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22.06.2018

Lesungen 04.03.2018


1. Lesung vom 3. Fastensonntag, Lesejahr B:
Ex 20,1-17

Lesung aus dem Buch Exodus:

In jenen Tagen sprach Gott auf dem Berg Sinai all diese Worte:
Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat,
aus dem Sklavenhaus.
Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.
Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung
von irgend etwas am Himmel droben,
auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.
Du sollst dich nicht vor anderen Göttern niederwerfen
und dich nicht verpflichten, ihnen zu dienen.
Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott:
Bei denen, die mir feind sind,
verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen,
an der dritten und vierten Generation;
bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten,
erweise ich Tausenden meine Huld.
Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen;
denn der Herr läßt den nicht ungestraft, der seinen Namen mißbraucht.
Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!
Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.
Der siebte Tag ist ein Ruhetag, dem Herrn, deinem Gott, geweiht.
An ihm darfst du keine Arbeit tun:
du, dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin,
dein Vieh und der Fremde,
der in deinen Stadtbereichen Wohnrecht hat.
Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht
und alles, was dazugehört;
am siebten Tag ruhte er.
Darum hat der Herr den Sabbattag gesegnet
und ihn für heilig erklärt.
Ehre deinen Vater und deine Mutter,
damit du lange lebst in dem Land,
das der Herr, dein Gott, dir gibt.
Du sollst nicht morden.
Du sollst nicht die Ehe brechen.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen.
Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen,
nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin,
seinem Rind oder seinem Esel
oder nach irgend etwas, das deinem Nächsten gehört.



Es sind die 10 Gebote - griechisch: Dekalog -, die in der Lesung vorgetragen werden. Neben dieser Überlieferung gibt es noch andere, die Gottes Willen "handlich" zusammenfassen. Ex 20 ist jedoch eine sehr dichte und in sich gewichtete Version, die in der Katechismustradition verdünnt wurde. Der Überlieferung nach hat Mose die Gebote in zwei Tafeln bekommen: die erste Tafel widmet sich dem Gottesverhältnis, die zweite den menschlichen Beziehungen. Das steht allerdings nicht nebeneinander, sondern wird von einer Klammer zusammengehalten, die am Anfang der Reihe vorgegeben wird: "Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat...". Die 10 Gebote fügen zusammen, wie die Freiheit, die Gott gewährt und in geschichtlichen Erfahrungen wahrnehmbar macht, erhalten wird. Die Zusage Jahwes, "dein Gott" zu sein, führt die Gemeinschaft in Freiräume, die bewahrt und gestaltet werden sollen. Die sehr einfachen und eingängigen Formulierungen mit "Du sollst nicht" markieren Grenzen. Wesentliche Erfahrungen hat Israel in Ägypten gemacht. Es wird als "Sklavenhaus" in Erinnerung gerufen, bleibt aber auch als Versuchung präsent. Vor dem "du sollst nicht" steht: "Ich bin Jahwe...". In den Evangelien legt Jesus das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe in diesem Horizont aus. Wer ist mit !du" angesprochen? Das Volk Israel? Der einzelne Israelit? Für die jüdische Auslegung und Tradition steht jede Generation neu am Sinai und empfängt die Gebote. Das ist im Präsens zu erzählen. Die Vergangenheit ist Gegenwart und Zukunft. Wenn die 10 Gebote in "Werte" verwandelt und als "Werte" beschworen werden, geht der große und konstitutive Zusammenhang mit der Befreiung aus dem Sklavenhaus verloren. Die 10 Gebote aber sind nicht "Werte", sondern Heilsgeschichte, sie sind nicht einfach "zeitlos", sondern "rechtzeitig" in der Geschichte. In der Mitte, die die Gottesbeziehung und die Beziehung unter den Menschen (und der ganzen Schöpfung!) verbindet, steht die Ruhe Gottes und das Halten des Sabbats. In der priesterschriftlichen Schöpfungsgeschichte (Gen 1,1 - 2,3) ist nicht der Mensch (womöglich der "Mann") die Krone der Schöpfung, sondern die Ruhe Gottes am 7. Tag. Die 10 Gebote kreisen um die Vollendung der Schöpfung.


