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15.11.2018

Lesungen 28.10.2018


1. Lesung des 30. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Jer 31,7-9  
 

Lesung aus dem Buch Jeremia:  

So spricht der Herr:
Jubelt Jakob voll Freude zu,
und jauchzt über das Haupt der Völker!
Verkündet, lobsingt und sagt:
Der Herr hat sein Volk gerettet, d
en Rest Israels.
Seht, ich bringe sie heim aus dem Nordland
und sammle sie von den Enden der Erde,
darunter Blinde und Lahme,
Schwangere und Wöchnerinnen;
als große Gemeinde kehren sie hierher zurück.
Weinend kommen sie,
und tröstend geleite ich sie.
Ich führe sie an wasserführende Bäche,
auf einen ebenen Weg, wo sie nicht straucheln.
Denn ich bin Israels Vater,
und Efraim ist mein erstgeborener Sohn.



Mit dem Propheten Jeremia verbinden sich eher dunkle Worte und Unheilserfahrungen. In der vorliegenden Passage drückt Jeremia seine Sehnsucht aus: Eine Erneuerung des Volkes, weil es sich seinem Gott zuwendet. Der Weg mit aller Trauer ist der erste Schritt, auf den Gott mit seinem Weg des Neubeginns antwortet. Das Volk kann und soll einstimmen. Es ist eine Trostaussage, die auch als solche zu lesen ist: Die Not wird beschrieben und anerkannt, aber ihr wird auch der Ausweg angeboten. Der Ausweg heißt aufrichtige Begegnung.


Das vierzigjährige Wirken des Jeremia fällt in eine politisch und religiös sehr bewegte Zeit. Unter König Josija (639-609) werden religiöse und politische Hoffnungen neu belebt: Deuteronomische Reform 621, Erneuerung des Jahwe-Glaubens. Politische Versuche, Samaria und Galiläa in ein wiederhergestelltes Reich David zurückzuführen, Hoffnung auf die Rückkehr der 721 in assyrische Gefangenschaft Deportierten. Alle Erwartungen werden zunichte mit dem Tode des Königs 609 im Kampf gegen die Ägypter bei Megiddo. 605 bringt Nebukadnezar Palästina unter seine Herrschaft. König Jojakim (608-598) ist von ihm abhängig, intrigiert mit Ägypten gegen Babylonien, was 597 zur Belagerung Jerusalems und zur 1. Deportation führt. König Zedekia (597-587), von Nebukadnezar eingesetzt, kann nicht verhindern, daß Jerusalem 587 belagert und zerstört wird. 2. Deportation. Judäa ist babylonische Provinz. Den Jeremia verschleppt man nach Ägypten. Zum Text: Vers 7: "Denn so spricht Jahwe": ist Anfang eines neuen Spruchs, gleichzeitig aber auch die Verbindung mit Vers 6. Dort rufen Wächter auf dem Gebirge Ephraim (Nordreich) auf zur festlichen Wallfahrt nach Jerusalem. Der Gedanke der religiösen (und politischen) Enheit steht dahinter: Zion wird wieder Mittelpunkt für danz Israel (Nord- und Südreich) sein. Die kultisch-liturgiesche Vorstellung klingt in V 7 weiter: Aufforderung zum Jauchzen, Jubel und gottesdienstlichem Bekenntnis. Der Jubel mündet in das Bekenntnis: "Jahwe hat sein Volk gerettet, den Rest Israels." Die Vorstellung vom "Rest" ist politisch-militärischer Herkunft (von besiegten Völkern bleibt ein Rest übrig), wird aber mehr und mehr bei Amos, bei Jeremia, Deuterojesaja und Ezechiel zu einem festen Terminus mit messianisch-eschatologischen Erwartungen verbunden: Mitten im Zusammenbruch erweist sich Gott darin am Werk, daß überhaupt ein Rest übrigbleibt, den Gott zu einem neuen Anfang in der Geschichte seines Heils ausersehen hat. Vers 8: Mit der Restvorstellung ist meist auch das "Sammeln der Zerstreuten" verbunden. Nicht nur aus dem Exilland, sondern von allen Seiten, aus allen Ländern führt Jahwe die Zerstreuten heim: ein ergreifender Ausdruck für seine unwiderstehliche rettende Tat, die keinen übersieht, mag er in die fernsten Winkel der Erde verschlagen worden sein und keinen zurückläßt, auch nicht diejenigen, die zu allen Zeiten und überall den "Fortschritt" behindern: Blinde, Lahme, Schwangere etc - die "unproduktiven" Gruppen der Gesellschaft. Eschatologisches Heil und menschenmögliche reale, sozialpolitische Hoffnung sind hier fast unzertrennlich verbunden. Vers 9: Unter Jahwes Geleit wird das neue Heil erfahren als die große Schicksalswende, in Bildern ausgedrückt, die stark an die Psalmen erinnern. Grund und Gewähr für den Erfolg auf diesem Weg liegen allein darin, daß man erfährt und erkennt: "Ich (der Herr) bin Israels Vater". Gottes erbarmende Liebe und väterliche Sorge machen Umkehr und Schicksalswende möglich.


