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14.11.2018

Lesungen 19.08.2018


1. Lesung des 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Spr 9,1-6
 

Lesung aus dem Buch der Srichwörter.

Die Weisheit hat ihr Haus gebaut,
ihre sieben Säulen behauen.
Sie hat ihr Vieh geschlachtet,
ihren Wein gemischt
und schon ihren Tisch gedeckt.
Sie hat ihre Mägde ausgesandt
und lädt ein auf der Höhe der Stadtburg:
Wer unerfahren ist, kehre hier ein.
Zum Unwissenden sagt sie:
Kommt, eßt von meinem Mahl,
und trinkt vom Wein, den ich mischte.
Laßt ab von der Torheit, dann bleibt ihr am Leben,
und geht auf dem Weg der Einsicht.



Gemäss 1 Kön 5,12 hat König Salomo 3.000 Sprüche niedergeschrieben. Auf diesen Satz geht die Vermutung zurück, das Buch der Sprichwörter stamme zumindest in den ersten Versen und auch noch an weiteren Stellen aus seiner Feder. Es haben sicher aber auch noch etliche andere Autoren mitgemischt. In der jüdischen Tradition wird das Buch König Hiskija zugeschrieben. Im Buch ist die Weisheit eine weibliche Instanz, die den Menschen begleitet wie eine treue Gefährtin. In der vorliegenden Perikope schlüpft sie in die Rolle der Gastgeberin, die die Menschen zur Erkenntnis einlädt.


Im ganzen Alten Orient schätzte man treffende Sprichwörter. Vor allem für die Unterweisung der Hofbeamten und Schreiber spielten sie eine große Rolle (daher mahnen sie gerne zur Besonnenheit, geben Ratschläge zum Umgang mit den Mächtigen und spiegeln überhaupt eine gewisse "Beamtenmentalität" wieder!). Meist fassen sie aber allgemeinmenschliche Wahrheiten ins Wort, die zu allen Zeiten gültig sind. Das Buch der Sprichwörter enthält ältere Sammlungen und neuere Lehrreden. Anlaß zur Endredaktion des Buches ist die Blüte der Weisheitsliteratur um 200 v. Chr. Aus dieser Zeit stammt auch die Lehrrede, der unsere Lesung entnommen ist. Die Weisheitsliteratur des AT (Kohelet, Jesus Sirach, Ijob, das Hohelied, einige Psalmen und natürlich das Buch der Weisheit), kreist um die Frage: "Wie kann ich mein Leben so leben, daß es gut ist, daß es wirklich ein Leben im Vollsinn des Wortes ist?". Mit "Weisheit" ist also nicht Bildung oder Philosophie gemeint, sondern ein handfestes Lebenswissen für den Alltag. "Weise" nennt das AT denjenigen, der nach der "Weisung", der Tora, lebt. Wer sich auf die menschenfreundlichen Gebote des menschenfreundlichen Gottes einläßt - so die Überzeugung des AT - macht sich auf den Weg in ein Leben in Fülle. Als abschreckendes Gegenbeispiel wird gern der "Weg der Toren" oder "Frevler", die das Gesetz mißachten, angeführt. Auch der vorliegende Text ist ein werbender, einladender Text, der mit üppigen Bildern zum Weisheitsweg verführen will. Er malt die göttliche Weisheit als wohlhabende, großzügige Gastgeberin, die die Unerfahrenen, die eigentlich ihrer unwürdig wären, zu sich einlädt und bewirtet. Daß die göttliche Weisheit als Person auftritt, kommt öfter vor - in Weish 8 spricht der Verfasser von ihr geradezu schwärmerisch als von seiner Geliebten und Lebensgefährtin. Das Bild vom Festmahl möchte seine Hörerinnen und Hörer davon überzeugen: Wer den Weg mit Gott, den Weg der Weisheit wählt, muß nicht darben, im Gegenteil! Er gewinnt eine neue Lebensqualität und tritt in einen neuen, prächtigen Lebensraum ein. Das AT wählt hier also einmal ein weibliches Bild dafür, wie Gott im Leben der Menschen erfahren werden kann. Spannend ist, daß Jesus offensichtlich gerade dieses weibliche Gottesbild zum Vorbild nimmt, wenn er Zöllner zu sich zum Gastmahl einlädt, weil "nicht die Gesunden den Arzt brauchen, sondern die Kranken" (Mk 2,13-17 par)!