Aus der christlichen Tradition sind uns diese zehn Forderungen in absolut formulierten Sätzen als Die Zehn Gebote bekannt, bzw. vertraut. Die Bibel bezeichnet diese Sätze als Dekalog. Dies kommt aus dem Griechischen und heißt übersetzt: Zehn Worte. Bemerkenswert und somit bewusst zu beachten ist der erster Satz: In jenen Tagen sprach Gott... Ich bin Jahwe dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Ein Sklave kommt in das Haus seines Besitzers und ein anderer kann ihn loskaufen, also "lösen". Jahwe tut eben dies, wozu in Israel eben ein nächster Verwandter verpflichtet ist. Dieses Geschehen gibt eigentlich eine Weite, die ein "du sollst" oder "du sollst nicht" folglich nicht bedingen würde. Vom Urtext her heißt es eigentlich auch "du wirst". Diese Zusammenhänge zeigen schlicht und einfach auf, dass diese zehn Sätze immer wieder in Richtung Lebenseinengung und Lebensverneinung aufgefasst wurden. Wird der erste Satz nicht außer Acht gelassen, dann ist selbst in die übersetzungstechnische Formulierung des "du sollst" keine Lebenseinengung mehr hineinzuinterpretieren. Die Begründungen zu, oder zwischen manchen Geboten, zeigen spätere Einflüsse. Durch die Begründung soll der Angesprochene zum Befolgen des Gebotes überzeugt werden. Es kommt auch ganz stark die leidvolle Erfahrung durch, dass Israel ständig die Einzigartigkeit Gottes in der Geschichte immer wieder verloren, bzw. aufgegeben hat, sprich anderen Kulten verfallen ist. Gerade aus dem ersten Gebot spricht diese alles überragende Formulierung der Einzigartigkeit Gottes. (2) Im zweiten Gebot wird der Gefahr, Götzenbildern, oder anderen Göttern zu verfallen, vorgebeugt. Ebenfalls eine ständig sich wiederholende Erfahrung oder Gefahr in Israel. (3) Das dritte Gebot – Sabbatgebot – nimmt alle im Haus in Schutz, sogar die Knechte und Mägde... (4) Das vierte Gebot zeigt die gesellschaftlichen Umstände auf und somit die bedingten Überlebensmöglichkeiten der Gesellschaft, bzw. des Volkes durch das Funktionieren der Großfamilie, oder der Sippe. (5) Das fünfte Gebot schließt das gesetzlose Töten aus und schützt folglich den Einzelnen und den Sippenverband. Wobei hier anzumerken ist, dass der Krieg dadurch nicht ausgeschlossen ist. (6) Im sechsten Gebot ist mit zu bedenken, dass in Israel im Tatbestand unterschieden wurde, ob eine Frau verheiratet war oder nicht. Nicht zu vergessen ist, dass in Israel die Polygamie ebenfalls üblich war. Ich erinnere hier an Abraham, Jakob, David usw. (7) Bedankt man, dass die Gebote ursprünglich Tatbestände behandeln, auf die die Todesstrafe stand, so geht es beim "Stehlen" auch um mehr, als bloß darum, etwas mitgehen zu lassen, nämlich um Menschenraub. (8) Letztlich wird der falschen Zeugenaussage vorgebeugt, sowie auch der Besitz in Schutz genommen. Dazu gehörten einst auch Frau und Sklaven.


