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14.11.2018

Lesungen 08.07.2018


1. Lesung des 14. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
Ez 1,28b - 2,5

Lesung aus dem Buch Ezechiel:

In jenen Tagen, als ich diese Erscheinung sah,
fiel ich nieder auf mein Gesicht.
Und ich hörte, wie jemand redete. Er sagte zu mir:
Stell dich auf deine Füße, Menschensohn;
ich will mit dir reden.
Als er das zu mir sagte,
kam der Geist in mich und stellte mich auf die Füße.
Und ich hörte den, der mit mir redete. Er sagte zu mir:
Menschensohn, ich sende dich zu den abtrünnigen Söhnen Israels,
die sich gegen mich aufgelehnt haben.
Sie und ihre Väter sind immer wieder von mir abgefallen,
bis zum heutigen Tag.
Es sind Söhne mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen.
Zu ihnen sende ich dich.
Du sollst zu ihnen sagen:
So spricht Gott, der Herr.
Ob sie dann hören oder nicht - denn sie sind ein widerspenstiges Volk -,
sie werden erkennen müssen,
daß mitten unter ihnen ein Prophet war.



Ezechiel wird von Jahwe als "Menschensohn" angesprochen, von ihm auch "aufgehoben" und auf die Füße gestellt. Es gehört zu den prophetischen Berufungsgeschichten, klein zu werden, auf die Erde zu fallen und nicht auf Augenhöhe zu bleiben. Gesandt wird der Prophet zu den "abtrünnigen Söhnen Israels", die hier erscheinen als Menschen, die immer wieder und bis zum heutigen Tag abgefallen sind von Jahwe und seinem Willen. Sie werden als "widerspenstiges Volk" charakterisiert "mit trotzigem Gesicht und hartem Herzen". Die Konkretion fehlt jedoch, lässt sich aber aus dem prophetischen "Buch" des Ezechiel erschließen. Es ist der Ungehorsam, der das Volk von Jahwe trennt. Sie werden, so heißt es am Schluss des Abschnittes, erkennen müssen, dass mitten unter ihnen ein Prophet war. Was das heißt, erschließt sich auch erst aus dem "Buch" des Ezechiel: der Prophet deutet eine Unheilsgeschichte. Zum Fortgang der prophetischen Verkündigung gehört auch, dass Jesus als "Menschensohn" vorgestellt wird, der das Volk Gottes errettet.


Der Name Ezechiel birgt im Kern die Botschaft: "Gott möge Kraft geben." Und diese Kraft braucht das Volk Israel, weil Ezechiel seinem Volk den Untergang des Reststaates Israel (Juda und Jerusalem) verkünden muss. Auf die Füße gestellt, d.h. vor Gott stehend als vertrauter Diener und Bote, empfängt er die Botschaft an das Haus Israel. Für den Propheten ist nicht der Erfolg oder Misserfolg, Annahme oder Ablehnung der Botschaft entscheidend, sondern nur die Erfüllung des Auftrags Gottes.


Wie bei vielen Propheten erfolgt für Ezechiel der Auftrag, zur Umkehr aufzurufen, nach einer intensiven Gottesbegegnung. Ezechiel fühlt sich erfüllt von Gottes Geist, der ihm die nötige Standfestigkeit gibt, um Gottes Botschaft in aller Offenheit zu verkünden. Welches Maß an Offenheit oder Ablehnung ihm entgegenkommen wird, bleibt ungewiss. Entscheidend ist auch nicht der Erfolg bei den Hörern, sondern die persönliche Betroffenheit, durch die der Prophet sich gesendet weiß und die er weiter vermittelt.


Antwortpsalm, 14. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 123,1-2. 3-4

R: Unsre Augen schauen auf den Herrn, unsern Gott,
bis er uns gnädig ist. – R


Ich erhebe meine Augen zu dir,
der du hoch im Himmel thronst.
Wie die Augen der Knechte auf die Hand ihres Herrn,
wie die Augen der Magd auf die Hand ihrer Herrin,
so schauen unsre Augen auf den Herrn, unsern Gott,
bis er uns gnädig ist. - (R)

Sei uns gnädig, Herr, sei uns gnädig!
Denn übersatt sind wir vom Hohn der Spötter,
übersatt ist unsre Seele von ihrem Spott,
von der Verachtung der Stolzen. - R


2. Lesung des 14. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
2 Kor 12,7-10

Lesung aus dem zweiten Brief des Apostel Paulus an die Korinther:

Damit ich mich wegen der einzigartigen Offenbarungen nicht überhebe,
wurde mir ein Stachel ins Fleisch gestoßen:
ein Bote Satans, der mich mit Fäusten schlagen soll,
damit ich mich nicht überhebe.
Dreimal habe ich den Herrn angefleht,
daß dieser Bote Satans von mir ablasse.
Er aber antwortete mir: Meine Gnade genügt dir;
denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit.
Viel lieber also will ich mich meiner Schwachheit rühmen,
damit die Kraft Christi auf mich herabkommt.
Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht,
alle Mißhandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste,
die ich für Christus ertrage;
denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.



