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22.06.2018

Lesungen 18.03.2018


1. Lesung vom 5. Fastensonntag, Lesejahr B:
Jer 31,31-34

Lesung aus dem Buch Jeremia:

Seht, es werden Tage kommen
- Spruch des Herrn -,
in denen ich mit dem Haus Israel und dem Haus Juda
einen neuen Bund schließen werde,
nicht wie der Bund war, den ich mit ihren Vätern geschlossen habe,
als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten herauszuführen.
Diesen meinen Bund haben sie gebrochen,
obwohl ich ihr Gebieter war
- Spruch des Herrn.
Denn das wird der Bund sein,
den ich nach diesen Tagen mit dem Haus Israel schließe
- Spruch des Herrn:
Ich lege mein Gesetz in sie hinein und schreibe es auf ihr Herz.
Ich werde ihr Gott sein, und sie werden mein Volk sein.
Keiner wird mehr den andern belehren,
man wird nicht zueinander sagen: Erkennt den Herrn!,
sondern sie alle, klein und groß, werden mich erkennen
- Spruch des Herrn.
Denn ich verzeihe ihnen die Schuld,
an ihre Sünde denke ich nicht mehr.



Im ersten, am Sinai geschlossenen Bund erschien das Gesetz Gottes vor allem als etwas Äußerliches. Die Verinnerlichung dieses Gesetzes war die Frucht einer Anstrengung des Menschen, einer Anverwandlung des äußerlichen Gesetzes. Der Prophet Jeremia geht darüber hinaus, wenn er sagt, dass das innere Gesetz Gabe Gottes ist. Es wird in das Herz des Menschen hineingeschrieben. Wie ist Jeremia zu dieser Vorstellung eines göttlichen Gesetzes gekommen, das in die Herzen eingeschrieben wird? In seinen Augen durchforscht Gott Herz (unsere Gedanken) und Nieren (unsere Leidenschaften), dass er in unserem Leben ganz zugegen ist ( vgl. Jer 11,20; 12,3; 17,10; 20,12). Erst nach dieser Prüfung nimmt er den Menschen in seine Gegenwart auf. Die Wohltat der göttlichen Gegenwart im Herzen des Menschen zeigt sich in der engen Verbindung zwischen Jahwe und seinem Volk. Diese wird immer wieder mit der alten Bundesformel beschrieben: "Sie werden mein Volk sein, und ich werde ihr Gott sein".


Jeremias entwickelt in Eigenleistung den Gedanken eines neuen Bundes. Die Bünde, die Gott mit dem Volk zuvor geschlossen hat, sind Jeremia vertraut, sind ihm Gut der Glaubensvermittlung. Und doch geht es ihm nicht nur um eine Erneuerung eines dieser früheren Bünde, geschweige denn um eine Neuauflage, sondern um eine Neuschöpfung. Diese übersteigt alle früheren Bünde und ereignet sich im Herzen der Menschen. Gott bleibt ein und derselbe. Er hat keinen der Bünde zuvor gebrochen. Und doch wird dies jetzt intensiver. Im Herzen der Menschen, noch deutlicher, im Herzen des Menschen, eines jeden, ereignet sich diese Zuwendung Gottes. Von innen heraus prägt Gott, gestaltet neu, und von innen, vom Herzen ereignet sich "Gotteserkenntnis".


Antwortpsalm am 5. Fastensonntag (B)
Ps 51,3-4. 12-15


R Ein reines Herz erschaffe mir, o Gott! – R

Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld,
tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen!
Wasch meine Schuld von mir ab,
und mach mich rein von meiner Sünde! - (R)

Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz,
und gib mir einen neuen, beständigen Geist!
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! - (R)

Mach mich wieder froh mit deinem Heil;
mit einem willigen Geist rüste mich aus!
Dann lehre ich Abtrünnige deine Wege,
und die Sünder kehren um zu dir. - R



