Diese Webseite nutzt Cookies

Wir verwenden Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die Nutzung der Website sind Sie mit unseren Datenschutzbestimmungen einverstanden.> Mehr dazu

Schließen
24.10.2018

Lesungen 07.10.2018


1. Lesung des 27. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
Gen 2,18-24  

Lesung aus dem Buch Genesis:

Gott, der Herr, sprach:
Es ist nicht gut, daß der Mensch allein bleibt.
Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.
Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden
alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels
und führte sie dem Menschen zu,
um zu sehen, wie er sie benennen würde.
Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte,
so sollte es heißen.
Der Mensch gab Namen allem Vieh,
den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes.
Aber eine Hilfe, die dem Menschen entsprach, fand er nicht.
Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen,
so daß er einschlief,
nahm eine seiner Rippen und verschloß ihre Stelle mit Fleisch.
Gott, der Herr, baute aus der Rippe,
die er vom Menschen genommen hatte,
eine Frau und führte sie dem Menschen zu.
Und der Mensch sprach:
Das endlich ist Bein von meinem Bein
und Fleisch von meinem Fleisch.
Frau soll sie heißen;
denn vom Mann ist sie genommen.
Darum verläßt der Mann Vater und Mutter
und bindet sich an seine Frau,
und sie werden ein Fleisch.



Der Text der alttestamentlichen Lesung stammt aus dem zweiten Schöpfungsbericht der Bibel. Die Erzählung von der Menschenschöpfung bildet den Auftakt zu einer längeren Urgeschichte, die bis zur Sintfluterzählung reicht. Ob die mythische Vorstellung der Erschaffung der Frau aus der Rippe des Mannes eine Unterordnung der Frau unter den Mann oder aber die Ebenbürtigkeit von Mann und Frau ausdrücken soll, ist heute unter Theologen umstritten.


Die Lesung ist der jahwistischen Schöpfungserzählung entnommen, die der jüngeren priesterschriftlichen (Gen 1,1 - 2,4) im Kanon folgt. Es ist ein Spruch Jahwes: Es ist nicht gut, dass der Mensch (hier zunächst: Mann) allein bleibt. Aber was dann erzählt wird, stellt alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels als Geschöpfe vor, die ihre Namen vom - ersten - Menschen in Empfang nehmen. Das Recht, einen Namen zu finden und zu geben, hat Jahwe dem Menschen abgetreten und anvertraut. Die Namen sind nicht Dekor, sie beschreiben Wesen und Beziehungen, sie ordnen und gestalten die Schöpfung. Das ist die - erste - Aufgabe des Menschen, nicht einmal zeitlich eingegrenzt. Aber: die Hilfe, die Jahwe dem Menschen machen will, die ihm entspricht (Vers 18), ist in der nennbaren und beschreibbaren Schöpfung nicht zu finden. (Vers 20). Während Jahwe Tiere und Vögel aus dem Ackerboden formt - eine uralte Vorstellung, die die Schöpfung mit der Erde verbindet -, ist die Frau von Anfang an Teil des Mannes. Im Spruch des ersten Menschen (hier: Mann) heißt es denn auch verwundert: Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch. Spruch Jahwes (Vers 18) und Spruch des Menschen (Vers 23) rahmen die ganze Schöpfungsgeschichte, wie sie der Jahwist, zum Teil im Rückgriff auf altorientalische Quellen, erzählt. Die Erzählung endet, mit "darum" eingeleitet, in dem gemeinsamen Weg, den Mann und Frau gehen. Dabei bleibt die im Ursprung situierte Erfahrung, "ein Fleisch" zu sein, erhalten und hebt den (!) Menschen (nun als Mann und Frau) über die übrige Schöpfung hinaus. Das alte Bild, dass die Frau aus der Rippe des Mannes kommt, ist unter modernen Vorstellungen kaum nachzuvollziehen. Zur Geschichte gehört aber, dass Männer Machtansprüche aus der Schöpfung abgeleitet haben, die Frauen zu "Nicht-Männern" (wo-men) deklarierten und deklassierten. Die anvertraute Aufgabe, die Schöpfung zu benennen, verführte den Menschen (hier: Mann), sich eine Sonderstellung herauszunehmen, die unheilvolle Wirkungen entfaltet hat. Dagegen erzählt die Schöpfungsgeschichte, dass es den Menschen nur als Mann und Frau gibt, die ein Fleisch sind und - werden. Während in der jahwistischen Schöpfungserzählung Tiere und Vögel "ungeschlechtlich" vorkommen, wird der Mensch "unterschieden", um ihn aufeinander zu beziehen! Der Mensch ist in sich und aus sich und für sich Gemeinschaft. Es ist nicht nur nicht gut, dass der Mensch allein bleibt, sondern um des Menschen willen unmöglich. Was sich hinter der "Rippe" verbirgt, ist das größte Geschenk Gottes: Gott schafft den Menschen nach seinem Bild, er schafft ihn als Mann und Frau (so die priesterschriftliche Version in Gen. 1, 26f.) In dieser Perspektive ist die alte Schöpfungsgeschichte als ein sehr moderner Text noch zu entdecken.


