23.05.2018

Lesungen 18.02.2018


1. Lesung vom 1. Fastensonntag, Lesejahr B:
Gen 9,8-15

Lesung aus dem Buch Genesis:

Gott sprach zu Noach und seinen Söhnen, die bei ihm waren:
Hiermit schließe ich meinen Bund mit euch
und mit euren Nachkommen und mit allen Lebewesen bei euch,
mit den Vögeln, dem Vieh und allen Tieren des Feldes,
mit allen Tieren der Erde,
die mit euch aus der Arche gekommen sind.
Ich habe meinen Bund mit euch geschlossen:
Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch
vom Wasser der Flut ausgerottet werden;
nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
Und Gott sprach:
Das ist das Zeichen des Bundes,
den ich stifte zwischen mir und euch
und den lebendigen Wesen bei euch
für alle kommenden Generationen:
Meinen Bogen setze ich in die Wolken;
er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde.
Balle ich Wolken über der Erde zusammen
und erscheint der Bogen in den Wolken,
dann gedenke ich des Bundes,
der besteht zwischen mir und euch
und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch,
und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden,
die alle Wesen aus Fleisch vernichtet.



Unsere Perikope steht am Ende der Sintfluterzählung, gehört aber zugleich auch zum Finale der Priesterschrift in der Urgeschichte (Gen 1 bis 10). Die "sehr gute" Schöpfung ist durch die Gewalttat des Menschen verdorben worden (6,11-13). Über die aus der Ordnung geratene Schöpfung ergeht das Gericht Gottes (Sintflut), aber über ihr waltet die Treue Gottes und seine erbarmende Liebe. Der Text der ersten Lesung läßt zwei Teile erkennen: Die erste Rede (9, 8 –11) kündigt den Bundesschluß an. Noach und seinen Nachkommen, alle kommenden Geschlechter (d. h. allen Menschen), aber auch die Tiere sind Partner dieses Bundes. Gott garantiert die Beständigkeit dieser Schöpfung und gibt die Zusicherung, daß eine Sintflut sich nicht wiederholen wird. Die zweite Rede (9,12–16) beschreibt diesen Bundesschluß. Für den Menschen des Altertums bedeuten die Gewitter die Bedrohung, dass das Chaos ausbrechen kann. Der Regenbogen nach dem Unwetter ist das natürliche Zeichen des Aufatmens. Dieses natürliche Zeichen wird aufgegriffen und zum Zeichen dafür gemacht, dass Gott das Chaos ein für allemal überwunden hat. Indem er den Bogen in die Wolken setzt, stiftet Gott zugleich ein dauerhaftes, ewiges Zeichen des Bundes. Jedes neue Erscheinen dieses Bundeszeichens erneuert den "Noachbund" und erinnert die Menschen an die Treue Gottes zur ganzen Schöpfung.


Israel ist ein Volk, das auf seinen Gottesbund setzt. Dieser Bund wird in den 5 Büchern Mose immer wieder thematisiert. Der Noahbund ist ein Mosaikstein der großen Aussage: Gott steht zu uns. Besonders in der Zeit des Exils war dieser Bund wichtig. Wenn Gott nicht mehr will, dass alles ausgerottet wird, dann muss die aktuelle Not in der Verbannung einen glücklichen Ausgang finden. Ein Zeichen der Schöpfung, das sich in allen Gegenden finden lässt, wird zum Zeichen des Bundes. Es gibt keinen Ort, an dem Gott sich nicht zu seinem Bund und seiner Treue bekennen kann.


Die Schriftlesungen zum Beginn der österlichen Bußzeit beginnen mit einer Verheißung. Aus der Sintflutgeschichte hören wir die Zusage Gottes, daß Gott weiterhin den Menschen zugewandt bleibt. Und daß er ein Gott des Beistandes ist. Im Zentrum der priesterlichen Schrift steht der Bundesschluß. Es geht dabei nicht um einen beiderseitigen Abschluß eines Bundes oder Vertrages, sondern Gott selbst gibt hier eine feierliche Bindung und Zusage. Die Menschen sind hingegen die beschenkten Bundespartner. Im Zeichen des Regenbogens wird diese Zusage besiegelt. Gott selbst will sich an die Zusage immer wieder erinnern. Hintergrund dieser Erzählung ist auch die Erfahrung des babylonischen Exils. Hinter all den negativen und schlimmen Erfahrungen, dürfen sich die Menschen doch immer wieder an den geschenkten Bund und die Treue Gottes halten und auf ihn bauen.


