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22.06.2018

Lesungen 11.03.2018


1. Lesung vom 4. Sonntag der Fastenzeit, Lesejahr B:
2 Chr 36,14-16. 19-23

Lesung aus dem zweiten Buch der Chronik:

In jenen Tagen
begingen alle führenden Männer Judas und die Priester
und das Volk viel Untreue.
Sie ahmten die Greueltaten der Völker nach
und entweihten das Haus,
das der Herr in Jerusalem zu seinem Heiligtum gemacht hatte.
Immer wieder hatte der Herr, der Gott ihrer Väter,
sie durch seine Boten gewarnt;
denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung.
Sie aber verhöhnten die Boten Gottes,
verachteten sein Wort und verspotteten seine Propheten,
bis der Zorn des Herrn gegen sein Volk so groß wurde,
daß es keine Heilung mehr gab.
Die Chaldäer verbrannten das Haus Gottes,
rissen die Mauern Jerusalems nieder,
legten Feuer an alle seine Paläste
und zerstörten alle wertvollen Geräte.
Alle, die dem Schwert entgangen waren,
führte Nebukadnezzar in die Verbannung nach Babel.
Dort mußten sie ihm und seinen Söhnen als Sklaven dienen,
bis das Reich der Perser zur Herrschaft kam.
Da ging das Wort in Erfüllung,
das der Herr durch den Mund Jeremias verkündet hatte.
Das Land bekam seine Sabbate ersetzt,
es lag brach während der ganzen Zeit der Verwüstung,
bis siebzig Jahre voll waren.
Im ersten Jahr des Königs Kyrus von Persien sollte sich erfüllen,
was der Herr durch Jeremia gesprochen hatte.
Darum erweckte der Herr den Geist des Königs Kyrus von Persien,
und Kyrus ließ in seinem ganzen Reich
mündlich und schriftlich den Befehl verkünden:
So spricht Kyrus, der König von Persien:
Der Herr, der Gott des Himmels,
hat mir alle Reiche der Erde verliehen.
Er selbst hat mir aufgetragen,
ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen.
Jeder unter euch, der zu seinem Volk gehört
- der Herr, sein Gott, sei mit ihm -, der soll hinaufziehen.



Im 2. Chronikbuch ist die tatsächliche Geschichte Israels in Untergang und Neubeginn schon bekannt. Es musste die Frage beantwortet werden: "Wie konnte es dazu kommen?". Die Antwort: "Es ist die Strafe Gottes für die Sünden unserer Väter! Es ist aber auch derselbe Gott, der in seiner Liebe den Neubeginn setzt!" Diese Antwort bietet den Schlüssel zum Verständnis der Geschichte. In den für die Lesung ausgelassenen Versen wird die Vernichtung Judas deutlicher beschrieben, ohne dass es etwas an der Grundaussage verändert. Die letzten Verse leiten schon über zum Buch Esra, das im chronistischen Geschichtswerk die Fortsetzung darstellt. Nach der Geschichte des Untergangs kommt es zur Geschichte des Neubeginns in geistig-geistlicher Lebendigkeit.


Das 2. Buch der Chronik stammt aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. und bildet mit 1 Chr eine inhaltliche Einheit - in den hebräischen Schriften handelt es auch um ein einziges Buch. Beide Bücher umfassen zusammen 65 Kapitel und beschreiben die Entwicklung des Volkes Israel aus religiöser und soziologischer Sicht. Der Aufbau weist Ähnlichkeiten zu den Königsbüchern auf, die aber eher politische Thematiken beschreiben. 2 Chr endet mit der Entlassung aus dem babylonischen Exil, deren Verkündigung die vorliegende Perikope beinhaltet.


