23.05.2018

Kontexte 04.02.2018


Das Heil der Welt

Aus Gerhard Lohfink, Heute – wann sonst?. Unangepasstes über Gott und die Welt. Katholisches Bibelwerk Stuttgart 2014.


Das Heil der Welt hängt nicht an religiösen Gefühlen möglichst vieler. Es hängt auch nicht an der Reise ins eigene Innere. Gott entstand nicht aus den Träumen der Menschen. Er war längst da, bevor der erste Affe zu träumen begann. Das Heil der Welt hängt an einer realen Geschichte, die sich an bestimmbaren Orten und in definierbarer Zeit vollzog, und die doch die Geschichte Gottes mit der ganzen Welt war. Das Heil der Welt hängt daran, dass es Menschen gab, die sich auf diese Geschichte Gottes mit der Welt eingelassen und Gott im Glauben geantwortet haben: Abraham, Isaak, Jakob, Mose, Josua, Samuel, David, Jesaja, Joschija, Esra, Johannes der Täufer. Es ist keine Geschichte, die sich im Kosmos an anderen Orten beliebig wiederholen oder die sich noch um eine neue Zielmarke verlängern könnte. Sie fand ihre Endgültigkeit in Jesus von Nazaret. Das Heil der Welt ist also schon entschieden. Aber es braucht noch viele, die den Weg nachgehen, der mit Abraham begann und in Jesus sein Ziel erreichte.



Heilung in einer verwundeten Welt

Aus: Hildegund Keul, Auferstehung als Lebenskunst. Was das Christentum auszeichnet. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2014.


Jesus setzt sich für die Armen ein, weil er mit der Armut von Menschen konfrontiert wird und weil ihm dies keine Ruhe lässt. Seine Wertschätzung der Armen folgt dem, was er wahrnimmt. Da ist zum einen die bedrängende Armut mit ihren vielen Gesichtern, die ihm alltäglich vor Augen tritt. Zum anderen liegt ihm die Armut alltäglich im Ohr, da seine heiligen Schriften sie besprechen. Die reelle Armut vor Augen und das Wort Gottes im Ohr - so entsteht Jesu Option für die Armen. Beides verstärkt sich wechselseitig. Wenn man mit der konkreten Armut konfrontiert wird, wird man hellhörig für ihre Thematisierung im Alten Testament. Und wenn die jüdischen heiligen Schriften Armut zu Gehör bringen, so schärft dies den Blick für das Elend, das alltäglich begegnet. Um Gottes und der Menschen willen schaut Jesus nicht an der Armut vorbei, und er hört nicht weg, wenn davon die Rede ist. Nur Weniges lässt sich über Jesus von Nazareth sagen - das aber sicher: Er war jemand, der sich von der Armut anderer Menschen bewegen ließ.



Wunder, gelegentlich, aber meistens nicht

Aus Gerhard Lohfink, Heute – wann sonst?. Unangepasstes über Gott und die Welt. Katholisches Bibelwerk Stuttgart 2014.


In einer Podiumsdiskussion über Wunder in der Bibel fiel der Satz: „Für mich ist nicht einzusehen, warum der allmächtige Gott nicht gelegentlich ein Wunder wirken kann, und warum Wunder die Naturordnung Gottes ,stören‘ sollen.“

Der Satz wird verständlich vor dem Hintergrund einer leichtfertigen Nivellierung biblischer Wunder, wie sie bei manchen Theologen noch immer gang und gäbe ist. Trotzdem hilft er nicht weiter. Denn das „gelegentlich“ schafft Probleme. Es riecht nach göttlicher Willkür. Muss der normale Christ dann nicht denken: „Wenn Gott gerade einmal will, wirkt er Wunder. Offenbar will er aber meistens nicht. In meinem Leben hat er noch nie gewollt. Oder sollte ich etwas übersehen haben? Jedenfalls hat er in Auschwitz mit Sicherheit nicht gewollt. Aber gerade dort wären Rettungswunder fällig gewesen; dort ging es um sein Volk.“ Fazit: Die Vorstellung, dass Gott „gelegentlich“ Wunder wirkt, aber meistens nicht, kann nur Verwirrung stiften.

Müsste man das Ganze nicht umdrehen? Gott will das Wunder nicht nur gelegentlich. Er will es unablässig. Er umgibt die Welt geradezu mit seiner handlungsbereiten Liebe. Er durchdringt alles mit seinem Geist, der ständig das Angesicht der Erde erneuern möchte. Aber als Wunder in der Welt ankommen kann der Geist Gottes nur dann, wenn Menschen sich ihm öffnen. Weil Jesus für Gott absolut offen war - so offen wie kein anderer - war sein Leben voller Wunder. Überall wo er Glauben fand, geschahen Wunder. Und überall, wo er in der Kirche Glauben findet, geschehen auch heute Wunder. Das „gelegentlich“ ist nicht bei Gott zu situieren, sondern bei uns. Dass es leider nur ein „gelegentlich“ ist, liegt nicht an Gott, sondern an unserem Unglauben.



Über das Gebet

Aus: Papst Franziskus / Abraham Skorka, Über Himmel und Erde. Jorge Bergoglio im Gespräch mit dem Rabbiner Abraham Skorka. Hrsg. Von Diego Rosemberg. Riemann Verlag, München 2013.