Das Buch Numeri wird in der hebräischen Bibel „In der Wüste“ genannt. Dies ist auch der rote Faden „Ödland, Wüstengebiet“, der sich als bewusster theologischer Gedanke, dass sich Gott dort offenbart, wo es kein fruchtbares Land gibt, durch das ganze Buch Numeri zieht. Auch in den Versen der Lesung Numeri 21,4-9 ist dies erfahrbar. Die Verankerung dieser Erzählung zwischen einer erfolgreichen kriegerischen Inbesitznahme von Arad (eine ätiologische Geschichte) und dem Aufbruch weiter nach Moab zeigt auf, dass Israel sich auf seiner Wanderung in einem alten Kulturland bewegt. Die Komposition von „Murrgeschichten“ bzw. Rettungsgeschichten im Buch Numeri, erfährt in dieser Erzählung durch die priesterschriftliche Geschichtsschreibung eine „ausführlichere“ Schilderung als sonst. Durch das Einfügen örtlicher Begebenheiten, werden Einblicke in das damalige religiöse und historische Umfeld Israels möglich. Religiöse Kulthandlungen in diesen Gebieten waren für Israel Herausforderungen sich zu „outen“, zu seinen eigenen Erfahrungen mit JHWH zu stehen. Sie führten jedoch auch immer wieder zu einer Inkulturation, so wie diese Erzählung es aufzeigt. Das uralte Abbaugebiet von Kupfererz in der Wüste Zin und der dort bei Ausgrabungen aufgefundene ägyptische Hathortempel (Harthor war die ägyptische Göttin des Bergbaus) geben den geschichtlichen und religiösen Background für dieses Ereignis. Die Rettungsgeschichte mit der kupfernen Schlange, welche auf einer gut sichtbaren Standarte befestigt wurde (Vers 8), ist daraus zu verstehen (Schlangen waren Teil der Lebenswelt Ägyptens, ihre Verehrung sollte die Macht des tödlichen Bisses abwehren). In Vers 5 wird Mose wieder einmal als „Hauptverantwortlicher“ der lebensbedrohenden Situation der Israeliten in diesem „wüsten“ Gebiet dargestellt. Er soll „möglichst“ mit JHWH diese Situation bereinigen (Vers 7b, Fürbittgebet des Mose). Neu im Vers 7 ist, dass es zu einem Erkennen des Volkes Israel kommt: Nicht Mose allein trägt Verantwortung, ganz Israel wird sich seiner Verantwortung bei der Abkehr von JHWH bewusst (Vers 7a). Diese Erkenntnis eröffnet neue Zukunftsperspektiven für Israel, lässt den Aufbruch mit JHWHs Hilfe, der unter ihnen, in ihrer Mitte sein „Zelt“ aufschlägt, aufs Neue wagen. Die erfahrene Geschichte (Vergangenheit) zeigt hier im Buch Numeri auf, dass lebensbedrohliche Situationen kein Grund sind, an der Treue JHWH, der zu seinem Volk und seinen Verheißungen steht, zu zweifeln. (c) Hannelore Jäggle, Wien


Das Volk Israel lehnt sich gegen Gott auf und wird dafür mit Schlangenbissen gestraft. Die Auflehnung geschieht im Herzen und ist nicht öffentlich. Wenn nun die Schlange aus Kupfer im Lager aufgestellt wird, wird das Thema der Schuld öffentlich. Wer auf die Schlange blickt, gibt zu: Auch ich habe mich abgewendet. Das Volk kann nun sehen, wo es steht und den Weg zur Umkehr finden. Es kann sich wieder hinter Gott sammeln und neu den Weg aus der Wüste ins Gelobte Land wagen.


