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15.11.2018

Lesungen 26.08.2018


1. Lesung vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Jos 24,1-2a. 15-17. 18b

Lesung aus dem Buch Josua:

In jenen Tagen versammelte Josua alle Stämme Israels in Sichem;
er rief die Ältesten Israels,
seine Oberhäupter, Richter und Listenführer zusammen,
und sie traten vor Gott hin.
Josua sagte zum ganzen Volk:
Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen,
dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt:
den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten,
oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt.
Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.
Das Volk antwortete:
Das sei uns fern, daß wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen.
Denn der Herr, unser Gott, war es,
der uns und unsere Väter aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat
und der vor unseren Augen alle die großen Wunder getan hat.
Er hat uns beschützt auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind,
und unter allen Völkern, durch deren Gebiet wir gezogen sind.
Auch wir wollen dem Herrn dienen; denn er ist unser Gott.



Josua, der Nachfolger des Mose, hat das Volk Israel nach der langen Wüstenwanderung über den Jordan in das "gelobte Land" geführt. Nach der Eroberung, Inbesitznahme und Landverteilung an die einzelnen Stämme steht Israel nun vor einem neuem Problem: Es wird mit den Göttern der teilweise noch verbliebenen Bewohner des Landes konfrontiert. Diese Götter versprechen anscheinend Glück und Wohlstand und werden die Israeliten immer wieder in Versuchung führen, ihrem Gott Jahwe untreu zu werden. In der Szene, die in der heutigen Lesung (gekürzt) geschildert wird, stellt Josua das Volk vor die Entscheidung. Der Ort Sichem ist in dieser Hinsicht geschichtsträchtig: Nach der Überlieferung erschien hier Jahwe dem Abraham, später vergrub hier Jakob die fremden Götter seines Clans. Jetzt ruft Josua (im ungekürzten Text dreimal) das Volk feierlich auf, sich zwischen seinem Herrn und den anderen Göttern zu entscheiden. Ebenso klar und eindeutig spricht sich das Volk für den Herrn aus. Der ausformulierte Wortwechsel zwischen Josua und dem Volk hebt hervor, dass es sich hier um eine freie Entscheidung handelt, die ebenso folgenschwer wie unwiderruflich ist. Als Lesung im Gottesdienst heute erinnert dieser Wortwechsel kirchlich Sozialisierte vielleicht an das liturgische Ritual der Tauferneuerung in der Osternacht. Auch hier werden die Gläubigen ausdrücklich und mehrfach gefragt und bekennen sich feierlich zu ihrem Gott. Das Volk Israel begründet seine Entscheidung mit den Erfahrungen, die es mit seinem Gott in der Vergangenheit gemacht hat: Es hat Gott als Befreier erlebt und auf seinem schwierigen Weg immer wieder seinen Schutz erfahren. So kann es sich von ganzem Herzen neu für seinen Herrn entscheiden. Ein solcher Rückblick auf die eigene Lebensgeschichte mit Gott bietet sich auch als Hinführung auf eine Erneuerung des Taufversprechens im einem Gottesdienst an. Das biblische Bild von Gott als einem Wegbegleiter besonders in Krisenzeiten spricht auch heute viele Menschen an. Und die Versuchung, sich beim "Sesshaftwerden" im Alltag an allzu viele Dinge wie an "Götter" zu binden, erfordert auch von Menschen heute immer wieder innezuhalten und sich neu bewusst für einen befreienden Gott zu entscheiden. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 7/2009. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2009. S. 13-27.


Nur in der gegenseitigen Hilfe einer homogenen Gemeinschaft kann nach dem erfolgreichen Weg aus Ägypten ins Gelobte Land die Landnahme und Sesshaftwerdung beginnen. Die verschiedenen Götter der Stämme des Landes sind eine Herausforderung. Ihnen werden unterschiedliche Gebets- und Opferpraktiken gewidmet. Wer daran teilnimmt, erfährt auch die verschiedenen Versprechen. Dagegen ruft Josua zur Einheit und Entschiedenheit auf. Die Treue zum Gott des Auszugs ist die Antwort des erwählten Volkes. Im Text der Lesung wird diese Antwort gegeben.


