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15.08.2018

Pfarrer Bernd Kösling verstorben

Pfarrer Bernd Kösling
Pfarrer Bernd Kösling

Am 26. Juni 2018 ist Pfarrer Bernd Kösling, ein engagierter Mitarbeiter des Predigtforums, im Alter von 55 Jahren verstorben. - Anfang Februar bat Bernd Kösling mit folgenden Zeilen um eine Pause: "Ich muss leider sämtliche Termine für das Predigt Forum absagen. Leider habe ich eine schwere Krebsdiagnose bekommen ...  Tut mir leid. Wenn es wieder geht, melde ich mich natürlich und mache gerne auch weiter. Denn es macht mir viel Freude." - Wir vermissen einen engagierten Verkündiger der Frohen Botschaft. R.I.P.

Lesungen 12.08.2018


1. Lesung des 19. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
1 Kön 19, 4-8

Lesung aus dem ersten Buch der Könige:

In jenen Tagen ging Elija eine Tagereise weit in die Wüste hinein.
Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch
und wünschte sich den Tod.
Er sagte:
Nun ist es genug, Herr.
Nimm mein Leben;
denn ich bin nicht besser als meine Väter.
Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein.
Doch ein Engel rührte ihn an und sprach:
Steh auf und iß!
Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot,
das in glühender Asche gebacken war,
und einen Krug mit Wasser.
Er aß und trank und legte sich wieder hin.
Doch der Engel des Herrn kam zum zweitenmal,
rührte ihn an und sprach:
Steh auf und iß! Sonst ist der Weg zu weit für dich.
Da stand er auf, aß und trank
und wanderte, durch diese Speise gestärkt,
vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.



Der heutige Lesungsabschnitt aus dem Ersten Buch der Könige schließt sich an eine der Sternstunden des Elija an. Auf dem Berg Karmel hatte er gezeigt, dass der Gott Israels der wahre und machtvolle Gott ist. Im Gefühl dieses Sieges hatte Elija alle Baalspriester als Vertreter eines unterlegenen Kults hinrichten lassen. Dies brachte ihm die Feindschaft der Königin Isebel und die Verfolgung ein. Als Verfolgter verlor Elija seinen Einfluss beim Volk. In dieser Situation will Elija nur noch sterben und sich der Verantwortung entziehen. Drei Dinge halten ihn: Brot, Wasser und die Berührung durch Gottes Engel. Nach der so vorbereiteten Begegnung am Horeb wird für Elija die Zeit beginnen, seinen Dienst abzuschließen.


Elija ist auf der Flucht. Auf der Flucht vor der Königin Isebel, aber auch auf der Flucht vor sich selbst. Zur Vorgeschichte gehört unbedingt 1 Kön. 18. Die biblische Überlieferung verschweigt nicht, dass Elija ein wütender Prophet ist und seine Hände mit Blut befleckt. Die Lesung setzt damit ein, dass Elija in die Wüste geht und sich den Tod wünscht. Für ihn ist es „genug“. Ein Engel rührt den schlafenden Propheten an und spricht zu ihm: Steh auf und iss! Brot und Wasser findet er, als er sich umblickt. Der Engel hat die Botschaft für ihn, einen weiten Weg vor sich zu haben. Vierzig Tage und vierzig Nächte wandert Elija zum Gottesberg, dem Horeb. Die Szene erinnert an den Weg Israels durch die Wüste. Müdigkeit und Verzweiflung einerseits, Speisung aus dem Himmel („Manna“) andererseits. Die Zahl „vierzig“ ist mit dem Weg Israels auch fest verbunden – hier jedoch sind es Tage, nicht Jahre. Es ist eine „kleine“ Wüstenwanderung, die von Elija erzählt wird, ohne die Spuren zu verwischen, die von der größeren Israels überliefert wird. Auf dem „Gottesberg“ begegnete Mose Jahwe, brachte ihm die Bitten seines Volkes und empfing aus seiner Hand die Gebote. Elija erscheint hier als 2. Mose. Im Evangelium von der Verklärung Jesu heißt es: „Da erschien vor ihren Augen Elija und mit ihm Mose, und sie redeten mit Jesus“ (Mk. 9,4).