Als 1. Lesung dieses Sonntags wird die 2. Hälfte der sog. zweiten Schöpfungserzählung vorgetragen: Die Erschaffung der Frau aus der Seite des Mannes. Aus diesem Text sind im Laufe der Jahrhunderte viele zum Teil verhängnisvolle Folgerungen abgeleitet worden, die sich bei genauem Hinsehen verbieten; etwa die Unterordnung der Frau unter den Mann. Es geht im 2. Kapitel des Genesisbuches nicht um die Erschaffung der Frau aus dem Mann. Zuerst erschafft Gott den Menschen - geschlechtlich noch nicht differenziert - aus der Erde. Der Verfasser gebraucht dabei das Wortspiel "adam" der Mensch und "adamah" die Erde. Als der Schöpfer sieht, daß es nicht gut für den Menschen ist, allein zu sein, formt er aus dem gleichen Material, aus dem er den Mensch geschaffen hatte, die Tiere. Der Mensch benennt sie, d.h. er begriff ihr Wesen und drückt dieses in deren Namen aus. Dabei muß er aber erkennen, daß ihm keines ein ebenbürtiges Gegenüber sein kann. Daraufhin erschafft Gott dem Menschen aus "Baumaterial", das dem Menschen entnommen ist, die Frau. Sie ist fähig, dem Menschen ein Gegenüber und eine Hilfe zu sein. Dabei ist zu beachten, daß diese Hilfe nicht im Sinne einer Unterstützung gedacht ist. Der Verfasser verwendet dafür die gleiche Wortform, die auch für die Hilfestellung, die Gott dem Menschen in existenziellen Nöten zuteil werden läßt, verwendet wird. Es verbietet sich, aus dem Wort Hilfe einen Vorrang des Mannes gegenüber der Frau abzuleiten. Die Erzählung beschreibt in einem Bild die geschlechtliche Differenzierung zwischen Mann und Frau und erklärt auf diese Weise, daß es beide zueinander zieht, um ein Fleisch zu werden. Alle weitergehenden Schlußfolgerungen sind zu hinterfragen, ob sie dem Text standhalten. Diese Erzählung darf nicht mißbraucht werden, um gesellschaftliche Verhältnisse wie etwa die Unterordnung der Frau unter den Mann zu legitimieren. Auch wird man sich hüten müssen, aus diesem Text weitergehende Rückschlüsse für die Institutionenen Ehe und Familie zu ziehen. Es ist schade, daß in der liturgischen Leseordnung der letzte Vers des Kapitels weggelassen wurde: "Beide, der Mensch und seine Frau, waren nackt, aber sie schämten sich nicht voreinander." Dieser Satz weiß um die ursprüngliche und grundsätzlich mögliche Vertrautheit zwischen zwei Menschen und die Möglichkeit der ungebrochenen Harmonie zwischen ihnen.