Die beiden Bücher, die als Bücher der Chronik bezeichnet werden, tragen im Hebräischen ungefähr den Titel "Zeitereignisse". Es geht um eine Geschichtsdarstellung, was man aber nicht mit unserem Verständnis von Geschichte gleichsetzen kann, wo versucht wird, Daten, Fakten und Personen möglichst genau einzuordnen und Ereignisse objektiv zu rekonstruieren. Im Verständnis dieser jüdischen Geschichtsschreiber geht es eher um eine Geschichtsdeutung, die auf der einen Seite versucht, eine Reihe von gesellschaftlichen und politischen Geschehnissen über einen größeren Zeitraum zusammen zu schauen. Auf der anderen Seite werden diese Ereignisse aus dem religiösen Kontext heraus mit dem Wirken Gottes in Verbindung gebracht und als Geschichte Gottes mit seinem Volk unter der Verwendung unterschiedlichster literarischer Gattungen (Sagen, Siegeslieder, Gebete, Vertragstexte, Biografien...) erzählt. Die Geschichte ist ein Ort der Gotteserfahrung, die über die unmittelbar Betroffenen auch noch Bedeutung und Wirkung für die Gläubigen späterer Zeiten hat. Die meisten der geschichtlichen Bücher der Bibel (Buch Josua, Buch der Richter, Samuelbücher, Königsbücher, Bücher der Chronik, Bücher der Makkabäer...) entstanden in der Auseinandersetzung mit historischen Krisenerfahrungen. Als eine Theologie der Geschichte versuchen sie, Sinn und Bedeutung von geschichtlichen Ereignissen und von Geschichte überhaupt verständlich zu machen. Das erste Buch der Chronik (1 Chr) beginnt "ganz am Anfang" mit den Nachkommen Adams. Die Liste der Nachkommen wird bis in die Zeit der ersten Könige weitergeführt, die eigentliche Erzählung setzt mit König Saul und König David ein. Das erste Buch der Chronik endet mit dem Tod Davids. Das zweite Buch der Chronik beginnt mit Davids Sohn Salomo und schildert nach dem Höhepunkt des Tempelbaus den zunehmenden Verfall des Königreiches Israel, zuerst die Trennung in ein Nordreich Israel und ein Südreich Juda, die politischen und religiösen Um- und Zustände unter den verschiedenen Königen hauptsächlich des Südreiches Juda, bis zum Ende des Südreiches mit der Eroberung durch den babylonischen König Nebukadnezzar (ca. 586 v. Chr.). 2 Chr endet mit dem Edikt des Königs Kyros von Persien, das das Babylonische Exil des jüdischen Volkes beendet und einen Neubeginn in der Geschichte Israels darstellt. Der Untergang des Reiches Juda Der Text der heutigen Lesung erzählt und deutet den Untergang des Südreiches Juda. Ähnlich wie der Autor schon die Königsbiografien, die jeweilige religiöse und politische Haltung mit den Ereignissen im Land in Zusammenhang bringt, zeigt er auch hier den Abfall des Königs, der führenden Männer Israels, der Priester und damit auch des Volkes von Gott auf. Untreue gegenüber dem Bund mit Gott, Verachtung des Wortes Gottes und seiner Profeten sind für ihn die Ursachen der großen Katastrophe, die die Zeit des Königreiches Juda beendet. Mit diesem Verständnis darf man dem Autor aber nicht ein rachsüchtiges Gottesbild unterschieben, das Bild eines Gottes, der Gleiches mit Gleichem vergilt, sondern er versucht die Zuwendung eines barmherzigen und verzeihenden Gottes auszudrücken, dessen Handeln auf Heilung ausgerichtet ist. Selbst in der Katastrophe ist es ein Gott, der sich selbst und seinen Verheißungen, auch wenn sein Volk trotz vieler Warnungen ins Messer läuft und durch die kriegerischen und politischen Umstände zerrieben wird. Über die Zerstörung hinaus bleibt das unbedingte Ja Gottes zu seinem Volk bestehen, nicht um das Geschehen zu verharmlosen sondern um den Ernst der Beziehung Gottes zu seinem Volk zu verdeutlichen.


Ungekürzte Fassung der Lesung:
2 Chr 36,14-23

Lesung aus dem zweiten Buch der Chronik:

In jenen Tagen
begingen alle führenden Männer Judas und die Priester
und das Volk viel Untreue.
Sie ahmten die Greueltaten der Völker nach
und entweihten das Haus,
das der Herr in Jerusalem zu seinem Heiligtum gemacht hatte.
Immer wieder hatte der Herr, der Gott ihrer Väter,
sie durch seine Boten gewarnt;
denn er hatte Mitleid mit seinem Volk und seiner Wohnung.
Sie aber verhöhnten die Boten Gottes,
verachteten sein Wort und verspotteten seine Propheten,
bis der Zorn des Herrn gegen sein Volk so groß wurde,
daß es keine Heilung mehr gab.
Der Herr ließ nun den König der Chaldäer gegen sie heranziehen.
Dieser tötete ihre jungen Krieger in ihrem Heiligtum mit dem Schwert
und verschonte keinen jungen Mann
und keine junge Frau,
keinen Greis und Betagten;
alle gab Gott in seine Hand. 
Nebukadnezzar ließ die großen und kleinen Geräte des Hauses Gottes,
die Tempelschätze und die Schätze des Königs
und seiner hohen Beamten insgesamt nach Babel bringen. 
Die Chaldäer verbrannten das Haus Gottes,
rissen die Mauern Jerusalems nieder,
legten Feuer an alle seine Paläste
und zerstörten alle wertvollen Geräte.
Alle, die dem Schwert entgangen waren,
führte Nebukadnezzar in die Verbannung nach Babel.
Dort mußten sie ihm und seinen Söhnen als Sklaven dienen,
bis das Reich der Perser zur Herrschaft kam.
Da ging das Wort in Erfüllung,
das der Herr durch den Mund Jeremias verkündet hatte.
Das Land bekam seine Sabbate ersetzt,
es lag brach während der ganzen Zeit der Verwüstung,
bis siebzig Jahre voll waren.
Im ersten Jahr des Königs Kyrus von Persien sollte sich erfüllen,
was der Herr durch Jeremia gesprochen hatte.
Darum erweckte der Herr den Geist des Königs Kyrus von Persien,
und Kyrus ließ in seinem ganzen Reich
mündlich und schriftlich den Befehl verkünden:
So spricht Kyrus, der König von Persien:
Der Herr, der Gott des Himmels,
hat mir alle Reiche der Erde verliehen.
Er selbst hat mir aufgetragen,
ihm in Jerusalem in Juda ein Haus zu bauen.
Jeder unter euch, der zu seinem Volk gehört
- der Herr, sein Gott, sei mit ihm -, der soll hinaufziehen.


Alternative Lesung vom Fest Kreuzerhöhung:
Num 21,4-9

Lesung aus dem Buch Numeri:

In jenen Tagen brachen die Israeliten vom Berg Hor auf
und schlugen die Richtung zum Schilfmeer ein,
um Edom zu umgehen.
Unterwegs aber verlor das Volk den Mut,
es lehnte sich gegen Gott und gegen Mose auf und sagte:
Warum habt ihr uns aus Ägypten herausgeführt?
Etwa damit wir in der Wüste sterben?
Es gibt weder Brot noch Wasser.
Dieser elenden Nahrung sind wir überdrüssig.
Da schickte der Herr Giftschlangen unter das Volk.
Sie bissen die Menschen und viele Israeliten starben.
Die Leute kamen zu Mose und sagten:
Wir haben gesündigt,
denn wir haben uns gegen den Herrn und gegen dich aufgelehnt.
Bete zum Herrn, dass er uns von den Schlangen befreit.
Da betete Mose für das Volk.
Der Herr antwortete Mose:
Mach dir eine Schlange und häng sie an einer Fahnenstange auf!
Jeder, der gebissen wird, wird am Leben bleiben,
wenn er sie ansieht.
Mose machte also eine Schlange aus Kupfer
und hängte sie an einer Fahnenstange auf.
Wenn nun jemand von einer Schlange gebissen wurde
und zu der Kupferschlange aufblickte,
blieb er am Leben.