Den Israeliten galt die Wüste als ein Ort der Schlangen und Skorpione (vgl. Dtn 8:15; Jes 14:29 und 30:6). Es erstaunt daher nicht, dass in die Erzählungen des Wüstenzuges auch eine Schlangenplage Eingang gefunden hat. Der Text Num 21:4-9 interpretiert diese "Schlangeninvasion" als Strafe für die Auflehnung der Israeliten Gott und Mose gegenüber. Doch aufgrund des Schuldbekenntnisses der Israeliten und der Fürsprache des Mose gewährt Gott die Rettung: Eine an einer langen - und damit weithin sichtbaren - Stange montierte kupferne Schlange wird angefertigt. Dank des Anblicks der Schlange, als Zeichen des Glaubens an die Heilkraft Gottes, blieben die Israeliten trotz aller Schlangenbisse am Leben. In den Kupferminen von Timna (etwa 20km nördlich von Eilat) wurde bei Ausgrabungen eine 12 cm lange Kupferschlange mit goldenem Kopf gefunden. Wahrscheinlich diente sie als Kultgegenstand eines midianitischen Heiligtums in dieser Gegend. Jedenfalls beweist sie, dass um etwa 1200 v. Chr. in dieser Gegend solche Kupferschlangen nicht unbekannt gewesen sind. Im Vorderen Orient galten Schlangen zudem als Symbole des Lebens (vgl. die Äskulapnatter als noch heute bestehendes Symbol von Ärzten und Apothekern) und als Symbol von heilbringenden Gottheiten. Der Text in Num 21 weist aber nicht der Schlange als solcher Heilkraft zu, vielmehr verweist hier die Schlange auf den eigentlichen Retter. Wahrscheinlich hat Israel so einen bereits bekannten Brauch aus der Umwelt in die eigene Glaubenswelt übernommen, ihn aber theologisch neu geformt, bzw. uminterpretiert. Diese These wird durch Weish 16:7 gestützt, wo es heißt: "Wer sich dorthin wandte, wurde nicht durch das gerettet, was er anschaute, sondern durch dich, den Retter aller." Die christliche Tradition interpretierte den Text von Num 21 im Anschluß an Joh 3:14 als eine mögliche Urform der rettenden Kraft, die vom Kreuze Jesu ausgeht: Jeder durch die Sünde Verwundete soll voll Vertrauen an den erhöhten Erlöser glauben.


2. Lesung vom 5. Fastensonntag, Lesejahr B:
Hebr 5,7-9

Lesung aus dem Hebräerbrief:

Als Christus auf Erden lebte,
hat er mit lautem Schreien und unter Tränen
Gebete und Bitten vor den gebracht,
der ihn aus dem Tod retten konnte,
und er ist erhört und aus seiner Angst befreit worden.
Obwohl er der Sohn war,
hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt;
zur Vollendung gelangt, ist er für alle, die ihm gehorchen,
der Urheber des ewigen Heils geworden.



Die totale Durchkostung des Leidens wird hier dargestellt. Dem Verfasser des Hebräerbriefes geht es um diese Eindeutigkeit, nämlich, daß dieser Jesus ganz Mensch war, und durch das Leid hindurchging. Das Gebet gefüllt mit der Bitte - und erinnern wir uns parallel an die Ölbergstunde - um Befreiung, verdichtet dieses totale Menschsein. Die Errettung ereignet sich somit nicht durch ein Umgehen, oder durch eine Vermeidung des Leidens, sonder im und durch den Tod. Im Alten Testament finden wir die Wurzeln, daß Gott den errettet, der total in tiefste, extremste Not erniedrigt zu ihm schreit. Die Errettung ereignet sich in Erhöhung. Diese Hintergründe aus dem Alten Testament waren vielen Christen - Judenchristen ohnehin - bekannt und vertraut. Dem Briefschreiber erst recht, schafft er doch diese Verbindung, indem er Jesus in diese Not-Schrei-Bet-Situation setzt. Von hierheraus befähigt er die Briefleser diesen Jesus als Verbündeten in Not und Elend zu erfahren. Durch das totale Menschsein - ohne das Gottsein wegzuretuschieren - wird dieser Jesus einer von ihnen.


Ruf vor dem Evangelium am 5. Fastensonntag (B)
Joh 12,26a

Lob dir, Christus, König und Erlöser! – R

(So spricht der Herr:)
Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach;
und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein.

Lob dir, Christus, König und Erlöser!