Das Buch Josua stellt einen Abschluß und einen Beginn dar. Josua ist der Nachfolger des Mose. Mose selbst kommt nicht mehr in das gelobte Land. Unter der Führung Josuas wird das "Gelobte Land" erobert, bzw. in Besitz genommen. Die Wanderung durch die Wüste findet somit den Abschluß. Der Neubeginn liegt im Sesshaftwerden der Stämme des Volkes Israel. Unserem Abschnitt ist die Verteilung des Landes auf die Stämme bereits vorausgegangen. Ein neues Problem steht an. Israel wird mit den Göttern der Bewohner des Landes, welche zuvor da waren, und bei der Eroberung nicht getötet, oder vertrieben wurden, konfrontiert. Josua stellt die Israeliten vor die Entscheidung: Entweder der Gott Israels, oder die Götter. Diese Versuchung wird die Geschichte Israels im gelobten Land immer prägen. Diese Götter versprechen anscheinend Glück und Wohlstand. Oft wird Israel dadurch in die Katastrofe schlittern. Es ist nicht so einfach für ein seßhaft gewordenes Volk an einem Gott der Wanderschaft festzuhalten. Josu greift bereits auf "das Erinnern an den Gott, der geführt hat", zurück.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Jos 24,1-18

Lesung aus dem Buch Josua:

Josua versammelte alle Stämme Israels in Sichem;
er rief die Ältesten Israels,
seine Oberhäupter, Richter und Listenführer zusammen,
und sie traten vor Gott hin.

Josua sagte zum ganzen Volk:
So spricht der Herr, der Gott Israels:
Jenseits des Stroms wohnten eure Väter von Urzeiten an
[Terach, der Vater Abrahams und der Vater Nahors]
und dienten anderen Göttern.
Da holte ich euren Vater, Abraham, von jenseits des Stroms
und ließ ihn durch das ganze Land Kanaan ziehen.
Ich schenkte ihm zahlreiche Nachkommenschaft und gab ihm Isaak.
Dem Isaak gab ich Jakob und Esau,
und ich verlieh Esau das Bergland Seïr, damit er es in Besitz nahm.
Jakob aber und seine Söhne zogen nach Ägypten hinab.
Dann sandte ich Mose und Aaron
und strafte Ägypten durch das, was ich in Ägypten tat.
Danach habe ich euch herausgeführt
Ich führte eure Väter heraus aus Ägypten,
und ihr seid ans Meer gekommen.
Die Ägypter aber verfolgten eure Väter mit Wagen und Pferden
bis zum Schilfmeer.
Da schrien eure Väter zum Herrn,
und er legte zwischen euch und die Ägypter eine Finsternis
und ließ das Meer über sie kommen, so daß es sie überflutete.
Mit eigenen Augen habt ihr gesehen, was ich in Ägypten getan habe.
Dann habt ihr euch lange in der Wüste aufgehalten.
Ich brachte euch in das Land der Amoriter,
die jenseits des Jordan wohnten.
Sie kämpften mit euch, aber ich gab sie in eure Gewalt;
ihr habt ihr Land in Besitz genommen,
und ich habe sie euretwegen vernichtet.
Dann erhob sich der König Balak von Moab, der Sohn Zippors,
und kämpfte gegen Israel.
Er schickte Boten zu Bileam, dem Sohn Beors,
und ließ ihn rufen, damit er euch verflucht.
Ich aber wollte keinen Fluch von Bileam hören.
Darum mußte er euch segnen, und ich rettete euch aus seiner Gewalt.
Dann habt ihr den Jordan durchschritten und seid nach Jericho gekommen;
die Bürger von Jericho kämpften gegen euch,
ebenso die Amoriter, die Perisiter, die Kanaaniter, die Hetiter, die Girgaschiter, die Hiwiter und die Jebusiter, und ich gab sie in eure Gewalt.
Ich habe Panik vor euch hergeschickt.
Sie trieb sie vor euch her [die beiden Könige der Amoriter];
das geschah nicht durch dein Schwert und deinen Bogen.
Ich gab euch ein Land, um das ihr euch nicht bemüht hattet,
und Städte, die ihr nicht erbaut hattet.
Ihr habt in ihnen gewohnt,
und ihr habt von Weinbergen und Ölbäumen gegessen,
die ihr nicht gepflanzt hattet.

