23.05.2018

Lesungen 28.01.2018


1. Lesung vom 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Dtn 18,15-20

Lesung aus dem Buch Deuteronomium:

Mose sprach zum Volk:
Einen Propheten wie mich wird dir der Herr, dein Gott,
aus deiner Mitte, unter deinen Brüdern, erstehen lassen.
Auf ihn sollt ihr hören.
Der Herr wird ihn als Erfüllung von allem erstehen lassen,
worum du am Horeb, am Tag der Versammlung,
den Herrn, deinen Gott, gebeten hast, als du sagtest:
Ich kann die donnernde Stimme des Herrn, meines Gottes,
nicht noch einmal hören
und dieses große Feuer nicht noch einmal sehen,
ohne daß ich sterbe.
Damals sagte der Herr zu mir:
Was sie von dir verlangen, ist recht.
Einen Propheten wie dich
will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen.
Ich will ihm meine Worte in den Mund legen,
und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm auftrage.
Einen Mann aber, der nicht auf meine Worte hört,
die der Prophet in meinem Namen verkünden wird,
ziehe ich selbst zur Rechenschaft.
Doch ein Prophet, der sich anmaßt,
in meinem Namen ein Wort zu verkünden,
dessen Verkündigung ich ihm nicht aufgetragen habe,
oder der im Namen anderer Götter spricht,
ein solcher Prophet soll sterben.



Der Abschnitt, dem die Lesung entnommen ist, stellt die Ordnung für das Prophetenamt in Israel vor und folgt im Buch Deuteronomium auf die Verordnungen, die das Königtum und das Priestertum regeln. Zusammen bilden sie eine Art Verfassung der drei wichtigsten Ämter in Israel. Das ganze Buch ist als Mose-Rede konzipiert. Während andere Gesetzessammlungen (das Bundesbuch in Exodus und das Heiligkeitsgesetz in Levitikus) als direkte Rede Gottes formuliert sind, spricht im Deuteronomium Mose. Er wurde als Mittler eingesetzt, weil das Volk die direkte Rede Gottes nicht ertragen konnte. Die Gesetze des Deuteronomium sind "gepredigtes Recht". Entstanden sind diese Texte in der Königszeit oder gar noch später. Sie spiegeln jedenfalls die Verhältnisse einer späteren Epoche wider. Die Bestimmungen über das Prophetenamt lassen sich in zwei Abschnitte teilen: Die Verse 9 bis 14 verbieten religiöse Praktiken wie sie im Umfeld Israels üblich waren: Zauberei, Wahrsagerei usw. Das Prophetenamt Israels unterscheidet sich von diesen grundlegend. Der von Jahwe eingesetzte Prophet spricht im Auftrag Jahwes. Er verkündet, was Jahwe ihm zu verkündigen gibt, während die Zauberer und Hellseher der Umwelt Israels den Willen Gottes zu deuten versuchen. In den Versen 15 bis 22 wird das Prophetenamt Israels in positiver Weise beschrieben. Es wird in der Weise ausgeübt, wie Mose es vorgelebt hat. Später wurde diese Zusage auf einen endzeitlichen messianischen Propheten bezogen. Das vom Propheten Ausgesagte gilt aber grundsätzlich. Das Volk Gottes braucht keine Hellseher, Stern- und Zukunftsdeuter. Ihm wurde das Gesetz Gottes ein für allemal verkündet. Der Prophet Jahwes ist Künder des Gottesrechts.


Antwortpsalm am 4. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps
95,1-2. 6-9

R Hört auf die Stimme des Herrn;
verhärtet nicht euer Herz!- R

Kommt, lasst uns jubeln vor dem Herrn
und zujauchzen dem Fels unseres Heiles!
Lasst uns mit Lob seinem Angesicht nahen,
vor ihm jauchzen mit Liedern! - (R)

Kommt, lasst uns niederfallen, uns vor ihm verneigen,
lasst uns niederknien vor dem Herrn, unserem Schöpfer!
Denn er ist unser Gott,
wir sind das Volk seiner Weide,
die Herde, von seiner Hand geführt. - (R)

Ach, würdet ihr doch heute auf seine Stimme hören!
„Verhärtet euer Herz nicht wie in Meriba,
wie in der Wüste am Tag von Massa!
Dort haben eure Väter mich versucht,
sie haben mich auf die Probe gestellt
und hatten doch mein Tun gesehen.“ - R


2. Lesung vom 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
1 Kor 7,32-35

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Ich wünschte, ihr wäret ohne Sorgen.
Der Unverheiratete sorgt sich um die Sache des Herrn;
er will dem Herrn gefallen.
Der Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt;
er will seiner Frau gefallen.
So ist er geteilt.
Die unverheiratete Frau aber und die Jungfrau
sorgen sich um die Sache des Herrn,
um heilig zu sein an Leib und Geist.
Die Verheiratete sorgt sich um die Dinge der Welt;
sie will ihrem Mann gefallen.
Das sage ich zu eurem Nutzen:
nicht um euch eine Fessel anzulegen,
vielmehr, damit ihr in rechter Weise und ungestört
immer dem Herrn dienen könnt.