Das Buch Numeri wird in der hebräischen Bibel „In der Wüste“ genannt. Dies ist auch der rote Faden „Ödland, Wüstengebiet“, der sich als bewusster theologischer Gedanke, dass sich Gott dort offenbart, wo es kein fruchtbares Land gibt, durch das ganze Buch Numeri zieht. Auch in den Versen der Lesung Numeri 21,4-9 ist dies erfahrbar. Die Verankerung dieser Erzählung zwischen einer erfolgreichen kriegerischen Inbesitznahme von Arad (eine ätiologische Geschichte) und dem Aufbruch weiter nach Moab zeigt auf, dass Israel sich auf seiner Wanderung in einem alten Kulturland bewegt. Die Komposition von „Murrgeschichten“ bzw. Rettungsgeschichten im Buch Numeri, erfährt in dieser Erzählung durch die priesterschriftliche Geschichtsschreibung eine „ausführlichere“ Schilderung als sonst. Durch das Einfügen örtlicher Begebenheiten, werden Einblicke in das damalige religiöse und historische Umfeld Israels möglich. Religiöse Kulthandlungen in diesen Gebieten waren für Israel Herausforderungen sich zu „outen“, zu seinen eigenen Erfahrungen mit JHWH zu stehen. Sie führten jedoch auch immer wieder zu einer Inkulturation, so wie diese Erzählung es aufzeigt. Das uralte Abbaugebiet von Kupfererz in der Wüste Zin und der dort bei Ausgrabungen aufgefundene ägyptische Hathortempel (Harthor war die ägyptische Göttin des Bergbaus) geben den geschichtlichen und religiösen Background für dieses Ereignis. Die Rettungsgeschichte mit der kupfernen Schlange, welche auf einer gut sichtbaren Standarte befestigt wurde (Vers 8), ist daraus zu verstehen (Schlangen waren Teil der Lebenswelt Ägyptens, ihre Verehrung sollte die Macht des tödlichen Bisses abwehren). In Vers 5 wird Mose wieder einmal als „Hauptverantwortlicher“ der lebensbedrohenden Situation der Israeliten in diesem „wüsten“ Gebiet dargestellt. Er soll „möglichst“ mit JHWH diese Situation bereinigen (Vers 7b, Fürbittgebet des Mose). Neu im Vers 7 ist, dass es zu einem Erkennen des Volkes Israel kommt: Nicht Mose allein trägt Verantwortung, ganz Israel wird sich seiner Verantwortung bei der Abkehr von JHWH bewusst (Vers 7a). Diese Erkenntnis eröffnet neue Zukunftsperspektiven für Israel, lässt den Aufbruch mit JHWHs Hilfe, der unter ihnen, in ihrer Mitte sein „Zelt“ aufschlägt, aufs Neue wagen. Die erfahrene Geschichte (Vergangenheit) zeigt hier im Buch Numeri auf, dass lebensbedrohliche Situationen kein Grund sind, an der Treue JHWH, der zu seinem Volk und seinen Verheißungen steht, zu zweifeln. (c) Hannelore Jäggle, Wien


Das Volk Israel lehnt sich gegen Gott auf und wird dafür mit Schlangenbissen gestraft. Die Auflehnung geschieht im Herzen und ist nicht öffentlich. Wenn nun die Schlange aus Kupfer im Lager aufgestellt wird, wird das Thema der Schuld öffentlich. Wer auf die Schlange blickt, gibt zu: Auch ich habe mich abgewendet. Das Volk kann nun sehen, wo es steht und den Weg zur Umkehr finden. Es kann sich wieder hinter Gott sammeln und neu den Weg aus der Wüste ins Gelobte Land wagen.


