23.05.2018

Lesungen 11.02.2018


1. Lesung vom 6. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Lev 13,1-2. 43ac. 44ab. 45-46

Lesung aus dem Buch Levitikus:

Der Herr sprach zu Mose und Aaron:
Wenn sich auf der Haut eines Menschen eine Schwellung,
ein Ausschlag oder ein heller Fleck bildet,
liegt Verdacht auf Hautaussatz vor.
Man soll ihn zum Priester Aaron
oder zu einem seiner Söhne, den Priestern, führen.
Der Priester soll ihn untersuchen.
Stellt er Schwellung fest, die wie Hautaussatz aussieht,
so ist der Mensch aussätzig; er ist unrein.
Der Priester muß ihn für unrein erklären.
Der Aussätzige, der von diesem Übel betroffen ist,
soll eingerissene Kleider tragen
und das Kopfhaar ungepflegt lassen;
er soll den Schnurrbart verhüllen und ausrufen:
Unrein! Unrein!
Solange das Übel besteht, bleibt er unrein; er ist unrein.
Er soll abgesondert wohnen,
außerhalb des Lagers soll er sich aufhalten.



Die Lesung ist dem sog. Reinheitsgesetz des Alten Testamentes (Lev 11-15) entnommen. Dieses ist im späten 6. und/oder im frühen 5. Jh. v. Chr. schriftlich niedergelegt worden. Sein Inhalt ist aber wesentlich älter. Die Reinheitsgebote hatten und haben in Israel große Bedeutung. Die Welt wird in rein und unrein eingeteilt. Rein ist die Sphäre des Schönen, des Sauberen, des Hygienischen. Unrein ist der Bereich des Schmutzigen. Rein und unrein hat sowohl für das gesellschaftliche Zusammenleben als auch für den Umgang mit Gott Bedeutung. Unrein ist alles, was man einem anderen Menschen nicht zumuten kann oder will, da es Abscheu oder Ekel erregt. Die kultischen Reinheitsvorschriften wollten sicherstellen, dass Gott der Anblick des Unreinen, Ekeligen, Abscheu-Erregenden nicht zugemutet wird. Es gab vier Bereiche des Unreinen: körperliche Ausflüsse (Schleim, Eiter, Samenfluss, Menstruationsblut...), Leichen, Hautkrankheiten und gewisse Fleischsorten, deren Verzehr als widerwärtig empfunden wurde. Die Unterscheidung zwischen rein und unrein deckte sich nicht mit der Unterscheidung von heilig (dem Bereich Gottes zugehörig) und profan (dem Bereich des Menschen zugeordnet) und auch nicht mit der Unterscheidung sündig und nicht-sündig. Unreinheit durch eine Krankheit (vor allem Hautkrankheiten) war zwar keine Sünde, konnte aber als symbolischer Ausdruck der Sünde angesehen werden (z.B. die Krankheiten des Ijob). Die Lesung wählt einige Verse aus den Reinheitsvorschriften des Buches Levitikus aus, um ein Bild zu geben, was Aussatz bedeutet hat, und bereitet auf diesem Wege auf die Evangeliumperikope vor.


Ungekürzte Fassung der Lesung Lev 13,1-46

Lesung aus dem Buch Levitikus:

Der Herr sprach zu Mose und Aaron:
Wenn sich auf der Haut eines Menschen eine Schwellung, ein Ausschlag oder ein heller Fleck bildet, liegt Verdacht auf Hautaussatz vor. Man soll ihn zum Priester Aaron oder zu einem seiner Söhne, den Priestern, führen.

Der Priester soll das Übel auf der Haut untersuchen. Wenn das Haar an der kranken Stelle weiß wurde und die Stelle tiefer als die übrige Haut liegt, ist es Aussatz. Nachdem der Priester das Übel untersucht hat, soll er den Erkrankten für unrein erklären.

Wenn aber auf der Haut ein weißer Fleck besteht, der nicht merklich tiefer als die übrige Haut liegt, und das Haar nicht weiß geworden ist, soll der Priester den Befallenen für sieben Tage absondern. Am siebten Tag untersuche er ihn wieder. Wenn er mit seinen eigenen Augen feststellt, daß das Übel gleich geblieben ist und sich auf der Haut nicht ausgebreitet hat, soll er ihn noch einmal für sieben Tage absondern und ihn am siebten Tag abermals untersuchen. Wenn er dann feststellt, daß das Übel nachgelassen und sich auf der Haut nicht ausgebreitet hat, soll ihn der Priester für rein erklären. Es handelt sich um einen Ausschlag. Der Kranke soll seine Kleider waschen, dann ist er rein.
Breitet sich jedoch der Ausschlag auf der Haut aus, nachdem der Kranke vom Priester untersucht und für rein erklärt wurde, soll er sich ihm noch einmal zeigen. Stellt der Priester fest, daß der Ausschlag sich auf der Haut ausgebreitet hat, soll der Priester ihn für unrein erklären: Es handelt sich um Aussatz.

