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14.11.2018

Kontexte 11.03.2012


Die Kirche ist der Tempel Gottes im Heiligen Geist

Katholischer Erwachsenenkatechismus Bd. I, Teil 3, Seite 227.


Der Tempel bedeutet für die alte Welt den Ort der wirksamen Gegenwart Gottes in der Welt. Für Israel war es kennzeichnend, dass es lange Zeit keinen ortsfesten Tempel besaß; Gott war inmitten unter seinem Volk bei seinem Weg durch die Wüste gegenwärtig. So kann auch das Neue Testament die Kirche bzw. die konkrete Gemeinde als Tempel, als Ort der Gegenwart Gottes und Jesu Christi bezeichnen. "Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" (Mt 18, 20). Die Kirche meint also nicht in erster Linie einen Bau aus toten Steinen, sondern einen geistigen Bau aus lebendigen Steinen, dessen Eckstein Jesus Christus ist (vgl. 1 Petr. 2, 4 - 5).

Die Gegenwart Gottes und Jesu Christi geschieht im Heiligen Geist. Durch den Heiligen Geist werden wir Volk Gottes des Neuen Bundes (vgl. Jer 31,31-33; Ez 11,19-20; 36,26-27). Durch den einen Geist werden wir auch ein Leib in Christus (vgl. 1 Kor 12,13-14). So kann Paulus sagen:
"Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes verdirbt, den wird Gott verderben. Denn Gottes Tempel ist heilig und der seid ihr." (1 Kor 3, 16 - 17/vgl. 2 Kor 6, 16; Eph 2, 21)



Deine Nase ist der Ernstfall meiner Freiheit

Rut Pfau, in: Hartlieb, Quarch, Schellenberger, Spirituell leben, Freiburg 2006.


Freiheit: das ist für mich nichts Theoretisches. Freiheit zeigt sich praktisch. Konkret, im Alltag. Wie auch ihr Gegenteil.

Sind wir wirklich frei?
Gegen jeden Augenschein halte ich aufrecht: wenn wir nicht frei sind, hält uns doch keiner davon ab, frei zu werden, jeden Tag einen winzigen Schritt in Richtung Freiheit zu wagen. Dazu habe ich jeden Tag neu zahllose Gelegenheiten: indem ich andere durch meine Depression nicht belaste; durch Humor, wenn Frustration die Stimmung zu beherrschen droht; im ernstlichen Bemühen zu verstehen, auch wenn ich meine, da sei nichts zu verstehen -; im täglich neuen unbedingten Ja der Liebe.

Was Freiheit nicht ist?
Es gibt da eine Geschichte, die wir einander im Marie Adelaide Leprosy Center und im Lepra - und TB Kontrollprogramm für Pakistan, wo ich arbeite, oft erzählen: Als Pakistan die Freiheit erhielt, am Tage seiner Unabhängigkeit, da feierten die Menschen ein großes Fest. Die Männer der Bergstämme tanzten in den Straßen und wirbelten ihre Stöcke über den Köpfen und drehten sich im Kreise - und dabei traf ein Stock die Nase eines Fußgängers an der Seite. Hör, sagte der, jetzt sei mal vorsichtig, was machst du denn da? Ich bin frei, sagte der andere, ich kann machen, was ich will, keiner hat mir etwas vorzuschreiben!
Irrtum, sagte der andere, an meiner Nase hört deine Freiheit auf!
Freiheit ist keine Willkür. Freiheit ist nicht nur für mich. An deiner Nase hört meine Freiheit auf. Oder: Deine Nase ist der Ernstfall meiner Freiheit.



Die Zehn Gebote

Roland Rosenstock, Die Zehn Gebote, und was sie heute bedeuten, Hamburg 2007.


Die 10 Gebote haben die Aufgabe, die Freiheit zu schützen, ihr eine Form zu geben. Sie bewahren die Gemeinschaft und den Einzelnen vor Machtmissbrauch, Misstrauen und Kontrolle, sie schützen auch das Leben der Schwachen und regeln, was mein ist und was dein. Sie bewahren die Beziehungen zwischen Menschen vor dem Zerfall, können wie Bojen Untiefen anzeigen, damit wir unser Schiff durch den Sturm navigieren können, ohne Schiffbruch zu erleiden. Es geht um ein Leben in Freiheit und Würde. Es geht um Werte, die für unser Zusammenleben wichtig sind und die Gefahren, die das Zusammenleben in Freiheit gewähren.
Dieses Buch ist ein Plädoyer für eine Kultur der Ehrlichkeit, des Respekts und der Treue. Ich will die Bedeutung der Zehn Gebote für heute so umschreiben, wie ich sie sehe. Mein Anliegen ist nicht, neue Gebote zu formulieren, sondern den tiefen Sinn der alten Gebote für uns heute wieder begreifbar zu machen.