Der Lesungstext schließt unmittelbar an die Lesung vom letzten Sonntag an. Als eine der konkreten Fragen christlicher Lebenshaltung behandelt Paulus im Ersten Korintherbrief das Thema Ehe und Ehelosigkeit. Im vorhergehenden Abschnitt, der am vergangenen Sonntag gelesen wurde, ist die ehelose Lebensform deswegen hervorgehoben, weil die Wiederkunft Christi unmittelbar erwartet wird. Diesem Argument wird hier nun ein zweites hinzugefügt: Der Ehelose wird weniger abgelenkt, und er hat mehr Zeit und Energie für "die Sache des Herrn". Die gesparten bzw. gewonnen Kräfte aus der ehelosen Lebensform lassen sich unmittelbat für den Dienst am Reich Gottes einsetzen. Dies ist ein auch heute gängiges (und gewiss richtiges) Argument für den Priesterzölibat. Es lässt sich aber sicher nicht mehr, wie von Paulus beabsichtigt, allgemein auf die Lebensverhältnisse aller Christen anwenden. Auch wer seiner Verantwortung in Ehe und Familie nachkommt betreibt auf seine Weise ganz maßgeblich die "Sache des Herrn". Umgekehrt werden sich alle, die ehelos leben, in ihrem Gewissen immer wieder fragen müssen, ob sie die gewonnenen Energien wirklich mit allem Ernst und Eifer für den Herrn verwenden. So bietet der Abschnitt sehr wohl wertvolle Anregungen, über Ehe und Ehelosigkeit zu reflektieren, wenn auch vielleicht mit anderen Beurteilungstendenzen als Paulus.


Ruf vor dem Evangelium am 4. Sonntag im Jahreskreis (B)
Mt 4,16

Halleluja. Halleluja.
Das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen;
denen, die im Schattenreich des Todes wohnten,
ist ein Licht erschienen.
Halleluja.


Evangelium vom 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 1,21-28

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

In Kafarnaum ging Jesus am Sabbat in die Synagoge und lehrte.
Und die Menschen waren sehr betroffen von seiner Lehre;
denn er lehrte sie wie einer, der göttliche Vollmacht hat,
nicht wie die Schriftgelehrten.
In ihrer Synagoge saß ein Mann,
der von einem unreinen Geist besessen war.
Der begann zu schreien:
Was haben wir mit dir zu tun, Jesus von Nazaret?
Bist du gekommen, um uns ins Verderben zu stürzen?
Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.
Da befahl ihm Jesus: Schweig und verlaß ihn!
Der unreine Geist zerrte den Mann hin und her
und verließ ihn mit lautem Geschrei.
Da erschraken alle, und einer fragte den andern:
Was hat das zu bedeuten?
Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet.
Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.
Und sein Ruf verbreitete sich rasch im ganzen Gebiet von Galiläa.



Der Evangelienabschnitt gehört noch zum programmatischen Anfangsabschnitt des Markusevangeliums. Mit der Erzählung einer Dämonenaustreibung demonstriert der Evangelist, was vorher überschriftartig angekündigt wurde: Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Unser Abschnitt besteht aus zwei Teilen. Jesus tritt in der Synagoge auf und lehrt. Die Art seiner Lehre unterscheidet sich vom üblichen Synagogengottesdienst. Er redet wie einer, der selbst etwas zu sagen hat. Er interpretiert nicht nur die tradierten Schriften wie die Schriftgelehrten. Er spricht mit göttlicher Autorität. Die selbe göttliche Autorität zeigt sich auch in der Dämonenaustreibung. Die dargebotene Erzählung lag dem Evangelisten bereits vor. Der Evangelist verwendet sie, um damit die göttliche Vollmacht Jesu herauszustreichen. Das Reich Gottes bricht in seiner Übermacht über die Herrschaft der Dämonen an.