Skorka: Das Gebet muss dazu dienen, die Menschen zu vereinen. Es ist ein Moment, in dem alle dieselben Worte sprechen. Im Judentum ist es sogar so, dass sich mindestens zehn Menschen zusammenfinden müssen, um einem Gebet Kraft zu verleihen. Das Gebet ist also ein gemeinschaftsstiftender Akt: Wir beten mit denselben Worten, auf dieselbe Art und Weise, mit demselben Ziel. Vor allem aber muss das Gebet ein Akt der Innenschau sein, jeder muss sich selbst finden, um mit Gott zu sprechen. Das ist gar nicht so einfach, denn bei diesem Dialog gilt es zu unterscheiden zwischen der eigenen Stimme und der Stimme Gottes. Einer der Gründe, warum man die Bibel studieren sollte, liegt genau hier: um zu lernen, diese beiden Stimmen nicht zu verwechseln. Jeder mystische Akt ist ein Versuch, Gott näherzukommen, ihn zu spüren. Und genau dies ist auch die Grundbedingung des Gebets. Das hebräische Wort für beten lautet leitpalel und bedeutet: sich selbst beurteilen. Wann immer man sich Gott nähern will, muss man zunächst einmal seine eigenen Fehler entdecken.

Bergoglio: Beten ist ein Akt der Freiheit. Doch manchmal kommt es zu dem Versuch, das Gebet kontrollieren zu wollen, was gleichbedeutend damit ist, Gott kontrollieren zu wollen. Das hat mit einer Verzerrung zu tun, mit einem exzessiven Ritualismus oder mit einer der vielen anderen Kontrollhaltungen. Beten heißt zu sprechen und zu hören. Es gibt Momente tiefer Stille, der Anbetung, in Erwartung dessen, was geschehen wird. Im Gebet lebt diese ehrfurchtsvolle Stille mit einer Art des Schachems zusammen wie in der Situation, als Abraham mit Gott über die Strafen für Sodom und Gomorra verhandelt. Mose feilscht auch, indem er für sein Volk bittet, er möchte den Herrn überzeugen, sein Volk nicht zu bestrafen. Das ist eine mutige Haltung, die zusammen mit Demut und Anbetung für das Beten unbedingt erforderlich ist.



Nicht nur die Wunde ist wichtig

Aus: Anton Rotzetter, Gott, der micht atmen läßt. Gebete des Lebens. Herder Verlag Freiburg im Breisgau 1994 (1985).



Ausgetretene Kirchenschwellen

Aus: Ilse Pauls, Auf dem Weg. Gedichte und Gebete. Edition Club Art International, Klagenfurt, Sonnengasse 16, Austria, 2009.



Kraft der Stille

Aus: Cäcilia Kittel, Sei stille dem Herrn. Impulse zur Eucharistischen Anbetung. Don Bosco Verlag, München 2006.



Vorschnelle Gesundung

Aus: Eugen Roth, Ein Mensch. Fischer Verlag, Frankfurt AM Main 1995.



Mitgefühl

Aus: Luise Rinser, Mitgefühl als Weg zum Frieden. Meine Gespräche mit dem Dalai Lama. Kösel Verlag, München 1995.



Berufungsgebet des heiligen Franziskus

Aus: Youcat. Jugendgebetbuch. Hrsg. von Georg von Lengerke und Dörte Schrömges. Pattloch Verlag, München 2011.



Worauf es heute ankommt

Aus: Youcat. Jugendgebetbuch. Hrsg. von Georg von Lengerke und Dörte Schrömges. Pattloch Verlag, München 2011.



Ich treibe dich aus

Aus: Ulrich Schaffer, Gott in der Weite meiner Fantasie. Kreuz Verlag, Stuttgart 2008.



Tun wir das Richtige?

Aus: Andrea Schwarz, Mitten im Leben. Momentaufnahmen aus der Seelsorge. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2008.



Was ist wichtig im Leben?

Joan Chittister in: Leben 2010. Ein Lesebuch. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2009.



Die Welt ein wenig besser machen

Peter Essler in: Berufung als Lebensstil. Aufbrechen in ein wertvolles leben. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 2011.



Sendung zum Dienst ohne Hintergedanken

Aus: Kurt Koch, Bereit zum Innersten. Für eine Kirche, die das Geheimnis lebt. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 2003.



Protest für eine glaubwürdige Kirche

http://www.pfarrer-initiative.at/



Erfahrung des Heils

Edgar Rohmert; Sonntagsgruss zum 8. Februar 2009, zitiert aus: Konvent der Kamillianer (Hrsg): Sonntagsgruss 84. Jahrgang 2009.



Er fasste sie an der Hand

Aus: Deutsches Liturgisches Institut (Hrsg); Er fasste sie an der Hand, Gebetszettel zur Krankensalbung. Erste Innenseite.



Meine schöpferische Lebenskraft

Aus: Pierre Stutz: "Lebe, was dir Kraft gibt", Herder Verlag Freiburg im Brsg., 2004.



Was wir verkünden

Aus: Albert Stüttgen, Einkehr in die Stille. Bernward Verlag. Zitiert im Canisius-Kalender August 2009.



Jesu Wahrnehmung

Aus: Andreas Felger, Joachim Wanke; Gottesnähe. Vater unser, Präsenzverlag Hünfelden - Gnadenthal 2005.



Dankbarkeit

Aus: Ruth Martin; Mit herzlichem Dank. Herder Verlag Freiburg-Basel-Wien 2006.