Den Israeliten galt die Wüste als ein Ort der Schlangen und Skorpione (vgl. Dtn 8:15; Jes 14:29 und 30:6). Es erstaunt daher nicht, dass in die Erzählungen des Wüstenzuges auch eine Schlangenplage Eingang gefunden hat. Der Text Num 21:4-9 interpretiert diese "Schlangeninvasion" als Strafe für die Auflehnung der Israeliten Gott und Mose gegenüber. Doch aufgrund des Schuldbekenntnisses der Israeliten und der Fürsprache des Mose gewährt Gott die Rettung: Eine an einer langen - und damit weithin sichtbaren - Stange montierte kupferne Schlange wird angefertigt. Dank des Anblicks der Schlange, als Zeichen des Glaubens an die Heilkraft Gottes, blieben die Israeliten trotz aller Schlangenbisse am Leben. In den Kupferminen von Timna (etwa 20km nördlich von Eilat) wurde bei Ausgrabungen eine 12 cm lange Kupferschlange mit goldenem Kopf gefunden. Wahrscheinlich diente sie als Kultgegenstand eines midianitischen Heiligtums in dieser Gegend. Jedenfalls beweist sie, dass um etwa 1200 v. Chr. in dieser Gegend solche Kupferschlangen nicht unbekannt gewesen sind. Im Vorderen Orient galten Schlangen zudem als Symbole des Lebens (vgl. die Äskulapnatter als noch heute bestehendes Symbol von Ärzten und Apothekern) und als Symbol von heilbringenden Gottheiten. Der Text in Num 21 weist aber nicht der Schlange als solcher Heilkraft zu, vielmehr verweist hier die Schlange auf den eigentlichen Retter. Wahrscheinlich hat Israel so einen bereits bekannten Brauch aus der Umwelt in die eigene Glaubenswelt übernommen, ihn aber theologisch neu geformt, bzw. uminterpretiert. Diese These wird durch Weish 16:7 gestützt, wo es heißt: "Wer sich dorthin wandte, wurde nicht durch das gerettet, was er anschaute, sondern durch dich, den Retter aller." Die christliche Tradition interpretierte den Text von Num 21 im Anschluß an Joh 3:14 als eine mögliche Urform der rettenden Kraft, die vom Kreuze Jesu ausgeht: Jeder durch die Sünde Verwundete soll voll Vertrauen an den erhöhten Erlöser glauben.


Evangelium vom 5. Fastensonntag, Lesejahr B:
Joh 12,20-33

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit traten einige Griechen,
die beim Osterfest in Jerusalem Gott anbeten wollten,
an Philippus heran, der aus Betsaida in Galiläa stammte,
und sagten zu ihm: Herr, wir möchten Jesus sehen.
Philippus ging und sagte es Andreas;
Andreas und Philippus gingen und sagten es Jesus.
Jesus aber antwortete ihnen:
Die Stunde ist gekommen, daß der Menschensohn verherrlicht wird.
Amen, amen, ich sage euch:
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein;
wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.
Wer an seinem Leben hängt, verliert es;
wer aber sein Leben in dieser Welt gering achtet,
wird es bewahren bis ins ewige Leben.
Wenn einer mir dienen will, folge er mir nach;
und wo ich bin, dort wird auch mein Diener sein.
Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren.
Jetzt ist meine Seele erschüttert.
Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde?
Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen.
Vater, verherrliche deinen Namen!
Da kam eine Stimme vom Himmel:
Ich habe ihn schon verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.
Die Menge, die dabeistand und das hörte, sagte:
Es hat gedonnert.
Andere sagten: Ein Engel hat zu ihm geredet.
Jesus antwortete und sagte:
Nicht mir galt diese Stimme, sondern euch.
Jetzt wird Gericht gehalten über diese Welt;
jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen werden.
Und ich, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.
Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.



