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9.12.2018

Lesungen 02.12.2018


1. Lesung vom Ersten Adventssonntag, Lesejahr C:
Jer 33,14-16

Lesung aus dem Buch Jeremia.

Siehe, Tage kommen - Spruch des HERRN - ,
   da erfülle ich das Heilswort,
   das ich über das Haus Israel
   und über das Haus Juda gesprochen habe.
In jenen Tagen und zu jener Zeit
   werde ich für David einen gerechten Spross aufsprießen lassen.
Er wird Recht und Gerechtigkeit wirken im Land.
In jenen Tagen wird Juda gerettet werden,
Jerusalem kann in Sicherheit wohnen.
Man wird ihm den Namen geben:
   Der HERR ist unsere Gerechtigkeit.



Der Prophet Jeremia gehört zu den vorexilischen Propheten aus dem Südreich Juda. Er bekam kurz vor seinem Tod die Zerstörung des Tempels vermutlich noch mit. Andere Quellen belegen aber auch, dass er zuvor nach Ägypten verschleppt und dort gesteinigt wurde. In der vorliegende Perikope sieht Jeremia die Zerstörung Jerusalems voraus. Doch auch darüber hinaus hat Israel eine Zukunft - wenn es auf seinen Gott setzt.


Die Perikope stellt eine Sammlung von Einzelsprüchen dar, die das kommende Heil betreffen. Sie sind bewusst als "Spruch des Herrn" ausgewiesen, als Jahwewort. Die Rede vom "Spross" aus dem Haus Davids verweist auf den Titel des künftigen Herrschers, den Messias; sie geht zurück auf Jes 10,28-34, einem Drohwort, dass Juda "wie mächtige Bäume" gefällt wird; aus den Baumstumpf aber erwächst ein junger Trieb (Jes 11,1). Sach 6,12: "Da ist ein Mann, Spross ist sein Name; denn wo er steht, wird es sprossen, und er wird den Tempel des Herrn bauen." Die Rede von "Recht und Gerechtigkeit" ist mit dem Wirken des Königs verbunden. Vers 16 "Der Herr ist unsere Gerechtigkeit" verweist auf den letzten König, Zidkija (= "Jahwe ist meine Gerechtigkeit").


Die Kapitel 26 bis 35 des Jeremiabuches, denen die erste Lesung des Ersten Adventsonntags entnommen ist, enthalten Drohworte und Verheißungen an Jerusalem und Juda. In ihrem Kern sind sie in den Auseinandersetzungen vor dem Zusammenbruch Judas entstanden. Die Worte des Jeremia waren vielen Juden in der babylonischen Gefangenschaft Verheißung und Trost. Die Verse der Lesung sind Teil eines verhältnismäßig späten Nachtrags zu den Trost- und Verheißungsworten des Propheten. Im V. 15 wird ein Spross für David verheißen. Dies zu einer Zeit, in der das Haus David völlig darniederlag. Das Wort "Spross" spielt auf ein Bild des Propheten Jesaja (Jes 10:33) an, in dem er Juda mit einem Wald vergleicht, dessen mächtige Bäume gefällt werden. Aufgabe des Königs ist es, für Recht und Gerechtigkeit zu sorgen. Der verheißene König wird im Gegensatz zu König Jojakim, dem Jeremia das Gericht ankündigte, dieser Aufgabe nachkommen.


Antwortpsalm am 1. Adventsonntag (C)
Ps 25,4-5. 8-10. 14

Kv: Zu dir, o Herr, erhebe ich meine Seele. - Kv
(oder GL 307,5)


Zeige mir, HERR, deine Wege, *
lehre mich deine Pfade!
Führe mich in deiner Treue und lehre mich; /
denn du bist der Gott meines Heiles. *
Auf dich hoffe ich den ganzen Tag. - (Kv)

Der HERR ist gut und redlich, *
darum weist er Sünder auf den rechten Weg.
Die Armen leitet er nach seinem Recht, *
die Armen lehrt er seinen Weg. - (Kv)

Alle Pfade des HERRN sind Huld und Treue *
denen, die seinen Bund und seine Zeugnisse wahren.
Der Rat des HERRN steht denen offen, die ihn fürchten, *
und sein Bund, um ihnen Erkenntnis zu schenken. - (Kv)


2. Lesung vom Ersten Adventssonntag, Lesejahr C:
1 Thess 3,12 - 4,2

Lesung aus dem ersten Brief des Apostels Paulus
an die Gemeinde in Thessalonich.