Der Prophet Elija gehörte zu den leidenschaftlichsten Vertretern des Jahweglaubens und zu den härtesten Bekämpfern des Baalskultes im 9. Jahrhundert vor Christus. Baal war eine Fruchtbarkeitsgottheit, welche von der Frau des Königs von Israel, Isebel, zu dieser Zeit stark gefördert wurde. Elija hatte nach einem für ihn triumphalen Gottesurteil auf dem Berge Karmel hunderte Baalspropheten hinrichten lassen (vgl.1 Kön 18:17-40). Damit war er sowohl vor dem Königshaus wie auch vor maßgeblichen Kreisen der Gesellschaft eine mißliebige Person, Isebel trachtete ihm nach dem Leben (vgl. 1 Kön 19:1-3). Daß sich der Glaube an Jahwe als den einzigen Gott und Spender des Lebens schnell wieder im Volk breit machen würde, dafür bestand trotz allem Kampf des Propheten wenig Hoffnung. In dieser Situation zieht sich Elija verängstigt und resigniert in die Wüste zurück. Er möchte aufgeben, ja er wünscht sich den Tod. Freilich, die Wüste wird für Elija zum Ort, an dem er neuen Antrieb erfährt. Ein Engel, ein schützender und helfender Bote Gottes, stärkt ihn mit Brot und Wasser. Es ist das erste kleine Zeichen wider die Resignation und die Hoffnungslosigkeit, wider das Überfordert- und Ausgebranntsein im heiligen Dienst. Durch die Begegnung mit dem Gottesboten wird der Rückzug Elijas in die Wüste zu einer Pilgerreise zum Ursprung des reinen Jahweglaubens, zum Berg Horeb nämlich, an dem sich Gott einst dem Volk Israel und seinem Führer Mose geoffenbart hat. Der Zeitraum von 40 Tagen und 40 Nächten, den der Prophet zum Gottesberg unterwegs ist, gemahnt an die vierzigjährige Wüstenwanderung des Volkes Israel zwischen dem Auszug aus Ägypten und dem Einzug in das Gelobte Land. Es ist eine Zeit der geistlichen Läuterung, eine Zeit der Vorbereitung auf neues, erfüllendes Leben. Am Horeb wird sich das Geschick Elijas wenden. Er wird Gottes Gegenwart neu erfahren, freilich nicht in einem machtvollen Ereignis wie früher beim Gottesurteil am Berge Karmel, sondern in einem sanften, leisen Säuseln - wahrnehmbar kraft der Stille und Aufmerksamkeit eines für Gott offenen Herzens (vgl. 1 Kön 19,11-13).


Ungekürzte Fassung der Lesung
1 Kön 19,1-13:

Lesung aus dem ersten Buch der Könige:

Ahab erzählte Isebel alles, was Elija getan, auch daß er alle Propheten mit dem Schwert getötet habe.
Sie schickte einen Boten zu Elija und ließ ihm sagen: Die Götter sollen mir dies und das antun, wenn ich morgen um diese Zeit dein Leben nicht dem Leben eines jeden von ihnen gleich mache.
Elija geriet in Angst, machte sich auf und ging weg, um sein Leben zu retten. Er kam nach Beerscheba in Juda und ließ dort seinen Diener zurück. Er selbst ging eine Tagereise weit in die Wüste hinein. Dort setzte er sich unter einen Ginsterstrauch und wünschte sich den Tod. Er sagte: Nun ist es genug, Herr. Nimm mein Leben; denn ich bin nicht besser als meine Väter. Dann legte er sich unter den Ginsterstrauch und schlief ein.
Doch ein Engel rührte ihn an und sprach: Steh auf und iß!
Als er um sich blickte, sah er neben seinem Kopf Brot, das in glühender Asche gebacken war, und einen Krug mit Wasser. Er aß und trank und legte sich wieder hin.
Doch der Engel des Herrn kam zum zweitenmal, rührte ihn an und sprach: Steh auf und iß! Sonst ist der Weg zu weit für dich.
Da stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.
Dort ging er in eine Höhle, um darin zu übernachten. Doch das Wort des Herrn erging an ihn: Was willst du hier, Elija? Er sagte: Mit leidenschaftlichem Eifer bin ich für den Herrn, den Gott der Heere, eingetreten, weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übriggeblieben, und nun trachten sie auch mir nach dem Leben. Der Herr antwortete: Komm heraus, und stell dich auf den Berg vor den Herrn! Da zog der Herr vorüber: Ein starker, heftiger Sturm, der die Berge zerriß und die Felsen zerbrach, ging dem Herrn voraus. Doch der Herr war nicht im Sturm. Nach dem Sturm kam ein Erdbeben. Doch der Herr war nicht im Erdbeben. Nach dem Beben kam ein Feuer. Doch der Herr war nicht im Feuer. Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln. Als Elija es hörte, hüllte er sein Gesicht in den Mantel, trat hinaus und stellte sich an den Eingang der Höhle.


Antwortpsalm, 19. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 34,2-3. 4-5. 6-7. 8-9

R: Kostet und seht, wie gütig der Herr ist! – R

Ich will den Herrn allezeit preisen;
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn;
die Armen sollen es hören und sich freuen. - (R)

Verherrlicht mit mir den Herrn,
lasst uns gemeinsam seinen Namen rühmen.
Ich suchte den Herrn, und er hat mich erhört,
er hat mich all meinen Ängsten entrissen. - (R)

Blickt auf zu ihm, so wird euer Gesicht leuchten,
und ihr braucht nicht zu erröten.
Da ist ein Armer; er rief, und der Herr erhörte ihn,
half ihm aus all seinen Nöten. - (R)

Der Engel des Herrn umschirmt alle, die ihn fürchten und ehren,
und er befreit sie.
Kostet und seht, wie gütig der Herr ist;
wohl dem, der zu ihm sich flüchtet! – R


2. Lesung des 19. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
Eph 4,30 - 5,2

Lesung aus dem Brief an die Epheser:

Schwestern und Brüder!
Beleidigt nicht den Heiligen Geist Gottes,
dessen Siegel ihr tragt für den Tag der Erlösung.
Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung
und alles Böse verbannt aus eurer Mitte!
Seid gütig zueinander,
seid barmherzig,
vergebt einander,
weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat.
Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder,
und liebt einander,
weil auch Christus uns geliebt
und sich für uns hingegeben hat
als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt.



Im Epheserbrief werden die Menschen zu einem neuen Lebensentwurf aufgefordert. Aber wie geht das? In der heutigen Lesung geht es um konkrete Möglichkeiten. Sie werden in den Versen Eph 4,31f genannt. Und die Begründung erfolgt gleich darauf: Es ist ja eine Antwort der Liebe auf das, was Christus als Liebe gezeigt hat.


Die Lesung aus dem Epheserbrief ist Tauferinnerung und Taufparänese. In der Taufe wird nämlich "besiegelt", was am Jüngsten Tag – hier "Tag der Erlösung" genannt - geöffnet wird. Was böse ist und böse macht, soll für alle Zeit gebannt bleiben. Der Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung stehen Güte, Barmherzigkeit und Vergebung gegenüber, die um Christi willen ein Leben bestimmen, dass sich als "Nachahmung" Gottes versteht. Die Liebe, die alles zusammenfasst, wurzelt in der Hingabe Jesu, die der Heilige Geist in jeder Taufe besiegelt.