Weisheitsliteratur Das Buch der Sprichwörter ist eine Sammlung von Lehrreden, Gedichten und Sprüchen, deren Zusammenstellung zwischen 550-200 v. Chr. endverfaßt wurde. Schon zur Zeit König Salomos (um 1000 v. Chr.) waren Sprüche, Rätsel und Lehrgedichte im Alten Orient sehr beliebt. Eine zweite Blüte erlebte die Weisheitsliteratur in der Zeit nach dem Babylonischen Exil. Für das israelitische Weisheitsverständnis ist die religiöse Dimension charakteristisch. Die Wendung "Die Furcht vor Jahwe ist der Anfang der Weisheit" (Spr 1,7) erklärt die Frömmigkeit zur Voraussetzung der Weisheit und spricht dem Glauben an Gott eine wichtige Funktion in der menschlichen Erkenntnis zu. Da bei geht es den Israeliten sicher nicht um ein naives Naturverständnis, sondern darum, deutlich zu machen, daß der Mensch erst im Wissen um Gott und im Wissen um sich selbst in das richtige Verhältnis zu den Gegenständen seiner Erkenntnis kommt. Die Weisheit als Person Die Weisheit ist für die Lehrer Israels aber keine abstrakte Idee dessen, was zu tun oder zu lassen ist, sondern sie tritt als Person auf, die selbständig redet und handelt. Sie begegnet den aufmerksamen Menschen dort, wo man das Leben der Stadt beobachten kann: auf den Straßen, den Plätzen, am Stadttor. Die Weisheit lehrt ihre Schüler, sie bringt denjenigen, die sich an sie halten, Glück und langes Leben. Diejenigen, die sich nicht an ihre Lehren halten, geraten in Unglück, im schlimmsten Fall kann die Nichtbeachtung sogar die Todesstrafe nach sich ziehen, die z. B. auf Ehebruch steht (Spr 9,6). Darum lädt sie die Unerfahrenen ein, aus der Tradition und den Erfahrungen der Lehrer Konsequenzen für das eigene Leben zu ziehen, in das "Haus der Weisheit einzutreten". Die ethische Erziehung der israelischen Weisheitslehrer ist also nicht diktatorisch autoritär geprägt, sondern appelliert an die Einsicht des Schülers. Gemeinsam mit den Schülern sind die Lehrer auf dem Weg der Weisheit unterwegs.


Antwortpsalm, 20. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 34,2-3. 10-11. 12-13. 14-15

R: Kostet und seht, wie gütig der Herr ist! – R

Ich will den Herrn allezeit preisen;
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn;
die Armen sollen es hören und sich freuen. - (R)

Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen;
denn wer ihn fürchtet, leidet keine Mangel.
Reiche müssen darben und hungern;
wer aber den Herrn sucht, braucht kein Gut zu entbehren. - (R)

Kommt, ihr Kinder, hört mir zu!
Ich will euch in der Furcht des Herrn unterweisen.
Wer ist der Mensch, der das Leben liebt
und gute Tage zu sehen wünscht? - (R)

Bewahre deine Zunge vor Bösem
und deine Lippen vor falscher Rede!
Meide das Böse, und tu das Gute;
suche Frieden, und jage ihm nach! - R


2. Lesung des 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Eph 5,15-20

Lesung aus dem Brief an die Epheser:

Schwestern und Brüder!
Achtet sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt,
nicht töricht, sondern klug.
Nutzt die Zeit; denn diese Tage sind böse.
Darum seid nicht unverständig,
sondern begreift, was der Wille des Herrn ist.
Berauscht euch nicht mit Wein - das macht zügellos -,
sondern laßt euch vom Geist erfüllen!
Laßt in eurer Mitte Psalmen, Hymnen und Lieder erklingen,
wie der Geist sie eingibt.
Singt und jubelt aus vollem Herzen zum Lob des Herrn!
Sagt Gott, dem Vater, jederzeit Dank für alles
im Namen Jesu Christi, unseres Herrn!