Paulus spricht in seinem Brief an die Gemeinde in Korinth seine gesundheitliche/körperliche Schwäche an, die ihm - wie zwischen den Zeilen zu entnehmen ist - auch vorgeworfen wird. Erwartet wurde ein strahlender, siegesgewisser, herausragender und redegewandter Apostel, der mit seiner Erscheinung die Wahrheit des von ihm Verkündigten überzeugend darstellt. Paulus sieht sich genötigt, zwei Einsichten zu vermitteln: 1. damit er sich nicht überhebt (überheblich wird), ist ihm ein Stachel ins Fleisch gegeben - bildlich gesprochen: die Flügel gestutzt - und 2. seine Stärke ist darin begründet, dass er schwach ist. Damit geht einher, dass die auch in Korinth gepflegten Vorstellungen von Stärke die Prüfung nicht bestehen. Schon in 1 Kor 1 - 3 hatte Paulus das Wort vom Kreuz so entfaltet, dass jeder Ruhm, den ein Mensch für sich verbuchen möchte, ausgeschlossen ist. Paulus wehrt sich auch nicht einfach mit rhetorischen Mitteln, sondern mit einer christologischen Argumentation: Er verweist auf ein Wort des Kyrios: Meine Gnade genügt dir, denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit. Den Anspruch, "seine" Wahrheit überzeugend darzustellen, legt Paulus somit in die Hände des Kyrios, gibt dafür in Korinth aber eine offen ausgesprochene Rechenschaft. In seinem "Willen zur Macht" hat F. Nietzsche Widerworte gegen den "Gekreuzigten" formuliert und auf die menschliche Selbstbehauptung gesetzt: "Dionysos gegen den 'Gekreuzigten': da habt ihr den Gegensatz. Es ist nicht eine Differenz hinsichtlich des Martyriums, - nur hat dasselbe einen anderen Sinn. Das Leben selbst, seine ewige Fruchtbarkeit und Wiederkehr bedingt die Qual, die Zerstörung, den Willen zur Vernichtung. Im anderen Falle gilt das Leiden, der "Gekreuzigte als der Unschuldige", als Einwand gegen dieses Leben, als Formel seiner Verurteilung. - Man errät: das Problem ist das vom Sinn des Leidens: ob ein christlicher Sinn, ob ein tragischer Sinn. Im ersten Falle soll es der Weg sein zu einem heiligen Sein; im letzteren Fall gilt das Sein als heilig genug, um ein Ungeheures von Leid noch zu rechtfertigen. Der tragische Mensch bejaht noch das herbste Leiden: er ist stark, voll, vergöttlichend genug dazu; der christliche verneint noch das glücklichste Los auf Erden: er ist schwach, arm, enterbt genug, um in jeder Form noch am Leben zu leiden. Der Gott am Kreuz ist ein Fluch auf das Leben, ein Fingerzeig, sich von ihm zu erlösen; - der in Stücke geschnittene Dionysos ist eine Verheißung des Lebens: es wird ewig wiedergeboren und aus der Zerstörung heimkommen." Aus: Der Wille zur Macht. Versuch einer Umwertung aller Werte, Stuttgart 1964, S. 687f.


Die einzigartige Offenbarung, von der Paulus spricht, macht ihn eigentlich zu einem besonderen Menschen. Doch nun erlebt er sich selber schwach und ohnmächtig, vielleicht gar von einer Krankheit bedrängt. Paulus versucht dies mit der damaligen Vorstellung zu erklären, dass hinter all dem der Einfluss Satans stehen müsse, der ihn so vor Überheblichkeit bewahre. Das Böse als Werkzeug Gottes und Hilfe für Paulus. Paulus erfährt keine Erhörung seiner Bitte um Befreiung von dieser Schwäche trotz dreimaligen Flehens, aber er bekommt als Antwort Gottes die Gnade als Kraft in der Schwachheit zugesagt. Daraus folgert er, dass seine Schwäche Sinn macht, weil dadurch die Kraft Christi in ihm den Menschen verdeutlicht werden wird.


Ruf vor dem Evangelium am 14. Sonntag im Jahreskreis (B)
vgl. Lk 4,18ab

Halleluja. Halleluja.
Der Geist des Herrn ruht auf mir:
Der Herr hat mich gesandt,
den Armen die Frohe Botschaft zu bringen.
Halleluja.


Evangelium des 14. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 6,1b-6 

Aus dem hl. Evangelium nach Markus:

Von dort brach Jesus auf und kam in seine Heimatstadt;
seine Jünger begleiteten ihn.
Am Sabbat lehrte er in der Synagoge.
Und die vielen Menschen, die ihm zuhörten, staunten und sagten:
Woher hat er das alles?
Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist!
Und was sind das für Wunder, die durch ihn geschehen!
Ist das nicht der Zimmermann,
der Sohn der Maria und der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon?
Leben nicht seine Schwestern hier unter uns?
Und sie nahmen Anstoß an ihm und lehnten ihn ab.
Da sagte Jesus zu ihnen:
Nirgends hat ein Prophet so wenig Ansehen wie in seiner Heimat,
bei seinen Verwandten und in seiner Familie.
Und er konnte dort kein Wunder tun;
nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie.
Und er wunderte sich über ihren Unglauben.
Und Jesus zog durch die benachbarten Dörfer und lehrte dort.