In Eph 4,22 und 4,24 ist vom Ablegen des alten Menschen und vom Anziehen des neuen Menschen die Rede. Daran wird in der vorliegenden Lesungsperikope angeknüpft. Sie enthält Weisungen für das konkrete Leben, die den Wechsel vom alten zum neuen Menschen befördern sollen - ein Wechsel, der in der Taufe zwar grundsätzlich geschehen ist, der aber einer tagtäglichen Bewährung bedarf. An die Taufe wird denn auch im ersten Vers der Lesungsperikope erinnert. Durch sie hat der Christ das Siegel des Heiligen Geistes empfangen: ein Schutz- und Eigentumszeichen als Vorwegnahme der endgültigen Erlösung. Mit dem Ablegen des alten Menschen und dem Anziehen des neuen Menschen muß das Ablegen verschiedener Laster wie Bitterkeit, Wut, Zorn und Lästerung einhergehen. Gleichzeitig ist der neue Mensch durch die Tugenden der Güte, Barmherzigkeit und Vergebungsbereitschaft charakterisiert. In allem bilden Gott und Jesus Christus Vorbild und Maß für das christliche Leben. Darauf wird in der Lesungsperikope mit großer Deutlichkeit hingewiesen. Weil die Christen Gottes geliebte Kinder sind, sind sie zur Nachahmung Gottes verpflichtet. Und in der Liebe Christi, die sich in seiner Todeshingabe am radikalsten erwiesen hat, ist das Prinzip aller Liebe grundgelegt, die sich die Christen untereinander erweisen.


Ruf vor dem Evangelium am 19. Sonntag im Jahreskreis (B)
vgl. Joh 6,51

Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist.
Wer dieses Brot isst, wird in Ewigkeit leben.
Halleluja.


Evangelium des 19. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
Joh 6,41-51

Aus dem hl. Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit murrten die Juden gegen Jesus, weil er gesagt hatte:
Ich bin das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.
Und sie sagten:
Ist das nicht Jesus, der Sohn Josefs,
dessen Vater und Mutter wir kennen?
Wie kann er jetzt sagen: Ich bin vom Himmel herabgekommen?
Jesus sagte zu ihnen: Murrt nicht!
Niemand kann zu mir kommen,
wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zu mir führt;
und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
Bei den Propheten heißt es:
Und alle werden Schüler Gottes sein.
Jeder, der auf den Vater hört
und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen.
Niemand hat den Vater gesehen außer dem, der von Gott ist;
nur er hat den Vater gesehen.
Amen, amen, ich sage euch:
Wer glaubt, hat das ewige Leben.
Ich bin das Brot des Lebens.
Eure Väter haben in der Wüste das Manna gegessen
und sind gestorben.
So aber ist es mit dem Brot, das vom Himmel herabkommt:
Wenn jemand davon ißt, wird er nicht sterben.
Ich bin das lebendige Brot,
das vom Himmel herabgekommen ist.
Wer von diesem Brot ißt, wird in Ewigkeit leben.
Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch,
ich gebe es hin für das Leben der Welt.



Eigentlich muss man das Evangelium von hinten lesen. Denn der Anspruch Jesu: "Ich bin das lebendige Brot" (Joh 6,51) bestimmt den Text. Es gab am Vorsonntag in Joh 5,35 einen ähnlichen Anspruch: "Ich bin das Brot des Lebens". Gegen diesen Anspruch wehrten sich die Gegner Jesu und diskutierten mit ihm. Die Argumente gingen in das Ohr, aber nicht in das Herz. So wurde es zum Teil eine fruchtlose Diskussion. So blieb nur die Zuspitzung im Schlussvers des Evangeliums. Die Diskussion darüber wird das Evangelium der nächsten zwei Sonntage prägen.