Nach der Schilderung der Rettung aus Ägypten (Ex 12-14) und der Wüstenwanderung Israels (Ex 15-19) finden sich die vielleicht zentralsten Stellen des Pentateuch mit der Theophanie (Ex 19), dem Dekalog (Ex 20), dem Bundesbuch (Ex 20,23 - 23,32), dem Bundesschluß (Ex 24) sowie Bruch und Erneuerung des Bundes (Ex 32-34). Die Struktur des "Zehnwortes" stellt eine sehr gedrängte Anordnung von Geboten dar, die in 2 Teile geteilt ist: 20,2-6 (Jahwerede) und 20,7-17 (Jahwe in der dritten Person angesprochen; knappe Verbote; apodiktisch formuliertes Recht). Die Einleitung des Dekalogs in Ex 20,2 bindet Glauben und Leben zusammen. Gott verweist auf die Befreiungstat, die allem Tun des Volkes vorausgeht. Die nun folgenden Gebote sollen die Erhaltung der gewonnenen Freiheit sichern. Israels Treue ist Antwort auf das gnädige Tun seines Gottes, nicht Bedingung zur Erlangung der Gnade. Das 1. Gebot ist das grundlegendste: keine anderen Götter! Das 2. Gebot verbietet den Mißbrauch des Namens Jahwes. Der Name ist Ausdruck von Wesen und Eigenart einer Person; die Kenntnis des Namens bringt eine gewisse Macht über den Namensträger. Das 3. Gebot (Sabbatgebot Verse 8-11) wird hier in Ex 20 mit dem Abschluß des Schöpfungswirkens Gottes und seiner Ruhe am siebten Tag begründet. Im Gegensatz dazu wird in Dtn 5 der Sabbat mit der Erfahrung der Befreiung aus Ägypten motiviert. Die Vorlage zu diesem Gebot findet sich in Ex 23,12. Dieses Gebot soll den Menschen und die Tiere vor Ausbeutung schützen. Das 4. Gebot (Elterngebot ) ist das erste der "sozialen" Gebote und eröffnet die "zweite Tafel". Dieses Gebot gilt für die erwachsenen Israeliten, die ihre Eltern im Alter schützen sollen. Es zielt auch nicht so sehr auf Gehorsam als vielmehr auf Respekt. Dabei fällt auf, daß Vater und Mutter gleichberechtigt nebeneinander stehen, was im kulturellen Umfeld der Bibel keine Selbstverständlichkeit darstellt. Die Verse 13-15 enthalten in einer äußerst kurzen, objektlosen Verbotsreihe eine Absage an schwerwiegende Vergehen gegen das Zusammenleben in einer Gemeinschaft: - Verbot des nicht durch Recht gedeckten, gewaltsamen Tötens; - Verbot des Ehebruchs (nicht irgendwelche sexuelle Verfehlungen) und Schutz der Unantastbarkeit der Ehe; - Verbot des Diebstahls und Menschenraubs; - Wahrheitsgebot - und Verbot des "Begehrens" von fremdem Gut.


Kurzfassung der
1. Lesung vom 3. Fastensonntag, Lesejahr B:
Ex 20,1-3. 7-8. 12-17

Lesung aus dem Buch Exodus:

In jenen Tagen sprach Gott auf dem Berg Sinai all diese Worte:
Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat,
aus dem Sklavenhaus.
Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.

Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen;
denn der Herr läßt den nicht ungestraft,
der seinen Namen mißbraucht.
Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!

Ehre deinen Vater und deine Mutter,
damit du lange lebst in dem Land, das der Herr, dein Gott, dir gibt.
Du sollst nicht morden.
Du sollst nicht die Ehe brechen.
Du sollst nicht stehlen.
Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
Du sollst nicht nach dem Haus deines Nächsten verlangen.
Du sollst nicht nach der Frau deines Nächsten verlangen,
nach seinem Sklaven oder seiner Sklavin,
seinem Rind oder seinem Esel
oder nach irgend etwas, das deinem Nächsten gehört.


Antwortpsalm am 3. Fastensonntag (B)
Ps 19,8-12

R Herr, du hast Worte des ewigen Lebens. – R

Die Weisung des Herrn ist vollkommen,
sie erquickt den Menschen.
Das Gesetz des Herrn ist verlässlich,
den Unwissenden macht es weise. - (R)

Die Befehle des Herrn sind richtig,
sie erfreuen das Herz;
das Gebot des Herrn ist lauter,
es erleuchtet die Augen. - (R)

Die Furcht des Herrn ist rein,
sie besteht für immer.
Die Urteile des Herrn sind wahr,
gerecht sind sie alle. - (R)

Sie sind kostbarer als Gold, als Feingold in Menge.
Sie sind süßer als Honig, als Honig aus Waben.
Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen:
wer sie beachtet, hat reichen Lohn. - R


2. Lesung vom 3. Fastensonntag, Lesejahr B:
1 Kor 1,22-25

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Schwestern und Brüder!
Die Juden fordern Zeichen,
die Griechen suchen Weisheit.
Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten:
für Juden ein empörendes Ärgernis,
für Heiden eine Torheit,
für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus,
Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen,
und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.