Das Buch Numeri wird in der hebräischen Bibel „In der Wüste“ genannt. Dies ist auch der rote Faden „Ödland, Wüstengebiet“, der sich als bewusster theologischer Gedanke, dass sich Gott dort offenbart, wo es kein fruchtbares Land gibt, durch das ganze Buch Numeri zieht. Auch in den Versen der Lesung Numeri 21,4-9 ist dies erfahrbar. Die Verankerung dieser Erzählung zwischen einer erfolgreichen kriegerischen Inbesitznahme von Arad (eine ätiologische Geschichte) und dem Aufbruch weiter nach Moab zeigt auf, dass Israel sich auf seiner Wanderung in einem alten Kulturland bewegt. Die Komposition von „Murrgeschichten“ bzw. Rettungsgeschichten im Buch Numeri, erfährt in dieser Erzählung durch die priesterschriftliche Geschichtsschreibung eine „ausführlichere“ Schilderung als sonst. Durch das Einfügen örtlicher Begebenheiten, werden Einblicke in das damalige religiöse und historische Umfeld Israels möglich. Religiöse Kulthandlungen in diesen Gebieten waren für Israel Herausforderungen sich zu „outen“, zu seinen eigenen Erfahrungen mit JHWH zu stehen. Sie führten jedoch auch immer wieder zu einer Inkulturation, so wie diese Erzählung es aufzeigt. Das uralte Abbaugebiet von Kupfererz in der Wüste Zin und der dort bei Ausgrabungen aufgefundene ägyptische Hathortempel (Harthor war die ägyptische Göttin des Bergbaus) geben den geschichtlichen und religiösen Background für dieses Ereignis. Die Rettungsgeschichte mit der kupfernen Schlange, welche auf einer gut sichtbaren Standarte befestigt wurde (Vers 8), ist daraus zu verstehen (Schlangen waren Teil der Lebenswelt Ägyptens, ihre Verehrung sollte die Macht des tödlichen Bisses abwehren). In Vers 5 wird Mose wieder einmal als „Hauptverantwortlicher“ der lebensbedrohenden Situation der Israeliten in diesem „wüsten“ Gebiet dargestellt. Er soll „möglichst“ mit JHWH diese Situation bereinigen (Vers 7b, Fürbittgebet des Mose). Neu im Vers 7 ist, dass es zu einem Erkennen des Volkes Israel kommt: Nicht Mose allein trägt Verantwortung, ganz Israel wird sich seiner Verantwortung bei der Abkehr von JHWH bewusst (Vers 7a). Diese Erkenntnis eröffnet neue Zukunftsperspektiven für Israel, lässt den Aufbruch mit JHWHs Hilfe, der unter ihnen, in ihrer Mitte sein „Zelt“ aufschlägt, aufs Neue wagen. Die erfahrene Geschichte (Vergangenheit) zeigt hier im Buch Numeri auf, dass lebensbedrohliche Situationen kein Grund sind, an der Treue JHWH, der zu seinem Volk und seinen Verheißungen steht, zu zweifeln. (c) Hannelore Jäggle, Wien


Das Volk Israel lehnt sich gegen Gott auf und wird dafür mit Schlangenbissen gestraft. Die Auflehnung geschieht im Herzen und ist nicht öffentlich. Wenn nun die Schlange aus Kupfer im Lager aufgestellt wird, wird das Thema der Schuld öffentlich. Wer auf die Schlange blickt, gibt zu: Auch ich habe mich abgewendet. Das Volk kann nun sehen, wo es steht und den Weg zur Umkehr finden. Es kann sich wieder hinter Gott sammeln und neu den Weg aus der Wüste ins Gelobte Land wagen.


Den Israeliten galt die Wüste als ein Ort der Schlangen und Skorpione (vgl. Dtn 8:15; Jes 14:29 und 30:6). Es erstaunt daher nicht, dass in die Erzählungen des Wüstenzuges auch eine Schlangenplage Eingang gefunden hat. Der Text Num 21:4-9 interpretiert diese "Schlangeninvasion" als Strafe für die Auflehnung der Israeliten Gott und Mose gegenüber. Doch aufgrund des Schuldbekenntnisses der Israeliten und der Fürsprache des Mose gewährt Gott die Rettung: Eine an einer langen - und damit weithin sichtbaren - Stange montierte kupferne Schlange wird angefertigt. Dank des Anblicks der Schlange, als Zeichen des Glaubens an die Heilkraft Gottes, blieben die Israeliten trotz aller Schlangenbisse am Leben. In den Kupferminen von Timna (etwa 20km nördlich von Eilat) wurde bei Ausgrabungen eine 12 cm lange Kupferschlange mit goldenem Kopf gefunden. Wahrscheinlich diente sie als Kultgegenstand eines midianitischen Heiligtums in dieser Gegend. Jedenfalls beweist sie, dass um etwa 1200 v. Chr. in dieser Gegend solche Kupferschlangen nicht unbekannt gewesen sind. Im Vorderen Orient galten Schlangen zudem als Symbole des Lebens (vgl. die Äskulapnatter als noch heute bestehendes Symbol von Ärzten und Apothekern) und als Symbol von heilbringenden Gottheiten. Der Text in Num 21 weist aber nicht der Schlange als solcher Heilkraft zu, vielmehr verweist hier die Schlange auf den eigentlichen Retter. Wahrscheinlich hat Israel so einen bereits bekannten Brauch aus der Umwelt in die eigene Glaubenswelt übernommen, ihn aber theologisch neu geformt, bzw. uminterpretiert. Diese These wird durch Weish 16:7 gestützt, wo es heißt: "Wer sich dorthin wandte, wurde nicht durch das gerettet, was er anschaute, sondern durch dich, den Retter aller." Die christliche Tradition interpretierte den Text von Num 21 im Anschluß an Joh 3:14 als eine mögliche Urform der rettenden Kraft, die vom Kreuze Jesu ausgeht: Jeder durch die Sünde Verwundete soll voll Vertrauen an den erhöhten Erlöser glauben.


