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14.08.2018

Pfarrer Bernd Kösling verstorben

Pfarrer Bernd Kösling
Pfarrer Bernd Kösling

Am 26. Juni 2018 ist Pfarrer Bernd Kösling, ein engagierter Mitarbeiter des Predigtforums, im Alter von 55 Jahren verstorben. - Anfang Februar bat Bernd Kösling mit folgenden Zeilen um eine Pause: "Ich muss leider sämtliche Termine für das Predigt Forum absagen. Leider habe ich eine schwere Krebsdiagnose bekommen ...  Tut mir leid. Wenn es wieder geht, melde ich mich natürlich und mache gerne auch weiter. Denn es macht mir viel Freude." - Wir vermissen einen engagierten Verkündiger der Frohen Botschaft. R.I.P.

Kontexte 03.06.2018


Gott begegnen

Aus: Cäcilia Kittel, Sei stille dem Herrn, München 2006.


Herr, ich bin gekommen
dir zu begegnen
dir nahe zu sein
dir etwas zu bringen
von meinen Freuden
meinen Sorgen
meinen Fragen
die mich beschäftigen
die mich ausfüllen
die mich begleiten
hinein in die Nacht
hinein in den Tag
und wieder hinein in die Nacht
in der ich alleine bin
mit der Finsternis
mit mir
und mit dir
dem Unsichtbaren
dem Allumfassenden
dem Größeren
der eint
der trennt
und der zu unterscheiden versteht
zwischen Wegen, die in Sackgassen enden
und Wegen, die mich weiterführen
auf den Pfad, der allein zu dir führt
zu dir
dem Dreifaltigen
dem Anderen
dem Einen



Wie wird Sonntag?

Nach einer afrikanischen Fabel.


Eines Tages kamen unter einem großen Baum die Tiere zusammen, weil auch sie einen Sonntag haben wollten, wie die Menschen. Der König der Tiere, der Löwe, erklärte: Das ist ganz einfach. Wenn ich eine Gazelle verspeise, dann ist für mich Sonntag. Das Pferd meinte: Mir genügt schon eine weite Ebene, dass ich stundenlang austraben kann, dann ist für mich Sonntag. Das Schwein grunzte: Eine richtige Dreckmulde und ein Sack Eicheln müssen her, dann ist für mich Sonntag. Das Faultier gähnte und bettelte: Ich brauche einen dicken Ast um zu schlafen, wenn es bei mir Sonntag werden soll. Der Pfau stolzierte einmal um den Kreis, zeigte sein prächtiges Federkleid und stellte höflich, aber bestimmt fest: Nur ein Satz Schwanzfedern, er genügt für meinen Sonntag. So erzählten und erklärten die Tiere Stundenlang, und alle Wünsche wurden erfüllt. Aber es wurde unter ihnen kein Sonntag. Da kamen die Menschen vorbei und lachten die Tiere aus: Ja, wisst ihr denn nicht, dass es nur Sonntag wird, wenn man mit Gott wie mit einem Freund spricht?



Der Sonntag ist heilig

Aus: Franz Sieder, gegen den Strom, Amstetten 2001.


Auszüge aus einer Rede der Demonstration der Gewerkschaft gegen die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten am 20. November 1997 in St. Pölten: „Der Sonntag ist heilig.“

Für mich als Christ geht es nicht nur darum, dass am Sonntag eine Zeit und Möglichkeit zum Gottesdienst gegeben ist. Für mich ist der ganze Sonntag heilig. Es gibt heilige Bezirke, die auch die Mächtigen der Wirtschaft nicht zu betreten haben. Der Sonntag ist für Christen der Tag der Ruhe, der Entspannung und Besinnung. Gott selbst ist der Sonntag heilig und, weil er IHM heilig ist, darum ist er auch uns heilig.

... die neoliberale Wirtschaft gebärdet sich momentan wie ein wild gewordenes Raubtier, das in alle geheiligten Bezirke eindringen will und alles auffressen möchte.

Wir müssen vor diese geheiligten Bezirke ein Gitter bauen, um dieses Raubtier aufzuhalten. Dieses Gitter ist die gemeinsame Solidarität der Christen und der Gewerkschaften. Jesus hat jene, die im Tempel von Jerusalem ihre Verkaufsbuden aufgestellt haben und Geschäfte gemacht haben, mit der Peitsche verjagt und zu ihnen gesagt: „Ihr habt das Haus meines Vaters zu einer Markthalle gemacht.“ Er würde auch heute die Händler von Multiplex mitsamt dem Herrn Landeshauptmann mit einer Peitsche verjagen und zu ihnen sagen: „Ihr habt meinen Tag – den Tag Gottes, der mir heilig ist und auch euch heilig sein soll, entweiht und vermarktet.“

Der Mensch soll am Sonntag aus der Entfremdung, die er oft in der Arbeit erfährt, wieder zu sich selbst finden können. Wir dürfen uns als Christen von der Wirtschaft nicht einfach ins spirituelle Abseits drängen lassen und zu Konsumsklaven und Konsumtrotteln machen lassen.
In der Liquidierung des Sonntages wird für uns sichtbar, dass die neoliberale Wirtschaft nicht nur eine Vergötzung des Geldes betreibt, sondern auch eine Vergötzung der Zeit. Für mich ist diese Entweihung des Sonntages auch ein Zeichen dafür, dass die Wirtschaft und der Herr Landhauptmann Gott immer mehr aus unserer Gesellschaft verdrängen möchten und alle Tage in gewinnbringende Zeit umsetzen möchten, denn Zeit ist Geld.

Dem Herrn Landeshauptmann möchte ich am Schluss zurufen: „Wenn Sie weiter eine solche Politik machen, dann hoffe ich, dass Ihnen bei der kommenden Wahl die Christen ihre Stimme verweigern!“