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15.11.2018

Lesungen 11.11.2018


1. Lesung vom 32. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
1 Kön 17,10-16
 

Lesung aus dem ersten Buch der Könige:

In jenen Tagen
machte sich der Prophet Elija auf und ging nach Sarepta.
Als er an das Stadttor kam,
traf er dort eine Witwe, die Holz auflas.
Er bat sie:
Bring mir in einem Gefäß ein wenig Wasser zum Trinken!
Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach:
Bring mir auch einen Bissen Brot mit!
Doch sie sagte:
So wahr der Herr, dein Gott, lebt:
Ich habe nichts mehr vorrätig als eine Handvoll Mehl im Topf
und ein wenig Öl im Krug.
Ich lese hier ein paar Stücke Holz auf
und gehe dann heim,
um für mich und meinen Sohn etwas zuzubereiten.
Das wollen wir noch essen und dann sterben.
Elija entgegnete ihr:
Fürchte dich nicht!
Geh heim, und tu, was du gesagt hast.
Nur mache zuerst für mich ein kleines Gebäck,
und bring es zu mir heraus!
Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas zubereiten;
denn so spricht der Herr, der Gott Israels:
Der Mehltopf wird nicht leer werden
und der Ölkrug nicht versiegen bis zu dem Tag,
an dem der Herr wieder Regen auf den Erdboden sendet.
Sie ging und tat, was Elija gesagt hatte.
So hatte sie mit ihm und ihrem Sohn viele Tage zu essen.
Der Mehltopf wurde nicht leer,
und der Ölkrug versiegte nicht,
wie der Herr durch Elija versprochen hatte.



In der heutigen Lesung wird die Begegnung Elijas mit der Witwe von Sarepta beschrieben. Nicht zum Lesungstext gehört 1 Kön 17,9 mit dem Wort Gottes an Elija: "Mach dich auf und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleib dort! Ich habe dort einer Witwe befohlen, dich zu versorgen." Somit ist es nicht ein zufälliges Treffen, sondern ein gewollter Besuch eines Propheten bei der Witwe. Sie sollte unter der von Gott als Strafe verhängten Dürre (siehe 1 Kön 17,1) nicht leiden. In dem Gebäck für den Fremden zeigt sie ihre Verwurzelung in der religiösen Tradition: Ein Fremder soll Hilfe finden. Gleichzeitig ist diese individuelle Hilfe für Mutter und Sohn ein Zeichen, dass Gott die Generation dieser Zeit nicht mehr in Kontakt zu ihm sieht. Nur ein "heiliger Rest" glaubt noch und lebt diesen Glauben. Die Verbindung zum Beispiel des Glaubens wird in Lk 4,26 deutlich, wenn Jesus sie in der Predigt in seiner Heimat zitiert. Der Glaube der Frau hat Gott handeln lassen.


In dieser Erzählung begegnen sich eine Witwe und der Prophet Elija. Der Name der Frau ist nicht überliefert, erzählt wird aber, dass sie allein für sich und ihren Sohn sorgen muss. Als Witwe hat sie keine rechtlich gesicherte Stellung. Sie will den letzten Rest ihrer Vorräte verbrauchen und ist dann bereit, mit ihrem Sohn zu sterben. Indem sie mit dem Propheten aber teilt, werden Mehltopf und Ölkrug nicht leer. Bedrückende existentielle Erfahrung und Gottes schöpferische Kraft werden in dieser Erzählung verbunden. Die Unterredung einerseits ("so wahr der Herr, dein Gott, lebt"), die Weisung andererseits ("denn so spricht der Herr...") drehen sich um Jahwe, den Gott Israels, der als Schöpfer der Welt Leben gewährt. In dieser Elija-Geschichte wird das auch für Sarepta bezeugt, einem Ort außerhalb Israels (und des Volkes Gottes). Besonders in den Psalmen wird Gott angerufen als Freund und Helfer der Witwen und Waisen. Psalm 146 z.B. liest sich wie eine hymnische Fassung der Elija-Geschichte.


