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24.10.2018

Lesungen 06.05.2018


1. Lesung vom 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
Apg 10,25-26. 34-35. 44-48

Lesung aus der Apostelgeschichte:

Als Petrus in Cäsaréa beim Hauptmann Kornelius ankam,
ging ihm dieser entgegen und warf sich ehrfürchtig vor ihm nieder.
Petrus aber richtete ihn auf und sagte:
Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch.
Da begann Petrus zu reden und sagte:
Wahrhaftig, jetzt begreife ich, daß Gott nicht auf die Person sieht,
sondern daß ihm in jedem Volk willkommen ist,
wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.
Noch während Petrus dies sagte,
kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten.
Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren,
konnten es nicht fassen,
daß auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde.
Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen.
Petrus aber sagte:
Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern,
die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?
Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen.
Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.



Für diese Lesung wurden 3 kurze Abschnitte aus der Schilderung des Treffens von Petrus mit dem heidnischen Hauptmann Kornelius (Apg 10,23b-48) zusammengestellt. Der ursprüngliche Widerstand des Petrus, als Jude ein Haus von Nichtjuden zu betreten, wurde zuvor von Gott selbst durch eine Vision (Apg 10,9-23a) überwunden. Nun bei der persönlichen Begegnung überzeugt der Bericht des Kornelius (Verse 30-33) Petrus endgültig von der Weite der Liebe Gottes über die Grenzen des Volkes Israel hinaus (Verse 34-35). Gott, der von Anfang an die Initiative ergriffen hat, besiegelt dies, indem er allen Anwesenden seinen Heiligen Geist schenkt. Die Skepsis der Judenchristen (Vers 44) lässt auf einen Konflikt zwischen Heiden- und Judenchristen unter den Adressaten der Apostelgeschichte schließen. Petrus aber handelt konsequent im Sinne der Weite Gottes, indem er die Taufe nachholen lässt, die normalerweise zuerst erfolgt wäre. In diesem ganzen Kapitel lernt Petrus schrittweise die Weite Gottes kennen, die über die Grenzen des Volkes Israel und seiner Gesetze hinausgeht. Er wird sensibel für das Wirken Gottes auch dort, wo er es zunächst nicht vermutet, und kann dementsprechend neu und anders handeln. So können auch Christen heute von der Weite Gottes lernen: weil Gott jeden und jede schon längst als sein Kind angenommen hat, sind auch sie herausgefordert, die Grenzen des eigenen engen Denkens zu überwinden. Es gilt, ohne Vorurteile wegen Herkunft, Hautfarbe, Religion oder irgendwelcher Eigenheiten andere Menschen mit einem weiten Herzen anzunehmen. © Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 4/2012, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2012, S. 109-119.


Die Lesung ist Teil der sogenannten Korneliusgeschichte. Sie gehört zur vorlukanischen Tradition und berichtet von der Taufe der ersten Heiden. Eigentlich besteht sie aus 8 verschiedenen Szenen, die eng miteinander verflochten sind. Die heutige Lesung beinhaltet Teile der 4., 6. und die 7. Szene. Die Vorgeschichte: In Cäsarea erfährt der gläubige - aber Heide, d. h. Nichtjude - Hauptmann Kornelius von einem Engel, dass seine Gebete erhört worden seien, und er nach Petrus in Joppe schicken soll. Zur gleichen Zeit erfährt Petrus in Joppe in einer Vision anhand eines Gefäßes mit allerlei Tieren, dass er nichts unrein nennen darf, was Gott rein gemacht hat. Die vom Hauptmann ausgeschickten Boten berichten ihm über den Auftrag des Engels, und so weigert sich Petrus nicht, mit den Boten zum Heiden Kornelius mitzugehen. Mit der Begegnung zwischen Kornelius und Petrus beginnt nun die Lesung. Der Judenmissionar Petrus wird gegen seinen Widerstand von Gott und seinem Geist zum Heidenmissionar berufen. Petrus ist die Hauptperson der Erzählung, er wird zum Überschreiter der trennenden Schranke zwischen Heiden und Juden. Die Verse 34 und 35 sind eine Querverbindung auf die Vision des Petrus mit den reinen Tieren aller Art: es gibt keine unreine Speise, keine unreinen Tiere und deshalb auch keine unreinen Menschen mehr. Das Ziel, das Gott mit seiner Vision und Lukas mit seiner Erzählung verfolgen geht dahin, dass Petrus und mit ihm die Judenchristen dazu geführt werden, mit den "Unreinen" (Heiden) zusammen zu essen. In der von Petrus angeordneten Taufe stellt er sich ohne Zögern hinter die Willensentscheidung Gottes, die durch die überraschende Sendung des Geistes manifestiert wird. Wenn Petrus abschließend noch einige Tage in Cäsarea bleibt, so will Lukas sagen, dass nun Tischgemeinschaft zwischen den Juden- und Heidenchristen möglich ist, und dass Petrus zu ihr bereit ist.