Erweiterte Fassung der 1. Lesung
vom 1. Fastensonntag, Lesejahr B:
Gen 9,1-15

Lesung aus dem Buch Genesis:

Gott segnete Noach und seine Söhne und sprach zu ihnen:
Seid fruchtbar, vermehrt euch, und bevölkert die Erde!
Furcht und Schrecken vor euch soll sich auf alle Tiere der Erde legen,
auf alle Vögel des Himmels,
auf alles, was sich auf der Erde regt,
und auf alle Fische des Meeres;
euch sind sie übergeben.
Alles Lebendige, das sich regt, soll euch zur Nahrung dienen.
Alles übergebe ich euch wie die grünen Pflanzen.
Nur Fleisch, in dem noch Blut ist, dürft ihr nicht essen.
Wenn aber euer Blut vergossen wird, fordere ich Rechenschaft,
und zwar für das Blut eines jeden von euch.
Von jedem Tier fordere ich Rechenschaft und vom Menschen.
Für das Leben des Menschen fordere ich Rechenschaft
von jedem seiner Brüder.
Wer Menschenblut vergießt,
dessen Blut wird durch Menschen vergossen.
Denn: Als Abbild Gottes hat er den Menschen gemacht.
Seid fruchtbar, und vermehrt euch;
bevölkert die Erde, und vermehrt euch auf ihr!

Dann sprach Gott zu Noach und seinen Söhnen, die bei ihm waren:
Hiermit schließe ich meinen Bund mit euch
und mit euren Nachkommen und mit allen Lebewesen bei euch,
mit den Vögeln, dem Vieh und allen Tieren des Feldes,
mit allen Tieren der Erde,
die mit euch aus der Arche gekommen sind.
Ich habe meinen Bund mit euch geschlossen:
Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch
vom Wasser der Flut ausgerottet werden;
nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben.
Und Gott sprach:
Das ist das Zeichen des Bundes,
den ich stifte zwischen mir und euch
und den lebendigen Wesen bei euch
für alle kommenden Generationen:
Meinen Bogen setze ich in die Wolken;
er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde.
Balle ich Wolken über der Erde zusammen
und erscheint der Bogen in den Wolken,
dann gedenke ich des Bundes,
der besteht zwischen mir und euch
und allen Lebewesen, allen Wesen aus Fleisch,
und das Wasser wird nie wieder zur Flut werden,
die alle Wesen aus Fleisch vernichtet.


Antwortpsalm am 1. Fastensonntag (B)
Ps 25,4-9

R Deine Wege, Herr, sind Huld und Treue
für alle, die deinen Bund bewahren. – R

Zeige mir, Herr, deine Wege
lehre mich deine Pfade!
Führe mich in deiner Treue und lehre mich;
denn du bist der Gott meines Heiles.
Auf dich hoffe ich allezeit. - (R)

Denk an dein Erbarmen, Herr,
und an die Taten deiner Huld;
denn sie bestehen seit Ewigkeit.
Denk nicht an meine Jugendsünden und meine Frevel!
In deiner Huld denk an mich, Herr, denn du bist gütig. - (R)

Gut und gerecht ist der Herr,
darum weist er die Irrenden auf den rechten Weg.
Die Demütigen leitet er nach seinem Recht,
die Gebeugten lehrt er seinen Weg. - R


2. Lesung vom 1. Fastensonntag, Lesejahr B:
1 Petr 3,18-22

Lesung aus dem ersten Petrusbrief:

Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben,
er, der Gerechte, für die Ungerechten,
um euch zu Gott hinzuführen;
dem Fleisch nach wurde er getötet,
dem Geist nach lebendig gemacht.
So ist er auch zu den Geistern gegangen,
die im Gefängnis waren,
und hat ihnen gepredigt.
Diese waren einst ungehorsam,
als Gott in den Tagen Noachs geduldig wartete,
während die Arche gebaut wurde;
in ihr wurden nur wenige, nämlich acht Menschen,
durch das Wasser gerettet.
Dem entspricht die Taufe, die jetzt euch rettet.
Sie dient nicht dazu, den Körper von Schmutz zu reinigen,
sondern sie ist eine Bitte an Gott um ein reines Gewissen
aufgrund der Auferstehung Jesu Christi,
der in den Himmel gegangen ist;
dort ist er zur Rechten Gottes,
und Engel, Gewalten und Mächte sind ihm unterworfen.



