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22.06.2018

Lesungen 10.06.2018


1. Lesung
des 10. Sonntags im jahreskreis, Lesejahr B:
Gen 3,9-15

Lesung aus dem Buch Genesis:

Nachdem Adam vom Baum gegessen hatte,
rief Gott, der Herr, zu ihm 
und sprach: Wo bist du?
Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören;
da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin,
und versteckte mich.
Darauf fragte er:
Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist?
Hast du von dem Baum gegessen,
von dem zu essen ich dir verboten habe?
Adam antwortete:
Die Frau, die du mir beigesellt hast,
sie hat mir von dem Baum gegeben,
und so habe ich gegessen.
Gott, der Herr, sprach zu der Frau:
Was hast du da getan?
Die Frau antwortete:
Die Schlange hat mich verführt,
und so habe ich gegessen.
Da sprach Gott, der Herr, zur Schlange:
Weil du das getan hast, bist du verflucht
unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes.
Auf dem Bauch sollst du kriechen
und Staub fressen alle Tage deines Lebens.
Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau,
zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs.
Er trifft dich am Kopf,
und du triffst ihn an der Ferse.



Die Erzählung vom Sündenfall des ersten Menschenpaares gipfelt in der Vertreibung der beiden aus dem wunderbaren Garten, den Gott zunächst als Lebensraum für die Menschen vorgesehen hatte und in dem die Menschen die unmittelbare Nähe und Freundschaft Gottes genießen sollten. Nachdem der Mann und die Frau, durch die Schlange verführt, von der Frucht des Baumes der Erkenntnis gegessen haben, hören sie Gott gegen den Tagwind einherschreiten (vgl. Gen 3:8). Es setzt ein Verhör ein, in dem Gott in erzieherischer Absicht (und nicht wie ein Untersuchungsrichter) den Menschen zum Eingeständnis der ungehorsamen Tat bewegen möchte, um ihn auf den rechten Weg zu führen. Anstelle des Eingeständnisses tritt jedoch ein Entschuldigungsmechanismus seitens des Menschen. Dieser Entschuldigungsmechanismus ist nach der Scham wegen der Nacktheit (vgl. Gen 3:7) die zweite Folge der verloren gegangenen gottgegebenen Ursprünglichkeit. Der Mann schiebt die Schuld auf seine Frau, ja auf Gott selbst, weil er ihm die Frau beigestellt hat. Die Frau schiebt die Schuld auf die Schlange, die zum ungehorsamen Tun verführte. Die Entzweiung der Menschen untereinander und die Entzweiung der Menschen von Gott wird überdeutlich. Durch das Abschieben der Schuld verbaut sich der Mensch zugleich den Weg zur Umkehr und vorerst auch zur Vergebung, die durch das Kommen Gottes grundsätzlich eröffnet wäre. Der von Gott angekündigte Kampf zwischen dem Nachwuchs der Frau und dem Nachwuchs der Schlange beschreibt den von nun andauernden Kampf zwischen den Menschen und den Mächten des Bösen, ein Kampf, in dem es um Leben und Tod geht. Der Fluch, der über die Schlange gesprochen wird, kündigt allerdings indirekt die Überwindung ihrer Macht an. Wenn der Nachwuchs der Frau den Nachwuchs der Schlange auf den Kopf trifft, dann heißt dies letztlich, dass die Schlange den Kürzeren zieht, denn ein Angriff auf die Ferse ist weniger gefährlich als ein Angriff auf den Kopf. Einer wird kommen, um dem Bösen endgültig den Garaus zu bereiten und den Menschen eine neue Zukunft zu weisen: Jesus Christus. Seine Mutter Maria, die von allem Anfang an von der Erbschuld befreit ist, wird die neue Eva sein, über welche das Böse keine Macht mehr haben wird.