Der Brief ist eine Art Rundschreiben des Paulus aus seiner Gefangenschaft. Doch wird die Autorenschaft des Paulus inzwischen allgemein bezweifelt (Luz). Die Situation der Gemeinde wird als gefestigt angenommen, eine erste Aufbruchsstimmung ist vorüber. An der einen oder anderen Stelle kehrt Verfall ein - dagegen wendet sich Paulus resp. der Autor, der sich auf die Autorität des Apostels beruft. Die vorliegende Perikope ist Teil einer Reihe von Ermahnungen, die der Autor der Gemeinde gibt, dass sie ein glaubwürdiges Zeugnis in einer nichtchristlichen Umgebung gibt. Zu diesem Zeugnis zählt vor allem das sittsame Leben - in einer Hafenstadt anscheinend keine Selbstverständlichkeit.


Der Epheserbrief stammt nicht von Paulus selber, sondern von einem unbekannten Schüler, der in seinem Namen die Sache des Paulus nach dessen Tod weiterführte und um 80 n. Chr. schrieb. Er orientiert sich in Aufbau und Inhalt stark am Kolosserbrief, der ebenfalls nicht von Paulus stammt. Die veränderte Situation in der christlichen Gemeinden macht ein neues Schreiben notwendig: Während man zur Zeit des Paulus die Wiederkunft Christi stündlich erwartete, muß man nun mit der Tatsache zurechtkommen, daß sich die Ankunft Christi zu verzögern scheint. Das Hauptthema des Eph ist deshalb die Kirche: was sie ausmacht und wie sie sich daher in der Zeit, die bis zum Kommen des Herrn bleibt, einrichten und verhalten soll. Zu dem zweiten Teil, dem Weisungsteil, gehört unsere Lesung. Unmittelbar voraus, in Eph 5,14, lesen wir die Aufforderung (vermutlich ein kleines urchristliches Lied): "Wach auf, du Schläfer und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein!" Unsere Lesung entfaltet dann genauer, wie dieses "wache" Leben der getauften Christen aussehen soll. Auch hier werden wieder, wie im AT, zwei Wege der Lebensweise vorgestellt: Christen sollen nicht töricht, sondern klug, nicht unverständig, sondern einsichtig, nicht berauscht, sondern erfüllt vom Geist leben. Ein Schlüsselbegriff zum rechten Verständnis ist die Mahnung zu Beginn, sein Leben in sorgfältiger Achtsamkeit zu leben. Wach, nüchtern und bewußt zu leben, darf nicht dahingehend mißverstanden werden, jede freie Minute zu verzwecken (etwa nach dem Motto "Zeit ist Geld" und "wer rastet, der rostet"). Der Autor des Eph lädt seine LeserInnen vielmehr dazu ein, wach zu bleiben, um die kostbare Zeit "auskosten" zu können. Er fordert sie heraus, die Zeit bis zum Kommen Christi nicht als unwichtige Zwischenzeit zu sehen, sondern sich immer wieder darauf einzulassen, den "Willen des Herrn zu begreifen". Sie sollen ihr Leben nicht verschlafen, sondern erfüllt leben. Dazu paßt auch die Aufforderung am Ende der Lesung zur Freude, zur Ekstase, zum Jubel - der ganze Epheserbrief beginnt mit einem Lobpreis, der von der Fülle spricht, die mit Christus angebrochen ist!