Antwortpsalm am 30. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 126, 1-6

R: Großes hat der Herr an uns getan.
Da waren wir fröhlich. – R

Als der Herr das Los der Gefangenschaft Zions wendete,
da waren wir alle wie Träumende.
Da war unser Mund voll Lachen
und unsere Zunge voll Jubel. - (R)

Da sagte man unter den andern Völkern:
„Der Herr hat an ihnen Großes getan.“
Ja, Großes hat der Herr an uns getan.
Da waren wir, fröhlich. - (R)

Wende doch, Herr, unser Geschick,
wie du versiegte Bäche wieder füllst im Südland.
Die mit Tränen säen;
werden mit Jubel ernten. - (R)

Sie gehen hin unter Tränen
und tragen den Samen zur Aussaat.
Sie kommen wieder mit Jubel
und bringen ihre Garben ein. R


2. Lesung des 30. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Hebr 5,1-6

Lesung aus dem Hebräerbrief:

Jeder Hohepriester wird aus den Menschen ausgewählt
und für die Menschen eingesetzt zum Dienst vor Gott,
um Gaben und Opfer für die Sünden darzubringen.
Er ist fähig, für die Unwissenden und Irrenden Verständnis aufzubringen,
da auch er der Schwachheit unterworfen ist;
deshalb muß er für sich selbst ebenso wie für das Volk Sündopfer darbringen.
Und keiner nimmt sich eigenmächtig diese Würde,
sondern er wird von Gott berufen, so wie Aaron.
So hat auch Christus sich nicht selbst
die Würde eines Hohenpriesters verliehen,
sondern der, der zu ihm gesprochen hat:
Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt,
wie er auch an anderer Stelle sagt:
Du bist Priester auf ewig nach der Ordnung Melchisedeks.



Bekanntes wird mit Neuem verbunden, um das Neue begreifbar zu machen. Über die Aufgaben des Hohepriesters wussten die Menschen Bescheid. Das Opfer für sich und die ihm anvertrauten Menschen. Bei Christus war es anders: Er konnte mit seinem Dienst ganz bei den ihm Anvertrauten sein. Diesen Dienst tut er im Auftrag Gottes. Letztlich hat Gott die Menschen seinem Sohn anvertraut.


V 1-2: Der Hohepriester ist "aus Menschen genommen" und "für Menschen bestellt". Es werden einige Voraussetzungen und Funktionen genannt, die für jeden Hohenpriester zutreffen müssen: Er muß ein Mensch sein, muß mit unseren Schwächen mitfühlen können, mitfühlen mit den Unwissenden und Irrenden. Er muß solidarisch sein mit der Menschheit. Er hat die besondere Aufgabe, die Beziehung der Menschen zu Gott für diese Menschen zu ordnen. Er vertritt das Volk vor Gott. V 3-4: Infolge der Sünden ist diese Beziehung nicht "in Ordnung". Der Hohepriester muß deshalb Gaben und Opfer für die Sünden darbringen, für die des ganzen Volkes sowie für die eigenen Sünden. Der Hohepriester kann sich seine Würde nicht selbst geben, sondern erhält sie von Gott. Das levitische Priestertum kann aber die Sünde nicht beseitigen. Es kann keine volle und dauernde Gemeinschaft mit Gott bewirken. Das Schuldbewußtsein bleibt und ruft nach immer neuen Sühneopfern. Es fehlt letztlich der Charakter der Ewigkeit: ein Hoherpriester für immer; keine ständige Wiederholung des Opfers, sondern ein Opfer "ein für allemal", eine endgültige Reinigung. V 5-6: Dieser Hohepriester ist "Jesus, der Sohn Gottes". Er ist dieser ewige und erhabene Hohepriester. Er erfüllt die Voraussetzungen: Aus Menschen genommen; für die Menschen bestellt, um Opfer darzubringen; er kann mitfühlen mit unseren Schwächen; er ist selbst versucht worden, aber ohne Sünde; er ist von Gott selbst berufen. Zugleich beseitigt er die Mängel im Alten Bund: Gott hat ihn ein für allemal zum Priesteramt bestellt. Die irdische Liturgie verliert ihren Charakter der Vorläufigkeit. Jesus hat durch seinen Tod ein für allemal Erlösung gebracht. Durch seine Selbsthingabe hat er für sein Volk und für alle Menschen Sühne, Vergebung und Heiligung bewirkt. Das Priestertum Christi ist ein Realität, die auf göttlicher Berufung gründet. Damit ist das alttestamentliche Priestertum endgültig abgeschafft. Christus überbietet und vollendet jedes frühere Priestertum. Weil Christus Gottes Sohn ist, hat Christus das Priestertum gleichsam von Gott geerbt, der ihn als seinen Sohn gezeugt hat.