Die Evangeliumsperikope stellt innerhalb des Johannesevangeliums den Abschluß des allgemeinen Wirkens Jesu dar. Sie beinhaltet seine letzte öffentliche Rede. Zugleich enthält die Perikope einen Vorausblick auf Passion, Kreuzestod und Auferweckung Jesu und gibt diesen bevorstehenden Ereignissen eine konzentrierte theologische Sinndeutung. War im Johannesevangelium bisher immer die Rede, daß Jesu "Stunde" noch nicht gekommen sei, heißt es jetzt: "Die Stunde ist gekommen." Damit ist metaphorisch angedeutet, daß alles folgende ein einziges gedrängtes Geschehen bildet, auf welches das gesamte Wirken Jesu hinausläuft und welches für das von ihm gestiftete Heil unersetzbare Bedeutung hat. Die Perikope kreist um die Aussage, daß aus dem Tod Jesu das Leben entbunden wird, und zwar nicht nur für ihn selbst, sondern für alle, die ihm nachfolgen und dienen. Was Jesus anstrebt, ist das Fruchtbarwerden seines Todes für die Menschen. Aus dem Geschick Jesu ergeben sich freilich auch Konsequenzen für seine Jünger: Wer bereit ist, in der Nachfolge Jesu sein eigenes Leben gering zu achten bzw. Haß, Verfolgung und Tod auf sich zu nehmen, den wird der Vater im Himmel ehren. Bei alledem wird die Furchtbarkeit des Kreuzesgeschehens nicht aus dem Blick verloren: Jesus ist erschüttert vor dem, was ihn erwartet. Er sieht darin aber zugleich den Willen seines Vaters, welcher auf eine bleibende Verherrlichung des Sohnes abzielt. Jesus möchte nach dieser Perikope seine Hörer zum Glauben bewegen. Sie sollen in ihm den Gesandten Gottes erkennen, welcher die Macht hat, alle Menschen, die sich von ihm führen lassen, in den Lebensbereich Gottes hineinzunehmen. Wer dagegen voll Unverständnis bleibt und im Unglauben verharrt, der zieht sich im Grunde selbst das Gericht zu. Mit dem Eintreten der "Stunde" Jesu ist ein Herrschaftswechsel ungeahnten Ausmaßes im Gange: Die Macht des Bösen wird gebrochen, "der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen", Jesus wird erhöht, und er zieht alle, die an ihn glauben, an sich. Es geschieht die eigentliche Offenbarung seiner Heilsvollmacht.


Der johannäischen Gemeinde war es unverständlich, daß die Juden Jesus nicht verstanden haben. Zugleich ist anzumerken, um es ganzheitlich zu sehen, die Darstellungen im Johannesevangelium sind tendenziös. Jesus wird in einem ständigen Kontrast zum jüdischen Volk herausgeschält. Somit darf es nicht verwundern, wenn heutige Christen überrascht feststellen müssen, daß dieser Jesus ein Jude war. Die bald in Gang gekommene Unheilsgeschichte zwischen den beiden Religionen produziert immer noch gegenseitige Abwehr und Vorurteile. Nach dem Auftreten der Griechen (eigentlich Proselyten, vormals Andersgläubige, die sich zum Judentum bekehrt haben), und nach Weitergabe deren Bitte durch die Jünger an den Herrn, erleidet der Darstellungsverlauf einen Bruch. Jesus geht gar nicht auf die Frage ein, bzw. er antwortet etwas ganz anderes. Und doch eröffnet dieser Bruch einen Zusammenhang. Erst das Sterben am Kreuz ermöglicht die Heidenmission. Diese Schnittstelle beinhaltet die Gefahr der Polemisierung gegen das jüdische Volk. Und doch entfaltet sich eine Seriosität durch den Weizenkornvergleich. Das Sterben wie ein Weizenkorn... und dann die vielfache Frucht gilt ohne Zweifel allen Menschen, und doch drückt der Vergleich das Ereignis um Tod und Auferstehung Jesu in totaler Dichte aus, daß erst dadurch die Frohe Botschaft grenzüberschreitend wurde. Das Nichtverstehen der Stimme vom Himmel, das Auffassen dieser als Donner, unterstreicht, die Heilsbedeutung Jesu wurde nicht begriffen. Die Fremdheit der Sprache des Johannesevangelium, die uns fremde apokalyptische Weltauffassung liefern nicht die alleinige Basis zur unserer heutigen Begründung, dies sei uns schwer verständlich. Dieser Jesus und die Heilszusammenhänge bleiben uns auch heute unauflösbar in totales Verstehen.