Die erste Lesung ist Teil der Schilderung der Taufe des Kornelius und somit ein Beispiel einer Bekehrung eines Heiden. Die Zugehörigkeit zu einem Volk ist nicht Voraussetzung zur Annahme des christlichen Glaubens, sondern das persönliche Bekenntnis zu Jesus Christus. Kornelius war schon vor seiner Bekehrung ein religiöser Mensch, der seine Beziehung zu Gott im Gebet gepflegt hat. Die eigentliche Bekehrung des Kornelius passiert, in dem er von einem Boten Gottes – "einem Mann im leuchtenden Gewand" den Hinweis bekommt, eine Begegnung mit Simon Petrus zu ermöglichen, durch dessen Wort er den letzten Hinweis für seinen Glauben an Jesus Christus erhalten hat. Der Heilige Geist schließt keinen Menschen aus – er ist der Grund für die Taufe der Heiden: Was Gott geschenkt hat, darf der Mensch nicht verweigern. Ein Grundsatz, der für die heutige Sakramentenpastoral wesentlich geworden ist.


Ungekürzte Fassung der Lesung Apg 10,25-48

Lesung aus der Apostelgeschichte:

Als Petrus in Cäsaréa beim Hauptmann Kornelius ankam,
ging ihm dieser entgegen und warf sich ehrfürchtig vor ihm nieder.
Petrus aber richtete ihn auf und sagte:
Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch.

Während er sich mit ihm unterhielt,
ging er hinein und fand dort viele Menschen versammelt.
Da sagte er zu ihnen:
Ihr wißt, daß es einem Juden nicht erlaubt ist,
mit einem Nichtjuden zu verkehren oder sein Haus zu betreten;
mir aber hat Gott gezeigt,
daß man keinen Menschen unheilig oder unrein nennen darf.
Darum bin ich auch ohne Widerspruch gekommen,
als nach mir geschickt wurde.
Nun frage ich:
Warum habt ihr mich holen lassen?
Da sagte Kornelius:
Vor vier Tagen um diese Zeit
war ich zum Gebet der neunten Stunde in meinem Haus;
da stand plötzlich ein Mann in einem leuchtenden Gewand vor mir
und sagte:
Kornelius, dein Gebet wurde erhört,
und deine Almosen wurden vor Gott in Erinnerung gebracht.
Schick jemand nach Joppe,
und laß Simon, der den Beinamen Petrus hat, holen;
er ist Gast im Haus des Gerbers Simon am Meer.
Sofort habe ich nach dir geschickt,
und es ist gut, daß du gekommen bist.
Jetzt sind wir alle hier vor Gott zugegen,
um all das anzuhören,
was dir vom Herrn aufgetragen worden ist.

Da begann Petrus zu reden und sagte:
Wahrhaftig, jetzt begreife ich, daß Gott nicht auf die Person sieht,
sondern daß ihm in jedem Volk willkommen ist,
wer ihn fürchtet und tut, was recht ist.