Geistkirche

Aus: Josef Ratzinger, Benedikt XVI, Gott und die Welt. Ein Gespräch mit Peter Seewald.


Vielleicht wird Gott die Kirche nie ganz fallen lassen, aber wäre es nicht auch eine kühne Idee, etwas völlig Neues zu beginnen? Dann gäbe es ein Altes, ein Mittleres und ein ganz neues Neue Testament. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei.

Das hatte sich ja auch Joachim von Fiore im 12. Jahrhundert ausgedacht. Er meinte, dass die Geschichte eigentlich dem Dreischritt der Trinität entsprechen müsse. Von der Zeit des Vaters, dem Alten Testament, die die besonders strenge Zeit des Gesetzes sei, über die Zeit des Sohnes, der Zeit der Kirche, die schon gemildert ist, bis hin zur Zeit des Heiligen Geistes mit einer ganz neuen Geistkirche. Die Geistkirche werde die Versöhnung zwischen Ost und West, die Versöhnung zwischen Juden und Christen, die wahre Freiheit vom Gesetz bringen. Diese Theorie hat große geschichtliche Wellen geschlagen. Zunächst hat sich ein Teil der franziskanischen Bewegung damit verbunden und sich als diese neue Geistkirche gefühlt. Der Gedanke wurde dann ins Säkulare gewendet und reicht mit der Bezeichnung "Drittes Reich" bis in die Hitlerei hinein.

Henri de Lubac hat zwei große Bände über die Nachwirkungen von Joachim geschrieben. Er zeigt darin auch, wie diese Idee über einen Teil der franziskanischen Bewegung, die sich als die eigentliche heilige Geistkirche dem verweltlichten Papsttum entgegengesetzt hat, zu erheblichen theologischen Auseinandersetzungen führte. Hier wurde allerdings auch klargestellt, dass es einen solchen Dreischritt der Geschichte nicht gibt. Die ganze Geschichte ist durchgängig die Zeit des dreifaltigen Gottes. Die Kirche als solche ist das letzte Wort Gottes in der Geschichte, weil Christus sein letztes, sein ganzes Wort ist. Sie ist zwar vielfältiger Entfaltungen fähig, aber es wird nichts anderes mehr geben. Ihr ist wirklich verheißen: Ich bin bei euch, mit euch, mit dieser Kirche bis ans Ende der Welt. Alles andere wäre selbstgemacht, Menschenwerk, das kommt und vergeht.



Vom Zorn überwältigt

Aus: Heiner Geißler, Was würde Jesus heute sagen? Die politische Botschaft des Evangeliums.


... Da der Hohe Priester und seine Familie von den Geschäften im Tempel profitierten, war diese Gewaltaktion, die von den Theologen gemeinhin als "Tempelreinigung" bezeichnet wird, "ein direkter Angriff auf die Sippe der mächtigsten Familie des Landes" und musste großes Aufsehen erregen. Jesus war offenbar vom Zorn so überwältigt, dass ihm das gleichgültig war. Um dieses Gewalttat, die nicht so recht in das Klischee des sanften und friedlichen Jesus hineinpassen will, zu rechtfertigen, griffen die Evangelisten tief in die Kiste des Alten Testamentes und brachten zur Entschuldigung das Zitat eines alten Propheten , der einmal gesagt haben soll: Der Eifer für mein Haus verzehrt mich (Ps. 69,10).
Jesus wurde hinterher zur Rede gestellt. Er sagte zunächst, dass man das Haus Gottes nicht zu einer Markthalle machen dürfe. Das sagte er relativ versöhnlich zu den Taubenhändlern, die ja auch leben wollten. Die Beamten von der Tempelbehörde gingen direkt zur Sache und fragten, welche Legitimation er eigentlich habe für einen solchen Skandal.
"Welche Zeichen lässt du uns sehen als Beweis, dass du dies tun darfst?" (Joh 2,18)
Jesus lässt sich, offenbar vom Zorn überwältigt, auf die eigentliche Frage gar nicht ein, sondern sagt:
"Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten."
Damit konnte er nicht das Gebäude gemeint haben, wie auch der Evangelist vermutet. Er schleudert ihnen entgegen, indem er auf sich zeigte:
Ihr könnt mich ruhig totschlagen, nach drei Tagen bin ich wieder da.