Antwortpsalm am 4. Fastensonntag (B)
Ps 137,1-6

R Wie könnte ich dich je vergessen, Jerusalem! – R

An den Strömen von Babel,
da saßen wir und weinten,
wenn wir an Zion dachten.
Wir hängten unsere Harfen
an die Weiden in jenem Land. - (R)

Dort verlangten von uns die Zwingherren Lieder,
unsere Peiniger forderten Jubel:
„Singt uns Lieder vom Zion!“
Wie könnten wir singen die Lieder des Herrn,
fern, auf fremder Erde? - (R)

Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem,
dann soll mir die rechte Hand verdorren.
Die Zunge soll mir am Gaumen kleben,
wenn ich an dich nicht mehr denke,
wenn ich Jerusalem nicht zu meiner höchsten Freude erhebe. - R


2. Lesung vom 4. Fastensonntag, Lesejahr B:
Eph 2,4-10

Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser:

Schwestern und Brüder!
Gott, der voll Erbarmen ist, hat uns,
die wir infolge unserer Sünden tot waren,
in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,
zusammen mit Christus wieder lebendig gemacht.
Aus Gnade seid ihr gerettet.
Er hat uns mit Christus Jesus auferweckt
und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben.
Dadurch, daß er in Christus Jesus gütig an uns handelte,
wollte er den kommenden Zeiten
den überfließenden Reichtum seiner Gnade zeigen.
Denn aus Gnade seid ihr durch den Glauben gerettet,
nicht aus eigener Kraft - Gott hat es geschenkt -,
nicht aufgrund eurer Werke,
damit keiner sich rühmen kann.
Seine Geschöpfe sind wir,
in Christus Jesus dazu geschaffen,
in unserem Leben die guten Werke zu tun,
die Gott für uns im voraus bereitet hat.



Es wird das heilende Handeln Gottes beschrieben. Erbarmen, Rettung, Auferweckung, Geschenk sind die Stichworte. Wichtig ist an dieser Stelle die Konzentration auf Gott. Von ihm geht die Initiative aus.


Es wird davon ausgegangen, dass dieser Brief an die Gemeinde von Ephesos aus dem Kreis der Paulus-Schüler stammt und zwischen 70 und 90 n. Chr. verfasst wurde. Der Inhalt lässt auf eine weitestgehend gefestigte Gemeindestruktur schliessen. Er besteht aus zwei Teilen: In den Kapiteln 1 und 2 geht es um theologische Aussagen, um die Bedeutung des göttlichen Heilswillen. Die Kapitel 3 bis 6 beschäftigen sich dann mit den praktischen Konsequenzen des göttlichen Plans für die Gemeinde. In der vorliegenden Perikope aus dem 2. Kapitel erläutert der Autor diesen Heilsplan.