1 Kön 17,10: Der Prophet Elija handelte im Auftrag Gottes und begab sich nach Sarepta, einer Stadt, etwa 13 Kilometer südwestlich von Sidon, an der Straße nach Tyrus. Heute heißt der Ort Sarafant. Nachdem Elija während einer vorangegangenen Hungersnot durch einen von Gott gesandten Raben am Leben erhalten worden war, soll er jetzt von einer armen Witwe versorgt werden. 1 Kön 17,11-12: Durstigen etwas zum Trinken zu geben, gehörte im Alten Orient zu den ersten Pflichten der Gastfreundschaft. Was zum Essen anzubieten ist gleichsam die zweite Pflicht. Die Witwe ist durchaus bereit zu helfen. Mit der Frage nach etwas Brot und der Unmöglichkeit diese Bitte auszuschlagen, schlittert sie aber in eine absolut existentielle Notsituation. Sie ist bereit ihre letzte Mahlzeit zuzubereiten und auch zu teilen, dann aber müssen sie und ihr Sohn verhungern. 1 Kön 17,13: Elija spricht ihr vorerst Mut zu und verstärkt dann seine Bitte nach Brot – angesichts der Situation der Witwe eine genaugenommen unverschämte Forderung. Aufgrund der folgenden Verheißung glaubt sie ihm aber und bringt ihm Wasser und Brot. 1 Kön 17,15: JHWH erhält die Menschen am Leben. Er ist ein Gott der Lebenden. Die Witwe glaubt und ohne berechnend zu sein, übt sie – im Vertrauen auf Gott – die Gastfreundschaft aus.


Ungekürzte Fassung der
1. Lesung des 32. Sonntags im Jahreskreis,
Lesejahr B: 1 Kön 17,1-16

Lesung aus dem ersten Buch der Könige

Der Prophet Elija aus Tischbe in Gilead sprach zu Ahab: So wahr der Herr, der Gott Israels, lebt, in dessen Dienst ich stehe: in diesen Jahren sollen weder Tau noch Regen fallen, es sei denn auf mein Wort hin.
Danach erging das Wort des Herrn an Elija: Geh weg von hier, wende dich nach Osten, und verbirg dich am Bach Kerit östlich des Jordan! Aus dem Bach sollst du trinken, und den Raben habe ich befohlen, daß sie dich dort ernähren.
Elija ging weg und tat, was der Herr befohlen hatte; er begab sich zum Bach Kerit östlich des Jordan und ließ sich dort nieder. Die Raben brachten ihm Brot und Fleisch am Morgen und ebenso Brot und Fleisch am Abend, und er trank aus dem Bach.
Nach einiger Zeit aber vertrocknete der Bach; denn es fiel kein Regen im Land. Da erging das Wort des Herrn an Elija: Mach dich auf, und geh nach Sarepta, das zu Sidon gehört, und bleib dort! Ich habe dort einer Witwe befohlen, dich zu versorgen.
Er machte sich auf und ging nach Sarepta. Als er an das Stadttor kam, traf er dort eine Witwe, die Holz auflas. Er bat sie: Bring mir in einem Gefäß ein wenig Wasser zum Trinken! Als sie wegging, um es zu holen, rief er ihr nach: Bring mir auch einen Bissen Brot mit! Doch sie sagte: So wahr der Herr, dein Gott, lebt: Ich habe nichts mehr vorrätig als eine Handvoll Mehl im Topf und ein wenig Öl im Krug. Ich lese hier ein paar Stücke Holz auf und gehe dann heim, um für mich und meinen Sohn etwas zuzubereiten. Das wollen wir noch essen und dann sterben.
Elija entgegnete ihr: Fürchte dich nicht! Geh heim, und tu, was du gesagt hast. Nur mache zuerst für mich ein kleines Gebäck, und bring es zu mir heraus! Danach kannst du für dich und deinen Sohn etwas zubereiten; denn so spricht der Herr, der Gott Israels: Der Mehltopf wird nicht leer werden und der Ölkrug nicht versiegen bis zu dem Tag, an dem der Herr wieder Regen auf den Erdboden sendet.
Sie ging und tat, was Elija gesagt hatte. So hatte sie mit ihm und ihrem Sohn viele Tage zu essen. Der Mehltopf wurde nicht leer, und der Ölkrug versiegte nicht, wie der Herr durch Elija versprochen hatte.