Wenn sich also an jemandem ein Übel von der Art des Aussatzes zeigt, soll man ihn zum Priester bringen. Stellt der Priester fest, daß sich auf der Haut eine weiße Schwellung zeigt, daß die Haare heller geworden sind und daß sich an der Schwellung wildes Fleisch gebildet hat, dann ist es ein veralteter Aussatz auf der Haut. Der Priester soll ihn für unrein erklären, ohne ihn erst abzusondern, denn er ist unrein.

Wenn aber der Aussatz auf der Haut ausbricht, sie völlig ergreift und sich vom Kopf bis zu den Füßen erstreckt, überall, wohin der Priester schaut, so soll er den Kranken untersuchen und, falls er feststellt, daß der Aussatz den ganzen Körper bedeckt, den Kranken für rein erklären. Da er völlig weiß geworden ist, ist er rein. An dem Tag jedoch, an dem an ihm wildes Fleisch sichtbar wird, ist er unrein. Hat der Priester das wilde Fleisch untersucht, soll er ihn für unrein erklären. Das wilde Fleisch ist etwas Unreines; es ist Aussatz.
Wenn aber das wilde Fleisch verschwindet und die befallene Stelle weiß wird, soll der Mann den Priester aufsuchen. Dieser soll ihn untersuchen, und wenn er feststellt, daß die betroffene Stelle tatsächlich weiß geworden ist, soll er den Kranken für rein erklären: Er ist rein.

Wenn sich auf der Haut eines Menschen ein Furunkel bildet und wieder abheilt, sich aber dann an der Stelle des Furunkels eine weiße Schwellung oder ein hellroter Fleck bildet, soll er sich dem Priester zeigen; dieser soll ihn untersuchen. Wenn er eine merkliche Vertiefung der Haut und heller gewordenes Haar feststellt, soll der Priester ihn für unrein erklären; es ist ein Fall von Aussatz, der im Furunkel ausgebrochen ist.
Wenn der Priester bei der Untersuchung weder weiße Haare noch eine Vertiefung der Haut, vielmehr ein Abklingen des Übels feststellt, soll er den Kranken sieben Tage lang absondern. Wenn sich das Übel dann doch auf der Haut ausbreitet, soll er ihn für unrein erklären: Es ist ein Fall von Aussatz. Wenn aber der helle Fleck unverändert bleibt, ohne sich auszubreiten, so ist es eine Narbe vom Furunkel; der Priester soll diesen Menschen für rein erklären.

Wenn jemand auf der Haut eine Brandwunde hat und sich eine Wucherung als hellroter oder weißer Fleck bildet, soll ihn der Priester untersuchen. Wenn er heller gewordenes Haar oder eine merkliche Vertiefung des Fleckes in der Haut feststellt, ist es Aussatz, der in der Brandwunde ausgebrochen ist. Der Priester soll den Menschen für unrein erklären; es ist ein Fall von Aussatz.
Untersucht ihn der Priester und stellt kein weißes Haar auf dem Fleck, keine Vertiefung der Haut, sondern ein Abklingen fest, so soll er ihn sieben Tage lang absondern. Am siebten Tag soll er ihn wieder untersuchen. Hat sich das Übel auf der Haut ausgebreitet, soll er ihn für unrein erklären; es ist ein Fall von Aussatz.
Wenn der helle Fleck unverändert geblieben ist, ohne sich auf der Haut auszubreiten, vielmehr abgeblaßt ist, so ist es nur eine angeschwollene Brandnarbe. Der Priester soll den Kranken für rein erklären, denn es ist nur eine Brandnarbe.