Der Brief an die Gemeinde in Ephesus (Eph) zeigt sehr viele Ähnlichkeiten mit dem Brief an die Kolosser (Kol), die sich nur dadurch wirklich erklären lassen, dass man davon ausgehet, dass der Epheserbrief vom Kolosserbrief abhängig ist. Der Verfasser bearbeitet seine Vorlage aber sehr selbständig, bringt neue Teile und neue theologische Zielsetzungen ein. Als eine Art Rundschreiben, das mehr auf das "Grundsätzliche" bezogen ist als der Kolosserbrief, war er eher für einen grösseren Adressatenkreis bestimmt. Der Brief unterteilt sich in zwei Abschnitte: ein theologischer Teil, der sehr zentrale Themen wie Tauf- und Erlösungstheologie, Einheit von Juden und Heiden und Gemeinde ausführt und ein Teil, in dem sich praktische Ermahnungen anschliessen, darunter auch eine immer wieder gern gebrauchte "Ehebelehrung" (5,21-33). Nach einem doppelt ausgeführten Einleitungsteil im ersten Kapitel stellt der Verfasser die Konsequenzen des Heilhandelns Gottes für den einzelnen dar. Mit einer Art Negativfolie, die er an den Anfang stellt um die Ursprungssituation des Mensch zu zeigen, versucht er die Wirkung der Gnade Gottes zu zeigen. Gnade, griech. charis, steht für den überfließenden Reichtum der Liebe und Zuwendung Gottes, die nicht verdient oder durch Leistung erkauft werden kann, sondern deren wesentliches Merkmal es ist, dass sie geschenkt ist. Als Geschenk aber wieder ist nicht aufgezwungen, sondern kann angenommen oder abgelehnt werden. Im Glauben, der im Bekenntnis bezeugt und in der Taufe besiegelt wurde, geschieht die Annahme dieses Geschenkes. Es deutlich sichtbarer Unterschied zur Theologie des Paulus zeigt sich hier in der sehr präsentischen Auffassung dieses Heilsgeschehens. Für den Verfasser des Epheserbriefes ist für den Getauften die Auferweckung und Rettung schon geschehen, dazu kommt noch ein eigenartiges Weltbild, das Erde und Himmel unterscheidet und in verschiedene Schichten teilt. Die von Gott geretteten gehören schon zum himmlischen Teil und sind den Mächten des irdischen Teils nicht mehr ausgesetzt. Dieses Verständnis hat Ähnlichkeit mit einem gnostischen Weltbild, das die Welt nicht wie im antiken Denken sonst üblich als dreigeteilt in Himmel, Erde und Unterwelt sieht, sondern stark dualistisch, zweigeteilt, geprägt ist: Himmel und Erde, Gut und Böse, Licht und Finsternis, oben und unten, lebendig und tot...; die trennende Mauer dazwischen kann nur mit der Hilfe eines Erlösers überwunden werden. Der Epheserbrief versucht mit Hilfe dieser, aber schon verchristlichten Ideen, das Heilsgeschehen verständlich zu machen. Die Kirche ist der Raum, der in beide Sphären hineinragt. In ihr ist das Heil schon gegenwärtig und von ihr ausgehend wird auch die Erde, der Kosmos mit heilerfüllt. Trotzdem sind die Gläubigen, die zur Kirche gehören, deren Haupt Christus ist, für den Autor des Epheserbriefes noch nicht am Ziel, trotz der Gegenwärtigkeits des Heils, oder vielleicht gerade deswegen, sind sie Angriffen ausgesetzt, in den sie sich bewähren müssen. Die "irdischen" Auswirkungen der schon geschehen Rettung, ist diese Bewährung, die durch den Glauben und die Gnade sicher ist und die guten Werke.


Ruf vor dem Evangelium am 4. Fastensonntag (B)
vgl. Joh 3,16a.15

Lob dir, Christus, König und Erlöser! – R

So sehr hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der glaubt, in ihm das ewige Leben hat.

Lob dir, Christus, König und Erlöser!  


Evangelium vom 4. Fastensonntag, Lesejahr B:
Joh 3,14-21

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit sprach Jesus zu Nikodemus:
Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat,
so muß der Menschensohn erhöht werden,
damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat.
Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt,
daß er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht,
sondern das ewige Leben hat.
Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt,
damit er die Welt richtet,
sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird.
Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet;
wer nicht glaubt, ist schon gerichtet,
weil er an den Namen des einzigen Sohnes Gottes nicht geglaubt hat.
Denn mit dem Gericht verhält es sich so:
Das Licht kam in die Welt,
und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht;
denn ihre Taten waren böse.
Jeder, der Böses tut, haßt das Licht und kommt nicht zum Licht,
damit seine Taten nicht aufgedeckt werden.
Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht,
damit offenbar wird, daß seine Taten in Gott vollbracht sind.



Im Johannesevangelium werden die Wunder Jesu genau in die Verkündigung eingebunden. Nach der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-12) und der Tempelreinigung (Joh 2,13-22) gab es eine Schar von Beobachtern dieses Handelns, die gläubig geworden waren. Jesus erfüllte Hoffnungen und lies Menschen fragend zurück, was aus ihren Hoffnungen wird. So ist die Begegnung mit Nikodemus stellvertretend für alleMenschen, die Antworten auf ihre Fragen finden wollen.