Er hat das Wort den Israeliten gesandt,
indem er den Frieden verkündete durch Jesus Christus;
dieser ist der Herr aller.
Ihr wißt, was im ganzen Land der Juden geschehen ist,
angefangen in Galiläa, nach der Taufe, die Johannes verkündet hat:
wie Gott Jesus von Nazaret gesalbt hat mit dem Heiligen Geist und mit Kraft,
wie dieser umherzog, Gutes tat
und alle heilte, die in der Gewalt des Teufels waren;
denn Gott war mit ihm.
Und wir sind Zeugen für alles,
was er im Land der Juden und in Jerusalem getan hat.
Ihn haben sie an den Pfahl gehängt und getötet.
Gott aber hat ihn am dritten Tag auferweckt
und hat ihn erscheinen lassen,
zwar nicht dem ganzen Volk,
wohl aber den von Gott vorherbestimmten Zeugen:
uns, die wir mit ihm nach seiner Auferstehung von den Toten
gegessen und getrunken haben.
Und er hat uns geboten, dem Volk zu verkündigen und zu bezeugen:
Das ist der von Gott eingesetzte Richter der Lebenden und der Toten.
Von ihm bezeugen alle Propheten,
daß jeder, der an ihn glaubt,
durch seinen Namen die Vergebung der Sünden empfängt.

Noch während Petrus dies sagte,
kam der Heilige Geist auf alle herab, die das Wort hörten.
Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren,
konnten es nicht fassen,
daß auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde.
Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen.
Petrus aber sagte:
Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern,
die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?
Und er ordnete an, sie im Namen Jesu Christi zu taufen.
Danach baten sie ihn, einige Tage zu bleiben.


Antwortpsalm am 6. Sonntag der Osterzeit (B)
Ps 98,1-4

R Der Herr hat sein Heil enthüllt
vor den Augen der Völker. – R
Oder:
R Halleluja. – R

Singet dem Herrn ein neues Lied; denn er hat wunderbare Taten vollbracht.
Er hat mit seiner Rechten geholfen
und mit seinem heiligen Arm. - (R)

Der Herr hat sein Heil bekannt gemacht
und sein gerechtes Wirken enthüllt vor den Augen der Völker.
Er dachte an seine Huld
und an seine Treue zum Hause Israel. - (R)

Alle Enden der Erde
sahen das Heil unsres Gottes.
Jauchzt vor dem Herrn, alle Länder der Erde,
freut euch, jubelt und singt! - R


2. Lesung zum 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
1 Joh 4,7-10

Lesung aus dem 1. Johannesbrief

Liebe Brüder, wir wollen einander lieben;
denn die Liebe ist aus Gott,
und jeder, der liebt, stammt von Gott und erkennt Gott.
Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt;
denn Gott ist die Liebe.
Die Liebe Gottes wurde unter uns dadurch offenbart,
daß Gott seinen einzigen Sohn in die Welt gesandt hat,
damit wir durch ihn leben.
Nicht darin besteht die Liebe, daß wir Gott geliebt haben,
sondern daß er uns geliebt
und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.



Der Kernsatz „Gott ist die Liebe.“ (Vers 8b) ist hier nicht als eingrenzende Definition von Gott gemeint, sondern als Unterscheidungskriterium: Wer keine Liebe übt, verfehlt Gott, ist fern von ihm und damit fern vom wahren Leben (Vers 8a). Jeder dagegen, der liebt, gehört zu Gott und lebt schon in dessen Nähe; so werden alle aufgefordert, einander zu lieben (Vers 7). Dass Liebe das Wesen Gottes ausmacht, wurde in seinem Sohn Jesus „offenbart“ (Vers 9), nämlich sichtbar, hörbar und greifbar. Durch ihn wird für die Menschen Angenommensein, Befreiung und damit wahres Leben erfahrbar. Die Liebe Gottes zu den Menschen geht immer schon der Liebe der Menschen zu ihm oder zueinander voraus (Vers 10a). Aus diesem Wissen und dieser Erfahrung sind Christen aufgefordert, einander so zu lieben, wie Jesus es vorgelebt hat. Diese Botschaft wirkt befreiend auf solche Menschen, die aufgrund ihrer religiösen Sozialisation oder anerzogenem Leistungsdenken meinen, sich Gottes Liebe erst durch die eigene Nächstenliebe verdienen zu müssen oder zu können. © Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 4/2012, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2012, S. 109-119.