Der Epheserbrief übernimmt den groben Rahmen des Kolosserbriefes: In den Kapiteln 1-3 wird das Thema des Briefes, die Kirche, inhaltlich entfaltet. In der zweiten Hälfte des Brief, Eph 4,1-6,20 werden die sittlichen Folgerungen daraus gezogen. Zu diesem Weisungsteil gehört auch die heutige Lesung. Im Absatz Eph 5,15-20 ist die Gemeinde als versammelte angesprochen und wird zum einem christlich geprägten Leben, zu gegenseitiger Unterstützung und zum Gebet ermuntert. Im darauf folgenden Absatz (Eph 5,21-6,9) wird in den sogenannten Haustafeln die Verbindung des Gemeindelebens mit dem häuslichen und familiären Leben der Gemeindemitglieder hergestellt. Hier wird besonders die Abhängigkeit vom Kolosserbrief deutlich: ganze Wortgruppen stimmen wörtlich mit der Vorlage überein. Geistlicher Gottesdienst Eph 5,15-20 beginnt mit dem Aufruf, die eigene Lebensführung zu überprüfen. In dieser Zeit der Bedrohung der christlichen Existenz durch das heidnische Umfeld ist das praktische christliche Leben eine wesentliche Bedingung für das Bestehen einer christlichen Gemeinde. Drei Kontraste prägen den Text: nicht Toren, sondern Weise sollen die Leser sein; nicht unverständig, sondern verständig; nicht vom Wein berauscht sondern vom Geist erfüllt. Die Christen sollen die ihnen zur Verfügung stehende Zeit nutzen, denn das christliche Leben findet nicht außerhalb von Zeit und Raum statt, sondern ist konkrete Aufgabe jedes Menschen dort wo er lebt. Der Geist, der der Gemeinde geschenkt ist, ermöglicht es ihr, ein christliches Leben zu führen. In der Gemeindeversammlung und im persönlichen Gebet geschieht die Grundlegung allen christlichen Handelns. Den Gottesdienst zur Quelle und zum Höhepunkt kirchlichen Lebens (Vat II. SC 10) zu machen, ist nach wie vor eine Einladung an alle, die ihr Leben christlich gestalten wollen. Zugleich ist es aber auch eine Herausforderung an alle in der Seelsorge Tätigen, auch an die Liturgen und Liturgiker, die Menschen zur aktiven Mitfeier von Gottesdiensten hinzuführen, die dem Heiligen Geist Raum lassen und das alltägliche Leben, die Sprache und die Erfahrungen unserer Tage hereinnehmen und so Ausgangspunkt einer gläubig gestalteten Lebenswirklichkeit werden können.


Ruf vor dem Evangelium am 20. Sonntag im Jahreskreis (B)
Joh 6,56

Halleluja. Halleluja.
(So spricht der Herr:)
Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt,
der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.
Halleluja.


Evangelium vom 20. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Joh 6,51-58


Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:
Ich bin das lebendige Brot,
das vom Himmel herabgekommen ist.
Wer von diesem Brot ißt, wird in Ewigkeit leben.
Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch,
ich gebe es hin für das Leben der Welt.
Da stritten sich die Juden und sagten:
Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?
Jesus sagte zu ihnen:
Amen, amen, das sage ich euch:
Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht eßt
und sein Blut nicht trinkt,
habt ihr das Leben nicht in euch.
Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt,
hat das ewige Leben,
und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag.
Denn mein Fleisch ist wirklich eine Speise,
und mein Blut ist wirklich ein Trank.
Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt,
der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm.
Wie mich der lebendige Vater gesandt hat
und wie ich durch den Vater lebe,
so wird jeder, der mich ißt, durch mich leben.
Dies ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist.
Mit ihm ist es nicht wie mit dem Brot,
das die Väter gegessen haben;
sie sind gestorben.
Wer aber dieses Brot ißt,
wird leben in Ewigkeit.