Die vorliegende Perikope stellt sich als eine Auseinandersetzung über den Sinn des Auftrags Jesu dar. Zunächst scheint der Textabschnitt zum Gespräch mit dem Pharisäer Nikodemus zu gehören, was unter formalen Aspekten - Wechsel von der Ich-Person zur Er-Person in den Versen 12.13 - aber bezweifelt werden darf. Daher ist es durchaus auch möglich, in dem Abschnitt eine eigene 'Meditation' oder theologische Reflexion des Autors zu erkennen. Deutlich sticht die starke Korrelation zum Johannes-Prolog (Joh 1,1-17) ins Auge.


Der Evangelist Johannes stellt ziemlich an den Anfang des Wirkens Jesu zwei Gespräche, eines mit dem Pharisäer Nikodemus, und eines mit der Samariterin am Jakobsbrunnen. Neben den Schwierigkeiten und Missverständnissen, die dazugehören, wenn man versucht nur aus dem Glauben heraus Verständliches zu erklären, zeigt sich, dass besonders in der Zuwendung zum einzeln die Liebe Gottes erfahrbar und verstehbar gemacht werden kann. Zugleich sind mit diesen beiden Gesprächen zwei komplett gegensätzliche Menschen angesprochen: Nikodemus, ein einflussreicher, gebildeter Mann, ein Jude, der zwar an Jesus interessiert ist aber Angst hat vor der Öffentlichkeit; gerade weil er hochangesehen ist. Auf der anderen Seite die Samariterin, eine Frau, die eine "Heidin" ist, gesellschaftlich geächtet aufgrund ihres Lebenswandels, die Jesus unbeabsichtigt begegnet, sich auch persönlich treffen lässt im Gespräch und schliesslich zur Zeugin für Jesus wird. Der erste Teil des Gespräches mit Nikodemus dreht sich um die Taufe. Weil er durch die Zeichen aufmerksam geworden ist, die Jesus getan hat, geht Nikodemus heimlich in der Nacht zu Jesus. Johannes erzählt weder eine Begrüßung noch eine Anfrage, sondern beginnt das Gespräch mit einer Aussage Jesu, die seinem Gesprächspartner zeigt, in welchem Missverständnis er steht. Ohne die "Wiedergeburt", das heißt Glaube und Taufe verstanden als eine Art neue Geburt eines Menschen, ist das Reich Gottes nicht zu sehen, nicht zu verstehen. Ohne Glaube bleiben die Zeichen die Jesus tut wunderbare Zauberei, dämonisches Wirken oder Täuschung. Glaube und Verstehen der Botschaft Jesu sind ein Prozess, der zusammenhängt mit dem Annehmen der Person Jesu und der Bereitschaft, sich auf ihn einzulassen. Nikodemus steht noch ganz am Anfang, er ist einer von denen, die "das Zeugnis nicht annehmen" (3,11), noch nicht annehmen, das Zeugnis Jesus über sich selbst, seine Sendung und über Gott. Trotzdem bleibt er mit Jesus und Jesus mit ihm im Gespräch. Im zweiten Teil des Gesprächs, dem Evangelium des heutigen Sonntags, setzt Jesus bei einem ihm als Juden vertrauten Bild an: als die Israeliten mit Mose in der Wüste unterwegs waren und nachdem sie sich wieder einmal gegen Gott aufgelehnt hatten von Giftschlangen überfallen wurden, lässt Gott den Mose auf seine Bitten hin eine kupferne Schlange machen und auf einen Fahnenmasten hängen. Jeder, der gebissen wurde und zu dieser Schlange aufsah, sollte gerettet werden. (Num 21,1-9) Mit dieser erhöhten Schlange vergleicht sich Jesus. Der Evangelist spielt mit der "Erhöhung" auf Kreuzestod und Auferweckung Jesu an. Gottes Handeln geschieht wie bei Mose zur Rettung und nicht um zu richten. "Gericht", griech. krisis, ist etwas, das sich der Mensch selbst zuzieht, indem er sich von der Quelle seines Lebens, von Gott, abwendet. In der Krisis, wo eine Entscheidung gefällt werden muss zeigt sich die Einstellung eines Menschen, die sich auch durch Taten offenbart. Menschen, die sich Gott zuwenden, die sich dem Glauben und der Botschaft Jesu öffnen, werden auch aus dieser Haltung heraus leben und handeln.