Teil des Kolosserbriefes (Kapitel 3-4; Der theologische Teil umfaßt Kapitel 1-2) begegnen konkrete Aussagen für das christliche Leben, Handeln und Glauben. Die Tugend- und Lasterkataloge (3,5-17) entsprechen einem aus der iranischen Religion stammenden Schema, dem die Vorstellung zugrunde liegt, das der Mensch aus Tugenden und Lastern zusammen gesetzt ist, wie die Glieder des Körpers zusammengefügt sind. Die Existenz des Menschen baut sich nach diesem Verständnis aus seinen Taten auf. Die heutige Lesung beginnt nach dem Lasterkatalog mit der Einführung des Tugendkatalogs: "Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen" (Kol 12 a). Ähnlich wie beim Aufbau des ganzes Briefes ist die Theologie der Ethik voran gestellt: Vor dem Tun des Menschen steht das Handeln Gottes. Erst die liebende Zuwendung Gottes ermöglicht dem Menschen, "gut" zu handeln. Ethische Weisungen sind Hilfen, wie die Menschen in ihrer Zeit und in ihrer konkreten Situation ein christliches Leben führen können. Solche Vorschriften enthalten daher notwendigerweise Zeitbedingtes und nicht für alle Fälle Anwendbares. Auch die Haustafel (Kol 3,18-4,1), von der ein Teil noch zu Tageslesung gehört ist von der Zeitsituation geprägt. Die in dieser Tafel enthaltenen Normen sind nicht spezifisch christlich, sondern stammen wie die christliche Ethik überhaupt aus der Umwelt, vor allem aus der Ethik der Popularphilosophie. Der grundlegende Unterschied zwischen einem ethisch verantwortet handelnden Christen und einem Philosophen ist die Motivation aus dem Glauben. Äußerlich ist eine sittlich gute Tat nicht zu unterscheiden oder zu werten, aber für einen Christen müssen der Friede Christi (Kol 3,15) und die Gnade Gottes (Kol 3,16) die Orientierungspunkte sein, nicht einzelne Normen und Gesetze. Das Besondere an der christlichen Haltung ist daher die Fähigkeit über die buchstäbliche Erfüllung der Gesetze hinauszuwachsen und auch die Normen hinterfragen und verändern zu können. Mit der Weisung zur Unterordnung der Frau, auf die immer noch manchmal zurückgegriffen wird, ist das z.B. passiert, auch mit der Einstellung gegen über der Sklaverei (Kol 3,22 f). Die Haustafel kann eine Anregung sein, jene Regeln anzuschauen, die heute für unser Zusammenleben gelten, und wie der Kolosserbrief darin das christlich Lebbare zu aufzuzeigen.


Ruf vor dem Evangelium am Fest der Hl. Familie (A/B/C)
Kol 3,15a. 16a


Hallula, Halleluja
Der Friede Christi triumphiere in euren Herzen.
Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch.
Halleluja.


2. Lesung am Fest der Heiligen Familie, Lesejahr C:
1 Joh 3,1-2. 21 24

Lesung aus dem ersten Johannesbrief:
Schwestern und Brüder!
Seht, welche Liebe uns der Vater geschenkt hat:
Wir heißen Kinder Gottes
   und wir sind es.
Deshalb erkennt die Welt uns nicht,
weil sie ihn nicht erkannt hat.
Geliebte, jetzt sind wir Kinder Gottes.
Doch ist noch nicht offenbar geworden,
   was wir sein werden.
Wir wissen,
   dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird;
denn wir werden ihn sehen, wie er ist.

Geliebte, wenn das Herz uns aber nicht verurteilt,
   haben wir gegenüber Gott Zuversicht;
und alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm,
weil wir seine Gebote halten
und tun, was ihm gefällt.
Und das ist sein Gebot:
Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben
und einander lieben gemäß dem Gebot, das er uns gegeben hat.
Wer seine Gebote hält,
   bleibt in Gott und Gott in ihm.
Und daran erkennen wir,
   dass er in uns bleibt:
an dem Geist, den er uns gegeben hat.


Ruf vor dem Evangelium am Fest der Heiligen Familie
Apg 16,14b

Halleluja. Halleluja.
Herr, öffne uns das Herz,
dass wir auf die Worte deines Sohnes hören.
Halleluja.


Evangelium zum Fest der Hl. Familie, Lesejahr C:
Lk 2,41-52

Aus dem hl. Evangelium nach Lukas:

Die Eltern Jesu
   gingen jedes Jahr zum Paschafest nach Jerusalem.
Als er zwölf Jahre alt geworden war,
   zogen sie wieder hinauf, wie es dem Festbrauch entsprach.
Nachdem die Festtage zu Ende waren,
   machten sie sich auf den Heimweg.
Der Knabe Jesus aber blieb in Jerusalem,
   ohne dass seine Eltern es merkten.
Sie meinten, er sei in der Pilgergruppe,
   und reisten eine Tagesstrecke weit;
dann suchten sie ihn bei den Verwandten und Bekannten.
Als sie ihn nicht fanden,
kehrten sie nach Jerusalem zurück und suchten nach ihm.
Da geschah es, nach drei Tagen fanden sie ihn im Tempel;
er saß mitten unter den Lehrern,
hörte ihnen zu
und stellte Fragen.
Alle, die ihn hörten, waren erstaunt
   über sein Verständnis und über seine Antworten.
Als seine Eltern ihn sahen, waren sie voll Staunen
und seine Mutter sagte zu ihm:
   Kind, warum hast du uns das angetan?
Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.
Da sagte er zu ihnen:
   Warum habt ihr mich gesucht?
Wusstet ihr nicht,
   dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?
Doch sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen gesagt hatte.
Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück
   und war ihnen gehorsam.
Seine Mutter bewahrte all die Worte in ihrem Herzen.
Jesus aber wuchs heran
und seine Weisheit nahm zu
und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.