Der Abschnitt aus Joh 6 legt die "Speisung der Fünftausend" aus (Joh 6,1-15). Es geht um den Anspruch Jesu, "das Brot vom Himmel" zu sein. Dem Einwand, er sei doch "nur" der Sohn Josefs, begegnet Jesus damit, die kritischen Zeitgenossen auf den Vater zu verweisen, der ihn gesandt hat. Jesu Herkunft wird dann im Evangelium in immer neuen Wendungen bezeugt: Er ist das Brot des Lebens, er gibt Ewiges Leben, er gibt sich hin für das Leben der Welt. Was daraus folgt? "Jeder, der auf den Vater hört und seine Lehre annimmt, wird zu mir kommen". Wie auch sonst im Johannesevangelium ist Jesus Gesicht und Stimme des Vaters. Wer ihn hört, hört den Vater. Die sog. Brotrede Jesu legt aber nicht nur das Speisungswunder aus, sondern auch die Wüstenerfahrung Israels. Die Vorfahren, die in der Wüste das Manna aßen, sind gestorben, obwohl es doch auch Brot vom Himmel war, Jesus aber gewährt ewiges Leben. Im Johannes-Evangelium überbietet Jesus das Manna-Wunder. Wer glaubt, hat das ewige Leben. Das "das" ist betont und exklusiv: es gibt kein anderes ewiges Leben! Wer mehr entdecken will, wird fündig unter: http://www.perikopen.de/Lesejahr_B/19_iJ_B_Joh6_41-51_Hasitschka.pdf


Die Evangelienperikope entstammt der sogenannten Brotrede des Johannesevangeliums (Joh 6,26-59). Sie läßt sich in zwei nach Themen und Absichten unterschiedliche Abschnitte gliedern. Zum einen enthält sie Gedanken, die unter das Thema "Glauben" gestellt werden könnten, die Reaktion Jesu auf das Murren der Juden (Joh 6,41-47). Zum anderen greift sie auf das Hauptthema der Brotrede zurück, das bereits in Joh 6,32-35 entfaltet wurde: Jesus offenbart sich als das vom Himmel herabgekommene Lebensbrot (Joh 6,48-51). Mit dem Murren der Juden wird vom Evangelisten auf das Murren des Volkes Israel in der Wüste angespielt, von dem besonders in Ex 16 berichtet wird. Wie im Alten Testament manifestiert sich auch im Zusammenhang mit Jesus Unglaube und Mißtrauen gegenüber den Verheißungen Gottes. Konkret entzündet sich der Widerspruch der Juden daran, daß man die Herkunft Jesu zu kennen meint: Es sei eine ganz gewöhnliche, irdische Herkunft. Dagegen drückt Jesus aus: Er ist von Gott gekommen. Dies ist seine eigentliche Herkunft. Jesu Mahnung nicht zu murren, ist mit dem Hinweis verknüpft, niemand könne ohne die Führung Gottes zum Glauben an ihn kommen. Der Glaube an Jesus Christus ist zuerst und zuletzt ein Gnadengeschenk Gottes. Andererseits wird der Glaube aber auch als Forderung an den Menschen beschrieben: Es ginge darum, auf Gott zu hören und seine Lehre anzunehmen. Kein Mensch kann sich demnach von der eigenen Glaubensbemühung dispensieren. Dem Ruf Gottes muß das Hören, Antworten und Lernen des Menschen entsprechen. Im zweiten Abschnitt der Evangeliumsperikope, in dem sich Jesus wie in Joh 6,35 in einem "Ich-bin-Wort" als das Brot des Lebens bezeichnet, wird zunächst der Tod der Väter in der Wüste betont: eine Warnung an die murrenden Juden, es könnte ihnen ähnlich ergehen wie den Vätern. Freilich ist die Aussageabsicht ins Positive gewandt: Wer das vom Himmel herabgekommene Brot ißt, der wird leben. Zum Schluß klingt der Gedanke an, daß Gottes Wille, der Welt das Leben zu geben, in Jesu Todeshingabe verwirklicht wird. Damit läßt sich dieser Abschnitt unmittelbar auf das Geheimnis der Eucharistie deuten. In diesem Sinn wird die Brotrede im Johannesevangelium auch fortgeführt.