Erweiterte Fassung der
1. Lesung des 27. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
Gen 2,18-25  

Lesung aus dem Buch Genesis:

Gott, der Herr, sprach:
Es ist nicht gut, daß der Mensch allein bleibt.
Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm entspricht.
Gott, der Herr, formte aus dem Ackerboden
alle Tiere des Feldes und alle Vögel des Himmels
und führte sie dem Menschen zu,
um zu sehen, wie er sie benennen würde.
Und wie der Mensch jedes lebendige Wesen benannte,
so sollte es heißen.
Der Mensch gab Namen allem Vieh,
den Vögeln des Himmels und allen Tieren des Feldes.
Aber eine Hilfe, die dem Menschen entsprach, fand er nicht.
Da ließ Gott, der Herr, einen tiefen Schlaf auf den Menschen fallen,
so daß er einschlief,
nahm eine seiner Rippen und verschloß ihre Stelle mit Fleisch.
Gott, der Herr, baute aus der Rippe,
die er vom Menschen genommen hatte,
eine Frau und führte sie dem Menschen zu.
Und der Mensch sprach:
Das endlich ist Bein von meinem Bein
und Fleisch von meinem Fleisch.
Frau soll sie heißen;
denn vom Mann ist sie genommen.
Darum verläßt der Mann Vater und Mutter
und bindet sich an seine Frau,
und sie werden ein Fleisch.
Beide, Adam und seine Frau, waren nackt,
aber sie schämten sich nicht voreinander.


Antwortpsalm am 27. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 128,1-6

R: Der Herr segne uns alle Tage unseres Lebens. – R

Woh1 dem Mann, der den Herrn fürchtet und ehrt
und der auf seinen Wegen geht!
Was deine Hände erwarben, kannst du genießen,
wohl dir, es wird dir gut ergehn. - (R)

Wie ein fruchtbarer Weinstock ist deine Frau
drinnen in deinem Haus.
Wie junge Ölbäume sind deine Kinder
rings um deinen Tisch. - (R)

So wird der Mann gesegnet, der den Herrn fürchtet und ehrt.
Es segne dich der Herr vom Zion her.
Du sollst dein Leben lang das Glück Jerusalems schauen
und die Kinder deiner Kinder sehen.
Frieden über Israel! – R


2. Lesung des 27. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
Hebr 2,9-11

Lesung aus den Hebräerbrief:

Schwestern und Brüder!
Den, der nur für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt war,
Jesus,
ihn sehen wir um seines Todesleidens willen
mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt;
es war nämlich Gottes gnädiger Wille,
daß er für alle den Tod erlitt.
Denn es war angemessen,
daß Gott, für den und durch den das All ist
und der viele Söhne zur Herrlichkeit führen wollte,
den Urheber ihres Heils durch Leiden vollendete.
Denn er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden,
stammen alle von Einem ab;
darum scheut er sich nicht,
sie Brüder zu nennen.



An diesem und an den kommenden Sonntagen ist die zweite Lesung dem Hebräerbrief entnommen. Die literarische und theologische Besonderheit dieser Schrift besteht darin, dass sie um ein einziges Thema kreist: Christus, der wahre Hohepriester. Der Lesungstext steht mitten in einem Abschnitt, der das Ostergeschehen von Kreuz und Auferstehung deutet und dem man den Titel geben könnte: "Die Erhöhung des Erniedrigten und Getöteten zum himmlischen Hohenpriester".


Die Lesung führt uns in die Christologie des Hebräerbriefes: Um seines Todesleidens willen ist Jesus mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt. Es war Gottes gnädiger Wille, dass er für alle den Tod erlitt. Es heißt sogar, dass Gott den Urheber des Heils durch Leiden vollendete. Die Schlussfolgerung ist, Jesus und die vielen Söhne (wo sind die Töchter?) aufeinander zu beziehen. Er, der heiligt, und sie, die geheiligt werden, stammen alle von Einem ab: gemeint ist Gott. Jesus scheut sich darum nicht, die, die er heiligt, Brüder (und Schwestern) zu nennen. Auffällig ist, dass das Bild, das von Jesus gezeichnet wird, ihn von den Engeln abhebt, nicht aber von den "Brüdern".