In 1 Kor 1 wird den jüdischen Zeichenforderungen und der griechischen Philosophie - immerhin dem intelektuellen Standard der Zeit - das Wort vom Kreuz gegenübergestellt und als "wahre" Weisheit verkündigt: als Gottes Kraft und als Gottes Weisheit. Im Schlusssatz, mit "denn" eingeführt, wird Gottes Torheit und Schwäche von der Klugheit und Stärke der Menschen abgehoben. Nietzsche konnte die "Umwertung der Werte", die er vor Augen hatte, hier finden. Paulus verkündigt Christus als den Gekreuzigten. Das ist der Leitsatz. Die Reaktion, die Paulus kennt, bewegt sich zwischen Verärgerung und Unverständnis. Die Gruppen werden von ihm genannt: Juden und Griechen. Beide machen je auf ihre Weise Bekanntschaft mit dem, was Paulus nicht nur verkündigt, sondern als der Weisheit letzter Schluss bezeugt. Für Paulus ist der schändliche Tod am Kreuz die Offenbarung Gottes schlechthin. Wer sich bisher darauf verließ, zu wissen, wer Gott ist, wird enttäuscht. Ist Gott schwach? Leidensfähig? Die Vorstellungen, die Menschen sich von ihm machen, zeigen ihn überlegen und abgehoben. Am Kreuz zerbrechen die Bilder, die ihn festlegen. Aber auch die Bilder, die Menschen von sich machen. Dazu gehören auch die Vorstellungen von Größe und Stärke überhaupt. Das "Wechselspiel", das in 1 Kor 1 die Argumentation trägt, hat Dietrich Bonhoeffer in seinem Gedicht "Christen und Heiden" übersetzt: Menschen gehen zu Gott in ihrer Not, flehen um Hilfe, bitten um Glück und Brot um Errettung aus Krankheit, Schuld und Tod. So tun sie alle, Christen und Heiden. Menschen gehen zu Gott in Seiner Not, finden ihn arm, geschmäht, ohne Obdach und Brot, sehn ihn verschlungen von Sünde, Schwachheit und Tod. Christen stehen bei Gott in Seinen Leiden. Gott geht zu allen Menschen in ihrer Not, sättigt den Leib und die Seele mit Seinem Brot, stirbt für Christen und Heiden den Kreuzestod, und vergibt ihnen beiden.


Nach jüdischer Auffassung wird die Welt in Juden und Griechen, also in Glaubende und Nichtglaubende aufgeteilt, in dem Gottesvolk Zugehörende oder nicht. Die Griechen teilen wiederum in Griechen und Barbaren auf. Alle Menschheitsgruppen suchen Beweise für göttliche Wahrheiten. Göttliche Machterweise werden im jüdischen Bereich zum Messiasbeweis gefordert. Dies beinhaltet den Sieg über die Feinde und die zu errichtende Gottesherrschaft. Dem gekreuzigten Jesus bleibt diese Legitimation versagt. Folglich kann er nicht der Messias sein. Die Griechen versuchen über innerste Zusammenhänge der Welt zum Göttlichen vorzudringen. Aber selbst die besten Einsichten lassen nicht zum Erkennen der Versöhnungstat Gottes mit der Welt durch den Kreuzestod vordringen. Somit ist es klar, dass ein Gekreuzigter eben nur ein Gescheiteter sein kann, weit entfernt von messianischen Erfolgstaten. Genauso wenig einleuchtend ist der Verbrechertod als Weg zum Heil. Der Kreuzestod als grausamste Verbrecherstrafe steht eben der antiken Götterwelt diametral entgegen. Paulus geht es in diesem Zusammenhang beiden Seiten gegenüber aufzuzeigen, dass sie den Kreuzestod eben nur nach ihren eigenen Kriterien beurteilen. Der Kreuzestod Jesu durchkreuzt die die alte Welt bestimmenden Kriterien. Dieser Welt setzt Paulus die Berufenen gegenüber und er spitzt alles auf das Kreuz hin zu. Gott offenbart sich nicht nur in seiner Schöpfung und in seinen Heilstaten, sondern gerade auch im Kreuzestod Jesu. In der Auferstehung erweist sich die Bestätigung dafür, nämlich, dass im Kreuz die Weisheit Gottes Sünde und Tod überwindet. Gott selbst ist im Kreuzestod Jesu mit seiner Kraft und Weisheit am Werk. Darin zeigt sich Gottes Überlegenheit allem menschlichen Denken gegenüber, sowie grundsätzlich allen Geschöpfen gegenüber. Im Jüdischen wird die Weisheit rein von Gott her gesehen, akzeptiert und erwartet. Dazu ist eben noch als interessant anzumerken, dass Paulus dies ablöst und sogar dahin kommt, dass Gott sogar soweit geht, diese den Menschen zu geben. Demnach ist Gott so groß, dass er den Menschen die Freiheit gibt, diese in Folge sogar gegen ihn, also gegen Gott zu verwenden.