Antwortpsalm am 32. Sonntag im Jahreskreis (B)
Ps 146,5-10

R: Lobe den Herrn, meine Seele! - R
(Oder: Halleluja.)

Der Herr hat Himmel und Erde gemacht,
das Meer und alle Geschöpfe;
er hält ewig die Treue.
Recht verschafft er den Unterdrückten,
den Hungernden gibt er Brot;
der Herr befreit die Gefangenen. - (R)

Der Herr öffnet den Blinden die Augen,
er richtet die Gebeugten auf.
Der Herr beschützt die Fremden
und verhilft den Waisen und Witwen zu ihrem Recht. - (R)

Der Herr liebt die Gerechten,
doch die Schritte der Frevler leitet er in die Irre.
Der Herr ist König auf ewig,
dein Gott, Zion, herrscht von Geschlecht zu Geschlecht. - R  


2. Lesung am 32. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Hebr 9,24-28

Lesung aus dem Hebräerbrief:  

Christus ist nicht
in ein von Menschenhand errichtetes Heiligtum hineingegangen,
in ein Abbild des wirklichen,
sondern in den Himmel selbst,
um jetzt für uns vor Gottes Angesicht zu erscheinen;
auch nicht, um sich selbst viele Male zu opfern,
denn er ist nicht wie der Hohepriester,
der jedes Jahr mit fremdem Blut in das Heiligtum hineingeht;
sonst hätte er viele Male seit der Erschaffung der Welt leiden müssen.
Jetzt aber ist er am Ende der Zeiten ein einziges Mal erschienen,
um durch sein Opfer die Sünde zu tilgen.
Und wie es dem Menschen bestimmt ist,
ein einziges Mal zu sterben,
worauf dann das Gericht folgt,
so wurde auch Christus ein einziges Mal geopfert,
um die Sünden vieler hinwegzunehmen;
beim zweitenmal wird er nicht wegen der Sünde erscheinen,
sondern um die zu retten, die ihn erwarten.



Es geht um das Opfer Christi am Kreuz. Es ist ein Opfer, das endgültig ist (vgl Hebr 9,28). Und es ist ein Opfer, das durch ihn nötig ist, weil sonst niemand es tun konnte (vgl Hebr 9,25f). Es hat eine Gültigkeit aus sich selbst und ist nicht daran gebunden, dass die Glaubenden es annehmen. Wenn dies aber geschieht, so ist es Zukunft für die Glaubenden. Wenn die Parallelität zum Hohepriester aufgebaut wird, der für die Menschen das Opfer bringt und in ihren Anliegen betet, dann ist Christus der große Fürsprecher für die Gemeinde.


