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12.12.2018

Lesungen 22.07.2018


1. Lesung des 16. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
Jer 23,1-6

Lesung aus dem Buch Jeremia:

Weh den Hirten,
die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und zerstreuen
- Spruch des Herrn.
Darum - so spricht der Herr, der Gott Israels,
über die Hirten, die mein Volk weiden:
Ihr habt meine Schafe zerstreut und versprengt
und habt euch nicht um sie gekümmert.
Jetzt ziehe ich euch zur Rechenschaft wegen eurer bösen Taten
- Spruch des Herrn.
Ich selbst aber sammle den Rest meiner Schafe aus allen Ländern,
wohin ich sie versprengt habe.
Ich bringe sie zurück auf ihre Weide;
sie sollen fruchtbar sein und sich vermehren.
Ich werde für sie Hirten bestellen, die sie weiden,
und sie werden sich nicht mehr fürchten und ängstigen
und nicht mehr verlorengehen
- Spruch des Herrn.
Seht, es kommen Tage
- Spruch des Herrn -,
da werde ich für David einen gerechten Sproß erwecken.
Er wird als König herrschen und weise handeln,
für Recht und Gerechtigkeit wird er sorgen im Land.
In seinen Tagen wird Juda gerettet werden,
Israel kann in Sicherheit wohnen.
Man wird ihm den Namen geben:
Der Herr ist unsere Gerechtigkeit.



Jeremia war einer der großen Propheten vor dem Babylonischen Exil, das mit der Erstürmung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels 586 v. Chr. begann. Jeremia hat solch ein Ereignis vorhergesagt. In den Kapiteln 21 bis 24 wendet der Prophet sich an die Führenden des Volkes und weist sie in zahlreichen (Bild-)Reden auf mögliche Untergangsszenarien hin. Aus diesem Teil des Prophetenbuches stammt die heutige Lesung.


Die Kapitel 21-24 des Buches Jeremia stehen ebenso wie Kapitel 34-38 unter dem Zeichen des Konfliktes: Jeremia - König. Genauso wie die Könige und Staatsbeamte sind auch die Propheten und Priester Gegenspieler Jeremias, weil sie die Verantwortung für das Volk tragen und es so in die Irre führen. Klarerweise sind dem Propheten Jeremia diese Gruppen nicht gerade freundlich gesonnen, er hat sich vor Nachstellungen zu hüten und beklagt auch immer wieder sein Schicksal, als Prophet Gottes auftreten zu müssen um Gericht und Unheil zu verkünden und sich damit in Einsamkeit und Gefahr zu bringen. Die Untreue und Bosheit der Hirten, der Führer des Volkes führen schließlich zur Eroberung Jerusalems und damit zum Ende des Südreiches Juda, wie es der Prophet ankündigt. Die drei Aussagen in der heutigen Lesung zeigen, wie sich dieses Gericht durch Gottes eingreifen in Heil verwandeln soll: Gott zieht die schlechten Hirten, die am Schicksal der Schafe schuld sind zur Rechenschaft (Verse 1-2). Gott selbst nimmt sich seiner Schafe, seines Volkes an. Er führt sie wieder zusammen und sorgt für sie( Vers 3) Er gibt ihnen einen neuen Hirten, einen gerechten und weisen König so wie David (Verse 4-6). Die Herrscher Israels lassen sich durch die Warnungen des Propheten nicht beeindrucken auch die erste Deportation (597 v. Chr.) bei der auch König Jojachin nach Babel verschleppt wird, ändert nichts an der Einstellung seines Nachfolgers König Zidkija (597-586). Drohungen aber auch Heilszusagen können den König nicht bewegen, von seinem Weg abzuweichen. Das Exil ist nicht zu verhindern.( Kapitel 34ff) In Jer 23,1-6 spiegeln sich schon die Erfahrungen des Exils und der Rückkehr. Gott nimmt sich seines Volkes an, er läßt es nicht im Stich auch wenn es sich schuldig gemacht hat. Gerade der Prophet Jeremia kann gar nicht anders als den Heilswillen Gottes herauszustreichen.


Hintergrund des Textes ist das Ende des Königreiches Juda und der Sieg der Babylonier unter Nebukadnezar. Die Sammlung der sog. Königssprüche mündet in eine Heilsweissagung. Das Ende der Linie der davidischen Königsreihe ist die Voraussetzung für eine Neugründung. Die Heilsgeschichte Gottes - und das ist die Hauptaussage - geht weiter. Sie steuert letztlich einem positiven Ziel zu. Der "Sproß Davids" wird im Gegensatz zu den jetzt von JAHWE verstoßenen Führern ein "gerechter" sein; der Beginn der messianischen Epoche der Heilsgeschichte wird prophezeit. Die Weherufe gegen die "Hirten" bei Jeremia kann man als Rufe gegen die Regierenden des Volkes verstehen, die ihre Aufgaben als "Hirten" nicht erfüllt haben. (Vgl. Arthur Weiser, Das Buch Jeremia, ATD 20, Göttingen 1981)


Antwortpsalm, 16. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 23,1-3. 4. 5. 6.