(Es sollten 1 Kor 1,18-25 gelesen werden!) Anschließend an die Klärung, dass es keine Parteiungen geben darf aufgrund dessen, der die einzelnen getauft hat (1,10-17), kommt Paulus zu seinem Hauptthema: der Predigt vom Kreuz (1,18-25). Denn die Rede vom Kreuz ist der springende Punkt: An ihm scheiden sich die Geister. Denn sich im Kreuz, in der Erniedrigung zu offenbaren, das widerspricht sowohl den Juden: Sie wollen Zeichen sehen; aber auch den Griechen: sie hätten gern einen Messias, der die Welt durch Vernunft und Weisheit rettet. Gott aber offenbart seine Macht in der Ohnmacht, seine Weisheit in der Torheit des Kreuzes. Und so macht Gott nun durch dieses Kreuz die selig, die glauben (Vers 21). Weil der Glaube sein Vertrauen auf Gott setzt und nicht auf etwas, was durch äußerste Steigerung von dem, was Menschen möglich ist, geschieht. Die Weisheit in dieser Torheit ist aber, dass Gott durch diesen Umweg über die Torheit des Kreuzes, durch den schweren Gang Jesu in den Tod, die menschliche Sünde und den Tod besiegt hat. Indem Gott sich nicht menschlicher Logik angepasst hat, hat er den Kreislauf der Sünde durchbrochen.


Erweiterte Fassung der
2. Lesung vom 3. Fastensonntag, Lesejahr B:
1 Kor 1,18-25

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Das Wort vom Kreuz ist denen, die verlorengehen, Torheit;
uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft. 
Es heißt nämlich in der Schrift:
Ich lasse die Weisheit der Weisen vergehen
und die Klugheit der Klugen verschwinden. 
Wo ist ein Weiser? Wo ein Schriftgelehrter?
Wo ein Wortführer in dieser Welt?
Hat Gott nicht die Weisheit der Welt als Torheit entlarvt? 
Denn da die Welt angesichts der Weisheit Gottes
auf dem Weg ihrer Weisheit Gott nicht erkannte,
beschloß Gott, alle, die glauben,
durch die Torheit der Verkündigung zu retten. 

Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit.
Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten:
für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit,
für die Berufenen aber, Juden wie Griechen, Christus,
Gottes Kraft und Gottes Weisheit.
Denn das Törichte an Gott ist weiser als die Menschen,
und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen.


Ruf vor dem Evangelium am 3. Fastensonntag (B)
vgl. Joh
3,16a.15

Lob dir, Christus, König und Erlöser! - R

So sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der glaubt, in ihm das ewige Leben hat.

Lob dir, Christus, König und Erlöser!


Evangelium vom 3. Fastensonntag, Lesejahr B:
Joh 2,13-25

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

Das Paschafest der Juden war nahe,
und Jesus zog nach Jerusalem hinauf.
Im Tempel fand er die Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben
und die Geldwechsler, die dort saßen.
Er machte eine Geißel aus Stricken
und trieb sie alle aus dem Tempel hinaus,
dazu die Schafe und Rinder;
das Geld der Wechsler schüttete er aus,
und ihre Tische stieß er um.
Zu den Taubenhändlern sagte er:
Schafft das hier weg,
macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!
Seine Jünger erinnerten sich an das Wort der Schrift:
Der Eifer für dein Haus verzehrt mich.
Da stellten ihn die Juden zur Rede:
Welches Zeichen lässt du uns sehen als Beweis,
dass du dies tun darfst?
Jesus antwortete ihnen:
Reißt diesen Tempel nieder,
in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten.
Da sagten die Juden:
Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut,
und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten?
Er aber meinte den Tempel seines Leibes.
Als er von den Toten auferstanden war,
erinnerten sich seine Jünger, dass er dies gesagt hatte,
und sie glaubten der Schrift
und dem Wort, das Jesus gesprochen hatte.
Während er zum Paschafest in Jerusalem war,
kamen viele zum Glauben an seinen Namen,
als sie die Zeichen sahen, die er tat.
Jesus aber vertraute sich ihnen nicht an,
denn er kannte sie alle
und brauchte von keinem ein Zeugnis über den Menschen;
denn er wusste, was im Menschen ist.