Fürchtet also jetzt den Herrn,
und dient ihm in vollkommener Treue.
Schafft die Götter fort,
denen eure Väter jenseits des Stroms und in Ägypten gedient haben,
und dient dem Herrn!
Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen,
dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt:
den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten,
oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt.
Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen.

Das Volk antwortete:
Das sei uns fern, daß wir den Herrn verlassen und anderen Göttern dienen.
Denn der Herr, unser Gott, war es,
der uns und unsere Väter aus dem Sklavenhaus Ägypten herausgeführt hat
und der vor unseren Augen alle die großen Wunder getan hat.
Er hat uns beschützt auf dem ganzen Weg, den wir gegangen sind,
und unter allen Völkern, durch deren Gebiet wir gezogen sind.
Der Herr hat alle Völker vertrieben,
auch die Amoriter, die vor uns im Land wohnten.
Auch wir wollen dem Herrn dienen;
denn er ist unser Gott.


Antwortpsalm, 21. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 34,2-3. 16-23

R: Kostet und seht, wie gütig der Herr ist! – R

Ich will den Herrn allezeit preisen;
immer sei sein Lob in meinem Mund.
Meine Seele rühme sich des Herrn;
die Armen sollen es hören und sich freuen. - (R)

Die Augen des Herrn blicken auf die Gerechten,
seine Ohren hören ihr Schreien.
Das Antlitz des Herrn richtet sich gegen die Bösen,
um ihr Andenken von der Erde zu tilgen. - (R)

Schreien die Gerechten, so hört sie der Herr;
er entreißt sie all ihren Ängsten.
Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen,
er hilft denen auf, die zerknirscht sind. - (R)

Der Gerechte muss viel leiden,
doch allem wird der Herr ihn entreißen.
Er behütet all seine Glieder,
nicht eines von ihnen wird zerbrochen. - (R)

Den Frevler wird seine Bosheit töten;
wer den Gerechten hasst, muss es büßen.
Der Herr erlöst seine Knechte;
straflos bleibt, wer zu ihm sich flüchtet. – R  


2. Lesung vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Eph 5,21-32

Lesung aus dem Brief an die Epheser:

Schwestern und Brüder!
Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus.
Ihr Frauen ordnet euch euren Männern unter wie Christus, dem Herrn;
denn der Mann ist das Haupt der Frau,
wie auch Christus das Haupt der Kirche ist;
er hat sie gerettet, denn sie ist sein Leib.
Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet,
sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen.
Ihr Männer, liebt eure Frauen,
wie Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat,
um sie im Wasser und durch das Wort rein und heilig zu machen.
So will er die Kirche herrlich vor sich erscheinen lassen,
ohne Flecken, Falten oder andere Fehler;
heilig soll sie sein und makellos.
Darum sind die Männer verpflichtet,
ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib.
Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst.
Keiner hat je seinen eigenen Leib gehaßt,
sondern er nährt und pflegt ihn,
wie auch Christus die Kirche.
Denn wir sind Glieder seines Leibes.
Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen
und sich an seine Frau binden,
und die zwei werden ein Fleisch sein.
Dies ist ein tiefes Geheimnis;
ich beziehe es auf Christus und die Kirche.



