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24.10.2018

Lesungen 30.09.2018


1. Lesung vom 26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Num 11,25-29
 

Lesung aus dem Buch Numeri:

In jenen Tagen
kam der Herr in der Wolke herab und redete mit Mose.
Er nahm etwas von dem Geist, der auf ihm ruhte,
und legte ihn auf die siebzig Ältesten.
Sobald der Geist auf ihnen ruhte,
gerieten sie in prophetische Verzückung, die kein Ende nahm.
Zwei Männer aber waren im Lager geblieben;
der eine hieß Eldad, der andere Medad.
Auch über sie war der Geist gekommen.
Sie standen in der Liste,
waren aber nicht zum Offenbarungszelt hinausgegangen.
Sie gerieten im Lager in prophetische Verzückung.
Ein junger Mann lief zu Mose und berichtete ihm:
Eldad und Medad sind im Lager in prophetische Verzückung geraten.
Da ergriff Josua, der Sohn Nuns,
der von Jugend an der Diener des Mose gewesen war,
das Wort und sagte:
Mose, mein Herr, hindere sie daran!
Doch Mose sagte zu ihm:
Willst du dich für mich ereifern?
Wenn nur das ganze Volk des Herrn zu Propheten würde,
wenn nur der Herr seinen Geist auf sie alle legte!



Das Buch Numeri ist der vierte Teil der Komposition der Pentateuch, "des fünfteiligen Buches Mose". Die jüdische Tradition benennt es nach dem ersten Wort bemidbar: "in der Wüste", in der griechisch/ lateinischen Tradition haben sich die Überschriften durchgesetzt, die den jeweiligen Inhalt angeben: ariqmoi / Numeri, d.h. Zahlen, Zählungen. Numeri erzählt den Aufbruch Israels vom Sinai nach der Gesetzgebung, die neuerliche Wanderung durch die Wüste, bis an die Grenze des Verheißenen Landes. Das Führungsteam Der erste Teil des Buches Numeri Num 1,1 - 10,10 setzt sich mit der neuen Ordnung des Gottesvolkes nach der Gesetzgebung auseinander. Danach bricht das Volk unter der Führung des Mose auf, um in das von Gott verheißene Land zu ziehen (Num 10,11ff). Aber schon nach drei Tagen beginnt das Volk wieder zu jammern und sich nach Ägypten zurückzusehnen so wie vor dem Bundesschluß. In dieser Situation wird es dem Mose zuviel und er klagt Gott: "Warum hast du deinen Knecht so schlecht behandelt, und warum habe ich nicht deine Gnade gefunden, daß du mir die Last mit diesem ganzen Volk auferlegst?" (Num 11,11). Die Antwort Gottes sind wieder Wachteln für das Volk und ein Leitungsteam von 70 Ältesten für Mose. Prophetie und Amt Die 70 Ältesten empfangen Gottes Geist, und damit werden die zu Richtern und Volksführern Bestimmten zu Propheten. Auch auf die beide Ältesten, die nicht mit den anderen zum Offenbarungszelt hinausgegangen waren, kam der Geist Gottes. Der Geist Gottes nimmt keine Rücksicht auf Ort und Zeit, menschliche Konventionen und fromme Vorstellungen, er wirkt dort, wo sich Menschen von ihm berühren lassen, auch mitten im Alltag. Als es darüber zur Diskussion kommt, vertritt Mose eine neue Sicht der Berufung des Volkes Israel: Alle sollen Gottes Geist empfangen. Das Gesetz allein bringt das Volk nicht zum Halten der Gebote, wie Israel gerade erst bewiesen hat, sondern das Gesetz muß im Herz des Menschen, in seiner Personsmitte verankert sein. Der Prophet Ezechiel formuliert diese Notwendigkeit einige Jahrhunderte später so: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch. Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, daß ihr meinen Gesetzen folgt und auf meine Gebote achtet und sie erfüllt. (Ez 36,26-27) Der Apostel Petrus sieht diesen Wunsch Mose, dessen Realisierung später auch als Zeichen für die messianische Endzeit galt, im Pfingstereignis erfüllt (Apg 2,16ff).