Das Evangelium hat zwei Teile, die in einer "Wegszene" zusammen laufen. Im 1. Teil vertreibt Jesus die Verkäufer und Geldwechsler aus dem "Haus meines Vaters". Dieser 1. Teil wird mit einem "Erinnerungswort" abgeschlossen: Der Eifer für dein Haus verzehrt mich. Der 2. Teil ist dem Disput gewidmet, der sich anschließt. Jesus stellt sich selbst als Tempel vor und spricht von seiner Auferstehung. Auch dieser 2. Teil wird mit einem "Erinnerungswort" abgeschlossen: was Jesus gesagt hat, deutet sein Geschick. Die beiden "Erinnerungsworte" strukturieren die Perikope. Die Jünger "erinnern" sich und finden in Jesu Wort die Schlüssel zu ihren Erfahrungen: mit dem Tempel und der Weggemeinschaft mit Jesus. Obwohl das Evangelium erst am Anfang ist, weisen die letzten Verse in einen Weg ein: Während er zum Paschafest in Jerusalem war, kamen viele zum Glauben an seinen Namen. Beide Teile sind miteinander verbunden: im ersten Teil werden Geschäfte aus dem Tempel vertrieben, im zweiten wird der Tempel überhaupt erst neu errichtet. Das ist eine Steigerung, die in einer provozierenden Aktion vorbereitet und in einem Rededuell offenbart wird. Der Tempel, den Jesus als Haus seines Vaters schützt, ist nicht länger die Wohnung Gottes – wir hören Joh 1: in Jesus wohnt das Wort unter uns. Es wird Fleisch. Wir sehen seine Herrlichkeit. Die Tempelerzählung in Joh 2 ist eine Auslegung des Prologs. Oder anders formuliert: Joh 2 erzählt, was in Joh 1 feierlich der Jesus-Geschichte vorangestellt wird. Der Prolog ist ein Hymnus. In ihm ist Joh 2 (und das ganze Evangelium) verwurzelt. Kaufleute und Geldwechsler gehörten zum Kult, die Pilger konnten – zum Teil nach langen Pilgerwegen - erwerben, was sie für ihre Opfer brauchten. Der innere Bereich des Tempels war davon nicht betroffen. Trotzdem legten sich die frommen Geschäfte wie ein Ring um das Allerheiligste. Schon in vielen Psalmen wird geäußert, dass die Opfer, die Gott gefallen, die Herzen der Menschen sind. In den großen Visionen Jesajas und Ezechiels wird ein Blick in den himmlischen Tempel geworfen. In dem "Heilig" (Jes 6) klingt die Würde Gottes an. Jesaja spricht von einem Volk "unreiner" Lippen. Joh 2 lässt erkennen, dass der Tempel nicht mehr "Haus meines Vaters" (Jesus) ist. Antijüdische Spitzen hat das Evangelium nicht.