Die 2. Lesung ist dem Brief an die Hebräer entnommen. Sie ist der erste Abschnitt einer 7-teiligen Auswahl aus diesem Schreiben, die an diesem und den folgenden Sonntagen bis zum Ende des Kirchenjahres gelesen werden. Der Hebräerbrief ist bemüht, das Christus-Geheimnis einer Gemeinde zu erschließen, die von der alttestamentlichen jüdischen Überlieferung geprägt ist. Immer wieder nimmt er alttestamentliche Zitate und Anschaungen zum Ausgangspunkt seiner Darlegungen. Die Gemeinde, an die der Brief gerichtet ist, lebt in großer Bedrängnis (wie wohl alle christlichen Gemeinden am Ende des ersten christlichen Jahrhunderts). Der Verfasser möchte seinen Adressaten Mut zusprechen, im Glauben standzuhalten. In den unserem Text vorausgehenden Versen 6 bis 8 zitiert der Verfasser den Psalm 8, um daran anzuknüpfen und seine Theologie der Verherrlichung um des Todesleidens willen entfalten zu können. Dieser Weg durch Leiden zu Herrlichkeit, den Jesus vorasugegangen ist, soll den Empfängern des Briefes Mut machen, ihre Leiden auszuhalten, damit auch sie durch Leiden vollendet werden wie der Urheber ihres Heiles.


Erweiterte Fassung der
2. Lesung des 27. Sonntags im Jahreskreis, Lesejahr B:
Hebr 2,5-18

Lesung aus dem Hebräerbrief:

Denn nicht Engeln hat er die zukünftige Welt unterworfen, von der wir reden,
vielmehr (dem Sohn, darum) heißt es an einer Stelle ausdrücklich:
    Was ist der Mensch, daß du an ihn denkst,
    oder der Menschensohn, daß du dich seiner annimmst?
    Du hast ihn nur für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt.
    Du hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt,
    alles hast du ihm zu Füßen gelegt.
Denn als er ihm alles zu Füßen legte,
hat er nichts von der Unterwerfung ausgenommen.
Jetzt sehen wir noch nicht alles ihm zu Füßen gelegt;
aber den, der nur für kurze Zeit unter die Engel erniedrigt war,
Jesus,
ihn sehen wir um seines Todesleidens willen
mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt;
es war nämlich Gottes gnädiger Wille,
daß er für alle den Tod erlitt.
Denn es war angemessen,
daß Gott, für den und durch den das All ist
und der viele Söhne zur Herrlichkeit führen wollte,
den Urheber ihres Heils durch Leiden vollendete.
Denn er, der heiligt,
und sie, die geheiligt werden,
stammen alle von Einem ab;
darum scheut er sich nicht, sie Brüder zu nennen
und zu sagen:
Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden,
inmitten der Gemeinde dich preisen; 
und ferner:
Ich will auf ihn mein Vertrauen setzen;
und:
Seht, ich und die Kinder, die Gott mir geschenkt hat. 
Da nun die Kinder Menschen von Fleisch und Blut sind,
hat auch er in gleicher Weise Fleisch und Blut angenommen,
um durch seinen Tod den zu entmachten,
der die Gewalt über den Tod hat,
nämlich den Teufel, 
und um die zu befreien,
die durch die Furcht vor dem Tod
ihr Leben lang der Knechtschaft verfallen waren. 
Denn er nimmt sich keineswegs der Engel an,
sondern der Nachkommen Abrahams nimmt er sich an. 
Darum mußte er in allem seinen Brüdern gleich sein,
um ein barmherziger und treuer Hoherpriester vor Gott zu sein
und die Sünden des Volkes zu sühnen. 
Denn da er selbst in Versuchung geführt wurde und gelitten hat,
kann er denen helfen, die in Versuchung geführt werden.


Ruf vor dem Evangelium am 27. Sonntag im Jahreskreis (B)
1 Joh 4,12b

Halleluja. Halleluja.
Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns,
und seine Liebe ist in uns vollendet.
Halleluja.