Der erste Petrusbrief ist bemüht, der leidenden Kirche Trost zu spenden. Die vorläufig heillos erscheinende Lage ist keineswegs aussichtslos. Der Blick auf Jesus gibt Hoffnung auf die endgültige Rettung. Der (unter Verfolgung) leidenden Gemeinde wird das Sühneleiden Jesu als Vorbild hingestellt, zugleich aber wird die Einmaligkeit und die unvergleichliche Heilswirkung des Leidens Jesus betont. Die Rede vom "Höllenabstieg" Christi, die eine große theologiegeschichliche Bedeutung erfahren hat, weist darauf hin, dass die Erlösungsmacht Jesu Christi überall hin reicht. Der Hinweis auf Noach ist eine Mahnung an die Hörer, angesichts des drohenden Gerichtes dem Ruf zur Umkehr zu folgen. Von der Rettung der "Acht Seelen" in der Noacherzählung wird die Parallele zur Taufe gezogen. Dort wie da geschieht die Rettung "durch das Wasser". Das rettende Handeln Gottes bleibt dasselbe. Die Taufe aber bezieht ihre Kraft allein aus der Auferstehung Christi.


Der Abschnitt aus dem 1. Petrusbrief, der ein Hirtenbrief an die junge Kirche ist, verweist in erster Linie auf das kommende Osterfest. Es werden die Grundaussagen über den Glauben an Christus, seinen Tod und seine Auferstehung festgehalten. Der Christ selbst ist auf den Tod und die Auferstehung Jesu hin getauft. Die Taufe wird hier sozusagen auch als Gegenbild zur Sintflut gesehen. Die Taufe befähigt zu einem Leben in Christus (reines Gewissen) und orientiert hin auf das Ziel des Lebens bei Christus.


Der erste Petrusbrief, der sicher nicht von Petrus selbst ist. Es gibt eher formale Nähen zu Paulusbriefen. Auf ihn wird schon in Schriften Bezug genommen, die es im 1. Jahrzehnt des 2. Jahrhunderts gab. Der Brief stellt sich die Frage, ob Leiderfahrung positiv gedeutet und bewältigt werden kann. Entsprechend ist die Sinndeutung im ersten Vers der heutigen Lesung gegeben. Und diese Deutung wird konkretisiert in der Verbindung zur Noaherfahrung.


Ruf vor dem Evangelium am 1. Fastensonntag (A)
Mt 4,4b

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre! - R
Nicht nur von Brot lebt der Mensch,
sondern von jedem Wort aus Gottes Mund.
Herr Jesus, dir sei Ruhm und Ehre!


Evangelium vom 1. Fastensonntag, Lesejahr B:
Mk 1,12-15

In jener Zeit trieb der Geist Jesus in die Wüste.
Dort blieb Jesus vierzig Tage lang
und wurde vom Satan in Versuchung geführt.
Er lebte bei den wilden Tieren,
und die Engel dienten ihm.
Nachdem man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte,
ging Jesus wieder nach Galiläa;
er verkündete das Evangelium Gottes
und sprach:
Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe.
Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!