Schwestern und Brüder!
Euch aber lasse der Herr wachsen und reich werden
   in der Liebe zueinander und zu allen,
   wie auch wir euch lieben,
damit eure Herzen gestärkt werden
und ihr ohne Tadel seid,
geheiligt vor Gott, unserem Vater,
   bei der Ankunft Jesu, unseres Herrn,
   mit allen seinen Heiligen.
Amen.
Im Übrigen, Brüder und Schwestern,
   bitten und ermahnen wir euch
   im Namen Jesu, des Herrn:
Ihr habt von uns gelernt,
   wie ihr leben müsst, um Gott zu gefallen,
und ihr lebt auch so;
werdet darin noch vollkommener!
Ihr wisst ja,
   welche Ermahnungen wir euch
   im Auftrag Jesu, des Herrn, gegeben haben.



Der erste Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Thessaloniki gehört zu den ältesten christlichen Schriftzeugnissen. Die Forschung ist sich einig, dass Paulus als Autor gilt. Der Brief ist ca. 50 n. Chr. in Korinth entstanden. Die ersten christlichen Schriftzeugnisse rechneten mit der baldigen Wiederkunft des Auferstandenen. Die Naherwartung forderte entsprechend ein ihr angemessenes, wachsames Leben. Die vorliegende Perikope ist eine Mischung aus Bitten für und Ermahnungen an die Gemeinde.


Aus dem ältesten der Paulusbriefe sind hier Wünsche und Erwartungen an die Gemeinde benannt. Paulus geht es dabei um eine geschwisterliche Liebe untereinander. Das Ziel, auf das alles zuläuft, ist in 3,13 benannt: "Wenn Jesus, unser Herr, mit allen seinen Heiligen kommt" – also die Parusie. Als Vorbild für ein Leben, das sich an diesem Ziel ausrichtet, stellt Paulus sein eigenes Leben hin.


Der Erste Brief an die Thessalonicher, dem die zweite Lesung des Ersten Adventssonntags entnommen ist, gilt als der älteste erhaltene Brief des Apostels Paulus. Auf seiner zweiten Missionsreise um das Jahr 50 hat er die Gemeinde in Thessaloniki gegründet, musste aber infolge heftiger Agitationen jüdischer Kreise die Stadt vorzeitig verlassen. Von Athen aus, einer weiteren Station seiner Missionsreise, schickte er Timotheus, um die Gemeinde in Thessaloniki zu besuchen. Auf die erfreulichen Nachrichten hin, die Timotheus von dort nach Athen brachte, schrieb Paulus den vorliegenden Brief, um die Christen der jungen Gemeinde zu stärken. Die hier von Paulus geäußerten Wünsche und Mahnungen werden erst verständlich, wenn man sich vor Augen hält, dass Paulus fest von der baldigen Rückkehr des Messias/Christus und von der Vollendung der Welt überzeugt war. In dieser Verfassung war nichts dringlicher als die persönliche Integrität jedes einzelnen. Es geht für den Christen darum, Gott zu gefallen und ohne Tadel zu sein, wenn der Messias zurückkehrt.


Ruf vor dem Evangelium am 1. Adventsonntag (C)
Ps 85,8

Halleluja. Halleluja.
Erweise uns, Herr, deine Huld,
und gewähre uns dein Heil.
Halleluja.


Evangelium vom Ersten Adventssonntag, Lesejahr C:
Lk 21,25-28. 34-36

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen
und auf der Erde
   werden die Völker bestürzt und ratlos sein
   über das Toben und Donnern des Meeres.
Die Menschen werden vor Angst vergehen
   in der Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen;
denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Dann wird man den Menschensohn
   in einer Wolke kommen sehen,
   mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Wenn dies beginnt,
   dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter;
denn eure Erlösung ist nahe.

Nehmt euch in Acht,
   dass Rausch und Trunkenheit
   und die Sorgen des Alltags euer Herz nicht beschweren
und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht
   wie eine Falle;
denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen.
Wacht und betet allezeit,
damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen
   und vor den Menschensohn hintreten könnt!



Die vorliegende Perikope umfasst sieben Verse aus der endzeitlichen Rede Jesu, die der Evangelist unmittelbar vor die Passionsgeschichte gesetzt hat. Diese Predigt ist in allen drei Evangelien enthalten. Die Verse schauen zum einen auf das erneute Kommen Jesu und haben dafür andererseits Ermahnungen parat. Im Gegensatz zu den sehr frühen Paulus-Schriften versucht Lukas die Naherwartung des Kommens zu relativieren. Seine Ermahnungen zielen auf eine gute Gestaltung der irdischen Zeit - etwa einerseits durch Mission bei fremden Völkern, andererseits durch ein gutes persönliches Leben -, nach der das Kommen Jesu in Herrlichkeit dann stattfinden kann.


