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24.10.2018

Lesungen 29.04.2018


1. Lesung vom
5. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
Apg 9,26-31

Lesung aus der Apostelgeschichte:

Als Saulus nach Jerusalem kam,
versuchte er, sich den Jüngern anzuschließen.
Aber alle fürchteten sich vor ihm
und konnten nicht glauben, daß er ein Jünger war.
Barnabas jedoch nahm sich seiner an
und brachte ihn zu den Aposteln.
Er erzählte ihnen, wie Saulus auf dem Weg den Herrn gesehen habe
und daß dieser mit ihm gesprochen habe
und wie er in Damaskus mutig und offen im Namen Jesu aufgetreten sei.
So ging er bei ihnen in Jerusalem ein und aus,
trat unerschrocken im Namen des Herrn auf
und führte auch Streitgespräche mit den Hellenisten.
Diese aber planten, ihn zu töten.
Als die Brüder das merkten,
brachten sie ihn nach Cäsarea hinab
und schickten ihn von dort nach Tarsus.
Die Kirche in ganz Judäa, Galiläa und Samarien hatte nun Frieden;
sie wurde gefestigt und lebte in der Furcht vor dem Herrn.
Und sie wuchs durch die Hilfe des Heiligen Geistes.



Der Abschnitt aus der Apostelgeschichte beginnt mit einer Erinnerung an das "alte" Leben des Saulus und endet mit einer wachsenden und gefestigten "Kirche in ganz Judäa, Galiläa und Samarien". Das ist zwar noch nicht die Welt, aber ein großer Schritt. Auch die Apostelgeschichte erzählt von dem Weg, den das Evangelium nimmt. Saulus, übereifrig auch in der Verfolgung der jungen Kirche, wird von dem auferstandenen Christus vor Damaskus berufen – als Jünger. Unverständnis einerseits, Angst andererseits bestimmen die Reaktionen der "alten" Jünger. Es ist Barnabas, der Wege ebnet und sich Paulus annimmt, der ihn auch in die Urgemeinde einführt. Wer den späteren Weg des Paulus zu würdigen weiß, wird Barnabas im Gedächtnis behalten müssen. Die Apostelgeschichte erzählt auch, dass das Evangelium sehr menschliche Türöffner braucht. Ohne Barnabas wäre die Bekehrung des Saulus nur eine individuelle Erfahrung, von der niemand zehren könnte. Für Lukas, der Evangelist, der ein "Doppelwerk" hinterlassen hat, ist im Evangelium wie in der Apostelgeschichte das Wirken des Geistes besonders auffällig und wichtig. In unserer Lesung ist es der Geist, der die Kirche wachsen lässt.


Was Bekehrung bewirken kann, wird in diesen Zeilen der Apostelgeschichte (verfaßt Ende des 1. Jahrhunderts im Bereich des hellenistischen Christentums) geschildert. Die Lesung ist ein Teil der Bekehrungsgeschichte des Saulus (Apg 9,1-35). Wer auf dem Weg des Herrn geht und die christliche Lehre annimmt und lebt, sich zu ihr bekennt - wie Saulus es tut, der wird an- und aufgenommen in die Gemeinschaft der an Christus Glaubenden, in die Kirche, für den werden die Jünger Christi zu Brüdern. Wer Christ wird, der wird aber auch verfolgt. Saulus bedrohte gleich ein zweifacher Beschluß, getötet zu werden: einerseits von den Juden, andererseits von den Hellenisten (Vers 23 und Vers 29). Saulus ist aber in seiner Verfolgung nicht alleingelassen. Christen stehen zueinander und treten füreinander ein. Und all das, sagen uns die Worte der Lesung, ist die Frucht des Heiligen Geistes, der die Kirche wachsen läßt (Vers 31). Wer Christ ist, der steht mit seinem Leben für den Glauben, der für ihn selbst das neue Leben ist, ein.


Antwortpsalm, 5. Sonntag der Osterzeit (B)
Ps 22,26-27. 28. 30ab. 30c-32


R: Deine Treue, Herr, preise ich in großer Gemeinde. - R
Oder: Halleluja.

Deine Treue preise ich in großer Gemeinde;
ich erfülle meine Gelübde vor denen, die Gott fürchten. Die Armen sollen essen und sich sättigen;
den Herrn sollen preisen, die ihn suchen.
Aufleben soll euer Herz für immer. - (R)
Alle Enden der Erde sollen daran denken
und werden umkehren zum Herrn:
Vor ihm allein werfen sich alle Stämme der Völker nieder.
Vor ihm allein sollen niederfallen die Mächtigen der Erde,
vor ihm sich alle niederwerfen, die in der Erde ruhen. - (R)

Meine Seele, sie lebt für ihn;
mein Stamm wird ihm dienen.
Vom Herrn wird man dem künftigen Geschlecht erzählen,
seine Heilstat verkündet man dem kommenden Volk;
denn er hat das Werk getan. – (R)


2. Lesung vom 5. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
1 Joh 3,18-24

Lesung aus dem ersten Johannesbrief:  

Meine Kinder,
wir wollen nicht mit Wort und Zunge lieben,
sondern in Tat und Wahrheit.
Daran werden wir erkennen,
dass wir aus der Wahrheit sind,
und werden unser Herz in seiner Gegenwart beruhigen.
Denn wenn das Herz uns auch verurteilt -
Gott ist größer als unser Herz, und er weiß alles.
Liebe Brüder,
wenn das Herz uns aber nicht verurteilt,
haben wir gegenüber Gott Zuversicht;
alles, was wir erbitten, empfangen wir von ihm,
weil wir seine Gebote halten und tun, was ihm gefällt.
Und das ist sein Gebot:
Wir sollen an den Namen seines Sohnes Jesus Christus glauben
und einander lieben, wie es seinem Gebot entspricht.
Wer seine Gebote hält, bleibt in Gott und Gott in ihm.
Und dass er in uns bleibt,
erkennen wir an dem Geist, den er uns gegeben hat.