Die Lesung aus dem Hebräerbrief stellt Christus als "Hohenpriester" dar, unterscheidet ihn aber von den "Hohenpriestern" (Plural), die im Jerusalemer Tempel seit alters her Dienst getan haben. Die Typologie gewinnt nach dem Jahre 70 - der römischen Einnahme Jerusalems und der Zerstörung des Templs - an Bedeutung. Dies wird näher bestimmt: Christus geht in kein von Menschen errichtetes Heiligtum, sondern erscheint - für uns - vor Gottes Angesicht. Christus opfert sich selbst, bringt aber keine jährlichen Opfer (Versöhnungstag) dar - und sein Opfer tilgt die Sünde ganz. Wenn Christus wieder erscheint (und damit ist seine Epiphanie dann auch abgeschlossen und nicht wiederholbar), kommt er nicht wegen der Sünde, sondern um die zu retten, die ihn erwarten. In diesem Dreiklang wird die Würde Christi einer Gemeinde verkündigt, die noch in den alten Bildern von Tempel, Hohenpriester und Versöhnungstag lebt. Aber in Christus und von Christus her bekommen die Bilder und Erfahrungen einen neuen Inhalt: Christus ist der Hohepriester, er ist vor Gottes Angesicht und es ist sein eigenes Blut, das für uns spricht. Der Hebräerbrief qualifiziert das als "Ende der Zeiten", weiß aber um das "zweite Mal" - und um die Errettung derer, die Christus erwarten. In einem eschatologischen Blick ist der Bann der Sünde "dazwischen" jedoch gebrochen.


Hebr 9,24-26: Den Urchristen fiel es schwer, sich vom prächtigen Tempelkult oder von verschiedenen heidnischen Opferkulten zu lösen. In diese Situation hinein möchte der Brief an die Hebräer nochmals die Bedeutung des Opfertodes Jesu Christi in Erinnerung rufen und auf den "neuen Bund" hinweisen. Dieser neue Bund wurde einmal geschlossen und muss nicht jährlich erneuert werden. Die Opfer früherer Zeiten sind für die Christen nicht mehr notwendig und gelten als überholt. Sündenvergebung, Taufe und Eucharistie beruhen auf Opfertod und Auferstehung Jesu Christi. Hebr 9,27: Der Tod wird für uns Menschen ein Weg ins Leben, in die Rettung und Auferstehung. Die Christen sollen nicht müde werden, Gott treu zu bleiben. Hebr 9,28: Die Christen dürfen mit Zuversicht auf das Kommen Gottes warten und damit rechnen. Sie brauchen das Gericht nicht mehr zu fürchten. Heilspraktiken oder sogenannte "pharisäische" Leistungen sind zur Erlangung des Heils nicht notwendig.


Ruf vor dem Evangelium vom 32. Sonntag im Jahreskreis (B)
Mt 5,3

Halleluja. Halleluja.
Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Halleluja.   


Evangelium vom 32. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 12,38-44

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

In jener Zeit
lehrte Jesus eine große Menschenmenge und sagte:
Nehmt euch in acht vor den Schriftgelehrten!
Sie gehen gern in langen Gewändern umher,
lieben es, wenn man sie auf den Straßen und Plätzen grüßt,
und sie wollen in der Synagoge die vordersten Sitze
und bei jedem Festmahl die Ehrenplätze haben.
Sie bringen die Witwen um ihre Häuser
und verrichten in ihrer Scheinheiligkeit lange Gebete.
Aber um so härter wird das Urteil sein, das sie erwartet.
Als Jesus einmal dem Opferkasten gegenübersaß,
sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen.
Viele Reiche kamen und gaben viel.
Da kam auch eine arme Witwe
und warf zwei kleine Münzen hinein.
Er rief seine Jünger zu sich und sagte:
Amen, ich sage euch:
Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen
als alle andern.
Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluß hergegeben;
diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat,
sie hat alles gegeben, was sie besaß,
ihren ganzen Lebensunterhalt.



Das heutige Evangelium enthält in der Langfassung zwei verschiedene Abschnitte, in der Kurzfassung bleibt der erste Abschnitt weg. Der erste Abschnitt ist die Warnung vor der Falschheit der Schriftgelehrten. Sie sind nicht das, was sie sein sollen. In ihrem Amt halten sie die Synagogengemeinde am Leben, arbeiten aber zugleich an ihrem Untergang. Denn sie höhlen es von innen aus. Der zweite Abschnitt zeigt am Beispiel der Witwe, wie Glaube eine Sache des Herzens ist. Als Arme und als Witwe ist sie doppelt ausgegrenzt. Gerade sie ist es aber, die zeigt, wie Jesu Botschaft umgesetzt werden kann. Zugleich werden die Jünger auf diese Frau und ihre Größe hingewiesen. Sie sollen lernen, die Menschen mit anderen Augen anzuschauen. Wenn sie es lernen, können sie es auch anwenden und die Größe und Würde aller Menschen erkennen.