Der 1. Johannesbrief ist eigentlich eine Kampfschrift gegen die Irrlehrer in den eigenen johanneischen Gemeinden und dürfte zwischen 90 und 100 nach Chr. entstanden sein. Nachdem in den Versen 1 Joh. 4,1-6 die Unterscheidung zwischen dem Geist der Wahrheit und dem Geist des Irrtums von den treuen Gemeindemitgliedern eingefordert wird, stellt Johannes nun die Bruderliebe in den Zusammenhang mit der Liebe Gottes. Die gegenseitige Liebe der Christen wurzelt in Gott und ist von Gottes eigenem Lieben getragen. Nicht wir sind es, die den Beginn dieser Liebe gemacht und das Ausströmen der Liebe eingeleitet haben, Gott hat den Anfang gesetzt. Und weil Gott selbst die Liebe ist, kann jemand, der nicht liebt, die Liebe - und somit auch Gott - nicht erkennen. Anteilhabe durch die Liebe ist deshalb gleichzeitig Teilhabe an der Gemeinschaft mit Gott. Von Ewigkeit her ist Gott ein Liebender, er liebt seinen Sohn und er verströmt seine Liebe auch unter uns und in uns Menschen.


Wir hören den Beginn des ersten Johannesbriefes - verfasst gegen Ende des 1. Jahrhunderts für christliche Gemeinden. Im Brief geht es um die Bewährung im Glauben. Vorausgesetzt ist, dass die Menschen sich bereits zum Christentum bekennen und sich bekehrt haben. Eine der großen Fragen ist die Umsetzung des Glaubens im Leben. Dazu gibt die zweite Lesung einige Hinweise: In knappen Worten wird eine Theorie des gelebten Glaubens mit aller Konsequenz dargelegt: Begründung des Schreibens ist die vollkommene Freude, aus der wir als Christen berufen sind zu leben. Die Botschaft der Freude ist das Licht Gottes. Wenn die Menschen aus diesem Glauben heraus leben, dann sind sie nicht der Finsternis, sondern dem Licht des Lebens zugewandt. Die Christen sollen leben als "Kinder des Lichtes, und nicht der Finsternis". Die Tatsache unserer Sünden bleibt – selbst als Christen sind wir sündige Menschen. Was aber wesentlich ist: dass wir in unserer Sünde Jesus Christus gegenüberstehen, der uns treu und gerecht ist. Die Lesung ist somit eine Aufforderung zur Wahrhaftigkeit im Glauben, die sich bewährt im Leben


Ruf vor dem Evangelium am 6. Sonntag der Osterzeit (B)
vgl. Joh 14,23

Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Wer mich liebt, hält fest an meinem Wort.
Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden bei ihm wohnen.
Halleluja.


Evangelium vom 6. Sonntag der Osterzeit, Lesejahr B:
Joh 15,9-17

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Wie mich der Vater geliebt hat, so habe auch ich euch geliebt.
Bleibt in meiner Liebe!
Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben,
so wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe
und in seiner Liebe bleibe.
Dies habe ich euch gesagt,
damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen wird.
Das ist mein Gebot:
Liebt einander, so wie ich euch geliebt habe.
Es gibt keine größere Liebe,
als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt.
Ihr seid meine Freunde, wenn ihr tut, was ich euch auftrage.
Ich nenne euch nicht mehr Knechte;
denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut.
Vielmehr habe ich euch Freunde genannt;
denn ich habe euch alles mitgeteilt, was ich von meinem Vater gehört habe.
Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt
und dazu bestimmt, daß ihr euch aufmacht und Frucht bringt
und daß eure Frucht bleibt.
Dann wird euch der Vater alles geben,
um was ihr ihn in meinem Namen bittet.
Dies trage ich euch auf: Liebt einander!