Zeigt sich bei einem Mann oder bei einer Frau an Kopf oder Kinn eine kranke Stelle, soll der Priester sie untersuchen. Stellt er dort eine merkliche Hautvertiefung mit rötlich-gelb glänzendem, schütter gewordenem Haar fest, soll er den Kranken für unrein erklären. Es ist eine Flechte, ein Aussatz des Kopfes oder des Kinns. Stellt der Priester bei der Untersuchung dieses Falls von Flechte weder eine merkliche Hautvertiefung noch schwarzes Haar fest, soll er den mit Flechte Behafteten sieben Tage lang absondern. Am siebten Tag soll er das Übel untersuchen. Stellt er fest, daß sich die Flechte nicht ausgebreitet hat, an ihr kein rötlich-gelb glänzendes Haar aufgetreten ist und auch keine merkliche Hautvertiefung besteht, soll sich der Kranke rasieren, dabei aber die befallene Stelle aussparen, und der Priester soll ihn noch einmal sieben Tage lang absondern. Am siebten Tag soll er das Übel wieder untersuchen. Stellt er fest, daß es sich auf der Haut nicht ausgebreitet hat und daß keine merkliche Hautvertiefung besteht, soll er den Kranken für rein erklären. Dieser soll seine Kleider waschen, dann ist er rein. Hat sich aber die Flechte nach der Reinerklärung doch auf der Haut ausgebreitet, soll ihn der Priester wieder untersuchen. Stellt er fest, daß sich die Flechte auf der Haut ausbreitet, braucht der Priester nicht erst festzustellen, ob das Haar rötlich-gelb glänzend ist; er ist unrein. Scheint aber dem Priester die Flechte gleichzubleiben und wächst an ihr schwarzes Haar, so heilt sie ab; er ist rein, und der Priester soll ihn für rein erklären.

Zeigen sich bei einem Mann oder bei einer Frau Flecken, weiße Flecken auf der Haut, so soll der Priester sie untersuchen. Stellt er fest, daß diese Flecken auf der Haut verblassen, so handelt es sich um einen Ausschlag, der auf der Haut ausgebrochen ist; der Kranke ist rein. Verliert ein Mann auf seinem Kopf die Haare, so ist es eine Hinterkopfglatze; er ist rein. Geschieht es an der Schädelvorderseite, so ist es eine Stirnglatze; er ist rein. Entsteht aber auf der Glatze des Hinterkopfes oder über der Stirn ein hellroter Fleck, so ist es Aussatz, der auf dem Kopf oder auf der Stirn dieses Menschen ausbricht.

Der Priester soll ihn untersuchen. Stellt er auf der Hinterkopf- oder auf der Stirnglatze eine hellrote Aussatzschwellung fest, die wie Hautaussatz aussieht, so ist der Mensch aussätzig; er ist unrein. Der Priester muß ihn für unrein erklären; er ist an seinem Kopf von Aussatz befallen.
Der Aussätzige, der von diesem Übel betroffen ist, soll eingerissene Kleider tragen und das Kopfhaar ungepflegt lassen; er soll den Schnurrbart verhüllen und ausrufen: Unrein! Unrein! Solange das Übel besteht, bleibt er unrein; er ist unrein. Er soll abgesondert wohnen, außerhalb des Lagers soll er sich aufhalten.


Antwortpsalm am 6. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 32,1-2. 5. 10-11

R Du bist mein Schutz, o Herr,
du rettest mich und hüllst mich in Jubel. - R

Wohl dem, dessen Frevel vergeben
und dessen Sünde bedeckt ist.
Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zur Last legt
und dessen Herz keine Falschheit kennt. - (R)

Ich bekannte dir meine Sünde
und verbarg nicht länger meine Schuld vor dir.
Ich sagte: Ich will dem Herrn meine Frevel bekennen.
Und du hast mir die Schuld vergeben. - (R)

Der Frevler leidet viele Schmerzen,
doch wer dem Herrn vertraut, den wird er mit seiner Huld umgeben.
Freut euch am Herrn und jauchzt, ihr Gerechten,
jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen. - R


2. Lesung vom 6. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
1 Kor 10,31 - 11,1

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Ob ihr also eßt oder trinkt oder etwas anderes tut:
tut alles zur Verherrlichung Gottes!
Gebt weder Juden noch Griechen, noch der Kirche Gottes
Anlaß zu einem Vorwurf!
Auch ich suche allen in allem entgegenzukommen;
ich suche nicht meinen Nutzen,
sondern den Nutzen aller, damit sie gerettet werden.
Nehmt mich zum Vorbild, wie ich Christus zum Vorbild nehme.