Schnackenburg beschreibt den Inhalt dieses 6. Kapitels des Joh als Höhepunkt von Jesu Wirken in Galiläa. Wichtigste Aussage dieser Perikope ist jene "Ich bin”-(das Brot des Lebens)-Formel (Vers 51), mit der auch das Evangelium des 19. Sonntags geschlossen hat. Seit der Väterzeit werden diese Verse überwiegend eucharistisch ausgelegt. Damit lässt der Evangelist das Wirken und Reden Jesu stringent verlaufen bis in die Testamentseröffnung im Abendmahlssaal von Jerusalem. Soll heißen: Wer Jesu Gebot beim Letzten Abendmahl ("Tut dies zu meinem Gedächtnis") erfüllt und Eucharistie feiert, feiert nicht einfach nur sein Gedächtnis, sondern das gesamthafte, auch Leiden und Tod Jesu beinhaltende Heils- und Erlösungswirken Gottes, das unter den eucharistischen Gestalten von Brot (und Wein) präsent wird. Wer an diesem Mahl teilnimmt, hat dann auch Anteil an diesem Erlösungswirken: "Wer aber dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit." Für Johannes war klar, dass das schwer zu fassen ist - stellvertretend für die vielen Zweifler lässt er die Juden sagen: "Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?"


Das Johannesvangelium ist das jüngste Evangelium und etwa um 100 n.Chr. entstanden. Schon beim ersten Lesen fällt der ganz andere Stil auf, in dem dieses Evangelium geschrieben ist: Noch weniger als bei den anderen Evangelien wird hier versucht, den Lebensweg Jesu nachzuerzählen. Das Johannesevangelium kreist vielmehr um die Frage: "Wer ist dieser Jesus für uns, die Johannesgemeinde?" In immer neuen Wendungen einer meditativen Sprache tastet sich der Verfasser an dieses Geheimnis heran. Die Leser vollziehen die Suche mit und erleben gleichzeitig, daß Christus immer größer als die Bilder bleibt, mit denen er erfaßt werden soll. Dieses Evangelium, das auf den ersten Blick so schwierig erscheint, hat den kleinsten Wortschatz im NT – etwas mehr als tausend Worte! Dafür sind viele "große Worte": Licht, Leben, Weg, Wort, Auferstehung, - oder, wie im heutigen Evangelium, "Brot", "Fleisch", "Welt". Diese Worte werden wiederholt, erklärt, in einem neuen Zusammenhang wieder aufgegriffen und mit neuer Bedeutung gefüllt. Das Johannesevangelium erzählt im Gegensatz zu den anderen Evangelien nur sieben Wunder Jesu ("Zeichen" genannt), die nach Meinung des Verfassers besonders "bezeichnend" für das Geheimnis der Person Jesu sind. Anschließend werden diese Zeichen in langen Redeteilen gedeutet. Joh 6,51-58 ist der zweite Teil einer solchen Rede, die das Zeichen von der wunderbaren Brotvermehrung ausdeutet: Sie ist ein Bild für das, was die Eucharistie in Wahrheit ist und was sie bewirkt. Jesus sagt von sich "Ich bin das Brot des Lebens". Wer nun dieses Brot ißt, wird "leben in Ewigkeit". Das ist nicht nur eine zeitliche Aussage ("unbegrenzt lange leben"), sondern eine qualitative, "leben in der Art, wie es der Ewige tut". Warum kann Jesus, das Brot, zu einem solchen Leben verhelfen? Jesus nennt das Brot provozierend "Fleisch". Die Johannesgemeinde versteht diesen Begriff eigentlich negativ (sündig, unrein, verweslich, gottfern). Um so aufregender ist es, daß schon in Joh 1:1 heißt: "das Wort ist Fleisch geworden": Nur der versteht Jesus richtig, der ihn ganz und gar in seinem Menschsein wahrnimmt. Nur wer glaubt, daß Gott auch die "letzten Winkel" des Menschseins angenommen hat, erlebt (schon jetzt ansatzhaft) das verheißene "ewige" Leben in Fülle. Die Eucharistie, so Johannes, vergegenwärtigt aber nicht nur die Versöhnung, die in der Menschwerdung Jesus geschehen ist. Durch die mehrfache Wiederholung des Wortes "Blut" wird auf den Tod Jesu angespielt, der als Hingabe für "das Leben der Welt" bezeichnet wird. Die Worte dieser Rede machen das Geheimnis der Eucharistie nicht begreiflicher, sondern verdeutlichen eher, daß sich seine Bedeutung unserem Zugriff entzieht und daß jede Erklärung die Tür zu einer neuen Frage auftut. Wer nach dem Lesen "nichts verstanden" hat und zu staunen beginnt, bei dem hat der Verfasser des Johannesevangeliums sein Ziel erreicht.