Evangelium des 27. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 10,2-16

Aus dem hl. Evangelium nach Markus:

In jener Zeit
kamen Pharisäer zu Jesus und fragten:
Darf ein Mann seine Frau aus der Ehe entlassen?
Damit wollten sie ihm eine Falle stellen.
Er antwortete ihnen:
Was hat euch Mose vorgeschrieben?
Sie sagten:
Mose hat erlaubt, eine Scheidungsurkunde auszustellen
und die Frau aus der Ehe zu entlassen.
Jesus entgegnete ihnen:
Nur weil ihr so hartherzig seid,
hat er euch dieses Gebot gegeben.
Am Anfang der Schöpfung aber hat Gott sie als Mann und Frau geschaffen.
Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen,
und die zwei werden ein Fleisch sein.
Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins.
Was aber Gott verbunden hat,
das darf der Mensch nicht trennen.
Zu Hause befragten ihn die Jünger noch einmal darüber.
Er antwortete ihnen:
Wer seine Frau aus der Ehe entläßt
und eine andere heiratet,
begeht ihr gegenüber Ehebruch.
Auch eine Frau begeht Ehebruch,
wenn sie ihren Mann aus der Ehe entläßt
und einen anderen heiratet.
Da brachte man Kinder zu ihm,
damit er ihnen die Hände auflegte.
Die Jünger aber wiesen die Leute schroff ab.
Als Jesus das sah,
wurde er unwillig und sagte zu ihnen:
Laßt die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht daran!
Denn Menschen wie ihnen gehört das Reich Gottes.
Amen, das sage ich euch:
Wer das Reich Gottes nicht so annimmt, wie ein Kind,
der wird nicht hineinkommen.
Und er nahm die Kinder in seine Arme;
dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie.



Der vorliegende Text lässt sich in drei Teile aufteilen: das Pharisäergespräch, das Lehrgespräch unter den Jüngern, die Begegnung mit den Kindern. Es lässt sich vermuten, dass der Evangelist diese Begegnung skizzierte, weil in den frühen Christengemeinden Menschen lebten, die als Judenchristen an der Haltung der Pharisäer festhielten und damit das Gesetz des Mose höher achteten als das Liebesgebot Jesu. Jesus will nun aufzeigen, dass die vereinten Menschen als Paar Gottes Ebendbilder sind und ihre Beziehung Abbild der Liebe Gottes zu den Menschen. Diese Beziehung ist eben mehr als eine Abmachung, wie sie die 'Ketubba', der jüdische Ehevertrag, darstellt. Diesen Vertrag einfach aufzukündigen, wie es das Gesetz des Mose - wenn auch unter der verpflichteten Angabe von Gründen - ermöglichte, verhindert den Aufbau des Reiches Gottes, zu dem Jesus unterwegs war. Gleichsam wie eine natürliche Folge reiht sich an das Thema "Partnerschaft" das Thema "Kinder" an. In der Kinderszene sind allerdings die Betroffenen anwesend: Die Kinder sind Zeugen der Auseinandersetzung. Daher werden sie auch eingebunden: Es gibt nicht nur Worte über sie, sondern auch einen (Segens-)Gestus für sie. Die Kinder, welche die Worte Jesu nicht verstehen konnten, sollten zumindest spüren, was der Gottessohn meinte. Jesus macht die Kinder zum Beispiel des idealen Gottesreich-Zeugen: offen für das, was kommt, frei von eigenen Interessen, im besten Sinn naiv.