Antwortpsalm am 26. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 19,8. 10. 12-13. 4

R: Die Befehle des Herrn sind richtig;
sie erfreuen das Herz. – R


Die Weisung des Herrn ist vollkommen,
sie erquickt den Menschen.
Das Gesetz des Herrn ist verlässlich,
den Unwissenden macht es weise. - (R)

Die Furcht des Herrn ist rein,
sie besteht für immer.
Die Urteile des Herrn sind wahr,
gerecht sind sie alle. - (R)

Auch dein Knecht lässt sich von ihnen warnen;
wer sie beachtet, hat reichen Lohn.
Wer bemerkt seine eigenen Fehler?
Sprich mich frei von Schuld, die mir nicht bewusst ist! - (R)

Behüte deinen Knecht auch vor vermessenen Menschen;
sie sollen nicht über mich herrschen.
Dann bin ich ohne Makel
und rein von schwerer Schuld. - R


2. Lesung vom 26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Jak 5,1-6  

Lesung aus dem Jakobusbrief:

Ihr Reichen,
weint nur und klagt über das Elend, das euch treffen wird.
Euer Reichtum verfault,
und eure Kleider werden von Motten zerfressen.
Euer Gold und Silber verrostet;
ihr Rost wird als Zeuge gegen euch auftreten
und euer Fleisch verzehren wie Feuer.
Noch in den letzten Tagen sammelt ihr Schätze.
Aber der Lohn der Arbeiter, die eure Felder abgemäht haben,
der Lohn, den ihr ihnen vorenthalten habt,
schreit zum Himmel;
die Klagerufe derer, die eure Ernte eingebracht haben,
dringen zu den Ohren des Herrn der himmlischen Heere.
Ihr habt auf Erden ein üppiges und ausschweifendes Leben geführt,
und noch am Schlachttag habt ihr euer Herz gemästet.
Ihr habt den Gerechten verurteilt und umgebracht,
er aber leistete euch keinen Widerstand.



Der Jakobusbrief, der gegen Ende des ersten Jahrhunderts entstanden ist, ist kein Brief im eigentlichen Sinn, sondern eher eine Lehrschrift. Er hat viel traditionelles Gut, vor allem aus den weisheitlichen Schriften des Alten Testaments und dem Frühjudentum übernommen. Die lose aneinandergereihten Abschnitte haben paränetischen (ermahnenden, belehrenden) Charakter, so behandelt der Brief Glaube und Zweifel, Armut und Reichtum, Zorn. Die meist diskutierte Aussage betrifft das Verhältnis von Glaube und Werke. Im Gegensatz zu Paulus besteht der Jakobusbrief auf die Notwenigkeit der Werke. Im Unterschied zu Paulus handelt es sich aber nicht um "Werke des Gesetzes" sondern um Auswirkungen, Verlebendigungen des Glaubens durch Werke der Barmherzigkeit und der Nächstenliebe. In dieses Verständnis lassen sich auch die Warnungen an die "Reichen" einordnen. Auch in der Einstellung materiellen Dingen wird deutlich, ob der Glaube nur ein Etikett ist, oder ob er wirklich "gerecht" macht. Der Wohlhabende, der auf Kosten seiner Arbeiter und Untergebenen das Leben genießt, muß die Botschaft Jesu mißverstanden haben. Das gilt nicht nur für die Reichen damals, sondern auch die Lebenspraxis heutiger Christen, auch der Priester und Bischöfe, wird am Maßstab des Evangeliums gemessen werden. Wer unter dem Deckmäntelchen christlichen Glaubens materiellen Besitz, Macht und persönlichen Vorteil an die erste Stelle stellt, kann sich dem harten Urteil des Jakobusbriefes nicht entziehen.


Ruf vor dem Evangelium am 26. Sonntag im Jahreskreis (B)
(vgl. Joh 17,17) 

Halleluja. Halleluja.
Dein Wort, o Herr, ist Wahrheit;
heilige uns in der Wahrheit!
Halleluja.


Evangelium vom 26. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 9,38-43. 45. 47-48

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

In jener Zeit
sagte Johannes, einer der Zwölf, zu Jesus:
Meister, wir haben gesehen,
wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb;
und wir versuchten, ihn daran zu hindern,
weil er uns nicht nachfolgt.
Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht!
Keiner, der in meinem Namen Wunder tut,
kann so leicht schlecht von mir reden.
Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns.
Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt,
weil ihr zu Christus gehört -
amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.
Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt,
für den wäre es besser,
wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde.
Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab;
es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen,
als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen,
in das nie erlöschende Feuer.
Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab;
es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen,
als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden.
Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus;
es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen,
als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden,
wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt.