Das 6. Kapitel des Johannesevangeliums beginnt mit der Erzählung von der wunderbaren Speisung einer großen Volksmenge am See von Tiberias. Jesus gibt den Menschen, die ihm folgen, zu essen, daraufhin verfolgen sie ihn weiter. Aus dem Dialog mit den Leuten beginnt die sogenannte "Brotrede", in der sich Jesus als das Brot des Lebens offenbart. Vom Vater gesandt ist er Brot für das Leben des ganzen Kosmos. Die Reaktion der Zuhörer ist ablehnend: sie murren. Die Antwort des Evangelisten darauf ist der Verweis, daß der Zugang zu diesem Geheimnis nur im Glauben möglich ist: "Amen, amen, ich sage euch: Wer glaubt, hat das ewige Leben." (Joh 6,47) In Joh 6,51 wird von der Brotrede zur Eucharistierede übergeleitet. Anstatt wie bisher vom "Brot des Lebens" ist jetzt vom "lebendigen Brot" die Rede, was den Blick von der Person Jesus weg stärker auf das Brotsymbol lenkt. Auch in der Akzentverschiebung vom Brot, das vom Vater gegeben wird, hin zu dem Brot, in dem Jesus selbst sein Fleisch gibt, wird deutlich, daß sich hier die Abendmahlstradition durchsetzt. Schnittpunkt Eucharistie In der Eucharistierede Joh 6,52-59 ist eine verfestigte eucharistische Redeweise erkennbar, die auch Abhängigkeit von einem tradierten Einsetzungsbericht erkennen läßt. Anstelle von "Leib" verwendet Johannes "Fleisch", eine Klarstellung gegenüber Strömungen, die versuchten Leben und Tod Jesu und damit auch das Leben der Kirche in eine reine geistige Sphäre abzuschieben. Wie in der paulinischen Abendmahlstradition ist hier auch festgehalten, daß die Selbsthingabe Jesu für jemanden geschieht, in dieser Aussage: für das Leben des ganzen Kosmos. Die Abendmahlstradition und das johanneische Verständnis des Heilsgeschehens sind hier ganz eng verknüpft. Joh 6,52 berichtet von einem Streit, der durch ein Mißverständnis der eucharistischen Deuteworte "Das ist mein Leib - Das ist mein Blut" entstanden ist. Interessant ist, daß nicht versucht wird zu erklären, wie das gemeint ist, sondern daß das christliche Verständnis in unverminderter Schärfe wiederholt wird. Den Heilstod Jesu und seine Gegenwart in den Gaben von Brot und Wein kann nicht einmal ein Evangelist erklären, Johannes versucht es auch gar nicht. Der Schreiber des Johannesevangeliums geht davon aus, daß es sich dem, der sich auf den Glauben einläßt, ohnehin selbst erschließt. Derjenige, der dem christlichen Glauben ablehnend gegenübersteht, wird auch mit der größten Verstandesleistung keinen Zugang finden. Glaube ist im 4. Evangelium kein Wissen, das gelernt werden kann, sondern ein Prozeß, in den man einsteigen muß und der erst im Gelebtwerden seine Dynamik gewinnt. Mit der Entscheidung, sich auf das Glauben einzulassen, tritt der Mensch in den Bereich des Lebens ( griechisch: Zoé) ein, der über das bloß biologische Leben (griechisch: Bíos) hinaus reicht in das ewige Leben bei Gott, die Gemeinschaft mit Jesus Christus. Deutlichster Ausdruck dieses In-Gemeinschafttretens ist das Mahl. Im Essen der eucharistischen Gaben, des Leibes und Blutes Jesu, ist das nicht nur symbolisch angedeutet, sondern wird real vollzogen.