Mk. 10 ist ein "urkirchlicher" Katechismus. Die beiden Szenen, die erzählerisch vorgestellt werden, widmen sich dem Scheidungsthema und der Bedeutung der Kinder. Ehe und Familie werden im Evangelium begründet. Eine (!) pharisäische Position (es gab auch andere) sah in der Scheidung das Zugeständnis, eine Ehe rechtlich geordnet wieder aufzuheben. Markus erzählt zwar von einer Falle, die Jesus gestellt werden soll, versteckt aber nicht, dass sich in der Begebenheit auch die - streitige - Loslösung von der jüdischen Überlieferung zeigt; Jesus hebt sich von Mose ab. Für Jesus ist eine Scheidung schon deswegen nicht möglich, weil Gott zwei Menschen (wörtlich) "in ein Joch gespannt" hat. Im Hintergrund ist die Schöpfungsgeschichte wahrnehmbar (1. Lesung). Zur Auslegungsgeschichte gehört auch, individuelle Erfahrungen mit "Ehe" und gesellschaftliche Entwicklungen angemessen einzubeziehen. Es ist - auch bei Scheidunsgsziffern, die eine überaus deutliche Sprache sprechen - eine Chance, menschliche Geschichten (und auch Leidensgeschichten) als Schöpfungsgeschichten zu erzählen. Eine detaillierte Auslegung von Mk. 10,2-12 ist zu finden unter: http://www.perikopen.de/Lesejahr_B/27_iJ_B_Mk10_2-12_Kampling.pdf Im zweiten Teil der Lesung wird die Segnung der Kinder überliefert. Über die ursprüngliche Bitte der Mütter hinaus wird im Evangelium das Jesus-Wort anschaulich, dass (nur) Kinder das Reich Gottes erben. Jesus nimmt die Kinder in seine Arme, legt ihnen die Hände auf und segnet sie. Diese Hochschätzung der Kinder hebt sich von antiken Vorstellungen ab, ist aber eine Herausforderung für alle "Großen" geblieben. In dieser kleinen Episode wird deutlich, dass das Reich Gottes nicht gemacht, sondern (nur) in Empfang genommen werden kann. Beide Teile - die Frage nach der Scheidung wie die Bitte, Kinder zu segnen - zeigen, ohne Kontroversen auszublenden, wie sich christliche Standpunkte herausbilden und begründet werden können.


Das Evangelium dieses Sonntags umfaßt die ersten beiden Abschnitte einer dreigliedrigen Komposition aus dem Markusevangelium. Eingeleitet wird diese Komposition mit dem Hinweis auf den Aufbruch Jesu nach Jerusalem (10,1), abgeschlossen durch die 3. Ankündigung, daß der Messias einen Weg des Leidens zu gehen habe. Der zwischen diesen beiden redaktionellen Hinweisen liegende Inhalt erhält damit den Charakter eines letzten und wichtigen Vermächtnisses Jesu. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie es Christen mit der Ehe zu halten haben, welche Stellung Kinder in der Gemeinde genießen und mit der Frage nach dem Reichtum und dem Reich Gottes (10,17-31). Die erste Frage entzündet sich an einem Streitgespräch mit Pharisäern. Bereits die Fragestellung zielt auf die Antwort Jesu ab. Üblich war die Diskussion, welche Gründe eine Ehescheidung rechtfertigen. Jesus will aber diese Frage grundsätzlicher angehen. Für ihn geht es um die personale Einheit zwischen Mann und Frau. Diese ist in der Schöpfung grundgelegt. Jede Verschiebung der personalen Beziehung auf die Ebene von Recht und Gesetz ist bereits ein Abweichen von der ursprünglichen Ordnung. Im Hintergrund steht die Ausseinandersetzung zwischen Christen und der jüdischen, bzw. der römischen Tradition um die Verbindlichkeit der Ehe. Während Juden und Römer eine juridische Auflösung des Eheversprechens kennen, führen Jesus und der Evangelist Markus die Ehe radikal auf die personale Beziehung und die darin zu erwartende persönliche Erfüllung zurück und verbieten jede Auflösung dieser personalen Gemeinschaft. Interessant ist bei Markus, daß er Jesu Kritik an den jüdischen Gepflogenheiten, wo der Mann die Frau entlassen konnte aber nicht die Frau den Mann, auch auf römische Verhältnisse, wo auch die Frau den Mann wegschicken konnte, ausweitete. Auf den ersten Blick zusammenhanglos mit der Frage der Ehescheidung erscheint die zweite hier abgehandelte Frage nach dem Stellenwert des Kindes. Bei den Juden galten die Kinder vor ihrer Geschlechtsreife als unfertige Menschen und wurden daher als Personen (noch) nicht ernstgenommen, da sie das Gesetz noch nicht befolgen und demnach noch keine guten Werke vollbringen konnten. Die Jünger weisen die Kinder und ihre Belgeitpersonen ab. Sie handeln nach jüdischer Tradition. Jesus hingegen, und mit ihm auch die christliche Gemeinde, nimmt die Kinder als Personen ernst. Denn das Reich Gottes ist Geschenk Gottes, das nicht durch Werke verdient werden kann. Eine Zurücksetzung der Kinder findet in der christlichen Gemeinde ebensowenig Platz wie eine Zurücksetzung der Frauen. - Oder?