Das Evangelium hat in seiner "Langfassung" zwei, allerdings ineinander übergreifende Teile: die Warnung vor den Schriftgelehrten, die die Witwen bedrängen und finanziell ausnehmen - und das Opfer einer armen Witwe, das mehr wiegt als die Gaben, die von den Reichen kommen. Die - pauschale - Kritik an den Schriftgelehrten dokumentiert im Markus-Evangelium auch den Ablösungsprozess der jungen christlichen Gemeinde von ihrer jüdischen Herkunft. (Weil antijüdische Ressentiments bedient werden könnten, abgesehen von der Stichhaltigkeit der Vorwürfe, sollte im Gottesdienst nur die Kurzfassung vorgetragen werden, zumal auf ihr das kerygmatische Gewicht ruht.) Die Möglichkeit, Schriftgelehrte und Witwe gegeneinander zu profilieren, ist zwar im Evangelium angelegt, aber kontextuell beschränkt und relativiert. Wesentlicher sind die Oppositionen von „arme Witwe“ und "viele Reiche", von "Scherflein" und "etwas vom Überfluss". Von der literarischen Gattung her ist die Geschichte von dem Opfer der armen Witwe eine Chrie. Kennzeichen der Chrie ist die Erzählung einer einmaligen Begebenheit im Leben eines berühmten Mannes. Chrien erzählen nicht von Wundern, sondern von Überraschungen, ermöglichen Kritik und schenken eine nützliche Belehrung. Jesus überrascht seine Jünger (Vers 43) mit dem Paradox, dass wenig mehr ist, wenn das wenige alles ist (Vers 44). Das Amen-Wort Jesu (Vers 43b) nimmt das letzte Urteil Gottes vorweg; sein Urteil wird schon in dieser Szene gesprochen. "Die Witwe vollzieht den wahren Gottesdienst, wie ihn Jesus sich für einen gereinigten Tempel wünscht. Sie bringt sich selbst als Opfer dar. Indem der Evangelist mit der Szene vom Scherflein der Witwe Jesu Wirken in Jerusalem beschließt und mit der Endzeitrede fort fährt, in der die Zerstörung des Jerusalemer Tempels angekündigt wird, eröffnet er bereits den Ausblick auf die Passion Jesu. Er macht deutlich: Diese arme Frau hat mehr verstanden als die gebildeten Lehrer Israels. Was sie in ihrem Opfer tat, wird sich in der Lebenshingabe Jesu vollenden. Sein Lebensopfer wird den Tempel und den Tempelkult endgültig aufheben" (Franz Jung). Mehr (und zum Teil anders): http://www.perikopen.de/Lesejahr_B/32_iJ_B_Mk12_38-44_Jung.pdf