Die für den Gottesdienst getroffene Auswahl bietet leider nicht die Dramatik des vollständigen Textes Gen 3,1-24 (vgl. Ungekürzte Fassung). Könnte man nicht doch der Gemeinde den Gesamttext vorstellen, um die Tragweite menschlichen Handelns zu verdeutlichen, die Folge der "Ursünde", aber auch die Verheißung und die Treue Gottes? "Die Schlange" steht nicht für eine (weibliche) Verführungskunst, sondern ist Symbol für Baal, den syrisch-kanaanäischen Fruchtbarkeitsgott, eigentlich ein "Schlangerich". Gott tritt mit den Menschen ins Gespräch. In Folge der Übertretung fühlt sich der Mensch "bloßgestellt". Nicht die erwartete Herrschaft erwächst dem Menschen aus seiner Tat, sondern die Erkenntnis der Erbärmlichkeit. Nun tritt an Stelle des Eingeständnisses der Entschuldigungsmechanismus. Anderen, bis Gott selbst, wird die Ursache zugeschrieben (Vers 12). Was in der liebenden Schöpfung und Erhaltung, was als Gemeinschaftsraum und umsorgter Lebensraum gedacht war (Paradies), wird zum Raum der Einsamkeit, der Angst, der Verschleierung und Beschuldigung (Verse 12 und 13). Gott lässt sich auf keinen Dialog mit der Schlange ein, der fremde Götze ist kein Gesprächspartner Gottes. Ihn/sie trifft das Urteil zuerst. Dann wird das Strafurteil Gottes (im ausgelassenen Text Verse 16 bis 19) über die Menschen fortgesetzt: Lasten bei der Mutterschaft, Erfolglosigkeit der Arbeit... Vers 20 verdeutlicht schon eine Verheißung: Gott lässt Erbarmen walten, Er ist ein Gott des Lebens, Eva wird Mutter allen Lebens. Auch dem Zorn Gottes sind Grenzen gesetzt, wo es um Leben geht. Die (ausgelassenen) folgenden Verse würden des Weiteren zeigen: Gott bekleidet den Menschen, stellt ihn nicht weiter bloß, umsorgt ihn auch in den Folgen des Falles.


Die Lesung ist aus dem Zusammenhang von Gen 3,1-24 genommen, der Erzählung von der Versuchung des Menschen, seinem Fall und seiner Vertreibung aus dem Paradies. Der Einsatz mit Vers 9 läßt die Ursache für den psychologisch hervorragenden Dialog zwischen Gott und dem Menschen vermissen und ist für diesen Festtag nur wegen Vers 15 gewählt: die Frau, die (die Schlange) zertritt - sie ist somit auf Maria gedeutet, die "neue Eva". Die Stelle erzählt von der "ersten Sünde", der "Erbsünde" - insofern paßt sie zum Festgeheimnis, in dem es um die ohne diese Erbsünde empfangene Maria geht. Trotz der auf dieses Thema verkürzten Theologie aufgrund des Ausschnitts würde die Lesung des ganzen Kapitels 3,1-24 wohl zu weit führen.


Die Lesung erzählt vom Sündenfall des ersten Menschenpaares. Der Text versteht sich nicht als historischer Bericht. Vielmehr möchten die ersten Kapitel des Alten Testaments den Menschen charakterisieren, wie er von Anfang an ist. Er ist von Gott darauf angelegt, gut zu sein, wendet sich jedoch gegen diese von Gott erdachte Ordnung. Zugleich beinhaltet die Erzählung eine Beschreibung dessen, was Sünde ist, ohne daß dieses Wort darin vorkommt. Gott zieht die Menschen zur Rechenschaft. Wie in einem Gerichtsverfahren verhört er sie und spricht das Urteil. Theologisch gesehen besteht die Sünde darin, daß der Mensch sich gegen die Ordnung Gottes wendet. Er bewirkt damit die Umkehrung der Schöpfung. Gott hat den Menschen aus Staub geschaffen. Die Folge der Sünde ist, daß er zum Staub zurückkehren wird. Psychologisch gesehen bewirkt die Sünde das Bewußtwerden seiner Nacktheit und die damit verbundene Scham. Weiteres führt die Sünde zur Entzweiung der Menschen: Der Mann belastet die Frau, die Frau redet sich auf die Schlange aus. Ökologisch gesehen bewirkt die Sünde die Entzweiung der ganzen Schöpfung. Was Gott für den Menschen geschaffen hat, wendet sich gegen den Menschen.