Dieses Evangelium stammt aus der sog. 2. Abschiedsrede Jesu (Joh 15,1-17). Die Abschiedsreden in Joh 13-17 gehören zur Gattung eines literarischen Testaments, in dem Mahnungen, Empfehlungen und Segensprüche eines Sterbenden zusammengefasst werden. Hier wendet sich Jesus damit vor seinem Tod an die Seinen, also die Jünger. Im Sinn der johanneischen Theologie spricht der erhöhte Christus durch seinen Geist der bedrängten Gemeinde Trost zu und ermahnt sie. Schlüsselwort im vorliegenden Ausschnitt ist „Liebe“ (4-mal) bzw. „lieben“ (5-mal), und zwar in mehrfacher Beziehung. Die Liebe geht zuallererst vom Vater aus, der Jesus geliebt hat. Dieser wiederum hat ebenso die Seinen geliebt (Vers 9a), die er auch „Freunde“ nennt und für die er sogar sein Leben hingeben wird (Vers 13-15). Die Jünger sollen im Kraftfeld dieser Liebe bleiben, in dem sie die Gebote Jesu halten (Vers 9b-10). Ausdrücklich wird in Vers 12 das zentrale Gebot Jesu folgendermaßen formuliert: „Liebt einander, so wie ich Euch geliebt habe.“ und in Vers 17 in Kurzform wiederholt. Sind Christen also heute aufgefordert, einander zu lieben „so wie“ Jesus die Jünger geliebt hat, muss man sich zuerst bewusst machen, wie Jesus seine Liebe zu den Menschen verstanden und gelebt hat. Das wiederum basiert auf der Liebe des Vaters, wie Jesus sie erfahren hat. Beide Arten der Liebesbeziehung lassen sich mit dem Ausdruck „einen Menschen mit den Augen Gottes sehen“ beschreiben, angelehnt an das Wort von F. Dostojewski: „Einen Menschen lieben heißt: ihn so sehen, wie Gott ihn gemeint hat.“ Konkret bedeutet dies, in alltäglichen Begegnungen den Blick zu schärfen für das Gute und Schöne, für das Lebendige und Hoffnungsvolle, das Gott im anderen Menschen angelegt hat. Durch solchen Umgang miteinander können auch verschüttete Lebenskräfte wieder wachsen. © Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 4/2012, Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2012, S. 109-119.


Den Vorspann des Evangeliums bildet die Rede Jesu über die Verbindung von Weinstock und Reben. Das Thema dieser Verbindung spiegelt sich wieder in der Liebesbeziehung zwischen den Jüngern und Jesus. Die Distanz zwischen Gott und Mensch lässt eigentlich für die Beziehung nicht den Begriff Freundschaft zu. So ist es ein "Umsturz der Werte", wenn nach Johannes Jesus die Jünger zu seinen Freunden macht. Denn in einer Freundesbeziehung gibt es kein unten und oben, man sieht sich von Angesicht zu Angesicht, begegnet sich auf gleicher Augenhöhe. Durch Jesus als Sohn Gottes sind die Jünger – und zwar ausnahmslos alle – Teilhaber auch an seiner Gemeinschaft mit Gott geworden. So kann es nun keine Knechte oder Sklaven mehr geben, denn ein Knecht ist im alttestamentlichen Denken die Unterordnung unter Gott (Deshalb war Moses auch etwas Besonderes, weil er mit Gott von Angesicht zu Angesicht reden durfte). Der Begriff Liebe findet sich bei Johannes in mannigfache Anwendung und in verschiedenen Bedeutungen. Wenn Jesus hier von der Liebe des Vaters spricht, so besteht der Liebeserweis darin, dass er selbst göttliche Herrlichkeit erhalten hat und so Worte und Werke Jesu auch Gottes Worte und Werke sind. Der größte Erweis der Liebe Jesu ist, in Freiheit sogar sein Leben für seine Freunde hinzugeben. Deutlich wird in Vers 16 gesagt, dass es Jesus ist, der seine Jünger in diese Liebe hinein nimmt, und dass dadurch auch sie den Auftrag zur Weitergabe (Frucht bringen) der Liebe haben.


Das Evangelium ist ein Kernstück johannäischer Theologie und Fortsetzung des Bildwortes vom Weinstock und den Reben, die auf Jesus Christus und uns übertragen wurde. Leitwort ist die Liebe. Sie ist das, was Gott und Jesus Christus verbindet, was den Menschen mit Gott verbindet und was die Menschen untereinander verbindet. Die Menschen sind in der Liebe Gottes vereint. Es ist eine hingebende Liebe, die sich am Beispiel Jesu, u. a. als dem Hirten, orientiert. Das hat auch Konsequenzen auf die Beziehung zwischen Jesus Christus und uns Menschen: aus dem Verhältnis Herr - Knecht wird eine freundschaftliche Beziehung, in der der eine vom anderen weiß. Klar definiert wird aber, dass die Initiative dazu von Jesus Christus ausgeht und nicht von uns Menschen. Die Erwählung durch Jesus Christus mündet in den Auftrag: "Liebt einander!"