R: Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen. – R

Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.
Er lässt mich lagern auf grünen Auen
und führt mich zum Ruheplatz am Wasser.
Er stillt mein Verlangen;
er leitet mich auf rechten Pfaden, treu seinem Namen. - (R)

Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht,
ich fürchte kein Unheil;
denn du bist bei mir,
dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. - (R)

Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl,
du füllst mir reichlich den Becher. - (R)

Lauter Güte und Huld
werden mir folgen mein Leben lang,
und im Haus des Herrn
darf ich wohnen für lange Zeit. - R


2. Lesung des 16. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
Eph 2,13-18

Lesung aus dem Brief an die Epheser:


Jetzt aber seid ihr, die ihr einst in der Ferne wart,
durch Christus Jesus, nämlich durch sein Blut, in die Nähe gekommen.
Denn er ist unser Friede.
Er vereinigte die beiden Teile (Juden und Heiden)
und riß durch sein Sterben die trennende Wand der Feindschaft nieder.
Er hob das Gesetz samt seinen Geboten und Forderungen auf,
um die zwei in seiner Person zu dem einen neuen Menschen zu machen.
Er stiftete Frieden
und versöhnte die beiden durch das Kreuz mit Gott in einem einzigen Leib.
Er hat in seiner Person die Feindschaft getötet.
Er kam und verkündete den Frieden:
euch, den Fernen, und uns, den Nahen.
Durch ihn haben wir beide in dem einen Geist Zugang zum Vater. 



Der - mit sechs Kapiteln recht kurze - Brief des Paulus an die Gemeinde von Ephesos liest sich wie eine in Briefform gefasste Predigt. Allgemein wird angenommen, dass der Apostel allerdings selbst nicht der Verfasser ist. Die vorliegende Perikope arbeitet an einem Grundproblem der paulinischen Mission, dem Verhältnis von Juden, Heiden und Judenchristen: In Christus gibt es keine Trennung mehr - in seine Nachfolge kann jeder treten, auch Nichtjuden. In der Jerusalemer Gemeinde sah man das ja noch zurückhaltender. Nach paulinischer Vorstellung muss sich diese 'Ökumene' auch in der sichtbaren Gestalt der jungen Gemeinden widerspiegeln.


Im Abschnitt 2,11-22 und auch im 3. Kapitel des Epheserbriefes sind besonders die "Heiden" angesprochen. Jude wird man durch die Geburt. Es gab zwar immer wieder Menschen, die sich zum Judentum bekehrten, aber für die wirkliche Zugehörigkeit zum erwählten Volk, ist nach dem Denken der Juden, die jüdische Abstammung nötig. Darum gibt es auch keine Mission und keine Versuche, Menschen aus anderen Völker, die "Heiden" zum jüdischen Glauben zu bekehren. Anders ist es im Christentum. Was zählt ist der Glaube, und nicht ob einer von Geburt Jude, Grieche Römer, Perser,... ist. In den ersten Jahrzehnten müssen sich die Christen, die ja hauptsächlich christlich gewordene Juden waren, damit auseinander setzen, dass Gott das Heil für alle Menschen will. Vorbedingung, um zur Gemeinschaft der Christen zu gehören, ist nicht die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Volk, oder einer Religion, sondern allein der Glaube an Gott und an Jesus Christus. Alle Menschen sind zum Heil berufen, Gott macht keine Unterschiede. Die Erlösungstat Jesus Christi gilt für die Juden genauso wie für alle anderen.


Der Verfasser des Epheserbriefes - wohl ein Schüler oder Mitarbeiter des Apostel Paulus - denkt und schreibt kontrastreich und auch gegensätzlich. Er stellt im vorliegenden Text den Unheilszustand der Heidenchristen dem "jetzt" erlangten Heil gegenüber. Dieses Heil gipfelt in der Würde des "Bürgerrechts und der Hausgenossenschaft" in der universalen Gemeinde des Herrn (vgl. den folgenden Abschnitt: Vers 19ff). Die Einheit, die hier angesprochen wird, bewirkt letztlich nur Christus selbst, der Frieden stiftete durch seine Hingabe am Kreuz. "Der von Christus gebrachte und in ihm selbst verkörperte Friede ist keine abstrakte Größe, sondern soll sich geschichtlich konkretisieren und bis in das gesellschaftliche Leben hinein realisieren." (R. Schnackenburg)


Ruf vor dem Evangelium am 16. Sonntag im Jahreskreis (B)
Joh 10,27

Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Meine Schafe hören auf meine Stimme;
ich kenne sie, und sie folgen mir.
Halleluja.


Evangelium des 16. Sonntags im jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 6,30-34

Aus dem hl. Evangelium nach Markus:

Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus
und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten.
Da sagte er zu ihnen:
Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind,
und ruht ein wenig aus.
Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen,
so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen.
Sie fuhren also mit dem Boot in eine einsame Gegend,
um allein zu sein.
Aber man sah sie abfahren, und viele erfuhren davon;
sie liefen zu Fuß aus allen Städten dorthin
und kamen noch vor ihnen an.
Als er ausstieg und die vielen Menschen sah,
hatte er Mitleid mit ihnen;
denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.
Und er lehrte sie lange.