Johannes bindet Wahrheit und Liebe zusammen, ja, lässt sie als "eins" erscheinen. Wahrheit, eines der großen Worte der Denkgeschichte, verliert in der Liebe die übermenschliche Größe, und Liebe, die keine Forderung sein will, erschließt das göttliche Geheimnis. Johannes weiß, dass das Herz einen Menschen verurteilen kann (nicht der Verstand, die ratio, das Wissen). Aber Gott ist größer als unser Herz. In einem zweiten Gedankengang kreist Johannes um die Beziehung von Zuversicht und Gebot. Als Menschen, die bei Gott aufgehoben sind, können wir Jesu Gebot entsprechen. Jesus wird als Sohn vorgestellt. Diese Würde macht seine Gebote groß. "Einander lieben" legt aus, was es heißt, in Gott zu bleiben. Für Johannes ist hier die Zuversicht begründet. Krönender Schluss der Lesung ist, dass Gott/Christus in uns bleibt. An dem Geist, der uns gegeben ist, erkennen wir diese Verbundenheit.


Die zweite Lesung kann inhaltlich als Fortsetzung und Ergänzung der ersten Lesung gesehen werden. Gottes Liebe geht über unser Herz hinaus, muß aber durch unser Bekenntnis, durch unser Leben, durch unsere Hände und unseren Mund weitergegeben werden, durch Tat und Wort, wie es den Geboten entspricht. Die Liebe Gottes tut sich in den Taten der Gläubigen, die mit Kindern angeredet werden, kund.


Ruf vor dem Evangelium am 5. Sonntag der Osterzeit (B)
Joh 15,4a. 5b

Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch.
Wer in mir bleibt, der bringt reiche Frucht.
Halleluja.


Evangelium vom 5. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
Joh 15,1-8

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Ich bin der wahre Weinstock,
und mein Vater ist der Winzer.
Jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, schneidet er ab,
und jede Rebe, die Frucht bringt, reinigt er, damit sie mehr Frucht bringt.
Ihr seid schon rein durch das Wort, das ich zu euch gesagt habe.
Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch.
Wie die Rebe aus sich keine Frucht bringen kann,
sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt,
so könnt auch ihr keine Frucht bringen,
wenn ihr nicht in mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht;
denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen.
Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er verdorrt.
Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
Wenn ihr in mir bleibt und wenn meine Worte in euch bleiben,
dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.
Mein Vater wird dadurch verherrlicht,
dass ihr reiche Frucht bringt und meine Jünger werdet.



In der Reihe der „Ich-bin“-Worte, die im Johannesevangelium überliefert werden, begegnet uns heute das Bildwort von dem Weinstock, von der Rebe und von der Frucht. Unschwer ist wahrzunehmen, dass in den vielen Assoziationen nur ein Thema variiert wird: reiche Frucht bringen. Gerichtszüge trägt das Evangelium auch: Reben, die keine Frucht bringen, werden abgeschnitten. Für die Hörer in ihrer alltäglichen Erfahrung eine vertraute Schlussfolgerung. Jesus will aber seine Zuhörer davon befreien, abgeschnitten zu werden: „reiche Frucht bringen“ ist jedoch nicht nur eine Vorgabe, sondern eine Verheißung. Die Rebe, die am Weinstock bleibt, wird reiche Frucht bringen! Das Ich-bin-Wort „Ich bin der wahre Weinstock“ umkreist das Geheimnis des „bleibens“. Am Weinstock reift die reiche Frucht, von ihm getrennt bleibt nur der Abfall. Auf Jesus bezogen, stellt der Evangelist vor Augen, in ihm zu bleiben und sein Wort zu verinnerlichen. Es ist Jesu Wort, dass reiche Frucht beschert. Nach Jes 55 kommt Gottes Wort nie leer zurück. Der letzte Satz bindet Bilder und Assoziationen zusammen: Der Vater Jesu wird dadurch verherrlicht, dass wir Jesu Jünger werden und reiche Frucht bringen. Es gehört zu der johanneischen Sehweise, Jesu Wort und Werk nicht an sich zu betrachten und vorzustellen, sondern als sein „Bleiben“ im Vater zu bezeugen. So kann der Evangelist mit dem Wort „bleiben“ Gott, Jesus und uns verbinden. Statisch ist „bleiben“ nicht. Als Bildwort kann das „Ich-bin-Wort“ Jesu einen Wachstumsprozess beschreiben und gleichzeitig einen großartigen Geschmack hinterlassen. Für die Hörer kann es nur eine Konsequenz geben: „Reiche Frucht bringen“


Das Evangelium ist ein Teil der Abschiedsrede Jesu (13,31 - 16,33), die Bultmann zu den Offenbarungsreden, der 3. schriftlichen Quelle des Johannesevangeliums, zählt. Der Evangelist lehnt sich hierbei an alttestamentliche Stellen an oder hat diese vor Augen. Das Bild vom Weinstock und den Reben finden wir u. a. bereits in Jes 5,1, in Jer 2,21 und in Ez 15,2-6. Während in diesen Bildern des Ersten Testaments die vergebliche Sorge Gottes um seinen Weinstock/Weinberg Israel in den Blick rückt, legt der Evangelist das Augenmerk auf die Hoffnung, daß alles Mühen des Winzers Frucht bringt.