Die für die Lesung ausgewählten Verse des Ersten Korintherbriefes bilden den Abschluss der Kapitel 8 bis 10. In Kapitel 8 setzt sich Paulus mit den Problemen auseinander, die sich durch die Teilnahme von Christen an Ereignissen, bei denen Opferfleisch verzehrt wurde, ergaben. Einige nahmen daran Anstoß und wollten dies verboten wissen. Von da her ist die von Paulus gegebene Regel, niemand Anlass zu einem Vorwurf zu geben, zu verstehen. In Kapitel 9 geht es um das Beispiel des Apostels. Er ahmt Christus nach, die Korinther sollen darin ihm folgen. Wie er und Barnabas sollen die Christen darauf achten, niemand Grund zum Anstoß zu bieten. Ohne diesen Hintergrund könnten die für die Lesung ausgewählten Verse zu einer Allerweltsnorm "nur nicht anecken" herabgewürdigt werden. Das Verhalten, das Paulus fordert, geht von der Christusnachfolge aus. Die Freiheit, die dem Christen geschenkt ist, ist gebunden an die Liebe zu einander, wie sie Christus vorgelebt hat.


Ruf vor dem Evangelium am 6. Sonntag im Jahreskreis (B)
(vgl. Lk 7,16)

Halleluja. Halleluja.
Ein großer Prophet trat unter uns auf:
Gott nahm sich seines Volkes an.
Halleluja.


Evangelium vom 6. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 1,40-45

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

Ein Aussätziger kam zu Jesus und bat ihn um Hilfe;
er fiel vor ihm auf die Knie und sagte:
Wenn du willst, kannst du machen, daß ich rein werde.
Jesus hatte Mitleid mit ihm;
er streckte die Hand aus, berührte ihn und sagte:
Ich will es - werde rein!
Im gleichen Augenblick verschwand der Aussatz,
und der Mann war rein.
Jesus schickte ihn weg und schärfte ihm ein:
Nimm dich in acht!
Erzähl niemand etwas davon, sondern geh,
zeig dich dem Priester
und bring das Reinigungsopfer dar, das Mose angeordnet hat.
Das soll für sie ein Beweis meiner Gesetzestreue sein.
Der Mann aber ging weg
und erzählte bei jeder Gelegenheit, was geschehen war;
er verbreitete die ganze Geschichte,
so daß sich Jesus in keiner Stadt mehr zeigen konnte;
er hielt sich nur noch außerhalb der Städte an einsamen Orten auf.
Dennoch kamen die Leute von überallher zu ihm.



Der Form und dem Aufbau nach ist die vorliegende Erzählung eine Wundergeschichte: Ein Leidender tritt an den Wundertäter heran und bittet um Heilung, der Wundertäter ist vom Bittsteller berührt bzw. erschüttert, er heilt ihn. Die Umstehenden staunen... In unserem Zusammenhang erhält die Erzählung jedoch zusätzliche Akzente. Dem Evangelisten geht es um die Reinheit. Er sieht die Krankheit unter dem Aspekt der kultischen Reinheit. Aussätzige waren durch ihre Krankheit unrein und von jedem Kontakt mit der übrigen Bevölkerung ausgeschlossen (siehe erste Lesung dieses Sonntags). Das hatte zwar einen hygienischen Hintergrund, es ging aber auch um das Reinsein vor Gott. Der Aussatz war ein äußeres Zeichen der Sünde, des Von-Gott-getrennt-seins. Das Böse/der Böse hatte nach dieser Vorstellung sich des Aussätzigen bemächtigt. Seine Situation ist mit der eines Besessenen vergleichbar. Jesus ist von seiner Not erschüttert (dies ist mehr als nur Mitleid), er berührt ihn (damit hebt er die Ausgrenzung auf), reinigt ihn vom Bösen und gliedert ihn wieder in das Volk Gottes ein. Dieser Vorgang ist einerseits öffentlich - er kann nicht verborgen bleiben. Er verlangt auch öffentliche Anerkennung durch die Priester. Andererseits ist er aber auch ein intimes Geschehen zwischen dem betroffenen Menschen und Gott bzw. seinem Bevollmächtigten. Das auferlegte Schweigegebot unterstreicht diese Intimität. Bedeutsam ist auch das Reinigungsopfer, das Jesus anordnet. Nicht eindeutig ist, wofür es Beweis sein soll. Nur für die Gesetzestreue Jesu, wie es die Einheitsübersetzung nahelegt? Die Kontrolle und Anerkennung durch einen Priester vollzieht nach außen hin die Eingliederung ins Gottesvolk. Die Heilung kann auch als Hinweis auf die besondere Vollmacht Jesu verstanden werden, den Jesus an die Priester richtet, damit auch sie seine Sendung erkennen.