Antwortpsalm, 10. Sonntags im Jahreskreis (B)
Ps 130,1-8

R: Beim Herrn ist die Huld
bei ihm ist Erlösung in Fülle. - R


Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu dir:        
Herr, höre meine Stimme!
Wende dein Ohr mir zu,
achte auf mein lautes Flehen! - (R)       

Würdest du, Herr, unsere Sünden beachten,
Herr, wer könnte bestehen?        
Doch bei dir ist Vergebung,
damit man in Ehrfurcht dir dient. - (R)   

Ich hoffe auf den Herrn, es hofft meine Seele,
ich warte voll Vertrauen auf sein Wort. 
Meine Seele wartet auf den Herrn
mehr als die Wächter auf en Morgen. - (R)      

Mehr als die Wächter auf den Morgen  
soll Israel harren auf den Herrn. 
Ja, er wird Israel erlösen
von all seinen Sünden. - R         


2. Lesung des
10. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
2 Kor 4,13 - 5,1

Lesung aus dem zweiten Brief des Apostels Paulus an die Korinther:

Schwestern und Brüder!
Wir haben den gleichen Geist des Glaubens,
von dem es in der Schrift heißt:
Ich habe geglaubt, darum habe ich geredet.
Auch wir glauben, und darum reden wir.
Denn wir wissen,
daß der, welcher Jesus, den Herrn, auferweckt hat,
auch uns mit Jesus auferwecken
und uns zusammen mit euch (vor sein Angesicht) stellen wird.
Alles tun wir euretwegen,
damit immer mehr Menschen aufgrund der überreich gewordenen Gnade
den Dank vervielfachen, Gott zur Ehre.
Darum werden wir nicht müde;
wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird,
der innere wird Tag für Tag erneuert.
Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not
schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit,
uns, die wir nicht auf das Sichtbare starren,
sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken;
denn das Sichtbare ist vergänglich,
das Unsichtbare ist ewig.
Wir wissen:
Wenn unser irdisches Zelt abgebrochen wird,
dann haben wir eine Wohnung von Gott,
ein nicht von Menschenhand errichtetes ewiges Haus im Himmel.


Ruf vor dem Evangelium am 10. Sonntag im Jahreskreis (B)
(vgl. Joh 12,31b. 32)

Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Jetzt wird der Herrscher dieser Welt hinausgeworfen.
Und wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle an mich ziehen.
Halleluja.


Evangelium des
10. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 3,20-35

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

In jener Zeit
ging Jesus in ein Haus,
und wieder kamen so viele Menschen zusammen,
daß er und die Jünger nicht einmal mehr essen konnten.
Als seine Angehörigen davon hörten,
machten sie sich auf den Weg, um ihn mit Gewalt zurückzuholen;
denn sie sagten: Er ist von Sinnen.
Die Schriftgelehrten, die von Jerusalem herabgekommen waren, sagten:
Er ist von Beelzebul besessen;
mit Hilfe des Anführers der Dämonen treibt er die Dämonen aus.
Da rief er sie zu sich und belehrte sie in Form von Gleichnissen:
Wie kann der Satan den Satan austreiben?
Wenn ein Reich in sich gespalten ist,
kann es keinen Bestand haben.
Wenn eine Familie in sich gespalten ist,
kann sie keinen Bestand haben.
Und wenn sich der Satan gegen sich selbst erhebt
und mit sich selbst im Streit liegt,
kann er keinen Bestand haben,
sondern es ist um ihn geschehen.
Es kann aber auch keiner in das Haus eines starken Mannes einbrechen
und ihm den Hausrat rauben, wenn er den Mann nicht vorher fesselt;
erst dann kann er sein Haus plündern.
Amen, das sage ich euch:
Alle Vergehen und Lästerungen werden den Menschen vergeben werden,
so viel sie auch lästern mögen;
wer aber den Heiligen Geist lästert,
der findet in Ewigkeit keine Vergebung,
sondern seine Sünde wird ewig an ihm haften.
Sie hatten nämlich gesagt: Er ist von einem unreinen Geist besessen.
Da kamen seine Mutter und seine Brüder;
sie blieben vor dem Haus stehen und ließen ihn herausrufen.
Es saßen viele Leute um ihn herum, und man sagte zu ihm:
Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und fragen nach dir.
Er erwiderte:
Wer ist meine Mutter, und wer sind meine Brüder?
Und er blickte auf die Menschen, die im Kreis um ihn herumsaßen,
und sagte: Das hier sind meine Mutter und meine Brüder.
Wer den Willen Gottes erfüllt,
der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.