In Mk 6,1-6a scheinen einige biographische Informationen über Jesus und seine Familie (Bauarbeiter, Mutter Maria, Brüder und Schwestern) um den Spruch herum komponiert zu sein: "Ein Prophet gilt nichts in seiner Heimat" Wahrscheinlich steht eine historische Erinnerung an einen Misserfolg Jesu in Nazaret im Hintergrund. Im Urchristentum dürfte der "Sitz im Leben" die Ablehnung der urchristlichen Prediger und der charismatischen Heiler aufgrund ihrer vermutlich vorwiegend "einfachen" Herkunft und dem damit verbundenen geringen Bildungsstand sein. Mk 1 erzählt von der Predigt und den Wundern Jesu in Kafarnaum und an anderen Orten (vgl. 1,21+39). Die Menschen sind fassungslos. Durch den parallelen Anfang der Erzählung (vgl. 1,21f. mit 6,2) lag nahe, auch in Nazareth auf ähnliche Reaktionen zu stossen - aber: es folgen Fragen über Fragen, die die Distanzierung immer weiter auffächern. "Die Beziehung zwischen Jesus und seiner Familie ist im Markusevangelium eher schwierig (Mk 3,20f. 31-35); sie halten Jesus für verrückt (Mk 3,21). Die Menschen in Nazaret schließen sich der Skepsis und dem "Urteil" der Verwandten Jesu an. Jesus sei nur "einer von ihnen", daher können seine Worte und Taten nicht göttlichen Ursprungs sein. Die Reaktion auf Jesus ist offene Ablehnung, die durch die Bemerkung des Erzählers in Mk 6,3c verdeutlicht wird. Die in Jesus herrschende Weisheit Gottes wird abgelehnt. (Blatz) Trotz der Wundertaten, die durch Jesus geschehen, wird in diesem Abschnitt des Evangeliums nach Markus sehr deutlich, dass auch die größten Zeichen nicht zum Glauben an Jesus führen. In Nazareth trifft man auf die gebündelte Rationalität auch der einfachen Leute. Auf die von Markus gestellte Frage, wer denn Jesus sei (4,41), wird er hier auf Herkunft, verwandtschaftliche Beziehung und Familienklüngel festgelegt. In dieser Atmosphäre verflüchtigt sich auch das Staunen schneller als die Geschichten erzählt werden. Es ist eher so: der Glaube führt zu Wundertaten. Die Nazareth-Perikope, die wie ein Einschub wirkt (vgl. 6,1 mit 6,6ff.), bricht die Gleichung von Wunder und Glauben auf und gibt im Evangelium dem Glauben auch die Wunder. Erst unter dem Kreuz wird offenbar, wer Jesus denn war. "Wahrlich, dieser Mensch ist Gottes Sohn" gewesen (Mk. 15,39). Eine anspruchsvolle und vertiefende Auslegung des Evangelium findet sich unter: http://www.perikopen.de/Lesejahr_B/14_iJ_B_Mk6_1b-6_Blatz.pdf


Die Synagoge in Nazareth ist eine von vielen in Galiläa, in denen Jesus auftritt. So macht Jesus eigentlich etwas Gewohnheitsmäßiges. Was diesem Auftritt aber etwas Besonderes verleiht ist der Umstand, dass hier die Menschen mit ihrem berühmt gewordenen Landsmann zusammentreffen. Für Markus scheint es wichtig zu sein, zuerst eine unmittelbar positive Reaktion der Menschen (so wie in den anderen Synagogen) auf die Lehre Jesu zu formulieren. Erst danach artikuliert sich die Kritik in fünf Fragen, von denen drei sein Wirken und zwei seine Abstammung betreffen. Die Kenntnis des heimatlichen Milieus Jesu wird immer mehr zu einem Hindernis, seinen Offenbarungsanspruch anzuerkennen. Durch seinen Beruf und seine Familie ist Jesus also für seine Landsleute unverwechselbar bestimmt. Ungewöhnlich ist dabei die Benennung nach der Mutter und nicht nach dem Vater. So hat man deshalb lange vermutet, dass Josef inzwischen bereits verstorben gewesen sei. Da dies auch in diesem Fall äußert ungewöhnlich gewesen wäre, scheint es eher eine situationsbezogene Bestimmung zu sein. Nachdem der Unglaube der Landsleute festgestellt worden ist, erscheint der Spruch vom nicht anerkannten Propheten in der eigenen Gemeinde und Familie wie eine Entschuldigung. Markus vermeidet die völlige Erfolglosigkeit, indem wenigstens einige Kranke geheilt wurden. Jesus wurde so nicht einmal in seiner Heimat seiner Sendung untreu.