Die Verse 1-15 im ersten Kapitel bilden den "Prolog" des ältesten der vier Evangelien. Das Stichwort "Evangelium" im Vers 1 und in den Versen 14 und 15 bildet gleichsam den Rahmen dieses Prologs. Die prophetische Rede und Wirksamkeit des Johannes wird von der Verkündigung Jesu und den Ereignissen um seine Person (Taufe, Versuchung) überboten. Jesus, zu dem sich im Bericht von der Taufe der Vater bekennt, soll schon hier als Hauptperson des ganzen Evangeliums herausgestellt werden. Der knappe und sprachlich markante Bericht vom Wüstenaufenthalt und der Versuchung Jesu steht in engem Zusammenhang mit der Taufe im Jordan. Der Geist, der auf Jesus herabgekommen ist, führt ihn in die Wüste, den Ort der Gottesbegegnung, aber auch den Ort, an dem das Böse mächtig ist. Jesus ist dem Satan überlegen. Gottes Geist ist unvergleichlich stärker als die Macht des Bösen. Das friedliche Zusammensein mit den wilden Tieren deutet darauf hin, dass mit dem Anbrechen der Gottesherrschaft paradiesische Zustände einkehren. Eine Adam-Christus-Typologie wird angedeutet. Die messianische Zeit bricht an. Boten Gottes bedienen den Gesalbten des Herrn. Der Hinweis auf die Gefangennahme des Täufers Johannes (Vers 14) will sicher nicht nur einen zeitlichen Zusammenhang herstellen, er hat auch eine theologische Bedeutung. Der unbegreifliche Plan Gottes steht dahinter: Auch Jesus wird ausgeliefert werden. Der Ausdruck "Evangelium Gottes", der nur hier bei Markus steht, hat höchstwahrscheinlich seinen Ursprung im Freudenboten von Jesaia 52,7. Jesus ist der Bringer der Freudenbotschaft Gottes. Seine Verkündigung bedeutet Heil und Frieden. Der Vers 15 faßt in vier knappen Aussagen, von denen je zwei zusammengehören, die Predigt Jesu zusammen: "Die Zeit ist erfüllt!" und "Das Reich Gottes ist nahe!" – "Kehrt um!" und "Glaubt an das Evangelium!". Jetzt ist der "Kairos", der rechte Augenblick. Jesu Heilsverkündigung steht in der Spannung zwischen dem "Schon jetzt" und "Noch Nicht", zwischen Heilsgegenwart und Heilszukunft (... ist nahe). Wer auf den Ruf Jesu mit der totalen Hinwendung seines Lebens auf Gott antwortet, der wird auch die rettende Macht des Glaubens erfahren.


Die Schriftstelle ist zweigeteilt. Der erste Teil besteht aus der Versuchungsgeschichte, die eigentlich mehr den Abschluß der vorausgehenden Tauferzählung bildet. Der zweite Teil wird bei den meisten Übersetzungen (so auch in der Einheitsübersetzung) mit einer eigenen Überschrift versehen, also abgehoben. Der Vers 14 ist das "Summarium der Verkündigung Jesu", eine Zusammenfassung der Predigt Jesu (nämlich "das Evangelium Gottes"), während der Vers 15 konkreter ausformuliert, was Jesus verkündete: "Die Zeit ist erfüllt": Hinter diesem Ausspruch "steht das Wissen, das Gott die Zeiten festlegt. So hat Gott den Zeitpunkt des Auftretens Jesu im voraus bestimmt." Mit ihm vollzieht sich die Zeitenwende, der Anbruch der Endzeit. Damit ist die Nähe der Gottesherrschaft eindeutig festgemacht. Die Gottesherrschaft stellt sich aber "nicht als kosmisches Ereignis mit herabstoßenden Engelscharen", sondern "als ein verborgener Anfang, den nicht jedes Auge wahrnahm, sondern nur der Glaube." Umkehr: Im Gegensatz zum Aufruf zur Umkehr und Buße bei Johannes, ruft Jesus zur Umkehr angesichts der nahendenn Gottesherrschaft auf, und es setzen die Zwölf Apostel diesen Ruf auch fort. Mit Umkehr ist biblisch gesprochen die "Kehre des Lebens, die den Lebensweg radikal umwenden will und den gedanklichen Bereich selbstverständlich miteinbezieht und die sich im praktischen Leben auswirken muß. Ziel der Wandlung auf dem Weg, der also bis dahin ein falscher war, ist Gott, weil die Gottesherrschaft hier alle Bereiche des menschlichen Lebens des einzelnen, den privaten und öffentlichen, den ethischen und politischen, umgreift." Die Forderung hinter all dem ist der Glaube an das Evangelium von Jesus Christus.


Nach der Wüste beginnt Jesu Auftritt. Wüste ist Ort der Erinnerung an die Gottesbegegnung im Sinai. Und es ist die Erinnerung an die vielen Erfahrungen beim Exodus. An diese Erinnerungen knüpft der Geist an, der Jesus in die Wüste führt (Mk 1,12). Aus der "Fülle der Geschichte" verkündet Jesus die Botschaft der Umkehr. Sie ist Botschaft zur Erinnerung an die Fülle der Zuwendungen Gottes.