Bei den meisten der heutigen Hörerinnen wird diese Lesung sofort Widerstände wecken: Der Aufruf an die Frauen, sich ihren Männern unterzuordnen, widerspricht dem heutigen Verständnis von Gleichberechtigung und Partnerschaft von Frau und Mann. Umso wichtiger ist es, den Entstehungshintergrund des Textes zu beachten: Der Epheserbrief erhebt im ersten Vers den Anspruch, ein von Paulus abgefasstes Schreiben an die Gemeinde in Ephesus zu sein. Dagegen spricht aber eine Reihe von Gründen. In wichtigen Handschriften fehlt die Ortsangabe "Ephesus", so dass es sich wohl eher um ein Rundschreiben mit allgemeiner Verwendung handelt. Formal ist der Text zwar wie ein Brief gestaltet, inhaltlich aber eher als theologische Abhandlung oder Predigt über die Kirche. Sprache, Stil, Theologie und die vorausgesetzte Gemeindestruktur unterscheiden sich stark von authentischen Paulusbriefen. Als Verfasser ist daher ein Paulusschüler zu vermuten, der gegen Ende des 1. Jh. im Namen des Apostels an Heidenchristen schrieb. Der vorliegende Lesungstext ist der erste Abschnitt einer "Haustafel", einer Zusammenstellung der gegenseitigen Verpflichtungen von Menschen, die in einer Hausgemeinschaft der Antike zusammenleben. Das sind neben den in der Lesung angesprochenen Frau und Mann Eltern und Kinder sowie Sklaven und Herren. Die literarische Form der Haustafel stammt aus der griechischen Philosophie und wurde bereits vom hellenistischen Judentum übernommen. Auch der Verfasser des Epheserbriefes greift auf diese Form und ihre überlieferten Inhalte zurück, betont aber das gegenseitige Verpflichtet- und Aufeinanderangewiesensein und begründet dieses aus dem christlichen Glauben. Eph 5,21 ist daher als eine Art Überschrift der folgenden Mahnungen zu verstehen: "Einer ordne sich dem anderen unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus." Die in der Antike selbstverständliche Unterordnung der (Ehe-)Frau unter ihren Mann wird vom Verfasser übernommen, aber mit der damals sehr ungewöhnlichen Mahnung an die Männer verbunden, ihre Frauen zu lieben. Auch hebt er die enge Zusammengehörigkeit von Mann und Frau hervor. Im letzten Vers der Lesung wird dieses liebevolle Verhältnis auf Christus und seine Kirche bezogen, die ja das zentrale Thema des Epheserbriefes darstellen. In ihrem Entstehungskontext betrachtet handelt es sich bei dieser Lesung also sogar um einen für die damalige Zeit "modernen" Text. Soll er heute im Gottesdienst gelesen werden, dann sind aber vorab Erläuterungen notwendig, damit es nicht zu Missverständnissen kommt. Um das Thema des Evangeliums und den roten Faden von der 1. Lesung zum Evangelium in Gottesdienst und Predigt besser zu entfalten, empfiehlt es sich allerdings, diese 2. Lesung mit ihrem ganz eigenen inhaltlichen Schwerpunkt wegzulassen. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 7/2009. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2009. S. 13-27.


Die Haustafeln sind ein Versuch, Leben zu regeln und die Regelung spirituell zu untermauern. Im heutigen Abschnitt geht es um die Vermischung von Kirchen- und Christusbild. Entsprechend ist der Vers Eph 5,32 am Ende der Schlüssel: "Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche." Er bildet die Klammer mit dem ersten Vers Eph 5,21: "Einer ordne sich dem anderen unter in der gemeinsamen Ehrfurcht vor Christus." Was sich zunächst mit Unterordnung wie ein Problem anhört, wird relativiert: Die Männer, denen sich die Frauen unterordnen sollen, sollen ihrerseits im Beispiel Christi dienen. Das ist dann nicht mehr Unterwerfung, sondern "Handeln auf Augenhöhe".