Mk 12,38: Eine auf den ersten Blick sehr erstaunliche Äußerung Jesu, gleichsam eine Warnung vor frommen Leuten, deren ganzes Leben auf die Belehrung des Volkes ausgerichtet ist. Einerseits haben sie großen Einfluss auf das Volk, andererseits sind sie aber ein Hindernis für den Glauben des Volkes. Der Begriff "lange Gewänder" bezeichnet wohl die festlichen Sabbatkleider zur Zeit Jesu - ein faltenreicher Überwurf mit Fäden oder Quasten. Der Rang des Trägers wird hier auch durch die Kleidung sichtbar gemacht (vgl.: Num 15,38; Dtn 22,12). In diese Gewänder hüllten sich die Schriftgelehrten neben dem Gebet auch bei der Rechtsprechung oder beim Lösen von Gelübden. Offensichtlich grüßten sie auch nicht von sich aus, sondern warteten auf den Gruß des/der jeweils Anderen. In der Synagoge saß das Volk auch oft auf dem Boden, während die Schriftgelehrten auf Bänken oder erhöhten Sitzen saßen - zumeist auch auf "Ehrenplätzen", in der Nähe des Thoraschreines. Mk 12,40: Witwen und Waisen standen in Israel unter dem besonderen Schutz des Gesetzes (vgl.: Ex 22,21; Jes 1,7ff; 10,2). Der Witwenstand war rechtlich und religiös sehr stark geschützt und es gehörte zu den selbstverständlichen Dingen des Alltagslebens, Witwen und Waisen beizustehen - zumal die rechtliche Position einer Frau in der damaligen Gesellschaft nicht so abgesichert war wie heute. Immer wieder schärften Propheten dem Volk die Schutzpflicht gegenüber den Witwen ein. Doch offensichtlich ohne große Wirkungen. Unter dem Deckmantel der Frömmigkeit wurde ihre jeweilige Notlage ausgenützt. Darauf bezieht sich auch das drohende Gerichtswort "Aber um so härter wird das Urteil sein, das sie erwartet". Nicht die Ehrenplätze und die Kleidung werden verurteilt, sondern die innere Haltung. (vgl.: Mt 6,5: Wenn ihr betet, macht es nicht wie die Heuchler. Sie stellen sich beim Gebet gern in die Synagogen und an die Straßenecken, damit sie von den Leuten gesehen werden. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten.). Mk 12,41: Vor den Schatzkammern des Jerusalemer Tempels standen 13 Opferstöcke. 12 für die Tempelsteuer, Pflichtabgaben, die Opfergaben etc. Der diensthabende Priester nahm das Geld entgegen, fragte nach dem Verwendungszweck, prüfte es und warf es dann in den entsprechenden Opferstock. In den 13. Opferstock warf man die freiwilligen Gaben. Mit den zwei kleinen Münzen der armen Witwe sind wahrscheinlich zwei "Lepta" gemeint, was etwa dem Lohn eines Tagelöhners entspricht und für den allernotdürftigsten Lebensunterhalt einer vierköpfigen Familie gereicht haben dürfte. Die Frau gibt also alles, was sie an diesem Tag zur Verfügung hatte und hat dabei nicht das Bewusstsein, etwas großes getan zu haben. Im Gegensatz zu denen, die einen Teil des Überflusses abgeben, gibt sie "alles". Mk 12,43: Die großen Spender werden von Jesus nicht getadelt. Glaube und Religiosität drückten sich immer schon auch in Geldopfern aus. Wichtig ist jedoch für ihn die innere Einstellung, die Bereitschaft zu teilen, gleichsam die Art, wie mit dem Geld "umgegangen", wie es "verwendet" wird. Reichtum ist als solcher nicht schlecht. Von Bedeutung ist aber, was man daraus macht und wie man ihn verwendet.


Kurzfassung des
Evangeliums vom 32. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr B:
Mk 12,41-44

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus:

In jener Zeit
als Jesus im Tempel dem Opferkasten gegenübersaß,
sah er zu, wie die Leute Geld in den Kasten warfen.
Viele Reiche kamen und gaben viel.
Da kam auch eine arme Witwe
und warf zwei kleine Münzen hinein.
Er rief seine Jünger zu sich und sagte:
Amen, ich sage euch:
Diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten hineingeworfen
als alle andern.
Denn sie alle haben nur etwas von ihrem Überfluß hergegeben;
diese Frau aber, die kaum das Nötigste zum Leben hat,
sie hat alles gegeben, was sie besaß,
ihren ganzen Lebensunterhalt.