23.05.2018

Kontexte 29.04.2018


Was bleibt

Alfons Dirscherl


Was bleibt,
wenn nicht mehr zählt, was früher wichtig war:
Arbeit und Leistung, Kraft und Stärke?
Was bleibt,
wenn ich mich elend fühle, krank und schwach und angewiesen auf die Hilfe anderer?
Gerade jetzt, wo ich nur wenig tun kann oder gar nichts mehr, gerade jetzt
ist wichtig, zu vertrauen, dass mir die Liebe bleibt, die du mir schenkst,
dass ich nichts tun oder leisten muss,
um bei dir anerkannt zu sein und nicht vergessen.
Du sagst es klar:
Aus sich heraus bringt keine Rebe Frucht;
sie bringt nur Frucht, wenn sie am Weinstock bleibt.
Nicht das, was ich von mir aus noch zustande bringe, zählt:
Es zählt allein, dass ich mit dir verbunden bin.
Von dir kommt jenes Leben, das auch trägt,
wenn Not und Krankheit es belasten.
Um dieses Leben bitte ich:
um das Verbundensein mit dir, dem wahren Weinstock.



In dir will ich bleiben

Boeckholt/Hofmann


Am Weinstock Christi möchte ich
immer mit ihm verbunden bleiben,
mit ihm verwachsen bleiben, mit ihm in Einheit bleiben,
damit ich von ihm Zeugnis gebe, damit ich ihn verherrliche,
damit ich reiche Frucht bringe
und nicht getrennt werde von ihm,
und nicht abgeschnitten werde
und nicht weggeworfen werde.

Frucht will ich bringen, die bleibt,
die Frucht der Verzeihung,
die Frucht der Versöhnung,
die Frucht der Freude,
die Frucht des Glaubens,
die Frucht der Hoffnung,
die Frucht der Liebe.
In dir will ich bleiben, auf dich will ich setzen,
eins mit dir will ich sein.



Max Horkheimer

Quelle unbekannt


Vom jüdischen Philosophen Max Horkheimer stammen die Worte: "Letztlich kann nur zuverlässig sein, wer gebunden ist, und zwar nicht nur an eigene Ideen und Vorstellungen, nicht nur an das, was an Einsicht und sittlicher Kraft innerhalb des eigenen engen Horizontes liegt. Es braucht die Gebundenheit und das Gehaltensein der Einzelnen durch eine Instanz, die über ihnen steht und anerkannt wird."



Ich brauche Menschen

Aus: P. Heinrich Stummer, Dir vertraue ich, Gebete, Geschichten, Besinnungstexte, Alfons Liguori Freundeskreis, Ingolstadt 2004.


Ich brauche die Menschen,
die mich gern haben in der Familie,
am Arbeitsplatz, und überall wo ich bin.
Sie machen mich glücklich.
Ich brauche die, die mich nicht gern haben.
Sie geben mir die Erkenntnis meiner Schwächen
und machen mich reifer.
Ich brauche die, die mehr wissen, mehr können oder haben als ich.
Sie helfen mir weiter.
Ich brauche die, die weniger wissen, weniger können oder haben als ich.
Sie geben mir Selbstvertrauen und die Möglichkeit zum Geben.
Ich brauche die, die ähnlich denken und fühlen wie ich.
Sie geben mir den Halt der Gemeinschaft.
Ich brauche die, die ganz anders sind als ich.
Sie bewahren mich vor Enge und Einseitigkeit.



Margareta Maria Alacoque (1647-1690)

Aus: Klemens Tilmann, Mit Mystikern sich Gott nähern, Rex-Verlag München/Luzern.


Die große Sehnsucht des Herrn nach der Verehrung seines Herzens scheint mir darauf aus zu sein, in unseren Herzen die Frucht der Erlösung zu erneuern. Denn sein heiliges Herz ist eine unerschöpfliche Quelle und sucht nichts anderes, als sich in demütige Herzen zu ergießen, damit sie frei und bereit werden, das eigene Leben nach seinem göttlichen Wohlgefallen einzusetzen.
Von diesem göttlichen Herzen fließt die Gnade unaufhörlich in drei Kanälen aus:
Aus dem ersten Kanal strömt das Erbarmen mit den Sündern und gibt ihnen den Geist der Reue und Umkehr ein.
Der zweite Kanal ist der der Liebe. Er bringt all denen Hilfe, die in Not und Mühsal sind, vor allem denen, die nach Vollkommenheit streben, damit sie bei der Bewältigung ihrer Schwierigkeiten Hilfe finden.
Aus dem dritten Kanal fließen Liebe und Licht für die vollkommenen Freunde Jesu, die er mit sich vereinigen will, um ihnen sein Wissen und seine Gebote mitzuteilen; sie sollen sich - jeder in einer anderen Form - der Mehrung seiner Herrlichkeit weihen.

Dieses göttliche Herz ist der Abgrund alles Guten, in dem die Armen all ihre Not untertauchen sollen. Es ist ein Abgrund der Freude, in den wir all unsere Traurigkeit versenken sollen, ein Abgrund der Demut gegen unser Unvermögen, ein Abgrund des Erbarmens für alle Unglücklichen, ein Abgrund der Liebe, in dem unsere ganze Armut untergehen soll.



Bleibt in meiner Liebe

Aus: Franz Kamphaus, Hinter Jesus her. Anstöße zur Nachfolge. Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2010.



Dich suchen heißt Dich lieben

Augustinus in: YOUCAT, Jugendgebetbuch. Herausgegeben von Georg Lengerke und Dörte Schrömges. Pattloch Verlag, München 2011.



Du hinter uns

Aus: Lothar Zenetti, Auf seiner Spur. Texte gläubiger Zuversicht. Matthias Grünewald Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2011.



Christus in meinem Herzen

Aus: Wolfgang Poeplau, Der Herr mache hell deine Tage, Segenswünsche aus Irland. Tvd-Verlag Düsseldorf 1997.



In der Liebe Gottes sein

Aus: Rainer Maria Rilke, Worte die verwandeln. Herausgegeben von Adelheid Nießen. Herder Verlag, Freiburg Basel Wien 1989/2001.



Die Früchte sehen

Aus: Werner Tiki Küstenmacher, Jesusluxus. Die Kunst wahrhaft verschwenderischen Lebens. Goldmann Verlag München 2011.



In der Sistina

Conrad Ferdinand Meyer, Gedichte. Ausgewählt von Rüdiger Görner. Inseltaschenbuch Frankfurt am Main und Leipzig 1998.



Die Visite

Aus: Hans Magnus Enzensberger, Gedichte 1950 - 2005. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006.



Was bleibt?

Aus: Erich Fried, Politische Gedichte. Vietnam, Israel, Deutschland. Verlag Klaus Wagenbach Berlin 2008.



wachstum

Aus: Said, Psalmen. C. H. Beck Verlag, München 2007.