Unter formalen Aspekten ist die Perikope des heutigen Sonntagsevangeliums ein wenig 'zusammengestückelt'. Die Verse 30f stellen eine selbständige Überleitungsszene von einem völlig anderen Zusammenhang (Martyrium des Johannes) zur Brotvermehrungsgeschichte dar. Die Verse 32-34 sind Teil der Einleitung zu dieser Wundergeschichte. Die Verse 30f beschreiben, wie die Jünger nach getaner Arbeit zu Jesus zurückkehren und bei ihm ausruhen. Dieses Handeln der Jünger verläuft komplementär zur ihrer Sendung durch Jesus (6,7-13): Die Missionstätigkeit der Jünger nimmt bei Jesus ihren Anfang und kehrt auch wieder zu ihm zurück - alle Mission hat ihren Anfang und ihr Ende im Gottesohn. Die Verse 33f der Brotvermehrungsgeschichte stellen den Aposteln dann die umherirrenden Leute gegenüber, die noch nicht genau wissen, was sie mit der Frohbotschaft und ihrem Verkünder anfangen sollen, und von ihm einfach mal sehr viel erhoffen.


Ablehnung und Aufnahme Mit der Ablehnung Jesu in seiner Heimatstadt beginnt im Markus Evangelium die Wanderung Jesu. Hier werden die Jünger wichtiger. Zwischen der Aussendung der 12 Jünger und ihrer Rückkehr berichtet der Evangelist nur vom Schicksal Johannes des Täufers, der auf Wunsch der Frau des Herodes enthauptet wurde. Von Herodes wird erzählt, daß er Jesus aufgrund seiner Taten und Wunder für den wiederauferstandene Johannes den Täufer hielt. Auch die Jünger, die Jesus ausgesandt hat, rufen die Menschen zur Umkehr auf und vollbringen Wunder, sie treiben Dämonen aus und heilen Kranke. Näheres wird nicht erzählt. Es genügt dem Evangelisten zu sagen, daß die Jünger im Auftrag Jesu unterwegs sind und auch von ihm die Vollmacht haben so zu handeln wie er. Es ist nur zu verständlich, daß die Jünger Jesus von ihren Erlebnissen berichten wollen und daß sie sich ausrasten wollen als sie zu ihm zurückkommen. Die vielen Menschen, die sich um Jesus scharen, verhindern, daß sie zur Ruhe finden. Jesus fährt mit ihnen ein Stück über den See Gennesaret, trotzdem folgen ihnen die Menschen. Sie erwarten sich etwas von Jesus. Jesus fasst das, was sie suchen und erhoffen, in einem Satz zusammen: "Sie sind wie Schafe, die keinen Hirten haben" (6,34). Der Hirte steht für jemanden, der ganz für seine Herde da ist, mit ihr mitgeht, sich kümmert um die einzelnen Tiere, für sie sorgt, sie im Notfall verteidigt, der jedes Tier kennt,.... Wenn Jesus dann die Menschen lehrt, ist damit nicht ein theoretischer Unterricht gemeint, damit die Leute mit dem Leben besser zurecht kommen. Der nächste Abschnitt des Evangeliums, die Speisung der 5000 zeigt, daß es ihm darum geht, den Menschen zu zeigen, daß Gott es ist, der sich um sie sorgt, daß er der ist, dem man sich anvertrauen kann, daß er die Antwort auf ihr Suchen und Fragen ist, die Heilung ihrer Krankheiten und die Nahrung für ihr Leben.


Mit Vers 6,30 beginnt ein weiterer Hauptteil im Markus - Evangelium (nach der Einschaltung von Vers 6, 1 -29): Die Zuwendung Jesu zu Juden und Heiden. Am Beginn steht das Bild von Jesus als der Hirte Israels. Die Jünger (Apostel) kommen - im heutigen Ausschnitt - von dem bereits unter Vers Mk 6,7-13 geschilderten Auszug zurück und berichten Jesus von dem Erlebten: von den Exorzismen und Heilungen und den Umkehrpredigten. "Die Lehre der Apostel" wird - darauf legt Markus besonderen Wert - im Leben Jesu verankert, und ihr Wirken, ihre Mission entspricht dem Auftrag Jesu. Die Anweisung Jesu, nach den Anstrengungen der Mission auszuruhen, gilt nach Markus wohl auch für die Missionare seiner Zeit. Jesus wird als der Hirte bezeichnet, für die vielen verlorenen und suchenden Schafe. Dies wird noch deutlicher im dem heutigen Abschnitt folgenden Text über die wundersame Speisung der Fünftausend. Auch die Sorge um Jünger, um Arbeiter, sprich Hirten für die Kirche, will Markus - wie auch Lukas - herausstreichen. Vgl. Rudolf Pesch, Das Markus - Evangelium, Teil 1, Herders Theol. Kom. zum NT, Freiburg 1977.