Gleich im Anschluss an das Weinwunder auf der Hochzeit zu Kanaan bringt Johannes die Tempelaustreibung. Somit steht diese in weiter Entfernung zu den letzten Tagen Jesu in Jerusalem im Unterschied zu den anderen Evangelisten. Dadurch gelingt es Johannes, die Geschichte zu entpolitisieren. Weiters ist sie dadurch entfernt von der Leidensgeschichte. Im Johannesevangelium ist die Auferweckung des Lazarus das letzte Wunder, das den Hohen Rat motiviert, Jesus aus den Weg zu räumen. Johannes setzt die Tempelaustreibung mit der Vollmachtsfrage in Zusammenhang. Ein politisches Missverständnis schließt Johannes in dieser Sache aus. Er geht viel weiter. Er steigert die Sache im theologischen Sinn: Jesus hebt mehr oder weniger den Tempelkult auf. Es wird der Tempelkult als solcher in Frage gestellt und die Vollmacht Jesu in das Zentrum gerückt. Er als Gottes Sohn verteidigt das Haus seines Vaters. Johannes malt die Szene gut aus. Jesus betritt ohne Stock den Tempelhof. Er beschreibt auch welche Tiere hier gehandelt werden. Das Geld der Wechsler schüttet er aus. Bei den Synoptikern ist dies alles knapper geschildert. Dies zeigt, dass Johannes hier auch auf späteren literarischen Stoff zurückgreift Das äußere Motiv zur Handlung ist ebenfalls typisch für Johannes. Es ereignet sich aus Anlass eines Festes. Es ist mitzubedenken, warum hier im Tempelvorhof mit Tieren gehandelt wurde und Geld gewechselt wurde. Einerseits war es vielen Juden nicht möglich Opfertiere von weit her mitzubringen, andererseits waren im Tempel nur tempeleigene Münzen erlaubt. Münzen mit dem Bild des Kaisers - Kaiser als Gottheit - waren natürlich verpönt. Ohne Angaben von Gründen erfolgt die Tempelaustreibung. Übrigens das Wort Tempelreinigung findet sich weder hier noch bei den Synoptikern. Dass die Sache nicht historisch sein kann, liegt auch auf der Hand. Erstens wegen de Größe des Tempelvorhofes und der somit gegebenen Anzahl der Menschen, zweitens hätte jeder Tumult die römische Garnison mobilisiert. Es fällt auf, dass Johannes ständig die verschiedenen Gruppen wie Schriftgelehrte, Hoheprieser u.a. einfach mit "Die Juden" ersetzt. Eine Zeichenforderung lehnt Jesus grundsätzlich ab. Er antwortet hingegen noch rätselhaft mit der Forderung: Brecht den Tempel ab und in drei Tagen… Einerseits ist die Katastrophe der Zerstörung Jerusalems samt Tempel bekannt, andererseits wird alles in Bezug auf Jesu Tod und Auferstehung gesetzt. Der Evangelist bekräftigt, dass in Jesus spätere Ereignisse vorweggenommen sind und, dass die wahre Anbetung Gottes nicht an Örtlichkeiten gebunden ist. Jesus ist in der Gemeinde und in deren Glauben allgegenwärtig. Letztendlich betont der Evangelist, dass das eigentliche und letzendliche Wunder, im Unterschied zur Wundersucht, in der Schau der untrennbaren Verbundenheit zwischen Sohn und Vater ist in der irdischen Existenz des Menschensohnes.


Die Tempelreinigung wird hier bei Joh bereits am Beginn erzählt, nicht erst nach dem Einzug in Jerusalem am Ende seines Wirkens (wie bei den Synoptikern). Es geht um Glauben und Unglauben: Dem Jüngerglauben (2,11) wird die Skepsis der führenden Juden (2,18) gegenübergestellt. Wie beim Anfang seines Wirkens in Galiläa (Kana-Wunder, 2,1-12) geht es hier um Zeichen, die von den Juden gefordert werden. Das Wort Vers 17 wird zu verstehen sein als: "Der Eifer für Gottes Haus bringt dich noch ums Leben." Die Juden verlangen ein Zeichen - wohl zur Legitimation für sein Vorgehen im Tempel. Jesus aber antwortet mit einem Rätselwort - das Missverständnis mit den Juden ist vorprogrammiert: Währende Jesus von Anfang an seinen Leib meint, denken sie an den steinernen Bau. (Vers 21 ist eine erklärende Bemerkung des Evangelisten dazu.) Theologisch wird die Szene gedeutet als eine Überwindung des jüdischen Tempelkultes durch Jesus. Die johanneische Gemeinde versteht sich als jene Kultgemeinde, in der die vollkommene, eschatologische "Anbetung in Geist und Wahrheit" geschieht - durch die Bindung an die Person Jesu Christi, dem "wahren Tempel". 2,23-25 - Viele Zeichen in Jerusalem Dass Jesus (Heilungs-) wunder vollbrachte, wird nur nebenbei erwähnt; der Glaube der vielen bleibt hier nur ein (unzulänglicher) "Wunderglaube".