Der Epheserbrief fällt stilistisch aus der Reihe der Paulusbriefe. Dies und noch weitere Merkmale lassen vermuten, daß dieser Brief von einem Paulusschüler stammt. Sollte der Brief von Paulus verfaßt sein, dann hat er diesen Brief nicht an die Gemeinde von Ephesus geschrieben. In einigen guten Handschriften fehlt die Ortsangabe "Ephesus", was andeutet, daß dieses Schriftstück für eine eher allgemeine Verwendung gedacht war. Weiters ist festzustellen, daß dieses Schriftstück gar kein wirklicher Brief ist, sondern eine theologische Abhandlung. Der Brief ist ein Ringen mit Gegnern, welche sich jedoch nicht ausmachen lassen. Der für diesen Sonntag konkret gewählte Abschnitt, läßt die Besonderheit der Denkweise des Verfassers erkennen. Ein fest geprägtes Traditionsgut der Antike, eine "Haustafel", wird übernommen. Der Verfasser wurzelt in der antiken Sozialordnung, wenn er schreibt, die Frau habe sich dem Mann unterzuordnen. Sie kann keine öffentliche Stellung übernehmen. Diese Ordnung braucht vom Briefverfasser gar nicht begründet werden, denn diese ist in der Gesellschaft einfach vorgegeben, und wird folglich auf Christus und die Kirche hingedeutet, bzw. hinübergebogen. Die Verbindung zur Taufe wird gemacht, welche ziemlich gekünstelt wirkt. Die Schöpfungsgeschichte wird einbezogen, und doch: einmal ist die Kirche Braut, dann Frau. Dies gibt wiederum eine Störung im Bezug auf Mann. Über die Stelle hinauszugreifen, sprich weiterzulesen, ist interessant: Es folgen Ermahnungen an die Kinder und an die Sklaven. Die bestehende Gesellschaftsordnung wurde als gegeben hingenommen. Für die Urchristen existierte die Sklavenfrage nicht.


Ruf vor dem Evangelium, 21. Sonntag im Jahreskreis (B)
Joh 6,63b. 68c

Halleluja. Halleluja.
Deine Worte, Herr, sind Geist und Leben.
Du hast Worte des ewigen Lebens.
Halleluja.


Evangelium vom 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Joh 6,60-69

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes:

In jener Zeit sagten viele der Jünger Jesu, die ihm zuhörten:
Was er sagt, ist unerträglich. Wer kann das anhören?
Jesus erkannte, daß seine Jünger darüber murrten, und fragte sie:
daran nehmt ihr Anstoß?
Was werdet ihr sagen,
wenn ihr den Menschensohn hinaufsteigen seht,
dorthin wo er vorher war?
Der Geist ist es, der lebendig macht;
das Fleisch nützt nichts.
Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe,
sind Geist und sind Leben.
Aber es gibt unter euch einige die nicht glauben.
Jesus wußte nämlich von Anfang an, welche es waren,
die nicht glaubten, und wer ihn verraten würde.
Und er sagte: Deshalb habe ich zu euch gesagt:
Niemand kann zu mir kommen,
wenn es ihm nicht vom Vater gegeben ist.
Darauf zogen sich viele Jünger zurück
und wanderten nicht mehr mit ihm umher.
Da fragte Jesus die Zwölf:
Wollt auch ihr weggehen?
Simon Petrus antwortete ihm:
Herr, zu wem sollen wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens.
Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt:
Du bist der Heilige Gottes.