Aus der Endzeitrede Jesu (Lk 17,20-37) sind hier zwei kurze Abschnitte herausgenommen: die kosmische Schilderung (Verse 25-28) und die Mahnrede (Verse 34-36). Zielpunkt ist hier (ähnlich wie in der Lesung aus dem Ersten Thessalonicherbrief) in Vers 27 die Rede vom Kommen des Menschensohns "in Macht und Herrlichkeit". Die apokalyptische Schilderung zeigt die Begleitumstände dieses Kommens; nicht um eine Angstmacherei geht es dabei (wie es Vers 26 nahelegen könnte), sondern darum, die Hoffnung zu nähren, dass die Bedrängnis ein Ende haben wird: die Erlösung ist nahe, die Menschen können ihre Häupter erheben (Vers 28). In der Mahnrede (Verse 34-36) warnt Jesus vor einem gedankenlosen "In-den-Tag-Hineinleben"; der Blick auf die kommende Endzeit hat Auswirkung auf mein Leben hier und jetzt. "Wachet und betet" (Vers 36) ist die Haltung, die es braucht: Aufmerksamkeit für das Leben um mich herum - und Offenheit für Gottes Wirklichkeit darin.


Mit dem Ersten Adventssonntag beginnt in der Liturgie das Lesejahr C, in dem ein großer Teil der Evangelientexte dem Werk des Lukas entnommen sind. Gleich der Einstieg am Ersten Adventssonntag bietet einen Text, der sich in ähnlicher Gestalt auch bei Markus und Matthäus findet. Er gehört zur apokalyptischen Literatur, die im Spätjudentum sehr beliebt war und auch in die ersten drei Evangelien Eingang gefunden hat. Lukas übernimmt jedoch nicht einfach den Text, wie er ihn bei Markus vorgefunden hat. Er zieht seine eigenen Linien und setzt eigene Akzente. Nach der Zerstörung Jerusalems bahnt sich bei Lukas eine Abkehr von der unmittelbaren Naherwartung der Messiasrückkehr an. Die Weltuntergangsvisionen der Apokalyptiker haben sich für ihn im Fall Jerusalems erfüllt, und dennoch geht das Leben, auch jenes der christlichen Gemeinden weiter. Lukas interessiert sich weniger als seine "Evangelistenkollegen" für die kosmischen Ereignisse. Er spricht zwar von der Erschütterung des Himmels, vom Toben des Meeres und von der Angst der Menschen. Für ihn sind das Mahnungen, auf das Kommen des Menschensohnes zu blicken und auf dieses Ereignis hin das Leben auszurichten. Lukas sieht durch das Noch-nicht-Eintreten des Kommens des Menschensohnes die Gefahr der Verflachung des christlichen Lebens. Wie die Heiden beginnen Christen ihren Lebensinhalt in Rausch und Lebensgenuß zu suchen oder sie gehen in den Sorgen des Alltags auf. Nach Auffassung des Lukas sollen sie in Wachsamkeit und Gebet ihr Leben auf das Kommen Christi ausrichten.


Ungekürzte Fassung des
Evangeliums vom Ersten Adventssonntag, Lesejahr C:
Lk 21,25-36

Aus dem heiligen Evangelium nach Lukas.

In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern:
Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen
und auf der Erde
   werden die Völker bestürzt und ratlos sein
   über das Toben und Donnern des Meeres.
Die Menschen werden vor Angst vergehen
   in der Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen;
denn die Kräfte des Himmels werden erschüttert werden.
Dann wird man den Menschensohn
   in einer Wolke kommen sehen,
   mit großer Kraft und Herrlichkeit.
Wenn dies beginnt,
   dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter;
denn eure Erlösung ist nahe.

Und er sagte ihnen ein Gleichnis:
Seht euch den Feigenbaum und die anderen Bäume an:
Sobald ihr merkt, dass sie Blätter treiben,
   erkennt ihr, dass der Sommer nahe ist.
So erkennt auch ihr,
   wenn ihr das geschehen seht,
   dass das Reich Gottes nahe ist.
Amen, ich sage euch:
Diese Generation wird nicht vergehen,
   bis alles geschieht.
Himmel und Erde werden vergehen,
   aber meine Worte werden nicht vergehen.

Nehmt euch in Acht,
   dass Rausch und Trunkenheit
   und die Sorgen des Alltags euer Herz nicht beschweren
und dass jener Tag euch nicht plötzlich überrascht
   wie eine Falle;
denn er wird über alle Bewohner der ganzen Erde hereinbrechen.
Wacht und betet allezeit,
damit ihr allem, was geschehen wird, entrinnen
   und vor den Menschensohn hintreten könnt!