Das Markusevangelium ist nicht nur nach geographischen Gesichtspunkten gegliedert, sondern ein christologischer bestimmter Aufriß verläuft nahezu parallel. das Messiasgeheimnis wird in Mk 1,1 - 8,26 wird vor allem in den Wundererzählungen immer wieder unterstrichen. Erst ab 8,27 wird zunächst im Kreis der Jünger, dann vor dem Hohen Rat und schließlich in aller Öffentlichkeit unter dem Kreuz Jesus direkt als Gottessohn und Messias bezeichnet. Belehrung der Jünger Mk 8,27 bricht Jesus mit seinen Jüngern auf in Richtung Jerusalem. Zentral ist das Petrusbekenntnis (8,27-30), dem die erste Leidensweissagung folgt (8,31-33). Auch die Rede Jesu über Nachfolge und Selbstverleugnung (8,34-9,1) Erzählung der Verklärung Jesu unterstreichen die Kreuzestheologie als die eigentliche theologische Mitte des Markusevangeliums. Nach der zweiten Leidensankündigung (9,30-32) wird deutlich, daß die Jünger den Ernst der Situation immer noch nicht begriffen haben: sie streiten, wer der Größte unter ihnen sei. Nach der Belehrung spricht einer der Jünger ein anderes Problem an, das den Jüngern zu schaffen macht: Es gibt Wundertäter, die zwar im Namen Jesu heilen, aber nicht zur Gemeinschaft der Jünger gehört. Jesus weiß, daß die Macht seines Namens und seines Geistes weit über die sichtbare Nachfolgegemeinschaft hinausreicht. Die Jünger, und auch die Kirchen heute dürfen sich nicht einbilden, das Monopol auf Heil und Wundertaten zu haben. Verführung In aller Schärfe wenden sich die folgenden Worte gegen jede Bedrohung des Glaubens (Mk 9,42-48). Als Hilfe für das Verständnis dieser schwierigen Stelle wurde schon früh der Vers 48 hinzugefügt,den einige Handschriften gleich dreimal wiederholen ( Das erklärt das Fehlen der Verse 44 und 46. Der Vers 9,48 ist ein Zitat aus Jes 66,24. Der Schluß des Jesajabuches spricht von der Endzeit. Gott schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde, alle Völker werden ihn anbeten wie die Israeliten und dem nicht mehr endenden Gottesdienst der einen entspricht das endgültige Ausgeschlossensein derer, die sich selbst ausschließen wollten. In ihnen "wird der Wurm nicht sterben, und das Feuer niemals erlöschen". Dieses Zitat aus dem Jesajabuch gibt dem Markusabschnitt endzeitlichen Charakter und erklärt so die Schärfe der Aussagen. Es geht nicht um einzelne Sünden und Versuchungen sondern um die Grundoption. Doch schlägt nicht eine negative Grundoption mit einemmal in eine positive um und umgekehrt, sondern wie beim Gesetz der schiefen Ebene kann ein kleines Steinchen eine ganze Lawine ins Rollen bringen. Darum die Radikalität: kleine Gewohnheiten und Fehler auszumerzen ist schwierig und verlangt Konsequenz, aber wenn einmal eine Lawine zustandegekommen ist, kann man nur mehr schwer die Notbremse ziehen. Darum mahnt Jesus die Jünger rechtzeitig die Grenzen zu ziehen: "es ist besser ein Auge zu verlieren, als das (ewige) Leben". Denn die Strukturen des Bösen sind ähnlich wie eine Sucht. Für einen trockenen Alkoholiker ist es besser auf das kleinste Glas Wein zu verzichten, um nicht wieder in die Sucht abzurutschen. Der Abschnitt kann und will auch nicht aussagen, daß wir ab jetzt perfekte Menschen sein müssen, das wäre gar nicht möglich, aber er will uns in aller Radikalität daran erinnern, daß wir nicht die Augen verschließen dürfen vor den Strukturen des Bösen, die in uns und um uns herum am Werk sind.