Die endgültige Fassung des Johannesevangelium entstand zu Beginn des 2. Jhdt. nach Chr. Der Verfasser betrachtet das Wirken Jesu daher aus zeitlicher Distanz und auf einem hohen Reflexionsniveau. Geprägt ist das Evangelium von Offenbarungsreden Jesu. Im Anschluss an eine solche Rede, die so genannte "Brotrede", spielt die im vorliegenden Textausschnitt beschriebene Szene von der Spaltung unter den Jüngern. Hintergrund hierfür ist die gemeindliche Situation zum Ende des ersten Jahrhunderts, die der Verfasser reflektiert: Christen wandten sich von der frühen Kirche ab, weil ihnen vieles nicht mehr einleuchtend, zumutbar und glaubwürdig erschien. Solche Situationen haben sich im Lauf der Kirchengeschichte immer wieder ereignet - bis heute. Gründe für den Kirchenaustritt heute finden viele Menschen genug: von der Kirchensteuer über den Vorwurf des Formalismus bis hin zu persönlichen Enttäuschungen und negativen Erfahrungen mit Vertretern der Kirche. Das alles erscheint "unerträglich" (Joh 6,60) und führt dazu, dass "viele... sich zurückziehen" (vgl. Joh 6,66). Da die Predigt im Gottesdienst sich aber an diejenigen wendet, die trotzdem gekommen sind, lohnt es sich, deren Beweggründen nachzugehen, die zur Entscheidung für Gottesdienst und darüber hinaus vielleicht für die Teilnahme am übrigen Gemeindeleben führen. Die Bandbreite der "guten Gründe" für den Gottesdienst reicht vom Sonntagsgebot, Totengedenken, bis zum Bedürfnis nach Besinnung und Impulsen für sich selbst. Diese unterschiedlichen Motivationen sollen nicht gegeneinander ausgespielt oder bewertet werden. Das Evangelium lenkt den Blick aber auf "Worte, die Geist und Leben sind" (Vers 63) als ausschlaggebenden Grund. Petrus, zusammen mit den verbliebenen Zwölf von Jesus ausdrücklich vor die Entscheidung gestellt, begründet so sein Bleiben: "Du hast Worte des ewigen Lebens" (Vers 68). "Worte des Lebens", die trösten, befreien, aufrichten, lebendig machen, erhofft sich mancher vom Gottesdienstbesuch, weil er dies schon früher erfahren hat: Ein Liedvers, Gebet, ein Symbol, ein Bibelwort oder Predigtgedanke hat vielleicht auch durch Krisenzeiten des Lebens getragen. Sich auf solche persönlichen "Worte des Lebens" zu besinnen und dafür zu danken, stärkt die Entscheidung für den Glauben, Gottesdienst und Kirche. Claudia Simonis-Hippel, in: Bernhard Krautter/Franz-Josef Ortkemper (Hg.), Gottes Volk Lesejahr B 7/2009. Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart 2009. S. 13-27.


Im letzten Teil der Brotrede kommt es zur Entscheidung. Am Anspruch Jesu, Brot und Wort des Lebens zu sein, ändert sich nichts. Also muss es auch zur Entscheidung kommen: Ja oder Nein. Die Zahlenverhältnisse zeigen an: Mehr Menschen ziehen sich zurück als dass die Menschen mitgehen. Der "heilige Rest" deutet sich an. Die besondere Situation des Judas wird bei Johannes nicht verschwiegen, gehört aber hier nicht mehr zum Evangelienabschnitt.


Sogar die Jünger nehmen Anstoß an Jesus. Darin liegt eine Gewichtung in der ausgewählten Perikope. Eine zweite besteht darin, daß die Jünger zu verkraften haben, daß an Jesus überhaupt Anstoß genommen wird. Der Anstoß liegt im Anspruch Jesu als Mensch Lebensmittler zwischen Gott und Menschen zu sein. Jesus gibt keine antwortende Erklärung auf das Murren ab, sondern stellt eine Frage: Was..., ...wenn der Menschensohn hinaufsteigt? Soll das Aufsteigen das Ärgernis mildern, oder verlangen Jesu Tod und Auferstehung nicht erst recht den Glauben? Letzendlich gilt es, das Wort gläubig anzunehmen. Jesus und die Jüngern, alle zusammen Juden, sind mit der Wirkmacht des Wortes vertraut. In den Schriften des Alten Testamentes ist das Wort Gottes, und dessen Wirkmacht Um und Auf.