Ruf vor dem Evangelium am 30. Sonntag imJahreskreis (B)
Vgl. 2 Tim 1,10


Halleluja. Halleluja.
Unser Retter Jesus Christus hat dem Tod die Macht genommen
und uns das Licht des Lebens gebracht durch das Evangelium.
Halleluja.


Evangelium des 30. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 10,46-52

Aus dem Heiligen Evangelium nach Markus:

In jener Zeit,
als Jesus mit seinen Jüngern
und einer großen Menschenmenge Jericho wieder verließ,
saß an der Straße ein blinder Bettler,
Bartimäus, der Sohn des Timäus.
Sobald er hörte, daß es Jesus von Nazaret war, rief er laut:
Sohn Davids, Jesus, hab Erbarmen mit mir!
Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen.
Er aber schrie noch viel lauter:
Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!
Jesus blieb stehen und sagte:
Ruft ihn her!
Sie riefen den Blinden und sagten zu ihm:
Hab nur Mut, steh auf, er ruft dich.
Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu.
Und Jesus fragte ihn:
Was soll ich dir tun?
Der Blinde antwortete:
Rabbuni, ich möchte wieder sehen können.
Da sagte Jesus zu ihm:
Geh! Dein Glaube hat dir geholfen.
Im gleichen Augenblick konnte er wieder sehen,
und er folgte Jesus auf seinem Weg.



Die Heilung des Blinden wird bei allen Synoptikern berichtet, bei Markus aber nur mit dem Ort und dem Namen des Geheilten. Diese Heilung geschieht im Zusammenhang mit der Jüngerschaft. In der vorherigen Szene wurde der Jüngerstreit um die Nummer 1 berichtet, im nächsten Kapitel erfolgt der Einzug in Jerusalem. Bartimäus wird zu dem Mann, der die Größe Jesu anerkennt und nur davon geprägt ist. Da er in der Heilung diese Größe bestätigt findet, wird er selbst zum Jünger.


Mk 10, 46-52 bildet die Schlußperikope des vierten und zugleich zentralen Hauptteils (8,27 – 10,52) im Markus-Evangelium. Die Jünger und mit ihnen die Leser sollen nach der Intention des Evangelisten in das Geheimnis des Gottesreiches und des Menschensohnes eingeführt werden, ins Gesetz der Nachfolge, in die Haltung des kindlichen Glaubens und des Dienens. V 47-48: Bartimäus hört von den vorbeigehenden Leuten, wer da vorbeikäme: "Es ist Jesus von Nazareth." In dieser Lage beginnt der Kranke zu schreien an, was als Ausdruck seines Glaubens aufzufassen ist. Markus insinuiert, daß der Blinde Jesus kennt. Bei der Bezeichnung "Sohn Davids, Jesus" geht es dem Evangelisten nicht um eine genealogische Aussage, sondern um eine eschatologische Würdebezeichnung für den Messias. Die zweimalige Anrufung, ein beliebtes volkstümliches Steigerungsmittel, unterstreicht und verstärkt die Bitte und hebt zugleich die Würde des Namensträgers hervor. Unsere Perikope stellt diesen Davidssohn dem Bartimäus gegenüber. Jesus ist als Retter und Helfer angsprochen. "Hab Erbarmen mit mir!" Eine solche Bitte konnte ein Jude in dieser Formulierung nur an Gott richten, nicht an den irdischen Messiaskönig, weil dieser nach zeitgenössischer Vorstellung gerade als ein handgreiflicher Ausdruck des göttlichen Erbarmens verstanden wurde. "Viele wurden ärgerlich und befahlen ihm zu schweigen." Eine erste, amorphe Glaubensstufe zeichnet sich darin ab, aber Jesus hört sie – sie ist ausreichende für sein Heilshandeln. V 50: Der Blinde handelt wie ein Sehender: "Da warf er seinen Mantel weg, sprang auf und lief auf Jesus zu." Eine dreifache, an sich für einen Blinden ungewöhnliche Aktivität. Ziel ist Jesus. Der sonst Geführte findet selbst zu Jesus. V 51: Die Frage Jesu provoziert die glaubende Antwort des Blinden. Der Dialog redet aber auch den Leser in seiner Heilsbedürftigkeit an. Heilshoffnung und Glaubenszuversicht sind deutlich genug ausgesprochen. V 52: Das Wunder wird nicht weiter geschildert. In der Weisung Jesu wird die Vollmacht Jesu ausgesprochen: "Geh, dein Glaube hat dir geholfen." Der Geheilte wird zum Jünger und folgt Jesus in die Passion. Das Wunder und die Wundererzählung sind nicht Selbstzweck, sondern Weg zur Nachfolge, Aufruf an die Leser, im Nazarener den Meister zu erkennen und anzuerkennen. Die Perikope faßt die ganze Jüngerbelehrung ab Mk 8,27 zusammen und bringt sie auf den Punkt: Erst der in Christus heile und gerettet Mensch ist auch zur Nachfolge bereit und fähig.