Der Vers Lk 2,49 ist der Zentralvers: „Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Jesus bricht aus der Normalität einer religiös geprägten Familie aus. Und er stellt eine neue Normalität auf: Die Lebensmuster werden aus den Schriften (und somit aus der Selbstmitteilung Gottes) genommen.


Nach dem Sammelbericht in Vers 40 beginnt mit Vers 41 eine weitere Erzählung aus der Kindheit Jesu, an die sich die Vorbereitung des Wirkens Jesu anschließt. Die Erzählung von der Pilgerreise nach Jerusalem, der sich Jesus wie jedes jüdische Kind unterzieht – aber gemäss den jüdischen Gesetzmäßigkeiten noch nicht vorher verpflichtet ist – ist nicht nur eine Erzählung von Verlorengehen und Wiedergefundenwerden, sondern hat vielmehr theologische Bedeutung: Bereits als Kind erweist sich Jesus von Nazareth als der, er ist: Sohn Gottes. Schlüsselvers ist dabei Vers 49. Als Mensch ist er Sohn Gottes. Beide Ebenen und damit auch das Verständnis des Urchristentums bringt Lukas in dieser Erzählung geschickt zum Klingen und verwebt sie miteinander.


Mit der Erzählung vom 12 jährigen Jesus im Tempel beschließt Lukas die Kindheitsgeschichte Jesu. Das Wegkonzept, welches das ganze Lukasevangelium durchzieht, klingt hier schon an: Die Eltern Jesu gehen nach Jerusalem hinauf. als Jesus alt genug ist um mitzugehen, geht auch er nach Jerusalem (Lk 2,41f). Jesus ist von Anfang an auf dem Weg nach Jerusalem. Der Beginn des Reiseberichtes verdeutlicht die christologische Bedeutung des Wegmotives: "Es geschah, als der Tag erfüllt war, daß er hinweggenommen werden sollte, richtete er sein Angesicht fest auf den Weg nach Jerusalem (Lk 9,51). Die Formulierung "sein Angesicht richten auf" beinhaltet in der Bibel immer etwas Bedrohliches. Der Weg nach Jerusalem führt zum Kreuz, damit aber auch zur Auferstehung. Nach der lukanischen Darstellung ist Jesus fest entschlossen, diesen Weg zu gehen. Das Leben Jesu als "Weg zum Leben" kennzeichnet so sein ganzes Wirken bis hin zu seinem Sterben und Auferstehen als ein befreiendes und erlösendes Geschehen. Wo sollte ich sonst sein? Psychologisch gesehen könnten man hier einen klassischen Konflikt zwischen dem pubertierenden Jesus und seinen Eltern vermuten. Es geht dem Evangelisten aber nicht darum, Erziehungsprobleme in der damaligen Zeit aufzuarbeiten, sondern er verpackt in dieser Erzählung grundlegende theologische Inhalte. Jesus ist Jude, er wächst mit den Bräuchen des jüdischen Volkes auf, ist im Gespräch mit den Gelehrten seines Volkes und kennt sich aus, so daß die Zuhörer über seine Einsicht staunen (2,47). Lukas geht noch viel stärker als die anderen Evangelisten davon aus, daß Jesus nur zum Volk Israel gesendet ist. Jesus steht in der Tradition seines Volkes und trotzdem ist sein Verhältnis zu Gott und zu den Menschen ein ganz anderes. Er nennt Gott seinen Vater, was nicht einmal die Menschen verstehen die ihm am nächsten waren. Schon in der Ankündigung seiner Geburt beschreibt ihn der Evangelist als den, der den Thron seines Vaters David erhalten wird, und der in Ewigkeit über das Haus Jakob als König herrschen wird (Lk 1,32f). Auch sonst spricht verwendet der Evangelist an die alttestamentliche Sprechweise angelehnte Titel wie "Christus des Herrn" oder "Christus Gottes". Diese messianischen Titel trennt Lukas allerdings scharf vom Titel des Gottessohnes, wie besonders in dem Abschnitt von der Verhandlung vor dem Synhedrium deutlich wird (Lk 22,66-71). Die Fragen "Bist du der Christus?" und "Bist du der Sohn Gottes?" werden gesondert an Jesus gerichtet. Erst mit der Beantwortung der Frage nach der Gottessohnschaft sieht Lukas den Tatbestand der Gotteslästerung gegeben. Judentum und Gottessohnschaft führen von der Kindheitsgeschichte an durch das ganze Evangelium und geben den Blick frei auf die Sendung und das Wirken Jesu, aber auch auf die Konsequenzen.